Analprolaps

Über den Analprolaps spricht man in der Regel nur äußerst ungern. Nicht wenige haben noch nie von ihm gehört. Dabei handelt es sich bei dem Vorfall der After-Schleimhaut um eine durchaus häufig vorkommende Erkrankung mit guten Therapie-Möglichkeiten.


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Zuletzt aktualisiert: 15. Juni, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Analprolaps verstehen Mediziner den Vorfall der After-Schleimhaut durch den Schließmuskel


Zu den Ursachen zählen ein schwacher Beckenboden, ein schwacher Schließmuskel, gynäkologische Operation mit Verletzungen der umgebenden Muskulatur und selten auch Erkrankungen wie Mukoviszidose


Zu den Symptomen zählen Juckreiz, Fremdkörpergefühl und Stuhlinkontinenz


Die Möglichkeiten zur Therapie des Analprolaps reichen von einfachem Zurückschieben der hervorgetretenen Schleimhaut über lokale Injektionen bis hin zu Operationen der Darmschleimhaut

Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über den Analprolaps. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einem Analprolaps?

Mit dem Begriff „Analprolaps“ bezeichnen Mediziner einen Vorfall der After-Schleimhaut durch den Schließmuskel des Anus hinaus. Ähnlich den Hämorrhoiden zeichnet sich der Analprolaps durch sichtbare, aus dem After dringende Schleimhaut aus. Fällt nicht nur die After-Schleimhaut aus dem Analkanal, sondern auch Teile des sogenannten Mast-Darms, des vor dem After befindlichen Teil des Darms, spricht man von einem Rektumprolaps.

Analprolaps

Welche Ursachen hat ein Analprolaps?

Vor allem die Schwäche der den Anus umgebenden Muskulatur gilt als Ursache für den Analprolaps. Dazu gehören zum einen die Beckenbodenmuskeln, die bei Frauen im fortgeschrittenen Alter und durch Geburten Kraft verlieren. Dies hat nicht nur eine höhere Harn-Inkontinenz-Neigung zur Folge, auch der Anus-Schluss kann dadurch vermindert sein. Stuhl-Inkontinenz und Analprolaps sind dann die Folge. Ursache dessen ist, dass bei schwächerer Beckenbodenmuskulatur auch der Enddarm der Schwerkraft entsprechend nach unten sinkt. Dieser drückt dann zunächst von innen gegen die Schließmuskeln des Afters bis diese schlussendlich nachgeben und sich die After-Schleimhaut nach außen stülpt. Neben Schwangerschaften gelten auch gynäkologische Operationen als Risikofaktor für das Nachlassen der Beckenbodenmuskulatur. Kein Wunder – durchtrennt der Operateur während der Operation Muskelfasern des Beckenbodens, um an das Operationsgebiet zu gelangen, haben diese Muskeln später weniger Kraft.

 

Auch die Anal-Schließmuskeln selbst können mit der Zeit an Muskelkraft einbüßen. Eine Ursache dessen sind häufige Verstopfungen. Gerade Senioren leiden aber – durch einen veränderten Stoffwechsel und zu wenig tägliche Trinkmengen – häufig unter Verstopfungen. Kämpfen Betroffene nun tagtäglich durch starkes Pressen während des Stuhlgangs dagegen an, lassen die Schließmuskeln allmählich nach und die Schließmuskeln machen schließlich der After-Schleimhaut Platz. Ebenfalls kann häufiger Durchfall die Schließmuskeln durch starke Beanspruchung schwächen.

 

Zudem vermuten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Hämorrhoiden und dem Analprolaps. Gerade Patienten mit größeren Hämorrhoiden neigen deutlich häufiger auch zum Vorfall der Anal-Schleimhaut. Vor allem, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, besteht die Gefahr eines Anal- oder Rektumprolaps. Aber auch Kleinkinder können von einem Analprolaps betroffen sein. Neben starkem Pressen während des Stuhlgangs und häufigen Durchfällen, stellt auch die Erkrankung Mukoviszidose eine Ursache dar.

Wie sehen die Symptome eines Analprolaps aus?

