Lungenembolie

Die Lungenembolie zählt zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ist die dritthäufigste Todesursache in Österreich, in Europa sterben jährlich etwa eine halbe Million Menschen. Durch eine Störung des Blutflusses einer Lungenarterie aufgrund eines Blutgerinnsels, kommt es meist zu plötzlichen Symptomen. In einem solchen Fall musst Du sofort den Notarzt rufen, da er die nötigen Maßnahmen einleiten und dadurch die Überlebenschancen deutlich erhöhen kann. Neben der richtigen Behandlung ist auch Vorbeugung wichtig, besonders für Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen. Die wichtigste und einfachste Art, einer Lungenembolie vorzubeugen ist regelmäßige Bewegung und ein aktiver Lebensstil.


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Zuletzt aktualisiert: 6. Mai, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Lungenembolie?

Eine Lungenembolie oder auch Lungenarterienembolie genannt, ist ein Verschluss einer oder mehrerer Pulmonalarterien durch Blutgerinnsel, sogenannte Thromben, die aus anderen Körperregionen wie den Beinen oder dem Becken stammen. Die Lungenembolie ist recht häufig aber potenziell lebensbedrohlich. Daher ist Prävention wichtig, besonders bei Risikogruppen.

Eine Lungenembolie bezeichnet den Verschluss einer oder mehrerer Pulmonalarterien durch Blutgerinnsel.

Was sind die Symptome einer Lungenembolie?

Die Symptome einer Lungenembolie sind abhängig vom Ausmaß des Verschlusses sowie vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Ein kleines Blutgerinnsel kann auch vollkommen symptomfrei auftreten, oft treten die Symptome allerdings recht plötzlich auf. Unter anderem kann es dabei zu Kurzatmigkeit mit erhöhter Atemfrequenz und Puls kommen sowie Schmerzen im Brustkorb, Benommenheit oder Ohnmacht.

Welche Ursachen hat eine Lungenembolie?

Eine Lungenembolie wird meist durch ein Blutgerinnsel oder durch Fett verursacht (Fettembolie). In seltenen Fällen durch Gasbläschen, die sich beispielsweise beim Tauchen entwickeln können. Ein Blutgerinnsel entsteht dabei meist in einer Bein- oder Beckenvene, wenn sich der Blutfluss verlangsamt oder stoppt. Das kann zum Beispiel bei längeren Flugreisen passieren oder wenn Du nach einer Verletzung oder einer Operation für längere Zeit in derselben Position bleibst und dich weniger bewegst.
 
Weitere Gründe, weswegen das Blut schneller gerinnt, können bestimmte Erkrankungen sein oder das Vorliegen einer fremden Substanz im Blut, wie zum Beispiel ein intravenöser Katheter.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Lungenembolie?

Es gibt einige Risikofaktoren, die die Entstehung eines Blutgerinnsels und damit einer Lungenembolie erhöhen. Dazu zählt ein höheres Alter, besonders ab 60 Jahren, eine Blutgerinnungsstörung mit erhöhtem Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln, Krebs, ein Venendauerkathether oder Erkrankungen, die zu einer schnelleren Blutgerinnung führen.
 
Auch eine Herzinsuffizienz, Bewegungsmangel sowie Becken-, Hüft- oder Beinverletzungen gelten als Risikofaktoren für eine Lungenembolie. Weitere Risikofaktoren sind das Vorliegen eines nephrotischen Syndroms (eine Nierenerkrankung), größere Operationen, die weniger als drei Monate zurückliegen, Störungen des Knochenmarks, aufgrund derer das Blut zu dick wird, Adipositas, eine Schwangerschaft sowie der Zeitraum nach der Entbindung, frühere Blutgerinnsel, eine Sichelzellanämie oder ein Schlaganfall.
 
Auch wenn Du rauchst, Östrogene oder Östrogenrezeptormodulatoren, wie zum Beispiel Raloxifen oder Tamoxifen, einnimmst oder Dich einer Testosteronbehandlung unterziehst, ist Dein Risiko für eine Lungenembolie erhöht.

Eine Lungenembolie wird unter anderem durch rauchen begünstigt.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Lungenembolie?

Zur Abklärung Deiner Beschwerden stellt Dir Dein Arzt zunächst einige Fragen, um die Anamnese zu erheben und die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie abzuschätzen. Er fragt Dich dabei unter anderem, ob Deine Unterschenkel geschwollen oder gerötet sind, ob Du in den letzten vier Wochen operiert wurdest oder Du längere Zeit bettlägerig oder nur eingeschränkt mobil warst.
 
