Plazenta praevia

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, versorgt Dein heranwachsendes Baby in Deiner Gebärmutter über die Nabelschnur mit Nährstoffen. Im Normalfall bewegt sich Deine Plazenta im Laufe der Schwangerschaft an das obere Ende der Gebärmutter, um den Geburtsweg für Dein Kind freizumachen. Ist dies nicht der Fall, so sprechen Fachärzte von einer Plazenta praevia, also einer Fehllage vor dem Muttermund Deines Mutterkuchens.


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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-GM-2020 O44

Was versteht die Medizin unter einer Plazenta praevia?

Eine Plazenta praevia ist ein Fehlsitz der Plazenta in der Gebärmutter der werdenden Mutter. Normalerweise liegt der Mutterkuchen im oberen Bereich Deiner Gebärmutter. Während Deiner Schwangerschaft wandert die Plazenta also nach oben, um den Geburtsweg für Dein Kind freizumachen. Bei einer Plazenta praevia findet diese Wanderung allerdings nicht statt. Die Plazenta bleibt im unteren Bereich Deiner Gebärmutter, also über oder nahe Deinem Gebärmutterhals. Deine Gebärmutter wächst im Zuge Deiner Schwangerschaft. Da sich Deine Plazenta aber an einer falschen Stelle befindet, kann sie durch das Wachsen oder Kontraktionen Deiner Gebärmutter abscheren, was schmerzfreie, aber durchaus starke Blutungen verursachen kann.
 
Bei der Plazenta praevia verrutscht die Plazenta, was zu Komplikationen bei der Geburt führen kann

Was ist die Plazenta, wo befindet sie sich und was ist ihre Funktion?

Die Plazenta ist ein scheibenförmiges Organ mit einem Durchmesser von fünf bis 20 Zentimetern. Fachärzte bezeichnen sie auch als Mutterkuchen, der zwischen zwei bis vier Zentimeter dick ist und im Durchschnitt etwa 500 Gramm wiegt. Der Mutterkuchen versorgt das ungeborene Kind in Deiner Gebärmutter mit Nährstoffen und Sauerstoff. Zusätzlich produziert die Plazenta wichtige Hormone wie Progesteron, Östrogen und hCG (humanes Choriongonadotropin), die für den Erhalt der Schwangerschaft wichtig sind. In der Plazenta verbinden sich der mütterliche und der kindliche Blutkreislauf über eine mehrschichtige Filtermembran, die sogenannte Plazentaschranke. Hier regelt die Plazenta, welche Stoffe in das Blut Deines Kindes übergehen, wie zum Beispiel Sauerstoff, Glukose oder Stoffe des Immunsystems.

Wie unterteilen Ärzte eine Plazenta praevia?

Eine Plazenta praevia bedeckt mehr oder weniger vollständig den inneren Muttermund, also den Ausgang der Gebärmutter, den Dein Kind bei der Geburt passieren muss. Normalerweise befindet sich der Mutterkuchen deutlich entfernt vom Gebärmutterausgang.
 
Je nach Fehllage unterteilen Mediziner die Plazenta praevia wie folgt:
 

  • Eine tief sitzende Plazenta erreicht Deinen inneren Muttermund nicht. Sie sitzt allerdings näher am Muttermund als eine gewöhnliche Plazenta.
  • Eine Plazenta praevia marginalis erreicht den Rand des inneren Muttermundes. Sie berührt ihn, verdeckt ihn aber nicht. Liegt die Plazenta weit genug von Deinem Muttermund entfernt, so ist eine vaginale Entbindung unter bestimmten Voraussetzungen durchaus möglich.
  • Etwa 20 Prozent der betroffenen Frauen leiden unter einer Plazenta praevia totalis, wobei der Mutterkuchen den inneren Muttermund komplett verdeckt. Dein Kind kann dann nur per Kaiserschnitt geboren werden.
  • Eine Plazenta praevia partialis bedeckt den inneren Muttermund teilweise. Etwa ein Drittel der Betroffenen leiden an einer solchen Form der Plazenta-Fehllage. Auch hier ist unter Umständen ein Kaiserschnitt notwendig.

Insgesamt tritt eine Plazenta praevia bei etwa einer von 200 Schwangerschaften auf.

Was sind die Symptome einer Plazenta praevia?

