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Retina-Scan KI-generiertes Bild

Retina-Scan

Ein Retina-Scan zeigt Gefäße und Nerven ungeschützt: Was OCT, Fundusfotografie und KI-Analysen in der Vorsorge…

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Wenn Du beim Augenarzt in ein Gerät schaust, ein kurzer Lichtblitz aufleuchtet und Sekunden später ein Bild Deines Augenhintergrunds auf dem Monitor erscheint, hast Du gerade einen Retina-Scan bekommen. Auf diesem Bild sind rote Gefäße auf orangefarbenem Grund zu sehen, ein heller Kreis für den Sehnerv und eine dunklere Zone in der Mitte, die Makula. Für Laien wirkt das unspektakulär. Für die Medizin ist es ein seltener Einblick, denn nirgendwo sonst im Körper liegen Arterien, Venen und Nervengewebe so offen vor der Kamera.

Genau deshalb interessiert sich die Präventionsmedizin für die Netzhaut. Was Diabetes und Bluthochdruck in den kleinsten Gefäßen von Nieren, Herz und Gehirn anrichten, passiert in den Netzhautgefäßen genauso, nur lässt es sich dort fotografieren. Diese Seite erklärt Dir, welche Verfahren hinter dem Begriff Retina-Scan stecken, welche Erkrankungen sich damit erkennen lassen, was Künstliche Intelligenz aus den Bildern herauslesen kann und was davon bezahlt wird. Und sie ordnet ein, wo die Grenzen liegen, damit Du weder eine Untersuchung versäumst noch zu viel von ihr erwartest.

Retina-Scan KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

Ein Retina-Scan umfasst je nach Fragestellung eine Fundusfotografie, eine optische Kohärenztomographie oder eine OCT-Angiographie und bildet Netzhaut, Sehnerv und Gefäße ab. Diabetische Netzhautschäden, Bluthochdruckfolgen, Makuladegeneration, Glaukom und Gefäßverschlüsse lassen sich damit früh erkennen, oft bevor Du etwas bemerkst.

Als Vorsorge ist der Scan besonders sinnvoll bei Diabetes, Bluthochdruck, familiärem Glaukom und ab dem Alter von etwa 40 bis 50 Jahren. KI-Analysen wie das Retinal Age Gap sind vielversprechend, ersetzen aber keine augenärztliche Untersuchung und keine klassische Risikoabschätzung.

Was ist ein Retina-Scan überhaupt?

Der Begriff ist kein medizinischer Fachausdruck, sondern ein Sammelbegriff für bildgebende Untersuchungen der Netzhaut, also der Retina. Wer im Internet danach sucht, landet teils bei Gerätebeschreibungen, teils bei biometrischen Verfahren, die Menschen anhand des Gefäßmusters ihrer Netzhaut identifizieren. Um Letzteres geht es hier nicht. Gemeint ist die Augenhintergrund-Untersuchung als Bildaufnahme, wie sie in augenärztlichen Praxen und zunehmend in Vorsorgeprogrammen eingesetzt wird.

Drei Verfahren sind dabei gebräuchlich. Die Fundusfotografie nimmt mit einer Funduskamera ein Farbfoto des Augenhintergrunds auf, der Fundus ist der medizinische Name für diesen Bereich. Sie zeigt die Gefäße in der Aufsicht, den Sehnervenkopf, die Makula und Ablagerungen oder Blutungen. Moderne Weitwinkelkameras erfassen dabei einen großen Teil der Netzhaut in einer einzigen Aufnahme, was für die Beurteilung der Randbereiche wichtig ist.

Die optische Kohärenztomographie, kurz OCT, arbeitet anders. Sie tastet die Netzhaut mit ungefährlichem Licht ab und berechnet aus dem reflektierten Signal ein Schnittbild, ähnlich wie ein Ultraschall, nur mit Licht statt Schall und mit deutlich feinerer Auflösung. Auf diesen Schichtbildern sind die einzelnen Lagen der Netzhaut zu erkennen, ihre Dicke lässt sich auf wenige Tausendstel Millimeter genau messen. Das macht die OCT zum wichtigsten Verfahren, wenn es um Flüssigkeitsansammlungen in der Makula, um Schäden am Sehnerv oder um den Verlauf einer Erkrankung geht.

