Myasthenia gravis

Die medizinische Welt ist voller komplexer Begriffe und Diagnosen, die oft zu Verwirrung führen können. Eine solche Diagnose, die viele Fragen aufwirft, ist Myasthenia gravis (MG). Eine Krankheit, die sich durch extreme Muskelschwäche manifestiert und das Leben der Betroffenen maßgeblich beeinflusst. Von der Erkennung über die Ursachen bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten - in diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über MG wissen müssen und wie diese Erkrankung das Leben Tausender Menschen in Deutschland betrifft.


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Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober, 2023



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

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Was ist Myasthenia gravis und wie lässt es sich behandeln?

Myasthenia gravis setzt sich aus dem griechischen Terminus Myasthenia, was Muskelschwäche und dem Lateinischen gravis, was schwer (gravierend) bedeutet, zusammen. 1894 führte der deutsche Mediziner Friedrich Jolly die Bezeichnung für die gestörte Impulsübertragung an der neuromuskulären Endplatte ein. Typisches Symptom der Krankheit ist eine extreme Muskelschwäche unter Belastungen der Muskulatur. Sie schwächt im Ruhezustand ab.

MG – wie viele Menschen sind in Deutschland betroffen?

Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes leben bis zu 15.000 Bürger und Bürgerinnen mit Myasthenia gravis in verschiedenen Stadien. Eine verlässliche Erhebung der Daten scheitert bis heute aufgrund der fehlenden Freigabe diverser Patientendaten. In einigen Fällen ist davon auszugehen, dass Fehldiagnosen dazu führen, dass Menschen mit MG nicht erkannt und aufgeführt werden.

 

Myasthenia gravis gehört zu den seltenen Krankheiten

 

Aufgrund der regionalen Unterschiede leidet etwa jeder vierte bis zwölfte Mensch an MG. Sie gehört zu den seltenen in Deutschland auftretenden Krankheiten. Nach wissenschaftlichem Stand lässt sie sich gut behandeln.

Wer ist von MG betroffen?

Myasthenia gravis tritt primär bei Erwachsenen aller Geschlechter auf. Männer erkranken in der Regel ab dem 50. Lebensjahr, Frauen bereits vor Vollendung des 40. Lebensjahres. Selten sind Kinder von der Krankheit betroffen.

Was ist Neugeborenen-Myasthenia gravis?

Schwangere Frauen, die an MG erkrankt sind, „übertragen“ die Muskelschwäche auf ihr Kind. Nach der Geburt sind die Neugeborenen kurzzeitig belastet, in den meisten Fällen rehabilitiert sich der Körper ohne therapeutische Maßnahmen. Neugeborenen-MG erzielt keine negativen Auswirkungen auf die Wachstumsphase und hinterlässt keine bleibenden Schäden im fortschreitenden Alter.

 

Was ist autoimmune MG?

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem erkennt in der Impulsübertragung zwischen Muskel und Nerv eine nicht vorhandene Fehlfunktion und baut Antikörper auf, wodurch die gestörte Impulsübertragung erzeugt wird.

 

Was ist kongenitale Myasthenia gravis?

Kongenitale MG basiert nicht auf eine durch das Immunsystem hervorgerufene Störung. Etwa zwei Prozent aller Betroffenen erkranken durch die vererbte Genetik. Sie benötigen einen anderen Therapieansatz, weil immunsupprimierende Medikamente kontraproduktiv wirken.

 

Ist MG ansteckend?

Myasthenia gravis ist keine ansteckende Erkrankung. Personen, die mit Menschen in Kontakt treten, die an MG erkrankt sind, stecken sich nicht an.

Woran erkennen Personen Myasthenia gravis?

Am Auftritt einer willkürlichen Muskelermüdung. Kleinere Belastungen verursachen eine Ermüdungserscheinung (Schwäche) und führen zur eingeschränkten Mobilität. Nach einer Ruhephase, die wenige Minuten bis mehrere Stunden andauern kann, erholt sich die Muskulatur und die Person ist in der Lage, sich zu bewegen bis die Muskeln erneut abschwächen.

 

Alle Muskelpartien können betroffen sein

 

MG lässt sich nicht auf eine Muskelpartie im Körper eingrenzen. Die Krankheit kann die komplette Skelettmuskulatur befallen, sodass es von den Augenlidern bis zur Zehenermüdung an den Füßen reicht. Manche Betroffene sind während der Ermüdungsphase nicht in der Lage zu sprechen oder mit Gesten zu kommunizieren. Angehörige sollten in der Zeit die Atemfunktion des Patienten oder der Patientin überprüfen.

Wie häufig tritt MG auf?

Das ist unterschiedlich und variiert täglich. Es gibt Tage und Wochen, in denen die Erkrankten extrem betroffen sind und teils handlungsunfähig. Andere Tage verlaufen fast beschwerdefrei, wovon sich weder Betroffene noch Angehörige täuschen lassen dürfen.

 

Mehrtägige Ermüdungserscheinungen in der Muskulatur

 

Myasthenia gravis beginnt bei fast allen Patienten und Patientinnen im Gesicht – Augenlider, Gesichtsmuskulatur, Kaumuskel – oder im Nacken. Nicht jede Ermüdung in dieser Region deutet auf MG hin. Schwere Augenlider können die Folge von Schlafmangel sein oder einer generellen Erschöpfung aufgrund einer saisonalen Infektion. Andere betroffene Muskelpartien im Körper sind wahrscheinlich von einer überdurchschnittlichen Belastung betroffen. Leidende sollten im ersten Schritt ihre Tagesabläufe der letzten sieben Tage reflektieren. Höhere physische Belastungsphasen beanspruchen die Muskulatur und benötigen teilweise Tage, bis sie sich auf die Mobilität auswirken. Einschränkungen sind grundsätzlich medizinisch abzuklären, um mithilfe einer Diagnose MG frühzeitig zu erkennen oder auszuschließen.

