Migräne

Bei einem Migräneanfall treten meist heftige, oft einseitig pulsierende Kopfschmerzen auf, die bei Belastung stärker werden können. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat aber im ganzen Bereich des Kopfes Schmerzen. Etwa 30 Prozent der Migränepatienten leidet unter einer begleitenden Aura. Normalerweise behandelt der Arzt die Migräne medikamentös, in schwereren Fällen kann Botox oder auch eine Operation eingesetzt werden. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit einer prophylaktischen Behandlung.


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Zuletzt aktualisiert: 25. Februar, 2020

Was versteht die Medizin unter Migräne?

Die Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, die etwa zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung betrifft. Bei Betroffenen treten in unregelmäßigen Abständen immer wieder starke Kopfschmerzen auf. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen sowie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit können ebenfalls auftreten. In den meisten Fällen ist der Kopfschmerz unilateral, also einseitig ausgeprägt.

Welche Arten von Migräne gibt es und wie sehen die Symptome bei Migräne aus?

Es gibt mindestens zehn verschiedene Arten der Migräne. Dazu zählen die Migräne ohne Aura, die Migräne mit Aura (Migraine accompagnée), die Migraine sans migraine (Aura ohne Kopfschmerzen), die vestibuläre Migräne, die Hemiplegische Migräne, die Basiläre Migräne, die Migräne der Augen, die Menstruelle Migräne, die Chronische Migräne und die Abdominelle Migräne. Kopfschmerzen sind für die meisten Arten der Migräne typisch, lediglich die Migraine sans migraine kann ohne Kopfschmerzen, aber dafür mit Aura verlaufen. Bei etwa 30 Prozent der Betroffenen treten bestimmte neurologische Symptome (Auren) auf. Symptome einer Aura sind Sehstörungen wie Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, sowie Sprachschwierigkeiten oder Missempfindungen der Haut.

Migräne

Auch Schwindel und Unwohlsein gehören dazu. Solch eine Aura dauert meist etwa 30 Minuten bis zu einer Stunde lang an und verschwinden danach komplett. Experten vermuten eine vorübergehende Minderdurchblutung bestimmter Gehirnareale durch einen Gefäßkrampf. In einigen Fällen der Migräne kann als Leitsymptom das Gleichgewichtssystem gestört sein, wodurch Patienten oft sehr schwindelig ist. Wo genau die Kopfschmerzen bei einer Migräne auftreten, ist von Person zu Person und von Migräneart zu Migräneart unterschiedlich. Meistens sind sie einseitig, sie können aber auch den ganzen Kopf umfassen oder zum Beispiel am Hinterhaupt liegen. Weitere eher allgemeine Symptome sind Lichtscheu oder Geräuschempfindlichkeit.

Welche Ursachen hat Migräne?

Nach dem heutigen Kenntnisstand besteht für die Erkrankung eine genetische Veranlagung, allerdings ist diese erbliche Disposition nicht der alleinige Faktor für die Entstehung der Migräne. Bei bestimmten seltenen Migräneformen konnten Forscher Gendefekte auf dem Chromosom 19 identifizieren. Auf der Ebene der Pathophysiologie konnten Forscher feststellen, dass das CGRP-Molekül (Calzitonin Gen Related Pepdid) eine wesentliche Rolle bei der Auslösung der Migräneattacken zukommt. Auch das Hormon Serotonin soll eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Weibliche Hormone (Östrogene) und auch der monatliche Zyklus einer Frau wirken sich auf den Serotoninspiegel im Blut aus. Dies erklärt auch die Tatsache, dass Frauen signifikant häufiger betroffen sind als Männer. Auch äußere Faktoren können eine Migräne auslösen. Dazu gehören Stress, Alkohol, Schokolade, bestimmte Käsesorten, körperliche Belastung, die Menstruation aber auch die Pilleneinnahme, grelles Licht oder Reisen.

Wie diagnostiziert der Arzt Migräne?

