Tipps zur richtigen Intimpflege für Sie und Ihn

Der Markt für Intimpflege-Produkte ist groß: Intimsprays und Deos, Cremes, Feuchttücher & Co. sollen für einen angenehmen Geruch und einen sauberen Genitalbereich sorgen. Die richtige Intimpflege ist für einen gesunden Körper wichtig, aber nicht alle Produkte sind notwendig. Eine zu intensive Pflege, kann dem Körper sogar schaden, manche Produkte können die Haut reizen oder austrocknen.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 28. Juli, 2020

Warum sollte ich auf den pH-Wert achten?

Es ist besonders wichtig, auf den richtigen pH-Wert in den Pflegeprodukten zu achten. Das weibliche Scheidenmilieu ist mit einem pH-Wert von 3,8 bis 4,4 um einiges saurer als die restliche Haut, dort liegt der pH-Wert bei 5,5. Durch den sauren pH-Wert schützt sich die Vagina vor Infektionen, das Wachstum von krankheitserregenden Bakterien wird dadurch behindert. Dafür verantwortlich sind Milchsäurebakterien. Daneben gibt es noch eine geringe Menge an Pilzsporen, die ungefährlich sind, solange der pH-Wert unter 4,5 liegt. Wird dieser Wert aber überschritten, können sich die Bakterien vermehren und Infektionen auslösen.

Der pH-Wert hat einen großen Einfluss auf die Scheidenflora und schützt die Vagina vor Infektionen.

Wie oft soll ich mich waschen?

Zu häufiges Waschen mit ungeeigneten Seifen oder Duschgels kann den Säureschutzmantel der Haut angreifen und den pH-Wert im Intimbereich außer Gleichgewicht bringen. Daher solltest Du immer zu nicht aggressiven Pflegeprodukten greifen und möglichst keine Schwämmchen oder Waschlappen verwenden, da diese einen idealen Nährboden für Bakterien bieten.
 
Waschen solltest Du immer nur die äußeren Geschlechtsorgane, also die Schamspalte sowie die großen und kleinen Schamlippen. Außerdem solltest Du vermeiden, im sensiblen Intimbereich zu schrubben, da dies die wichtige Schutzschicht der Vagina oder Genitalien verletzen kann. Ist die Schutzschicht einmal zerstört und wird die natürliche Keimflora gestört, dann haben schädliche Bakterien und Pilze ein leichteres Spiel.
 
Es reicht daher, den Intimbereich einmal am Tag vorsichtig zu reinigen und die Unterwäsche täglich zu wechseln. Da sich Bakterien und Pilze in feuchter und warmer Umgebung besonders wohlfühlen, solltest Du nach der Wäsche Deinen Intimbereich auch immer gut abtrocknen.

Worauf müssen Frauen besonders bei der Intimpflege achten?

Intimwäsche
 
Das weibliche Geschlechtsorgan ist ein selbstreinigendes System. Grundsätzlich reicht es, wenn Du Deine Vagina mit lauwarmem Wasser beim Duschen wächst, auch während Deiner Periode. Allerdings solltest Du niemals den Strahl der Dusche direkt in die Scheide richten. Von Scheidenspülungen und Sitzbändern, sofern sie nicht ärztlich verordnet wurden, ist eher abzuraten, da diese ebenso wie parfümierte Duschgels den pH-Wert einer gesunden Scheidenflora schädigen können.
 
Intimparfum/Deo
 
Solltest Du unangenehmen Gerüche trotzdem entgegenwirken wollen, gibt es spezielle Intimhygiene-Produkte, die vor allem nach dem Sport oder bei Hitze angewendet werden können. Hierbei solltest Du es aber nicht übertreiben und auf eine regelmäßige Anwendung verzichten. Sprühe niemals Parfums in den Intimbereich! Sie sind nicht für den empfindlichen Intimbereich gedacht und können die Haut reizen sowie Allergien auslösen.
 
Intimrasur
 
Auch die Intimrasur kann die Vaginalgegend negativ beeinflussen. Haare können einwachsen und es können sich rote Pünktchen bilden. Daher solltest Du, wenn möglich, nicht gegen die Haarwuchsrichtung rasieren. Für eine Intimrasur ist eine Nassrasur unter der Dusche oder in der Badewanne mit einer frischen Klinge und einer milden Waschlotion zum Aufschäumen oder einem geeigneten Rasierschaum zu empfehlen. Abschließend kannst Du mit einer milden Creme oder Puder Deine Haut beruhigen. Abzuraten ist außerdem von Enthaarungscremes, da sie Reizungen oder Allergien hervorrufen können.

