Das Belohnungssystem des Gehirns – Funktionsweise und Auslöser

Unser Alltag ist geprägt von wiederkehrenden Handlungen: schlafen, essen, zur Arbeit gehen, Sport treiben, einkaufen – die Liste ließe sich endlos fortführen. Manches davon sind Grundbedürfnisse, andere Handlungen beschreiben unsere Freizeitbeschäftigungen, wieder andere Notwendigkeiten. Doch dahinter steckt jeweils der gleiche Mechanismus, das Belohnungssystem in unserem Gehirn.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 27. August, 2020

Was genau ist das Belohnungssystem?

Das Belohnungssystem besteht aus einer Reihe von Arealen und Nervenverbindungen im Gehirn von Wirbeltieren. Als das Zentrum des Belohnungssystems gilt das sogenannte mesolimbische System. Es handelt sich dabei um ein System aus verschiedenen Nervenzellen (Neuronen), die entscheidend an der Entstehung positiver Gefühle beteiligt sind und die Dopamin als Botenstoff (Neurotransmitter) verwenden. Wissenschaftler sprechen daher auch vom mesocortikolimbischen dopaminergen Belohnungssystem.
 
Wesentliche Bestandteile des Belohnungssystems sind:
 

  • Nucleus accumbens,
  • ventrale tegmentale Zone (VTZ oder ventrales Tegmentum),
  • frontaler Cortex,
  • Striatum,
  • Hippocampus und
  • Amygdala.

 
Das Belohnungssystem ist sehr stark in emotionale Lernprozesse eingebunden und entscheidend an der Entstehung von Lustgefühlen und Freude beteiligt. Dadurch kann das mesolimbische System beispielsweise eine positive Verstärkung eines Verhaltens (Belohnungslernen) bewirken. Das geschieht durch die Verschaltung mit anderen Bereichen des limbischen Systems.
 
Der wichtigste Botenstoff (Neurotransmitter) des mesolimbischen Systems ist das Dopamin, das umgangssprachlich auch als Glückshormon bekannt ist. Sein Einfluss auf die Psyche bezieht sich vor allem auf die Antriebssteigerung und Motivation.
 
Das Belohnungssystem war und ist vor allem dazu gedacht, die Grundbedürfnisse zu befriedigen. In der Anfangszeit war das lebensnotwendig, um den Menschen beispielsweise zur Nahrungsbeschaffung zu motivieren und damit die Selbsterhaltung zu sichern. Allerdings belohnt das Gehirn auch solche Verhaltensweisen und Handlungen, die nicht unbedingt (überlebens-)notwendig sind. Anders gesagt: Die Handlungen, die heute bei uns für Glücksgefühle sorgen, sind langfristig gesehen oft schädlich oder ungesund.

Entdeckung per Zufall

Die Entdeckung des Belohnungssystem erfolgte eher zufällig. Die US-Forscher James Olds und Peter Milner vom California Institute of Technology untersuchten im Jahr 1954 das Verhalten von Laborratten. Sie wollten neue Erkenntnisse über Lernprozesse gewinnen. Zu diesem Zweck pflanzten sie jeder Ratte eine Elektrode ins Gehirn, die auf Kopfdruck leichte elektrische Ströme abgab und dadurch das Gehirn reizte.
 
Bei einem Tier positionierten die Forscher die Elektrode versehentlich im falschen Hirnareal. Diese Ratte kehrte immer wieder an die Stelle zurück, an der sie den Stimulus bekommen hatte – offenbar in der Hoffnung auf einen erneuten Reiz.
 
Olds und Miner begannen daraufhin, dieses Verhalten näher zu untersuchen. Sie setzten Versuchsratten, die auch wieder eingepflanzte Elektroden hatten, in eine sogenannte Skinner-Box. Im Käfig montierten sie einen Hebel, den die Tiere selbstständig bedienen konnten. Drückten sie ihn, verpassten sie sich selbst einen leichten Stromschlag.
 
