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Dürfen Ärzte Nahrungsergänzungsmittel empfehlen? Rechtslage und saubere Praxis in DACH KI-generiertes Bild

Dürfen Ärzte Nahrungsergänzungsmittel empfehlen? Rechtslage und saubere Praxis in DACH

Empfehlen ist ärztliche Beratung, Verkaufen ist Gewerbe: Was Ärzt:innen bei Nahrungsergänzungsmitteln dürfen und wo die…

Ärzt:innen dürfen Nahrungsergänzungsmittel empfehlen, wenn die Empfehlung medizinisch nachvollziehbar und frei von sachfremden wirtschaftlichen Interessen erfolgt. Welche Grenzen für Verkauf, Produktwerbung oder die Nennung konkreter Anbieter:innen gelten, unterscheidet sich jedoch zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Thema gewinnt an Bedeutung: In Deutschland wurden 2025 rund 415 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Patient:innen kaufen entsprechende Produkte in Apotheken, Drogerien und online und bringen Fragen zu Vitamin D, Vitamin B12, Omega-3, Spermidin oder anderen Supplements zunehmend in die Sprechstunde mit. Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich Lebensmittel und keine Arzneimittel. Gleichzeitig darf ärztliche Autorität nicht durch wirtschaftliche Interessen beeinflusst oder für unzulässige Produktwerbung eingesetzt werden.

Dieser Beitrag ordnet die Rechtslage für Ärzt:innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein und zeigt Hersteller:innen, wie sie medizinische Fachkreise sachlich informieren können.

Dürfen Ärzte Nahrungsergänzungsmittel empfehlen? Rechtslage und saubere Praxis in DACH KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

Ärzt:innen dürfen Nahrungsergänzungsmittel im Rahmen der medizinischen Beratung empfehlen. Entscheidend sind eine nachvollziehbare Indikation, fachliche Unabhängigkeit und das Fehlen eigener wirtschaftlicher Interessen. Verkauf, Produktwerbung und wirtschaftliche Verflechtungen werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlich geregelt. Besonders Provisionen oder andere Vorteile für Empfehlungen sind berufsrechtlich problematisch beziehungsweise unzulässig.

Art. 12 lit. c der Health-Claims-Verordnung untersagt gesundheitsbezogene Produktwerbung, die sich auf Empfehlungen einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen stützt. Für Hersteller:innen bedeutet das: Fachinformation, Fortbildung und redaktionelle Inhalte sind der sachgerechte Weg zu Ärzt:innen. Für Praxen stehen medizinische Beratung, Aufklärung und Dokumentation im Vordergrund.

Was ist der Unterschied zwischen Empfehlung und Verkauf in der Praxis?

Eine medizinisch begründete Empfehlung gehört grundsätzlich zur ärztlichen Beratung. Beim Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln unterscheiden sich die berufsrechtlichen Vorgaben dagegen deutlich zwischen den drei DACH-Ländern.

Deutschland

In Deutschland setzt § 3 Abs. 2 der Musterberufsordnung für Ärzt:innen enge Grenzen für die Abgabe von Waren im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit. Danach dürfen Ärzt:innen grundsätzlich keine Waren abgeben oder gewerblichen Dienstleistungen erbringen, sofern die Abgabe nicht wegen ihrer Besonderheiten notwendiger Bestandteil der ärztlichen Therapie ist. Für frei verfügbare Nahrungsergänzungsmittel wird diese Ausnahme regelmäßig nicht greifen. Die Ärztekammer Nordrhein hat 2025 ebenfalls auf die berufsrechtlichen Grenzen beim Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln in Arztpraxen hingewiesen.

Die MBO-Ä ist allerdings eine Musterregelung. Rechtsverbindlich ist jeweils die Berufsordnung der zuständigen Landesärztekammer. Die Beratung bleibt davon zu unterscheiden. Sie dürfen Patient:innen beispielsweise bei einem nachgewiesenen Vitamin-B12-Mangel eine Substitution empfehlen, Dosierung und Einnahmedauer besprechen, auf mögliche Wechselwirkungen hinweisen und den Verlauf kontrollieren. Auch ohne pathologischen Laborbefund können Empfehlungen medizinisch sinnvoll sein, etwa bei bestimmten Lebensphasen oder Ernährungsformen. Entscheidend ist deshalb nicht zwingend ein Laborwert, sondern eine nachvollziehbare medizinische Indikation.

