Zum Hauptinhalt springen
Trendmagazin
Mein MOOCI
Spezialist:innen finden

Neueste Beiträge

Alle ansehen
Kategorien
Longevity Neu Plastische Chirurgie Dermatologie Zahnmedizin Ästhetische Dermatologie Alle Themen von A-Z
Über MOOCI Qualitätssicherung Für Ärzt:innen Einloggen
Spezialist:innen Mit MIA chatten
MOOCI › Longevity › Diagnostik & biologisches Alter › Low-Dose-CT
Low-Dose-CT KI-generiertes Bild

Low-Dose-CT

Was ein Low-Dose-CT leistet, wer vom Lungenkrebs-Screening profitiert und wo die Grenzen der Untersuchung liegen.

War dieser Beitrag hilfreich für Dich?

Lungenkrebs ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Krebsart mit den meisten Todesfällen, und das hat einen einfachen Grund: Er wird meist erst entdeckt, wenn er Beschwerden macht. Dann ist der Tumor oft schon fortgeschritten, und die Heilungschancen sind gering. Wird ein Lungenkarzinom dagegen in einem frühen Stadium gefunden, überleben deutlich mehr Betroffene die folgenden fünf Jahre. Genau an dieser Lücke setzt das Low-Dose-CT an.

Die Idee ist nicht neu. Schon vor 20 Jahren wurde in Studien geprüft, ob eine regelmäßige Computertomographie bei starken Rauchern Leben retten kann. Lange war das Ergebnis umstritten, weil frühe Untersuchungen mit Röntgenbildern der Lunge keinen Nutzen gezeigt hatten. Erst mit der niedrig dosierten CT und zwei großen Studien hat sich das Bild gedreht. Heute gilt das Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-CT für eine klar definierte Risikogruppe als sinnvoll, und Deutschland hat es 2026 als erstes Land im deutschsprachigen Raum in die Regelversorgung übernommen.

Diese Seite erklärt Dir, was hinter dem Verfahren steckt, für wen es infrage kommt, was die Studien wirklich zeigen, welche Befunde Dich erwarten können und warum das Screening trotz allem den Rauchstopp nicht ersetzt.

Low-Dose-CT KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

Ein Low-Dose-CT der Lunge belastet Dich mit etwa einem Zehntel bis einem Fünftel der Strahlendosis eines Standard-CT und kommt ohne Kontrastmittel aus. Das Screening ist nur für Menschen mit hohem Risiko sinnvoll, in der Regel ab 50 Jahren mit mindestens 25 Packungsjahren, die noch rauchen oder vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben.

Auffällige Befunde sind häufig, aber nur ein kleiner Teil davon ist tatsächlich Krebs, deshalb gehört zu jedem Screening eine strukturierte Verlaufskontrolle. Deutschland hat das Screening als Kassenleistung eingeführt, Österreich und die Schweiz sind noch in der Pilotphase.

Was ist ein Low-Dose-CT und wie unterscheidet es sich von einem normalen CT?

Eine Computertomographie erstellt mit Röntgenstrahlen Schnittbilder des Körpers. Die Röhre kreist dabei um Dich, ein Computer rechnet aus den vielen Einzelaufnahmen ein dreidimensionales Bild. Beim Low-Dose-CT, auf Deutsch Niedrigdosis-CT, wird die Röhrenspannung und vor allem der Röhrenstrom so weit gesenkt, dass die Strahlendosis auf einen Bruchteil sinkt. Moderne Rechenverfahren gleichen das entstehende Bildrauschen teilweise aus.

Der Trick funktioniert, weil die Lunge ein dankbares Organ für die Bildgebung ist. Sie besteht überwiegend aus Luft, und ein Rundherd aus dichtem Gewebe hebt sich davon auch bei niedriger Dosis gut ab. Feine Strukturen wie kleine Gefäße oder Veränderungen im Weichteilgewebe des Mittelfells lassen sich dagegen schlechter beurteilen als in einem Standard-CT. Deshalb ist das Low-Dose-CT keine vollständige Untersuchung des Brustkorbs, sondern ein gezieltes Suchverfahren für Lungenrundherde.