Diesen elektronischen Reiz empfanden die Ratten als angenehm, sozusagen als Belohnung. Dadurch wurde ihr Verhalten beziehungsweise Verlangen zunehmend verstärkt: Immer häufiger betätigten die Tiere den Hebel. Sie zogen die Stimulation des Belohnungssystems sogar dem Fressen und Trinken vor.
 
Mit Hilfe zahlreicher weiterer Tests erstellten die Forscher in den folgenden Jahren eine detaillierte Karte des Belohnungssystems im Gehirn.

Die Funktionsweise

Es sind die Aussicht auf Belohnung und das Verlangen nach etwas Bestimmten, die uns zum Handeln antreibt und für die nötige Motivation sorgt. In Bezug auf unsere Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken ist das ein lebenswichtiger Vorgang, der da im Gehirn passiert. Wird beispielsweise der Durst gestillt oder bekommt eine hungrige Person etwas zu essen, stellt sich ein Glücksgefühl im Gehirn ein.

Das Gehirn steuert unser Belohnungssystem

Reize sorgen für Glücksgefühle
 
Das Ganze funktioniert wie ein Schaltkreis: Ein Auslöser beziehungsweise Reiz von außen lässt bestimmte Hirnareale reagieren, die zum Belohnungssystem gehören. Sie generieren daraufhin einen Drang, den das Großhirn als bewusstes Verlangen auffasst, und geben dem Körper die Anweisung, das Verlangen zu stillen. Das löst im Gehirn die Motivation aus, etwas zu tun beziehungsweise sich besonders anzustrengen, um ein Ziel zu erreichen.
 
Wenn wir dem Verlangen nachgeben oder das Ziel erreicht haben, reagiert das Belohnungssystem, das immer dann aktiviert wird, wenn das Gehirn eine Belohnung in Form von positiven Emotionen erwartet. Es geht also nicht um den Reiz an sich, sondern um die freudige Erwartung, dass die Befriedigung des Verlangens danach Glücksgefühle auslösen könnte.
 
Der Drang zur Wiederholung
 
Die Krux dabei: Das Glücksgefühl, das sich einstellt, ist immer nur von kurzer Dauer. Das löst bei uns den Wunsch aus, schnell wieder etwas zu tun, um das Belohnungssystem erneut zu aktivieren und den Glückszustand erneut zu erleben. Das Belohnungssystem ist somit gleichzeitig auch ein Motivationssystem.
 
Die Erfahrungen und Handlungen, die Dopamin freisetzen, werden als wohltuend eingeordnet. Hinterher erinnern wir uns an sie als positive Ereignisse und bringen sie mit dem Glücksgefühl in Verbindung. Das führt dazu, dass diese Handlung in der Zukunft höchstwahrscheinlich wiederholt wird, beziehungsweise, dass in einer ähnlichen Situation wieder das Verlangen danach aufkommt.

Auslöser für das Belohnungsgefühl

Um das Belohnungssystem anzuregen, braucht es immer einen sogenannten Trigger. Im Prinzip gibt es unendlich viele Möglichkeiten, was als Trigger wirken und im Gehirn den Kick auslösen kann, der das Belohnungssystem stimuliert. Das liegt daran, dass jeder auf andere Dinge und Handlungen stärker oder weniger reagiert.
 
Der Reiz, der das Verlangen auslöst, kann der Anblick, der Duft oder das Geräusch einer bestimmten Sache, aber auch eine Handlung sein. Da die Erinnerungen und Erlebnisse bei jedem individuell sind, können auch die Reize bei jedem Menschen andere sein.

