2026 verlangt Arztpraxen an mehreren Stellen gleichzeitig Anpassungen ab. Hausärzt:innen arbeiten mit einer neuen Vergütungslogik, die elektronische Patientenakte ist im Regelbetrieb angekommen und mit Barrierefreiheit sowie KI-Regulierung kommen zusätzliche digitale Anforderungen auf viele Praxen zu. Gleichzeitig bleibt die GOÄ vorerst unverändert. Nach aktueller Einschätzung der Bundesärztekammer erscheint ein Inkrafttreten der Novelle zum 1. Januar 2028 realistisch.
Auch die Patient:innensuche verändert sich spürbar. In einer MOOCI-Auswertung vom September 2026 erschien bei 14 von 19 untersuchten Suchbegriffen bereits eine KI-Übersicht. Wer heute eine Praxis führt oder neu aufbaut, muss deshalb nicht nur rechtliche und technische Vorgaben im Blick behalten, sondern auch die Frage, wie die eigene medizinische Kompetenz online sichtbar bleibt.
MOOCI hat Ihnen die wichtigsten Veränderungen für 2026 und 2027 deshalb so aufbereitet, dass Sie schnell erkennen können, was Ihre Praxis unmittelbar betrifft, was erst später relevant wird und wo Sie selbst aktiv werden sollten. Im Fokus stehen Vergütung, Telematikinfrastruktur, Barrierefreiheit, künstliche Intelligenz, Privatabrechnung, Werberecht und digitale Sichtbarkeit in Deutschland, ergänzt um die wichtigsten Unterschiede für Österreich und die Schweiz. Bei rechtlichen oder abrechnungstechnischen Einzelfragen sollten Sie zusätzlich Ihre Kassenärztliche Vereinigung, Ärztekammer oder spezialisierte Rechtsberatung einbeziehen.
Das Wichtigste in Kürze
Für hausärztliche Praxen gilt seit 1. Januar 2026 die neue Vorhaltepauschale. Der Zuschlag richtet sich danach, wie viele der zehn definierten Versorgungskriterien eine Praxis erfüllt. Die Entbudgetierung zentraler hausärztlicher Leistungen gilt bereits seit 1. Oktober 2025. Die elektronische Patientenakte ist seit 1. Oktober 2025 verpflichtender Bestandteil des Praxisalltags. 2026 stehen vor allem Regelbetrieb, technische Anpassungen und der Austausch älterer Heilberufsausweise im Mittelpunkt. Die elektronische Verordnung von DiGA ist dagegen weiterhin freiwillig.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit Juni 2025 und kann insbesondere digitale Dienstleistungen wie Online-Terminbuchungen betreffen. Beim europäischen AI Act gelten bereits erste Vorgaben, während wesentliche Pflichten für Hochrisiko-KI erst 2027 beziehungsweise 2028 greifen. Auch die digitale Sichtbarkeit verändert sich. In einer MOOCI-Messung vom September 2026 erschienen bei 14 von 19 untersuchten Suchbegriffen aus dem Praxis- und Gesundheitsumfeld bereits KI-Übersichten.
Was ändert sich 2026 für Ärzt:innen in der Praxis konkret?
Die wichtigsten Veränderungen lassen sich auf sieben Bereiche verteilen: hausärztliche Vergütung, Telematikinfrastruktur, digitale Barrierefreiheit, KI-Regulierung, Gebührenordnung für Privatleistungen, Werbe- und Bewertungsrecht sowie die digitale Auffindbarkeit von Praxen.
Nicht jede Änderung betrifft jede Praxis gleich. Hausärztliche Vertragsarztpraxen spüren unmittelbar die neue Vorhaltepauschale und den Regelbetrieb der ePA. Dermatologische, ästhetische oder andere Praxen mit hohem Privatanteil beschäftigen dagegen stärker die bestehende GOÄ, digitale Patientenangebote, KI-Anwendungen und die Sichtbarkeit ihrer Leistungen im Netz.
Nicht jede Neuerung beginnt erst 2026
Einige Themen, die 2026 den Praxisalltag bestimmen, sind bereits 2025 in Kraft getreten. Dazu gehören die verpflichtende ePA-Nutzung seit 1. Oktober 2025 und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz seit 28. Juni 2025. Auch die Entbudgetierung zentraler hausärztlicher Leistungen begann bereits im vierten Quartal 2025.
