Ein Gentest verspricht auf den ersten Blick einfache Antworten auf schwierige Gesundheitsfragen. Eine Speichelprobe soll zeigen, welche Erkrankungen künftig auftreten könnten und wie sich diese verhindern lassen. Tatsächlich kann die Genetik solche Vorhersagen nur in bestimmten Situationen ermöglichen, denn die meisten Erkrankungen entstehen durch ein Zusammenspiel von Erbanlagen, Umwelt und Lebensstil.
Gleichzeitig ist die genetische Diagnostik ein wichtiger Bestandteil der modernen Medizin. Bei bestimmten erblichen Erkrankungen kann sie Diagnosen ermöglichen, Behandlungen beeinflussen und auch für Familienangehörige wichtige Informationen liefern. Voraussetzung ist eine klare medizinische Fragestellung und die fachkundige Interpretation der Ergebnisse. Hier erfährst Du, welche Gentests es gibt, wann sie sinnvoll sind und welche rechtlichen Schutzvorschriften in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten.
Das Wichtigste in Kürze
Gentests können helfen, die Ursache bestimmter Erkrankungen zu erkennen oder erbliche Krankheitsrisiken einzuschätzen. Wie aussagekräftig ein Ergebnis ist, hängt von der untersuchten Genveränderung und der medizinischen Fragestellung ab.
Häufige Genvarianten und polygene Risikoscores beschreiben statistische Wahrscheinlichkeiten, liefern aber keine sichere Vorhersage für einzelne Menschen. Für viele kommerzielle Lifestyle-Gentests fehlt ein nachgewiesener gesundheitlicher Nutzen.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten besondere gesetzliche Vorgaben für gesundheitsbezogene Gentests. Dazu gehören Regelungen zur ärztlichen Veranlassung, Aufklärung, Einwilligung und genetischen Beratung.
Besonders sinnvoll sind genetische Untersuchungen, wenn sich aus dem Ergebnis konkrete Maßnahmen für Vorsorge oder Behandlung ergeben. Genetische Daten sind zudem sensibel und können auch Informationen über Familienangehörige enthalten.
Was wird bei einem Gentest untersucht?
Das menschliche Erbgut besteht aus ungefähr drei Milliarden DNA-Bausteinen, die in den meisten Körperzellen auf 46 Chromosomen verteilt sind. Die DNA enthält rund 20.000 Gene, die als Bauanleitungen für Eiweiße dienen, sowie weitere Abschnitte mit unterschiedlichen Aufgaben. Zwischen einzelnen Menschen bestehen zahlreiche genetische Unterschiede, von denen die meisten keine gesundheitlichen Folgen haben.
Ein Gentest untersucht bestimmte Abschnitte der DNA oder, je nach Verfahren, nahezu das gesamte Erbgut. Dabei wird nach genetischen Varianten gesucht, die für eine konkrete medizinische Fragestellung relevant sein könnten. Nicht jede gefundene Abweichung ist krankheitsverursachend, und selbst moderne Untersuchungsverfahren können bestimmte genetische Veränderungen übersehen.
Welche Untersuchungsverfahren gibt es?
Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz:
- Einzelgenanalyse untersucht ein bestimmtes Gen, beispielsweise wenn bereits eine konkrete erbliche Erkrankung vermutet wird.
- Genpanel analysiert mehrere Gene gleichzeitig, die mit einer bestimmten Erkrankung oder Krankheitsgruppe zusammenhängen.
- Exomsequenzierung untersucht die meisten eiweißkodierenden Abschnitte des Erbguts, die zusammen als Exom bezeichnet werden.
- Genomsequenzierung erfasst nahezu das gesamte Erbgut, einschließlich vieler Bereiche außerhalb der eiweißkodierenden Gene.
- Genotypisierungs-Array überprüft zahlreiche vorher festgelegte Positionen im Erbgut, an denen häufig genetische Unterschiede auftreten.
Viele kommerzielle Speicheltests verwenden solche Arrays, weil sie vergleichsweise schnell und kostengünstig sind. Dabei werden häufig Hunderttausende ausgewählte DNA-Positionen untersucht, jedoch nicht sämtliche genetischen Veränderungen erfasst. Seltene krankheitsverursachende Varianten lassen sich mit solchen Verfahren deshalb häufig nicht zuverlässig erkennen.