Sport als Trigger für das Glücksgefühl

Bekannte Trigger
 
So individuell Trigger sein können – es gibt manche, die bei vielen Menschen das Belohnungssystem stimulieren, und dadurch jedem bekannt sind. Hier ein paar Beispiele dazu:
 
Kleidung und andere Dinge kaufen: Wenn wir uns neue Kleidung kaufen, stellen sich Glücksgefühle ein. Dieser Glücksmoment, den wir dabei erleben, ist wie ein Kick, der die Laune nach oben treibt. Das ist auch der Grund dafür, warum viele Menschen shoppen gehen, wenn sie einen schlechten Tag hatten oder anderweitig Aufmunterung brauchen.
 
Dies ist der Grund, weshalb Shopping von einigen durchaus als Hobby bezeichnet wird. In einer Studie gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass ein Einkaufstrip sie aufmuntert. Für 30 Prozent trägt das Shopping zudem zum Abbau von Stress bei. Einkaufen als Belohnung nutzen übrigens nicht nur Frauen. Statt der typischen Schuhe sind es bei Männern stattdessen Technikartikel oder Werkzeug, die vermehrt in den Einkaufswägen landen.
 
Glücks- und Computerspiele spielen: Auch die Aussicht auf einen Gewinn regt das Belohnungssystem an, denn das Gehirn registriert eine Gewinnausschüttung als Belohnung. Je höher die mögliche Gewinnsumme ist, desto stärker fällt das Glücksgefühl im Falle eines Gewinns aus.
 
Da ist es gut zu wissen, wo man am meisten herausholen kann. Besonders lukrativ sind Spielautomaten mit progressiven Jackpots. Sie ermöglichen Gewinne in Millionenhöhe. Wird der Jackpot geknackt, starten diese Automaten aber wieder mit recht niedrigen Gewinnen. Deswegen kann es sich lohnen, zusätzlich weitere Spielautomaten im Blick zu behalten, die überdurchschnittliche Auszahlungen ermöglichen. Einige Jackpots sind über mehrere Spiele zusammengeschlossen und/oder mit mehreren Casinos verbunden. Diese sogenannten pooled Jackpots erhöhen dadurch die Gewinnchance.
 
Wie ein Glücksspiel ausgeht, ist immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden, weil niemand das Ergebnis vorhersagen kann. Dadurch weist das Glücksspiel einen besonderen Reiz auf. Ganz ähnlich funktioniert der Trigger in Bezug auf Computerspiele.
 
Wer schon öfter Glücks- oder Computerspiele gespielt hat und sie aufgrund positiver Erfahrungen mit Glückgefühlen verbindet, wird aber noch durch viele weitere Reizfaktoren beziehungsweise Trigger zum erneuten Spielen motoviert: Das können die spezifischen Sounds der Spiele sein, bestimmte Bildfolgen oder die Farbkombinationen.
 
Fortschritte beim Training: Für alle, die Sport treiben, wirkt die Aussicht auf Trainingsfortschritte als Trigger. Dieser Reiz spornt sie dazu an, hart zu trainieren und dabei immer wieder die persönlichen Grenzen zu überschreiten. Wird das Trainingsziel erreicht, eine persönliche Bestzeit übertroffen oder ähnliches, belohnt das der Körper mit Glücksgefühlen. Diese Erfahrung motiviert wiederum dazu, weiter zu machen und noch besser zu werden.
 
In diesem Fall sind es also ganz unterschiedliche Empfindungen, die ein gutes Gefühl auslösen. Zum einen gibt es dieses besondere Hochgefühl, das wir oft spüren, wenn wir uns beim Sport ausgepowert haben. Auch hierfür sind Hormone verantwortlich. Zum anderen sorgt der eher abstrakte Eindruck, ein persönliches Ziel erreicht zu haben, für das positive Erleben der körperlichen Aktivität.

Belohnung als Form der Konditionierung

Die Wirtschaft macht sich die Wirkungsweise des Belohnungssystems zunutze und setzt sie für ihre eigenen Zwecke ein. Immer wieder werden wir im Alltag mit Triggern konfrontiert, die Motivation und ein Verlangen nach beziehungsweise die Hoffnung auf Belohnung auslösen sollen.
 
