Bei Arthrose, Sehnenbeschwerden und anderen Erkrankungen des Bewegungsapparats kommen neben Physiotherapie, Training und Medikamenten auch sogenannte regenerative Verfahren zum Einsatz. Dazu gehört vor allem die Eigenbluttherapie mit plättchenreichem Plasma, kurz PRP. Auch Behandlungen mit Zellen aus Knochenmark oder Fettgewebe werden angeboten, sind wissenschaftlich und regulatorisch aber komplexer. Hier erfährst Du, wie diese Verfahren funktionieren, wann sie infrage kommen und was Du von der Behandlung realistisch erwarten kannst.
Das Wichtigste in Kürze
In der regenerativen Orthopädie werden biologische Verfahren eingesetzt, die körpereigene Reparatur und Regulationsprozesse beeinflussen sollen. Am häufigsten kommt plättchenreiches Plasma, kurz PRP, aus dem eigenen Blut zum Einsatz. Für PRP liegen die meisten Daten zur Behandlung der Kniearthrose vor. Die aktuelle deutsche S3 Leitlinie sieht PRP als mögliche Option bei symptomatischer Gonarthrose, wenn andere schmerzlindernde oder funktionsverbessernde Maßnahmen nicht geeignet oder nicht ausreichend wirksam sind. Die Studienergebnisse sind jedoch nicht einheitlich.
Eine feste Zahl von PRP-Behandlungen oder ein allgemein gültiger Abstand zwischen den Injektionen ist wissenschaftlich nicht festgelegt. In Studien werden unterschiedliche Präparate und Behandlungsschemata verwendet. Für sogenannte Stammzelltherapien ist die Datenlage weniger gefestigt. Ein verlässlicher Wiederaufbau von zerstörtem Gelenkknorpel durch PRP- oder zellbasierte Verfahren ist bislang nicht belegt. Auch die rechtliche Einordnung hängt davon ab, welche Zellen verwendet und wie sie aufbereitet werden.
Was ist regenerative Orthopädie?
Unter regenerativer Orthopädie werden verschiedene biologische Behandlungsverfahren zusammengefasst. Sie sollen körpereigene Prozesse beeinflussen, die an Entzündung, Heilung und Gewebeumbau beteiligt sind. Zu den bekanntesten Verfahren gehört PRP, Platelet Rich Plasma, auf Deutsch plättchenreiches Plasma. Dabei werden bestimmte Bestandteile des eigenen Blutes aufbereitet und anschließend in ein Gelenk oder an eine andere erkrankte Struktur injiziert.
Daneben werden zellbasierte Verfahren angeboten, bei denen beispielsweise aufbereitetes Knochenmark oder Fettgewebe verwendet wird. Der häufig verwendete Begriff „Stammzelltherapie“ ist dabei nicht immer präzise, weil je nach Verfahren keine isolierten Stammzellen, sondern Gemische verschiedener Zelltypen eingesetzt werden.
Solche Behandlungen werden auch als orthobiologische Verfahren bezeichnet. Sie können bei bestimmten Beschwerden Teil eines konservativen Behandlungskonzepts sein. Eine Garantie dafür, dass geschädigtes Gewebe wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehrt, gibt es nicht.
Wie unterscheidet sich regenerative Orthopädie von klassischen Behandlungen?
Die konservative Orthopädie umfasst bereits viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören beispielsweise Bewegungstherapie, gezieltes Krafttraining, Physiotherapie, Medikamente, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und je nach Erkrankung Injektionen.
Regenerative Verfahren ergänzen diese Möglichkeiten. Statt ausschließlich Schmerzen zu lindern, sollen sie biologische Prozesse im betroffenen Gewebe beeinflussen. Bei PRP werden dazu Bestandteile des eigenen Blutes eingesetzt, die verschiedene Botenstoffe und Wachstumsfaktoren enthalten.
Der genaue Wirkmechanismus von PRP bei Arthrose ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Die Blutplättchen enthalten zahlreiche biologisch aktive Substanzen, die unter anderem Entzündungsreaktionen und Gewebeumbau beeinflussen können. Welche dieser Prozesse für die klinische Wirkung tatsächlich ausschlaggebend sind, ist noch Gegenstand der Forschung. Regenerative Orthopädie ersetzt deshalb nicht automatisch Physiotherapie, Training oder eine notwendige Operation. Sie können bei ausgewählten Beschwerden als zusätzlicher konservativer Behandlungsansatz eingesetzt werden.