In Zahlen: Ein Standard-CT des Brustkorbs liegt je nach Gerät und Fragestellung bei etwa fünf bis acht Millisievert. Ein Low-Dose-CT der Lunge kommt mit rund einem Millisievert aus, in vielen Zentren sogar mit weniger. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlenbelastung in Mitteleuropa beträgt etwa zwei bis drei Millisievert pro Jahr, ein klassisches Röntgenbild der Lunge in zwei Ebenen liegt bei etwa 0,05 bis 0,1 Millisievert. Das Low-Dose-CT belastet Dich also ungefähr so stark wie einige Monate normales Leben, aber deutlich mehr als ein Röntgenbild. Kontrastmittel wird beim Screening nicht gespritzt.

Warum ist das Röntgenbild der Lunge zur Früherkennung nicht geeignet?

Diese Frage stellen sich viele, die schon einmal ein Lungenröntgen hatten. Das Röntgenbild ist eine Überlagerungsaufnahme: Rippen, Herz, Gefäße und Lungengewebe liegen übereinander. Ein Tumor von einem Zentimeter Größe kann sich hinter dem Herzschatten, dem Zwerchfell oder einer Rippe verstecken. Erst ab einer Größe von etwa zwei bis drei Zentimetern werden Herde im Röntgen zuverlässig sichtbar, und dann sind sie häufig nicht mehr im Frühstadium.

Eine große amerikanische Studie mit über 150.000 Teilnehmenden hat bereits vor Jahren geprüft, ob jährliche Röntgenaufnahmen die Lungenkrebssterblichkeit senken. Das Ergebnis war ernüchternd: keine Wirkung. Die Computertomographie entdeckt dagegen Herde von wenigen Millimetern Größe, weil sie den Brustkorb in dünne Schichten zerlegt. Genau dieser Unterschied erklärt, warum das Screening erst mit der CT funktioniert.

Was zeigen die Studien zum Lungenkrebs-Screening?

Zwei Untersuchungen sind entscheidend. Die erste ist die amerikanische NLST-Studie, an der über 53.000 Personen zwischen 55 und 74 Jahren mit mindestens 30 Packungsjahren teilnahmen. Die Hälfte erhielt drei Jahre lang jährlich ein Low-Dose-CT, die andere Hälfte ein Röntgenbild. Nach gut sechs Jahren Beobachtung starben in der CT-Gruppe etwa 20 Prozent weniger Menschen an Lungenkrebs. Auch die Gesamtsterblichkeit sank leicht.

Die zweite ist die niederländisch-belgische NELSON-Studie mit rund 15.000 Teilnehmenden, die 2020 veröffentlicht wurde. Sie verglich das CT-Screening nicht mit Röntgen, sondern mit keinem Screening, und setzte auf eine ausgeklügelte Auswertung, bei der das Volumen der Rundherde und ihr Wachstum über die Zeit beurteilt wurden. Bei Männern sank die Lungenkrebssterblichkeit nach zehn Jahren um etwa 24 Prozent. Bei Frauen war der Effekt in der kleineren Untergruppe noch größer, allerdings mit breiter statistischer Unsicherheit.

Weitere europäische Studien aus Italien, Großbritannien und Deutschland waren einzeln zu klein, um einen Effekt sicher zu zeigen, weisen aber zusammengenommen in dieselbe Richtung. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, hat diese Daten 2020 in einem Abschlussbericht ausgewertet und kam zu dem Ergebnis, dass der Nutzen des Screenings den Schaden bei starken Raucherinnen und Rauchern überwiegt. Dieser Bericht war die Grundlage für alles, was in Deutschland danach folgte.