Bei Frauen reicht es grundsätzlich, die Vagina mit lauwarmem Wasser zu waschen.

Worauf müssen Männer unbedingt bei der Intimpflege achten?

Intimwäsche
 
Auch bei Männern gilt: wasche Penis, Hoden und After einmal täglich mit lauwarmem Wasser. Auf Seife sollte der Mann verzichten, da diese in die Harnröhre gelangen kann, was zu Schmerzen führt. Benutze stattdessen Duschgele mit niedrigem pH-Wert oder nur Wasser. Pflegetücher und Deodorants haben im männlichen Intimbereich ebenfalls nichts zu suchen, da sie die empfindliche Haut reizen und austrocknen können und die Widerstandskraft gegenüber Keimen senken.
 
Vorhaut
 
Wenn der Penis nicht beschnitten ist, sollte bei der Intimpflege auch besonderes Augenmerk auf den Teil unter der Vorhaut gelegt werden. Darunter sammelt sich eine Mischung aus Talg, abgestorbenen Hautresten, Urin-und Spermarückständen an – ein idealer Nährboden für Keime. Die Art von Verschmutzung nennt sich Smegma. Um diese zu reinigen, schiebe die Vorhaut sanft zurück und wasche die darunter liegende Haut mit lauwarmem Wasser.
 
Rasur
 
Auch die Schamhaare beim Mann können unbedenklich entfernt werden. Dazu eignet sich eine Nassrasur mit Rasierschaum und einem spitzen Rasierer. Spanne die Haut stets mit zwei Fingern an, um Verletzungen zu vermeiden. Sind die Haare lediglich zu lang, kannst Du sie auch im trockenen Zustand mit einer kleinen, sauberen Schere stutzen.
 
Andere Enthaarungsmethoden wie Enthaarungsgels sind für die Intimzone ungeeignet, da sie reizend wirken können. Im Falle eines eingewachsenen Haares kann ein Peeling dabei helfen, das Haar an die Oberfläche zu befördern. Drücke nicht daran rum, dies kann die Haut verletzen und zu Entzündungen führen. Ist das Haar hartnäckig, kannst Du einen Termin beim Hautarzt vereinbaren.

Beim Mann sollte besonders die Vorhaut regelmäßig mit Wasser gesäubert werden, da sich dort Spermarückstände festzsetzen können.

Ist eine Rasur im Intimbereich gesundheitlich bedenklich?

Neben der Intimrasur wird auch Intimwaxing, -epilation oder -sugaring immer beliebter. Grundsätzlich spricht nichts gegen das Entfernen der Schamhaare. Sollte Deine Haut nach einer Rasur oder anderen Haarentfernungsmethoden zu Hautirritationen neigen, hilft ein beruhigender Balsam. Ist keine Schambehaarung vorhanden, können sich auch Bakterien und andere Erreger weniger leicht daran ansetzen.

Weitere Tipps zur Intimpflege

  • Vor allem Frauen sollten nach dem Stuhlgang den Analbereich immer von vorne nach hinten abputzen. So verhindern Sie, dass Darmbakterien in die Vagina gelangen.
  • Wechsle täglich Deine Unterwäsche. Trage möglich Baumwoll-Unterwäsche, die Du bei 60 Grad waschen kannst.
  • Verzichte auf synthetische Slips sowie Strings oder Reizwäsche im Alltag. Diese können leichter Druckstellen ausüben und somit Bakterien leichter in die Vagina transportieren.
  • Slipeinlagen mit Kunststoffüberzug, Nylonstrumpfhosen sowie zu enge Hosen und alle anderen synthetischen Materialien können einen Wärmestau verursachen. Als Folge bildet sich vermehrt Feuchtigkeit im Intimbereich. Dadurch können Bakterien und Pilze leichter entstehen.
  • Bei sehr trockener Haut im Genitalbereich, etwa während der Wechseljahre, kannst Du Deine Intimzone mit Vaseline oder hochwertigen Ölen pflegen.
  • Wechsle Binden und Tampons regelmäßig, aber spätestens nach acht Stunden.
  • Wenn Du trotz regelmäßiger Intimpflege Probleme mit Pilzinfektionen hast, kannst Du durch den regelmäßigen Verzehr von Kokosöl Scheidenpilze vorbeugen und sogar Deine Haut damit eincremen. Wie Du die Macht von Ölen am besten nutzen kannst, kannst Du hier nachlesen!

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