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Health Claims für Longevity-Supplements: Was Hersteller über NMN, Spermidin, Kollagen, NAD und Omega-3 sagen dürfen KI-generiertes Bild

Health Claims für Longevity-Supplements: Was Hersteller über NMN, Spermidin, Kollagen, NAD und Omega-3 sagen dürfen

Welche gesundheitsbezogenen Angaben bei Longevity-Nahrungsergänzungsmitteln in DE, AT und CH erlaubt sind und welche nicht.

Health Claims sind gesundheitsbezogene Angaben, mit denen Hersteller:innen einen Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel, einem Inhaltsstoff und der Gesundheit herstellen. Für Nahrungsergänzungsmittel dürfen Sie in der EU grundsätzlich nur zugelassene Angaben verwenden – und auch diese nur unter den jeweils festgelegten Bedingungen. Gerade bei Longevity-Produkten ist das relevant. Für NMN, Spermidin oder Kollagen existiert kein eigener zugelassener Health Claim. Zulässige Aussagen können sich deshalb beispielsweise auf zusätzlich enthaltene Vitamine oder Mineralstoffe beziehen. Gleichzeitig wächst das wirtschaftliche Umfeld dieser Produkte. In Deutschland wurden 2025 rund 415 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel verkauft, 72 Prozent mehr als 2022. Der Markt wird mit rund 4,3 Milliarden € beziffert. Substanzen wie NMN, Spermidin, Kollagenpeptide, NAD-Vorstufen und Omega-3 werden dabei zunehmend mit Longevity in Verbindung gebracht.

Auch auf Verbraucher:innenseite steigt das Interesse. Laut einer DAK/Forsa-Befragung vom August 2026 kennen 50 Prozent der Befragten den Begriff Longevity, 74 Prozent möchten mehr für ihre Vorsorge tun.

Wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel entwickeln oder vermarkten, sollten Sie deshalb zwei Fragen getrennt beantworten: Ist der eingesetzte Stoff als Lebensmittel überhaupt verkehrsfähig – und welche Aussagen dürfen Sie anschließend darüber treffen?

Health Claims für Longevity-Supplements: Was Hersteller über NMN, Spermidin, Kollagen, NAD und Omega-3 sagen dürfen KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

Gesundheitsbezogene Angaben dürfen Sie grundsätzlich nur verwenden, wenn der zugrunde liegende Claim zugelassen ist und die jeweiligen Verwendungsbedingungen erfüllt werden. Eine vom zugelassenen Wortlaut abweichende Formulierung kann möglich sein, wenn sie für Verbraucher:innen dieselbe Bedeutung hat und die zugelassene Aussage nicht erweitert. Bei NMN stellt sich bereits vor der Claim-Frage die Verkehrsfähigkeit: NMN war zum Stand September 2026 in der EU nicht als Novel Food zugelassen. Nicotinamid-Ribosid-Chlorid ist dagegen zugelassen.

Für Kollagen und Spermidin gibt es keinen eigenen zugelassenen Health Claim. Bei Botanicals ist wegen der sogenannten On-hold-Claims eine gesonderte Prüfung erforderlich. Österreich folgt dem EU-Rechtsrahmen. Die Schweiz verfügt mit der LIV über eigene Regelungen und eine nationale Liste zugelassener Health Claims.

Was sind Health Claims und was besagt die Health-Claims-Verordnung?

Health Claims sind Angaben in Kennzeichnung, Aufmachung oder Werbung eines Lebensmittels, die einen Zusammenhang zwischen dem Produkt oder einem Inhaltsstoff und der Gesundheit herstellen. Für die EU bildet die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 den rechtlichen Rahmen. Sie gilt unmittelbar in den Mitgliedstaaten und unterscheidet insbesondere zwischen nährwertbezogenen und gesundheitsbezogenen Angaben. Nährwertbezogene Angaben beschreiben beispielsweise, welche Nährstoffe ein Lebensmittel enthält. Dazu gehören Formulierungen wie „reich an Vitamin C“ oder „zuckerfrei“. Die zulässigen Angaben sind in der Verordnung festgelegt. Gesundheitsbezogene Angaben gehen darüber hinaus. Sie stellen einen Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel oder Nährstoff und Körperfunktionen, psychischen Funktionen, Gewichtskontrolle, der Entwicklung von Kindern oder der Verringerung eines Krankheitsrisikos her.

