Eine Praxis zu übernehmen bedeutet, die wirtschaftlichen Bestandteile einer bestehenden Praxis zu erwerben und – sofern es sich um eine vertragsärztliche Praxis in einem gesperrten Planungsbereich handelt – parallel am Nachbesetzungsverfahren teilzunehmen. Die Vertragsarztzulassung selbst ist nicht käuflich. Über die Nachfolge entscheidet der Zulassungsausschuss nach den gesetzlichen Kriterien des § 103 SGB V.
Zum wirtschaftlichen Wert einer Praxis gehören dagegen unter anderem Ausstattung, Organisation, Standort und die Erwartung künftiger Erträge. Auch die digitale Präsenz kann dabei relevant sein: In einer MOOCI-Messung entfielen bei der untersuchten Suche nach „Arzt + Stadt“ 79,7 Prozent der Treffer auf Praxis-Websites. Wer eine Praxis übernimmt, sollte deshalb nicht nur Geräte, Mietvertrag und Personal prüfen. Ebenso wichtig sind Domain, Website, Google-Unternehmensprofil, Bewertungen, Verzeichnisprofile und andere digitale Zugänge.
MOOCI hat die wichtigsten Schritte der Praxisübernahme für Deutschland zusammengefasst und zeigt zusätzlich, welche digitalen Bestandteile Sie vor Vertragsabschluss prüfen und nach der Übergabe sauber auf Ihre Praxis umstellen sollten. Österreich und die Schweiz werden in einem eigenen Abschnitt eingeordnet.
Das Wichtigste in Kürze
In gesperrten Planungsbereichen führt der Weg zur eigenen Vertragsarztzulassung häufig über die Nachbesetzung einer bestehenden Praxis. Über die Zulassung entscheidet der Zulassungsausschuss nach § 103 SGB V; die Zulassung selbst kann nicht gekauft werden. Der Kaufpreis einer Praxis setzt sich aus materiellen und immateriellen Bestandteilen zusammen. Patient:innenstamm, Standort, Organisation und Ruf können den wirtschaftlichen Praxiswert beeinflussen, ohne dass Patient:innen oder die Zulassung selbst übertragbare Vermögensgegenstände wären.
Digitale Werte wie Domain, Website, Google-Unternehmensprofil und Portalprofile sollten separat geprüft werden. Ob und wie sie übernommen werden können, hängt von Inhaberschaft, Verträgen und den Regeln der jeweiligen Plattform ab. Patient:innendaten dürfen nicht frei an Nachfolger:innen übergeben werden. Für Altakten sind insbesondere Schweigepflicht, Datenschutz und das Zwei-Schrank- beziehungsweise entsprechende elektronische Zugriffsmodell zu beachten.
Wie läuft eine Praxisübernahme in Deutschland ab?
Eine Praxisübernahme besteht in Deutschland aus zwei eng miteinander verbundenen, aber rechtlich getrennten Vorgängen: dem wirtschaftlichen Erwerb der Praxis und der vertragsarztrechtlichen Zulassung. In einem offenen Planungsbereich kann eine eigene Zulassung grundsätzlich ohne Nachbesetzungsverfahren beantragt werden. In einem gesperrten Planungsbereich kommt dagegen regelmäßig das Nachbesetzungsverfahren nach § 103 SGB V ins Spiel.
Schritt eins: Passende Praxis suchen
Geeignete Praxen finden Sie beispielsweise über Praxisbörsen der Kassenärztlichen Vereinigungen, private Vermittlungsplattformen, berufliche Netzwerke oder spezialisierte Beratungen. Viele KVen bieten eigene Praxisbörsen oder Niederlassungsangebote an, über die Abgeber:innen und Interessent:innen miteinander in Kontakt kommen können.