Kaufverlangen
 
Ein Verkäufer muss sich (Werbe-)Strategien einfallen lassen, um in den Kunden die Motivation zum Kauf zu wecken. Beispielsweise verspricht er über die Werbung für ein bestimmtes Produkt, dass sich der Kunde durch das Produkt besser fühlt oder etwas für seine Gesundheit tut. Die Belohnung, die das Kaufverlangen beziehungsweise die Motivation zum Kauf wecken soll, ist also ein gesteigertes Wohlbefinden. Ähnlich funktioniert das Prinzip mit Rabatten und Sonderangeboten. Hierbei wird das Kaufverlangen durch die verlockende Geldersparnis als versprochene Belohnung ausgelöst.

Für viele bringt ein Onlinekauf Glück

Arbeitsleistung
 
Noch stärker als beim Geldausgeben spielt beim Geldverdienen die Motivation eine wichtige Rolle. Jeder Arbeitgeber wünscht sich Mitarbeiter, die jeden Tag top motiviert sind und dementsprechend gute Arbeit leisten. Um die Motivation anzukurbeln, versprechen Arbeitgeber, gute Leistungen mit einer Gehaltserhöhung oder einer Bonuszahlung zu honorieren. Die Belohnung ist in dem Fall also Geld oder auch ein geldwerter Vorteil. Aber auch Lob und Anerkennung für geleistete Arbeit erhöhen die Motivation
 
Gute Leistungen, die über einen längeren Zeitraum erbracht werden, können außerdem mit einer Beförderung belohnt werden. Der Anreiz, sich als Mitarbeiter mehr anzustrengen und gute Arbeit abzuliefern, besteht in dem Fall in mehreren Punkten:
 

  • Eine bessere Position, die den Mitarbeiter seinem beruflichen Ziel ein Stück näherbringt,
  • ein höheres Gehalt,
  • vielfältigere und neue Aufgaben, möglicherweise mit mehr Verantwortung, und
  • mehr Spaß an der Arbeit.

 
Wenn Du einmal genau darauf achtest, wirst Du feststellen, dass die Motivation im Sinne einer Aktivierung des Belohnungssystems beinahe in allen Bereichen des menschlichen Lebens eine tragende Rolle spielt. Die Wirtschaft ist nur ein Teil davon.

Das Belohnungssystem austricksen – geht das?

Das Belohnungssystem kannst Du nicht steuern, Du kannst es Dir aber zunutze machen. Wenn Du weißt, wie das Belohnungssystem funktioniert beziehungsweise auf welche Belohnungsanreize Du selbst reagierst, kannst Du Dich selbst gezielt austricksen. Dadurch kannst du das Verlangen nach bestimmten Dingen abstellen oder dich langfristig für etwas motivieren möchtest.
 
Das kann beispielsweise eine schlechte Angewohnheit oder ungesundes Verhalten sein, das Du dauerhaft durch ein besseres, gesünderes Verhalten ersetzen möchtest. Denn dafür brauchst Du viel Motivation und Durchhaltevermögen.
 
Schlechte Angewohnheiten als Belohnung
 
Jeder hat schon einmal oder mehrfach versucht, sich bestimmte Verhaltensweisen abzugewöhnen, weil sie auf Dauer nicht gesund für den Körper sind. Mit auf der Liste stehen: Mit dem Rauchen aufhören, weniger Süßigkeiten essen, mehr Sport treiben.
 
Aber: Das Gehirn ist auf eine möglichst schnelle Befriedigung der Bedürfnisse ausgelegt. Wenn es die Wahl zwischen zwei Handlungsoptionen hat, wird sich das Gehirn immer für die entscheiden, die schneller das Belohnungssystem anregt und nicht für die, die langfristig besser wäre.
 