Für solche Aussagen gilt grundsätzlich ein Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt. Sie dürfen einen Claim verwenden, wenn er zugelassen ist und die dafür festgelegten Voraussetzungen erfüllt werden. Grundlage ist unter anderem die wissenschaftliche Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Die Gemeinschaftsliste wurde mit der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 veröffentlicht und umfasst 222 zugelassene Funktionsclaims nach Art. 13 Abs. 1. Hinzu kommen einzeln zugelassene Angaben nach Art. 13 Abs. 5 sowie Art. 14. Im öffentlichen EU-Register finden Sie sowohl zugelassene als auch nicht zugelassene gesundheitsbezogene Angaben.

Was Sie bei der Verwendung eines Claims beachten müssen

Ein zugelassener Claim darf nur verwendet werden, wenn Ihr Produkt auch die jeweils festgelegten Bedingungen erfüllt. Dazu gehört insbesondere die erforderliche Mindestmenge des betreffenden Nährstoffs. Zusätzlich sind die Vorgaben aus Art. 10 Abs. 2 zu beachten. Gesundheitsbezogene Angaben müssen unter anderem von den vorgeschriebenen Hinweisen zu einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung sowie einer gesunden Lebensweise begleitet werden. Je nach Claim können weitere Informationen zur Verzehrmenge erforderlich sein.

Auch allgemeine Formulierungen wie „für Ihre Vitalität“ oder „unterstützt gesundes Altern“ können nicht isoliert verwendet werden. Nach Art. 10 Abs. 3 benötigen solche unspezifischen gesundheitsbezogenen Aussagen grundsätzlich einen zugelassenen spezifischen Claim, der die Aussage konkretisiert.

Der Europäische Gerichtshof hat sich 2020 in der Rechtssache C-524/18 ebenfalls mit der Verbindung zwischen allgemeinen und spezifischen gesundheitsbezogenen Angaben befasst. Für Ihre Gestaltung bedeutet das: Beide Aussagen müssen so dargestellt werden, dass ihr Zusammenhang für Verbraucher:innen unmittelbar erkennbar ist.

Gibt es eine Zulassung für Nahrungsergänzungsmittel?

Eine allgemeine Produktzulassung wie bei Arzneimitteln gibt es für Nahrungsergänzungsmittel nicht. Trotzdem können Anzeige- und Zulassungspflichten greifen. In Deutschland müssen Sie ein Nahrungsergänzungsmittel nach § 5 NemV beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen und dabei unter anderem ein Muster des verwendeten Etiketts übermitteln. Diese Anzeige ist keine behördliche Freigabe. Das BVL bestätigt damit nicht, dass das Produkt sicher, korrekt gekennzeichnet oder insgesamt verkehrsfähig ist. Die Verantwortung dafür bleibt beim jeweiligen Lebensmittelunternehmen. Die Kontrolle erfolgt durch die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden; zusätzlich können wettbewerbsrechtliche Ansprüche relevant werden.

Novel Food vor Health Claim prüfen

Für neuartige Zutaten gilt die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283. Stoffe, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang als Lebensmittel verzehrt wurden, können als neuartig gelten und benötigen vor dem Inverkehrbringen eine entsprechende Zulassung. Für Sie als Hersteller:in ist diese Prüfung häufig wichtiger als die spätere Claim-Frage. Ist ein Inhaltsstoff nicht verkehrsfähig, wird das Produkt nicht dadurch zulässig, dass Sie auf gesundheitsbezogene Aussagen verzichten.

Verstöße können behördliche Maßnahmen und weitere rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. In Österreich sind unter anderem die Vorgaben des LMSVG relevant, in Deutschland die lebensmittelrechtlichen Vorschriften des LFGB.

Welche Claims sind für NMN, NAD-Vorstufen und Nicotinamid-Ribosid zulässig?

