Cholangitis (Gallengangsentzündung oder – infektion)

Bei einer Cholangitis handelt es sich um eine Entzündung der Gallengänge innerhalb und außerhalb der Leber. Die Krankheit kommt selten vor und betrifft vor allem übergewichtige Frauen ab dem 40. Lebensjahr. Mediziner differenzieren zwischen einer akuten und einer chronischen Form der Gallengangsentzündung, welche sich in der Symptomatik und der Ursache unterscheiden. Eine akute Cholangitis wird meist durch Bakterien oder Gallensteine verursacht und kann durch Antibiotika oder eine Gallensteinentfernung gut behandelt werden. Die chronische Cholangitis gehört zu den Autoimmunkrankheiten und ist bisher nicht heilbar.


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Zuletzt aktualisiert: 11. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Cholangitis?

Unter einer Cholangitis verstehen Ärzte eine Entzündung der Gallenwege innerhalb und außerhalb der Leber. Die Gallenwege verbinden die Gallenblase mit der Leber und dem Zwölffingerdarm und leiten die Gallenflüssigkeit, welche in der Leber produziert wird, weiter. Entsteht eine Stauung der Gallenflüssigkeit, kommt es zu Entzündungen der Gallenwege. Die Medizin unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen (primär sklerosierenden) Form, die unterschiedliche Ursachen, wie Infektionen durch Bakterien oder Autoimmunerkrankungen, haben. Typische Symptome einer akuten Cholangitis sind starke krampfartige Bauchschmerzen, grippeähnliche Beschwerden und eine Gelbfärbung der Haut. Die Symptomatik eines chronischen Verlaufs ist häufig so mild, dass sie unbemerkt bleibt. In den meisten Fällen ist Cholangitis aber gut durch Medikamente oder einen kleinen operativen Eingriff mittels Bauchspiegelung heilbar.

Typische Symptome einer akuten Cholangitis sind starke krampfartige Bauchschmerzen, grippeähnliche Beschwerden und eine Gelbfärbung der Haut

Wie sehen die Symptome einer Cholangitis aus?

Bei einer akuten Cholangitis bekommst Du mehrere Tage anhaltend hohes Fieber und Schüttelfrost. Dein Oberbauch schmerzt auf der rechten Seite und Deine Haut, Schleimhäute sowie die Bindehaut Deiner Augen färben sich nach wenigen Tagen gelb (Gelbsucht). Diese Dreierkombination wird auch Charcot-Trias genannt und gilt als beweisend für eine akute Cholangitis. Daneben wird Dein Urin dunkler und der Kot aufgrund des fehlenden Gallenfarbstoffs heller.
 
Die primär sklerosierende Form der Cholangitis, kurz PSC, zeichnet sich durch einen schleichenden oft symptomlosen Verlauf über Jahre hinweg aus. Eventuell fühlst Du Dich müde und hast ein Druckgefühl beziehungsweise Schmerzen im rechten Oberbauch sowie leichtes Fieber. Daneben können Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und eine schlechte Verträglichkeit von fettigen Lebensmitteln auftreten, was mit einem ungewollten Gewichtsverlust und einer nachlassenden Leistungsfähigkeit einhergeht. Deine Haut kann sich, wie bei der akuten Cholangitis, gelb färben. Bei 80 Prozent der Betroffenen tritt außerdem ein quälender Juckreiz auf.

Wie ist der Verlauf einer Cholangitis?

Während eine akute bakterielle Cholangitis sehr gute Heilungschancen durch die Gabe von Antibiotika oder der Entfernung von Gallensteinen hat, ist die Lebenserwartung von Patienten mit einer PSC reduziert, da das Risiko einer Leberzirrhose (chronische Erkrankung der Leber) oder eines Gallengangkrebs erhöht ist. So ist es bei einer akuten Cholangitis wichtig, rasch mit der Einnahme von Antibiotika zu beginnen, damit sich die Bakterien nicht ausbreiten können.
 
Sollte die chronische Cholangitis unbehandelt bleiben, kommt es zu Verengungen und Vernarbungen der Gallenwege, was wiederum den uneingeschränkten Abfluss der Gallenflüssigkeit stört. Betroffene einer chronischen Form sollten jährlich eine Darmspiegelung machen und sich in ständige medizinische Betreuung begeben, da sie oft mit entzündlichen Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa, assoziiert ist. Um die Lebenserwartung langfristig zu erhöhen, ist eine Lebertransplantation notwendig.

Welche Arten von Cholangitis gibt es?