Wichtig ist die absolute Größenordnung. Ein Rückgang um 20 Prozent klingt groß, bezieht sich aber auf ein ohnehin seltenes Ereignis. Nach den Studiendaten muss man etwa 250 bis 320 Menschen aus der Risikogruppe über mehrere Jahre screenen, um einen Todesfall an Lungenkrebs zu verhindern. Das ist im Vergleich zu anderen Krebsfrüherkennungen ein guter Wert, aber eben kein Schutz für jeden Einzelnen.

Wer kommt für ein Low-Dose-CT infrage?

Das Screening richtet sich ausschließlich an Menschen mit hohem Risiko, und dieses Risiko wird über das Rauchen definiert. Die zentrale Größe sind die sogenannten Packungsjahre. Ein Packungsjahr entspricht einer Schachtel mit 20 Zigaretten täglich über ein Jahr. Wer 15 Jahre lang zwei Schachteln pro Tag geraucht hat, kommt auf 30 Packungsjahre, wer 40 Jahre lang zehn Zigaretten täglich geraucht hat, auf 20.

In Deutschland gelten nach der Strahlenschutzverordnung und dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses folgende Voraussetzungen: Du bist zwischen 50 und 75 Jahre alt, hast mindestens 25 Packungsjahre angesammelt, rauchst noch oder hast vor weniger als zehn Jahren aufgehört. Der Gemeinsame Bundesausschuss formuliert das Kriterium alternativ auch als mindestens 15 Zigaretten täglich über 25 Jahre oder mindestens zehn Zigaretten täglich über 30 Jahre. Außerdem musst Du beschwerdefrei sein, denn wer Symptome wie anhaltenden Husten, Bluthusten oder Gewichtsverlust hat, braucht keine Früherkennung, sondern eine Abklärung.

Ehemals Rauchende sind also ausdrücklich eingeschlossen, solange der Rauchstopp nicht zu lange zurückliegt. Das Risiko sinkt nach dem Aufhören zwar kontinuierlich, bleibt aber über Jahre erhöht. Fachleute diskutieren, ob die starre Zehn-Jahres-Grenze überholt ist, weil auch nach 15 Jahren Abstinenz noch ein deutlich erhöhtes Risiko besteht. Für die Regelversorgung gilt derzeit trotzdem diese Grenze.

Nicht in das Screening gehören Menschen, die nie oder nur wenig geraucht haben. Für sie ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gefundener Rundherd bösartig ist, so gering, dass die Nachteile durch Fehlalarme überwiegen würden. Auch wer wegen schwerer anderer Erkrankungen keine Lungenoperation mehr durchstehen könnte, profitiert nicht, weil eine Diagnose ohne Behandlungsmöglichkeit nur belastet. Eine Ausnahme sind Menschen mit hoher beruflicher Asbestexposition, für die es in Deutschland ein eigenes Nachsorgeprogramm der Unfallversicherung gibt.

Wie ist die Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

In Deutschland ist der Einsatz von Röntgenstrahlung bei gesunden Menschen ohne konkrete Fragestellung grundsätzlich verboten. Ein Screening braucht deshalb eine ausdrückliche Zulassung nach dem Strahlenschutzrecht. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat 2021 in einem wissenschaftlichen Gutachten festgestellt, dass der Nutzen des Low-Dose-CT bei starken Rauchern die Strahlenrisiken überwiegt. Auf dieser Basis trat am ersten Juli 2024 die Lungenkrebs-Früherkennungs-Verordnung in Kraft, die das Screening unter engen Bedingungen erlaubt: nur in dafür zugelassenen radiologischen Einrichtungen, nur mit Geräten, die eine Dosisobergrenze einhalten, und nur mit strukturierter Befundung und Qualitätssicherung.

Der zweite Schritt war die Kostenübernahme. Der Gemeinsame Bundesausschuss beschloss im Juni 2025, das Lungenkrebsscreening als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Nach Festlegung der Vergütung startete das Programm im Frühjahr 2026 in der Regelversorgung. Vorgesehen ist ein jährliches Low-Dose-CT, dem ein ärztliches Aufklärungsgespräch vorausgeht, üblicherweise bei einem Lungenfacharzt oder Hausarzt, der die Voraussetzungen prüft und Dich in das Programm einschreibt. Bestandteil der Beratung ist auch das Angebot einer Tabakentwöhnung. Privatversicherte sollten die Erstattung vorab mit ihrer Versicherung klären, da die Tarife unterschiedlich reagieren.