Problematisch wird die Verbindung mit einem eigenen wirtschaftlichen Interesse – beispielsweise wenn eine Empfehlung unmittelbar in einen Verkauf durch die Praxis, einen vergüteten Affiliate-Link oder eine wirtschaftlich verbundene Verkaufsstelle führt.

Auch kostenlose Produktmuster sollten Sie kritisch betrachten. Patient:innen können die Abgabe eines konkreten Produkts in einer ärztlichen Praxis als persönliche Empfehlung verstehen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Geld fließt, sondern wie eng ärztliche Beratung und konkrete Produktförderung miteinander verbunden sind.

Österreich und Schweiz unterscheiden sich

Ein pauschales Verbot des Produktverkaufs in Arztpraxen lässt sich nicht auf alle drei Länder übertragen.

In Österreich können Ärzt:innen unter den Voraussetzungen des geltenden Ärztlichen Verhaltenskodex auch gewerbliche Produkte anbieten und gegebenenfalls in der Ordination verkaufen, sofern die erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die ärztliche Behandlung darf dabei nicht vom Kauf abhängig gemacht werden und es darf kein unangemessener Kaufdruck entstehen. Vergütungen von Dritten für Produktempfehlungen oder Vermittlungen sind dagegen unzulässig.

Auch in der Schweiz ergibt sich aus der ärztlichen Standesordnung kein allgemeines Verbot des Verkaufs sämtlicher Nahrungsergänzungsmittel. Zu beachten sind jedoch die Regeln zur ärztlichen Unabhängigkeit, Werbung sowie das jeweils anwendbare Lebensmittel-, Gesundheits- und kantonale Recht.

Dürfen Ärzt:innen für Produkte werben?

Ärzt:innen dürfen sachlich informieren. Produktwerbung unter Einsatz ärztlicher Autorität kann dagegen berufs-, lebensmittel- und wettbewerbsrechtliche Grenzen überschreiten. In Deutschland ist insbesondere § 27 MBO-Ä relevant. Er erlaubt sachliche berufsbezogene Informationen, setzt jedoch Grenzen für anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung.

Ob eine konkrete Darstellung zulässig ist, hängt dabei von der Gesamtwirkung ab. Name, Foto oder medizinischer Titel einer Ärztin beziehungsweise eines Arztes dürfen nicht automatisch als Gütesiegel für die gesundheitliche Wirkung eines Nahrungsergänzungsmittels eingesetzt werden.

Das Oberlandesgericht Köln hat dies in einem Urteil vom 16. Mai 2025 deutlich gemacht. In dem entschiedenen Fall wurde die ärztliche Stellung im Rahmen der Vermarktung eines Nahrungsergänzungsmittels so eingesetzt, dass die Werbung insgesamt als irreführend beurteilt wurde. Entscheidend war die konkrete Gesamtgestaltung – nicht allein die Führung des Titels „Dr. med.“.

Health-Claims-Verordnung setzt zusätzliche Grenzen

Art. 12 lit. c der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 untersagt gesundheitsbezogene Angaben, die auf Empfehlungen einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen verweisen. Für Hersteller:innen bedeutet das: Eine individuelle ärztliche Empfehlung darf nicht einfach als gesundheitsbezogenes Testimonial für ein Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden.

Davon zu unterscheiden ist die ärztliche Beratung selbst. Eine Ärztin oder ein Arzt darf Patient:innen selbstverständlich medizinisch zu Vitamin D, Vitamin B12, Omega-3 oder anderen Nährstoffen beraten. Problematisch wird die Verbindung, wenn aus dieser Autorität unmittelbar kommerzielle Produktwerbung entsteht.

Ein Beitrag auf einer Praxiswebsite, der beispielsweise erklärt, wann eine Vitamin-D-Supplementierung medizinisch sinnvoll sein kann, ist anders zu beurteilen als ein Beitrag mit konkretem Produktbild, Rabattcode, Affiliate-Link oder direkter Kaufaufforderung.