Die OCT-Angiographie ist eine Weiterentwicklung. Sie stellt den Blutfluss in den feinsten Gefäßen dar, ohne dass Dir ein Farbstoff gespritzt werden muss. Früher war dafür die Fluoreszenzangiographie nötig, bei der ein Kontrastmittel über die Armvene gegeben wird. Für viele Fragestellungen reicht heute die kontrastmittelfreie Variante. Ergänzend kommt in manchen Praxen die Scanning-Laser-Ophthalmoskopie zum Einsatz, die ähnlich wie eine Funduskamera ein Übersichtsbild liefert, aber mit Laserlicht arbeitet und deshalb auch bei enger Pupille gute Aufnahmen erlaubt.

Warum ist die Netzhaut ein Fenster zu Gefäßen und Gehirn?

Die Netzhaut ist entwicklungsgeschichtlich ein vorgeschobener Teil des Gehirns. Ihre Nervenzellen und ihre Gefäße stammen aus derselben Anlage wie die Hirngefäße und reagieren auf dieselben Einflüsse. Eine Arteriole in der Netzhaut hat etwa den Durchmesser eines Haares. Gefäße dieser Größe sind es, die bei Bluthochdruck als Erstes versteifen, bei Diabetes als Erstes undicht werden und bei Gefäßverkalkung als Erstes den Blutfluss drosseln. In Herz, Niere und Gehirn bleibt das lange unsichtbar. Im Auge nicht.

Studien mit vielen Zehntausend Teilnehmenden haben deshalb untersucht, ob Merkmale der Netzhautgefäße etwas über das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden aussagen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass verengte Arteriolen, erweiterte Venolen und ein verändertes Verzweigungsmuster mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko einhergehen, unabhängig von den klassischen Risikofaktoren. Als eigenständiger Test für Herzgesundheit sind diese Merkmale allerdings noch nicht etabliert. Sie ergänzen Blutdruck, Blutfette und Blutzucker, sie ersetzen sie nicht.

Ähnliches gilt für das Gehirn. Weil die Nervenfaserschicht der Netzhaut direkt in den Sehnerv und damit ins Gehirn übergeht, wird erforscht, ob eine Ausdünnung dieser Schicht auf neurodegenerative Prozesse hinweist. Erste Arbeiten zeigen Zusammenhänge zwischen der OCT-Messung der Nervenfaserschicht und dem späteren Auftreten von Demenz oder Parkinson. Diese Daten stammen aus Kohortenstudien und beschreiben Gruppen, nicht Einzelpersonen. Eine dünne Nervenfaserschicht im OCT ist bei Dir kein Demenzbefund. Sie ist ein Forschungsbefund, dessen Bedeutung für den Einzelnen noch nicht geklärt ist.

Welche Erkrankungen lassen sich mit einem Netzhaut-Scan erkennen?

Der klassische Anwendungsfall ist die diabetische Retinopathie. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäßwände, es entstehen kleine Aussackungen, Blutungen und Ablagerungen, später wachsen neue, brüchige Gefäße. All das ist auf der Fundusfotografie sichtbar, oft Jahre bevor die Sehkraft nachlässt. Schwellungen in der Makula, das diabetische Makulaödem, zeigen sich am zuverlässigsten in der OCT. Weil sich der Verlauf mit guter Blutzucker- und Blutdruckeinstellung sowie mit gezielter Behandlung am Auge deutlich bremsen lässt, ist die jährliche Netzhautkontrolle bei Diabetes eine der bestbelegten Vorsorgemaßnahmen überhaupt.

Bluthochdruck hinterlässt eigene Spuren. Die Arteriolen verengen sich, an Kreuzungsstellen von Arterien und Venen entstehen Einschnürungen, in fortgeschrittenen Stadien kommen Blutungen und Ablagerungen dazu. Diese hypertensive Retinopathie wird in Stadien eingeteilt und hilft dabei einzuschätzen, wie lange und wie stark der Blutdruck bereits zu hoch war. Für Deine Ärztin ist das ein Hinweis darauf, ob die Gefäße in Nieren und Gehirn ähnlich betroffen sein könnten.

