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Biologisches Alter berechnen

Biologisches Alter berechnen

Mit neun Routine-Laborwerten und der PhenoAge-Formel lässt sich ein biologisches Alter berechnen, als Forschungsinstrument ohne…

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Du gibst Dein Alter und neun Werte aus einem aktuellen Laborbefund ein, darunter Albumin, Kreatinin, Glukose und CRP. Du erhältst Dein rechnerisches PhenoAge in Jahren und den Abstand zu Deinem Lebensalter, mit Hinweisen zur Einordnung.

Das Wichtigste in Kürze

Der Rechner nutzt die Formel Phenotypic Age, kurz PhenoAge, die Levine und Kollegen und Kolleginnen 2018 veröffentlicht haben. Sie kombiniert neun Routine-Laborwerte mit dem Lebensalter.

In großen US-amerikanischen Bevölkerungsstudien ging ein höheres PhenoAge mit einem höheren Sterberisiko einher. Für die einzelne Person ist das Ergebnis aber keine Vorhersage und keine Diagnose.

PhenoAge ist ein Forschungsinstrument und kein etablierter Test. Es gibt kein anerkanntes Kontrollintervall, und keine Leitlinie empfiehlt, Behandlungen danach auszurichten.

Epigenetische Uhren messen etwas anderes, nämlich Methylierungsmuster der Erbsubstanz. Fragebogen-Rechner im Netz, die ein biologisches Alter ausgeben, sind in der Regel nicht wissenschaftlich überprüft.

Wer sein biologisches Alter berechnen möchte, stößt im Netz auf Fragebögen, Bluttests und Speicheltests mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Viele dieser Angebote sagen nicht, wie sie rechnen, und ob ihre Rechnung überprüft wurde. Dieser Rechner verwendet eine veröffentlichte Formel aus der Altersforschung und legt jeden Schritt offen.

Das biologische Alter soll beschreiben, wie weit Alterungsprozesse im Körper fortgeschritten sind, unabhängig von den Jahren seit der Geburt. Eine allgemein anerkannte Definition oder einen Goldstandard dafür gibt es bisher nicht. Wie entsteht das Ergebnis, was sagt es über Deine Gesundheit aus, und wo liegen die Grenzen?

Biologisches Alter berechnen

Was bedeutet es, ein biologisches Alter berechnen zu lassen?

Das kalendarische oder chronologische Alter zählt die Jahre seit der Geburt. Menschen gleichen Alters unterscheiden sich aber deutlich in Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Krankheitslast. Die Altersforschung versucht deshalb, ein biologisches Alter zu bestimmen, das diese Unterschiede abbildet. Dafür nutzt sie Biomarker, also messbare Merkmale im Körper, die sich mit dem Altern verändern.

Welche Ansätze gibt es?

Es gibt drei große Gruppen von Messansätzen:

  • Klinische Rechner verbinden Routine-Laborwerte und teils Körpermaße zu einem Wert in Jahren. PhenoAge gehört zu dieser Gruppe.
  • Epigenetische Uhren werten chemische Markierungen an der Erbsubstanz aus, die sogenannte DNA-Methylierung.
  • Funktionelle Messungen erfassen etwa Griffkraft, Gehgeschwindigkeit oder Lungenfunktion.

Alle Ansätze sind statistische Modelle. Sie wurden darauf trainiert, entweder das Lebensalter oder das Sterberisiko möglichst gut vorherzusagen. Ein Biomarkers-of-Aging-Konsortium um Moqri und Kollegen und Kolleginnen kam 2023 in der Fachzeitschrift Cell zu dem Schluss, dass bislang keiner dieser Marker für den Einsatz in der Patientenversorgung ausreichend validiert ist. Validiert bedeutet, dass ein Test in unabhängigen Studien zeigt, dass er zuverlässig misst und dass sein Ergebnis eine nützliche Entscheidung ermöglicht.

Warum PhenoAge?

Für diesen Rechner haben wir PhenoAge gewählt, weil die Formel vollständig veröffentlicht ist und nur Werte nutzt, die in jedem Routinelabor bestimmt werden. Sie wurde an einer großen Bevölkerungsstichprobe entwickelt und an einer zweiten, unabhängigen Stichprobe überprüft. Das macht sie transparent, aber nicht zu einem diagnostischen Test.

