IGeL-Leistungen anzubieten bedeutet, ärztliche Leistungen außerhalb des regulären GKV-Leistungskatalogs auf Wunsch der Patient:innen privat abzurechnen. In Deutschland sind dabei insbesondere die wirtschaftliche Aufklärung nach § 630c BGB, die schriftliche Erklärung gesetzlich Versicherter nach § 18 BMV-Ä und eine ordnungsgemäße Rechnung nach GOÄ relevant. Auch eine klare Kommunikation der Kosten spielt eine wichtige Rolle. In der MOOCI-Auswertung veröffentlichen bislang lediglich 14 Prozent der untersuchten Präventionsanbieter Preise.
Wer nach „IGeL-Leistungen anbieten“ sucht, findet überwiegend Informationen für Patient:innen. Verbraucherzentralen, IGeL-Monitor, Bundesgesundheitsministerium und Versicherer erklären, welche Leistungen selbst bezahlt werden müssen und welche Kritik es an einzelnen Angeboten gibt. Dieser Beitrag nimmt deshalb die Perspektive Ihrer Praxis ein. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei Einführung, Abrechnung und Kommunikation von Selbstzahlerleistungen achten sollten und wie Sie diese sichtbar machen können. Der Schwerpunkt liegt auf Deutschland, ergänzt um die Besonderheiten des Wahlarztsystems in Österreich und der Nichtpflichtleistungen in der Schweiz.
Das Wichtigste in Kürze
In Deutschland erfordern IGeL eine wirtschaftliche Aufklärung nach § 630c BGB, bei gesetzlich Versicherten eine schriftliche Bestätigung nach § 18 BMV-Ä und eine ordnungsgemäße Abrechnung nach GOÄ. In Österreich vereinbaren Wahlärzt:innen ihre Honorare grundsätzlich frei. In der Schweiz müssen Patient:innen bei Nichtpflichtleistungen über Kosten und eine mögliche fehlende Erstattung informiert werden.
Selbstzahlerleistungen sollten medizinisch vertretbar sein und sich fachlich sowie anhand der vorhandenen Evidenz erklären lassen. Bewertungen des IGeL-Monitors können dabei eine zusätzliche Orientierung bieten. In der MOOCI-Auswertung nennen nur 14 Prozent der untersuchten Präventionsanbieter Preise. Gleichzeitig stellen Praxis-Websites bei den zwölf untersuchten Longevity-Themen volumengewichtet lediglich 1,3 Prozent der Suchergebnisse.
Was sind IGeL-Leistungen aus Sicht der Praxis?
IGeL sind ärztliche Leistungen, die nicht zum regulären Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören und von Patient:innen selbst bezahlt werden. Der Begriff wird seit Ende der 1990er-Jahre verwendet, eine abschließende und verbindliche IGeL-Liste gibt es bis heute nicht. Entscheidend ist deshalb immer, ob eine konkrete Leistung von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird und unter welchen Voraussetzungen sie ärztlich angeboten werden kann.
Welche Leistungen gehören dazu?
In der Praxis begegnen Ihnen unterschiedliche Formen von Selbstzahlerleistungen. Dazu gehören beispielsweise zusätzliche Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, die über die regulären GKV-Angebote hinausgehen, sowie Leistungen auf ausdrücklichen Wunsch der Patient:innen. Auch reisemedizinische Beratungen, sportmedizinische Untersuchungen oder ästhetische Behandlungen können privat abgerechnet werden.
Daneben gibt es Leistungen, deren Nutzen wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt ist, um eine reguläre Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung zu begründen. Im Präventions- und Longevity-Bereich kommen beispielsweise Erstberatungen, Labor-Panels, bestimmte Infusionsangebote oder weiterführende diagnostische Leistungen hinzu. Auch hier entscheidet jedoch nicht die Bezeichnung „Longevity“, sondern die konkrete medizinische Leistung darüber, wie sie einzuordnen und abzurechnen ist.
Die DAK/Forsa-Befragung vom August 2026 zeigt zugleich ein ausgeprägtes Interesse am Thema gesundes Altern. 74 Prozent der Befragten würden regelmäßig Sport treiben oder mehr Bewegung in ihren Alltag integrieren, um ihre gesunde Lebensspanne zu verlängern. 22 Prozent empfinden Gesundheitsmaßnahmen als zu teuer. Für Praxen zeigt das vor allem, dass Prävention auf Interesse trifft, medizinische Angebote aber verständlich eingeordnet und transparent kommuniziert werden müssen.