Des Weiteren möchte er wissen, ob Du an einer Tumorerkrankung leidest oder Dich in den letzten sechs Wochen einer Tumortherapie unterzogen hast. Für den Arzt ist es außerdem wichtig, zu wissen, ob Du bereits einmal an einer tiefen Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie gelitten hast, ob Du Blut abhustet, Du schwanger bist oder Du ein hormonelles Verhütungsmittel wie zum Beispiel die Anti-Baby-Pille nutzt.
 
Im Anschluss an die Erhebung der Krankengeschichte erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei hört der Arzt zum Beispiel das Herz und die Lunge ab, außerdem misst er Deinen Blutdruck. Daran schließen sich Blutuntersuchungen an, die sehr hilfreich bei der Diagnose einer Lungenembolie sein können.
 
Während der Körper versucht, die Blutgerinnsel wieder aufzulösen, entstehen sogenannte D-Dimere, Spaltprodukte des Fasereiweißes Fibrin. Diese können jedoch auch nach Operationen oder exzessiven Sport entstehen. Wenn der Arzt also bei Dir keine D-Dimere im Blut nachweisen kann, ist eine Lungenembolie mit hoher Sicherheit ausgeschlossen. Sind sie erhöht, erhärtet sich der Verdacht einer Lungenembolie.
 
Weitere Blutwerte, die bei positivem Befund erhöht sind, sind Troponin und Brain Natriuretic Peptide (BNP). Auch überprüft der Arzt den Sauerstoff- und Kohlenstoffgehalt im Blut. Bei einer elektrokardiographischen Untersuchung (EKG) kann er eine mögliche Überlastung des Herzmuskels erkennen. Durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens erkennt der Arzt, ob Deine Herzfunktion infolge einer Lungenembolie eingeschränkt ist. Dazu beobachtet er die Herzhöhlen, die Herzklappen und den Blutfluss.
 
Auch die Computertomographie eignet sich sehr gut, um eine Lungenembolie sichtbar zu machen, und ist aktuell das schnellste Verfahren. Es kommt zusammen mit EKG und Blutuntersuchung standardmäßig bei der Diagnostik der Lungenembolie vor. Hierfür wird vor der Untersuchung ein Kontrastmittel in eine Armvene gespritzt. Auf dem CT-Bild kann der Radiologe dann den Verlauf der Lungengefäße verfolgen und Thromben identifizieren.
 
In manchen Fällen führen Ärzte auch eine Szintigraphie der Lunge durch. Bei dieser nuklearmedizinischen Untersuchung atmet der Patient eine radioaktiv markierte Substanz ein. Auf den angefertigten Bildern erkennt der Arzt dann, wie gut die einzelnen Lungenareale durchblutet und belüftet sind. Diese Methode eignet sich besonders bei sehr kleinen Gerinnseln, die im CT nicht sichtbar sind.

Eine Lungenembolie äußert sich unter anderem durch Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust.

Welche Behandlungs- und Therapieformen gibt es?

Die Behandlung einer Lungenembolie beginnt zunächst symptomatisch. Das bedeutet, dass Dir der Arzt Sauerstoff zuführt, falls Dein Sauerstoffspiegel im Blut zu niedrig ist, oder Du Schmerzmittel bekommst. Bei niedrigem Blutdruck bekommst Du intravenös Flüssigkeit verabreicht, manchmal auch zusätzlich noch blutdrucksteigernde Medikamente.
 
Wenn Du Atemprobleme bekommst, kann es notwendig werden, dass Du künstlich beatmet wirst. Im Anschluss daran bekommst Du ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung. Dies wird in der Medizin Antikoagulation genannt. Mögliche Medikamente sind Heparin, Fondaparinux, neuere Antikoagulanzien wie Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran oder Warfarin.
 
Wenn die Gefahr besteht, dass Patienten an der Lungenembolie sterben, leiten die Ärzte eine thrombolytische Behandlung ein. Die Medikamente lösen Blutgerinnsel allmählich auf, können allerdings auch zu gefährlichen oder sogar tödlichen Blutungen führen.
 
Neben den medikamentösen Therapien gibt es auch physikalische Therapien, die bei Patienten eingesetzt werden, die sich aufgrund der Lungenembolie in Lebensgefahr befinden. Die Ärzte versuchen dabei, das Blutgerinnsel mithilfe eines Katheters aufzubrechen, welchen sie in die Pulmonalarterie einführen.
 
In manchen Fällen kann es nötig sein, das Blutgerinnsel operativ zu entfernen. Auch Blutgerinnsel, die sich bereits längere Zeit in einer Pulmonalarterie befinden und daher anhaltende Kurzatmigkeit und pulmonale Hypertonie verursachen, entfernt Dein Arzt operativ.
 