Welche Rechtsgrundlagen gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Die Grundidee ist in allen drei Ländern ähnlich: Ärztliche Entscheidungen sollen unabhängig und sachlich bleiben. Die konkrete rechtliche Ausgestaltung unterscheidet sich jedoch.

Land Berufsrecht Lebensmittel- und Wettbewerbsrecht Kernaussage
Deutschland insbesondere § 3 Abs. 2, § 27, § 31 und § 32 MBO-Ä beziehungsweise entsprechende Landesberufsordnung Health-Claims-Verordnung, NemV, LMIV, HWG und UWG Beratung möglich; Warenabgabe im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit eng begrenzt; wirtschaftlich beeinflusste Empfehlungen problematisch
Österreich § 53 ÄrzteG, Ärztlicher Verhaltenskodex und Werberichtlinie der ÖÄK Health-Claims-Verordnung, LMSVG und UWG sachliche Information und unter Voraussetzungen auch gewerbliche Angebote möglich; keine Vergütung für Empfehlungen oder Vermittlungen
Schweiz insbesondere Art. 20, 36 und 38 FMH-Standesordnung sowie kantonales Recht LMG, LIV, VNem und gegebenenfalls Heilmittelrecht sachliche Werbung und wirtschaftliche Tätigkeiten unter Wahrung der ärztlichen Unabhängigkeit; keine unzulässigen Vorteile oder Interessenkonflikte

Deutschland: Unabhängigkeit und wirtschaftliche Interessen

§ 31 MBO-Ä setzt Grenzen für wirtschaftliche Vorteile im Zusammenhang mit Zuweisungen, Verordnungen oder dem Bezug bestimmter Leistungen. § 32 schützt die Unabhängigkeit ärztlicher Entscheidungen vor unangemessenen Zuwendungen.

Die frühere Regelung aus § 34 Abs. 5 MBO-Ä zur Verweisung an bestimmte Anbieter:innen findet sich heute inhaltlich in § 31 Abs. 2. Danach sollen Patient:innen nicht ohne hinreichenden Grund an bestimmte Apotheken, Geschäfte oder Anbieter:innen gesundheitlicher Leistungen verwiesen werden.

Für Nahrungsergänzungsmittel bedeutet das: Die Empfehlung eines konkreten Produkts oder einer bestimmten Bezugsquelle ist nicht in jedem Fall automatisch verboten. Sie sollte jedoch sachlich begründet sein und darf nicht durch Provisionen, Affiliate-Vergütungen oder eigene wirtschaftliche Interessen beeinflusst werden.

Österreich: Verkauf nicht grundsätzlich verboten

In Österreich ist § 53 ÄrzteG eine zentrale berufsrechtliche Grundlage. Er enthält Vorgaben zur ärztlichen Information und setzt Grenzen für wirtschaftliche Verflechtungen und Provisionen.

Zusätzlich ist der Ärztliche Verhaltenskodex relevant. Er erlaubt unter bestimmten Voraussetzungen auch gewerbliche Angebote und den Verkauf von Produkten in der Ordination. Voraussetzung ist unter anderem, dass die erforderlichen rechtlichen Berechtigungen vorliegen, die medizinische Behandlung nicht vom Kauf abhängig gemacht wird und kein unangemessener Druck auf Patient:innen entsteht.

Eine Vergütung durch Dritte für die Empfehlung oder Vermittlung eines Produkts bleibt dagegen problematisch beziehungsweise unzulässig.

Deshalb lässt sich für Österreich nicht pauschal sagen, dass der Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln zwingend außerhalb der Ordination stattfinden muss.

Schweiz: Unabhängigkeit im Mittelpunkt

In der Schweiz verlangt Art. 20 der FMH-Standesordnung eine sachliche und zurückhaltende ärztliche Werbung. Art. 36 und Art. 38 schützen zusätzlich die Unabhängigkeit ärztlicher Entscheidungen und setzen Grenzen für Vorteile oder Vergütungen durch Dritte.

Nahrungsergänzungsmittel sind lebensmittelrechtlich zu beurteilen. Ob und unter welchen Bedingungen sie innerhalb einer Praxis verkauft werden können, hängt zusätzlich vom kantonalen Gesundheits- und Lebensmittelrecht sowie von der konkreten Ausgestaltung ab.

