Rauchstopp – Was passiert jetzt in meinem Körper?

Es ist nie zu spät mit dem Rauchen aufzuhören, auch wenn es nicht immer einfach ist. Du wirst nicht glauben, wie sehr sich Nikotin auf Deinen Körper auswirkt und vor allem wie sehr sich Dein Lebensgefühl ändert, wenn Du mit dem Rauchen aufhörst. In diesem Beitrag haben wir für Dich alles zum Thema Rauchstopp zusammengefasst.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 3. Juli, 2020

Wieso ist Nikotin so schädlich?

Zigaretten beinhalten viele Giftstoffe, die wir zwar nicht sehen können, die wir aber einatmen. Durch das Einatmen des Rauchs gelangen Giftstoffe, über die Luftröhre in unsere Lunge und von dort aus in den restlichen Körper.
 
Teer beispielsweise legt sich mit der Zeit als eine Schicht in der Lunge ab. Dadurch kann die Lunge nicht mehr richtig arbeiten und das macht den Raucher krank.  Kohlenmonoxid führt zu einer schlechteren Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Körpers. Dies ist auch der Grund, warum Raucher oft unter Reizhusten leiden und schneller außer Atem kommen. Atemwegserkrankungen wie Bronchitis können die Folge sein. Verteilen sich die Giftstoffe auch im restlichen Körper, können diese einen erheblichen Schaden anrichten, und auch Krankheiten wie Krebs auslösen. Zudem steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfälle, Bluthochdruck und Arteriosklerose (Raucherbein).
 
Zigaretten enthalten viele Giftstoffe und sind nicht nur für den Raucher slebst, sondern auch für seine Mitmenschen ungesund
 
Nikotin wiederum fördert Krebs und vermindert die Erfolge von Chemo- und Strahlentherapien. Zudem triggert es ebenfalls Arteriosklerose und Diabetes Typ-2, da es zu höheren Fettsäure- und Cholesterinspiegeln im Blut führt und damit die Verstopfung von Gefäßen fördert. Für Schwangere ist Nikotin besonders schädlich und kann das ungeborene Kind langfristig und schwerwiegend beeinträchtigen. Neuste Untersuchungen lassen vermuten, dass der Konsum von Nikotin während einer Schwangerschaft zum plötzlichen Kindstod beiträgt und die spätere Gehirn- und Lungenentwicklung stört.
 
Und auch die negativen Sofortwirkungen des Rauchens sind spürbar. Egal ob als Aktiv- oder Passivraucher, die meisten von uns haben es schon mal erlebt: gereizte Augen, trockene Mund- und Nasenschleimhaut, schlecht durchblutete, matt wirkende Haut und eine Verschlechterung des Geschmackssinns. Eine dauerhafte Reizung im Mund kann zu Entzündungen der Mundschleimhaut und Zähne führen und durch die Schadstoffe, durch die unser Körper beim Rauchen ausgesetzt ist, werden Alterungserscheinungen der Haut beschleunigt.
 
Besonders schädlich ist Rauchen auch für Kinder und Jugendliche, da ihre Organe noch nicht fertig ausgewachsen sind. Die Giftstoffe aus dem Rauch können bei ihnen noch einen höheren Schaden als bei Erwachsenen anrichten.

Was bewirkt Nikotin in unserem Gehirn?

Beim Inhalieren des Zigarettenrauches gelangt das Nikotin direkt über die Lunge ins Blut und erreicht innerhalb von sieben Sekunden das Gehirn. Dort trifft es auf nikotinerge Rezeptoren und eine Reihe physiologischer Reaktionen werden auslöst. Es erfolgt eine erhöhte Abgabe von Adrenalin ins Körperinnere. Das Herz beginnt schneller zu schlagen, der Blutdruck steigt, die Speichel- und Schweißproduktion erhöht sich und der Hautwiderstand nimmt ab, da die Hauttemperatur sinkt. Zudem wird die motorische Darmtätigkeit erhöht. Psychisch machen sich stimulierenden Effekte wie eine erhöhte Leistungsfähigkeit und verbesserte Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistung bemerkbar. Gleichzeitig werden Appetit, Stress, Angst, Unsicherheit, Nervosität und Müdigkeit unterdrückt.
 
Nikotin ist auch der Stoff in der Zigarette, der zur Abhängigkeit führt. Durch das ausgeschüttete Dopamin, erhält der Raucher Glücksgefühle. Das körperliche Verlangen nimmt dabei schnell zu und immer mehr Nikotin wird benötigt, damit keine Entzugssymptome entstehen. Umso schwerer fällt es dann, mit dem Rauchen aufzuhören.

Welche Methoden gibt es, um mit dem Rauchen aufzuhören?

Ein fester Wille ist die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Rauchstopp.
 