Wie funktioniert die Eigenbluttherapie mit PRP?
PRP ist eine Form der Eigenbluttherapie. Die Abkürzung steht für Platelet Rich Plasma, also plättchenreiches Plasma.
Wie wird PRP hergestellt?
Zunächst wird Dir eine bestimmte Menge Blut abgenommen. Anschließend wird das Blut in einer Zentrifuge mit hoher Geschwindigkeit gedreht. Dadurch lassen sich seine Bestandteile voneinander trennen. Für die Behandlung wird eine Plasmafraktion gewonnen, die mehr Blutplättchen enthält als normales Vollblut. Blutplättchen heißen medizinisch Thrombozyten. Sie sind vor allem für die Blutgerinnung bekannt, enthalten aber auch zahlreiche Wachstumsfaktoren und andere Botenstoffe. Wie hoch die Konzentration der Thrombozyten ist, hängt vom verwendeten System und der Aufbereitung ab. Die aktuelle Gonarthrose Leitlinie beschreibt erhebliche Unterschiede zwischen PRP Präparaten. In vielen untersuchten Präparaten lag die Plättchenkonzentration ungefähr beim Drei bis Sechsfachen des Vollbluts. Auch die Menge an weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, unterscheidet sich je nach Verfahren. Das ist auch ein Grund dafür, warum sich Studien zu PRP nicht immer direkt miteinander vergleichen lassen.
Wie wird PRP angewendet?
Nach der Aufbereitung wird das PRP in das betroffene Gelenk oder an die zu behandelnde Struktur injiziert. Bei bestimmten Gelenken oder schwer zugänglichen Strukturen kann die Injektion durch Ultraschall oder ein anderes bildgebendes Verfahren kontrolliert werden.
Da das verwendete Plasma aus Deinem eigenen Blut gewonnen wird, handelt es sich um ein autologes Präparat. Autolog bedeutet, dass Spender und Empfänger dieselbe Person sind. Dadurch sind klassische Abstoßungsreaktionen nicht zu erwarten. Wie bei jeder Injektion bestehen jedoch andere Risiken, insbesondere Infektionen und vorübergehende Beschwerden an der Einstichstelle. Die S3 Leitlinie beschreibt PRP bei fachgerechter steriler Anwendung insgesamt als nebenwirkungsarm.
Wie viele PRP-Sitzungen sind notwendig?
Wie viele PRP-Behandlungen sinnvoll sind, hängt von der Erkrankung, dem behandelten Gelenk und dem verwendeten PRP Verfahren ab. Bei Kniearthrose werden in Studien häufig eine bis drei Injektionen untersucht. Mehrere Sitzungen können beispielsweise im Abstand von einigen Wochen erfolgen. Ein verbindliches Behandlungsschema gibt es jedoch nicht.
Auch die aktuelle S3 Leitlinie zur Gonarthrose legt keine optimale Zahl an Injektionen fest. Gleiches gilt für den idealen Abstand zwischen den einzelnen Behandlungen. Deshalb sollte die Anzahl individuell anhand der Beschwerden, des verwendeten Präparats und des bisherigen Verlaufs festgelegt werden.
Eine mögliche Wirkung tritt ebenfalls nicht bei jedem Menschen zum gleichen Zeitpunkt ein. Veränderungen von Schmerz und Gelenkfunktion werden in Studien meist über mehrere Wochen und Monate beurteilt. Die Ergebnisse sind dabei nicht einheitlich. Einige Untersuchungen zeigen einen Vorteil von PRP gegenüber Vergleichsbehandlungen, andere finden nur geringe Unterschiede. Auch deshalb lässt sich nicht vorhersagen, wie stark oder wie lange eine einzelne Behandlung bei Dir wirkt.
Was ist konditioniertes Serum?
Eine weitere Eigenblutbehandlung ist autologes konditioniertes Serum, kurz ACS. Auch hierfür wird eigenes Blut entnommen und aufbereitet. Das Verfahren unterscheidet sich jedoch von PRP. Ziel der Aufbereitung ist hier nicht in erster Linie eine hohe Konzentration an Blutplättchen. Stattdessen sollen bestimmte körpereigene Proteine und Botenstoffe im Serum angereichert werden. PRP und konditioniertes Serum sind deshalb nicht dasselbe und sollten auch hinsichtlich ihrer Studienlage getrennt beurteilt werden. Wie PRP in der ästhetischen Medizin für Haut und Haare eingesetzt wird, erklären wir auf unserer Seite zur PRP Behandlung.