2026 ist deshalb vielfach das Jahr, in dem neue Vorgaben vom Projektstatus in den laufenden Praxisbetrieb übergehen. Gleichzeitig werden bereits die nächsten Änderungen für 2027 vorbereitet. Wer gründet, übernimmt oder seine Praxis digital neu aufstellt, sollte daher nicht nur die aktuelle Rechtslage betrachten, sondern auch absehbare Anpassungen bei Vergütung und KI-Regulierung berücksichtigen.
Wie funktioniert die Vorhaltepauschale ab 2026 für Hausärzt:innen?
Seit 1. Januar 2026 ist die neue Vorhaltepauschale Bestandteil der hausärztlichen Vergütung. Sie honoriert nicht eine einzelne Behandlung, sondern die Vorhaltung hausärztlicher Versorgungsstrukturen. Die Grundpauschale wird durch Zuschläge ergänzt, wenn eine Praxis definierte Versorgungskriterien erfüllt.
Die Vorhaltepauschale steht im Zusammenhang mit der Stärkung der hausärztlichen Versorgung. Die Entbudgetierung der in diesem Bereich vorgesehenen Leistungen gilt bereits seit 1. Oktober 2025. Praxen sollten beide Veränderungen deshalb getrennt betrachten: Die Entbudgetierung betrifft die Vergütung erbrachter Leistungen, die Vorhaltepauschale die vorhandenen Versorgungsstrukturen.
Zehn Kriterien entscheiden über den Zuschlag
Die KBV nennt zehn Kriterien für den Zuschlag. Dazu zählen unter anderem Haus- und Pflegeheimbesuche, geriatrische oder palliativmedizinische Versorgung, Schutzimpfungen, Kleinchirurgie und Wundversorgung, Ultraschalldiagnostik, besondere hausärztliche Leistungen, Videosprechstunden sowie weitere Anforderungen an Versorgung und Praxisorganisation.
Erfüllt eine Praxis zwei bis sieben Kriterien, erhält sie einen Zuschlag von zehn Punkten. Ab acht erfüllten Kriterien beträgt der Zuschlag 30 Punkte. Die Zuordnung erfolgt auf Grundlage der Abrechnungsdaten, sodass die einzelnen Kriterien grundsätzlich nicht separat beantragt werden müssen.
Für neu gegründete oder neu organisierte Praxen kann es sinnvoll sein, diese Anforderungen bereits bei der Praxisplanung mitzudenken. Videosprechstunden, bestimmte Versorgungsangebote oder organisatorische Strukturen lassen sich leichter von Beginn an integrieren als später ergänzen. Welche Leistungen medizinisch und organisatorisch zur jeweiligen Praxis passen, sollte dabei jedoch wichtiger bleiben als das Erreichen möglichst vieler Kriterien.
Was ist mit dem Hausarztmodell ab 2026 gemeint?
Mit dem „Hausarztmodell ab 2026“ wird häufig das politisch geplante Primärversorgungssystem gemeint. Davon zu unterscheiden ist die bereits bestehende hausarztzentrierte Versorgung nach § 73b SGB V. In diese können sich Patient:innen freiwillig einschreiben, wobei Krankenkassen entsprechende Verträge mit Hausärzteverbänden abschließen.
Ein allgemein verpflichtendes Primärarztsystem, bei dem der Weg zu Fachärzt:innen grundsätzlich über die hausärztliche Praxis gesteuert wird, ist 2026 noch nicht flächendeckend in Kraft. Politisch wird eine stärkere hausärztliche Steuerung weiter vorbereitet, die konkrete Ausgestaltung ist jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen.
Was bedeutet das für die Praxisplanung?
Wenn Sie 2026 eine Praxis gründen oder übernehmen, sollten Sie die stärkere Rolle der hausärztlichen Versorgung als längerfristige Rahmenbedingung einplanen. Daraus lassen sich aktuell aber noch keine allgemeinen neuen Überweisungspflichten oder verbindlichen Steuerungsregeln für Patient:innen ableiten.