Die altersabhängige Makuladegeneration beginnt mit Drusen, kleinen gelblichen Ablagerungen unter der Netzhaut. Einzelne kleine Drusen sind ab dem mittleren Alter häufig und harmlos, viele große Drusen erhöhen das Risiko für einen Übergang in die feuchte Form, bei der neue Gefäße einwachsen und Flüssigkeit austritt. Fundusfoto und OCT erkennen beides, die OCT-Angiographie zeigt die neuen Gefäße. Weil die feuchte Form heute mit Injektionen ins Auge behandelbar ist, entscheidet die frühe Entdeckung über den Erhalt der Sehschärfe.

Das Glaukom, umgangssprachlich grüner Star, schädigt den Sehnerv schleichend, meist bei erhöhtem Augeninnendruck, aber nicht immer. Das Tückische daran ist, dass Du den Verlust zunächst nicht bemerkst, weil das Gehirn die Ausfälle im Gesichtsfeld überdeckt. Die OCT misst die Dicke der Nervenfaserschicht rund um den Sehnervenkopf und vergleicht sie mit Normdaten Deiner Altersgruppe. Ein Verlust an Nervenfasern lässt sich damit häufig erkennen, bevor ein Gesichtsfeldtest, die Perimetrie, auffällig wird. Für die Diagnose braucht es beides zusammen mit der Messung des Augeninnendrucks.

Dazu kommen Gefäßverschlüsse, bei denen eine Netzhautvene oder -arterie verstopft, was sich als plötzlicher Sehverlust äußert und als Warnzeichen für Schlaganfall und Herzinfarkt gilt. Netzhautlöcher, Ablösungen, Tumoren wie das Aderhautmelanom und Entzündungen der Netzhaut gehören ebenfalls zu den Befunden, die ein Scan aufdecken kann. In der Vorsorge stehen sie nicht im Vordergrund, sie werden aber mit erfasst.

Was können KI-Analysen aus dem Augenhintergrund herauslesen?

Seit einigen Jahren werden Netzhautbilder mit lernenden Algorithmen ausgewertet. Am weitesten ist die Technik beim Screening auf diabetische Retinopathie. Hier gibt es Programme, die ein Fundusfoto selbstständig als unauffällig oder überweisungsbedürftig einstufen und dafür in mehreren Ländern zugelassen sind. In Studien mit Diabetes-Patienten erreichen sie eine Erkennungsrate, die mit der von erfahrenen Augenärztinnen vergleichbar ist. Der Nutzen liegt vor allem dort, wo augenärztliche Termine knapp sind: Die Aufnahme kann in der Hausarztpraxis oder Diabetesambulanz entstehen, die Software sortiert vor, und nur auffällige Bilder gehen an die Fachärztin.

Deutlich weiter geht die Forschung zum sogenannten Retinal Age Gap, dem Netzhautalter. Ein Algorithmus wird mit Hunderttausenden Fundusfotos trainiert, bis er das Alter eines Menschen allein aus dem Bild schätzen kann. Liegt das geschätzte Netzhautalter über dem tatsächlichen Alter, spricht man von einem positiven Age Gap. In einer großen britischen Bevölkerungsstudie ging jedes Jahr Abstand mit einem um etwa zwei Prozent höheren Sterberisiko im Beobachtungszeitraum einher, wobei der Zusammenhang auch nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren bestehen blieb. Ähnliche Modelle schätzen aus dem Fundusbild Geschlecht, Raucherstatus, Blutdruck und in gewissem Umfang das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse.

Wie ist das einzuordnen? Der Ansatz ist wissenschaftlich interessant, weil das Bild günstig, schnell und ohne Blutabnahme zu gewinnen ist. Zugleich gilt: Die Modelle wurden überwiegend an einzelnen Datensätzen entwickelt und sind für andere Bevölkerungen, andere Kameras und andere Aufnahmebedingungen nur teilweise überprüft. Ein positives Age Gap sagt Dir nicht, was in Deinem Körper konkret altert und was Du dagegen tun sollst. Und es gibt bislang keine Studie, die zeigt, dass Menschen gesünder bleiben, weil sie ihr Netzhautalter kennen. Solche Analysen sind also ein Forschungsmarker, den einzelne Anbieter bereits als Vorsorgeleistung verkaufen. Als Ergänzung zu einem ärztlichen Gesundheitscheck sind sie vertretbar, als Grundlage für Entscheidungen über Medikamente oder Lebensstil taugen sie nach heutigem Stand nicht.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Der Ablauf ist unkompliziert. Du setzt Dich vor das Gerät, legst Kinn und Stirn in eine Halterung und fixierst einen kleinen Lichtpunkt. Bei der Fundusfotografie folgt ein kurzer Blitz, der einen Moment lang blendet, aber nicht schmerzt. Die OCT arbeitet mit schwachem Infrarotlicht, das Du kaum wahrnimmst, die Aufnahme eines Auges dauert wenige Sekunden. Nichts berührt Dein Auge, es wird nichts getropft, was Dich betäubt, und Du kannst danach sofort weitermachen wie zuvor.