Ein Analprolaps zeichnet sich zunächst häufig durch ein Fremdkörpergefühl um den Anus aus. Zudem berichten Patienten von Kotspuren in der Unterhose sowie Nässen im Analbereich. Die Feuchtigkeit der After-Schleimhaut führt schließlich ebenfalls zu Juckreiz durch Reizung der umgebenden Haut. Im Gegensatz zu Hämorrhoiden oder Rissen in der Anus-Haut sorgt der Vorfall des Afters allerdings nur selten zu stärkeren Schmerzen. Allerdings kommt es häufig zu Stuhlinkontinenz. Patienten können den Stuhlgang also gegebenenfalls nicht mehr willentlich halten. Durch Verletzungen in der empfindlichen Schleimhaut kann der Stuhlgang auch von Blutauflagerungen bedeckt sein.

Analprolaps

Der Analprolaps ist schließlich auch als Gewebeausstülpung tastbar, sofern es sich nicht nur um einen partiellen Prolaps handelt. Bei diesem tritt nur ein kleiner Teil der Anus-Schleimhaut durch den Schließmuskel hindurch, der nur schwer tastbar sein kann.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Analprolaps?

Obwohl die Symptome des einzelnen Patienten oft schon viele Hinweise auf die dahinter liegende Ursache liefern, ist der Analprolaps doch vor allem eine Blickdiagnose. Sobald die After-Schleimhaut von außen sichtbar ist, ist der Anal- oder Rektumprolaps diagnostiziert. Allerdings schieben manche Patienten bei dem Versuch den Prolaps zu therapieren, die Analschleimhaut zurück durch den Schließmuskel. Dann kann der Prolaps trotz klassischer Symptomatik zunächst nicht sichtbar sein. In diesen Fällen bittet der Untersucher den Patienten zu husten, oder die Bauchmuskulatur anzuspannen. Der dadurch im Bauchinneren entstehende Druck schiebt die Schleimhaut bei Vorhandensein eines Analprolaps wieder durch den Schließmuskel.

Was ist der Unterschied zwischen einem Anal- und einem Rektumprolaps?

Die Unterscheidung zwischen Anal- und Rektumprolaps ist einfach: Ist die hindurch getretene Schleimhaut sternförmig um den After angeordnet, so handelt es sich um einen Analprolaps. Legt sich die Schleimhaut stattdessen in ringförmige Falten um den After, sprechen Mediziner von einem Rektumprolaps. In diesem Fall sind alle Schichten des Mastdarms durch den Schließmuskel getreten.

Wer ist am häufigsten von einem Analprolaps betroffen?

Von einem Analprolaps betroffen sind zumeist Frauen ab dem 60. Lebensjahr. Dies liegt vor allem an der Häufung gynäkologischer Operationen in späteren Lebensjahren und der beginnenden Beckenbodenschwäche.

Welche Folgen hat der Analprolaps für den Betroffenen?

Neben Juckreiz und Fremdkörpergefühl empfinden Betroffene vor allem die auftretende Stuhlinkontinenz als sehr beeinträchtigend. Zudem kann sich aus einem Analprolaps bei fehlender Behandlung ein durchaus großer Rektumprolaps entwickeln. Zudem ist es möglich, dass sich die durch den Schließmuskel hervorgefallene Schleimhaut entzündet und sogar, bei fehlender Blutzufuhr, abstirbt.

Wann muss operiert werden?

Jedoch muss nicht immer operiert werden. In sehr leichten Fällen kann man den Prolaps zumindest zunächst einfach wieder zurückschieben. Dies können Betroffene sogar selbst ohne einen Arzt versuchen.  In fortgeschrittenen Fällen fällt der Prolaps allerdings immer wieder in die Ausgangsposition zurück. Dann ist die nächste Therapie der Wahl die sogenannte Verödung: Hierbei spritzt der Arzt ein Medikament direkt in die betroffene Schleimhaut. Bei diesem handelt es sich in der Regel um Kortison, das eine abschwellende Wirkung hat. Dadurch bildet sich die hervorgetretene Schleimhaut zurück und lässt sich meist durch den Schließmuskel zurückschieben.

Analprolaps

Alternativ kann sich der behandelnde Arzt auch für eine Ligatur des Analprolaps entscheiden. Diese führt der Spezialist mithilfe kleiner Gummiringe durch, mit der er die hervorgetretene Schleimhaut abbindet. Nach einigen Tagen wird das Gewebe nicht mehr durchblutet und stirbt schließlich ab. Dadurch entsteht eine kleine Wunde, die dank der guten Durchblutung der Schleimhaut aber schnell abheilt. Bei einem totalen Analprolaps, bei dem kreisförmig der gesamte Enddarm durch den Schließmuskel herausfällt, ist jedoch häufig eine Operation nötig.