Bereits in dieser Phase sollten Sie prüfen:
- Fachgebiet und Planungsbereich
- Zulassungsstatus
- Standort und Einzugsgebiet
- wirtschaftliche Kennzahlen
- Räume und Mietvertrag
- Personalstruktur
- technische Ausstattung
- digitale Präsenz der Praxis
Schritt zwei: Nachbesetzungsverfahren prüfen
Ist der Planungsbereich für die betreffende Arztgruppe gesperrt, beantragen die Praxisabgeber:innen grundsätzlich die Durchführung eines Nachbesetzungsverfahrens. Der Zulassungsausschuss prüft zunächst, ob der Vertragsarztsitz überhaupt nachbesetzt werden soll. Wird die Nachbesetzung beschlossen, schreibt die zuständige KV den Sitz aus. Interessierte Ärzt:innen können sich anschließend auf die Nachfolge bewerben.
Der Zulassungsausschuss berücksichtigt bei seiner Entscheidung die gesetzlich vorgesehenen Kriterien. Dazu gehören unter anderem:
- berufliche Eignung
- Approbationsalter
- Dauer der ärztlichen Tätigkeit
- bestimmte Tätigkeiten in unterversorgten Gebieten
- familiäre Beziehungen zu bisherigen Praxisinhaber:innen
- bisherige Tätigkeit als angestellte:r Ärzt:in oder in gemeinsamer Berufsausübung
- besondere Versorgungsbedürfnisse
Zusätzlich wird die Dauer der Eintragung in der Warteliste berücksichtigt. Die Interessen der bisherigen Praxisinhaber:innen fließen in das Verfahren ein, bestimmen die Entscheidung des Zulassungsausschusses aber nicht allein.
Schritt drei: Kaufvertrag und Zulassung aufeinander abstimmen
Parallel zum Nachbesetzungsverfahren werden Kaufpreis, Übergabetermin und Vertragsbedingungen zwischen Abgeber:innen und Käufer:innen verhandelt. Da die Auswahlentscheidung beim Zulassungsausschuss liegt, sollte der Praxiskauf rechtlich so gestaltet werden, dass er nicht unabhängig von der tatsächlichen Zulassung vollzogen werden muss. In der Praxis wird deshalb häufig mit einer aufschiebenden Bedingung gearbeitet: Der Kaufvertrag wird erst wirksam, wenn die erforderliche Zulassung beziehungsweise Nachfolge tatsächlich erteilt wurde. Ein unterschriebener Praxiskaufvertrag verschafft Ihnen also nicht automatisch den Vertragsarztsitz.
Übergangsmodelle sorgfältig planen
Eine gemeinsame Übergangsphase kann sinnvoll sein, etwa wenn künftige Nachfolger:innen vor der endgültigen Übernahme bereits in der Praxis tätig werden. Welche Gestaltung zulassungsrechtlich möglich ist, hängt jedoch vom konkreten Modell ab. Davon zu unterscheiden ist der sogenannte Verzicht zugunsten einer Anstellung: Dabei verzichten bisherige Vertragsärzt:innen auf ihre Zulassung, um selbst bei einer Praxis, Berufsausübungsgemeinschaft oder einem MVZ angestellt weiterzuarbeiten. Dieses Verfahren bedeutet nicht automatisch, dass die künftigen Nachfolger:innen zunächst angestellt werden.
Was müssen Sie bei einer Praxisübernahme beachten?
Vor einer Praxisübernahme sollten Sie mindestens fünf Bereiche getrennt prüfen:
- Zulassung und Nachbesetzung
- wirtschaftliche Substanz
- Personal und Verträge
- Patient:innendaten
- digitale Präsenz
Zulassungsstatus
Klären Sie möglichst früh mit der zuständigen KV, ob der Planungsbereich gesperrt ist, ob bereits ein Nachbesetzungsverfahren beantragt wurde und in welchem Verfahrensstadium sich die Praxis befindet. Gerade in einem gesperrten Planungsbereich sollten Sie wirtschaftliche Verhandlungen und Zulassungsverfahren eng aufeinander abstimmen.
Wirtschaftliche Prüfung
Für die wirtschaftliche Due Diligence sind typischerweise mehrere Jahre relevant.
Geprüft werden können beispielsweise:
- Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre
- KV-Abrechnungen
- Fallzahlen
- Privatliquidation
- Personalkosten
- Mietkosten
- Investitionsbedarf
- Geräte und Leasingverträge
- bestehende Software- und Dienstleistungsverträge
Die Zahlen sollten nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, welcher Umsatz und Ertrag unter den Bedingungen nach der Übernahme tatsächlich fortgeführt werden kann.