Für die Praxisplanung sind deshalb zunächst die bereits geltenden Veränderungen wichtiger: Entbudgetierung, Vorhaltepauschale, ePA-Regelbetrieb und die weitere Digitalisierung der Versorgung. Neue Vorgaben zu einem Primärversorgungssystem sollten erst dann in konkrete Praxisabläufe übernommen werden, wenn die gesetzlichen Regelungen tatsächlich beschlossen sind.
Welche Telematik-Pflichten gelten 2026 bei ePA, Heilberufsausweis und E-Verordnung?
Die elektronische Patientenakte ist 2026 kein neues Pilotprojekt mehr, sondern Teil des regulären Praxisbetriebs. Für Praxen ist ihre Nutzung bereits seit Oktober 2025 verpflichtend. Gleichzeitig mussten 2026 bestimmte ältere elektronische Heilberufsausweise ausgetauscht werden, während die elektronische Verordnung digitaler Gesundheitsanwendungen neu hinzukam, zunächst jedoch freiwillig.
Die ePA ist im Regelbetrieb
Gesetzlich Versicherte erhalten grundsätzlich eine elektronische Patientenakte, sofern sie nicht widersprochen haben. Praxen müssen die technischen Voraussetzungen für den Zugriff und die vorgesehenen Befüllungspflichten erfüllen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Befunde, Arztbriefe und weitere behandlungsrelevante Dokumente. Die elektronische Medikationsliste entsteht auf Grundlage der E-Rezept-Daten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie bei jeder Behandlung die komplette ePA durchsuchen müssen. Entscheidend sind die jeweiligen gesetzlichen Befüllungs- und Nutzungspflichten sowie die Informationen, die für den konkreten Behandlungsfall relevant sind. Für Praxen ist 2026 deshalb vor allem das erste volle Jahr, in dem ePA-Prozesse zuverlässig in den normalen Arbeitsablauf integriert werden müssen.
Beim eHBA kommt es auf die Generation an
Der elektronische Heilberufsausweis bleibt der persönliche Ausweis der Ärzt:in innerhalb der Telematikinfrastruktur und ermöglicht unter anderem qualifizierte elektronische Signaturen. Die Frist zum 30. Juni 2026 bedeutete jedoch nicht, dass sämtliche Ärzt:innen pauschal einen neuen eHBA beantragen mussten. Betroffen waren insbesondere ältere beziehungsweise nicht mehr unterstützte Ausweisgenerationen.
Sie sollten deshalb prüfen, welche Kartengeneration in Ihrer Praxis eingesetzt wird und wie lange der persönliche Ausweis noch gültig ist. Der eHBA gehört der jeweiligen Ärzt:in und sollte nicht mit den organisatorischen Zugängen verwechselt werden, die Medizinische Fachangestellte im Praxisalltag nutzen.
Die elektronische DiGA-Verordnung bleibt freiwillig
Digitale Gesundheitsanwendungen können seit 2026 auch elektronisch verordnet werden. Die elektronische Verordnung ist derzeit jedoch freiwillig. Unterstützt das Praxisverwaltungssystem den entsprechenden Prozess, können Sie die DiGA über die E-Rezept-Infrastruktur verordnen. Alternativ kann bis auf Weiteres das bisherige Muster 16 verwendet werden. Ein verbindlicher Umstellungstermin steht derzeit nicht fest.
Organisatorisch bedeutet die weitere Digitalisierung vor allem Schulungsbedarf. Ihr Team muss wissen, welche Informationen in die ePA gehören, wie digitale Verordnungen funktionieren und welche Aufgaben ärztlich bleiben. Ebenso wichtig sind aktuelle Softwaremodule und klare Abläufe für Rückfragen von Patient:innen.
Müssen Praxis-Websites und Online-Terminbuchungen barrierefrei sein?
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt bereits seit dem 28. Juni 2025. Für Praxen ist deshalb nicht jede Website automatisch betroffen. Entscheidend ist, welche digitalen Dienstleistungen Sie anbieten und ob eine gesetzliche Ausnahme greift.
Informationsseite oder digitale Dienstleistung?