Bei NMN stellt sich zunächst die Frage der Verkehrsfähigkeit. Nicotinamid-Mononukleotid galt zum Stand September 2026 in der EU als nicht entsprechend zugelassenes Novel Food. Eine reguläre Vermarktung als Nahrungsergänzungsmittel ist damit ohne entsprechende Zulassung nicht möglich.

Zulassungsverfahren beziehungsweise Anträge ändern daran erst dann etwas, wenn eine entsprechende Entscheidung vorliegt. Für die Schweiz gelten eigene lebensmittelrechtliche Vorgaben; dort ist insbesondere die Beurteilung durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) relevant.

Anders ist die Situation bei Nicotinamid-Ribosid-Chlorid. Dieser Stoff wurde 2020 als Novel Food zugelassen. Daraus folgt jedoch kein eigener Health Claim für NAD, Zellenergie oder andere mit Longevity verbundene Wirkungen.

Welche Aussagen zu NAD und Niacin möglich sind

Für Niacin, also Vitamin B3, existieren zugelassene Health Claims. Dazu gehören beispielsweise:

  • „Niacin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.“
  • „Niacin trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.“
  • „Niacin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei.“

Wenn Ihr Produkt die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, können Sie solche Claims verwenden. Der Claim bezieht sich jedoch auf Niacin und nicht automatisch auf einen anderen enthaltenen NAD-Vorläufer. Aussagen wie „erhöht den NAD-Spiegel“, „aktiviert Sirtuine“ oder „verlangsamt die Zellalterung“ sind nicht allein deshalb zulässig, weil wissenschaftliche Studien entsprechende Mechanismen untersuchen.

Eine mögliche Formulierung ist beispielsweise: „Mit Niacin, das zu einem normalen Energiestoffwechsel beiträgt.“

Eine Aussage wie „NAD+ Booster gegen Zellalterung, wissenschaftlich belegt“ geht dagegen über die zugelassenen Claims hinaus.

Auch bei Empfehlungen durch Gesundheitsberufler:innen gelten Einschränkungen. Art. 12 der Health-Claims-Verordnung setzt insbesondere Grenzen für gesundheitsbezogene Angaben, die auf Empfehlungen einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen verweisen. Aussagen wie „von Longevity-Mediziner:innen empfohlen“ sollten Sie deshalb nicht ungeprüft in der Produktwerbung einsetzen.

Was dürfen Hersteller:innen über Spermidin und andere Botanicals sagen?

Für Spermidin gibt es keinen eigenen zugelassenen Health Claim. In Nahrungsergänzungsmitteln wird Spermidin häufig über Weizenkeimextrakte angeboten.

Ob ein konkreter Rohstoff lebensmittelrechtlich eingesetzt werden darf, hängt unter anderem von Ausgangsmaterial, Konzentration und Herstellungsverfahren ab. Lassen Sie sich deshalb den Status des verwendeten Rohstoffs von Ihren Lieferant:innen dokumentieren und prüfen Sie gegebenenfalls dessen Novel-Food-Einordnung.

Wissenschaftliche Studien zu Autophagie, Gedächtnis oder Herz-Kreislauf-Funktionen machen entsprechende Aussagen in der Produktwerbung nicht automatisch zulässig.

Sonderfall Botanicals

Bei zahlreichen pflanzlichen Stoffen sind gesundheitsbezogene Angaben seit Jahren nicht abschließend bewertet. Rund 2.000 sogenannte Botanical Claims wurden aus dem regulären Bewertungsverfahren zunächst zurückgestellt und befinden sich im sogenannten On-hold-Status.

Für bestimmte dieser Angaben können Übergangsregelungen relevant sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hersteller:innen frei formulieren dürfen. Auch solche Claims müssen die allgemeinen Anforderungen der Verordnung erfüllen und wissenschaftlich vertretbar sein. Das betrifft beispielsweise Pflanzenstoffe wie Ashwagandha, Curcuma oder Ginkgo. Welche konkrete Aussage verwendet werden kann, muss jeweils anhand des Stoffes, des Claims und der aktuellen Rechtslage geprüft werden. Für Spermidin lässt sich diese Sonderstellung nicht ohne Weiteres nutzen, da für die Substanz selbst keine entsprechenden Claims auf der On-hold-Liste stehen.