Personal und Mietvertrag
Wenn die Voraussetzungen eines Betriebsübergangs nach § 613a BGB erfüllt sind, gehen bestehende Arbeitsverhältnisse grundsätzlich mit ihren Rechten und Pflichten auf die neuen Inhaber:innen über. Eine Kündigung allein wegen des Betriebsübergangs ist unwirksam. Beschäftigte müssen über den Übergang informiert werden und können unter den gesetzlichen Voraussetzungen widersprechen. Der Mietvertrag folgt dagegen nicht automatisch dem Praxiskauf. Prüfen Sie deshalb frühzeitig, ob Vermieter:innen einer Vertragsübernahme zustimmen oder ein neuer Mietvertrag erforderlich ist.
Patient:innendaten
Patient:innenakten sind kein frei übertragbarer Bestandteil des Praxiskaufs. Bei einer Praxisübergabe müssen ärztliche Schweigepflicht und Datenschutz gewahrt bleiben. Die aktuellen Hinweise von Bundesärztekammer und KBV sehen dafür unter anderem ein Zwei-Schrank-Modell beziehungsweise bei elektronischen Akten entsprechend getrennte Zugriffsrechte vor. Altakten können im Rahmen eines geeigneten Verwahrungsmodells bei den Nachfolger:innen aufbewahrt werden, ohne dass diese automatisch auf die medizinischen Inhalte zugreifen dürfen. Der Zugriff setzt grundsätzlich eine entsprechende Einwilligung beziehungsweise Schweigepflichtentbindung der Patient:innen voraus. Diese kann unter bestimmten Voraussetzungen auch konkludent erfolgen, wenn für die Patient:innen eindeutig ist, welchem Zweck die Datenweitergabe dient. Die konkrete Datenübergabe sollte deshalb ausdrücklich im Praxiskaufvertrag und im Datenschutzkonzept geregelt werden.
Digitale Präsenz
Auch die digitale Präsenz gehört in die Due Diligence.
Prüfen Sie insbesondere:
- Domaininhaberschaft
- Hostingvertrag
- Website und CMS-Zugänge
- Nutzungsrechte an Texten, Bildern und Logos
- Google-Unternehmensprofil
- Profile in Arztverzeichnissen
- Online-Terminbuchung
- Telefonnummer
- E-Mail-Adressen
- Social-Media-Konten
- Agentur- und Softwareverträge
Nicht jeder dieser Bestandteile lässt sich in gleicher Weise übertragen. Entscheidend sind die konkrete Inhaberschaft und die Vertragsbedingungen des jeweiligen Anbieters.
Wie viel kostet es, eine Arztpraxis zu übernehmen?
Der Kaufpreis einer Arztpraxis setzt sich typischerweise aus einem materiellen und einem immateriellen Wert zusammen. Eine verbindliche allgemeine Preistabelle gibt es nicht.
Materieller Praxiswert
Zum materiellen Wert können beispielsweise gehören:
- medizinische Geräte
- Möbel und Einrichtung
- IT
- Vorräte
- sonstige betriebliche Ausstattung
Bewertet wird grundsätzlich der wirtschaftliche Zeitwert und nicht automatisch der ursprüngliche Anschaffungspreis.
Immaterieller Praxiswert
Der immaterielle beziehungsweise ideelle Wert beschreibt die wirtschaftlichen Faktoren, die zukünftige Erträge ermöglichen können.
Dazu können unter anderem gehören:
- Standort
- Organisation
- etablierte Praxisstrukturen
- bestehendes Team
- Bekanntheit und Ruf
- gewachsene Patient:innenbeziehungen
Der Patient:innenstamm darf dabei nicht als frei übertragbarer Datenbestand verstanden werden. Patient:innen entscheiden selbst, ob sie nach einem Inhaber:innenwechsel in der Praxis bleiben.
Wie wird der ideelle Wert berechnet?