Eine Plazenta praevia erkennst Du häufig durch eine plötzlich einsetzende vaginale Blutung. Am ehesten tritt sie in der zweiten Hälfte Deiner Schwangerschaft auf, am häufigsten jedoch zum Ende des zweiten Trimesters sowie zu Beginn des dritten Trimesters. In einigen Fällen können auch Krämpfe als Begleiterscheinung auftreten.
 
Die von der Plazenta praevia verursachte Blutung kann sehr massiv und somit auch lebensgefährlich für Mutter sowie Kind sein. Bei einer Blutung während Deiner Schwangerschaft solltest Du daher immer umgehend einen Arzt aufsuchen.
 
Bei der Plazenta praevia kann sich die Plazenta so verschieben, dass diese bei der Geburt als erstes rauskommt. Dadurch kann die Sauerstoffzufuhr für das ungeborene Baby gefährdet sein

Welche Ursachen hat eine Plazenta praevia?

Im Normalfall bewegt sich der Mutterkuchen, also die Plazenta, im Verlauf der Schwangerschaft zum oberen Ende der Gebärmutter, da die Gebärmutter wächst. So bleibt der Geburtskanal frei. Wenn sich die Plazenta allerdings nicht nach oben bewegt, so entsteht eine Plazenta praevia.
 
Die Plazenta wächst grundsätzlich dort, wo sich das befruchtete Ei in die Wand der Gebärmutter eingenistet hat. Dies kann unter gewissen Umständen auch in der Nähe des Gebärmutterausgangs stattfinden, wenn die werdende Mutter zum Beispiel schon mehrere Geburten oder Fehlgeburten erlebt hat oder wenn es bei einer früheren Geburt Probleme mit der Ablösung der Plazenta gegeben hat. Auch Schwangerschaftsabbrüche (also Ausschabungen der Gebärmutter) können Ursachen einer Plazenta praevia sein.
 
Außerdem bestärken viele Gynäkologen, dass sich das Ei häufig in der Nähe von bereits bestehenden Narben einnistet, die beispielsweise durch frühere Operationen oder Kaiserschnitte entstanden sind.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Plazenta praevia?

Es gibt einige Risikofaktoren, die eine Plazenta praevia begünstigen können:
 

  • Rauchen
  • Hohes Alter der werdenden Mutter
  • Außergewöhnliche Form der Gebärmutter (Uterusanomalie)
  • Viele Schwangerschaften in der Vergangenheit
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Kokainmissbrauch
  • Narben in der Gebärmutter, die zum Beispiel durch Operationen, Kaiserschnitte oder Schwangerschaftsabbrüche (Ausschabungen) entstanden sind.
  • In-vitro-Fertilisationen (künstliche Befruchtungen)
  • Eine Plazenta praevia kann allerdings auch ohne diese Risikofaktoren auftreten.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Plazenta praevia?

Solltest Du bemerken, dass Du während Deiner Schwangerschaft aus der Scheide blutest, so solltest Du möglichst schnell Deinen Gynäkologen aufsuchen. Dieser informiert sich zunächst über Deine Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei fragt er Dich, in welcher Schwangerschaftswoche Du Dich befindest, ob Du Schmerzen verspürst, ob Du zuvor schon einmal oder mehrmals schwanger warst und ob Du rauchst.
 
Vor der 20. Schwangerschaftswoche kann Dein Gynäkologe durch eine körperliche Untersuchung der Vagina und des äußeren Muttermundes mit einem medizinischen Instrument (Spekulum) die Blutung lokalisieren sowie deren Ursache und Stärke bestimmen.
 
Eine Plazenta praevia sollte so schnell wie möglich diagnostiziert werden
 
Ab der 20. Schwangerschaftswoche untersucht Dein Facharzt zunächst Deinen Bauch- und Beckenraum durch eine Ultraschalluntersuchung (transabdominelle Sonografie). Diese stellt die Lage der Plazenta bildlich dar, wodurch Dein Gynäkologe eine erste Diagnose der Plazenta praevia stellen kann. Zur weiteren Diagnostik kann er eine vaginale Sonografie oder Farbdoppler-Sonografie (farbige Darstellung des Blutflusses) einsetzen.

Wie wird eine Plazenta praevia behandelt?