Eine Möglichkeit können zugelassene Claims für zusätzlich enthaltene Nährstoffe sein. Enthält ein Spermidin-Produkt beispielsweise ausreichend Zink und erfüllt die entsprechenden Bedingungen, können Sie den zugelassenen Claim verwenden: „Zink trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.“

Die Aussage bezieht sich dann ausdrücklich auf Zink und nicht auf Spermidin. Eine Formulierung wie „Spermidin für die Zellerneuerung“ wird dadurch nicht abgedeckt.

Welche Aussagen sind bei Kollagen-Supplements erlaubt?

Für Kollagen selbst gibt es keinen zugelassenen Health Claim zur Hautelastizität oder Gelenkfunktion. Wenn Sie Kollagen-Supplements bewerben, können daher insbesondere zugelassene Claims für weitere enthaltene Vitamine und Mineralstoffe relevant sein.

Ein häufig verwendetes Beispiel ist Vitamin C: „Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei.“

Dieser Claim bezieht sich auf Vitamin C und dessen Beitrag zur normalen Kollagenbildung – nicht auf eine unmittelbar behauptete Wirkung des zugesetzten Kollagens.

Je nach Zusammensetzung können außerdem zugelassene Claims zu Biotin und Zink für die Erhaltung normaler Haut oder zu Kupfer für die Erhaltung normalen Bindegewebes infrage kommen.

Nicht von diesen Claims abgedeckt sind Aussagen wie „reduziert Falten“, „strafft die Haut in acht Wochen“ oder „baut Gelenkknorpel auf“.

Auch der Verweis auf klinische Studien macht eine nicht zugelassene gesundheitsbezogene Aussage in der Produktwerbung nicht automatisch zulässig. Wissenschaftliche Ergebnisse können in redaktionellen oder wissenschaftlichen Formaten eingeordnet werden. Entscheidend ist dabei, dass daraus keine verdeckte Produktwerbung mit nicht zugelassenen Claims entsteht.

Welche Health Claims sind bei Omega-3 zugelassen?

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den Longevity-relevanten Substanzen, für die mehrere konkrete Health Claims zugelassen sind. Die hier aufgeführten Angaben sind Funktionsclaims. Entscheidend ist, dass Sie nicht nur die Aussage selbst, sondern auch sämtliche dazugehörigen Verwendungsbedingungen einhalten.

Zugelassene Angabe Wesentliche Verwendungsbedingungen Rechtsgrundlage
DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei mindestens 40 mg DHA je 100 g und je 100 kcal; Hinweis, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA einstellt VO (EU) 432/2012
DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei mindestens 40 mg DHA je 100 g und je 100 kcal; Hinweis auf 250 mg DHA täglich VO (EU) 432/2012
EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei Produkt muss die Voraussetzungen für eine Quelle von Omega-3-Fettsäuren erfüllen; Hinweis, dass sich die positive Wirkung bei 250 mg EPA und DHA täglich einstellt VO (EU) 432/2012
DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei tägliche Aufnahme von 3 g EPA und DHA; zusätzlicher Hinweis zur maximalen ergänzenden Aufnahme von 5 g EPA und DHA zusammen VO (EU) 536/2013
DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Triglyceridspiegels im Blut bei tägliche Aufnahme von 2 g EPA und DHA; zusätzlicher Hinweis zur maximalen ergänzenden Aufnahme von 5 g EPA und DHA zusammen VO (EU) 536/2013
ALA trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei Produkt muss die Voraussetzungen für eine Quelle von Omega-3-Fettsäuren erfüllen; Hinweis, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 2 g ALA einstellt VO (EU) 432/2012

Bei den Angaben zu Blutdruck und Triglyceridspiegel ist zusätzlich zu beachten, dass diese Claims nicht für Lebensmittel verwendet werden dürfen, die für Kinder bestimmt sind.

Nicht von diesen zugelassenen Angaben umfasst sind Aussagen zur Verlängerung der Lebensspanne, zur Vorbeugung von Demenz oder allgemein zur Behandlung von Entzündungen. Auch der in der Longevity-Diagnostik verwendete Omega-3-Index ist kein eigenständiger zugelassener Health Claim. Eine Aussage wie „bringt Ihren Omega-3-Index auf acht Prozent“ sollten Sie deshalb nicht als Wirkversprechen eines Supplements verwenden.