Für die Praxisbewertung existieren verschiedene Verfahren. Die gemeinsamen Hinweise von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung werden häufig als Orientierung verwendet. Daneben kommen insbesondere Ertragswertverfahren und weitere betriebswirtschaftliche Bewertungsansätze zum Einsatz. Welche Methode für eine konkrete Praxis geeignet ist, hängt unter anderem von Fachgebiet, Praxisstruktur, Umsatz, Ertrag und Übertragbarkeit der wirtschaftlichen Substanz ab. Ein spezialisiertes Bewertungsgutachten kann deshalb eine wichtige Grundlage für Kaufpreisverhandlungen sein. Die Vertragsarztzulassung selbst ist kein verkäuflicher Vermögensgegenstand. Auch in einem gesperrten Planungsbereich entscheidet der Zulassungsausschuss über die Nachfolge.
Welche zusätzlichen Kosten entstehen?
Neben dem Kaufpreis sollten Sie weitere Ausgaben berücksichtigen, beispielsweise:
- Rechts- und Steuerberatung
- Bewertungsgutachten
- Finanzierungskosten
- Umbauten
- Modernisierung medizinischer Geräte
- neue Praxissoftware
- IT und Telematikinfrastruktur
- Anpassung von Website und Praxisauftritt
- Liquiditätsreserve für die Übergangsphase
Die konkrete Finanzierung kann aus Eigenkapital, Bankdarlehen, Förderkrediten oder einer Kombination verschiedener Bausteine bestehen. Auch regionale Niederlassungs- oder Strukturförderungen können relevant sein. Voraussetzungen und Höhe unterscheiden sich jedoch zwischen den KV-Bezirken und Regionen. Konkrete Durchschnittspreise sind für die Entscheidung nur begrenzt aussagekräftig. Entscheidend ist die wirtschaftliche Bewertung der Praxis, die Sie tatsächlich übernehmen möchten.
Wie gelingt die Übergabe an Patient:innen und Team?
Eine Praxisübergabe gelingt besser, wenn Patient:innen, Mitarbeiter:innen und wichtige berufliche Kontakte frühzeitig wissen, wer die Praxis künftig führt und welche Leistungen fortgeführt werden. Der bestehende Patient:innenstamm ist dabei kein Vermögensgegenstand, der automatisch auf die Nachfolger:innen übergeht. Patient:innen entscheiden selbst, ob sie die Behandlung in der übernommenen Praxis fortsetzen möchten.
Übergang gemeinsam vorbereiten
Je nach zulassungsrechtlicher Situation kann eine Übergangsphase sinnvoll sein, in der bisherige und künftige Praxisinhaber:innen zeitweise parallel in der Praxis tätig sind. Welche Gestaltung dafür möglich ist, hängt vom konkreten Modell ab, beispielsweise von Anstellung, Berufsausübungsgemeinschaft oder dem Zeitpunkt der Zulassung. Die Konstruktion sollte deshalb vorab mit KV und spezialisierter Rechtsberatung abgestimmt werden.
Für die Kommunikation können sich beispielsweise eignen:
- persönliche Information in der Praxis
- ein gemeinsames Schreiben an Patient:innen
- Aushänge im Empfangsbereich
- Vorstellung der Nachfolger:innen auf der Website
- Information über Qualifikation, Werdegang und Leistungsschwerpunkte
Auch das Praxisteam sollte frühzeitig eingebunden werden. Mitarbeiter:innen am Empfang und Telefon beantworten nach einer Übernahme häufig die ersten Fragen zu Zuständigkeiten, Terminen und Fortführung bestehender Behandlungen.
Berufliche Kontakte informieren
Auch Kolleg:innen, Kliniken und andere medizinische Kooperationspartner:innen können über den Wechsel sachlich informiert werden. Wenn Sie bestehende Leistungen fortführen oder neue Schwerpunkte aufbauen, sollte dies möglichst gleichzeitig auf der Website und in anderen relevanten Praxisprofilen nachvollziehbar werden. Eine MOOCI-Auswertung von Praxis-Websites aus dem Jahr 2026 zeigt für die untersuchte Population im Mittel einen Abstand von 3,1 Jahren zwischen dem ersten dokumentierten Nachweis eines Angebots und dessen ausdrücklicher Benennung auf der Website. Eine Praxisübernahme bietet deshalb einen guten Anlass, Leistungsbeschreibungen zu prüfen und an das tatsächliche Angebot der neuen Praxisinhaber:innen anzupassen.