Kassenleistung und Selbstzahlerleistung sauber trennen
Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu Leistungen, auf die gesetzlich Versicherte im konkreten Behandlungsfall Anspruch haben. Eine geschuldete GKV-Leistung darf nicht dadurch ersetzt werden, dass Patient:innen stattdessen eine private IGeL angeboten wird. Gleichzeitig ist nicht jede medizinisch sinnvolle oder notwendige Methode automatisch Bestandteil des GKV-Leistungskatalogs.
Vor der Einführung einer Selbstzahlerleistung sollten Sie deshalb prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung vorgesehen ist. Diese Abgrenzung gehört zu den wichtigsten rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für ein sauberes IGeL-Angebot.
Welche rechtlichen Voraussetzungen gelten in Deutschland für IGeL?
Für IGeL sind in Deutschland vor allem drei Ebenen relevant: die wirtschaftliche Aufklärung nach § 630c Abs. 3 BGB, die schriftliche Erklärung gesetzlich Versicherter nach § 18 BMV-Ä und die Abrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte. Diese Anforderungen verfolgen unterschiedliche Zwecke und sollten in der Praxis nicht miteinander vermischt werden.
Wirtschaftliche Aufklärung vor der Behandlung
Wenn Sie wissen oder erkennen können, dass die Behandlungskosten voraussichtlich nicht vollständig von einem Dritten übernommen werden, müssen Sie Patient:innen vor Beginn der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren. Bei klassischen IGeL für gesetzlich Versicherte ist genau diese Situation regelmäßig gegeben.
Die Information sollte so konkret sein, dass Patient:innen abschätzen können, welche finanzielle Belastung auf sie zukommt. Damit ist die wirtschaftliche Aufklärung mehr als ein allgemeiner Hinweis darauf, dass eine Leistung „privat“ bezahlt werden muss.
Schriftliche Bestätigung bei gesetzlich Versicherten
Für Vertragsärzt:innen kommt § 18 BMV-Ä hinzu. Eine Vergütung kann bei gesetzlich Versicherten insbesondere dann verlangt werden, wenn die versicherte Person vor Beginn ausdrücklich verlangt, auf eigene Kosten behandelt zu werden, und dies schriftlich bestätigt.
Diese Erklärung dokumentiert, dass die Patient:in die Leistung bewusst außerhalb der GKV in Anspruch nimmt. Fehlt die erforderliche schriftliche Bestätigung, kann der Honoraranspruch gefährdet sein.
Abrechnung nach GOÄ
Ärztliche Selbstzahlerleistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. § 1 Abs. 2 GOÄ sieht vor, dass Leistungen, die über das medizinisch notwendige Maß hinausgehen, nur berechnet werden dürfen, wenn sie auf Verlangen der zahlungspflichtigen Person erbracht wurden. § 12 GOÄ bestimmt außerdem, welche Angaben eine ordnungsgemäße Rechnung enthalten muss.
Eine abweichende Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ ist davon zu unterscheiden. Sie ist ein eigenes Instrument, muss vor der Leistung nach persönlicher Absprache schriftlich geschlossen werden und ist nicht für alle Leistungsbereiche zulässig. Ein Überschreiten des jeweiligen Schwellenwertes innerhalb des regulären Gebührenrahmens erfordert dagegen nicht automatisch eine solche Vereinbarung, sondern grundsätzlich eine nachvollziehbare Begründung.
Berufsrecht und Kommunikation
Zusätzlich sind die berufsrechtlichen Vorgaben relevant. § 12 der Musterberufsordnung betrifft angemessene Honorarforderungen, § 27 die Grenzen ärztlicher Werbung. Sachliche Informationen über Selbstzahlerleistungen sind möglich, anpreisende oder irreführende Kommunikation sollte dagegen vermieden werden.
Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung empfehlen zudem, Patient:innen ausreichend Zeit für ihre Entscheidung zu geben und keinen Verkaufsdruck aufzubauen. Eine Kassenleistung darf nicht an die Inanspruchnahme einer IGeL gekoppelt werden. Auch das Praxisteam sollte deshalb informieren, nicht verkaufen.
Müssen Patient:innen für IGeL-Leistungen unterschreiben und was gehört in die Vereinbarung?