Biologisches Alter berechnen

Wie kann man ein biologisches Alter berechnen?

PhenoAge wurde von Levine und Kollegen und Kolleginnen 2018 in der Fachzeitschrift Aging veröffentlicht. Das Forschungsteam nutzte dafür Daten der dritten US-amerikanischen Gesundheits- und Ernährungsstudie NHANES III aus den Jahren 1988 bis 1994. Aus 42 Laborwerten wählte ein statistisches Verfahren für Überlebenszeitanalysen die neun Werte aus, die zusammen mit dem Lebensalter das Sterberisiko der 9.926 erwachsenen Teilnehmenden am besten vorhersagten. Die Nachbeobachtung zur Sterblichkeit reichte über mehr als 23 Jahre.

Welche neun Laborwerte fließen ein?

Die Formel verwendet folgende Werte mit festen Gewichten:

  • Albumin, ein Eiweiß aus der Leber, in Gramm pro Liter.
  • Kreatinin, ein Abbauprodukt aus dem Muskelstoffwechsel und Marker der Nierenfunktion, in Mikromol pro Liter.
  • Glukose im Serum, also der Blutzucker, in Millimol pro Liter.
  • C-reaktives Protein (CRP), ein Entzündungswert, logarithmiert, in Milligramm pro Deziliter.
  • Lymphozyten-Anteil, der prozentuale Anteil einer Gruppe weißer Blutkörperchen.
  • Mittleres Zellvolumen der roten Blutkörperchen (MCV) in Femtolitern.
  • Erythrozyten-Verteilungsbreite (RDW), also die Größenschwankung der roten Blutkörperchen, in Prozent.
  • Alkalische Phosphatase, ein Enzym aus Leber und Knochen, in Einheiten pro Liter.
  • Leukozyten, die Zahl der weißen Blutkörperchen, in Tausend pro Mikroliter.

Jeder dieser Werte steht klinisch für etwas Eigenes, zum Beispiel für Nierenfunktion oder eine Entzündung. Keiner misst für sich allein das Altern. Erst die gewichtete Kombination ergibt das statistische Modell.

Wie lautet die Formel?

Im ersten Schritt entsteht eine gewichtete Summe xb aus den Laborwerten und dem Alter:

xb = −19,9067 − 0,0336 × Albumin + 0,0095 × Kreatinin + 0,1953 × Glukose + 0,0954 × ln(CRP) − 0,0120 × Lymphozyten-Prozent + 0,0268 × MCV + 0,3306 × RDW + 0,00188 × alkalische Phosphatase + 0,0554 × Leukozyten + 0,0804 × Alter

Das Zeichen ln steht für den natürlichen Logarithmus. Im zweiten Schritt wandelt die Formel xb in einen Risikowert M um, der im Modell das Sterberisiko innerhalb von 120 Monaten beschreibt. Grundlage ist eine sogenannte Gompertz-Verteilung mit dem Parameter γ = 0,0076927:

M = 1 − exp(−exp(xb) × (exp(120 × γ) − 1) ÷ γ)

Im dritten Schritt rechnet die Formel M in Jahre um. Sie sucht das Lebensalter, bei dem ein Mensch mit durchschnittlichen Werten dasselbe Risiko hätte:

PhenoAge = 141,50225 + ln(−0,00553 × ln(1 − M)) ÷ 0,090165

Die Koeffizienten stammen aus Tabelle 1 und dem Ergänzungsmaterial der Originalarbeit von Levine und Kollegen und Kolleginnen (2018). Für die alkalische Phosphatase nennt die Originaltabelle gerundet 0,0019. Eine Korrektur, die Liu und Kollegen und Kolleginnen 2019 in PLOS Medicine veröffentlichten, gibt den genaueren Wert 0,00188 an, den auch dieser Rechner verwendet. Der Unterschied verändert das Ergebnis um weniger als ein Zehntel Jahr.

Wie sieht ein Rechenbeispiel aus?