Wann ist eine ärztliche Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Nahrungsergänzungsmittel können medizinisch sinnvoll sein, wenn eine nachvollziehbare Indikation besteht. Das muss nicht immer ein bereits nachgewiesener Mangel sein. Typische Beispiele sind eine gezielte Substitution bei festgestelltem Vitamin-D-, Vitamin-B12- oder Eisenmangel sowie Empfehlungen in bestimmten Lebensphasen oder Ernährungssituationen.

Bei veganer Ernährung ist beispielsweise eine zuverlässige Vitamin-B12-Versorgung besonders wichtig. Folsäure wird bereits vor und zu Beginn einer Schwangerschaft empfohlen. Bei anderen Nährstoffen hängt die Empfehlung stärker von Ernährung, Risikofaktoren, Laborwerten, Erkrankungen und Medikation ab.

Für zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, die mit allgemeinen Gesundheits- oder Longevity-Versprechen vermarktet werden, ist ein zusätzlicher Nutzen für gesunde Menschen dagegen nicht gleichermaßen belegt.

Ärzt:innen genießen beim Thema gesundes Altern hohes Vertrauen

In der DAK/Forsa-Befragung vom August 2026 wurden 1.043 Personen zwischen 18 und 70 Jahren in Deutschland zum Thema Longevity und gesundes Altern befragt. Dabei erreichten Ärzt:innen mit 90 Prozent einen besonders hohen Vertrauenswert, Influencer:innen kamen auf vier Prozent. Dieser Befund erklärt auch, warum die Verbindung von ärztlicher Autorität und wirtschaftlichen Interessen besonders sensibel ist. Eine Produktempfehlung durch Ärzt:innen kann für Patient:innen ein erhebliches Gewicht haben.

Im Longevity-Segment wird diese Frage zusätzlich relevant. Die MOOCI-Auswertung der zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen zeigt eine hohe Nachfrage nach Themen rund um NMN, Spermidin, NAD+ und andere Supplements. Gleichzeitig ist die Evidenz beim Menschen je nach Substanz sehr unterschiedlich und teilweise noch begrenzt.

Für Ärzt:innen mit Präventions- oder Longevity-Schwerpunkt bedeutet das: Indikation und Ausgangssituation prüfen, Evidenz und Unsicherheiten transparent einordnen, wirtschaftliche Interessen vermeiden und wesentliche Beratungsschritte dokumentieren.

Wie beraten Ärzt:innen zu Nahrungsergänzungsmitteln, ohne gegen das Berufsrecht zu verstoßen?

Eine rechtlich und medizinisch saubere Beratung orientiert sich an Indikation, Evidenz und den Bedürfnissen der Patient:innen. Ein starres Schema gibt es nicht, einige Schritte helfen jedoch dabei, medizinische Beratung und wirtschaftliche Interessen klar voneinander zu trennen.

Indikation und Ausgangssituation prüfen

Vor einer Empfehlung sollten Sie klären, warum eine Supplementierung sinnvoll sein könnte. Grundlage können beispielsweise Laborwerte, Ernährungsform, Lebensphase, Erkrankungen, Medikamente oder andere individuelle Risikofaktoren sein. Ein pathologischer Laborbefund ist dabei nicht immer Voraussetzung. Bei veganer Ernährung oder einer geplanten Schwangerschaft können sich Empfehlungen beispielsweise auch aus der jeweiligen Lebens- oder Ernährungssituation ergeben.

Wirkstoff und Qualität in den Mittelpunkt stellen

Im Regelfall sollte sich Ihre Empfehlung zunächst auf Wirkstoff, Dosierung, Einnahmedauer, Darreichungsform und relevante Qualitätsmerkmale beziehen. Die Nennung eines konkreten Produkts oder einer Bezugsquelle ist nicht automatisch verboten. Sie sollte jedoch sachlich begründbar sein und darf nicht durch Provisionen, Affiliate-Vergütungen oder andere eigene wirtschaftliche Interessen beeinflusst werden.

Wenn Patient:innen nach bestimmten Präparaten fragen, können Sie beispielsweise Zusammensetzung, Dosierung, Kennzeichnung und weitere objektive Produkteigenschaften erläutern. Die Pharmazentralnummer eignet sich dagegen nicht als Qualitätsmerkmal: Sie dient vor allem der Identifikation und Abwicklung von Produkten und sagt für sich genommen nichts über deren Wirksamkeit oder Qualität aus.