Eine Website, die lediglich über Ärzt:innen, Leistungen, Adresse und Sprechzeiten informiert, fällt nicht allein deshalb unter die Vorgaben für Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr. Anders kann die Situation aussehen, wenn Patient:innen online einen Vertrag anbahnen oder abschließen können, beispielsweise über eine verbindliche Terminbuchung. Auch andere interaktive Patientenangebote können eine genauere Prüfung erforderlich machen.
Eine wichtige Ausnahme betrifft Kleinstunternehmen. Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz beziehungsweise entsprechender Bilanzsumme sind bei Dienstleistungen grundsätzlich vom BFSG ausgenommen. Gerade kleinere Arztpraxen können deshalb unter diese Ausnahme fallen.
Barrierefreiheit trotzdem mitdenken
Unabhängig von einer gesetzlichen Verpflichtung ist eine barrierearme Praxiswebsite sinnvoll. Gute Kontraste, ausreichend große Schriften, Tastaturbedienbarkeit, Alternativtexte und verständlich aufgebaute Formulare erleichtern vielen Patient:innen den Zugang.
Wenn Sie Ihre Website ohnehin neu entwickeln oder überarbeiten, sollten entsprechende Anforderungen deshalb von Beginn an in das Projekt einfließen. Das ist in der Regel einfacher, als eine bestehende Website später technisch umzubauen.
Was bedeutet der AI Act für KI in der Arztpraxis?
Der europäische AI Act gilt seit dem 2. August 2026 weitgehend, einzelne Vorschriften galten bereits früher. Mit dem Digital Omnibus auf KI vom Juli 2026 wurden die ursprünglich vorgesehenen Fristen für Hochrisiko-Systeme allerdings verschoben. Für Praxen bedeutet das: KI-Kompetenz und ein verantwortlicher Einsatz sind bereits heute relevant, während wesentliche Hochrisikopflichten erst später greifen.
Nicht jedes KI-Tool ist Hochrisiko-KI
Arztpraxen nutzen KI zunehmend für Dokumentation, Spracherkennung, Terminorganisation, Kommunikation oder medizinische Entscheidungsunterstützung. Diese Anwendungen sind rechtlich nicht automatisch gleich einzuordnen. Ein KI-gestützter Dokumentationsassistent ist nicht allein deshalb ein Hochrisiko-System, weil er in einer Arztpraxis eingesetzt wird.
Entscheidend sind Zweckbestimmung, Funktionsweise und gegebenenfalls die regulatorische Einordnung als Medizinprodukt. Bevor Sie eine Anwendung einsetzen, sollten Sie sich deshalb vom Anbieter erklären lassen, wofür das System vorgesehen ist und welche regulatorischen Anforderungen dafür gelten.
KI-Kompetenz gilt bereits
Die Vorgaben zur KI-Kompetenz gelten bereits seit Februar 2025. Praxen, die KI-Systeme einsetzen, sollten deshalb dafür sorgen, dass die beteiligten Mitarbeiter:innen deren Möglichkeiten, Grenzen und Risiken ausreichend verstehen.
Dafür schreibt der AI Act keine identische Schulung für jede Praxis vor. Umfang und Tiefe sollten sich vielmehr daran orientieren, welches System eingesetzt wird und welche Verantwortung die jeweilige Person trägt.
Hochrisikopflichten wurden verschoben
Nach der im Juli 2026 beschlossenen Änderung greifen wesentliche Pflichten für Hochrisiko-KI nach Art. 6 Abs. 2 und Anhang III grundsätzlich ab dem 2. Dezember 2027. Für Hochrisiko-KI nach Art. 6 Abs. 1 und Anhang I, wozu insbesondere bestimmte KI-Systeme im Zusammenhang mit regulierten Produkten gehören können, gilt grundsätzlich der 2. August 2028.
Für Praxen heißt das jedoch nicht, dass sie bis dahin nichts tun müssen. Datenschutz, ärztliche Schweigepflicht, IT-Sicherheit und die bereits geltenden Teile des AI Act bleiben relevant.
Datenschutz bleibt eine eigene Baustelle
Die Datenschutz-Grundverordnung wird durch den AI Act nicht ersetzt. Bei KI-Anwendungen sollten Sie deshalb insbesondere klären, welche Gesundheitsdaten verarbeitet werden, wo dies geschieht und welche Rechtsgrundlage besteht.