Vermutest Du, an Migräne zu leiden, versucht der Arzt Deine Krankengeschichte in einem Anamnesegespräch möglichst genau zu rekonstruieren. Dabei fragt er Dich unter anderem, ob in Deiner Familie schon Migräne aufgetreten ist, wie häufig Du an solchen Attacken leidest und ob sie sich in der Intensität oder auch der Dauer verändert haben. Außerdem ordnet er eine klinisch neurologische Untersuchung an. Du solltest Deinem Arzt die Beschwerden so genau wie möglich beschreiben. Tritt die Attacke etwa einseitig auf, verspürst Du einen pulsierenden Schmerz, hast Du neurologische Ausfälle (Aura), sind die Beschwerden abhängig vom Zyklus usw.? Um die Migräne sicher diagnostizieren zu können, muss der Arzt alle anderen möglichen Erkrankungen wie zum Beispiel Spannungskopfschmerz oder Trigeminusneuralgie ausschließen können. Dazu eignen sich bildgebende Verfahren, Mittel der Wahl ist derzeit die Magnetresonanztomografie (MRT).

Migräne

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Frauen sind etwa dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Meistens beginnt die Erkrankung im Kindes- und Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter. Im höheren Erwachsenenalter klingen die Beschwerden häufig wieder ab. Bei Frauen in den Wechseljahren können sie allerdings wieder zunehmen.

Welche Folgen hat die Migräne für Patienten?

Migräne schränkt die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. An solchen Tagen fühlst Du Dich einfach nur kaputt und an einen normalen Tagesablauf ist nicht mehr zu denken. Leider sind immer noch viel zu wenige der Betroffenen auch tatsächlich in Behandlung. Auch depressive Symptome können sich in Folge der unbehandelten Erkrankung einstellen.

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Die Migräne lässt sich in den meisten Fällen gut mit Medikamenten therapieren. Besonders gut eignen sich Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol oder auch spezielle Migränemedikamente, wie Triptane und Ergotamine. Leidest Du zusätzlich unter Übelkeit oder Erbrechen, können auch dagegen spezielle Medikamente helfen. Achte nur darauf, die Schmerzmittel nicht zu häufig einzunehmen, da diese sonst selbst zu Kopfschmerzen führen können. Handelt es sich lediglich um eine leichte Migräneattacke, kann es auch schon hilfreich sein, den Raum abzudunkeln und sich hinzulegen. Idealerweise legst Du Dich dazu in einen kühleren Raum.

Wie hilft Botox gegen Migräne?

Botox glättet nicht nur Falten, sondern kann auch wirksam gegen Migräneanfälle sein. Dazu injizieren Ärzte das Mittel etwa alle vier bis sechs Monate in mehrere Muskeln am Kopf und Nacken. Allerdings muss gesagt werden, dass nicht alle Migräneanfälle unbedingt verschwinden, sondern sich reduzieren. Trotzdem lassen sich heutzutage mithilfe von Botox sehr gute Ergebnisse erzielen, denn Botox entspannt den Nerv, welcher die Ursache für den Reiz ist, der wiederum letztendlich die Migräne auslöst. Die Muskelfasern um den Nerv herum werden gelähmt und der Nerv hat somit mehr Platz, was dazu führt, dass sich die Migräneanfälle verringern und das von mehrmals die Woche auf etwa ein- bis zweimal im Monat.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wenn konservative Behandlungsmethoden nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann Dir Dein Arzt zu einer Operation raten, um den Leidensdruck zu senken, der durch die häufigen und extrem starken Anfälle hervorgerufen wird. Die Operation eignet sich für Patienten, die resistent gegen die Wirkung der gängigen Schmerzmedikamente sind und bei welchen die Behandlung mittels Botox nicht gewirkt hat. Allerdings sollte vorher genau abgeklärt werden, worin die Ursache für die Anfälle liegt. Ist beispielsweise Stress die Ursache, sollte zunächst versucht werden, diesen zu reduzieren.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

In Absprache mit Deinem Arzt solltest Du blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin absetzen. Auch auf Alkohol und Nikotin solltest Du etwa zwei Wochen vor dem Eingriff verzichten. Nimmst Du Schlafmittel ein, dann setze auch diese bitte mindesten 14 Tage vor dem Eingriff ab. Dein Arzt kann Dir eventuell Ersatzmedikamente verschreiben.