Bei gesetzlich Versicherten ist vor der IGeL eine schriftliche Erklärung erforderlich, dass die Behandlung ausdrücklich auf eigene Kosten gewünscht wird. Davon zu unterscheiden ist die wirtschaftliche Aufklärung nach § 630c BGB, die in Textform erfolgen muss. Eine zusätzliche Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ ist nur in den Fällen notwendig und zulässig, in denen tatsächlich von den regulären Vorgaben der GOÄ abgewichen werden soll.
Für eine nachvollziehbare Dokumentation sollten insbesondere folgende Angaben enthalten sein:
- Name der Patient:in und Datum
- verständliche Bezeichnung der gewünschten Leistung
- Hinweis, dass die Leistung nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht wird
- Erklärung, dass die Patient:in die Leistung ausdrücklich auf eigene Kosten wünscht
- voraussichtliche Kosten und nachvollziehbare GOÄ-Grundlage
- erforderliche Unterschriften und eine Ausfertigung für die Patient:in
Falls zusätzlich eine abweichende Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ geschlossen wird, gelten dafür eigene formale Voraussetzungen. Diese Vereinbarung sollte deshalb nicht einfach mit der allgemeinen IGeL-Erklärung vermischt werden.
Erst informieren, dann entscheiden
Entscheidend ist nicht nur das Formular, sondern auch der Ablauf. Zuerst sollte die medizinische Einordnung erfolgen, anschließend die wirtschaftliche Aufklärung und danach die Entscheidung der Patient:in. Eine angemessene Bedenkzeit hilft dabei, den Eindruck von Verkaufsdruck zu vermeiden. Eine starre gesetzliche Bedenkfrist gibt es allerdings nicht.
Bei Privatversicherten und Beihilfeberechtigten gilt der BMV-Ä nicht. Die wirtschaftliche Informationspflicht nach § 630c BGB kann jedoch ebenfalls relevant sein, wenn erkennbar ist, dass eine vollständige Kostenerstattung nicht gesichert ist.
Wie kalkuliert und rechnet man IGeL-Leistungen ab?
IGeL werden in Deutschland grundsätzlich nach GOÄ abgerechnet. Jede Leistung wird einer Gebührennummer zugeordnet und innerhalb des jeweils vorgesehenen Gebührenrahmens berechnet. Existiert für eine selbstständige ärztliche Leistung keine passende Gebührenposition, kann unter den Voraussetzungen des § 6 Abs. 2 GOÄ eine Analogbewertung infrage kommen.
Steigerungsfaktoren richtig anwenden
Für persönliche ärztliche Leistungen liegt der Schwellenwert grundsätzlich beim 2,3-fachen Satz. Bei bestimmten technischen Leistungen beträgt er 1,8, bei Laborleistungen des Abschnitts M 1,15. Wird der jeweilige Schwellenwert innerhalb des zulässigen Gebührenrahmens überschritten, muss dies auf den konkreten Behandlungsfall bezogen begründet werden.
Auch die Höchstwerte unterscheiden sich. Für viele persönliche Leistungen reicht der Gebührenrahmen bis zum 3,5-fachen Satz, für Leistungen der Abschnitte A, E und O bis zum 2,5-fachen Satz und für Leistungen des Abschnitts M bis zum 1,3-fachen Satz. Eine abweichende Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ ist ein gesondertes Instrument und bei Leistungen der Abschnitte A, E, M und O ausgeschlossen.
Die geplante GOÄ-Novelle befindet sich weiterhin im politischen Verfahren. Nach Einschätzung der Bundesärztekammer erscheint ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2028 derzeit realistisch, beschlossen ist dieser Termin jedoch noch nicht.
Was verlangen andere Präventionsanbieter?
Für eine Orientierung im Markt liefert die MOOCI-Auswertung von 1.860 Praxis-Websites aus dem Jahr 2026 Medianwerte der Anbieter, die ihre Preise öffentlich ausweisen. Die Erstberatung liegt dort bei 182 Euro, eine Infusion bei 180 Euro und ein Labor-Panel bei 256 Euro. Für Hormontherapien liegt der Median bei 300 Euro, für NAD+-Infusionen bei 350 Euro, für Peptide bei 390 Euro und für ein Longevity-Paket bei 450 Euro.