Eine Datenschutz-Folgenabschätzung ist nicht automatisch für jedes KI-Tool Pflicht. Sie ist insbesondere dann erforderlich, wenn die konkrete Verarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten der betroffenen Personen mit sich bringt.
Kommt die GOÄ-Novelle 2026 oder erst später?
Praxen rechnen 2026 und 2027 weiterhin nach der bestehenden Gebührenordnung für Ärzte ab. Die Bundesärztekammer hält ein Inkrafttreten einer neuen GOÄ zum 1. Januar 2028 derzeit für realistisch. Beschlossen ist dieser Termin noch nicht.
Was gilt bis zu einer neuen GOÄ?
Bestehende GOÄ-Positionen bleiben die Grundlage der Privatabrechnung. Für selbstständige ärztliche Leistungen, die im Gebührenverzeichnis nicht enthalten sind, kann unter den Voraussetzungen des § 6 Abs. 2 GOÄ eine Analogbewertung infrage kommen.
Davon zu unterscheiden ist § 2 GOÄ. Eine abweichende Honorarvereinbarung ermöglicht bei bestimmten Leistungen eine abweichende Gebührenhöhe. Sie ist jedoch weder ein allgemeiner Ersatz für fehlende Gebührenpositionen noch ein Instrument für frei kalkulierte Paketpreise.
Auch die wirtschaftliche Aufklärung nach § 630c BGB bleibt relevant. Wenn erkennbar ist, dass eine vollständige Kostenübernahme durch einen Dritten nicht gesichert ist, müssen Sie Patient:innen vor der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren.
Für Praxen mit hohem Privat- oder Selbstzahleranteil lohnt sich deshalb weiterhin eine saubere Dokumentation der verwendeten GOÄ- und Analogpositionen.
Ändert sich 2026 etwas am Werberecht und am Bewertungsrecht?
Die grundlegenden Regeln ärztlicher Werbung verändern sich 2026 nicht grundlegend. Relevant bleibt in Deutschland insbesondere das Berufsrecht der jeweiligen Landesärztekammer. § 27 der Musterberufsordnung dient dabei als Orientierung und unterscheidet sachliche Information von berufswidriger Werbung.
Das Heilmittelwerbegesetz ergänzt diese Vorgaben. § 3 untersagt irreführende Werbung, § 11 enthält besondere Beschränkungen für Publikumswerbung. Die Regeln gelten auch dann, wenn Praxen Social Media, Fachportale oder KI zur Erstellung von Inhalten einsetzen.
Neue BGH-Entscheidung betrifft Ärzt:innensiegel
Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 30. Juli 2026 sollte davon getrennt betrachtet werden. Es befasst sich nicht mit einer neuen allgemeinen Pflicht zur Verifikation von Patientenbewertungen. Gegenstand waren entgeltlich lizenzierte Ärzt:innensiegel wie „Top Mediziner“ und „Empfehlung“. Der BGH verlangt wegen der besonderen Bedeutung gesundheitlicher Entscheidungen hohe Anforderungen an Richtigkeit, Eindeutigkeit und Klarheit solcher Siegel.
Für Ihre Praxis bedeutet das: Qualitäts- und Empfehlungssiegel sollten nicht allein aufgrund ihrer werblichen Wirkung übernommen werden. Entscheidend ist, ob nachvollziehbar ist, was tatsächlich bewertet wurde und wie die Auszeichnung zustande gekommen ist.
Bewertungen bleiben ein eigenes Thema
Bei klassischen Patientenbewertungen gelten weiterhin die bekannten Prüfpflichten der Portale. Wird eine Bewertung substanziiert beanstandet, kann das Portal verpflichtet sein, den zugrunde liegenden Behandlungskontakt und die Plausibilität der Bewertung näher zu prüfen.
Für Praxen bleibt es sinnvoller, authentische Bewertungen organisch entstehen zu lassen, als Bewertungen zu kaufen oder ihre Abgabe mit Vorteilen zu verbinden. Auch bei einem Portalprofil sollten Sie zwischen redaktioneller Darstellung, bezahlten Zusatzfunktionen und der eigentlichen Sortierung der Suchergebnisse unterscheiden.
Wie verändern KI-Übersichten und Portale die Sichtbarkeit einer Praxis?