Tritt eine vaginale Blutung ab Deiner 20. Schwangerschaftswoche auf, so empfehlen Fachärzte eine klinische, konservative Behandlung. Diese erfolgt unter stationären Bedingungen und hat das Ziel, die Schwangerschaft mindestens bis zur 34. Schwangerschaftswoche weiterzuführen. Dafür muss die Blutung aber kontrollierbar sein. Hierbei verschreibt Dir Dein Gynäkologe unter anderem:
 

  • Corticosteroiden, welche die Reifung der Lunge Deines Babys beschleunigen sollen.
  • Tokolytika, welche die Wehentätigkeit hemmen und das Risiko einer Frühgeburt senken sollen.
  • Antibiotika, um Infektionen zu vermeiden.
  • Transfusionen, um den Blutverlust auszugleichen und Deinen Kreislauf zu stabilisieren.

Liegt Dein Mutterkuchen in der 30. bis 32. Schwangerschaftswoche noch immer tief in Deiner Gebärmutter, so solltest Du jegliche körperliche Belastung vermeiden und auch kleinste Hausarbeiten nur langsam und mit genügend Pausen vollbringen. Gynäkologen raten zur Gänze von Sport sowie Geschlechtsverkehr ab. Auch die Scheide solltest Du nicht spülen.
 
Jegliche mechanische Belastung und Risse in den Blutgefäßen Deiner Plazenta müssen vermieden werden, ansonsten kann dies zu einer Frühgeburt Deines Kindes führen.
 
Deshalb kann Dir Dein Gynäkologe bei fortschreitender Schwangerschaft unter Umständen Bettruhe verschreiben. Sollten Blutungen auftreten, so kann Dein Facharzt auch ein komplettes Beschäftigungsverbot aussprechen.
 
Minimieren sich im Verlauf Deiner Schwangerschaft die Risiken einer erneuten Blutung, so kann das Erreichen der 37. Schwangerschaftswoche angestrebt werden. Sollte Dein Facharzt eine Plazenta praevia totalis (vollständige Muttermund-Abdeckung) feststellen, so leitet er ein bis zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin einen Kaiserschnitt ein.
 
Dein Gynäkologe kann eine Plazenta praevia auch aktiv behandeln, indem er sofort und unabhängig von Deiner Schwangerschaftswoche eine Entbindung per Kaiserschnitt einleitet.

Welche Komplikationen können bei einer Plazenta praevia auftreten?

Sollte eine Frühgeburt drohen, so kann Dir Dein Facharzt Medikamente wie Gynipral oder Atosiban verschreiben, welche die Wehentätigkeit hemmen. Zusätzlich kann die Lungenreife Deines ungeborenen Kindes durch sogenannte Glukokortikoide beschleunigt werden.
 
Liegt die Plazenta weniger als zwei Zentimeter von Deinem inneren Muttermund entfernt, so handelt es sich um eine Risikoschwangerschaft. Solange die Plazenta praevia keine Symptome wie Blutungen verursacht, beeinträchtigt sie die Entwicklung Deines Kindes nicht.
 
Bedrohlich wird eine Plazenta praevia dann, wenn frisches Blut austritt. Ist dies der Fall, solltest Du so schnell wie möglich einen Arzt kontaktieren oder ins Krankenhaus fahren.
 
In manchen Fällen gibt Dir Dein Facharzt eine Flüssigkeit per Infusion und teilweise auch Blutkonserven, um Kreislaufkomplikationen zu verhindern. Manchmal muss Dein Arzt auch einen Notkaiserschnitt durchführen.
 
In manchen Fällen ist Notkaiserschnitt bei einer Plazenta praevia die letzte Lösung

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Plazenta praevia?

Der Krankheitsverlauf einer Plazenta praevia kann sehr individuell sein. Die Lage der Plazenta hat einen großen Einfluss darauf, ob Dein Kind per Kaiserschnitt geholt werden muss. Je tiefer die Plazenta in Deiner Gebärmutter liegt, desto wahrscheinlicher ist ein Kaiserschnitt.
 
Eine tief sitzende Plazenta und eine Plazenta praevia marginalis, bei der die Plazenta Deinen Muttermund lediglich berührt, können ohne Komplikationen und unbemerkt auftreten.
 
Im Gegensatz dazu kann eine Plazenta praevia totalis, wenn Dein Mutterkuchen Deine Muttermundöffnung also komplett verdeckt, starke Blutungen hervorrufen und somit sogar lebensgefährlich sein. Einige Blutungen können spontan zum Stillstand kommen. Andere können hingegen sowohl für Dich als Mutter als auch für Dein Kind lebensgefährlich werden. Gestillte Blutungen können nach einigen Tagen oder Wochen wieder zu bluten beginnen.
 