Was wandert bei einer Praxisübernahme digital mit?
Digitale Bestandteile einer Praxis gehen nicht automatisch gemeinsam mit dem Praxiskauf über. Domain, Website, Google-Unternehmensprofil, Verzeichnisprofile, Terminbuchung, Telefonnummer und andere digitale Konten müssen jeweils separat geprüft werden. Ob sie übertragen werden können, hängt von Inhaberschaft, Verträgen und den Regeln des jeweiligen Anbieters ab. Der Kaufvertrag sollte deshalb auch die digitalen Bestandteile der Praxis erfassen.
Domain und Website
Prüfen Sie zunächst:
- Auf wen ist die Domain registriert?
- Wer ist Vertragspartner:in des Hostinganbieters?
- Wer verwaltet das Content-Management-System?
- Bestehen Agentur- oder Wartungsverträge?
- Wem gehören die Nutzungsrechte an Texten, Fotos, Grafiken und Logos?
- Welche E-Mail-Adressen sind mit der Domain verbunden?
Je nach Ausgangslage kann ein Inhaber:innenwechsel beim Registrar, eine Übertragung des Hostingvertrags oder eine gesonderte Rechteübertragung erforderlich sein. Auch Impressum, Datenschutzinformationen, fachliche Angaben und Kontaktdaten müssen zum Übergabetermin aktualisiert werden.
Falsche oder veraltete Angaben über Praxisinhaber:innen können berufs- oder wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Ob zusätzlich das Heilmittelwerbegesetz greift, hängt vom konkreten Inhalt und Anwendungsbereich der Kommunikation ab.
Google-Unternehmensprofil
Beim Google-Unternehmensprofil sollte nicht das Passwort eines bestehenden Google-Kontos weitergegeben werden. Google ermöglicht stattdessen die Übertragung der primären Inhaberschaft eines Unternehmensprofils. Dadurch können Unternehmensinformationen und die bisherige Historie des Profils grundsätzlich erhalten bleiben. Vor der Übertragung sollten Sie allerdings prüfen, um welche Art von Profil es sich handelt. Google unterscheidet zwischen Profilen einer Praxis beziehungsweise Organisation und Profilen einzelner öffentlich tätiger Ärzt:innen. Bewertungen können deshalb entweder mit dem Unternehmen oder mit einer bestimmten Person verbunden sein. Auch eine Namensänderung führt nicht automatisch dazu, dass ein neues Profil erstellt werden muss. Entscheidend ist, ob Google die Praxis weiterhin als dasselbe Unternehmen einordnet. Bei größeren Änderungen kann eine neue Prüfung oder gegebenenfalls ein neues Profil erforderlich werden. Ob bestehende Rezensionen übernommen werden, lässt sich deshalb nicht für jede Übernahme pauschal vorhersagen.
Bewertungen und Profile auf Portalen
Für Arztverzeichnisse und Terminplattformen gelten jeweils eigene Regeln.
Bewertungen können je nach Anbieter:
- personenbezogen sein
- einer Praxis beziehungsweise Organisation zugeordnet sein
- an ein bestimmtes Profil gebunden sein
Deshalb lässt sich nicht allgemein sagen, dass Bewertungen von jameda, Doctolib, DocFinder oder anderen Anbietern entweder immer übertragen werden können oder grundsätzlich verloren gehen.
Prüfen Sie für jedes Portal separat:
- Wem gehört das bestehende Profil?
- Auf wen beziehen sich die Bewertungen?
- Kann die Inhaberschaft geändert werden?
- Muss ein neues Ärzt:innenprofil angelegt werden?
- Wie wird das Profil der bisherigen Praxisinhaber:innen nach der Übergabe dargestellt?
Viele Verzeichnisse ermöglichen das Beanspruchen eines eigenen Profils. Dabei weisen sich Ärzt:innen als die betreffende Person beziehungsweise Praxis aus und können anschließend bestimmte Angaben selbst verwalten.
Terminbuchung, Praxissoftware und Telefonie
Auch Online-Terminbuchung und Praxissoftware müssen vertraglich und technisch geprüft werden.