In Österreich gibt es bislang kein flächendeckendes Programm. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie fordert seit Jahren die Einführung, und an einzelnen Standorten laufen wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte, teils im Rahmen europäischer Initiativen. Die e-card deckt das Screening derzeit nicht ab, und auch die jährliche Vorsorgeuntersuchung enthält keine Bildgebung der Lunge. Wer die Kriterien erfüllt und außerhalb eines Projekts untersucht werden möchte, zahlt selbst. Ein Vorteil ist, dass in Österreich der Zugang zur Radiologie mit ärztlicher Zuweisung vergleichsweise einfach ist.

Die Schweiz ist einen Schritt weiter als Österreich, aber noch nicht bei einem nationalen Programm. Ein Expertengremium hat 2022 die Einführung eines Screenings für Risikopersonen empfohlen, und seit 2024 läuft ein Pilotprojekt an universitären Zentren, das die Machbarkeit unter Schweizer Bedingungen prüft. Die Grundversicherung übernimmt das Low-Dose-CT bei Beschwerdefreiheit nicht, sodass die Untersuchung als Selbstzahlerleistung läuft. Bei einem auffälligen Befund wird die weitere Abklärung zur Krankheitsdiagnostik und fällt dann unter die Grundversicherung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Der Weg beginnt nicht im CT, sondern im Gespräch. Deine Ärztin oder Dein Arzt prüft, ob Du die Kriterien erfüllst, erklärt Dir Nutzen und Risiken und fragt nach Vorerkrankungen, früheren Untersuchungen der Lunge und Deiner Rauchgeschichte. Erst danach erfolgt die Anmeldung in einer zugelassenen Radiologie. Für die Aufnahme selbst brauchst Du keine Vorbereitung. Du musst nicht nüchtern sein, kannst Deine Medikamente wie gewohnt nehmen und wirst lediglich gebeten, Metall im Bereich des Oberkörpers abzulegen.

Im Untersuchungsraum legst Du Dich auf den Rücken auf die Liege, die Arme über den Kopf. Die Liege fährt durch den Ring des Geräts, das im Gegensatz zum MRT offen und leise ist. Auf Kommando atmest Du tief ein und hältst die Luft für etwa fünf bis zehn Sekunden an, damit die Lunge entfaltet ist und sich nicht bewegt. In dieser kurzen Zeit entsteht die komplette Aufnahme. Der gesamte Aufenthalt im Raum dauert selten länger als zehn Minuten, die eigentliche Strahlenexposition wenige Sekunden. Kontrastmittel, Spritzen oder Schmerzen gibt es nicht.

Danach wertet eine Radiologin oder ein Radiologe die Bilder aus, in Screeningprogrammen zunehmend unterstützt durch Software, die Rundherde automatisch vermisst. Das Ergebnis erhältst Du in der Regel über die Praxis, die Dich eingeschrieben hat, und zwar mit einer Einordnung, was der Befund bedeutet und wann die nächste Untersuchung ansteht. Beim Kassenprogramm in Deutschland ist vorgesehen, dass die Befunde nach einem einheitlichen Schema klassifiziert werden, damit die Empfehlungen überall vergleichbar sind.

Was bedeuten die Befunde und was passiert bei einem auffälligen Ergebnis?

Der häufigste Befund im Low-Dose-CT ist ein Lungenrundherd, ein kleiner, meist rundlicher Fleck im Lungengewebe. Solche Herde sind extrem häufig. In den ersten Screeningrunden werden sie bei etwa jedem vierten bis fünften Teilnehmenden gefunden, und mehr als 95 Prozent davon sind gutartig: verkalkte Narben nach früheren Infekten, kleine Lymphknoten im Lungengewebe oder harmlose Bindegewebsknötchen.