Über Nutzen, Grenzen und Risiken informieren

Patient:innen sollten wissen, dass Nahrungsergänzungsmittel lebensmittelrechtlich keine Arzneimittel sind und nicht zur Behandlung oder Heilung von Krankheiten beworben werden dürfen. Zur medizinischen Beratung gehören gegebenenfalls auch mögliche Neben- und Wechselwirkungen. Beispiele sind Vitamin K bei bestimmten gerinnungshemmenden Therapien oder Johanniskraut aufgrund seiner zahlreichen Arzneimittelinteraktionen.

Wenn Sie in Deutschland eine ärztliche Beratung als Selbstzahlerleistung anbieten und die vollständige Kostenübernahme durch einen Dritten nicht gesichert ist, müssen Patient:innen nach § 630c Abs. 3 BGB vor Beginn der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Behandlungskosten informiert werden. Diese Pflicht betrifft die Kosten der ärztlichen Behandlung beziehungsweise Beratung und nicht automatisch den Kaufpreis eines Nahrungsergänzungsmittels.

Beratung dokumentieren und Verlauf individuell kontrollieren

Medizinisch wesentliche Angaben zur Indikation, Beratung, Aufklärung und gegebenenfalls zur empfohlenen Supplementierung sollten Teil der Behandlungsdokumentation sein. In Deutschland verlangt § 630f BGB die Dokumentation der für die aktuelle und zukünftige Behandlung wesentlichen Maßnahmen und Ergebnisse.

Ob und wann eine Verlaufskontrolle erforderlich ist, hängt vom jeweiligen Nährstoff, der Dosierung, dem Ausgangsbefund und der individuellen Situation der Patient:innen ab. Ein pauschaler Kontrollzeitraum von drei bis sechs Monaten lässt sich daher nicht für jede Supplementierung festlegen.

Besonders kritisch sollten Sie Modelle betrachten, bei denen Beratung und wirtschaftlicher Vorteil unmittelbar miteinander verbunden werden – etwa provisionsabhängige Empfehlungen, vergütete Affiliate-Links oder Kooperationsverträge, deren Vergütung von der Zahl vermittelter Käufe abhängt.

In Deutschland setzt die MBO-Ä insbesondere mit §§ 31 und 32 Grenzen für wirtschaftliche Vorteile und Zuwendungen, die ärztliche Entscheidungen beeinflussen können. Die aktuelle MBO-Ä enthält § 34 in diesem Zusammenhang nicht mehr; die frühere Regel zur Verweisung an bestimmte Anbieter:innen wurde in § 31 Abs. 2 übernommen. Die konkrete Berufsordnung Ihrer Landesärztekammer bleibt dabei maßgeblich.

Für Österreich gilt keine pauschal identische Regel: Gewerbliche Angebote können unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. § 53 Abs. 2 ÄrzteG verbietet jedoch Vergütungen für die Zuweisung von Patient:innen.

Was bedeuten Health Claims aus Sicht von Ärzt:innen?

Health Claims legen fest, welche gesundheitsbezogenen Aussagen in der kommerziellen Kommunikation über Lebensmittel zulässig sind. Für Ärzt:innen sind sie deshalb besonders dann relevant, wenn Nahrungsergänzungsmittel öffentlich oder produktbezogen kommuniziert werden.

„Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei“ ist beispielsweise ein zugelassener Health Claim. Eine Aussage wie „Vitamin C schützt vor Erkältungen“ geht darüber hinaus und stellt einen Krankheitsbezug her.

Wenn ein Nahrungsergänzungsmittel mit Aussagen beworben wird, die deutlich über zugelassene Claims hinausgehen, kann das für Sie ein Hinweis sein, die Werbeaussagen kritisch zu prüfen.

Individuelle Beratung ist nicht dasselbe wie Produktwerbung

Die individuelle ärztliche Beratung ist von kommerzieller Lebensmittelwerbung zu unterscheiden. Sie dürfen Patient:innen beispielsweise erklären, welche medizinische Bedeutung ein nachgewiesener Vitamin-D-Mangel hat, welche Behandlungsoptionen bestehen und welche Dosierung im konkreten Fall medizinisch sinnvoll sein kann.