Zulässig ist bei Erfüllung der Voraussetzungen beispielsweise:

„EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei. Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHA ein.“

Eine Aussage wie „schützt vor Herzinfarkt und senkt Entzündungen“ geht dagegen über den zugelassenen Claim hinaus und enthält zusätzlich einen Krankheitsbezug.

Wann greift das Heilmittelwerbegesetz bei Nahrungsergänzungsmitteln?

Bei Nahrungsergänzungsmitteln wird es rechtlich besonders kritisch, wenn die Werbung einen Bezug zu Krankheiten herstellt oder das Produkt in seiner Gesamtdarstellung wie ein Arzneimittel präsentiert wird. Bereits das Lebensmittelrecht setzt hier klare Grenzen. Nach Art. 7 Abs. 3 der Lebensmittelinformationsverordnung dürfen Lebensmitteln keine Eigenschaften zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung menschlicher Krankheiten zugeschrieben werden.

Je nach konkreter Werbeaussage kann zusätzlich das Heilmittelwerbegesetz relevant sein. § 1 Abs. 1 Nr. 2 HWG erfasst auch „andere Mittel“, soweit sich die Werbung unter anderem auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhaften Beschwerden bezieht. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Krankheitsbezug bei einem Nahrungsergänzungsmittel automatisch sämtliche Vorschriften des HWG auslöst. Welche Regelungen greifen, hängt von der konkreten Aussage, dem Produkt und seiner rechtlichen Einordnung ab.

Wenn die Präsentation in Richtung Arzneimittel geht

Ein weiteres Risiko besteht in der arzneimittelrechtlichen Einordnung. Aussagen wie „gegen Osteoporose“ oder „bei beginnender Arthrose“ können dazu beitragen, dass ein Produkt aufgrund seiner Präsentation als Arzneimittel eingeordnet wird. Maßgeblich ist dabei die Gesamtaufmachung. Eine einzelne Formulierung führt nicht automatisch zu einer bestimmten Einstufung, kann aber ein wesentlicher Faktor sein. Auch Zusammensetzung und Dosierung können relevant werden. Ein Produkt kann im Einzelfall als Funktionsarzneimittel eingestuft werden, wenn eine pharmakologische Wirkung gegenüber der ernährungsphysiologischen Wirkung überwiegt. An der Abgrenzung sind je nach Land unterschiedliche Behörden beteiligt. In Deutschland können unter anderem das BfArM und die zuständigen Lebensmittelbehörden relevant sein, in Österreich das BASG und in der Schweiz Swissmedic.

Für Ihre Kommunikation gilt daher: Aussagen über normale Körperfunktionen können möglich sein, wenn dafür ein zugelassener Health Claim besteht und sämtliche Bedingungen erfüllt werden. Aussagen zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten gehören dagegen grundsätzlich nicht in die Werbung für Nahrungsergänzungsmittel.

Was gilt in Österreich und der Schweiz zusätzlich?

Österreich folgt als EU-Mitglied grundsätzlich dem europäischen Health-Claims-Recht. Die Schweiz verfügt dagegen über einen eigenen lebensmittelrechtlichen Rahmen, der für den Schweizer Markt gesondert geprüft werden muss.

Österreich

In Österreich gilt die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 unmittelbar. Ergänzend ist insbesondere das Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz (LMSVG) relevant. § 5 Abs. 2 LMSVG betrifft irreführende Informationen über Lebensmittel. § 5 Abs. 3 verbietet es, Lebensmitteln beim Inverkehrbringen oder in der Werbung Eigenschaften zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung menschlicher Krankheiten zuzuschreiben oder einen entsprechenden Eindruck entstehen zu lassen. Eine Ausnahme besteht für ordnungsgemäß zugelassene Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos.

Die Marktüberwachung erfolgt durch die zuständigen Behörden der Bundesländer; die AGES übernimmt unter anderem fachliche Begutachtungen. Verstöße können nach den einschlägigen Strafbestimmungen des LMSVG sanktioniert werden.