Um diese Menge an Befunden zu ordnen, wird international das Lung-RADS-System verwendet, ein Klassifikationsschema der amerikanischen Radiologengesellschaft. Es teilt Befunde nach Größe, Dichte und Wachstum in Kategorien ein. Kategorie eins bedeutet ohne Befund, Kategorie zwei umfasst kleine, sicher gutartig wirkende Herde, bei denen einfach die nächste Jahresuntersuchung abgewartet wird. Kategorie drei beschreibt wahrscheinlich gutartige Herde, die nach drei bis sechs Monaten kontrolliert werden. Erst Kategorie vier bezeichnet verdächtige Befunde, die eine weitere Abklärung nach sich ziehen. In der NELSON-Studie wurde die Beurteilung zusätzlich über das Volumen und die Verdopplungszeit des Herdes gesteuert, was die Zahl der Fehlalarme deutlich senkte.

Bei einem verdächtigen Befund folgt nicht sofort eine Operation. Meist steht zuerst ein CT mit Kontrastmittel in Standarddosis an, um den Herd genauer darzustellen. Bei Bedarf folgt eine PET-CT, die Stoffwechselaktivität sichtbar macht, oder eine Gewebeentnahme über eine Lungenspiegelung oder eine Punktion durch die Brustwand. Nur ein Teil dieser abgeklärten Herde erweist sich am Ende als Krebs. Wird tatsächlich ein Karzinom gefunden, ist es im Screening deutlich häufiger in einem operablen Frühstadium als ohne Screening, was den eigentlichen Nutzen ausmacht.

Welche Risiken und Nachteile hat das Screening?

Der wichtigste Nachteil sind falsch-positive Befunde. In der NLST-Studie hatten über die drei Screeningrunden hinweg fast 40 Prozent der Teilnehmenden mindestens einen auffälligen Befund, von denen die allermeisten keine Krebserkrankung waren. Jeder dieser Befunde bedeutet Wartezeit, Sorge und Folgeuntersuchungen. In einem kleinen Teil der Fälle führt die Abklärung zu Eingriffen wie einer Gewebeentnahme, die eigene Risiken tragen, etwa einen Lungenkollaps oder eine Blutung. Mit den heutigen Auswertungsschemata ist die Rate an Fehlalarmen niedriger als damals, aber sie bleibt der zentrale Preis des Screenings.

Der zweite Nachteil ist die Überdiagnose. Das Screening findet auch Tumoren, die so langsam wachsen, dass sie zu Lebzeiten nie Beschwerden gemacht hätten. Diese Menschen werden behandelt, tragen die Folgen einer Operation und leben mit einer Krebsdiagnose, ohne dass sie davon einen Nutzen haben. Wie groß dieser Anteil ist, lässt sich nur schätzen. Die Auswertungen der großen Studien kommen auf Werte zwischen wenigen Prozent und rund einem Fünftel der im Screening entdeckten Karzinome, abhängig davon, wie lange die Teilnehmenden nachbeobachtet wurden. Das IQWiG hat diesen Punkt in seiner Bewertung ausdrücklich als relevanten Schaden benannt.

Der dritte Punkt ist die Strahlung. Ein Millisievert pro Jahr über zehn oder 20 Jahre summiert sich, und dazu kommen die Folgeuntersuchungen bei auffälligen Befunden. Modellrechnungen schätzen, dass durch die Strahlung des Screenings pro einige tausend Teilnehmende ein zusätzlicher Krebsfall ausgelöst wird. Dem stehen die verhinderten Todesfälle gegenüber, sodass die Bilanz in der Risikogruppe eindeutig positiv bleibt. Bei Menschen ohne erhöhtes Risiko dreht sich dieses Verhältnis um, und genau deshalb ist ein Low-Dose-CT auf eigenen Wunsch ohne Risikoprofil keine gute Idee.