Welche Arten von Gentests gibt es?
Genetische Untersuchungen unterscheiden sich vor allem nach ihrem medizinischen Zweck. Manche dienen dazu, die Ursache bereits bestehender Beschwerden festzustellen, während andere eine erbliche Veranlagung bei bisher gesunden Menschen untersuchen. Daneben gibt es Gentests, die bei der Auswahl von Medikamenten oder bei Fragen der Familienplanung helfen können.
Diagnostische und prädiktive Gentests
Eine diagnostische genetische Untersuchung wird durchgeführt, wenn bereits Beschwerden oder klinische Auffälligkeiten bestehen. Beispiele sind unklare Muskelerkrankungen, bestimmte Entwicklungsstörungen bei Kindern oder der Verdacht auf eine erbliche Stoffwechselerkrankung. Das Untersuchungsergebnis kann helfen, eine Diagnose zu bestätigen oder mögliche Ursachen einzugrenzen.
Ein prädiktiver Gentest untersucht dagegen die genetische Veranlagung für eine Erkrankung, bevor entsprechende Beschwerden auftreten. Er kann beispielsweise zeigen, ob jemand eine krankheitsverursachende Variante geerbt hat, die mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden ist. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die betreffende Person tatsächlich erkranken wird.
Wie wahrscheinlich eine Erkrankung bei Menschen mit einer bestimmten Genvariante auftritt, wird als Penetranz bezeichnet. Diese kann je nach Erkrankung und Variante unterschiedlich hoch sein. Deshalb ist eine genetische Beratung besonders bei prädiktiven Untersuchungen wichtig, um mögliche Ergebnisse und ihre Konsequenzen vorab zu besprechen.
Pharmakogenetische Untersuchungen und Tumoranalysen
Pharmakogenetische Untersuchungen beschäftigen sich mit genetischen Unterschieden, die die Wirkung oder Verträglichkeit bestimmter Medikamente beeinflussen können. Sie werden beispielsweise bei ausgewählten Krebsmedikamenten und bestimmten anderen Arzneistoffen eingesetzt. Die Ergebnisse können helfen, eine geeignete Behandlung oder Dosierung auszuwählen.
Davon zu unterscheiden sind genetische Untersuchungen im Rahmen der Familienplanung sowie Analysen von Tumorgewebe. Bei Tumoranalysen werden vor allem Veränderungen untersucht, die für die Entstehung und Behandlung einer Krebserkrankung relevant sind. Solche Befunde können auch Hinweise auf eine erbliche Veranlagung liefern, die gegebenenfalls durch eine zusätzliche Untersuchung des angeborenen Erbguts überprüft werden muss.
Wann ist ein Gentest medizinisch sinnvoll?
Eine genetische Untersuchung kann sinnvoll sein, wenn die persönliche oder familiäre Krankengeschichte auf eine erbliche Ursache hinweist. Dazu gehören beispielsweise mehrere Fälle derselben oder verwandter Krebsarten innerhalb einer Familie, Erkrankungen in ungewöhnlich jungem Alter oder ein plötzlicher Herztod bei jungen Angehörigen. Auch bestimmte körperliche Beschwerden und auffällige Laborwerte können eine genetische Abklärung begründen.
Welche erblichen Erkrankungen lassen sich erkennen?
Bekannte Beispiele für medizinisch relevante genetische Untersuchungen sind:
- Erblicher Brust- und Eierstockkrebs: Krankheitsverursachende Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2 können das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen deutlich erhöhen.
- Lynch-Syndrom: Diese erbliche Veranlagung ist unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs und Gebärmutterkörperkrebs verbunden.
- Familiäre Hypercholesterinämie: Eine erbliche Fettstoffwechselstörung, bei der insbesondere das LDL-Cholesterin oft schon in jungen Jahren stark erhöht ist.
- Long-QT-Syndrom: Eine teilweise erblich bedingte Störung der elektrischen Herzfunktion, die bestimmte gefährliche Herzrhythmusstörungen begünstigen kann.