Bei einzelnen führenden Anbietern finden sich zudem Pakete zwischen 1.000 und 1.500 Euro, Infusionen um 250 Euro sowie Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training für 120 Euro pro Sitzung beziehungsweise 350 Euro pro Monat. Diese Zahlen sind keine Preisempfehlung und ersetzen keine GOÄ-konforme Kalkulation. Sie zeigen lediglich, welche Preise innerhalb der untersuchten Stichprobe öffentlich kommuniziert werden.
Wie viel Preistransparenz ist sinnvoll?
Nur 14 Prozent der 371 in der MOOCI-Auswertung identifizierten Anbieter nennen ihre Preise öffentlich. Für Ihre Praxis kann eine nachvollziehbare Preisorientierung deshalb hilfreich sein, sofern die tatsächliche Abrechnung weiterhin GOÄ-konform erfolgt und individuelle Abweichungen transparent erklärt werden.
Preisangaben sollten dabei sachlich wirken und nicht wie Verkaufsaktionen für ein Konsumprodukt gestaltet sein. Rabatte, Gutscheine oder pauschale Paketmodelle können gebühren- und berufsrechtliche Fragen aufwerfen und sollten deshalb vor ihrer Einführung geprüft werden. Transparenz bedeutet nicht, ärztliche Leistungen wie klassische Handelsprodukte zu vermarkten, sondern Patient:innen frühzeitig eine realistische Kosteneinschätzung zu ermöglichen.
Wie funktionieren Privathonorar und Wahlarzt-Leistungen in Österreich und der Schweiz?
Der Begriff IGeL ist auf Deutschland beschränkt. In Österreich werden Selbstzahlerleistungen vor allem über Privathonorare von Wahlärzt:innen sowie über Leistungen abgerechnet, die Kassenvertragsärzt:innen außerhalb ihres Vertrags privat erbringen dürfen. In der Schweiz wird zwischen Pflichtleistungen der Grundversicherung und Leistungen unterschieden, deren Kosten Patient:innen selbst oder über eine Zusatzversicherung tragen.
Wahlarzt-Leistungen in Österreich
Von den rund 20.000 niedergelassenen Ärzt:innen in Österreich waren zum 31. Dezember 2024 laut Österreichischer Ärztekammer 11.802 Wahlärzt:innen und 8.236 Ärzt:innen mit Kassenvertrag. Wahlärzt:innen legen ihr Honorar grundsätzlich selbst fest und stellen Patient:innen eine Honorarnote aus.
Für Leistungen, die grundsätzlich im Kassenkatalog enthalten sind, erstattet die gesetzliche Krankenversicherung einen Teil der Kosten. Bei der ÖGK orientiert sich die Kostenerstattung grundsätzlich an 80 Prozent dessen, was die Kasse bei einer entsprechenden Vertragsärzt:in aufgewendet hätte. Das entspricht nicht automatisch 80 Prozent der tatsächlich bezahlten Wahlarztrechnung. Für Leistungen außerhalb des erstattungsfähigen Katalogs kann die Kostenerstattung vollständig entfallen.
Patient:innen sollten deshalb vor der Behandlung erfahren, welches Honorar anfällt und ob mit einer vollständigen, teilweisen oder fehlenden Kostenerstattung zu rechnen ist. Auch Kassenvertragsärzt:innen können bestimmte Leistungen außerhalb des Kassenvertrags privat anbieten, dürfen reguläre Kassenleistungen jedoch nicht von der zusätzlichen Inanspruchnahme einer Privatleistung abhängig machen.
Sachliche Kommunikation statt Verkaufsaktion
Für die ärztliche Kommunikation ist in Österreich insbesondere § 53 Ärztegesetz relevant. Ärztliche Informationen müssen sachlich und wahr sein und dürfen das Standesansehen nicht beeinträchtigen. Die Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer konkretisiert diese Vorgaben.
Auch Preisangaben zu Privatleistungen können sachlich kommuniziert werden. Rabattaktionen, Gutscheine oder andere verkaufsfördernde Modelle können dagegen berufsrechtliche Fragen aufwerfen und sollten vor ihrer Nutzung geprüft werden.
Nichtpflichtleistungen in der Schweiz
In der Schweiz müssen Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung unter anderem die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllen. Leistungen außerhalb dieses Bereichs können von Patient:innen selbst getragen oder je nach Vertrag über eine Zusatzversicherung abgedeckt werden. Laut FMH waren 2024 insgesamt 42.602 Ärzt:innen berufstätig, davon 22.777 hauptsächlich im Praxissektor.