Nicht zuletzt gibt es Zufallsbefunde außerhalb der Lunge. Das CT bildet auch Herz, Schilddrüse, Nebennieren und die Knochen des Brustkorbs ab. Verkalkte Herzkranzgefäße, Schilddrüsenknoten oder Veränderungen der Leber tauchen bei einem erheblichen Teil der Untersuchten auf und ziehen weitere Diagnostik nach sich. Manche dieser Befunde sind nützlich, viele nicht. Deine Ärztin oder Dein Arzt sollte sie mit Dir gemeinsam einordnen, bevor eine Kaskade von Untersuchungen beginnt.

Wofür wird ein Low-Dose-CT sonst noch eingesetzt?

Das Lungenkrebsscreening ist die bekannteste, aber nicht die einzige Anwendung. Beim Koronarkalk-Scoring wird die Verkalkung der Herzkranzgefäße ebenfalls mit einem nativen, niedrig dosierten CT gemessen. Der daraus berechnete Kalk-Score ist ein etablierter Baustein der Risikoabschätzung für Herzinfarkt, vor allem bei Menschen im mittleren Risikobereich, bei denen unklar ist, ob eine cholesterinsenkende Behandlung sinnvoll ist. Übrigens lassen sich Verkalkungen der Herzkranzgefäße auch auf einem Lungen-Low-Dose-CT erkennen und werden dort zunehmend mitbeurteilt.

Bei Verdacht auf Nierensteine ist das Niedrigdosis-CT des Bauchraums heute vielerorts das Verfahren der Wahl, weil Steine auch bei geringer Dosis gut sichtbar sind und die Untersuchung schneller und zuverlässiger ist als Ultraschall oder Röntgen. In der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde wird das Low-Dose-CT der Nasennebenhöhlen bei chronischer Entzündung oder vor Operationen verwendet. Und bei Menschen, die wegen einer bekannten Erkrankung wiederholt untersucht werden müssen, etwa zur Verlaufskontrolle von Lungenmetastasen oder entzündlichen Lungenerkrankungen, senkt die Niedrigdosis-Technik die Gesamtbelastung über viele Untersuchungen hinweg spürbar.

Diese Anwendungen sind keine Screenings, sondern reguläre diagnostische Untersuchungen mit konkreter Fragestellung. Sie werden in allen drei Ländern von der Kranken- oder Grundversicherung getragen, wenn eine medizinische Indikation besteht.

Was kostet ein Low-Dose-CT als Selbstzahler?

Erfüllst Du in Deutschland die Kriterien des Kassenprogramms, ist das Screening für Dich kostenfrei. Außerhalb des Programms, etwa weil Du unter 50 bist, weniger Packungsjahre hast oder in Österreich lebst, kannst Du die Untersuchung privat bezahlen. Ein Low-Dose-CT der Lunge ohne Kontrastmittel liegt in Deutschland nach der Gebührenordnung für Ärzte meist zwischen 150 und 350 Euro, inklusive Befundung. In Österreich bewegen sich die Preise in einem ähnlichen Rahmen, in der Schweiz zwischen etwa 300 und 600 Franken. Manche Anbieter bündeln die Lungenuntersuchung mit einem Koronarkalk-Scoring zu einem Paket, was den Preis entsprechend erhöht.

Bedenke aber, dass in Deutschland das Screening außerhalb des zugelassenen Programms strahlenschutzrechtlich nicht ohne Weiteres möglich ist. Ein Radiologe darf Dich nicht einfach auf Wunsch durchleuchten, sondern braucht eine rechtfertigende Indikation. Sprich deshalb zuerst mit Deiner Hausärztin oder einem Lungenfacharzt darüber, ob und wo eine Untersuchung für Dich überhaupt zulässig ist.

Wann ist ein MRT die bessere Wahl?