KI-Übersichten schaffen 2026 einen zusätzlichen Einstieg in die Patient:innensuche. In der MOOCI-Messung vom September 2026 erschienen sie bei der Suche nach Longevity-Ärzt:innen in elf von 30 untersuchten Städten. Über eine breitere B2B-Stichprobe hinweg waren bei 14 von 19 untersuchten Suchbegriffen KI-Übersichten sichtbar.
Von 54 zuordenbaren Quellen in der Städteauswertung entfielen 77,8 Prozent auf Praxis-Websites und 13,0 Prozent auf Longevity-Fachportale mit eigenen Inhalten. Klassische Arztsuchen wurden in dieser Stichprobe einmal als Quelle zugeordnet.
Fachinhalte statt reiner Leistungslisten
Diese Zahlen zeigen keine allgemeine Regel dafür, welche Seiten Google künftig zitiert. In der untersuchten Stichprobe waren jedoch Seiten mit eigenen fachlichen Inhalten deutlich unter den Quellen vertreten. Reine Profile ohne entsprechende Fachinhalte kamen bei den zugeordneten Zitaten nicht vor.
Für Ihre Praxis spricht das dafür, wichtige Leistungen nicht ausschließlich in einer kurzen Liste zu nennen. Seiten, die typische Fragen von Patient:innen verständlich beantworten, können sowohl für die klassische Suche als auch für neue KI-basierte Suchoberflächen zusätzliche Sichtbarkeit schaffen.
Themen-Suche und lokale Arztsuche unterscheiden sich
Die MOOCI-Analyse der zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen umfasst insgesamt rund 543.600 Suchanfragen pro Monat. Praxis-Websites stellen dort 12,2 Prozent der Treffer und volumengewichtet 1,3 Prozent. Portale und Magazine kommen auf 39,8 Prozent. Bei acht der zwölf Themen findet sich keine Praxis unter den ersten zehn Ergebnissen.
Bei lokalen Suchen nach dem Muster „Arzt + Stadt“ verändert sich die Verteilung deutlich. Hier entfallen 79,7 Prozent der Treffer und 89 Prozent der ersten drei Ergebnisse auf Praxis-Websites.
Das zeigt zwei unterschiedliche Aufgaben: Fachinhalte und Portale können Patient:innen während der thematischen Recherche erreichen, während die eigene Praxiswebsite bei der konkreten Auswahl besonders wichtig wird.
Was gilt 2026 für Ordinationen in Österreich und Praxen in der Schweiz?
Österreich und die Schweiz haben eigene Gesundheits- und Berufsrechtssysteme. Deutsche Regelungen wie Vorhaltepauschale, BMV-Ä oder GOÄ sind dort nicht anwendbar. Gleichzeitig betreffen europäische Digitalregeln Österreich unmittelbar beziehungsweise über nationale Umsetzung, während die Schweiz eigene gesetzliche Wege verfolgt.
Österreich: ELGA, Berufsrecht und AI Act
In Österreich übernimmt ELGA eine zentrale Rolle beim digitalen Austausch von Gesundheitsinformationen. Für ärztliche Werbung gelten insbesondere § 53 Ärztegesetz und die Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer.
Zum 31. Dezember 2025 verzeichnete die ÖÄK insgesamt 53.353 Ärzt:innen. Die zuletzt verwendeten Zahlen zu 11.802 Wahlärzt:innen und 8.236 Ärzt:innen mit Kassenvertrag beziehen sich dagegen auf den Stand Ende 2024. Für Wahlärzt:innen spielt die eigene Sichtbarkeit eine besonders wichtige Rolle, da Patient:innen die Ordination aktiv auswählen und Honorare unmittelbar mit der Praxis abgerechnet werden.
In der MOOCI-Messung vom September 2026 erschien in drei von fünf untersuchten österreichischen Städten eine KI-Übersicht. Bei den klassischen lokalen Longevity-Arztsuchen entfielen 87,5 Prozent der erfassten Treffer auf Praxis-Websites.
Als EU-Mitgliedstaat unterliegt Österreich zudem unmittelbar dem AI Act. Für digitale Barrierefreiheit gelten die europäischen Vorgaben in Verbindung mit der österreichischen Umsetzung.