Ärzte unterscheiden zwischen einer akuten und einer chronischen Cholangitis.
 
Die akute Form der Cholangitis wird durch Bakterien verursacht, die sich aufgrund eines Rückstaus der Gallenflüssigkeit in den Gallenwegen ansiedeln. Es kommt zu Fieber, Schüttelfrost, Bauchschmerzen auf der rechten Seite und zur Gelbsucht. Oft sind Gallensteine, die durch eine Veränderung der Gallenflüssigkeit entstehen, für den Rückstau verantwortlich. Dabei kommt es zu einer Auskristallisierung einzelner Bestandteile und Ablagerungen kleinster Festkörper, die sich aneinandergereiht zu Steinen entwickeln. Etwa 7,5 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen in den westlichen Industrieländern haben Gallensteine. Das Risiko, diese zu entwickeln, nimmt ab dem 40. Lebensjahr zu, wobei Frauen – vor allem bei Übergewicht – aufgrund des weiblichen Sexualhormons Östrogen häufiger betroffen sind als Männer.

Die akute Form der Cholangitis wird durch Bakterien verursacht, die sich aufgrund eines Rückstaus der Gallenflüssigkeit in den Gallenwegen ansiedeln

Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine Sonderform der Cholangitis und zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Sie entsteht durch eine chronische Entzündung und späteren Verengung und Vernarbung der Gallengänge innerhalb und außerhalb der Leber. Dadurch kommt es zu einem Rückstau der Galle mit Entzündungsschüben. Die PSC steht in einem engen Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen, wie einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa). Diese erkennst Du an schleimig-blutigen Durchfällen. Im späteren Verlauf kommt es bei Patienten häufig zu einer Leberzirrhose, die nur durch eine Lebertransplantation behandelt werden kann.

Was sind die Ursachen für eine Cholangitis?

Der akuten Cholangitis und der primär sklerosierenden Cholangitis liegen ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde. Bei der akuten Form sind hauptsächlich Darmbakterien, welche bei einer Störung des Abflusses der Gallenflüssigkeit aus dem Dünndarm über den Hauptgallengang in die Gallenblase und in die Gallengänge wandern, für die Entzündungen verantwortlich. Am häufigsten werden diese Störungen von Gallensteinen ausgelöst, wobei auch angeborene Fehlbildungen der Gallengänge, Ausstülpungen des Zwölffingerdarms, Gallengangsverengungen nach Operationen oder Tumore dafür verantwortlich sein können. Parasiten, wie der große Leberegel, können Rückstauungen verursachen, die sich in weiterer Folge entzünden.
 
Bei der PSC gehen Mediziner davon aus, dass Störungen der Immunmechanismen zu Verengungen der Gallenwege und somit zu Entzündungen führen. Laborchemisch lassen sich in 70 Prozent der Fälle sogenannte p-ANCA im Blut nachweisen. Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt, jedoch weisen 80 Prozent der Betroffenen gleichzeitig eine chronisch entzündliche Darmkrankheit auf. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Wie lässt sich eine Cholangitis diagnostizieren?

Wenn Du die, für Cholangitis typischen, Beschwerden hast, solltest Du rasch einen Facharzt für innere Medizin oder Gastroenterologie aufsuchen. Bei einem Anamnesegespräch wird Dich der Experte nach Deinen Symptomen genauer befragen und Dich körperlich untersuchen. Dabei achtet er auf eine eventuelle Gelbfärbung der Haut und auf andere Hautveränderungen, wie beispielsweise sternförmige Erweiterungen von Hautgefäßen, einer Rötung der Handinnenflächen und lackrote, glatte Lippen, die auf eine Leberschädigung hinweisen können. Dann hört der Arzt Deinen Bauch mit einem Stethoskop ab, um Darmgeräusche, Luft- und Stuhlgehalt des Darms zu überprüfen, und drückt anschließend unter dem rechten Rippenbogen hinein, wobei er Dich bitten wird, tief Luft zu holen. Solltest Du dabei Schmerzen empfinden oder Deine Einatmung gestoppt werden, besteht der Verdacht einer Cholangitis. Um seine Diagnose zu bekräftigen, stehen dem Arzt unter anderem noch eine Blutuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) oder eine endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatikographie (ERCP) zur Verfügung.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Während eine akute Cholangitis vor allem bei übergewichtigen Frauen ab 40 Jahren auftritt, findet sich die Sonderform der chronischen Gallengangsentzündung vermehrt bei Männern mit der Darmerkrankung Colitis ulcerosa. Beide Formen zählen bei einem Auftreten von 1-5 von 100.000 Menschen eher zu den seltenen Krankheiten.