Ein gutes Beispiel ist die Art, wie viele von uns für Entspannung sorgen oder mit Stress umgehen: Sich nach Feierabend gemütlich auf die Couch legen und fernsehen, am Computer oder an der Konsole zocken, rauchen oder Süßigkeiten essen – durch solche Dinge fühlen wir uns gut und entspannt. Dabei hat Sport langfristig den gleichen Effekt und ist noch dazu um einiges besser für die Gesundheit. Trotzdem entscheiden wir uns in der Regel für die ungesunden Varianten, weil sie sofort das Belohnungssystem anregen und wir uns dafür nicht erst noch durch Sport anstrengen müssen.
 
Je häufiger Du dem Drang nach schneller Belohnung nachgibst, desto stärker wird das in Deinem Gehirn abgespeichert. Dein Gehirn lernt, dass Du Dich durch dieses Verhalten schnell besser fühlst, und wird in ähnlichen Situationen das Verlangen nach dieser „Belohnung“ signalisieren. Auf diese Weise schleichen sich schlechte Angewohnheiten und ungesunde Verhaltensweisen in Deinen Alltag ein.

Das Gehirn merkt sich auch schlechte Angewohnheiten

Tricks für die Umstellung
 
Allzu häufig nehmen wir uns vor, mit dem Rauchen aufzuhören, abzunehmen und mehr Sport zu treiben – und regelmäßig scheitern wir daran, weil uns nach kurzer Zeit die Motivation wieder verlässt. Es gibt aber einige psychologische Tricks, die Dir dabei helfen, motiviert zu bleiben und Deine Ziele zu erreichen.
 
Was hilft, um Dein Belohnungssystem zu aktivieren und motiviert zu bleiben:
 

  • Stecke Dir konkrete Ziele: Was möchtest Du erreichen?
  • Unterteile Dein Hauptziel in kurz-, mittel- und langfristige Zwischenziele. Kleinere Etappen sind leichter zu erreichen.
  • Feiere Deine kleinen Erfolge und schreibe jedem Zwischenziel eine gewisse Belohnung zu. Neben der Belohnungsfunktion Deines Gehirns kannst du diesen Mechanismus auch selbst noch befördern.
  • Denke positiv. Glaube an Dich und Deine Fähigkeiten.
  • Setze Dich nicht zu sehr unter Druck.

 
Im Prinzip geht es bei all diesen Tricks darum, das Belohnungssystem in regelmäßigen Abständen mit einer Belohnung „nachzufüttern“ und dadurch das Dopamin und damit auch die Motivation auf einem hohen Level zu halten. Was ein Mensch als Belohnung empfindet, ist bei jedem unterschiedlich. Du musst schlussendlich also selbst herausfinden, auf welche Belohnung Dein Belohnungssystem am besten reagiert.
 
Das kann eine Gehaltserhöhung sein, Deine Traumfigur oder die Vorfreude auf ein Hobby. Dadurch, dass in Deinem Gehirn ein Verlangen ausgelöst wird, verfolgst Du motiviert Dein Ziel, bis Du die gewünschte Belohnung erhältst.

Was die Motivation stoppt

Umgekehrt gibt es auch Denk- und Handlungsstrukturen, welche die Dopaminausschüttung und dadurch unsere Motivation blockieren können:
 

  • Geringe Selbstwirksamkeitserwartungen: Sie stören den Glauben daran, etwas bewältigen zu können. Das manifestiert sich in Aussagen wie „Das kann/schaffe ich nicht!“.
  • Geringe Belohnungserwartungen: Äußerungen wie „Das bringt doch nichts!” zeigen, dass man nicht daran glaubt, für die Mühen belohnt zu werden beziehungsweise sich trotz Erfolg hinterher nicht besser zu fühlen.

 
Prozessabbrüche dagegen verhindern die Ausschüttung der Glückshormone und damit die körpereigene Belohnung für erfolgte Leistungen. Typische Aussagen oder Ausreden für einen Abbruch sind etwa „Hat zu lange gedauert“, „Hat nicht funktioniert“ oder „Ich habe keine Zeit dafür“.
 