Bei diesen Erkrankungen können genetische Ergebnisse konkrete Auswirkungen auf die medizinische Versorgung haben. Dazu gehören engmaschigere Früherkennungsuntersuchungen, vorbeugende Maßnahmen, eine frühzeitige Behandlung oder die gezielte Untersuchung von Familienangehörigen. So können beispielsweise bei familiärer Hypercholesterinämie früh begonnene Maßnahmen zur Senkung des LDL-Cholesterins das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich verringern.
Auch bei erblichen Krebsveranlagungen stehen teilweise spezielle Früherkennungsprogramme und vorbeugende Eingriffe zur Verfügung. Trotzdem bedeutet der Nachweis einer krankheitsverursachenden Variante nicht, dass die entsprechende Erkrankung zwangsläufig auftritt. Umgekehrt schließt ein unauffälliges Ergebnis eine erbliche Ursache nicht immer aus, insbesondere wenn die verantwortliche Variante innerhalb der Familie noch nicht bekannt ist.
Wie aussagekräftig sind Polymorphismen und polygene Risikoscores?
Viele kommerzielle Gentests untersuchen häufige genetische Varianten, sogenannte Polymorphismen. Dabei handelt es sich um Unterschiede im Erbgut, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind. Einzelne Varianten können das Risiko für bestimmte Erkrankungen beeinflussen, führen aber normalerweise nicht allein zu einer Erkrankung.
Ein polygener Risikoscore fasst die statistischen Auswirkungen zahlreicher genetischer Varianten zusammen. Dadurch soll abgeschätzt werden, ob eine Person aufgrund ihrer genetischen Ausstattung ein höheres oder niedrigeres Risiko für eine bestimmte Erkrankung hat. Wie aussagekräftig solche Scores sind, unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen den untersuchten Krankheiten.
Welche Grenzen haben polygene Risikoscores?
Für bestimmte Erkrankungen können polygene Risikoscores deutliche statistische Unterschiede zwischen Personengruppen aufzeigen. Sie liefern aber keine sichere Vorhersage darüber, ob ein einzelner Mensch tatsächlich erkranken wird. Auch Alter, Lebensstil, Umwelt, Vorerkrankungen und weitere Faktoren müssen bei der individuellen Risikobewertung berücksichtigt werden.
Ein weiteres Problem ist, dass viele Risikoscores überwiegend anhand genetischer Daten von Menschen europäischer Abstammung entwickelt wurden. Bei anderen Bevölkerungsgruppen können sie deshalb weniger zuverlässig sein. Zudem ist für viele Scores bislang nicht ausreichend nachgewiesen, dass ihre Anwendung ärztliche Entscheidungen verbessert oder Erkrankungen tatsächlich verhindert.
Ein niedriger genetischer Risikoscore bedeutet somit keine Entwarnung. Auch bei einem erhöhten Score ist eine Erkrankung keineswegs sicher. Für eine medizinische Entscheidung muss immer geprüft werden, ob der zusätzliche genetische Befund gegenüber bekannten Risikofaktoren einen ausreichenden Nutzen bietet.
Was ist von genetischen Lifestyle-Tests zu halten?
Lifestyle-Gentests versprechen häufig individuelle Empfehlungen zu Ernährung, Sport, Stoffwechsel oder Hautalterung. Dafür werden bestimmte Genvarianten ausgewertet und mit allgemeinen Eigenschaften oder statistischen Zusammenhängen verknüpft. Die Ergebnisse wirken oft sehr persönlich, obwohl die wissenschaftliche Grundlage für konkrete Empfehlungen begrenzt ist.
Insbesondere für genetisch angepasste Ernährungsprogramme fehlen überzeugende Nachweise, dass sie bessere gesundheitliche Ergebnisse erzielen als eine qualifizierte allgemeine Ernährungsberatung. Auch Aussagen über den angeblich idealen Sporttyp oder das individuelle Hautalter lassen sich aus wenigen häufigen Genvarianten nicht zuverlässig ableiten. Solche Tests sollten deshalb nicht mit einer medizinisch begründeten genetischen Diagnostik gleichgesetzt werden.
Welche Gesetze gelten für Gentests in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Genetische Untersuchungen sind in allen drei Ländern gesetzlich geregelt. Ziel dieser Vorschriften ist es, Menschen vor unzulässigen Untersuchungen, Diskriminierung und einem Missbrauch ihrer genetischen Daten zu schützen. Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich jedoch je nach Land und Art der Untersuchung.