Anders ist die Situation, wenn Sie auf Ihrer Praxiswebsite oder in sozialen Medien ein konkretes Nahrungsergänzungsmittel verkaufsfördernd darstellen. Dann können neben dem Berufsrecht auch die lebensmittel- und wettbewerbsrechtlichen Vorgaben für kommerzielle Kommunikation relevant werden.

Art. 12 lit. c der Health-Claims-Verordnung untersagt gesundheitsbezogene Angaben, die auf Empfehlungen einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen verweisen. Die Vorschrift verbietet damit nicht die individuelle ärztliche Beratung, setzt aber klare Grenzen für deren Verwendung als Werbeaussage eines Herstellers.

Auch das Heilmittelwerbegesetz kann je nach konkreter Gestaltung relevant werden, wenn sich Werbung für ein anderes Mittel auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten oder krankhaften Beschwerden bezieht. Ein Krankheitsbezug macht ein Nahrungsergänzungsmittel jedoch nicht automatisch zum Arzneimittel; die rechtliche Einordnung hängt von Produkt und Gesamtgestaltung ab.

Wie können Hersteller:innen Ärzt:innen rechtssicher über Nahrungsergänzungsmittel informieren?

Hersteller:innen können Ärzt:innen mit sachlichen und wissenschaftlich nachvollziehbaren Fachinformationen erreichen. Problematisch werden insbesondere wirtschaftliche Anreize, die unmittelbar mit Empfehlungen oder Zuweisungen verbunden sind.

Für Ärzt:innen sind Informationen zur Studienlage, Zusammensetzung, Dosierung, Sicherheit, Wechselwirkungen und Produktqualität fachlich relevant. Hersteller:innen können solche Informationen beispielsweise über Fachpublikationen, wissenschaftliche Veranstaltungen, Newsletter für Fachkreise oder redaktionelle Gesundheitsportale bereitstellen.

Bei anerkannten ärztlichen Fortbildungen gelten zusätzlich Anforderungen an Neutralität, Transparenz und die Wahrung der ärztlichen Unabhängigkeit. Die Bundesärztekammer betont diese Anforderungen ausdrücklich für anerkannte Fortbildungsmaßnahmen.

Nicht jede Zusammenarbeit zwischen Industrie und Ärzt:innen ist damit automatisch unzulässig. Kritisch sind jedoch Modelle, bei denen finanzielle Vorteile an eine bestimmte Empfehlung oder Vermittlung gekoppelt werden.

In Österreich verbietet § 53 Abs. 2 ÄrzteG Vergütungen für die Zuweisung von Patient:innen. In der Schweiz untersagt Art. 36 der FMH-Standesordnung Entgelte oder andere Vorteile für Patient:innenzuweisungen oder bestimmte Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen.

Ärztliche Empfehlungen nicht als Health Claim einsetzen

Für die Kommunikation gegenüber Verbraucher:innen setzt Art. 12 lit. c der Health-Claims-Verordnung eine zusätzliche Grenze: Gesundheitsbezogene Produktwerbung darf sich nicht auf die Empfehlung einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen stützen.

Hersteller:innen können daher medizinische Themen und wissenschaftliche Zusammenhänge erklären, sollten eine individuelle ärztliche Empfehlung aber nicht als Wirkbeleg oder Testimonial für ein konkretes Supplement verwenden.

Die MOOCI-Auswertung zeigt gleichzeitig, wie groß das Informationsumfeld zu diesen Themen ist: Die zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen kommen zusammen auf 543.600 Suchanfragen pro Monat in Deutschland. Bei neun von zwölf Themen erscheint zusätzlich eine KI-Übersicht.

Wie kann ein Fachportal bei der Aufklärung über Nahrungsergänzungsmittel unterstützen?

Ein Fachportal kann medizinische Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln bereits während der thematischen Recherche sichtbar machen. Entscheidend ist dabei eine klare Trennung zwischen redaktioneller Information und konkreter Produktwerbung.