Schweiz: EPD und künftiges E-GD
In der Schweiz ist das elektronische Patientendossier derzeit nicht für jede ambulante Arztpraxis verpflichtend. Seit dem 1. Januar 2022 müssen sich neu zugelassene Ärzt:innen dem EPD anschließen. Für andere bereits ambulant tätige Gesundheitsfachpersonen ist die Teilnahme derzeit grundsätzlich freiwillig.
Mit dem geplanten elektronischen Gesundheitsdossier soll der Kreis der verpflichteten Leistungserbringer künftig deutlich erweitert werden. Diese zukünftige Regelung sollte jedoch nicht mit einer allgemeinen Anschlusspflicht für alle Praxen im Jahr 2026 verwechselt werden.
Die FMH zählt 42.602 Ärzt:innen, davon 22.777 hauptsächlich im Praxissektor. Für die Außendarstellung bleibt unter anderem Art. 20 der FMH-Standesordnung relevant. Der europäische AI Act gilt in der Schweiz nicht unmittelbar.
Was bringt ein Fachportal einer Praxis zusätzlich zur eigenen Website?
Ein inhaltsführendes Fachportal kann Ihre Praxis bereits in einer frühen Phase der Informationssuche sichtbar machen. In der MOOCI-Auswertung erreichen die zwölf untersuchten Longevity-Themen gemeinsam rund 543.600 Suchanfragen pro Monat. Portale und Magazine stellen 39,8 Prozent der Treffer, während Praxis-Websites volumengewichtet auf 1,3 Prozent kommen.
Die eigene Website bleibt deshalb unverzichtbar, erfüllt aber eine andere Aufgabe. Wenn Patient:innen bereits nach einer konkreten Ärzt:in oder nach „Arzt + Stadt“ suchen, sind Praxis-Websites besonders präsent. Ein Fachportal kann dagegen zusätzliche Berührungspunkte bei vorgelagerten medizinischen Themen schaffen.
Wie ist MOOCI aufgestellt?
MOOCI umfasst 683 redaktionelle Fachinhalte, davon 340 mit Longevity-Bezug, und mehr als 7.500 Arztprofile. Die Plattform erreicht rund 890.000 Besuche pro Monat bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 4,35 Minuten.
Suchergebnisse auf MOOCI sind nicht käuflich. Premium-Profile werden gekennzeichnet und können zusätzliche thematisch passende Platzierungen erhalten.
Wie relevant ist die Autorschaft?
Eine Autorschaft kann Ihr Profil um fachliche Inhalte zu Ihren tatsächlichen medizinischen Schwerpunkten ergänzen. In der MOOCI-KI-Auswertung wurden Seiten mit eigenen Fachinhalten häufiger als Quellen zugeordnet als klassische Verzeichnisse. Daraus entsteht keine Garantie für eine Aufnahme in KI-Übersichten, Fachinhalte schaffen aber zusätzliche Anknüpfungspunkte für Suchmaschinen und Patient:innen.
Gerade in Fachrichtungen, in denen Prävention und Longevity digital bislang seltener sichtbar sind, besteht noch Entwicklungsspielraum. In der verbandsaffinen MOOCI-Population weisen 19,0 Prozent der Dermatolog:innen und 11,4 Prozent der Plastischen Chirurg:innen entsprechende Angebote auf ihren Websites nach.
Wie lässt sich das berufsrechtlich einordnen?
Ein Fachportal entbindet Sie nicht vom ärztlichen Werberecht. Profile und Fachbeiträge sollten deshalb sachlich, fachlich nachvollziehbar und frei von irreführenden oder anpreisenden Aussagen gestaltet werden. Unter diesen Voraussetzungen lässt sich eine Portalpräsenz grundsätzlich mit den jeweiligen berufsrechtlichen Vorgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz vereinbar gestalten.
Wenn Sie 2026 und 2027 Ihre Praxis digital weiterentwickeln, gehören deshalb neben ePA, Barrierefreiheit und KI-Kompetenz auch die eigenen fachlichen Inhalte auf die Agenda. Sie können prüfen, ob Ihre Praxis bereits auf MOOCI gelistet ist, Ihr Profil beanspruchen und anschließend festlegen, welche Leistungen und Schwerpunkte dort tatsächlich sichtbar sein sollen.