Welche Regeln gelten in Deutschland?
In Deutschland gilt seit 2010 das Gendiagnostikgesetz, kurz GenDG. Genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken dürfen grundsätzlich nur von Ärzten und Ärztinnen vorgenommen beziehungsweise veranlasst werden. Vor der Untersuchung sind eine angemessene Aufklärung und eine schriftliche Einwilligung der betroffenen Person erforderlich.
Bei prädiktiven genetischen Untersuchungen ist grundsätzlich eine genetische Beratung vor und nach der Untersuchung vorgesehen. Diese muss durch entsprechend qualifizierte Ärzte und Ärztinnen erfolgen. Unter gesetzlich festgelegten Voraussetzungen kann die betroffene Person nach schriftlicher Information auf die Beratung verzichten.
Ein wichtiges Schutzrecht ist das Recht auf Nichtwissen. Du kannst also grundsätzlich selbst bestimmen, ob Du genetische Untersuchungsergebnisse erfahren möchtest. Auch Arbeitgeber und Versicherungen dürfen genetische Tests in der Regel nicht verlangen oder deren Ergebnisse anfordern, wobei für bestimmte Versicherungsverträge mit sehr hohen Versicherungssummen eng begrenzte Ausnahmen bestehen.
Welche Regeln gelten in Österreich?
In Österreich regelt das Gentechnikgesetz, kurz GTG, die Durchführung genetischer Analysen am Menschen. Für bestimmte prädiktive Untersuchungen gelten besondere Anforderungen an die ärztliche Veranlassung, Aufklärung, Einwilligung und Beratung. Solche Untersuchungen dürfen nur in entsprechend zugelassenen Einrichtungen durchgeführt werden.
Das Gesetz unterscheidet verschiedene Arten genetischer Analysen nach ihrer medizinischen Aussagekraft und Bedeutung. Besonders streng geregelt sind Untersuchungen, die eine erbliche Veranlagung für künftig mögliche Erkrankungen feststellen sollen. Dabei müssen die betroffenen Personen über mögliche Ergebnisse und Konsequenzen informiert werden.
Genetische Analysedaten genießen außerdem besonderen Schutz gegenüber Arbeitgebern und Versicherungen. Das österreichische Recht enthält weitreichende Verwendungsverbote mit eng begrenzten gesetzlichen Ausnahmen. Welche Anforderungen konkret gelten, hängt deshalb von der jeweiligen Untersuchungsart ab.
Welche Regeln gelten in der Schweiz?
In der Schweiz gilt seit dem 1. Dezember 2022 das revidierte Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen, kurz GUMG. Es unterscheidet zwischen genetischen Untersuchungen im medizinischen Bereich und Untersuchungen außerhalb des medizinischen Bereichs. Medizinische Untersuchungen müssen grundsätzlich von Ärzten und Ärztinnen veranlasst werden und unterliegen besonderen Anforderungen an Aufklärung und Einwilligung.
Außerhalb des medizinischen Bereichs gelten unterschiedliche Regelungen. Gentests zu besonders schützenswerten Eigenschaften, beispielsweise zur sportlichen Veranlagung oder zu bestimmten Ernährungsmerkmalen, müssen durch entsprechend berechtigte Gesundheitsfachpersonen veranlasst werden. Andere nichtmedizinische Gentests können unter weniger strengen Voraussetzungen angeboten werden.
Auch in der Schweiz ist das Recht auf Nichtwissen geschützt. Für den Umgang mit genetischen Ergebnissen durch Arbeitgeber und Versicherungen gelten besondere Einschränkungen. Bei bestimmten privaten Versicherungsverträgen sind unter engen gesetzlichen Voraussetzungen Ausnahmen für bereits vorhandene Ergebnisse möglich.
Warum ist die genetische Beratung wichtig?
Gesundheitsbezogene Gentests können weitreichende Informationen über mögliche Erkrankungsrisiken liefern. Deshalb sollte vor der Untersuchung besprochen werden, welche Ergebnisse auftreten können und welche medizinischen Konsequenzen daraus folgen könnten. Auch mögliche Auswirkungen auf Familienangehörige gehören zu dieser Aufklärung.