Migräne

Wie verläuft die Operation bei Migräne?

Bei der operativen Migränebehandlung durchtrennt oder entfernt der Chirurg einige Muskeln unter den Augenbrauen (Corrugator-Muskeln), um verschiedene Äste des Trigeminusnervs zu entlasten. Der minimal-invasive Eingriff geschieht ambulant und unter Lokalanästhesie. Den chirurgischen Zugang legt der Arzt an derselben Stelle wie bei einer Oberlidstraffung. Bist Du auch daran interessiert, kann Dein Arzt also beide Eingriffe in einem Schwung durchführen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Es gibt keine allgemeingültigen Verhaltensregeln für Patienten nach der Migräneoperation, befolge jedoch auf jeden Fall die Anweisungen Deines Arztes. Zudem ist es immer gut, wenn Du Dich nach einer Operation ausreichend schonst, damit sich Dein Körper gut erholen kann.

Wie sieht die Prognose aus?

Nach der erfolgreichen Operation sind etwa 35 Prozent der Patienten komplett beschwerdefrei. Weitere 55 Prozent berichten immerhin über eine deutlich verringerte Auftretenshäufigkeit der Attacken und über signifikant weniger Schmerzen.

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Da es sich um einen minimal-invasiven Eingriff handelt, solltest Du relativ bald wieder Sport treiben und arbeiten können. Frage aber dazu am besten Deinen Arzt, da die individuelle Regenerationsdauer von vielen Faktoren abhängt.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Abgesehen von den allgemeinen Operationsrisiken gibt es keine spezifischen Risiken des Eingriffs. Der Muskel, den der Arzt hierbei durchtrennt, hat keine immens wichtige Funktion, wir ziehen damit nur die Augenbrauen zusammen, sodass sich „Zornesfalten“ bilden können. Es kann also nicht passieren, dass Dein Gesicht nach der Operation zum Beispiel komplett gelähmt ist.

Welche Hausmittel gibt es gegen Migräne?

Es gibt auch Hausmittel gegen Migräne, diese sind allerdings meistens nicht zur Akutbehandlung einer Migräneattacke geeignet. Es handelt sich also eher um begleitende Maßnahmen. Dazu zählen Entspannungsübungen, Eisbeutel oder das Einreiben mit Minzöl.

Migräne

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für die Behandlung einer behandlungsbedürftigen Erkrankung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Bist Du Dir nicht sicher, kannst Du bei Deinem Versicherungsträger nachfragen, welche Leistungen übernommen werden. Auch unsere Spezialisten stehen Dir immer zur Verfügung. Die Behandlung mit Botox wird zumindest von einigen privaten Krankenkassen übernommen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Matharu, M. et.al: The impact of onabotulinumtoxinA on severe headache days: PREEMPT 56-week pooled analysis. In: The Journal of Headache and Pain. Ausgabe 1/2017

Kropp, P., Meyer, B., Dresler, T. et al. Schmerz (2017) 31: 433. https://doi.org/10.1007/s00482-017-0214-1


Dauer Dauer

60-120 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Heftige, oft einseitig pulsierende Kopfschmerzen, die bei Belastung stärker werden können


Die konservative Behandlung besteht aus Medikamenten, führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, kann versucht werden mit Botox oder einer Operation zu therapieren


Es gibt vielfältige Ursachen, dazu zählen unter anderem eine genetische Veranlagung, Stress, Hormonhaushalt im natürlichen oder durch Verhütungsmittel gesteuerten Zyklus oder das Wetter


Die Botoxbehandlung ist in einigen Fällen erfolgversprechend

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