Zu klären sind unter anderem:
- Vertragspartner:innen
- Benutzerkonten
- Datenmigration
- bestehende Terminserien
- Schnittstellen zur Praxissoftware
- Telematikinfrastruktur
- Datenschutz und Zugriffsrechte
Bei der Telefonnummer sollten Sie frühzeitig klären, ob eine Übernahme beziehungsweise Portierung möglich ist. Eine bestehende Rufnummer kann wertvoll sein, weil sie möglicherweise bereits auf der Website, in Verzeichnissen, Briefen und Kontakten von Patient:innen hinterlegt ist.
| Bestandteil | Übernahme möglich? | Was ist zu prüfen? |
|---|---|---|
| Domain und Website | häufig ja | Domaininhaberschaft, Hosting, Nutzungsrechte, Impressum |
| Google-Unternehmensprofil | abhängig vom Profiltyp | primäre Inhaberschaft, Praxis- oder Personenprofil, Namensänderung |
| Portalbewertungen | abhängig vom Anbieter | Personen- oder Praxisbezug, Übertragungsregeln |
| Arztverzeichnisprofile | abhängig vom Profiltyp | Inhaberschaft, Claim, Umgang mit Altprofil |
| Terminbuchung und Software | vertragsabhängig | Konten, Datenmigration, Datenschutz |
| Telefonnummer | häufig vertraglich sicherbar | Übernahme oder Portierung mit Anbieter klären |
Wie unterscheidet sich die Praxisübernahme in Österreich und der Schweiz?
Österreich und die Schweiz kennen andere Zulassungs- und Vertragsmodelle als Deutschland. Deshalb gibt es dort kein mit § 103 SGB V identisches Nachbesetzungsverfahren. Die wirtschaftliche Übergabe einer Praxis und die persönliche Berufs- beziehungsweise Kassenzulassung müssen aber auch dort getrennt betrachtet werden.
Österreich
Bei einer österreichischen Kassenordination kann der bestehende Kassenvertrag nicht einfach gemeinsam mit Einrichtung und Räumen verkauft werden. Freie Kassenstellen werden nach den jeweils geltenden Stellen- und Vergaberegeln ausgeschrieben. Interessierte Ärzt:innen müssen sich auf die entsprechende Stelle bewerben und die Voraussetzungen für den Abschluss eines Einzelvertrags erfüllen.
Die wirtschaftlichen Bestandteile einer Ordination, beispielsweise Einrichtung, Geräte und gegebenenfalls bestimmte Vertragspositionen, können separat Gegenstand einer Übernahme sein. Auch eine Wahlordination lässt sich nicht als vollständiges Paket einschließlich Berufsberechtigung, Patient:innendaten und sämtlicher persönlicher Verträge übertragen. Die Nachfolger:innen müssen selbst zur ärztlichen Berufsausübung berechtigt sein und die jeweils erforderlichen Meldungen durchführen. Zum 31. Dezember 2024 waren in Österreich 11.802 Wahlärzt:innen und 8.236 Ärzt:innen mit Kassenvertrag tätig. Die Gesamtzahl der Ärzt:innen lag zum 31. Dezember 2025 bei 53.353. Aus diesen Zahlen lässt sich jedoch nicht ableiten, welcher Bereich den größeren tatsächlichen Übernahmemarkt bildet. Für die Außendarstellung gelten insbesondere § 53 ÄrzteG und die Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer. Bei Kooperationen und Vermittlungsmodellen ist außerdem das Provisionsverbot zu beachten.