Ein im Ausland bestellter Selbsttest bietet nicht automatisch denselben rechtlichen und medizinischen Schutz wie eine ärztlich begleitete Untersuchung. Besonders bei gesundheitsbezogenen Ergebnissen fehlen häufig eine individuelle Risikobewertung und eine fachkundige Beratung. Zudem gelten für solche Angebote je nach Land unterschiedliche Anforderungen, die durch den Versand aus dem Ausland nicht einfach aufgehoben werden.
Wie werden genetische Daten geschützt?
Genetische Daten gehören zu den besonders sensiblen personenbezogenen Informationen. In der Europäischen Union unterliegen sie nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung einem erhöhten Schutz. In der Schweiz bestehen entsprechende Schutzvorschriften nach dem Datenschutzgesetz und den Regelungen für genetische Untersuchungen.
Genetische Informationen sind besonders sensibel, weil sie unter bestimmten Umständen eine Identifizierung ermöglichen und auch Rückschlüsse auf biologische Verwandte zulassen. Eine vollständige und dauerhaft sichere Anonymisierung kann deshalb schwierig sein. Selbst wenn Namen und andere direkte Identifikationsmerkmale entfernt werden, besteht unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin ein Risiko der Wiedererkennung.
Worauf sollte man bei kommerziellen Gentests achten?
Vor der Nutzung eines kommerziellen Gentests sollte geprüft werden, wie der Anbieter mit biologischen Proben und genetischen Rohdaten umgeht. Besonders relevant sind die Speicherung, mögliche Weitergabe an Dritte und eine Verwendung für Forschungszwecke. Auch der Standort der Datenverarbeitung und die geltenden Datenschutzvorschriften sind wichtig.
Bei Anbietern außerhalb der Europäischen Union oder der Schweiz können zusätzliche rechtliche und praktische Risiken entstehen. Es sollte deshalb erkennbar sein, wie lange Proben und Daten gespeichert bleiben, ob eine Löschung beantragt werden kann und was bei einer Insolvenz des Unternehmens geschieht. Solche Fragen sollten möglichst vor der Abgabe einer Probe geklärt werden, da sich einmal weitergegebene genetische Informationen nicht immer vollständig zurückholen lassen.
Wer bezahlt einen Gentest in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Die Kostenübernahme für genetische Untersuchungen hängt von der medizinischen Fragestellung und den jeweiligen Versicherungsbedingungen ab. Besteht ein begründeter Verdacht auf eine erbliche Erkrankung, können die Untersuchung und die genetische Beratung von der Krankenversicherung übernommen werden. Kommerzielle Lifestyle-Gentests ohne medizinische Indikation gehören dagegen normalerweise nicht zu den regulären Kassenleistungen.
Kostenübernahme in Deutschland
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen medizinisch notwendige genetische Untersuchungen und Beratungen, sofern die geltenden Voraussetzungen erfüllt sind. Eine Indikation kann beispielsweise bestehen, wenn mehrere Angehörige an bestimmten Krebserkrankungen erkrankt sind oder eine andere erbliche Erkrankung vermutet wird. Die Familiengeschichte und vorhandene medizinische Befunde werden dabei berücksichtigt.
Für erblichen Brust- und Eierstockkrebs gibt es spezialisierte Zentren, in denen genetische Beratung, Diagnostik und gegebenenfalls intensivierte Früherkennung angeboten werden. Bei entsprechender Indikation können diese Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden. Ohne medizinische Begründung müssen Untersuchungen meist privat bezahlt werden, wobei einzelne Genanalysen je nach Umfang wenige Hundert bis über 1.000 Euro kosten können.
Kostenübernahme in Österreich
Auch in Österreich können medizinisch begründete genetische Untersuchungen von der Sozialversicherung übernommen werden. Voraussetzung ist, dass die jeweilige Untersuchung den geltenden medizinischen und versicherungsrechtlichen Anforderungen entspricht. Je nach Analyse können bestimmte Einrichtungen, fachärztliche Zuweisungen oder vorherige Bewilligungen erforderlich sein.
Die Durchführung in einem zugelassenen Labor bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jede Untersuchung erstattet wird. Vor einer umfangreichen genetischen Analyse sollte geklärt werden, welche Leistungen der zuständige Versicherungsträger übernimmt. Untersuchungen ohne medizinische Fragestellung sind in der Regel privat zu bezahlen.