Bei Leistungen, deren Kosten voraussichtlich nicht von der Grundversicherung übernommen werden, sollten Patient:innen vorab über die finanziellen Folgen informiert werden. Die konkrete Abrechnung hängt von der jeweiligen Leistung und Versicherungssituation ab. Für die Werbung gilt unter anderem Art. 20 der FMH-Standesordnung: Ärztliche Information soll objektiv bleiben und weder irreführend noch aufdringlich sein. Bei Arzneimitteln, etwa im Zusammenhang mit bestimmten Infusionen oder Hormonpräparaten, kommen zusätzlich die Vorgaben des schweizerischen Heilmittelrechts hinzu.
Welche Selbstzahlerleistungen sind sinnvoll und wie sollten Sie mit dem IGeL-Monitor umgehen?
Selbstzahlerleistungen sollten sich medizinisch begründen, anhand der verfügbaren Evidenz einordnen und sinnvoll in das Behandlungskonzept Ihrer Praxis integrieren lassen. Genau hier kann der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund eine zusätzliche Orientierung bieten. Er bewertet untersuchte Leistungen mit „positiv“, „tendenziell positiv“, „unklar“, „tendenziell negativ“ oder „negativ“.
Viele der bisher untersuchten IGeL werden dort als unklar, tendenziell negativ oder negativ bewertet. Der IGeL-Monitor ist damit weder eine rechtlich verbindliche Instanz noch eine abschließende Bewertung jeder individuellen Behandlungssituation. Wenn Sie eine dort kritisch bewertete Leistung anbieten, sollten Sie die zugrunde liegende Bewertung jedoch kennen und Patient:innen transparent über Nutzen, mögliche Nachteile und die vorhandene Evidenz informieren.
Longevity ist nicht automatisch eine einzelne IGeL
Im Longevity-Bereich werden häufig mehrere Leistungen miteinander kombiniert. Dazu können Beratung, Laboranalysen, Bewegungs- und Ernährungsangebote sowie Hormon-, Schlaf- oder Stoffwechseldiagnostik gehören. Ob und wie einzelne Leistungen als Selbstzahlerleistung angeboten werden können, muss dennoch jeweils separat medizinisch und rechtlich beurteilt werden.
Die MOOCI-Auswertung zeigt zugleich, dass viele Präventionsleistungen bereits seit Jahren angeboten werden, bevor sie ausdrücklich unter dem Begriff Longevity kommuniziert werden. Bei 43 Prozent der untersuchten führenden Anbieter lässt sich ein entsprechendes Signal bereits vor 2021 nachweisen. MOOCI fasst dieses Muster als „Substanz ohne Benennung“ zusammen.
Für Ihre Praxis bedeutet das: Entscheidend ist weniger eine möglichst lange Liste von Selbstzahlerleistungen als ein nachvollziehbares medizinisches Konzept. Bieten Sie Leistungen an, deren Nutzen und Grenzen Sie gegenüber Patient:innen verständlich erklären können und deren Ergebnisse sich in ein weiteres medizinisches Vorgehen übersetzen lassen.
Auch das Vertrauen spielt dabei eine wichtige Rolle. Laut DAK und Forsa vertrauen 90 Prozent der Befragten bei Informationen zum gesunden Altern Ärzt:innen, während vier Prozent Influencer:innen als vertrauenswürdige Quelle nennen. Gerade bei Selbstzahlerleistungen ist dieses Vertrauen ein wesentlicher Teil der ärztlichen Kommunikation.
Wie kommunizieren Sie Selbstzahlerleistungen ohne Verkaufsdruck?
Selbstzahlerleistungen sollten sachlich beschrieben werden und Patient:innen eine informierte Entscheidung ermöglichen. Statt Leistungen anzupreisen, erklären Sie, was untersucht oder behandelt wird, welche Erkenntnisse zu erwarten sind, welche Grenzen bestehen und welche Kosten entstehen.
Medizinische Information muss sachlich bleiben
Das Heilmittelwerbegesetz setzt der Kommunikation über Behandlungen und Verfahren Grenzen. § 3 HWG untersagt insbesondere irreführende Werbung, während § 11 bestimmte Werbeformen gegenüber der Allgemeinheit einschränkt. Dazu gehören unter anderem Vorher-Nachher-Darstellungen bei operativen plastisch-chirurgischen Eingriffen. Auch übertriebene Erfolgsversprechen oder Formulierungen, die unnötig Ängste erzeugen, sollten vermieden werden.