Wie erkennen Mediziner:innen Myasthenia gravis?

Ärzte und Ärztinnen bedienen sich mehrerer erprobter Diagnoseverfahren, um MG rechtzeitig zu erkennen, wenn Betroffene frühzeitig Hilfe beanspruchen.

 

Klinische Analyse

 

Sie beinhaltet die Gesundheitsakte von Personen, die Mediziner:innen im Laufe des Lebens mit Erkenntnissen vervollständigen. Wenn Bürger:innen ihren Hausarzt oder ihre Hausärztin aufsuchen, erfolgt die Eintragung wichtiger Daten in die medizinische Akte. Anhand der darin enthaltenen Informationen lässt sich ablesen, ob MG in Betracht kommt. Zusätzlich wird die Gesundheitssituation innerhalb der Familie hinterfragt. Angehörige, die an Myasthenia gravis erkrankt sind, geben einen Hinweis zur Wahrscheinlichkeit einer eigenen Erkrankung.

 

Physischer Test

 

Durch wiederkehrende Bewegungen einzelner Körperteile erkennen Mediziner:innen, ob es sich um eine Muskelschwäche handelt und wie weit diese fortgeschritten ist. Menschen höheren Alters leiden häufig aufgrund des fortschreitenden Alters unter einer Ermüdungserscheinung der Muskulatur und dem hierdurch verursachten Abnehmen physischer Fähigkeiten. Ärzte und Ärztinnen unterlaufen bei älteren Personen häufiger Fehldiagnosen, weil die Symptome mit anderen Erkrankungen übereinstimmen. Besteht Unsicherheit bezüglich der Diagnose, ist eine Vergleichsdiagnose heranzuziehen, um MG auszuschließen oder bestätigen zu lassen.

 

Antikörpertest

 

Bestehende Antikörper lassen sich im Blut nachweisen. Ein spezifisches Blutbild gibt Aufschluss über den aktuellen Stand bestehender Autoantikörper. Werden sie nachgewiesen, ist ein weiterer Test nicht zwingend notwendig, wenn eindeutige sichtbare Symptome hinzukommen.

 

Elektromyographie (EMG)

Elektrische Impulse reizen Neuronen. Untersucht wird bei dem Test die Antwort der Muskulatur. Die fehlerhafte Impulsübertragung liefert einen eindeutigen Hinweis zum möglichen Krankheitsbild.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Symptomatische Therapie

Die Einnahme spezifischer Medikamente regt die Signalübertragung zwischen dem Nerv und Muskel an. Zusätzliche Medikamente unterbinden die Immunreaktion auf die Therapie. Das verhindert, dass das Immunsystem Antikörper bildet.

 

Plasmapherese

 

Mit einer stationären Blutwäsche werden die Antikörper aus dem Blut entfernt. Verbesserungen des Zustands treten in der zweiten oder dritten Phase der Therapie auf. Die Wirksamkeit beträgt vier bis sechs Wochen. Angewandt wird die Therapie zur akuten und drastischen Senkung der Antikörper, um binnen kurzer Zeit eine Verbesserung des Gesundheitszustands zu erreichen.

 

Intravenöse Immunglobuline

 

Das Verfahren ist Teil der Plasmapherese. Das Blut wird in dem Fall gereinigt und zusätzlich mit Spender-Blutkörperchen angereichert. Sie stammen von gesunden Menschen.

 

Thymektomie

 

Die operative Entfernung des Thymus stärkt das Gleichgewicht des Immunsystems. Erfolgreich wirkt der medizinische Eingriff bei Betroffenen, die jünger sind als 45 Jahre. Die Operation ist innerhalb der ersten zwei Jahre nach Auftreten der Krankheit durchzuführen, um die Chance einer Heilung zu erhöhen. Tumore am Thymus erfordern die zusätzliche Entfernung des umliegenden Gewebes. Das führt in seltenen Fällen zu einem verbesserten Gesundheitszustand.

 

Myastheina gravis – Anzeichnen wahrnehmen

 

Wiederkehrende Ermüdung der Augenlider und Gesichtsmuskulatur sind deutliche Anzeichen für MG. Nur selten handelt es sich um eine vererbte Krankheit. Myasthenia gravis ist weitreichend erforscht und es besteht für die seltene Krankheit eine hohe Heilungschance, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Medikamente helfen chronisch Kranken einen weitgehenden normalen Alltag zu führen. Außergewöhnliche Anzeichen einer Muskelerkrankung sind medizinisch abklären zu lassen. Das erfolgt in erster Phase beim Hausarzt oder der Hausärztin, die Personen mit potenzieller Myasthenia gravis an Fachmediziner:innen überweisen.


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Über den Autor: Dr. med. Benjamin Gehl

Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie


Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion.

Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind.

Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

Bitte beachte, dass sämtliche zur Verfügung gestellten Inhalte zu den einzelnen Behandlungen, Abläufen, Preisen etc. generelle Informationen sind und je nach Ärzt*in und individuellem Fall und Ausgangslage variieren können.

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