Immun gegen Corona? Antikörper im Blut!

Die Corona-Pandemie gilt erst als überwunden, wenn die deutliche Mehrheit der Bevölkerung immun gegen das Coronavirus ist. Das gelingt entweder durch die Entdeckung eines geeigneten Impfstoffes oder einer Herdenimmunität. Wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht und daraufhin Antikörper gegen das Virus gebildet haben, sprechen Experten von einer Herdenimmunität. Aktuell gibt es intensive Diskussionen, die sich mit der Frage beschäftigen, ob eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus möglich ist oder nicht. Wir haben uns das mal genauer angeschaut!


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 28. April, 2020

Woher kommen die Zweifel an einer möglichen Herdenimmunität?

Bislang wurde einstimmig angenommen, dass Betroffene nach einer überstandenen Infektion immun gegen eine erneute Infektion seien – zumindest für eine gewisse Zeit. In den letzten Wochen gab es vermehrt Meldungen aus Asien, die dem widersprechen: Als geheilt geltende Personen erhielten erneut einen positiven Test. Durch diese Meldung kam die Diskussion über eine mögliche Immunität ins Rollen.
 
Das koreanische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (KCDC) in Südkorea meldet beispielsweise 150 Personen, die trotz bestätigter Genesung, positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Die Experten des KCDC vertreten die Meinung, dass es sich bei diesem Phänomen um eine Re-Aktivierung zurückbleibender Viren und nicht um eine Re-Infizierung handle.
 
Dabei steckt sich der Patient nicht erneut an, sondern es befinden sich noch Reste des Virus im Körper. Dies wäre möglich, wenn entweder keine ausreichende Immunität entwickelt worden ist oder das Immunsystem sehr geschwächt ist. Die verbleibende Viruskonzentration könnte sich dann wieder erhöhen und nachweisbar sein.
 
Erste Untersuchungen haben diese Theorie bestätigt. Außerdem gebe es keinen Nachweis dafür, dass die wiederum positiv getesteten Patienten ansteckend seien. Die Hoffnung auf eine Herdenimmunität besteht also weiterhin.

Das Immunsystem entwickelt Antikörper, um fremde Erreger zu bekämpfen.

Wie funktioniert das menschliche Immunsystem?

Wenn der Körper eine Abwehrreaktion gegen ein Virus entwickelt, spricht man von einer Immunität. Diese Immunreaktion entwickelt ein “Gedächtnis”, sodass sie auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Infizierung mit dem gleichen Virus sehr früh vom Körper kontrolliert werden kann.
 
Die Medizin unterscheidet zwischen einer angeborenen und einer erlernten Immunantwort. Der angeborene Teil des Immunsystems reagiert sofort, wenn Dein Körper mit einem Virus in Kontakt kommt.
 
Dieser Teil Deines Immunsystems arbeitet vor allem mit sogenannten Fress- und Killerzellen, also mit Immunzellen, von denen sich 60 Prozent im Darm befinden. Diese Zellen werden im Rahmen der zellulären Verteidigung aktiv und nehmen Erreger und Fremdkörper direkt auf, vernichten diesen und transportieren sie ab.
 
Die erlernte Immunantwort funktioniert so, wie es der Name impliziert: Mithilfe sogenannter Gedächtniszellen merkt sich Dein Körper bestimmte Krankheitserreger und lernt daraus. Viele dieser Zellen bleiben dann für Monate oder sogar Jahre im Gedächtnis Deines Immunsystems.
 
Infizierst Du Dich dann in diesem Zeitraum mit demselben Erreger, reagiert das Gedächtnis Deines Immunsystems und es reaktiviert und vervielfältigt die benötigten Zellen. Diese helfen Deinem Körper, das Virus in Stunden oder Tagen abzuwehren, indem sie sogenannte Antikörper produzieren. Die Verteidigungsstrategie der spezifischen Abwehr übernehmen die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten).

Worin liegt der Nutzen von Antikörpertests?

Antikörpertests sind nicht dazu geeignet, Verdachtsfälle auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 zu testen, da sich mit ihnen nicht der Erreger an sich nachweisen lässt. Trotzdem können sie bei der Bekämpfung des Coronavirus eine wichtige Rolle spielen. Mit Antikörpertests lassen sich nämlich Immunglobuline (Antikörper) nachweisen. Diese bildet der Körper im Laufe der Infektion, um das Virus abzuwehren.
 
Da unser Immunsystem diese Antikörper erst nach einiger Zeit bildet, dienen solche Tests nicht dafür, eine akute Infektion nachzuweisen. Dafür geben sie aber Auskunft darüber, ob eine Person bereits unwissentlich eine Infektion überstanden hat. Hast Du bereits einen positiven PCR-Test, hattest Du Dich also mit dem Coronavirus infiziert, ist kein zusätzlicher Antikörpertest nötig.

Besteht also die Möglichkeit einer Herdenimmunität?

Weltweit erforscht die Wissenschaft das Coronavirus und vor allem Möglichkeiten, wie man dessen Ausbreitung reduzieren kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert Koch-Institut und andere haben bereits erste Ergebnisse veröffentlicht. Diese Ergebnisse sind jedoch erst repräsentativ, wenn Studien über einen längeren Zeitraum und mit mehr Teilnehmern gehen.
 
Trotzdem liefern sie schon erste Hinweise: Sie bekräftigen eindeutig die Möglichkeit einer Herdenimmunität. Vom eng verwandten Sars-Virus weiß man beispielsweise, dass die Immunität über Antikörper mindestens zwei Jahre stabil bleibt. Auch von anderen Viren oder Krankheitserregern weiß man von einer Immunität, die Monate und oft auch Jahre besteht.
 
Besonders die Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen wie Sars oder Mers unterstützen die These einer Herdenimmunität. Um das sicher sagen zu können, braucht es konkrete Ergebnisse. Viele Studien beschäftigen sich bereits mit der Frage, ob eine Herdenimmunität möglich ist. Relevante Ergebnisse werden diese jedoch erst in einigen Wochen oder Monaten erzielen.

Erste Untersuchungen deuten auf eine Immunität gegen Corona hin.

 

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