Aussagen wie „Sichern Sie sich Ihre Vorsorge, bevor es zu spät ist“ oder „Unsere Patient:innen fühlen sich zehn Jahre jünger“ passen deshalb nicht zu einer sachlichen medizinischen Kommunikation. Besser ist eine klare Beschreibung der Leistung, ihres Zwecks, der vorhandenen Evidenz und ihrer Grenzen.
Die Entscheidung bleibt bei den Patient:innen
Bundesärztekammer und KBV empfehlen für IGeL eine Kommunikation ohne zeitlichen oder emotionalen Druck. Das ärztliche Gespräch sollte die medizinische Einordnung leisten, während das Praxisteam organisatorische Informationen und Unterlagen bereitstellen kann. Patient:innen sollten ausreichend Gelegenheit haben, die Entscheidung zu überdenken.
Eine Kassenleistung darf nicht davon abhängig gemacht werden, dass zusätzlich eine Selbstzahlerleistung gewählt wird. Auch Umsatzziele für das Praxisteam sind kritisch, wenn dadurch ein Verkaufsdruck entsteht. Der Schwerpunkt sollte deshalb immer auf medizinischer Information und einer freien Entscheidung der Patient:innen liegen.
Selbstzahlerleistungen können unter diesen Voraussetzungen auch auf der Praxiswebsite oder in redaktionellen Fachinhalten beschrieben werden. Die jeweiligen berufs- und werberechtlichen Vorgaben gelten dabei weiterhin. Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand 2026 wieder und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Was bringt ein Fachportal für Selbstzahlerangebote zusätzlich zur eigenen Website?
Ihre Praxiswebsite bleibt der wichtigste Ort, um Leistungen, Team, Standort und Terminmöglichkeiten darzustellen. Ein Fachportal kann sie dort ergänzen, wo Patient:innen noch nicht nach einer konkreten Praxis suchen, sondern zunächst Informationen zu einem medizinischen Thema benötigen.
Die MOOCI-Analyse der zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen bei Google Deutschland umfasst zusammen 543.600 Suchanfragen pro Monat. Praxis-Websites stellen in dieser Stichprobe volumengewichtet 1,3 Prozent der Treffer, während Portale und Magazine auf 39,8 Prozent kommen. Bei acht der zwölf untersuchten Themen findet sich keine Praxis unter den ersten zehn Ergebnissen. Bei lokalen Suchen nach dem Muster „Arzt + Stadt“ verändert sich das Bild dagegen deutlich: Dort entfallen 89 Prozent der ersten drei Positionen auf Praxis-Websites.
Fachinhalte schaffen zusätzliche Kontaktpunkte
Für Ihre Sichtbarkeit bedeutet das, dass Praxiswebsite und Fachportal unterschiedliche Aufgaben erfüllen können. Die eigene Website unterstützt Patient:innen bei der konkreten Auswahl einer Praxis. Ein Fachportal kann bereits früher einen Kontakt schaffen, wenn zunächst nach einer Leistung, einem Verfahren oder einer gesundheitlichen Fragestellung gesucht wird.
Auch die MOOCI-Auswertung zu KI-Übersichten zeigt die Bedeutung eigener Fachinhalte. In elf von 30 untersuchten Städten erschien im September 2026 eine Google KI-Übersicht zu den analysierten Longevity-Suchen. Von 54 zuordenbaren Zitaten entfielen 77,8 Prozent auf Praxis-Websites mit eigenen Fachinhalten und 13,0 Prozent auf Longevity-Fachportale. Klassische Arztsuchen wurden in der Stichprobe lediglich einmal zitiert.
Diese Ergebnisse zeigen keine Garantie dafür, dass ein bestimmter Fachtext in einer KI-Übersicht erscheint. Sie sprechen jedoch dafür, medizinische Leistungen nicht ausschließlich in einer kurzen Leistungsliste zu nennen, sondern Fragen von Patient:innen ausführlich und fachlich zu beantworten.
Wie funktioniert die Sichtbarkeit auf MOOCI?
MOOCI umfasst 683 redaktionelle Fachinhalte, davon 340 mit Longevity-Bezug, sowie mehr als 7.500 Arztprofile. Die Plattform erreicht rund 890.000 Besuche pro Monat. Suchergebnisse auf MOOCI sind nicht käuflich, Premium-Profile werden gekennzeichnet und können zusätzliche Platzierungen in thematisch passenden Bereichen erhalten.