Während eine akute Cholangitis vor allem bei übergewichtigen Frauen ab 40 Jahren auftritt

Welche Folgen hat eine Cholangitis für den Betroffenen?

Bis eine genaue Diagnose vom Arzt gestellt werden kann, vergeht oft eine lange Zeit. Der Arzt wird Dich über eine eventuelle Lebertransplantation informieren, die aber nur dann erfolgreich durchgeführt werden kann, wenn Du dazu körperlich und auch seelisch im Stande bist. Im Laufe einer PSC kann es außerdem zu Folgeschäden, wie einem Mangel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E,  K), rheumatischen Beschwerden oder Knochenschwund (Osteoporose), kommen. Weitere mögliche Folgen sind eine akute Infektion der Gallenwege, Gallenblasen- und Gallengangsteine, ein Funktionsverlust der Leber (Leberzirrhose) und Tumore des Gallenweges, des Dickdarms, der Bauchspeicheldrüse oder der Leberzellen.

Wie lässt sich eine Cholangitis behandeln?

Die Behandlungsmethode hängt davon ab, welche Ursache dieser zugrunde liegt. Eine akute Cholangitis lässt sich normalerweise mit Antibiotika behandeln, wobei auch Schmerzmittel und fiebersenkende Mittel zum Einsatz kommen können. Gallensteine werden operativ entfernt oder nach einer Steinzertrümmerung mit Stoßwellen in einer Langzeittherapie mit Medikamenten aufgelöst.
 
Eine PSC kann bisher nicht ursächlich behandelt werden. Im Vordergrund der Therapie steht die medikamentöse Ausscheidung von Gallensäure sowie die Auflösung von Gallensteinen durch Medikamente. Während eines akuten Entzündungsschubs kann Dir der Arzt auch Antibiotika verschreiben. Falls es zu einer Vernarbung des Lebergewebes kommt, hilft Dir nur noch eine Lebertransplantation.

Welche Komplikationen können auftreten?

Mögliche Komplikationen bei einer akuten Cholangitis stellen eine Blutvergiftung, ein akutes Nierenversagen und Leberabszesse dar. Auch kann es zu Entzündungen der Gallenblase, der Gallengänge oder der Bauchspeicheldrüse sowie einem Darmverschluss kommen. In einem späteren Stadium haben Betroffene ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenkrebs oder Gallengangskrebs.

Wie kann ich eine Cholangitis vorbeugen?

Einer akuten Gallengangsentzündung kannst Du insofern vorbeugen, indem Du die Entstehung von Gallensteinen abwendest. Achte deshalb auf eine gesunde, abwechslungsreiche und fettarme Ernährung und eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Gallensteine betreffen insbesondere übergewichtige Personen, also ist es wichtig, dass Du auf Dein Gewicht achtest und regelmäßig Sport treibst oder Dich bewegst.
 
Eine chronische Cholangitis kannst Du leider nicht vorbeugen, jedoch ist es wichtig, dass Du bei Auftreten der typischen Anzeichen gleich zu einem Arzt gehst und mit der Therapie beginnst. Eine frühzeitige Erkennung und regelmäßige medizinische Überwachung kann den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen.

Gallensteine betreffen insbesondere übergewichtige Personen, also ist es wichtig, dass Du auf Dein Gewicht achtest und regelmäßig Sport treibst oder Dich bewegst

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Jegliche Untersuchungen, die für die Diagnose einer Cholangitis notwendig sind, werden von den Krankenversicherungsanstalten übernommen. Solltest Du zu einem Wahlarzt gehen wollen, musst Du das Honorar selbst bezahlen, da dieser keinen Vertrag mit den Krankenkassen hat. Falls Du eine Zusatzkrankenversicherung abgeschlossen hast, kannst Du Dich dort erkundigen, welche Leistungen übernommen werden. Im Falle einer Operation können Krankenhauskosten anfallen, welche Du auf der jeweiligen Website findest oder telefonisch erfragen kannst.

 


Dauer Dauer

Bis zu 7 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Cholangitis ist eine Entzündung der Gallengänge innerhalb und außerhalb der Leber


Die Krankheit kommt selten vor und betrifft vor allem übergewichtige Frauen ab dem 40. Lebensjahr


Mediziner unterscheiden zwischen einer akuten und einer chronischen Cholangitis


Die akute Cholangitis wird meist durch Bakterien oder Gallensteine verursacht und kann durch Antibiotika oder eine Gallensteinentfernung gut behandelt werden

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