Ob Deine Pupille vorher mit Tropfen erweitert wird, hängt von der Fragestellung und vom Gerät ab. Moderne Kameras und OCT-Systeme liefern bei den meisten Menschen auch ohne Erweiterung gute Bilder. Das ist ein Vorteil, weil erweiterte Pupillen für einige Stunden blenden und verschwommenes Sehen verursachen und Du dann nicht selbst Auto fahren darfst. Wenn die Randbereiche der Netzhaut beurteilt werden sollen, etwa bei Verdacht auf ein Netzhautloch, oder wenn die Pupille sehr eng ist, bleibt die Erweiterung sinnvoll. Deine Augenärztin sagt Dir das vorher.

Die Auswertung geschieht in der Regel direkt im Anschluss. Die Bilder werden mit Normdaten verglichen, bei der OCT zeigt eine Farbkarte, wo die Netzhaut dicker oder dünner ist als erwartet. Werden die Aufnahmen digital gespeichert, lassen sich ältere und neue Scans bei jeder Folgeuntersuchung übereinanderlegen. Dieser Vergleich mit dem eigenen Ausgangsbefund ist oft aussagekräftiger als der Vergleich mit dem Bevölkerungsdurchschnitt, weil sich langsame Veränderungen über Jahre erst so erkennen lassen. Frag deshalb nach, ob Du Deine Bilder als Datei mitnehmen kannst, falls Du die Praxis einmal wechselst. Diese Informationen gehören Dir, und ein Datum auf jeder Aufnahme macht den Verlauf nachvollziehbar.

Für wen ist ein Retina-Scan als Vorsorge sinnvoll?

An erster Stelle stehen Menschen mit Diabetes. Bei Typ-2-Diabetes sollte die Netzhaut bereits bei der Diagnose untersucht werden, weil die Erkrankung oft schon Jahre bestand, bevor sie erkannt wurde. Danach wird je nach Befund und Risikoprofil eine Kontrolle alle ein bis zwei Jahre empfohlen, bei bestehenden Veränderungen häufiger. Bei Typ-1-Diabetes beginnt das Screening einige Jahre nach Diagnose. In der Schwangerschaft mit Diabetes verkürzen sich die Abstände deutlich.

Bei Bluthochdruck ist die Netzhautuntersuchung Teil der Ersteinschätzung, um Organschäden zu erfassen. Auch wer Werte hat, die sich schlecht einstellen lassen, oder bei wem der Blutdruck erst spät entdeckt wurde, profitiert von einem Blick auf den Augenhintergrund. Dasselbe gilt für ausgeprägte Fettstoffwechselstörungen, Nierenerkrankungen und Autoimmunerkrankungen, bei denen die Gefäße beteiligt sind.

Unabhängig von Vorerkrankungen empfehlen augenärztliche Fachgesellschaften eine Glaukom-Früherkennung ab etwa 40 Jahren, danach in Abständen von zwei bis drei Jahren. Liegt in Deiner Familie ein Glaukom vor, hast Du eine starke Kurzsichtigkeit oder nimmst Du dauerhaft Kortison, beginnt die Vorsorge früher und findet engmaschiger statt. Ab etwa 60 Jahren rückt zusätzlich die Makuladegeneration in den Fokus, hier gilt Rauchen als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor. Für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren unter 40 gibt es keine Empfehlung für ein regelmäßiges Netzhaut-Screening. Ein einmaliges Ausgangsbild kann trotzdem sinnvoll sein, weil es spätere Vergleiche ermöglicht.