Auf MOOCI sind 683 redaktionelle Fachinhalte veröffentlicht, davon 340 mit Longevity-Bezug. Dazu gehören Inhalte zu Vitamin D, Vitamin B12, Omega-3-Fettsäuren, Spermidin und NMN.

Diese Inhalte können beispielsweise Indikationen, Studienlage, Risiken und Grenzen einzelner Wirkstoffe einordnen. Eine ärztliche Autorschaft kann zusätzlich transparent machen, welche Ärzt:innen an der fachlichen Einordnung beteiligt sind.

Ob ein solcher Inhalt rechtlich als redaktionelle Information oder als Werbung einzuordnen ist, hängt jedoch von seiner tatsächlichen Gestaltung ab. Eine Autor:innenbox allein macht einen Beitrag weder automatisch zu Werbung noch automatisch zu rein redaktioneller Information. Relevant sind unter anderem Produktbezug, wirtschaftliche Verbindungen, Kennzeichnung und Gesamtgestaltung.

Themen sichtbar machen, bevor nach einem Produkt gesucht wird

Die MOOCI-Auswertung zeigt Unterschiede zwischen thematischen und konkreten Suchanfragen. Bei den zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen stellen Praxis-Websites volumengewichtet 1,3 Prozent der untersuchten Treffer, Portale und Magazine 39,8 Prozent.

Auch in den untersuchten KI-Übersichten zeigt sich dieser Unterschied. In einer MOOCI-Messung über 30 Städte entfielen 13,0 Prozent der zuordenbaren Zitate auf inhaltsführende Fachportale. Das entsprach dem 2,5-Fachen ihres Anteils an den organischen Ergebnissen.

Für Ärzt:innen können Fachportale damit zusätzliche Berührungspunkte außerhalb der eigenen Praxis-Website schaffen. Für Hersteller:innen bieten sie die Möglichkeit, Themen und wissenschaftliche Zusammenhänge in einem redaktionellen Umfeld einordnen zu lassen – vorausgesetzt, redaktionelle Inhalte und Produktwerbung werden transparent voneinander getrennt.

MOOCI verzeichnet rund 890.000 Besuche pro Monat bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 4,35 Minuten. Der Fachkreise-Newsletter erreicht mehr als 10.000 Empfänger:innen.

Suchergebnisse auf MOOCI sind nicht käuflich. Kommerzielle Partnerschaften werden entsprechend gekennzeichnet und von redaktionellen Inhalten unterschieden.

Ihre Sichtbarkeit auf MOOCI

Wenn Sie als Ärzt:in Ihre fachliche Beratung zu Nahrungsergänzungsmitteln sichtbar machen möchten, können Sie Ihr Profil auf MOOCI kostenlos beanspruchen und prüfen, welche Wirkstoffthemen zu Ihrem medizinischen Schwerpunkt passen.

Wenn Sie als Hersteller:in Ärzt:innen und Patient:innen sachlich zu einem Wirkstoffbereich informieren möchten, können Sie mit MOOCI ein redaktionell klar abgegrenztes Themenpaket besprechen.

Dieser Beitrag gibt den Rechtsstand 2026 nach bestem Wissen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die konkrete Ausgestaltung in Ihrer Praxis oder Ihrem Unternehmen sollten Sie die zuständige Ärztekammer beziehungsweise die einschlägigen Berufs- und Lebensmittelrechtsvorgaben oder eine spezialisierte Kanzlei einbeziehen.

Deine Frage ist nicht dabei?

Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.

