Ein Termin, der vielen Angst bereitet: der Zahnarztbesuch

Bei vielen Menschen sorgt ein Besuch beim Zahnarzt für Unwohlsein, wobei sie die Behandlungen aufgrund der Notwendigkeit trotzdem über sich ergehen lassen. Für einige kommt eine zahnärztliche Untersuchung – geschweige denn Behandlung – sogar erst gar nicht infrage. Man spricht von Zahnarztangst (Zahnarztphobie), wenn das mulmige Gefühl eines Zahnarztbesuches zu einem ernst zu nehmenden, krankhaften Problem bei Patienten wird. Aber warum haben so viele Menschen Angst vor Zahnarztbehandlungen? Welche Folgen kann die Phobie haben und was kannst Du dagegen tun? Auf diese Fragen gehen wir in diesem Beitrag näher ein.


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Medizinischer Experte

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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 4. März, 2020

Woher kommt die Angst vor dem Besuch beim Zahnarzt?

Es gibt verschiedene Ursachen, die Menschen eine derart große Angst vor dem Zahnarzt bereiten. Oft liegen die Wurzeln in der Vergangenheit, in der sich der Patient einer sehr schmerzhaften Behandlung unterziehen musste oder unter Umständen sogar fehlerhaft behandelt oder verletzt wurde. Oftmals wird die Angst vom sozialen Einfluss, beispielsweise von Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten, geprägt, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, diese weitertragen und so Angst verbreiten.

Viele Menschen leiden unter einer schlechten Zahngesundheit und haben Angst vor den Folgen, sprich der Behandlung

Viele Menschen leiden unter einer schlechten Zahngesundheit und haben Angst vor den Folgen, sprich der Behandlung. Die Patienten erwarten, dass die notwendigen Verfahren extrem schmerzhaft sind, und drücken sich deshalb davor, was die Behandlung nur unnötig verzögert und dadurch gegebenenfalls noch schlimmer macht. All diese negativen Erfahrungen können dazu beitragen, dass sich eine Zahnarztangst entwickelt, bei der Symptome wie Übelkeit, Herzrasen, vermehrtes Schwitzen und Zittern auftreten können. Die Phobie ist in vielen Fällen so weit ausgeprägt, dass Menschen über Jahre komplett auf notwendige zahnärztliche Leistungen verzichten, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann.

Was sind mögliche Folgen der Zahnarztphobie?

Dadurch, dass der notwendige Zahnarzttermin aufgeschoben wird, verschlechtert sich die Zahngesundheit zunehmend. Das kann so weit gehen, dass sich in weiterer Folge sogar der allgemeine Gesundheitszustand verändert, denn Zahnentzündungen können sich auf den Körper ausweiten und das Risiko auf Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfälle erhöhen. Verfaulte Zähne lösen außerdem bei vielen Patienten Allergien, Muskelbeschwerden und ein andauerndes Müdigkeitsgefühl aus. Fehlstellungen der Zähne können Kopf- und Rückenschmerzen hervorrufen und für einen Tinnitus verantwortlich sein.

 

Neben dem körperlichen Unbehagen haben Betroffene aber auch mit psychischen Folgen zu kämpfen. Das schlechte Gewissen breitet sich aus und die immer schlimmer werdenden Zahnprobleme schwirren ständig im Kopf herum und belasten den Patienten emotional. Zudem verstärkt die Verdrängung des Besuches das Angstgefühl zusätzlich. Wenn sich die Zähne schon in einem sichtbar schlechten Zustand befinden, leiden Patienten auch häufig unter einem Schamgefühl gegenüber der Gesellschaft, fühlen sich nicht mehr wohl und ziehen sich zurück.

Dr. med. dent. Florian Lanza, Zahnarzt

Die Panik und Angst vor einem Besuch beim Zahnarzt ist oft größer als das eigentliche Problem. Ursprünglich ist die Angst ein Instrument, welches uns vor Gefahrensituationen schützen soll. Angstpatienten fühlen sich während des Zahnarztbesuches völlig ausgeliefert und nur der Gedanke an die anstehende Behandlung versetzt sie in Panik und eine Art Lähmung. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten diesen Ängsten entgegenzuwirken.

Der wohl wichtigste und einfachste Schritt ist es, dem Arzt oder der Ärztin zunächst seine Ängste offen mitzuteilen und um ein kurzes Gespräch zu bitten. Das Aussprechen der Angst kann einiges bewirken und Anspannungen lösen. Sollte man hier bei seinem Arzt auf Unverständnis treffen, kann das Gespräch und die Behandlung noch immer vorab beendet werden. Zudem wirkt Musik oft beruhigend auf Angstpatienten. Es empfiehlt sich daher, vor einem Besuch beim Zahnarzt an Kopfhörer und die Lieblingsmusik zu denken. Des Weiteren eignet sich für Angstpatienten alternativ auch eine Verhaltenstherapie. Therapeuten bedienen sich hier einer einfachen Technik, der progressiven Muskelrelaxation. Hier werden die Ursprünge der Ängste kennengelernt und dieses erlernte Wissen ermöglicht den Patienten, die Angst hinter sich zu lassen.

