Arteriosklerose

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in der westlichen Welt zu den häufigsten Todesursachen überhaupt. Unter den Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankung fallen in erster Linie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Lungeninfarkte, die häufig zum Tod führen. Doch was genau passiert bei einem Herzinfarkt oder einen Schlaganfall eigentlich? Ursache dafür ist eine unterbrochene Blutzufuhr und mangelnde Sauerstoffversorgung eines Organteils, was zu starken Funktionsbeeinträchtigung bis hin zum Funktionsverlust des Organs führt. Eigentlicher Hintergrund einer unterbrochenen Blutzufuhr ist die Arteriosklerose.


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Zuletzt aktualisiert: 6. Mai, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Arteriosklerose?

Bei der Arteriosklerose, umgangssprachlich auch als Gefäßverkalkung bezeichnet, handelt sich um eine Gefäßerkrankung, bei der es durch Einlagerung von Cholesterin und Kalk zur Verhärtung und Versteifung der Gefäßwand kommt.

Bei der Arteriosklerose handelt sich um eine Gefäßerkrankung,verursacht durch Cholesterin und Kalk

Was sind die Ursachen für eine Arteriosklerose?

Bei der Arteriosklerose handelt es sich um einen Prozess, der auf Basis einer Vielzahl an unterschiedlichen Faktoren und Mechanismen geschieht. Zwei Haupttheorien gibt es zur Ursache und Pathogenese der Arteriosklerose, wobei anzunehmen ist, dass eine Mischung aus beiden Mechanismen in Kombination mit weiteren Risikofaktoren verantwortlich sind:

Response-to-injury-Hypothese
Die Hypothese setzt bei der Entstehung arteriosklerotischer Veränderungen eine mikroskopische Verletzung der Gefäßinnenwand voraus, die weitere Prozesse wie Entzündungsreaktionen oder Einwanderung von Fettbestandteilen im Blut in die Gefäßwand auslösen.

Lipoprotein-induced-atherosclerosis-Hypothese
Dieser Theorie geht es weniger um den auslösenden Reiz, als um den genauen Mechanismus, der sich abspielt. Angenommen wird, dass ein Überangebot an LDL (“schlechtes Cholesterin”) im Blut zur chemischen Umwandlung zu sogenannten Schaumzellen führt, die sich in der Gefäßwand festsetzen, Entzündungsreaktionen auslösen und zu immer größeren Netzwerken wachsen. Diese Ansammlungen werden “Plaques” genannt und engen das Gefäßlumen zunehmend ein.

Wie sehen die Symptome einer Arteriosklerose aus?

Das Tückische an einer Arteriosklerose ist, dass sie per se keine Symptome verursacht. Schon bei noch jungen Personen sind häufig arteriosklerotische Veränderungen an den Gefäßwänden nachweisbar, ohne dass Beschwerden bestehen. Problematisch wird die Erkrankung erst, wenn ein akutes Ereignis (beispielsweise ein Herzinfarkt) eintritt. Im Grunde können dabei zwei Szenarien unterschieden werden, die aus einer Arteriosklerose resultieren. Zum einen gibt es eine chronische Form, bei der es langsam und stetig zur Abnahme des Gefäßdurchmessers kommt, wodurch vor allem bei Belastung das Organ oder der Muskel nicht mehr zur Genüge versorgt werden kann. Beispiel dafür ist die sogenannte “Schaufensterkrankheit” (Claudicatio intermittens), bei der durch eine Verengung der Beinarterien die Sauerstoffversorgung der Muskulatur zunehmend abnimmt, was häufig schon nach einer kurzen Gehstrecke mit Schmerzen verbunden ist.

Die Arteriosklerose verläuft langsam, meist kommt es über mehrere Jahrzehnte hinweg zu einer stetigen Zunahme der Ablagerungen und Einengungen der Gefäße von innen

Zum anderen kann eine eher akute Form unterschieden werden, die unabhängig von körperlicher Anstrengung und erhöhtem Sauerstoffbedarf auftritt. Dabei kommt es durch die plötzliche Ruptur oder durch eine Ablösung eines Plaqueteils zum akuten und vollständigen Verschluss eines Gefäßes. Dies passiert beispielsweise beim Herzinfarkt oder beim Schlaganfall, wodurch je nach Muskel- oder Gewebeanteil, der von der betroffenen Arterie versorgt wird, abstirbt, was nicht nur mit massiven Schmerzen und lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden ist, sondern auch nachhaltige Einschränkungen weiter bestehen können.

Wie ist der Verlauf einer Arteriosklerose?

Die Arteriosklerose verläuft langsam, meist kommt es über mehrere Jahrzehnte hinweg zu einer stetigen Zunahme der Ablagerungen und Einengungen der Gefäße von innen. Theoretisch kann jede Arterie im Körper betroffen sein, häufig beziehungsweise auch besonders problematisch sind Veränderungen der Herzkranzgefäße, der Hirngefäße, der Beingefäße oder der Nierengefäße. Ob es im Rahmen arteriosklerotischer Verengungen zu einem akuten Ereignis kommt, ist allerdings immer auch von anderen Faktoren wie der Elastizität der Gefäßwand oder der „Dicke“ des Blutes abhängig.

Wie lässt sich eine Arteriosklerose diagnostizieren?