Schweiz
In der Schweiz ist die Berufsausübungsbewilligung kantonal geregelt und an die jeweilige Person gebunden. Davon zu unterscheiden ist die Zulassung zur Tätigkeit zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Kantone können nach Art. 55a KVG für bestimmte Fachgebiete oder Regionen Höchstzahlen festlegen. Zusätzlich gelten die bundesrechtlichen Zulassungsvoraussetzungen, darunter grundsätzlich die vorgeschriebene Tätigkeit an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte. Vor einer Praxisübernahme sollte deshalb geprüft werden, ob und unter welchen Voraussetzungen die Nachfolger:innen im jeweiligen Kanton zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung tätig werden dürfen. Nach der FMH-Ärztestatistik 2025 waren in der Schweiz 44.612 Ärzt:innen berufstätig, davon 24.590 im Praxissektor. Auch Patient:innendossiers gehen nicht automatisch zur freien Verwendung auf die neue Praxis über. Schweigepflicht, Datenschutz und die kantonalen Vorgaben müssen bei der Übergabe berücksichtigt werden; für den Zugriff der Nachfolger:innen ist grundsätzlich eine entsprechende Zustimmung der Patient:innen erforderlich. Für die allgemeine ärztliche Werbung sind insbesondere das Medizinalberuferecht, kantonale Vorgaben und Art. 20 der FMH-Standesordnung relevant. Das Heilmittelgesetz kommt zusätzlich zum Tragen, wenn konkrete Heilmittel beworben werden.
Wie sichern Sie die Sichtbarkeit der übernommenen Praxis?
Nach einer Praxisübernahme sollten Sie systematisch prüfen, welche Suchergebnisse noch auf die bisherigen Praxisinhaber:innen verweisen und welche digitalen Angaben aktualisiert werden müssen. Eine MOOCI-Messung vom September 2026 untersuchte 286 Treffer für „Longevity Arzt + Stadt“ in 30 Städten. 79,7 Prozent der untersuchten Ergebnisse waren Praxis-Websites. Unter den Top drei lag ihr Anteil bei 89 Prozent. Damit waren Praxis-Websites in dieser konkreten lokalen Suchform besonders häufig vertreten.
Digitale Bestandsaufnahme nach der Übernahme
Suchen Sie nach:
- Praxisname
- Adresse
- Telefonnummer
- Namen der bisherigen Praxisinhaber:innen
- Ihrem eigenen Namen
Dokumentieren Sie anschließend alle Treffer, die noch alte oder widersprüchliche Angaben enthalten.
Dazu können gehören:
- Website
- Google-Unternehmensprofil
- Arztverzeichnisse
- Terminplattformen
- Kammerverzeichnisse
- Branchenverzeichnisse
- Social-Media-Profile
Diese Einträge sollten anschließend entsprechend ihrer jeweiligen Zuständigkeit aktualisiert, übertragen oder neu beansprucht werden.
Was zeigen die MOOCI-Daten zu KI-Übersichten?
In elf von 30 untersuchten Städten erschien bei der MOOCI-Messung eine Google-KI-Übersicht. Von 54 zuordenbaren Quellenangaben entfielen 77,8 Prozent auf Praxis-Websites und 13,0 Prozent auf Longevity-Fachportale mit eigenen Inhalten. In der untersuchten Stichprobe wurde kein reiner Profileintrag ohne entsprechenden redaktionellen Inhalt als Quelle erfasst. Das ist ein Befund der MOOCI-Messung und keine allgemeine Google-Regel.
Für eine übernommene Praxis kann es deshalb sinnvoll sein, nicht nur Kontaktdaten und Impressum zu aktualisieren, sondern auch die Leistungsseiten fachlich an die neuen Praxisinhaber:innen und das tatsächliche Leistungsspektrum anzupassen. Eine Berücksichtigung in einer KI-Übersicht lässt sich damit allerdings nicht garantieren.
Vertrauen nach der Praxisübernahme neu aufbauen
Eine DAK/Forsa-Befragung vom August 2026 mit 1.043 Personen zwischen 18 und 70 Jahren untersuchte das Vertrauen in Informationsquellen zum Thema gesundes Altern. 90 Prozent nannten Ärzt:innen als vertrauenswürdige Informationsquelle. Beiträge von Influencer:innen wurden von 4 Prozent als vertrauenswürdig eingestuft. Diese Zahlen beziehen sich auf diesen konkreten Themenbereich und lassen sich nicht ohne Weiteres auf sämtliche Gesundheitsfragen übertragen.
Für eine Praxisübernahme unterstreichen sie dennoch, wie wichtig es ist, die neue ärztliche Person hinter der Praxis sichtbar zu machen – mit sachlichen Angaben zu Qualifikation, Tätigkeit und Leistungsschwerpunkten.