Nimm als Beispiel einen 65-jährigen Mann mit diesen Laborwerten: Albumin 42 Gramm pro Liter, Kreatinin 1,0 Milligramm pro Deziliter, Nüchternglukose 99 Milligramm pro Deziliter, CRP 2,0 Milligramm pro Liter, Lymphozyten 28 Prozent, MCV 92 Femtoliter, RDW 13,5 Prozent, alkalische Phosphatase 80 Einheiten pro Liter und Leukozyten 6,5 Tausend pro Mikroliter.

Im ersten Schritt rechnet der Rechner die Einheiten um. Aus 1,0 Milligramm pro Deziliter Kreatinin werden mal 88,4 genau 88,4 Mikromol pro Liter. Aus 99 Milligramm pro Deziliter Glukose werden geteilt durch 18,016 rund 5,50 Millimol pro Liter. Aus 2,0 Milligramm pro Liter CRP werden geteilt durch zehn 0,2 Milligramm pro Deziliter, der natürliche Logarithmus davon ist −1,61.

Im zweiten Schritt setzt er die Werte in die Formel ein. Die größten Beiträge liefern das Alter mit 5,23, die RDW mit 4,46 und das MCV mit 2,47. Albumin senkt die Summe um 1,41, die Lymphozyten um 0,34 und das CRP um 0,15. Zusammen mit der Konstanten ergibt sich xb = −7,23. Im dritten Schritt wird daraus der Risikowert M = 0,133 und schließlich ein PhenoAge von 62,3 Jahren. Der Mann liegt damit rechnerisch 2,7 Jahre unter seinem Lebensalter. Der Risikowert M wird im Rechner nicht angezeigt, weil er ein Modellwert aus einer US-Bevölkerung der 1990er-Jahre ist und kein persönliches Sterberisiko.

Welche Laborwerte braucht man, um ein biologisches Alter berechnen zu können?

Alle neun Werte gehören zu üblichen Laboruntersuchungen: kleines Blutbild mit Differenzialblutbild, Kreatinin, Glukose, Albumin, alkalische Phosphatase und CRP. Der Rechner nimmt die Einheiten an, die Labore in Deutschland, Österreich und der Schweiz meist verwenden, und rechnet sie selbst um. Wichtig ist, dass alle Werte aus derselben Blutabnahme stammen. Die Präanalytik, also Vorgaben wie Nüchternheit vor der Abnahme, richtet sich nach dem einzelnen Test; für die Glukose sieht die Formel einen nüchtern gemessenen Wert vor.

Was ist bei der Eingabe zu beachten?

Einige Angaben auf Befunden sehen ähnlich aus, meinen aber etwas anderes:

  • Die RDW muss als Prozentwert (RDW-CV) eingegeben werden, nicht als absolute Breite in Femtolitern (RDW-SD).
  • Lymphozyten werden als Anteil in Prozent benötigt, nicht als absolute Zahl.
  • Albumin ist der Wert im Serum in Gramm pro Liter oder Gramm pro Deziliter, nicht der Prozentanteil aus einer Eiweißelektrophorese.
  • Für das CRP eignet sich ein hochempfindlich gemessener Wert (hs-CRP). Steht auf dem Befund nur „unter“ einer Nachweisgrenze, wird diese Grenze eingegeben und das Ergebnis ist ungenauer.

Welche Werte beeinflussen das Ergebnis besonders stark?

Weil die Formel exponentiell rechnet, wirken einzelne Werte unterschiedlich stark. Am Beispiel des 65-jährigen Mannes lässt sich das nachrechnen. Eine um einen Prozentpunkt höhere RDW erhöht das Ergebnis um rund 3,7 Jahre. Eine um einen Millimol pro Liter höhere Glukose erhöht es um rund 2,2 Jahre. Ein CRP von 20 statt 2 Milligramm pro Liter, wie bei einem Infekt, erhöht es um rund 2,4 Jahre. Ein zusätzliches Lebensjahr erhöht es dagegen nur um rund 0,9 Jahre. Kurzfristige Schwankungen einzelner Werte können das Ergebnis also stärker verändern als ein ganzes Jahr Alterung.