Was leisten sogenannte Stammzelltherapien in der Orthopädie?
Der Begriff Stammzelltherapie wird in der Orthopädie für sehr unterschiedliche Verfahren verwendet. Das kann missverständlich sein. Untersucht werden unter anderem mesenchymale Stromazellen, kurz MSC. Dabei handelt es sich um Zellen, die unter bestimmten Bedingungen verschiedene Eigenschaften von Bindegewebszellen annehmen und über abgegebene Botenstoffe ihre Umgebung beeinflussen können.
In der Orthopädie werden zellhaltige Präparate beispielsweise aus Knochenmark oder Fettgewebe gewonnen. Aus dem Knochenmark kann ein Knochenmarkaspirat-Konzentrat, kurz BMAC, hergestellt werden. Präparate aus Fettgewebe können ebenfalls unterschiedliche Zellpopulationen enthalten.
Können Stammzellen neuen Knorpel bilden?
Zellbasierte Therapien bei Kniearthrose werden intensiv untersucht. Einige Studien berichten über Verbesserungen von Schmerz und Funktion, andere zeigen nur geringe oder unsichere Vorteile. Eine aktuelle systematische Auswertung randomisierter Studien bewertet mögliche Effekte weiterhin mit Unsicherheit.
Dass solche Behandlungen einen bereits großflächig zerstörten Gelenkknorpel zuverlässig wiederherstellen, ist bislang nicht belegt. Aussagen wie „neuer Knorpel durch Stammzellen“ gehen deshalb über das hinaus, was sich derzeit sicher versprechen lässt.
Wie sind Zelltherapien rechtlich einzuordnen?
Die rechtliche Einordnung hängt vom konkreten Produkt und seiner Verarbeitung ab. Zell- oder Gewebeprodukte können in der Europäischen Union als Arzneimittel für neuartige Therapien, kurz ATMP, gelten, wenn die Zellen beispielsweise wesentlich bearbeitet werden oder für eine andere wesentliche Funktion eingesetzt werden als im Ausgangsgewebe.
Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass jede Behandlung mit körpereigenem Fett oder Knochenmark rechtlich gleich behandelt wird. Wenn Dir eine zellbasierte Therapie angeboten wird, sollte die Praxis erklären können, welches Präparat verwendet wird, wie es gewonnen und verarbeitet wird und auf welcher regulatorischen Grundlage es angewendet wird.
Bei welchen Beschwerden wird regenerative Orthopädie eingesetzt?
Am umfangreichsten untersucht ist PRP bei Gonarthrose, also Arthrose des Kniegelenks. Nach der aktuellen deutschen S3 Leitlinie kann eine PRP Behandlung bei symptomatischer Gonarthrose erwogen werden, wenn andere Maßnahmen zur Schmerzreduktion und Verbesserung der Funktion nicht geeignet, kontraindiziert oder nicht ausreichend wirksam sind.
PRP wird außerdem bei verschiedenen Sehnenbeschwerden eingesetzt, beispielsweise am Ellenbogen, an der Achillessehne oder an der Plantarfaszie des Fußes. Wie gut die Behandlung wirkt, unterscheidet sich jedoch je nach Erkrankung. Ergebnisse aus der Kniearthrose lassen sich deshalb nicht auf Sehnen oder andere Gelenke übertragen.
Bei Hüft-, Sprung- und Schultergelenk sowie bei kleineren Gelenken werden regenerative Verfahren ebenfalls angeboten. Für viele dieser Anwendungen ist die Datenlage jedoch weniger umfangreich als für die Kniearthrose. Zu Ursachen, Stadien und Behandlungsmöglichkeiten des Gelenkverschleißes findest Du weitere Informationen auf unserer Seite zur Arthrose.
Wann sind regenerative Verfahren weniger sinnvoll?
Bei einer weit fortgeschrittenen Arthrose mit starken strukturellen Veränderungen sind von einer Injektion meist geringere Effekte zu erwarten als bei weniger ausgeprägten Veränderungen. Das bedeutet nicht, dass allein ein Röntgenbild über die Behandlung entscheidet. Beschwerden, Beweglichkeit, Belastbarkeit und die bisherigen Therapien müssen gemeinsam beurteilt werden.
Mechanische Probleme wie ausgeprägte Fehlstellungen oder bestimmte instabile beziehungsweise eingeklemmte Strukturen lassen sich durch PRP oder zellbasierte Injektionen ebenfalls nicht beheben.