Wer zahlt den Retina-Scan in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die augenärztliche Untersuchung, wenn ein medizinischer Grund vorliegt. Bei Diabetes ist die regelmäßige Netzhautkontrolle Kassenleistung, sie ist auch in den strukturierten Behandlungsprogrammen fest verankert. Bei Bluthochdruck, Beschwerden oder auffälligen Befunden gilt das ebenso. Die reine Früherkennung des Glaukoms ohne Beschwerden ist dagegen eine individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL. Die Messung des Augeninnendrucks zusammen mit der Sehnervenbeurteilung kostet als Selbstzahlerleistung meist zwischen 20 und 40 Euro. Eine OCT als reine Vorsorge wird nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet und liegt je nach Umfang etwa zwischen 50 und 150 Euro pro Untersuchung. Ist ein Glaukom oder eine Makulaerkrankung bereits diagnostiziert, zahlt die Kasse die OCT zur Verlaufskontrolle bei bestimmten Behandlungen. Privatversicherte erhalten die Leistungen in der Regel nach ihrem Tarif erstattet.

In Österreich gehst Du mit der e-card zur Augenfachärztin oder zum Augenfacharzt mit Kassenvertrag. Die Untersuchung bei Diabetes, Bluthochdruck oder Beschwerden ist eine Leistung der Sozialversicherung, und im Diabetes-Betreuungsprogramm ist die jährliche Augenkontrolle vorgesehen. Für die OCT gibt es je nach Bundesland und Versicherungsträger unterschiedliche Regelungen, viele Praxen rechnen sie als Privatleistung ab, üblich sind Beträge zwischen 60 und 150 Euro. Wahlärztinnen ohne Kassenvertrag stellen eine Honorarnote, von der Du einen Teil zurückerstattet bekommst. Die allgemeine Vorsorgeuntersuchung ab 18 enthält keine Augenuntersuchung, weshalb Du die Netzhautvorsorge gesondert vereinbaren musst.

In der Schweiz zahlt die obligatorische Grundversicherung ärztlich begründete Untersuchungen nach Abzug von Franchise und Selbstbehalt. Die Netzhautkontrolle bei Diabetes und die Abklärung von Beschwerden fallen darunter, ebenso die OCT bei entsprechender Indikation. Ein Screening ohne Beschwerden und ohne Risikofaktoren ist keine Pflichtleistung, dann trägst Du die Kosten selbst. Für eine OCT werden dann meist Beträge zwischen 100 und 200 Franken verlangt, eine Fundusfotografie liegt darunter. Einige Zusatzversicherungen beteiligen sich an Vorsorgeleistungen, das lohnt sich vor dem Termin zu prüfen.

Für KI-basierte Auswertungen wie das Netzhautalter gibt es in keinem der drei Länder eine Kostenübernahme. Sie werden von einzelnen Praxen und Vorsorgeanbietern als Zusatzleistung angeboten, oft als Teil eines umfangreicheren Checks. Preise dafür sind nicht standardisiert und bewegen sich als Einzelleistung meist im mittleren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich.

Wo liegen die Grenzen der Untersuchung?

Ein Retina-Scan sieht nur, was sich in der Netzhaut abbildet. Frühe Gefäßverkalkung in den Herzkranzgefäßen zeigt sich dort nicht direkt, dafür braucht es andere Verfahren. Ein normaler Augenhintergrund schließt eine Herz-Kreislauf-Erkrankung also nicht aus, und ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass andere Organe betroffen sind. Die Netzhaut ist ein zusätzliches Fenster, kein Ersatz für Blutdruckmessung, Laborwerte und das ärztliche Gespräch.

Bildgebung erzeugt außerdem Zufallsbefunde. Kleine Drusen, ein etwas großer Sehnervenkopf oder eine Nervenfaserschicht am unteren Rand der Norm sind häufig und oft bedeutungslos. Ohne erfahrene Einordnung führen sie zu Verunsicherung und zu Folgeuntersuchungen, die niemandem nützen. Genau deshalb sollte der Scan in ärztlicher Hand bleiben und nicht als Einzelleistung verkauft werden, deren Ergebnis Du dann allein deuten musst. Auch die Bildqualität hat Grenzen: Trübungen der Linse, wie sie beim grauen Star entstehen, eine sehr enge Pupille oder Bewegungen während der Aufnahme mindern die Aussagekraft.

Für KI-Analysen kommt ein weiterer Punkt hinzu. Ein Algorithmus, der an einer bestimmten Bevölkerung trainiert wurde, kann bei Menschen mit anderer Herkunft, anderem Alter oder anderer Kamera systematisch danebenliegen. Solange die Modelle nicht in unabhängigen Studien und im Versorgungsalltag geprüft sind, sind ihre Ergebnisse als Hinweis zu verstehen, nicht als Diagnose. Seriöse Anbieter sagen das offen.