Was bedeutet das Ergebnis des Rechners?

Der Rechner zeigt Dein PhenoAge in Jahren und den Abstand zu Deinem Lebensalter. Liegt das PhenoAge unter dem Lebensalter, entsprechen Deine Laborwerte im Modell eher denen jüngerer Menschen. Liegt es darüber, entsprechen sie eher denen älterer Menschen. Der Rechner verwendet dafür keine Grenzwerte, weil die Originalarbeit keine klinischen Kategorien festlegt.

Was zeigen die Validierungsstudien?

Levine und Kollegen und Kolleginnen prüften die Formel an 6.209 Erwachsenen der späteren Studie NHANES IV mit bis zu zwölf Jahren Nachbeobachtung. PhenoAge hing dort eng mit dem Lebensalter zusammen (Korrelation r = 0,94). Ein um ein Jahr höheres PhenoAge ging bei gleichem Lebensalter mit einem um neun Prozent höheren Sterberisiko einher (Hazard Ratio 1,09). Eine Hazard Ratio beschreibt, wie viel häufiger ein Ereignis in einer Gruppe pro Zeiteinheit auftritt als in einer Vergleichsgruppe. Der Wert gilt für Bevölkerungsgruppen und lässt sich nicht auf einzelne Menschen übertragen.

Liu und Kollegen und Kolleginnen werteten 2018 in PLOS Medicine die Daten von 11.432 Erwachsenen zwischen 20 und 84 Jahren aus NHANES IV aus, mit 1.012 Todesfällen in 12,6 Jahren. PhenoAge sagte die Sterblichkeit in verschiedenen Untergruppen voraus, etwa nach Alter, Herkunft, Bildung und Zahl der Vorerkrankungen. Auch Menschen ohne bekannte Erkrankung mit höherem PhenoAge hatten im Durchschnitt ein höheres Risiko. Beide Studien stammen aus den USA und nutzen Labormethoden, die sich von heutigen europäischen Laboren unterscheiden können. Das Forschungsteam um Levine wurde unter anderem von den US-amerikanischen National Institutes of Health gefördert.

Was bedeutet das Ergebnis für mich?

Ein Ergebnis über dem Lebensalter heißt nicht, dass Du krank bist oder früher stirbst. Es kann auch durch einen leichten Infekt, eine zufällige Laborschwankung oder ein Medikament entstehen. Ein Ergebnis unter dem Lebensalter heißt umgekehrt nicht, dass Vorsorgeuntersuchungen überflüssig sind. Entscheidend ist, ob einzelne Laborwerte auffällig sind, und das beurteilt der Laborbefund mit seinen Referenzbereichen, nicht das PhenoAge. Dieses Ergebnis ersetzt keine ärztliche Beratung.

Biologisches Alter berechnen

Wie genau lässt sich ein biologisches Alter berechnen?

Wie genau sich ein biologisches Alter berechnen lässt, hängt davon ab, was man unter Genauigkeit versteht. PhenoAge sagt auf Bevölkerungsebene Sterblichkeit voraus. Ob es ein tatsächliches biologisches Alter misst, lässt sich nicht prüfen, weil es keinen Goldstandard zum Vergleich gibt. Für die einzelne Person gibt es keine veröffentlichte Fehlerbreite.

Welche Faktoren verfälschen das Ergebnis?

Folgende Situationen können das Ergebnis deutlich verändern:

  • Akute Infekte und Entzündungen erhöhen CRP und Leukozyten.
  • Ein nicht nüchtern gemessener Blutzucker erhöht die Glukose.
  • Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel verändern MCV und RDW.
  • Viel fettfreie Masse oder eine fleischreiche Mahlzeit vor der Abnahme erhöhen das Kreatinin, ohne dass die Nieren schlechter arbeiten.
  • Medikamente wie Kortison verändern Blutbild und Blutzucker.
  • Knochenwachstum, Knochenbrüche oder Lebererkrankungen erhöhen die alkalische Phosphatase.

Auch Unterschiede zwischen Laboren und Messverfahren wirken sich aus. Die Formel wurde mit Methoden der Jahre 1988 bis 1994 entwickelt, heutige Geräte liefern teilweise leicht abweichende Werte.