Häufige Fragen

Welche Nahrungsergänzungsmittel empfehlen Ärzt:innen?
Ärzt:innen können Nahrungsergänzungsmittel empfehlen, wenn dafür eine medizinisch nachvollziehbare Indikation besteht. Beispiele sind die gezielte Supplementierung bei einem nachgewiesenen Mangel, Vitamin B12 bei veganer Ernährung oder Folsäure bei Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft. Welche Supplementierung sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab. Für zahlreiche Präparate, die gesunden Menschen allgemein mehr Leistungsfähigkeit, Gesundheit oder Longevity versprechen, ist ein zusätzlicher Nutzen dagegen nicht gleichermaßen belegt.
Kann man Nahrungsergänzungsmittel unbedenklich einnehmen?
Nicht grundsätzlich. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, können aber unerwünschte Wirkungen verursachen, überdosiert werden oder mit Arzneimitteln interagieren. Patient:innen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, chronische Erkrankungen haben oder mehrere Präparate kombinieren, sollten die Einnahme deshalb medizinisch abklären lassen.
Darf eine Praxis Nahrungsergänzungsmittel im Wartezimmer verkaufen?
Das lässt sich für DACH nicht einheitlich beantworten. In Deutschland setzt § 3 Abs. 2 MBO-Ä beziehungsweise die jeweilige Landesberufsordnung enge Grenzen für die Abgabe von Waren im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit. Die Musterberufsordnung entfaltet dabei erst über die jeweilige Landesberufsordnung Rechtswirkung. In Österreich kann ein Verkauf unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein; zu berücksichtigen sind insbesondere der Ärztliche Verhaltenskodex, die notwendigen gewerberechtlichen Voraussetzungen und die Trennung von medizinischer Entscheidung und Kaufanreiz. In der Schweiz müssen neben der FMH-Standesordnung insbesondere kantonales Gesundheits- und Lebensmittelrecht berücksichtigt werden.
Dürfen Ärzt:innen eine Provision für die Empfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels annehmen?
Vergütungsmodelle, bei denen ein wirtschaftlicher Vorteil unmittelbar an eine Empfehlung oder Zuweisung gekoppelt ist, sind berufsrechtlich besonders problematisch. In Deutschland setzen insbesondere §§ 31 und 32 MBO-Ä entsprechende Grenzen. In Österreich verbietet § 53 Abs. 2 ÄrzteG Vergütungen für Patient:innenzuweisungen, in der Schweiz Art. 36 FMH-Standesordnung Entgelte oder andere Vorteile für Zuweisungen und bestimmte medizinische Maßnahmen. Auch Affiliate-Modelle sollten deshalb besonders sorgfältig geprüft werden, wenn die Vergütung von Käufen abhängt, die auf einer ärztlichen Empfehlung beruhen.
Dürfen Ärzt:innen ihren Titel in der Werbung eines Herstellers verwenden lassen?
Das lässt sich nicht pauschal mit Nein beantworten. Entscheidend sind Inhalt und Gesamtwirkung der Werbung. Unzulässig ist insbesondere, einen ärztlichen Titel so einzusetzen, dass dadurch eine nicht belegte medizinische Wirkung oder eine besondere ärztliche Empfehlung des Produkts vermittelt wird. Zusätzlich verbietet Art. 12 lit. c der Health-Claims-Verordnung gesundheitsbezogene Angaben, die auf Empfehlungen einzelner Ärzt:innen oder anderer Gesundheitsberufler:innen verweisen.
Dürfen Ärzt:innen über Nahrungsergänzungsmittel auf ihrer Praxiswebsite schreiben?
Ja. Ärzt:innen können sachlich über Nährstoffe, Indikationen, Evidenz, Dosierung und Risiken informieren. Sobald die Kommunikation jedoch konkrete Produkte verkaufsfördernd hervorhebt, können zusätzlich die Vorgaben für kommerzielle Kommunikation greifen. Besonders kritisch sind beispielsweise nicht zugelassene Wirkversprechen, provisionsabhängige Links oder eine Gestaltung, bei der medizinische Information unmittelbar mit einem eigenen wirtschaftlichen Interesse verbunden wird.
Was gilt für Longevity-Supplements wie NMN oder Spermidin?
Auch bei Longevity-Supplements gelten die allgemeinen Regeln zur ärztlichen Unabhängigkeit und zur Trennung von Beratung und kommerziellen Interessen. Zusätzlich müssen Verkehrsfähigkeit und Novel-Food-Status des jeweiligen Inhaltsstoffs berücksichtigt werden. Ärzt:innen können die vorhandene Evidenz, Unsicherheiten und mögliche Risiken mit Patient:innen besprechen. Eine Empfehlung sollte sich auch hier auf eine nachvollziehbare individuelle Indikation und den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand stützen. Ob ein entsprechendes Produkt in einer Praxis verkauft werden darf, lässt sich nicht einheitlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz beantworten und muss nach dem jeweils geltenden Berufs-, Lebensmittel- und gegebenenfalls Gewerberecht beurteilt werden.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

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