Durch verschiedene bildgebende Methoden (Ultraschall, Angiografie, CT) können die erwähnten Plaques dargestellt werden. Auch labordiagnostische Blutuntersuchungen sind hinweisend für Veränderungen, beispielsweise durch hohe Cholesterinwerte im Blut. Ist eine Arteriosklerose bereits nachgewiesen, interessiert den Arzt, wie sehr diese symptomatisch ist, beziehungsweise das Risiko birgt, ein akutes Ereignis auszulösen. Sind beispielsweise gefäßeinengende Plaques an den Herzkranzgefäßen, also jenen Gefäßen, die den Herzmuskel selbst mit Blut und Sauerstoff versorgen, bekannt, wird ein Belastungs-EKG durchgeführt, um einzuschätzen, ob das Herz auch unter Anstrengung und erhöhtem Sauerstoffbedarf leistungsfähig genug ist.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Folgende Risikofaktoren gelten als gesichert:

  • Alter
  • Geschlecht (Männer > Frauen)
  • genetische Veranlagung
  • Bluthochdruck
  • Nikotinkonsum
  • Bewegungsmangel
  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • hohe Blutfettwerte
  • fettreiche Ernährung
  • Stress

Die Folgen können sehr unterschiedlich sein, variieren je nach Fortschritt der Erkrankung und Gefäßverengung und enden im schlimmsten Fall tödlich

Welche Folgen hat eine Arteriosklerose für den Betroffenen?

Die Folgen können sehr unterschiedlich sein, variieren je nach Fortschritt der Erkrankung und Gefäßverengung und enden im schlimmsten Fall tödlich. Gefäßverschlüsse im Herzen, im Gehirn oder in der Lunge resultieren in meist ausgeprägten Funktionsverlusten, die, auch wenn sie überlebt werden, häufig schwere Folgeschäden mit sich bringen. (Herzinfarkt: Leistungsminderung, Lungeninfarkt: rasche Ermüdung, Atemnot bis hin zur notwendigen Lungentransplantation, Schlaganfall: Halbseitenlähmungen, Sprechstörungen, Schluckstörungen,…)

Wie lässt sich eine Arteriosklerose behandeln?

Wichtig ist ein frühzeitiges Eingreifen in die Gefäßveränderungen, noch bevor es zu Folgeerscheinungen oder akuten Ereignissen kommt. Meist ist dies mit einer fundamentalen Umstellung des Lebensstils verbunden – tägliche Bewegung, Sport, gesunde, fettreduzierte Ernährung, ausreichend Schlaf und genügend Flüssigkeitszufuhr werden in erster Linie empfohlen. Risikofaktoren wie Nikotin, Alkohol oder Übergewicht müssen vermieden werden.

Medikamentös können weitere Risiken behandelt werden. Ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie) kann mit Blutdrucksenkern therapiert werden und hohe Cholesterinwerte mit Lipidsenkern. Hat bereits ein akutes Ereignis eines Gefäßverschlusses stattgefunden werden Blutgerinnungshemmer verabreicht, wodurch die Fließeigenschaften des Blutes zugunsten der verengten Gefäße verändert werden. Schwere arteriosklerotische Verengungen müssen chirurgisch behandelt werden

Bypass-Operation
Es erfolgt eine Überbrückung des verengten/verschlossenen Gefäßabschnitts durch ein anderes Gefäß, wobei hier entweder eine Arterie oder eine Beinvene genutzt werden kann.

Stent/Ballonerweiterung
Diese Methode kann eleganterweise ohne tatsächliche chirurgische Eröffnung des Bereichs durchgeführt werden, stattdessen führt der Arzt einen Katheter über eine große Bein-/Armarterie ein und schiebt diesen bis an die betroffene Stelle vor. An der Spitze des Katheders sitzt ein metallisches, röhrenartiges Netz, das sich, sobald richtig positioniert, wie ein Ballon ausdehnt, das Gefäß stützt und offen hält.

Wie kann ich eine Arteriosklerose vorbeugen?

Eine Vorbeugung ist in jedem Fall möglich und entspricht der Vermeidung von genannten Risikofaktoren. Ein gesunder Lebensstil, Bewegung, Vermeidung von Übergewicht und der Verzicht auf Zigaretten- und Alkoholkonsum reduzieren das Risiko signifikant.

Eine ungesunde Ernährungsweise kann zur Erkrankung der Gefäße führen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja! Sowohl medikamentöse Maßnahmen als auch chirurgische Methoden werden von der Krankenkasse – sobald vom behandelnden Arzt empfohlen – übernommen.

 


Dauer Dauer

Bis zu 4 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 2 Monate

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 14 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Arteriosklerose, umgangssprachlich auch Gefäßverkalkung genannt, handelt es sich um eine langsam fortschreitende und potenziell tödliche Gefäßerkrankung


Die Erkrankung führt zu einer langsam zunehmenden Einengung des Gefäßinnenraums und bleibt dabei lange symptomlos. Erst wenn es zu einem kompletten Verschluss des Gefäßes kommt, wird die Arteriosklerose symptomatisch, denn ohne Blutversorgung stirbt der versorgte Bereich ab, was mit erheblichen Schmerzen und Funktionseinschränkungen verbunden sein kann. Ein solches akutes Ereignis ist beispielsweise der Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungeninfarkt.


Die Behandlung erfolgt entweder medikamentös (Blutdrucksenker, Blutfettsenker, Gerinnungshemmer,...) oder invasiv/chirurgisch mittels Stentimplantation oder Bypass-Operation


Arteriosklerotische Gefäßveränderungen stehen vorwiegend mit beeinflussbaren Faktoren wie Ernährung, Bewegungsmangel, Tabakkonsum, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus in Zusammenhang und können daher durch adäquate Vorbeugung reduziert werden

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