Eine mit Deutschland vergleichbare allgemeine Anzeigepflicht für Nahrungsergänzungsmittel besteht in Österreich nicht. Die Verantwortung für Verkehrsfähigkeit, Kennzeichnung und Werbung liegt bei den jeweiligen Inverkehrbringer:innen.

Schweiz

In der Schweiz gilt die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 nicht unmittelbar. Gesundheitsbezogene Angaben richten sich insbesondere nach der Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV). Die in der Schweiz zugelassenen Health Claims sind insbesondere in Anhang 14 LIV aufgeführt. Angaben, die dort nicht enthalten sind, benötigen grundsätzlich eine Bewilligung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), bevor sie verwendet werden dürfen.

Auch in der Schweiz sind Aussagen, die einem Lebensmittel Eigenschaften zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten zuschreiben oder suggerieren, grundsätzlich verboten. Für Nahrungsergänzungsmittel ist zusätzlich die Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem) relevant. Sie enthält unter anderem Vorgaben zur Zusammensetzung und zu bestimmten Höchstmengen. Auch Novel-Food-Status, pflanzliche Inhaltsstoffe und die Abgrenzung zu Heilmitteln müssen nach Schweizer Recht geprüft werden. Swissmedic ist insbesondere dann relevant, wenn sich die Frage stellt, ob ein Produkt als Heilmittel beziehungsweise Arzneimittel einzustufen ist.

Wenn Sie ein Etikett oder Werbemittel für Deutschland oder Österreich entwickelt haben, sollten Sie es deshalb nicht ungeprüft für den Schweizer Markt übernehmen.

Thema Deutschland Österreich Schweiz
Rechtsgrundlage Health Claims VO (EG) 1924/2006, weitere EU-Verordnungen, LFGB, NemV VO (EG) 1924/2006, weitere EU-Verordnungen, LMSVG insbesondere LIV und VNem
Anmeldung Nahrungsergänzungsmittel Anzeige beim BVL nach § 5 NemV keine vergleichbare allgemeine Anzeigepflicht keine allgemeine Produktzulassung; Selbstkontrolle nach Schweizer Lebensmittelrecht
Krankheitsbezogene Aussagen grundsätzlich verboten, insbesondere nach Art. 7 Abs. 3 LMIV grundsätzlich verboten nach § 5 Abs. 3 LMSVG grundsätzlich nach Schweizer Lebensmittelrecht verboten
Abgrenzung zu Arznei- bzw. Heilmitteln unter anderem BfArM und zuständige Behörden unter anderem BASG Swissmedic
Novel Food EU-Rechtsrahmen EU-Rechtsrahmen Schweizer Rechtsrahmen, BLV

Wie lassen sich Fachinhalte zu Longevity-Substanzen auf einem Portal einbetten?

Redaktionelle Inhalte zu NMN, Spermidin, Omega-3 oder anderen Longevity-Substanzen können rechtlich anders einzuordnen sein als unmittelbare Produktwerbung. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Bezeichnung als „redaktionell“, sondern die tatsächliche inhaltliche und wirtschaftliche Gestaltung.

Ein Fachbeitrag kann beispielsweise den Forschungsstand zu Spermidin und Autophagie erläutern, Studien einordnen und Grenzen der Evidenz darstellen. Je stärker ein solcher Inhalt jedoch mit einer konkreten Marke, einem Produkt, einem Kaufangebot oder dessen Absatzförderung verbunden ist, desto eher kann er als kommerzielle Kommunikation eingeordnet werden.

Redaktionelle Inhalte und Produktwerbung klar trennen

Für eine nachvollziehbare Trennung sind insbesondere folgende Punkte wichtig:

  • Die Redaktion trägt die inhaltliche Verantwortung und entscheidet über Quellen, Formulierungen und fachliche Prüfung.
  • Nicht zugelassene produktspezifische Wirkversprechen werden nicht über einen vermeintlich redaktionellen Beitrag transportiert.
  • Wirtschaftliche Kooperationen sind für Leser:innen transparent erkennbar.
  • Produktwerbung und redaktioneller Inhalt bleiben inhaltlich und gestalterisch unterscheidbar.