Bei der Schlusspunkt Methode wird der Tag X festgelegt, an dem man in das Leben als Nichtraucher startet. In der Praxis hat sich die radikale Methode bewährt.  Eine Mehrheit von rund 80% der Ex-Raucher befürwortet die Methode „von einem Tag auf den anderen aufhören“. Für manche Raucher eignet sich die schrittweise Raucherentwöhnung besser, nach und nach erfolgt dabei die Reduzierung des Zigarettenkonsums.
 
Unterstützt werden kann der Zigarettenentzug durch Nikotin Ersatz-Präparate aus der Apotheke. Diese können den Nikotinentzug abmildern. Um das richtige Produkt zu wählen, lässt Du Dich am besten vom Arzt oder Apotheker beraten.
 
In der Apotheke gibt es unterschiedliche Mittel, um sich das Rauchen besser abgewöhnen zu können
 
Zudem gibt es viele nicht-medikamentöse Wege, die die Rauchentwöhnung unterstützen: Akupunktur, Hypnose, autogenes Training und ärztliches Coaching können dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, die Wirksamkeit dieser Methoden ist allerdings nicht nachgewiesen und schlägt deshalb auch nicht bei jeder Person an.

Was passiert in meinem Körper, wenn ich mit dem Rauchen aufhöre?

Die ersten Minuten nach der letzten Zigarette
Innerhalb weniger Minuten, nach der letzten Zigaretten setzen die ersten Reparaturmechanismen des Körpers ein. Eine halbe Stunde nach der letzten Zigarette normalisiert sich die Durchblutung von Händen, Füßen und Haut und der Blutdruck pendelt sich auf normale Werte ein.
 
2 Stunden nach der letzten Zigarette
Blutdruck und Puls sinken weiter in Richtung Normalbereich und auch die Durchblutung verbessert sich immer mehr. Bereits jetzt kann es zu Entzugserscheinungen kommen, begleitet vom intensiven Verlangen nach Zigaretten, Angespanntheit, Frustration, erhöhtem Appetit und Schlaflosigkeit.
 
8 Stunden nach der letzten Zigarette
Nun normalisiert sich auch der Sauerstofftransport im Körper, das bedeutet weniger Kohlenmonoxid, dafür mehr frischer Sauerstoff. Durch das Rauchen lagert sich Teer in der Lunge und in den Schleimhäuten ab, dadurch kann unsere Lunge nicht mehr richtig arbeiten. Zigarettenrauch beinhaltet Kohlenmonoxid, dieses kann den Sauerstoff aus den roten Blutkörperchen verdrängen und vermindert so den Sauerstoffgehalt im Blut, sowie im gesamten Körper.
 
1 Tag nach der letzten Zigarette
Mit jedem Tag des Nichtrauchens sinkt auch das Herzinfarktrisiko. Das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden ist bei Rauchern um 70% höher. Selbst nach einem Infarkt lohnt es sich noch, mit dem Rauchen aufzuhören, denn die Sterblichkeit ist bei Rauchern nach einem Infarkt mitunter doppelt so hoch wie bei Ex-Rauchern.
 
2 Tage nach der letzten Zigarette
Bereits 48 Stunden nach der letzten Zigarette, wachsen Nervenenden so zurück, dass sich Geruchs- und Geschmackssinn deutlich verbessern.
 
3 Tage nach der letzten Zigarette
Dein Körper hat das Nikotin abgebaut und Deine Atmung verbessert sich spürbar. Nun ist jedoch auch der Nikotinentzug besonders stark. Symptome reichen von Kopfschmerzen, Gereiztheit bis hin zu Übelkeit. In dieser Zeit ist es besonders wichtig ein starkes Durchhaltevermögen zu haben.
 
Durch den Nikotinentzug kann es zu unangenehmen Symptomen, wie Kopfschmerzen, kommen
 
2- 3 Wochen nach der letzten Zigarette
Die Selbstreinigung des Körpers beginnt. Nach zwei bis zwölf Wochen beginnen sich Kreislauf und Lunge zu stabilisieren. Du solltest Dich nun wesentlich besser bei sportlichen Aktivitäten fühlen. Viele Ex-Raucher haben die Entzugserscheinungen überwunden.
 
1 bis 9 Monate nach der letzten Zigarette
Nach dem ersten rauchfreien Monat beginnt sich die Lunge zu reparieren. Mit der Zeit gehen auch der Reizhusten und die Kurzatmigkeit zurück, eine normale Lungenfunktion ist wieder erreicht. Selbst starke Raucher verspüren nach sieben Monaten keine Entzugserscheinungen mehr.
 