Kostenübernahme in der Schweiz
In der Schweiz übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung bestimmte medizinisch notwendige genetische Laboranalysen. Maßgeblich ist unter anderem, ob die jeweilige Untersuchung in der offiziellen Analysenliste aufgeführt ist und die dort festgelegten Voraussetzungen erfüllt. Teilweise gelten zusätzliche Anforderungen an die ärztliche Veranlassung oder die medizinische Indikation.
Auch bei übernommenen Leistungen müssen Versicherte ihre Franchise und den gesetzlichen Selbstbehalt berücksichtigen. Für genetische Untersuchungen ohne medizinische Notwendigkeit besteht normalerweise kein Anspruch auf Kostenübernahme. Deshalb ist es sinnvoll, vor der Untersuchung die Versicherungsbedingungen und eine mögliche Kostengutsprache zu klären.
Wie läuft ein Gentest beim Arzt ab?
Eine medizinische genetische Untersuchung beginnt normalerweise mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei werden die persönliche Krankengeschichte, mögliche Erkrankungen innerhalb der Familie und die konkrete Fragestellung besprochen. Außerdem erklären Ärzte und Ärztinnen, welche Ergebnisse möglich sind und welche gesundheitlichen oder familiären Konsequenzen entstehen können.
Aufklärung und Probenentnahme
Vor der Untersuchung erfolgt die erforderliche Aufklärung und Einwilligung. Dabei wird auch besprochen, ob unerwartete genetische Befunde auftreten können, die über die ursprüngliche Fragestellung hinausgehen. Ob solche Zusatzbefunde untersucht und mitgeteilt werden, hängt vom Verfahren, den geltenden Vorschriften und der vorherigen Einwilligung ab.
Für die Untersuchung wird häufig eine Blutprobe verwendet. Je nach Fragestellung kann auch ein Abstrich der Mundschleimhaut oder eine andere geeignete Probe ausreichen. Im Labor wird die DNA gewonnen und anschließend mit dem vorgesehenen Verfahren untersucht.
Dabei können einzelne Gene, mehrere Gene eines sogenannten Genpanels oder größere Bereiche des Erbguts analysiert werden. Die technische Untersuchung und medizinische Bewertung dauern je nach Umfang einige Wochen bis mehrere Monate. Gefundene Varianten werden unter anderem anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse, Datenbanken und der persönlichen Krankengeschichte beurteilt.
Befundbesprechung und weitere Schritte
Nach der Auswertung werden die Ergebnisse ärztlich erläutert. Dabei geht es nicht nur darum, ob eine genetische Veränderung gefunden wurde, sondern auch um deren medizinische Bedeutung. Ein unauffälliges Ergebnis schließt beispielsweise nicht jede erbliche Erkrankung aus.
Je nach Befund können zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen, eine bestimmte Behandlung oder eine genetische Beratung von Familienangehörigen sinnvoll sein. Manchmal ergibt sich auch keine unmittelbare medizinische Konsequenz. Die Anforderungen an die Beratung unterscheiden sich nach Untersuchungsart und Land, wobei gerade bei prädiktiven Gentests besondere gesetzliche Vorgaben gelten.
Wann ist ein pharmakogenetischer Test sinnvoll?
Die Pharmakogenetik untersucht, wie genetische Unterschiede die Wirkung und Verträglichkeit bestimmter Medikamente beeinflussen können. Manche Gene bestimmen beispielsweise mit, wie schnell ein Arzneistoff im Körper abgebaut oder aktiviert wird. Dadurch können bei einzelnen Menschen unterschiedliche Wirkstoffspiegel oder Nebenwirkungsrisiken entstehen.
Ein besonders gut untersuchtes Beispiel ist das DPYD-Gen, das für die Bildung eines Enzyms benötigt wird, welches bestimmte Krebsmedikamente abbaut. Vor einer Behandlung mit Fluorouracil, Capecitabin oder Tegafur wird geprüft, ob ein Mangel des Enzyms Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) vorliegt. Betroffene können sonst ein erheblich erhöhtes Risiko für schwere, teilweise lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben.
Für welche weiteren Medikamente gibt es Empfehlungen?