Für wen ist der Rechner nicht geeignet?

Der Rechner ist nicht gedacht für:

  • Menschen unter 20 und über 84 Jahren, weil die Formel nur für diesen Altersbereich überprüft wurde.
  • Schwangere, weil sich viele der Laborwerte in der Schwangerschaft verändern.
  • Menschen mit akuter Erkrankung, Fieber, Verletzung oder Operation in den letzten Wochen.
  • Menschen mit bekannter Blut-, Nieren-, Leber- oder Krebserkrankung, bei denen die Werte von der Erkrankung bestimmt werden.

Die Berechnung läuft vollständig in Deinem Browser, es werden keine Eingaben gespeichert oder übertragen.

Wie oft sollte man das biologische Alter bestimmen?

Für PhenoAge gibt es kein anerkanntes Kontrollintervall. Kurzfristige Veränderungen um wenige Jahre können allein durch Laborschwankungen entstehen. Eine eigene Blutabnahme nur für den Rechner ist nach heutigem Wissen nicht begründet, weil kein Ergebnis eine medizinische Entscheidung verändern würde.

Wie unterscheidet sich PhenoAge von epigenetischen Uhren?

Epigenetische Uhren messen die DNA-Methylierung, also chemische Markierungen an bestimmten Stellen der Erbsubstanz, die sich mit dem Alter verändern. Dafür ist eine spezielle Laboranalyse aus Blut oder Speichel nötig. Die erste bekannte Uhr veröffentlichte Horvath 2013 in Genome Biology, sie schätzt das Lebensalter aus 353 Methylierungsstellen.

Welche Generationen von Uhren gibt es?

Die erste Generation wurde darauf trainiert, das Lebensalter vorherzusagen. Spätere Uhren wurden auf Gesundheitsmerkmale trainiert. Levine und Kollegen und Kolleginnen haben in derselben Arbeit von 2018 eine solche Uhr namens DNAm PhenoAge entwickelt, die das laborbasierte PhenoAge aus 513 Methylierungsstellen nachbildet. Belsky und Kollegen und Kolleginnen stellten 2022 in eLife mit DunedinPACE ein Maß vor, das kein Alter in Jahren angibt, sondern ein Alterungstempo, also wie viele biologische Jahre pro Kalenderjahr vergehen.

Wie zuverlässig sind epigenetische Tests?

Higgins-Chen und Kollegen und Kolleginnen zeigten 2022 in Nature Aging, dass viele epigenetische Uhren bei wiederholter Messung derselben Probe um mehrere Jahre abweichen können. Sie entwickelten dafür ein rechnerisches Verfahren, das diese Schwankungen verringert. Kommerzielle Anbieter verwenden unterschiedliche Uhren, Labormethoden und Rechenwege, deren Ergebnisse sich nicht direkt vergleichen lassen. Auch epigenetische Tests sind daher Forschungsinstrumente ohne anerkannte klinische Anwendung.

Was sagen Fragebogen-Rechner aus?

Viele Online-Rechner geben ein biologisches Alter aus Angaben zu Lebensstil, Rauchen, Bewegung, Schlaf, Stress und Ernährung aus. Für die meisten dieser Fragebögen liegen keine veröffentlichten Studien vor, die prüfen, ob ihr Ergebnis mit Gesundheit oder Sterblichkeit zusammenhängt. Lebensstilfaktoren haben einen gut belegten Einfluss auf die Gesundheit, auch ohne dass man sie in ein biologisches Alter umrechnet.

Welche Rolle spielt das biologische Alter für gesundes Altern?

Das Interesse am biologischen Alter kommt aus der Frage, ob sich Altern messen und beeinflussen lässt. In Beobachtungsdaten haben Menschen, die rauchen, viel Alkohol trinken, stark übergewichtig sind oder sich wenig bewegen, im Durchschnitt ein höheres PhenoAge. Solche Zusammenhänge zeigen keine Ursache: Diese Faktoren gehen mit Erkrankungen einher, und Erkrankungen verändern die Laborwerte direkt.