Was hat der Retina-Scan mit Longevity zu tun?

Gesundes Altern bedeutet vor allem, Gefäße und Nervensystem so lange wie möglich funktionsfähig zu halten. Beides lässt sich im Auge früher beobachten als fast überall sonst. Wer seinen Augenhintergrund kennt, sieht, ob Blutdruck und Blutzucker über die Jahre Spuren hinterlassen haben, und kann daraus mit ärztlicher Begleitung Konsequenzen ziehen, lange bevor Nieren, Herz oder Gehirn Symptome zeigen. In diesem Sinne ist der Scan ein Präventionsinstrument, das über das Auge hinausweist.

Dazu kommt der Erhalt der Sehkraft selbst, der für die Lebensqualität im Alter kaum zu überschätzen ist. Nachlassendes Sehen erhöht das Sturzrisiko, fördert sozialen Rückzug und ist in Studien mit einem schnelleren geistigen Abbau verbunden. Makuladegeneration und Glaukom sind die häufigsten Ursachen für schweren Sehverlust im Alter, und beide lassen sich bei früher Entdeckung bremsen. Der Scan ersetzt keinen gesunden Lebensstil, aber er zeigt, ob er wirkt. Entscheidend ist, dass Du die Bilder nicht als Selbstzweck sammelst, sondern mit Deiner Ärztin besprichst, welche Schlüsse daraus folgen.

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Häufige Fragen

Ist ein Retina-Scan gefährlich für die Augen?
Nein. Fundusfotografie und OCT arbeiten mit sichtbarem Licht beziehungsweise schwachem Infrarotlicht in Stärken, die weit unter jeder schädlichen Grenze liegen. Es wird keine Strahlung eingesetzt, nichts berührt das Auge, und die Untersuchung kann beliebig oft wiederholt werden. Der Lichtblitz der Kamera blendet für einen Moment, das vergeht innerhalb von Sekunden.
Wie unterscheidet sich die OCT vom klassischen Blick in den Augenhintergrund?
Bei der klassischen Augenspiegelung sieht die Ärztin die Netzhaut in der Aufsicht durch die Pupille, meist mit erweiterter Pupille. Die OCT zeigt zusätzlich den Querschnitt der Netzhaut und misst die Dicke ihrer Schichten. Sie erkennt dadurch Flüssigkeit in der Makula oder einen Verlust an Nervenfasern, der in der Aufsicht nicht sichtbar ist. Beide Verfahren ergänzen sich, die OCT ersetzt die Spiegelung nicht vollständig.
Kann ich das Netzhautalter zu Hause bestimmen lassen?
Aufnahmen mit Smartphone-Aufsätzen oder online beworbenen Selbstscannern erreichen bislang nicht die Qualität, die für eine verlässliche Auswertung nötig ist. Die veröffentlichten Modelle zum Netzhautalter wurden an standardisierten Funduskamera-Bildern entwickelt. Wenn Du eine solche Analyse möchtest, lass sie in einer augenärztlichen Praxis machen, wo das Bild zugleich fachlich beurteilt wird.
Wie oft sollte ich den Scan wiederholen?
Das hängt von Deinem Risiko ab. Bei Diabetes ohne Netzhautveränderungen gilt ein Abstand von ein bis zwei Jahren, bei Veränderungen kürzer. Zur Glaukom-Früherkennung werden ab 40 Jahren Abstände von zwei bis drei Jahren genannt. Ohne Risikofaktoren gibt es keine feste Regel, ein Ausgangsbild und danach die Abstände, die Deine Augenärztin vorschlägt, sind ein sinnvoller Weg.
Sehe ich am Retina-Scan, ob ich ein Herzinfarktrisiko habe?
Nicht direkt. Veränderungen der Netzhautgefäße gehen in großen Studien mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko einher, und KI-Modelle können aus dem Bild eine Risikoschätzung ableiten. Für die Einzelperson sind diese Schätzungen aber noch nicht ausreichend geprüft. Verlässlicher bleibt die Kombination aus Blutdruck, Blutfetten, Blutzucker, Familiengeschichte und bei Bedarf einer Gefäßbildgebung, die Deine Ärztin zusammenführt.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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