Um eine Zahnarztangst gar nicht erst entstehen zu lassen ist es wichtig, Kinder bereits in frühem Alter zu desensibilisieren. Sobald der erste Milchzahn da ist, ist es sinnvoll einen Termin beim Kinderzahnarzt zu vereinbaren, um Ihnen von klein auf den Besuch beim Zahnarzt als ganz normal anzueignen. Da unsere Zähne nicht nur zum Kauen, sondern auch für die Gesundheit des ganzen Körpers, für Lebensfreude und für vieles mehr dienen, ist es wichtig die Zahnarztangst in Angriff zu nehmen.

Dr. med. dent. Florian Lanza, Zahnarzt

Was kannst Du gegen Deine Angst tun?

Abgesehen von der Tatsache, dass die Medizin heutzutage schon sehr fortgeschritten ist und effektive, weitgehend schmerzfreie Behandlungen bietet, ist es wichtig, dass Du Dich Deiner Angst stellst, um gesundheitliche Folgen zu verhindern. Leichter gesagt, als getan, aber es gibt heutzutage schon viele Lösungsmöglichkeiten und Therapien, die sich als äußerst hilfreich erweisen. Je nach Ausprägung der Phobie, reicht es vielen Betroffenen schon, dass sie während der Behandlung Musik über Kopfhörer anmachen, um die unangenehmen Geräusche des Bohrers und Co. zu minimieren. Beruhigende Medikamente können für den Moment Abhilfe schaffen, stellen aber natürlich keine langfristige Beseitigung des Problems dar.

 

Auch die Einnahme von Schmerzmitteln vor der Behandlung ist eine Möglichkeit, doch auch medikamentöse Behandlungen stellen keine Dauerlösung dar. Bei Patienten, die unter großer Angst leiden, werden zahnärztliche Eingriffe oft unter Sedierung (Dämmerschlaf), Vollnarkose oder Hypnose vorgenommen. Wenn der Betroffene Angst vor dem Kontrollverlust hat und sich dem Zahnarzt ausgeliefert fühlt, sind diese Methoden für diese Art von Angstpatienten eher wenig hilfreich. Sollten außerdem mehrere Eingriffe notwendig sein, kann nicht jedes Mal auf die Variante einer Vollnarkose zurückgegriffen werden, da dies den Organismus zu sehr belasten würde. Meistens kommt hinzu, dass diese Behandlungsformen teuer sind und die Kosten in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Es gibt grundsätzlich viele verschiedene Wege, die Dir helfen können, Deine Angst zumindest kurzfristig zu verringern, aber…

…was kann langfristig helfen?

Das Fundament für die Überwindung Deiner Ängste bildet das Vertrauen zum Zahnarzt. Es ist wichtig, dass Du das Gefühl hast, gut aufgehoben zu sein. Mittlerweile gibt es viele Zahnärzte, die sich auf Angstpatienten spezialisiert haben und eng mit Psychologen zusammenarbeiten. Diese Ärzte haben bereits Erfahrung mit Patienten, denen es gleich geht wie Dir und nehmen Deine Anliegen und Bedenken sehr ernst. Wenn Du Dich bei Deinem Zahnarzt nicht wohl und sicher fühlst, solltest Du einen Zahnarztwechsel in Betracht ziehen. Auch wenn es Dir vielleicht schwerfällt, solltest Du Dich nicht davor scheuen, Deine Befürchtungen vor allem gegenüber Deinem Zahnarzt offen ansprechen, sodass dieser entsprechend darauf reagieren kann und mit Dir gemeinsam eine für Dich akzeptable Lösung findet. Um Deine Ängste nachhaltig zu bekämpfen, kann Dir eine psychologische Therapie helfen. Eine Angsttherapie ist eine sinnvolle Methode, bei der Deine Angst langfristig überwunden werden kann. Eine weitere Form der Therapie stellt autogenes Training – also eine Entspannungstherapie – dar, welche in vielen Fällen sogar von der Krankenkasse übernommen wird.

Mittlerweile gibt es viele Zahnärzte, die sich auf Angstpatienten spezialisiert haben und eng mit Psychologen zusammenarbeiten

Was auch immer hinter Deiner Angst vor Zahnarztbesuchen steckt, sei Dir darüber bewusst, dass Angst im Kopf beginnt und von Dir selbst erzeugt wird. Mach Dir klar, dass das Aufschieben der notwendigen Untersuchungen oder Behandlungen die Situation nur verschlimmert. Es gibt immer eine Lösung, die auch für Angstpatienten geeignet ist. Und auch wenn Therapien bei Dir nicht anspringen, lässt sich, gemeinsam mit dem Zahnarzt Deines Vertrauens, eine passende Alternative finden. In der Regel ist die Vorstellung darüber immer schlimmer, als die Realität selbst.

 

Oder wie Dalai Lama sagen würde:

 

„Nur wer Angst verspüren kann, kann auch Mut beweisen.“



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