Wie läuft eine regenerative Behandlung ab?
Vor einer Behandlung sollte zunächst geklärt werden, woher die Beschwerden kommen und ob eine Injektion überhaupt sinnvoll ist. Dazu gehören die Anamnese, also das Gespräch über Beschwerden und Vorgeschichte, sowie eine körperliche Untersuchung. Bei Arthrose kann eine Röntgenaufnahme sinnvoll sein. Eine Magnetresonanztomografie, kurz MRT, wird vor allem eingesetzt, wenn eine konkrete zusätzliche Fragestellung besteht. Sie ist nicht vor jeder PRP Behandlung automatisch notwendig.
Bei einer PRP Behandlung können Blutabnahme, Aufbereitung und Injektion meist innerhalb eines Termins erfolgen. Wie lange der gesamte Ablauf dauert, hängt vom verwendeten System und von der behandelten Region ab.
Nach der Injektion können Schmerzen, Druckgefühl oder eine leichte Schwellung vorübergehend zunehmen. Eine kurze Anpassung der Belastung kann sinnvoll sein. Wann Du wieder Sport treiben kannst, hängt von der behandelten Struktur, den Beschwerden und der Art der sportlichen Belastung ab. Starre Vorgaben wie „nach sieben Tagen wieder Sport“ passen deshalb nicht für jeden Patienten.
Auch die Einnahme von Medikamenten rund um eine PRP Behandlung sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Verschreibungspflichtige oder medizinisch notwendige Medikamente solltest Du nicht eigenständig absetzen.
Warum gehört Training weiterhin zur Behandlung?
Eine Injektion behandelt nicht automatisch alle Ursachen einer Gelenk- oder Sehnenbeschwerde. Muskelkraft, Bewegungsmuster, Trainingsbelastung, Körpergewicht und andere Faktoren können den Verlauf ebenfalls beeinflussen. Deshalb wird eine regenerative Behandlung sinnvollerweise mit einem individuellen Trainings- oder Physiotherapieplan kombiniert. Bei bestimmten chronischen Sehnenbeschwerden können zusätzlich physikalische Verfahren wie die Stoßwellentherapie infrage kommen.
PRP und andere regenerative Verfahren sollten damit nicht als Ersatz für aktive Therapie verstanden werden, sondern als Ergänzung innerhalb eines umfassenderen Behandlungskonzepts.
Was zeigt die Studienlage zur regenerativen Orthopädie?
Am umfangreichsten untersucht ist PRP bei Arthrose des Kniegelenks, medizinisch Gonarthrose genannt. Mehrere Studien und Metaanalysen zeigen, dass eine PRP Behandlung Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Wie stark und wie lange dieser Effekt anhält, unterscheidet sich jedoch zwischen den Untersuchungen.
Auch die aktuelle deutsche S3 Leitlinie zur Gonarthrose berücksichtigt PRP. Demnach kann die Behandlung bei einer symptomatischen Kniearthrose erwogen werden, wenn andere Maßnahmen zur Schmerzlinderung oder Verbesserung der Funktion nicht geeignet sind, nicht angewendet werden können oder nicht ausreichend geholfen haben. Gleichzeitig weist die Leitlinie darauf hin, dass die Qualität und Durchführung der vorhandenen Studien sehr unterschiedlich sind.
Warum unterscheiden sich die Studienergebnisse?
PRP ist kein einheitlich zusammengesetztes Präparat. Je nach Aufbereitungsverfahren unterscheiden sich unter anderem die Konzentration der Blutplättchen, der Anteil an weißen Blutkörperchen und die Menge des verwendeten Plasmas. Auch die Zahl und der Abstand der Injektionen sind nicht einheitlich geregelt.
Dadurch können zwei Studien, die beide eine PRP-Behandlung untersuchen, unterschiedliche Präparate und Behandlungsschemata verwenden. Das erschwert den direkten Vergleich und erklärt zum Teil, warum die Ergebnisse voneinander abweichen. Die aktuelle Leitlinie kann deshalb auch kein bestimmtes Herstellungsverfahren empfehlen.
Für andere Gelenke und für Sehnenbeschwerden muss die Evidenz jeweils getrennt betrachtet werden. Ergebnisse aus Studien zur Kniearthrose lassen sich nicht automatisch auf eine Achillessehne, Schulter oder Hüfte übertragen.
Was ist über zellbasierte Verfahren bekannt?