Es ist möglich, während der Operation einen Filter in die Hauptvene des Bauchraums einzusetzen, welche das Blut aus den Beinen und dem Becken zur rechten Herzkammer zurückführt. Diesen Filter bringt Dein Arzt an, wenn Du trotz einer Behandlung mit Gerinnungshemmern immer wieder Embolien bekommst oder keine Antikoagulanzien verträgst.

Welche Komplikationen können bei einer Lungenembolie auftreten?

Prinzipiell sind die Folgen einer Lungenembolie umso schwerer, desto größer das verstopfte Blutgefäß ist. Wichtig ist auch, dass sich manche Komplikationen recht schnell nach einer Embolie entwickeln, andere entwickeln sich hingegen erst nach Tagen oder Wochen.
 
Eine Lungenfellentzündung als Komplikation einer Lungenembolie macht sich durch atemabhängige Brustschmerzen bemerkbar. Außerdem ist es möglich, dass Gewebewasser zwischen die beiden Lungenblätter eintritt. Dies nennen Mediziner auch Pleuraerguss und macht sich durch Atemnot und Atemgeräusche bemerkbar.
 
Eine weitere Komplikation ist ein Lungeninfarkt, bei dem es zu Bluthusten kommen kann. Infolge des Lungeninfarkts kann sich außerdem eine Lungenentzündung, eine sogenannte Infarktpneumonie, entwickeln. Sie ruft Symptome wie Husten, Atemnot, Fieber und Schüttelfrost hervor. Durch eine Lungenembolie kann die rechte Seite Deines Herzens geschwächt werden und im schlimmsten Fall zu Rechtsherzversagen führen.
 
Dies kündigt sich häufig durch gestaute, verdickte Halsvenen und Wassereinlagerungen in den Beinen an. Symptome wie abnehmende Leistungsfähigkeit, Atemnot bei leichten Belastungen und Schwindel können auf Bluthochdruck im Lungenkreislauf, eine sogenannte pulmonale Hypertonie, hindeuten.

Eine Lungenembolie kann auch im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft auftreten.

Wie ist die Prognose bei einer Lungenembolie?

Die Gefährlichkeit einer Lungenembolie ist primär abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten. Eine ausgeprägte Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein, da es oft schon innerhalb von zwei Stunden nach Auftreten der Symptome zu akuten Todesfällen kommt. Wenn Du allerdings umgehend einen Arzt verständigst, welcher dann die richtige Behandlung einleitet, lässt sich die Überlebenschance steigern.
 
Leider ist nach einer überstandenen Lungenembolie die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten erhöht. Deswegen ist es wichtig, dass Du das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln senkst. Dazu gehört, dass Du die vom Arzt verordneten gerinnungshemmenden Medikamente so lange wie nötig gewissenhaft einnimmst.

Kann ich einer Lungenembolie vorbeugen?

Um einer Lungenembolie vorzubeugen, solltest Du auf einen aktiven Lebensstil achten und Dich so viel wie möglich bewegen. Bei längeren Flugreisen solltest Du etwa alle zwei Stunden aufstehen und Dich bewegen. Auch Dein Arzt kann Dir helfen, einer Lungenembolie vorzubeugen. Er kann Dir Antikoagulanzien, Maßnahmen zur mechanischen Vorbeugung oder eine Kombination aus beidem verschreiben.
 
Im Rahmen von physikalischen Therapien kommen Systeme mit intermittierender pneumatischer Kompression oder das Tragen von Kompressionsstrümpfen zum Einsatz. Auch Übungen für die Beine sind wichtig, um vorzubeugen. Nach dem Aufstehen solltest Du Dich so bald wie möglich bewegen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Da es sich bei der Lungenembolie um eine Erkrankung handelt, die unbedingt ärztlicher Behandlung bedarf, kommen die Krankenkassen in aller Regel für die Diagnose und die Behandlung der Lungenembolie auf. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls bei allen Fragen zur Seite.


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Behandlungsmethode

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Lungenembolie ist eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und eine der häufigsten Todesursachen in Österreich aber auch in Europa


Es kommt dabei meist zu einem Blutgerinnsel häufig aus dem Bein oder dem Becken, welches in Richtung der Lunge wandert, sich dort festsetzt und Symptome verursacht


Die häufigsten Symptome sind Kurzatmigkeit, Schmerzen im Brustkorb sowie Benommenheit oder Ohnmacht. Sie treten meist sehr plötzlich auf


Vorbeugen kannst Du selbst durch einen aktiven und gesunden Lebensstil, auch Dein Arzt kann Dich bei der Prävention durch die Gabe bestimmter Medikamente oder physikalische Therapien unterstützen

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