Lässt sich das biologische Alter senken?

Es gibt Studien, in denen sich PhenoAge oder epigenetische Uhren nach einer Lebensstiländerung verändert haben. Die meisten waren klein, kurz und nicht verblindet. Ob ein gesenkter Wert bedeutet, dass ein Mensch länger gesund lebt, ist bisher nicht belegt. Ein niedrigerer Wert kann auch bedeuten, dass sich lediglich einzelne Laborwerte wie Blutzucker oder CRP verbessert haben, was für sich bereits medizinisch sinnvoll sein kann.

Für Nahrungsergänzungsmittel, die mit einer Senkung des biologischen Alters beworben werden, gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben in der Europäischen Union. Für gesunde, gut versorgte Menschen ist ein Nutzen solcher Präparate für gesundes Altern nicht nachgewiesen. Die bessere Datenlage haben ausreichend Schlaf, regelmäßige körperliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Rauchen und die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen.

Was kostet die Bestimmung der Laborwerte für PhenoAge?

Die neun Laborwerte sind Routineuntersuchungen, eine eigene Kassenleistung „biologisches Alter“ gibt es in keinem der drei Länder. Wer die Werte nur für den Rechner bestimmen lässt, zahlt in der Regel selbst und sollte den Betrag vorab in der Praxis oder im Labor erfragen.

Welche Regeln gelten in Deutschland?

Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt Laborwerte, wenn sie medizinisch notwendig sind, etwa bei Beschwerden oder zur Kontrolle einer Erkrankung. Beim Check-up ab 35 Jahren, der alle drei Jahre möglich ist, werden unter anderem Blutzucker und Blutfette bestimmt, aber nicht alle neun Werte. Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es einen einmaligen Check-up, Laborwerte gehören nur bei Risikofaktoren dazu. Eine Bestimmung ausschließlich zur Berechnung des biologischen Alters ist eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

Welche Regeln gelten in Österreich?

Die Vorsorgeuntersuchung steht Erwachsenen ab 18 Jahren einmal jährlich kostenlos offen und enthält einige Laborwerte, aber nicht alle für PhenoAge nötigen. Weitere Werte zahlt die Österreichische Gesundheitskasse bei medizinischer Begründung über die Zuweisung des Arztes oder der Ärztin. Bei Wahlärzten und Wahlärztinnen orientiert sich die Erstattung am Kassentarif.

Welche Regeln gelten in der Schweiz?

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt Laboranalysen, wenn sie der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit dienen. Eine Bestimmung zur Berechnung des biologischen Alters ohne Krankheitsbezug ist keine Pflichtleistung. Bei medizinisch begründeten Analysen gelten Franchise und Selbstbehalt.

Wann sollte man auffällige Laborwerte ärztlich abklären lassen?

Ein auffälliges PhenoAge allein ist kein Grund für weitere Untersuchungen. Anlass für ein ärztliches Gespräch sind dagegen einzelne Laborwerte außerhalb des Referenzbereichs auf Deinem Befund, zum Beispiel:

  • ein erhöhter Nüchternblutzucker, der auf eine Vorstufe von Diabetes hinweisen kann.
  • ein erhöhtes CRP ohne erkennbaren Infekt.
  • ein erhöhtes Kreatinin als möglicher Hinweis auf eine eingeschränkte Nierenfunktion.
  • auffällige Werte im Blutbild wie eine erhöhte RDW oder ein verändertes MCV, die auf Eisen-, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel hinweisen können.
  • eine erhöhte alkalische Phosphatase oder ein erniedrigtes Albumin.

Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt oder die Hausärztin in der Allgemeinmedizin oder Inneren Medizin. Je nach Befund kommen die Nephrologie, die Hämatologie oder die Gastroenterologie hinzu.

Wann ist ärztliche Hilfe nötig?

Sofortige ärztliche Hilfe brauchst Du bei hohem Fieber mit Schüttelfrost, starker Atemnot, Brustschmerz, plötzlicher Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung. Das gilt auch, wenn Dir das Labor einen kritisch auffälligen Wert telefonisch mitteilt. In diesem Fall wählst Du in Deutschland und Österreich den Notruf 112, in der Schweiz den Notruf 144.