Auch Behandlungen mit mesenchymalen Stromazellen und anderen zellhaltigen Präparaten werden bei Arthrose untersucht. Einige Studien berichten über Verbesserungen von Schmerzen und Gelenkfunktion. Die verwendeten Zellquellen, Aufbereitungsverfahren, Dosierungen und Behandlungsmethoden unterscheiden sich jedoch stark.
Ein zuverlässiger Wiederaufbau von bereits zerstörtem Gelenkknorpel ist bisher nicht belegt. Zellbasierte Verfahren sollten deshalb nicht mit dem Versprechen angeboten werden, ein verschlissenes Gelenk wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen.
Für die Praxis bedeutet das: PRP kann bei ausgewählten Beschwerden eine zusätzliche konservative Behandlungsmöglichkeit sein. Ob Du davon profitierst, lässt sich vorab nicht sicher vorhersagen. Ziel ist vor allem eine mögliche Verbesserung von Schmerzen und Funktion.
Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
PRP wird aus Deinem eigenen Blut gewonnen und ist damit autolog, also körpereigen. Klassische Abstoßungsreaktionen wie bei körperfremdem Gewebe sind deshalb nicht zu erwarten. Nach der Injektion können vorübergehend Schmerzen, Druckgefühl, Schwellung oder Wärme im behandelten Bereich auftreten. Studien beschreiben unerwünschte Reaktionen überwiegend als leicht bis moderat.
Wie bei jeder Injektion in ein Gelenk besteht außerdem ein Infektionsrisiko. Deshalb müssen intraartikuläre Injektionen, also Injektionen direkt in ein Gelenk, unter geeigneten hygienischen Bedingungen durchgeführt werden. Die aktuelle S3 Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, solche Injektionen nur von entsprechend ausgebildeten Ärzten durchführen zu lassen.
Bei zellbasierten Verfahren kommen mögliche Beschwerden durch die Entnahme von Fettgewebe oder Knochenmark hinzu, zum Beispiel Schmerzen oder Blutergüsse an der Entnahmestelle.
Wann muss besonders sorgfältig abgewogen werden?
Bei einer akuten Infektion im Bereich des Gelenks oder einer allgemeinen Infektion sollte keine Gelenkinjektion durchgeführt werden. Auch bei Gerinnungsstörungen, bestimmten Erkrankungen oder einer Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten muss der Arzt individuell prüfen, ob und unter welchen Bedingungen die Behandlung möglich ist. Blutverdünnende Medikamente solltest Du niemals eigenständig absetzen. Dasselbe gilt für Schmerzmittel. Ob entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac rund um eine PRP Behandlung pausiert werden sollten, wird unterschiedlich gehandhabt. Besprich deshalb mit Deinem behandelnden Arzt, welche Medikamente Du weiter einnehmen kannst.
Wo liegen die Grenzen regenerativer Verfahren?
PRP- oder zellbasierte Verfahren können strukturelle Schäden nicht einfach rückgängig machen. Je weiter eine Arthrose fortgeschritten ist und je stärker das Gelenk bereits verändert ist, desto geringer kann die Wahrscheinlichkeit einer ausreichenden Verbesserung sein. Auch mechanische Probleme lassen sich durch eine Injektion nicht beheben. Dazu gehören beispielsweise ausgeprägte Fehlstellungen, Instabilitäten oder bestimmte Schäden innerhalb eines Gelenks.
Eine regenerative Behandlung sollte deshalb nicht allein anhand eines Röntgenbildes oder eines bestimmten Arthrosegrades ausgewählt werden. Beschwerden, Beweglichkeit, Belastbarkeit, bisherige Behandlung und persönliche Ziele müssen gemeinsam betrachtet werden.
Wann kann eine Operation sinnvoller sein?
Eine Operation wird in der Regel nicht allein deshalb durchgeführt, weil auf einem Röntgenbild eine fortgeschrittene Arthrose zu sehen ist. Bei einer fortgeschrittenen Kniearthrose kann ein Gelenkersatz infrage kommen, wenn Beschwerden und Einschränkungen deutlich sind und eine ausreichend lange konservative Behandlung keine ausreichende Verbesserung gebracht hat. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem behandelnden Arzt getroffen werden.
Typische Gründe für eine operative Abklärung können starke Schmerzen, deutliche Einschränkungen im Alltag oder eine zunehmend eingeschränkte Gehfähigkeit sein. Auch bestimmte mechanische Ursachen können eine Operation notwendig machen. Regenerative Verfahren können dagegen eine Option sein, solange eine konservative Behandlung sinnvoll erscheint und realistische Erwartungen an die mögliche Wirkung bestehen.