Auch bei bestimmten Blutverdünnern, Schmerzmitteln und Psychopharmaka können genetische Unterschiede die Wirkung beeinflussen. Allerdings gibt es keine einheitliche Regel, nach der ein schnellerer Medikamentenabbau immer zu einer schwächeren Wirkung führt. Manche Arzneistoffe müssen erst im Körper aktiviert werden, sodass eine veränderte Enzymfunktion auch den gegenteiligen Effekt haben kann.
Für ausgewählte Wirkstoffe existieren konkrete pharmakogenetische Empfehlungen. Bei vielen anderen Medikamenten ist dagegen nicht ausreichend nachgewiesen, dass eine vorsorgliche genetische Untersuchung die Behandlung verbessert. Umfangreiche Testpakete ohne bestimmte medizinische Fragestellung gehören deshalb nicht zur allgemeinen Regelversorgung.
Eine pharmakogenetische Untersuchung kann besonders sinnvoll sein, wenn eine Behandlung mit einem entsprechenden Medikament geplant ist. Auch ungewöhnlich starke Nebenwirkungen oder eine unerwartet geringe Wirkung früherer Medikamente können Anlass für eine gezielte Abklärung sein. Ob ein Gentest dabei tatsächlich weiterhilft, beurteilen die behandelnden Ärzte und Ärztinnen.
Wie unterscheiden sich medizinische Gentests und Lifestyle-Tests?
Ein medizinischer Gentest beantwortet eine konkrete gesundheitliche Frage. Er wird beispielsweise durchgeführt, wenn aufgrund der Familiengeschichte eine erbliche Erkrankung vermutet wird oder ein genetischer Befund die Auswahl einer Behandlung beeinflussen könnte. Die Untersuchung erfolgt mit einem für die jeweilige Fragestellung geeigneten und qualitätsgesicherten Verfahren.
Typischerweise umfasst die medizinische Diagnostik vier Bestandteile:
- Eine begründete medizinische Fragestellung
- Ein dafür geeignetes und überprüftes Untersuchungsverfahren
- Eine Durchführung unter den geltenden Anforderungen an Laborqualität und Zulassung
- Eine fachkundige Aufklärung, Interpretation und gegebenenfalls genetische Beratung
Kommerzielle Lifestyle-Tests verfolgen häufig einen anderen Ansatz. Sie untersuchen ausgewählte Genvarianten und leiten daraus Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung, Stoffwechsel oder anderen persönlichen Eigenschaften ab. Für viele dieser Aussagen fehlt jedoch ein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis, dass die Empfehlungen tatsächlich zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen führen.
Warum können zwei Gentests unterschiedliche Ergebnisse liefern?
Verschiedene Anbieter untersuchen teilweise unterschiedliche genetische Varianten. Zudem können sich die verwendeten Berechnungsverfahren, Vergleichsgruppen und wissenschaftlichen Grundlagen unterscheiden. Deshalb ist es möglich, dass aus derselben Speichelprobe unterschiedliche Risikoeinschätzungen oder Lifestyle-Empfehlungen entstehen.
Wenn Du bereits einen kommerziellen Gentest durchgeführt hast, solltest Du auffällige gesundheitliche Ergebnisse nicht eigenständig als Diagnose interpretieren. Medizinisch relevante Befunde können durch geeignete klinische Untersuchungen überprüft werden, bevor daraus weitreichende Maßnahmen folgen. Für die meisten allgemeinen Fragen zur Vorsorge bleiben bewährte Empfehlungen zu Ernährung, Bewegung und regelmäßigen Untersuchungen weiterhin sinnvoll.
Wie bereitet man sich auf eine genetische Beratung vor?
Für eine genetische Beratung ist eine möglichst genaue Familiengeschichte hilfreich. Idealerweise umfasst sie mindestens drei Generationen, soweit entsprechende Informationen verfügbar sind. Wichtig sind insbesondere bekannte Erkrankungen, das Alter bei der Diagnose und die Verwandtschaftsverhältnisse.
Bei bestimmten Erkrankungen kann es zusätzlich hilfreich sein, vorhandene medizinische Befunde oder bereits durchgeführte genetische Untersuchungen von Angehörigen mitzubringen. Diese Informationen können die Einschätzung erleichtern, ob eine erbliche Ursache wahrscheinlich ist und welche Untersuchung sinnvoll wäre. Fehlende Angaben zur Familiengeschichte schließen eine Beratung jedoch nicht aus.