1 Jahr nach der letzten Zigarette
Du hast es geschafft – 1 Jahr rauchfrei! Dein Herzinfarktrisiko ist um 50% gesunken.
 
5 bis 15 Jahre nach der letzten Zigarette
Das Herzinfarktrisiko gleicht langsam dem eines Nichtrauchers. Die Verengung der Herzkranzgefäße haben sich zurückgebildet und auch das erhöhte Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist auf die Hälfte des eines Nichtrauchers geschrumpft.

Welche Entzugserscheinungen können auftreten?

Typische Symptome bei der Zigarettenentwöhnung sind:
 

  • Reizbarkeit und Frustration
  • Müdigkeit und Abgespanntheit
  • Intensives Verlangen nach Zigaretten
  • Heißhunger
  • Konzentrationsprobleme
  • Niedergeschlagenheit

 
Viele Betroffene verspüren bei der Rauchentwöhnung ebenfalls einen starken Heißhunger

Was kann ich unternehmen, dass mir die Entwöhnung leichter fällt?

Um Dir den Zigarettenentzug so angenehm wie möglich zu gestalten, gibt es auch einige Selbsthilfe-Tipps, die vor allem bei starken Entzugserscheinungen helfen können:
 

  • Bewegung, wie zum Beispiel Ausdauersport
  • Entspannungsübungen, Meditieren oder Yoga
  • Gespräche mit Partner, Familie oder Freunden
  • Viel Schlaf und Ruhepausen
  • Ablenkung in Umgebung, wo nicht geraucht wird
  • Viel trinken und langsam, gesunde Gerichte essen
  • Kleine (gesunde) Snacks für zwischendurch, oder Bonbons und Kaugummi stillen starkes Hungergefühl
  • Zeit an der frischen Luft verbringen
  • Wichtige Aufgaben wenn möglich verschieben, mehrere Pausen beim Arbeiten einlegen
  • Verwende Rauchstopp Apps und mache Dir Deine Leistung bewusst! Führe Dir die Vorteile des Nichtrauchens regelmäßig vor Augen

Welche weiteren Vorteile bringt mir der Rauchstopp?

Schönere Haut
Nichtraucher haben schönere Haut und Zähne. Nach dem Rauchstopp sieht der Teint frischer und ebenmäßiger aus. Verfärbungen auf Fingern und Nägeln verschwinden und auch Deinen Zähnen tut der Rauchstopp gut, da die Zigaretten zu gelblichen Verfärbungen beitragen.
 
Gesundheit
Nichtraucher sind fitter, denn wer auf Zigaretten verzichtet hat eine bessere Kondition. Zudem leben Nichtraucher im Schnitt länger. Rauchen ist ein Risikofaktor für viele Krankheiten, wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßverengungen, Bluthochdruck und Schlaganfälle.
 
Verbessertes Sexualleben
Wer auf Zigaretten verzichtet, hat eine bessere Durchblutung und empfindsamere Nerven. Daher haben männliche Nichtraucher eine bessere Erektionsfähigkeit und nicht rauchende Frauen kommen leichter zum Orgasmus.
 
Steigende Fruchtbarkeit
Fakt ist, dass rauchende Männer häufiger an Impotenz leiden als Nichtraucher.
 
Der Rauchstopp hat viele Vorteile. Unter anderem verbessert sich die körperliche Kondition stark

Sind E-Zigaretten wirklich gesünder?

Viele Raucher steigen auf elektronische Modelle um und immer neuere Modelle und Geschmacksrichtungen, gelten als harmlos und cool. E-Zigaretten sind allerdings nicht gesünder, nur weniger schädlich. Der Dampf von E-Zigaretten enthält keine Verbrennungsprodukte und beinhaltete damit weniger Schadstoffe als Zigarettenrauch. Bei E-Zigaretten wird dagegen nur eine Flüssigkeit zum Verdampfen gebracht. Dessen Nebel enthält ebenfalls schädliche Stoffe, jedoch in geringerem Ausmaß. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Modelle am Markt und viele Produkte aus dem Ausland haben andere Sicherheitsmerkmale. Die Liquids unterscheiden sich vor allem in ihrer Qualität. Derzeit gibt es keine gesicherten Erkenntnisse über E-Zigaretten und die Langzeitfolgen sind relativ unerforscht.

Ist Passivrauchen ebenfalls schädlich für die Gesundheit?

Auch Passivrauchen kann krank machen. Der giftige Zigarettenqualm schadet nicht nur Deinem eigenen Körper, sondern auch den Menschen in Deiner Umgebung. Viele Kinder, deren Eltern rauchen, können zum Beispiel ein Leben lang unter der Atemwegserkrankung Asthma leiden. Hörst Du also mit dem Rauchen auf, tust Du nicht nur Dir selbst, sondern auch Deinen Mitmenschen etwas Gutes!


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