Ärzt:innen können außerdem als Autor:innen mit redaktionellen Fachinhalten verbunden werden. So lässt sich ein medizinischer Schwerpunkt nicht nur im Profil nennen, sondern auch fachlich erklären. Dabei gelten weiterhin die redaktionellen Standards sowie die einschlägigen berufs- und werberechtlichen Vorgaben. Termin- und Website-Klicks können je Profil gemessen werden.
Wie sichtbar sind Ihre Selbstzahlerleistungen heute?
Wenn Sie Präventions- oder Longevity-Leistungen bereits anbieten, lohnt sich ein Blick darauf, wie deutlich diese online erkennbar sind. Eine Premium-Mitgliedschaft mit Autorschaft kann Ihr Praxisprofil um fachliche Inhalte ergänzen und Patient:innen bereits während ihrer Informationssuche erreichen.
Gemeinsam können wir prüfen, welche Leistungen zu Ihrem medizinischen Schwerpunkt passen, welche Inhalte bereits vorhanden sind und bei welchen Themen zusätzliche fachliche Sichtbarkeit sinnvoll sein kann.
Quellen
§ 630c BGB, Informationspflichten des Behandelnden, insbesondere wirtschaftliche Aufklärung. Gesetze im Internet: § 630c BGB
Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), insbesondere §§ 1, 2, 5, 6 und 12 zu Selbstzahlerleistungen, Gebührenrahmen, Honorarvereinbarung, Analogabrechnung und Rechnungsstellung. Gesetze im Internet: GOÄ
Kassenärztliche Bundesvereinigung: Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä), insbesondere § 18 Abs. 8. KBV: Bundesmantelvertrag-Ärzte
Bundesärztekammer: (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzt:innen, insbesondere §§ 12 und 27. Bundesärztekammer: Berufsrecht
Bundesärztekammer / Kassenärztliche Bundesvereinigung: „Selbst zahlen? Ein Ratgeber zu Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL)“. Bundesärztekammer: IGeL-Ratgeber
Bundesärztekammer: Aktueller Stand der GOÄ-Novellierung und Einschätzung zu einem möglichen Inkrafttreten zum 1. Januar 2028. Bundesärztekammer: GOÄ-Novellierung
Heilmittelwerbegesetz (HWG), insbesondere §§ 3 und 11. Gesetze im Internet: HWG
Bundesministerium für Gesundheit: Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), Definition und Abgrenzung zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. BMG: Individuelle Gesundheitsleistungen
IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund: Methodik und Bewertung von Nutzen und Schaden individueller Gesundheitsleistungen. IGeL-Monitor
DAK-Gesundheit / Forsa: „Longevity: 69 Prozent sehen Potenzial für mehr gesunde Lebensjahre“, Befragung von 1.043 Personen, August 2026. DAK-Gesundheit: Longevity-Befragung 2026
Ärztegesetz 1998, Österreich, insbesondere § 53 zu ärztlicher Information, Werbung und wirtschaftlichen Vorteilen. RIS: Ärztegesetz 1998
Österreichische Ärztekammer: „Arzt und Öffentlichkeit“, Werberichtlinie über die Art und Form zulässiger ärztlicher Informationen. ÖÄK: Werberichtlinie
Österreichische Ärztekammer: Ärztestatistik 2024, Stand 31. Dezember 2024. ÖÄK: Ärztestatistik 2024
Österreichische Gesundheitskasse: Informationen zu Wahlärzt:innen und Kostenerstattung. Die ÖGK erstattet grundsätzlich 80 Prozent jenes Betrags, den sie bei einer entsprechenden Vertragsärzt:in aufgewendet hätte, höchstens jedoch die tatsächlichen Kosten. ÖGK: Wahlärztinnen und Wahlärzte
Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG), Schweiz, insbesondere Art. 32 zu Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit von Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung.
Bundesamt für Gesundheit, Schweiz: Patientenrechte und Recht auf Aufklärung über medizinische und finanzielle Aspekte einer Behandlung. BAG: Recht auf Aufklärung
FMH: Standesordnung der FMH, insbesondere Art. 20 zu ärztlicher Information und Werbung. FMH: Standesordnung und Reglemente
FMH: Ärztestatistik 2024. In der Schweiz waren 2024 insgesamt 42.602 Ärzt:innen berufstätig, davon 22.777 hauptsächlich im Praxissektor. FMH: Ärztestatistik 2024
Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