Die Magnetresonanztomographie arbeitet ohne Röntgenstrahlung und wird deshalb häufig als Alternative nachgefragt. Für die Lunge ist sie allerdings weniger geeignet. Lungengewebe enthält wenig Wasser und viel Luft, was im MRT nur ein schwaches Signal erzeugt. Kleine Rundherde unter fünf oder sechs Millimetern werden im MRT deutlich schlechter erkannt als im CT, und die Aufnahme dauert länger, wobei die Atembewegung die Bilder stört. Es gibt Forschungsansätze, das Lungenkrebsscreening mit speziellen MRT-Sequenzen durchzuführen, aber sie sind bislang nicht so gut belegt wie das Low-Dose-CT.

Umgekehrt ist das MRT bei vielen anderen Organen überlegen: Gehirn, Wirbelsäule, Gelenke, Leber, Prostata und Weichteile werden im MRT besser dargestellt. Wer eine Ganzkörper-Vorsorge mit MRT in Betracht zieht, sollte wissen, dass sie die Lunge nur eingeschränkt beurteilt und ein Low-Dose-CT bei entsprechendem Risiko nicht ersetzt. Beide Verfahren beantworten unterschiedliche Fragen.

Warum ersetzt das Screening den Rauchstopp nicht?

Alle Zahlen dieser Seite beziehen sich auf die Früherkennung eines bereits entstandenen Tumors. Der Rauchstopp setzt früher an: Er verhindert, dass der Tumor überhaupt entsteht, und wirkt gleichzeitig auf Herzinfarkt, Schlaganfall, chronische Bronchitis, Gefäßverschlüsse in den Beinen und ein Dutzend weiterer Krebsarten. Wer mit 50 Jahren aufhört zu rauchen, gewinnt im Durchschnitt etwa sechs Lebensjahre, wer mit 60 aufhört, noch etwa drei. Kein Screening kommt an diese Größenordnung heran.

Das Screening ist deshalb ausdrücklich als Ergänzung gedacht. Studien zeigen sogar, dass die Teilnahme an einem Lungenkrebsscreening die Motivation zum Aufhören erhöhen kann, besonders wenn ein Befund gefunden wird und die Beratung zur Tabakentwöhnung fest eingebaut ist. Umgekehrt gibt es die Sorge, ein unauffälliges CT könne als Freibrief zum Weiterrauchen missverstanden werden. Die Daten stützen diese Sorge nicht, aber sie erklärt, warum das deutsche Programm die Entwöhnungsberatung als festen Bestandteil vorsieht.

Was hat das Low-Dose-CT mit Longevity zu tun?

Longevity meint nicht das Anhängen von Jahren, sondern das Verlängern der gesunden Lebenszeit. Aus dieser Sicht ist das Lungenkrebsscreening ein Werkzeug mit einem klar begrenzten Einsatzgebiet: Es nützt einer Gruppe, deren Risiko durch das Rauchen stark erhöht ist, und schadet allen anderen tendenziell mehr, als es hilft. Das unterscheidet es von vielen Angeboten, die unter dem Etikett Prävention für jeden vermarktet werden.

Für die Risikogruppe wiederum ist das Low-Dose-CT eine der wenigen Krebsfrüherkennungen mit hochwertiger Evidenz aus randomisierten Studien. Zusammen mit dem Koronarkalk-Scoring, das dieselbe Aufnahme mitliefern kann, und einer Lungenfunktionsprüfung entsteht daraus ein Bild vom Zustand zweier Organsysteme, die beim Rauchen am meisten leiden. Der eigentliche Longevity-Hebel liegt danach nicht in der nächsten Bildgebung, sondern in dem, was Du mit dem Ergebnis machst: dem Rauchstopp, der Behandlung erkannter Risikofaktoren und dem Abschied von der Vorstellung, Kontrolle ersetze Veränderung. Eine Ärztin oder ein Arzt, die Dein Risikoprofil kennen, können Dir sagen, ob das Screening in Deinem Fall dazugehört.

War dieser Beitrag hilfreich für Dich?
Deine Frage ist nicht dabei?

Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.