Dein Gynäkologe kann Dir allerdings mit der richtigen Behandlung gut helfen, auch mit einer Plazenta praevia ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.

Wie ist die Prognose bei einer Plazenta praevia?

Oft ist das Risiko für eine Frühgeburt sehr hoch, weshalb Dir Dein Arzt unter Umständen wehenunterdrückende Mittel sowie Medikamente, die die Lungenreifung Deines Kindes fördern, verschreibt.
 
Auch wenn Deine Plazenta nur einen Teil Deines inneren Gebärmuttermundes verdeckt, besteht die Gefahr, dass es vor Beginn der Wehen zu schweren Blutungen kommen kann. Eine natürliche Geburt ist also im Fall einer Placenta totalis oder partialis – wenn ein großer Teil oder sogar der ganze Muttermund verdeckt ist – sehr gefährlich sein, weshalb dann nur ein Kaiserschnitt möglich ist. Denn bei einer natürlichen Geburt würde sich Deine Plazenta als Erstes lösen, wodurch Dein Kind keinen Sauerstoff mehr bekäme. Im schlimmsten Fall könnten auch bei der Mutter unstillbare, starke Blutungen auftreten. Diese könnte Dein Facharzt nur durch die Entfernung Deiner gesamten Gebärmutter stillen.
 
Wenn aber die Plazenta nur an den Rand Deiner Muttermundöffnung grenzt und ihn nicht komplett verdeckt, so ist auch eine natürliche Geburt möglich. Dein Arzt stellt dann bei einer Ultraschalluntersuchung sicher, dass die Plazenta weit genug von Deinem Muttermund entfernt ist und durch die Dehnung Deiner Gebärmutter nicht reißen wird. In diesem Fall empfehlen Gynäkologen und Hebammen jedoch, dass Du unbedingt in einer Klinik entbinden solltest, sodass Dein behandelnder Facharzt im Notfall schnell reagieren kann.
 
Das richtige Eingreifen bei einer Plazenta praevia kann das Leben des Ungeborenen und das der Mutter retten

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Plazenta praevia?

Die österreichische Sozialversicherung hat sich im Rahmen der Schwangerschaftsbetreuung dazu verpflichtet, die Kosten für ärztlichen Beistand, Hebammenbeistand, Heilmittel und Heilbehelfe vollständig zu übernehmen. Welche Leistungen aber im Detail von der Krankenkasse übernommen werden, hängt davon ab, ob zwischen dem behandelnden Arzt, dem Krankenhaus oder der Hebamme und dem Sozialversicherungsträger ein Vertrag besteht.
 
Entscheidest Du Dich für eine ambulante oder stationäre Geburt im Krankenhaus, so übernimmt die Kosten für Geburt und Krankenhausaufenthalt die Krankenkasse, bei der Du zuletzt versichert warst. Dementsprechend werden auch die Kosten für die Behandlung einer Plazenta praevia von der Krankenkasse übernommen.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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MOOCI Siegel
Dr. med. univ. Alexander Just

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Dr. med. Christine Chung, MPH

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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Plazenta praevia ist eine Fehllage des Mutterkuchens: Dabei wandert der Mutterkuchen nicht wie gewohnt im Laufe der Schwangerschaft in den oberen Bereich Deiner Gebärmutter, um den Muttermund und somit den Geburtsweg für Dein Kind freizumachen, sondern bleibt im unteren Bereich Deiner Gebärmutter. Du erkennst dies häufig anhand von vaginalen Blutungen, die gegen Ende Deiner Schwangerschaft auftreten


Es gibt unterschiedliche Arten einer Plazenta praevia: Entweder die Plazenta berührt den Muttermund, bedeckt ihn aber nicht, oder sie kann ihn teilweise bis ganz verdecken. Je nach Ausmaß der Fehllage muss Dein Facharzt eine individuelle Behandlung einleiten


Dein Facharzt kann eine Plazenta praevia mithilfe einer Ultraschalluntersuchung diagnostizieren. In den meisten Fällen kann ein Spezialist die auftretenden Komplikationen jedoch erfolgreich behandeln


Sollten die Blutungen anhalten oder vermutet Dein Facharzt, dass es bei Kind oder Mutter zu Problemen kommen könnte, so nimmt er einen Kaiserschnitt vor

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