Quellen

Levine, M. E. et al. (2018): An epigenetic biomarker of aging for lifespan and healthspan. Aging, 10(4), 573–591. DOI: 10.18632/aging.101414

Liu, Z. et al. (2018): A new aging measure captures morbidity and mortality risk across diverse subpopulations from NHANES IV: A cohort study. PLOS Medicine, 15(12), e1002718. DOI: 10.1371/journal.pmed.1002718

Liu, Z. et al. (2019): Correction: A new aging measure captures morbidity and mortality risk across diverse subpopulations from NHANES IV: A cohort study. PLOS Medicine, 16(2), e1002760. DOI: 10.1371/journal.pmed.1002760

Moqri, M. et al. (2023): Biomarkers of aging for the identification and evaluation of longevity interventions. Cell, 186(18), 3758–3775. DOI: 10.1016/j.cell.2023.08.003

Horvath, S. (2013): DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biology, 14(10), R115. DOI: 10.1186/gb-2013-14-10-r115

Belsky, D. W. et al. (2022): DunedinPACE, a DNA methylation biomarker of the pace of aging. eLife, 11, e73420. DOI: 10.7554/eLife.73420

Higgins-Chen, A. T. et al. (2022): A computational solution for bolstering reliability of epigenetic clocks: implications for clinical trials and longitudinal tracking. Nature Aging, 2(7), 644–661. DOI: 10.1038/s43587-022-00248-2

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Häufige Fragen

Kann ich mein biologisches Alter berechnen ohne Bluttest?
Ohne Bluttest gibt es keinen überprüften Weg. Fragebögen im Netz rechnen meist mit Punkten für Lebensstil, deren Zusammenhang mit Gesundheit nicht in Studien geprüft wurde. Die PhenoAge-Formel braucht neun Laborwerte aus derselben Blutabnahme. Wer keinen aktuellen Befund hat, sollte nicht nur für den Rechner Blut abnehmen lassen, weil das Ergebnis keine medizinische Entscheidung verändert.
Wie oft sollte ich mein biologisches Alter berechnen lassen?
Für PhenoAge gibt es kein anerkanntes Kontrollintervall. Kurzfristige Unterschiede von einigen Jahren können allein durch Infekte, Laborschwankungen oder einen nicht nüchtern gemessenen Blutzucker entstehen. Sinnvoll ist eine Berechnung höchstens, wenn ohnehin ein vollständiger Befund aus einer ärztlich veranlassten Untersuchung vorliegt, und dann nur als Orientierung ohne Diagnosewert.
Ist das PhenoAge genauer als eine epigenetische Uhr?
Ein direkter Vergleich der Genauigkeit ist nicht möglich, weil es für das biologische Alter keinen Goldstandard gibt. PhenoAge nutzt günstige Routinewerte und eine offen veröffentlichte Formel. Epigenetische Uhren erfordern eine spezielle Analyse und unterscheiden sich je nach Anbieter. Beide Ansätze gelten derzeit als Forschungsinstrumente ohne anerkannte Anwendung in der Patientenversorgung.
Was bedeutet ein PhenoAge über meinem Lebensalter?
Es bedeutet, dass Deine Laborwerte im statistischen Modell eher denen älterer Menschen entsprechen. Häufige Gründe sind ein leichter Infekt, ein erhöhter Blutzucker oder ein Mangel an Eisen oder Vitamin B12. Entscheidend sind die einzelnen Werte und ihre Referenzbereiche auf Deinem Befund. Auffällige Einzelwerte solltest Du mit Deinem Hausarzt oder Deiner Hausärztin besprechen.
Speichert der Rechner meine Laborwerte?
Nein. Die Berechnung läuft vollständig in Deinem Browser, es werden keine Eingaben an einen Server übertragen oder gespeichert. Nach dem Schließen der Seite sind die Werte gelöscht. Das ist bei Gesundheitsdaten besonders wichtig, weil Laborwerte zu den sensiblen personenbezogenen Daten gehören und nach der Datenschutz-Grundverordnung besonders geschützt sind.
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Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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