Was muss ich vor einer operativen Behandlung beachten?

Vor der Operation musst Du den Darm mithilfe von abführenden Flüssigkeiten reinigen. Wie bei einer Darmspiegelung trinkst Du hierbei einen Tag zuvor einige Liter eines Abführmittels, das meist einen salzigen Geschmack hat und durch physikalische Kräfte Wasser aus dem Körper in den Darm zieht. Häufige Toilettengänge und die erwünschte Reinigung des Darms sind die Folge. Zudem müssen Patienten vor einer Operation etwaige blutverdünnende Mittel wie Aspirin oder Marcoumar absetzen. Genaueres erklärt aber der behandelnde Arzt vor der Operation.

Wie verläuft der chirurgische Eingriff und welche Methoden gibt es?

Im Rahmen der Operation schiebt der Chirurg die hervorgetretene After-Schleimhaut zurück durch den Schließmuskel. Im besten Fall kann man diese nun einfach dort mit einigen Nähten fixieren und einen erneuten Vorfall verhindern. Sogenannte inkarzerierte After-Vorfälle stellen eine Sonderform dar. Hierbei ist ein Teil der Schleimhaut so eingeklemmt, dass ein einfaches Zurückschieben nicht möglich ist. Chirurgen entscheiden sich dann meist für eine sogenannte End-zu-End-Anastomose des Darms. Hierbei schneiden sie das eingeklemmte, beschädigte Schleimhautstück aus dem Darm-Schlauch hinaus und fügen die verbleibenden Enden durch eine Naht erneut zusammen. Auch eine darüber hinaus gehende Operation kann in einigen Fällen nötig sein. Besteht die Ursache des Prolapses in deutlich geschwächter Beckenbodenmuskulatur, so ist unter Umständen eine Beckenbodenplastik, die operative Verstärkung des Zugs der Beckenbodenmuskulatur, nützlich.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Wie jede Operation birgt auch die Analprolaps-Operation gewisse Risiken. Neben Verletzungen der gesunden Darmschleimhaut und lokalen Blutungen, können selten auch umliegende Organe im Rahmen der Operation verletzt werden. Dadurch können auch Keime in die Bauchhöhle einwandern und schwere Vernarbungen sowie eine Bauchfellentzündung hervorrufen. Durch eine Operation kann der Schließmuskel zudem auch Schaden nehmen und den Patienten dauerhaft inkontinent machen. Die verwendeten Werkzeuge führen zudem selten zu Nervenschädigungen in der Region, die auch Harninkontinenz verursachen können. Schließlich können auch überschießende Narben Verstopfungen zur Folge haben. Eine Operation ist daher immer ein Abwägen der Vor- und Nachteile der Behandlung.

Analprolaps

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation muss der Patient zumindest einige Stunden nüchtern bleiben. Das Ausmaß der Operation bestimmt hierbei die Zeit bis zur kommenden Mahlzeit. In jedem Fall sollte man den Kostaufbau nach der Operation sanft beginnen und erst allmählich schwer verdauliche Nahrung zu sich nehmen. Blähende Lebensmittel wie Zwiebeln und Bohnen sollten Betroffene erst nach einigen Wochen wieder essen.

Kann ich einem Analprolaps vorbeugen?

Zur Vorbeugung empfehlen Experten vor allem die Verhinderung von Verstopfungen. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist daher besonders wichtig. Zudem sollten Betroffene bei guter Nierenfunktion mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag trinken. Auch diese hilft, den Stuhl weich zu halten. Zudem kann ein ausreichendes und frühzeitiges Beckenbodentraining ebenfalls helfen, den Analprolaps zu verhindern.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kassen übernehmen alle Kosten zur Behandlung des Analprolaps.


AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

15-30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 3 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

2-3 Tage

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Analprolaps verstehen Mediziner den Vorfall der After-Schleimhaut durch den Schließmuskel


Zu den Ursachen zählen ein schwacher Beckenboden, ein schwacher Schließmuskel, gynäkologische Operation mit Verletzungen der umgebenden Muskulatur und selten auch Erkrankungen wie Mukoviszidose


Zu den Symptomen zählen Juckreiz, Fremdkörpergefühl und Stuhlinkontinenz


Die Möglichkeiten zur Therapie des Analprolaps reichen von einfachem Zurückschieben der hervorgetretenen Schleimhaut über lokale Injektionen bis hin zu Operationen der Darmschleimhaut

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