Häufige Fragen

Ist ein Low-Dose-CT auch für Nichtraucher sinnvoll?
Nein, nach der aktuellen Studienlage nicht. Bei Menschen ohne erhöhtes Risiko ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein gefundener Herd bösartig ist, so gering, dass Fehlalarme, Folgeuntersuchungen und Strahlung den möglichen Nutzen überwiegen. Alle großen Studien haben ausschließlich starke Raucherinnen und Raucher untersucht. Für Nichtraucher gibt es derzeit keine Empfehlung und in Deutschland auch keine rechtliche Grundlage für ein Screening.
Wie oft sollte das Screening wiederholt werden?
Die Programme sehen ein jährliches Low-Dose-CT vor, solange Du die Kriterien erfüllst und gesundheitlich für eine Behandlung infrage kommst. Bei einem kontrollbedürftigen Herd kann die nächste Untersuchung früher angesetzt werden, meist nach drei bis sechs Monaten. Die Teilnahme endet in der Regel mit 75 Jahren oder wenn der Rauchstopp länger als zehn Jahre zurückliegt.
Was ist, wenn ich mit dem Rauchen aufgehört habe?
Du kannst trotzdem teilnehmen, wenn der Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt und Du die geforderten Packungsjahre erreichst. Das Risiko sinkt nach dem Aufhören zwar stetig, bleibt aber über viele Jahre über dem von Menschen, die nie geraucht haben. Der Rauchstopp selbst ist übrigens der wichtigste Schritt, den Du für Deine Lunge tun kannst, unabhängig vom Screening.
Kann ein Low-Dose-CT auch andere Erkrankungen zeigen?
Ja, das CT bildet den gesamten Brustkorb ab. Häufige Nebenbefunde sind Verkalkungen der Herzkranzgefäße, Zeichen eines Lungenemphysems, Schilddrüsenknoten oder Veränderungen an den Wirbelkörpern. Manche dieser Befunde sind relevant, andere nicht. Deine Ärztin oder Dein Arzt ordnet sie ein und entscheidet mit Dir, ob eine weitere Abklärung nötig ist.
Wie sicher ist ein unauffälliges Ergebnis?
Ein unauffälliges Low-Dose-CT senkt die Wahrscheinlichkeit, dass aktuell ein Lungentumor vorliegt, deutlich, schließt ihn aber nicht vollständig aus. Sehr kleine Herde können übersehen werden, und zwischen zwei Untersuchungen kann ein schnell wachsender Tumor entstehen. Deshalb ist das Screening als jährliche Wiederholung angelegt. Wenn Du zwischen den Terminen Beschwerden wie anhaltenden Husten, Bluthusten oder Atemnot entwickelst, solltest Du nicht auf den nächsten Termin warten, sondern das ärztlich abklären lassen.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

Zum Profil
Weitere Inhalte zum Thema
Aktuelle Trends
Unser medizinischer Prozess
Jeder Artikel wird von medizinischen Fachexpert:innen geprüft, um höchste Qualität und Aktualität sicherzustellen.
Recherche

Analyse aktueller Studien und Fachliteratur

Erstellung

Verfassung durch med. Fachjournalist:innen

Facharzt-Review

Prüfung durch praktizierende Fachärzt:innen

Aktualisierung

Regelmäßige Überprüfung und Updates

Fachärztlich geprüft
Dr. Benjamin Gehl
Letzte Aktualisierung: 28.09.2026

MIA

KI-Assistentin · MOOCI Informational Agent

Hallo! Ich bin MIA, die KI-Assistentin von MOOCI. 👋

Damit Du es weißt: Du schreibst hier mit einer künstlichen Intelligenz, nicht mit einem Menschen. Meine Antworten können Fehler enthalten und ersetzen keine ärztliche Beratung.

Wie kann ich Dir heute helfen?
Gerade eben

Arzt in deiner Nähe finden

🩺

MIA

Deine KI-Beratung von MOOCI

Hallo! Ich bin MIA, deine KI-Beratung von MOOCI. Ich beantworte deine Fragen zu ästhetischen und medizinischen Behandlungen. Was möchtest du wissen?

Arzt in deiner Nähe finden