Industriepartner:innen können Themenimpulse liefern. Die wissenschaftliche und medizinische Einordnung sollte jedoch redaktionell erfolgen. Sobald ein Beitrag tatsächlich der Absatzförderung eines konkreten Produkts dient, können die für kommerzielle Kommunikation geltenden lebensmittel- und wettbewerbsrechtlichen Vorgaben greifen. Ein redaktionelles Umfeld ist deshalb kein Weg, um nicht zugelassene Health Claims indirekt für ein bestimmtes Produkt zu kommunizieren.

Die wissenschaftliche Einordnung einer Substanz und die Werbung für ein konkretes Supplement sollten daher klar voneinander getrennt werden.

Was bringt ein inhaltsführendes Fachportal Supplement-Hersteller:innen?

Ein redaktionelles Fachportal kann ein Thema bereits während der Informationssuche sichtbar machen, bevor Verbraucher:innen gezielt nach einem bestimmten Produkt suchen. Gleichzeitig können entsprechende Inhalte Ärzt:innen und andere Fachkreise erreichen.

Eine MOOCI-Analyse der zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen in Deutschland mit zusammen 543.600 Suchanfragen pro Monat zeigt: Portale und Magazine stellen 39,8 Prozent der untersuchten Treffer, Shops 22,4 Prozent und Praxis-Websites 12,2 Prozent. Bei neun von zwölf Themen erschien zusätzlich eine KI-Übersicht.

Damit erfüllen redaktionelle Inhalte eine andere Funktion als klassische Produktwerbung. Sie können zunächst eine Substanz, ihren wissenschaftlichen Kontext und den aktuellen Kenntnisstand erklären, ohne ein konkretes Produkt in den Mittelpunkt zu stellen.

Themenpartnerschaften auf MOOCI

MOOCI umfasst 683 redaktionelle Fachinhalte, davon 340 mit Longevity-Bezug. Dazu gehören Inhalte zu NMN, Spermidin, Kollagen-Supplements, Omega-3-Fettsäuren und Novel Food. Die Plattform verzeichnet rund 890.000 Besuche pro Monat bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 4,35 Minuten. Hinzu kommen mehr als 7.500 Arztprofile und ein Fachkreise-Newsletter mit mehr als 10.000 Empfänger:innen. Eine Themenpartnerschaft kann damit unterschiedliche Zielgruppen erreichen: Verbraucher:innen, die sich über eine Substanz informieren, sowie Ärzt:innen und andere Fachkreise, die entsprechende Themen medizinisch einordnen.

Suchergebnisse auf MOOCI sind nicht käuflich. Industriepartner:innen werden bei entsprechenden Kooperationen transparent als Content- oder Themenpartner:innen gekennzeichnet. Redaktionelle Inhalte und kommerzielle Formate werden voneinander getrennt. Wenn Sie prüfen möchten, welche Themen rund um Ihre Substanzklasse bereits redaktionell abgedeckt sind und wo eine Themenpartnerschaft anschließen kann, können Sie gemeinsam mit MOOCI ein Themenpaket definieren. Sie erhalten dazu eine Übersicht über bestehende Inhalte, offene Themenbereiche und mögliche Formate.

Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand 2026 nach bestem Wissen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Konkrete Etiketten, Produktformulierungen und Werbemittel sollten Sie vor Veröffentlichung lebensmittelrechtlich prüfen lassen. Für den Schweizer Markt sollte zusätzlich Erfahrung mit dem dortigen Lebensmittel- und Heilmittelrecht einbezogen werden.

Deine Frage ist nicht dabei?

Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Health Claim und einem Heilversprechen?
Ein Health Claim beschreibt einen Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel oder Nährstoff und der Gesundheit beziehungsweise einer normalen Körperfunktion. Er darf verwendet werden, wenn die entsprechende Angabe zugelassen ist und die festgelegten Verwendungsbedingungen erfüllt werden. Die Formulierung muss dabei nicht in jedem Fall wortwörtlich mit dem Eintrag übereinstimmen. Eine sinngleiche Formulierung kann möglich sein, sofern sie für Verbraucher:innen dieselbe Bedeutung vermittelt und die zugelassene Wirkung nicht erweitert. Ein Heilversprechen geht darüber hinaus und stellt beispielsweise in Aussicht, Krankheiten zu verhindern, zu behandeln oder zu heilen. Solche Aussagen sind bei Nahrungsergänzungsmitteln grundsätzlich nicht zulässig.
Wo finde ich die Liste der zugelassenen Health Claims?
Die zugelassenen EU-Claims finden Sie insbesondere in der Gemeinschaftsliste nach der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 sowie im öffentlichen EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. Die Liste wurde seit ihrer ursprünglichen Veröffentlichung mehrfach ergänzt und geändert. Für die Schweiz finden Sie zugelassene gesundheitsbezogene Angaben insbesondere in Anhang 14 LIV. Nicht aufgeführte Angaben benötigen grundsätzlich eine entsprechende Bewilligung des BLV.
Darf ich mit „unterstützt gesundes Altern“ werben?
Eine allgemeine gesundheitsbezogene Aussage wie „unterstützt gesundes Altern“ kann nicht isoliert verwendet werden. Nach Art. 10 Abs. 3 der Health-Claims-Verordnung muss ihr grundsätzlich eine zulässige spezifische gesundheitsbezogene Angabe beigefügt werden. Zwischen der allgemeinen und der spezifischen Aussage muss für Verbraucher:innen ein klar erkennbarer Zusammenhang bestehen. Ob eine konkrete Kombination zulässig ist, sollten Sie anhand des Produkts, der enthaltenen Nährstoffe und der zugelassenen Claims prüfen.
Darf ich Studien zu meiner Substanz in der Werbung zitieren?
Ein Studienverweis macht eine nicht zugelassene gesundheitsbezogene Werbeaussage nicht zulässig. Wenn Sie in der Produktwerbung eine gesundheitliche Wirkung hervorheben, muss diese Aussage weiterhin mit den Health-Claims-Vorgaben vereinbar sein. Wissenschaftliche Studien können dagegen in redaktionellen oder wissenschaftlichen Zusammenhängen eingeordnet werden, sofern daraus keine verdeckte Produktwerbung mit nicht zugelassenen Claims entsteht.
Dürfen Ärzt:innen mein Nahrungsergänzungsmittel empfehlen?
Für Ihre Produktwerbung setzt Art. 12 der Health-Claims-Verordnung Grenzen für gesundheitsbezogene Angaben, die sich auf Empfehlungen einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen beziehen. Davon zu unterscheiden ist die individuelle Beratung durch Ärzt:innen in der Praxis. Hier gelten zusätzlich die jeweiligen berufsrechtlichen Vorschriften, beispielsweise zu Fremdwerbung, wirtschaftlichen Interessen und Provisionen.
Was passiert bei einem Verstoß gegen die Health-Claims-Verordnung?
Verstöße können sowohl wettbewerbsrechtliche als auch behördliche Folgen haben. Dazu können beispielsweise Unterlassungsansprüche, Abmahnungen oder Maßnahmen der Lebensmittelüberwachung gehören. Welche Sanktionen konkret drohen, richtet sich nach dem jeweiligen Verstoß und dem nationalen Recht. Bei krankheitsbezogenen oder arzneimitteltypischen Aussagen kann zusätzlich die Abgrenzung zum Arzneimittelrecht relevant werden.
Gilt die Health-Claims-Verordnung auch für Social Media und Influencer:innen?
Ja. Die Health-Claims-Vorgaben gelten grundsätzlich auch für kommerzielle Kommunikation in sozialen Medien und damit beispielsweise für bezahlte Posts, Storys oder Kooperationen. Wenn Sie mit Influencer:innen zusammenarbeiten, sollten Briefings deshalb eindeutig festlegen, welche Claims und Formulierungen verwendet werden dürfen. Nicht zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen werden nicht dadurch zulässig, dass sie von Influencer:innen statt unmittelbar vom Unternehmen kommuniziert werden. Ob und in welchem Umfang Hersteller:innen für Aussagen von Kooperationspartner:innen rechtlich verantwortlich sind, hängt jedoch von der konkreten Zusammenarbeit und den Umständen des Einzelfalls ab.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

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Letzte Aktualisierung: 28.09.2026

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