Um tatsächlich motiviert zu werden, zu bleiben und mit der Leistung glücklich zu sein braucht es demnach eine Emotionsarbeit, die sich vor allem auf die erfolgreiche Bewältigung einstellt, die anvisierten Belohnungen klar im Auge behält und die begonnenen Prozesse tatsächlich erfolgreich abschließt.

Von Motivation zur Suchtgefahr

Das Belohnungssystem lässt sich nicht nur durch gute Trigger anregen – hier liegen auch die Ursachen der Suchtentwicklung. Denn im Grunde ist eine Sucht nichts anderes als eine extreme Motivation zu bestimmten Verhaltensweisen, die auf Dauer negative Auswirkungen haben. Das bedeutet: Die Dinge, die Dich kurzfristig glücklich machen, haben immer auch das Potenzial, süchtig zu machen.
 
Tatsächlich haben die meisten Suchtmittel einen direkten Einfluss auf das Belohnungssystem des Gehirns. Wer Drogen wie Kokain oder Amphetamine konsumiert, schüttet Dopamin in einer Menge aus, die um ein Vielfaches höher liegt als bei einem normalen Glücksgefühl. Langfristiger Drogenkonsum kann das Belohnungssystem deshalb grundlegend verändern. Die Störung des Dopaminspiegels ist zum Teil für die Entzugserscheinungen verantwortlich. Das macht sich auch beim Konsum von Nikotin und Alkohol bemerkbar.

Schädliche Stoffe bringen die Gefahr einer Sucht

Gewöhnung verleitet zur Sucht
 
Je öfter wir eine Handlung durchführen, von der wir wissen, dass wir uns danach gut fühlen, desto weniger Freude empfinden wir dabei. Das Gehirn gewöhnt sich sozusagen an das Glücksgefühl und die positive Wirkung lässt immer schneller nach. Das bedeutet, dass wir immer häufiger den Auslöser für das Glücksgefühl aktivieren müssen, um einen Belohnungseffekt zu erzielen. Wir müssen immer mehr Zigaretten rauchen, Süßigkeiten essen oder am Computer spielen, damit wir das Glücksgefühl erleben. Dieser Teufelskreis führt schließlich zum Suchtverhalten.
 
Das lässt sich auch auf das Beispiel „einkaufen“ übertragen: Je häufiger wir Kleidung oder andere Dinge kaufen, desto geringer fällt der Kick aus, den uns ein erfolgreicher Shopping-Trip beschert. Wir gewöhnen uns ganz einfach daran und schon bald sind Einkäufe keine Besonderheit mehr.
 
Wer nicht aufpasst, landet dadurch in einer gefährlichen Spirale: Um den Kick weiter zu erleben, werden einfach noch mehr Dinge gekauft – und das immer wahlloser. Das kann sich zu einer Kaufsucht entwickeln. Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, Belohnungen richtig einzusetzen, damit im Belohnungssystem nur die positiven Effekte auftreten.

Fazit

Das Belohnungssystem des Gehirns ist lebenswichtig für den Menschen. Würde es fehlen, könnten wir uns zu nichts motivieren. Wir würden weder essen, noch trinken oder uns fortpflanzen.
 
Dieser innere Antrieb, der uns dazu bringt, unser Überleben zu sichern und unser Leben angenehmer zu gestalten, regt das Belohnungszentrum an. Dieses wiederum motiviert uns durch Belohnungen dazu, weiter zu machen. Durch Erlebnisse und Erfahrungen hat jeder Mensch zudem eine Reihe von äußeren Reizen, die ihn zu bestimmten Handlungen motivieren.
 
Suchtmittel oder bestimmte Verhaltensweisen stimulieren das Belohnungssystem besonders schnell und verändern dieses mit der Zeit. Die daraus entstehende Abhängigkeit ist eine Fehlfunktion des Gehirns, genauer gesagt des Belohnungssystems.



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