Woran erkennt man eine seriöse Praxis für regenerative Orthopädie?
Vor einer Injektion sollte zunächst geklärt werden, woher Deine Beschwerden kommen. Eine seriöse Behandlung beginnt deshalb mit Anamnese und körperlicher Untersuchung. Bildgebung wird dann eingesetzt, wenn sie für die Diagnose oder Behandlungsentscheidung notwendig ist.
Realistische Aussagen zur Wirkung
Vorsichtig solltest Du bei Versprechen wie „neuer Knorpel“, „Heilung der Arthrose“ oder „Verjüngung des Gelenks“ sein. Solche Aussagen werden durch die aktuelle Datenlage nicht ausreichend gestützt. Seriöser ist es, über eine mögliche Verbesserung von Schmerzen und Funktion zu sprechen und gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass nicht jeder Mensch auf die Behandlung anspricht.
Transparenz beim verwendeten Verfahren
Bei PRP sollte die Praxis erklären können, welches Aufbereitungssystem verwendet wird und wie viele Sitzungen geplant sind. Bei zellbasierten Behandlungen solltest Du zusätzlich erfahren, aus welchem Gewebe die Zellen stammen, wie sie aufbereitet werden und welche rechtliche Grundlage für die Anwendung besteht. Zellbasierte Arzneimittel können abhängig von Verarbeitung und Anwendung unter die europäischen Regeln für Advanced Therapy Medicinal Products, kurz ATMP, fallen.
Andere Behandlungen gehören ebenfalls ins Gespräch
Regenerative Verfahren sollten nicht isoliert betrachtet werden. Je nach Erkrankung gehören auch Physiotherapie, Krafttraining, Anpassung der Belastung, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Medikamente und gegebenenfalls operative Möglichkeiten zur Beratung.
Auf MOOCI findest Du Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen und kannst gezielt nach Behandlung und Ort suchen. Mehr über den langfristigen Erhalt von Muskeln, Knochen und Gelenkfunktion erfährst Du auf unserer Seite zu Longevity in der Orthopädie.
Was kostet eine regenerative Behandlung?
Für eine PRP Behandlung in der Orthopädie kannst Du als grobe Orientierung mit etwa 150 bis 300 Euro pro Sitzung rechnen. Je nach Praxis, verwendetem Aufbereitungssystem, Gelenk und zusätzlicher Ultraschall- oder Röntgenkontrolle können die Kosten niedriger oder deutlich höher ausfallen. Aktuelle Preisangaben orthopädischer Anbieter reichen beispielsweise von rund 120 Euro für eine einfache PRP Behandlung bis etwa 450 Euro für eine bildgesteuerte Injektion an der Hüfte.
Werden bei Kniearthrose beispielsweise eine bis drei PRP-Behandlungen durchgeführt, können sich daraus grob Gesamtkosten von etwa 150 bis 900 Euro ergeben. Zusätzliche Untersuchungen oder Kombinationen mit anderen Präparaten können den Gesamtpreis erhöhen.
Zellbasierte Verfahren aus Knochenmark oder Fettgewebe sind deutlich aufwendiger. Durch die Entnahme und Aufbereitung des Gewebes können Kosten von mehreren tausend Euro entstehen. Der genaue Preis hängt stark vom verwendeten Verfahren ab.
In Deutschland wird PRP bei Kniearthrose überwiegend als Selbstzahlerleistung angeboten. Auch die aktuelle S3 Leitlinie beschreibt die Behandlung im deutschen Gesundheitssystem überwiegend als Selbstzahlerleistung. Bei privaten Versicherungen und in Österreich kann die Erstattung je nach Versicherung, Vertrag und Behandlung unterschiedlich ausfallen. Deshalb solltest Du die Kostenübernahme vor Beginn klären.
Lass Dir vor einer Behandlungsserie einen schriftlichen Kostenplan geben. Darin sollte stehen, wie viele Sitzungen vorgesehen sind, was eine einzelne Behandlung kostet und ob zusätzliche Kosten für Diagnostik oder bildgesteuerte Injektionen entstehen.
Quellen
Paul-Ehrlich-Institut. Vorsicht bei kommerziellen Behandlungsangeboten mit nicht zugelassenen ATMP. Information vom 31.03.2025.
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