Dieser Beitrag gibt den Stand September 2026 wieder und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für Fristen, Abrechnungsfragen und konkrete Einzelfälle sollten Sie die jeweils zuständige Kassenärztliche Vereinigung, Ärztekammer oder spezialisierte Rechtsberatung einbeziehen.
Quellen
Kassenärztliche Bundesvereinigung: Vorhaltepauschale für Hausärzt:innen ab 2026, Kriterien, Zuschläge und Zusammenhang mit der Entbudgetierung. KBV: Vorhaltepauschale
Bundesministerium für Gesundheit: Elektronische Patientenakte für alle, verpflichtende Nutzung durch Leistungserbringer seit 1. Oktober 2025 und Befüllungspflichten. BMG: ePA für alle
gematik: ePA für alle in Arztpraxen, technische Umsetzung und Regelbetrieb. gematik: ePA für Praxen
Bundesärztekammer: Austausch bestimmter elektronischer Heilberufsausweise bis 30. Juni 2026. Bundesärztekammer: Austausch von eHBA
Kassenärztliche Bundesvereinigung: Elektronische Verordnung digitaler Gesundheitsanwendungen, freiwilliger Start 2026 und weitere Nutzung von Muster 16. KBV: Elektronische DiGA-Verordnung
Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), insbesondere Anwendungsbereich und Ausnahmen. Gesetze im Internet: BFSG
Bundesfachstelle Barrierefreiheit: Informationen zum BFSG, Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr und Ausnahme für Kleinstunternehmen. Bundesfachstelle Barrierefreiheit: BFSG
Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz, AI Act. EUR-Lex: AI Act 2024/1689
Verordnung (EU) 2026/1744 zur Änderung der KI-Verordnung, insbesondere zu den verschobenen Anwendungsfristen für Hochrisiko-KI ab 2. Dezember 2027 beziehungsweise 2. August 2028. EUR-Lex: Verordnung 2026/1744
Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), insbesondere § 2 und § 6 Abs. 2. Gesetze im Internet: GOÄ
Bundesärztekammer: Aktueller Stand der GOÄ-Novellierung. Ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2028 wird derzeit als realistisch eingeschätzt. Bundesärztekammer: GOÄ-Novellierung
Bürgerliches Gesetzbuch, § 630c zu Informationspflichten und wirtschaftlicher Aufklärung. Gesetze im Internet: § 630c BGB
Bundesärztekammer: (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzt:innen, insbesondere §§ 27 und 31. Bundesärztekammer: Berufsrecht
Heilmittelwerbegesetz, insbesondere §§ 3 und 11. Gesetze im Internet: HWG
Bundesgerichtshof, Urteil vom 30. Juli 2026, I ZR 130/25, zu den Anforderungen an gesundheitsbezogene Ärzt:innensiegel und Testlogos. Zusammenfassung zum BGH-Urteil I ZR 130/25
Österreichisches Ärztegesetz 1998, insbesondere § 53. RIS: Ärztegesetz 1998
Österreichische Ärztekammer: „Arzt und Öffentlichkeit“, Werberichtlinie über die zulässige ärztliche Information. ÖÄK: Werberichtlinie
Österreichische Ärztekammer: Ärztestatistik 2025, insgesamt 53.353 Ärzt:innen zum 31. Dezember 2025. ÖÄK: Ärztestatistik 2025
ELGA GmbH: Elektronische Gesundheitsakte in Österreich, Funktionsweise und Pflichten der Gesundheitsdiensteanbieter. ELGA: Wissenswertes zu ELGA
FMH: Standesordnung der FMH, insbesondere Art. 20 zu Information und Werbung. FMH: Standesordnung
FMH: Ärztestatistik 2024, 42.602 berufstätige Ärzt:innen, davon 22.777 hauptsächlich im Praxissektor. FMH: Vergleichszahlen 2017 bis 2024
Bundesamt für Gesundheit, Schweiz: Elektronisches Patientendossier, insbesondere Anschlusspflicht für seit 1. Januar 2022 neu zugelassene Ärzt:innen und freiwillige Teilnahme anderer ambulanter Gesundheitsfachpersonen. BAG: Elektronisches Patientendossier
Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