Was bringt ein Fachportal bei der Übernahme zusätzlich zur eigenen Website?
Ein Fachportal kann die eigene Praxiswebsite bei Suchanfragen ergänzen, bei denen Patient:innen zunächst nach einem medizinischen Thema und noch nicht nach einer bestimmten Praxis suchen. Die MOOCI-Auswertung der zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen mit zusammen 543.600 Suchanfragen pro Monat zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen thematischen und lokalen Suchen. Praxis-Websites stellten bei den untersuchten Themen-Suchen volumengewichtet 1,3 Prozent der Treffer. Portale und Magazine kamen auf 39,8 Prozent. Bei acht von zwölf Themen befand sich keine Praxis-Website unter den Top zehn.
Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass Praxis-Websites bei Themen-Suchen grundsätzlich keine Sichtbarkeit erzielen können. Sie zeigen lediglich, dass redaktionelle Informationsangebote in der untersuchten Population deutlich häufiger vertreten waren.
MOOCI-Profil nach der Übernahme aktualisieren
MOOCI führt mehr als 7.500 Arztprofile und 683 redaktionelle Fachinhalte, davon 340 mit Longevity-Bezug. Die Plattform verzeichnet rund 890.000 Besuche pro Monat. Viele Profile entstehen auf Grundlage öffentlich verfügbarer Angaben und können von den betreffenden Ärzt:innen beansprucht werden.
Nach einer Praxisübernahme können Sie deshalb prüfen:
- Ist bereits ein Profil unter Ihrem Namen vorhanden?
- Ist die neue Praxisadresse korrekt?
- Stimmen Qualifikation und Leistungsspektrum?
- Sind Website und Terminlink aktuell?
- Wie wird das Profil der bisherigen Praxisinhaber:innen dargestellt?
Suchergebnisse auf MOOCI sind nicht käuflich. Premium-Profile sind gekennzeichnet und erhalten zusätzliche Platzierungen in thematisch passenden Fachwidgets. Über das Klick-Tracking lassen sich Termin- und Website-Klicks je Profil erfassen. Damit können Sie nachvollziehen, ob Nutzer:innen von MOOCI zu Ihren eigenen Kontaktwegen wechseln.
Sichtbarkeit wirtschaftlich einordnen
Eine MOOCI-Modellrechnung kommt für das untersuchte Präventions- und Longevity-Segment auf einen wirtschaftlichen Wert von rund 2.014 € pro Patient:in und Jahr bei etwa zwei Stunden ärztlicher Arbeitszeit. Dabei handelt es sich um einen Modellwert und nicht um eine Prognose für Ihre Praxis. In den betrachteten Beispielen können ein bis zwei zusätzliche Patient:innen die Jahreskosten einzelner Sichtbarkeitsmaßnahmen rechnerisch ausgleichen. Solche Modellwerte können dabei helfen, Ausgaben für Website, Portale oder andere Sichtbarkeitsmaßnahmen im Rahmen der Übernahmekalkulation einzuordnen.
Jetzt Ihr MOOCI-Profil prüfen
Nach einer Praxisübernahme können Sie prüfen, ob bereits ein MOOCI-Profil unter Ihrem Namen besteht, und dieses kostenlos beanspruchen. Aktualisieren Sie Praxisadresse, Qualifikationen, Leistungsspektrum sowie Website- und Terminlinks, damit Patient:innen die übernommenen Praxisstrukturen mit den neuen Praxisinhaber:innen verbinden können.
Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand 2026 nach bestem Wissen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Kaufvertrag, Datenübergabe und Zulassungsverfahren sollten Sie mit der zuständigen KV, Ärztekammer und bei Bedarf einer auf Medizinrecht spezialisierten Kanzlei abstimmen.
Quellen
§ 103 SGB V, Zulassungsbeschränkungen und Nachbesetzungsverfahren
§ 613a BGB, Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang
KV Baden-Württemberg, Praxisübernahme
KV Nordrhein, Praxisabgabe und KVbörse
Deutsches Ärzteblatt, Die Praxisübernahme und das Nachbesetzungsverfahren
Österreichische Ärztekammer, Ärztestatistik und Werberichtlinie
Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