Welche Fragen sollte man vor einem Gentest klären?
Ein genetischer Befund kann verschiedene Konsequenzen haben. Dazu gehören beispielsweise engmaschigere Früherkennungsuntersuchungen, vorbeugende Eingriffe, bestimmte Behandlungen oder Entscheidungen im Rahmen der Familienplanung. Gleichzeitig kann ein Ergebnis psychisch belasten und Fragen zum Umgang mit Informationen innerhalb der Familie aufwerfen.
Auch mögliche Auswirkungen auf bestimmte private Versicherungsverträge sollten vor der Untersuchung besprochen werden. Die gesetzlichen Schutzvorschriften unterscheiden sich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deshalb ist es sinnvoll, die persönliche Situation bereits vor der Probenentnahme zu klären.
Eine genetische Beratung soll verständlich erklären, welche Informationen eine Untersuchung liefern kann und welche Grenzen bestehen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sich gegen einen Gentest zu entscheiden oder bestimmte Ergebnisse nicht erfahren zu wollen. Wenn ein Anbieter weitreichende gesundheitliche Aussagen verspricht, ohne eine angemessene Aufklärung und fachkundige Einordnung vorzusehen, ist besondere Vorsicht angebracht.
Quellen
Bundesministerium der Justiz: Gesetz über genetische Untersuchungen bei Menschen (Gendiagnostikgesetz, GenDG).https://www.gesetze-im-internet.de/gendg/
Bundesministerium der Justiz: § 10 GenDG, genetische Beratung und Voraussetzungen für einen Beratungsverzicht.https://www.gesetze-im-internet.de/gendg/__10.html
Bundesministerium der Justiz: § 18 GenDG, genetische Untersuchungen im Zusammenhang mit Versicherungsverträgen.https://www.gesetze-im-internet.de/gendg/__18.html
Gendiagnostik-Kommission (GEKO) am Robert Koch-Institut: Richtlinien und Empfehlungen zur genetischen Diagnostik und Beratung.https://www.rki.de/DE/Institut/Gremien/GEKO/GEKO_node.html
Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich: Gentechnikgesetz (GTG), insbesondere Bestimmungen über genetische Analysen am Menschen.https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010826
Rechtsinformationssystem des Bundes Österreich: § 67 GTG, Verbot der Verwendung genetischer Analysedaten durch Arbeitgeber und Versicherungen.https://www.ris.bka.gv.at/eli/bgbl/1994/510/P67/NOR40189184
Bundesamt für Gesundheit (BAG), Schweiz: Genetische Tests und pränatale Diagnostik, einschließlich der gesetzlichen Grundlagen.https://www.bag.admin.ch/de/genetische-tests-und-praenatale-diagnostik
Bundesamt für Gesundheit (BAG), Schweiz: Genetische und pränatale Tests im medizinischen Bereich.https://www.bag.admin.ch/de/genetische-und-praenatale-tests-im-medizinischen-bereich
Bundesamt für Gesundheit (BAG), Schweiz: Analysenliste der obligatorischen Krankenpflegeversicherung.https://www.bag.admin.ch/de/analysenliste-al
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Informationen zu genetischen Untersuchungen, erblichen Erkrankungen und genetischer Beratung.https://www.gesundheitsinformation.de/
Deutsches Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs: Informationen zur genetischen Beratung, Diagnostik und intensivierten Früherkennung.https://www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de/
European Medicines Agency (EMA): Empfehlungen zur Untersuchung auf DPD-Mangel vor der Behandlung mit Fluorouracil, Capecitabin und Tegafur.https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/referrals/fluorouracil-fluorouracil-related-substances-capecitabine-tegafur-flucytosine-containing-medicinal-products
American College of Medical Genetics and Genomics (ACMG): Clinical Application of Polygenic Risk Scores, Empfehlungen zur klinischen Einordnung und zu den Grenzen genetischer Risikoscores.https://www.gimjournal.org/article/S1098-3600(23)00816-X/fulltext
Deutsche Gesellschaft für Humangenetik: Fachinformationen und Empfehlungen zur genetischen Diagnostik.https://www.gfhev.de/
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