Urolithin A hat in der Longevity-Forschung, die sich mit gesundem Altern beschäftigt, zunehmend Aufmerksamkeit erhalten. Der Stoff soll den Abbau beschädigter Zellbestandteile unterstützen und dadurch möglicherweise altersbedingte Veränderungen der Muskelfunktion beeinflussen. Diese Annahme beruht vor allem auf experimentellen Untersuchungen, deren Ergebnisse sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen lassen.
Mittlerweile liegen mehrere kontrollierte Studien am Menschen vor, die Hinweise auf Veränderungen der Muskelausdauer und bestimmter Stoffwechselmarker liefern. Allerdings sind die Untersuchungen überwiegend klein, und ein langfristiger gesundheitlicher Nutzen ist bisher nicht nachgewiesen. Zudem entsteht Urolithin A nicht direkt in Pflanzen, sondern wird von bestimmten Darmbakterien aus pflanzlichen Vorstufen gebildet. Hier erfährst Du, wie dieser Vorgang funktioniert, was die Forschung tatsächlich zeigt und welche rechtlichen Vorgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten.
Das Wichtigste in Kürze
Urolithin A ist ein Stoffwechselprodukt, das bestimmte Darmbakterien aus pflanzlichen Inhaltsstoffen bilden. Diese Vorstufen kommen unter anderem in Granatäpfeln, Walnüssen und Beeren vor.
Urolithin A kann in Zell- und Tierstudien die Mitophagie fördern, also den Abbau beschädigter Mitochondrien. Ob dieser Mechanismus beim Menschen zu gesundheitlichen Vorteilen führt, ist noch nicht ausreichend geklärt.
Studien am Menschen zeigen einzelne positive Ergebnisse zur Muskelausdauer und zu biologischen Markern. Ein zuverlässiger Nutzen für Muskelkraft, Lebenserwartung oder Krankheitsverläufe ist bislang nicht nachgewiesen.
Urolithin A gilt in der EU und der Schweiz als neuartiges Lebensmittel und unterliegt besonderen Zulassungsanforderungen. Eine allgemeine Verkehrsfähigkeit als Nahrungsergänzungsmittel lässt sich daraus nicht ableiten.
Was ist Urolithin A?
Urolithin A ist ein sogenannter Metabolit, also ein Stoffwechselprodukt, das beim Abbau anderer Stoffe entsteht. Seine Ausgangsstoffe sind Ellagtannine und Ellagsäure, die zu den pflanzlichen Polyphenolen gehören. Polyphenole sind natürliche Pflanzenstoffe, die unter anderem in Granatäpfeln, Walnüssen, Pekannüssen, Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren vorkommen. Ellagtannine finden sich außerdem in Eichenholz und können deshalb auch in Getränken enthalten sein, die in Eichenfässern gereift sind.
Die pflanzlichen Vorstufen werden im Verdauungstrakt teilweise aufgespalten und gelangen zum Teil in den Dickdarm. Dort wandeln bestimmte Darmbakterien sie über mehrere Zwischenschritte in verschiedene Urolithine um, darunter Urolithin A. Dieses kleinere Molekül kann über die Darmschleimhaut aufgenommen und anschließend im Blut nachgewiesen werden.
Bei den genannten Lebensmitteln werden somit hauptsächlich die Vorstufen von Urolithin A aufgenommen. Ob daraus tatsächlich größere Mengen des Stoffwechselprodukts entstehen, hängt wesentlich von der Zusammensetzung der Darmflora ab. Nicht jeder Mensch verfügt über die dafür erforderlichen Darmbakterien.
Warum bildet nicht jeder Mensch Urolithin A?
Die Fähigkeit, Urolithin A zu bilden, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Bestimmte Darmbakterien müssen vorhanden sein, damit die pflanzlichen Ausgangsstoffe vollständig umgewandelt werden können. Untersuchungen zeigen, dass nur ein Teil der Menschen nach dem Verzehr entsprechender Lebensmittel größere Mengen Urolithin A bildet. Häufig wird eine Größenordnung von etwa einem Drittel bis zur Hälfte genannt, wobei die Ergebnisse je nach Bevölkerung und Untersuchungsmethode schwanken.
Welche Stoffwechseltypen gibt es?
In der Forschung werden unterschiedliche Urolithin-Stoffwechseltypen beschrieben. Sie unterscheiden sich darin, welche Abbauprodukte die Darmbakterien bilden und in welchen Mengen diese nachweisbar sind.
- Typ A: Der Körper bildet überwiegend Urolithin A.
- Typ B: Neben Urolithin A entstehen weitere Urolithine, insbesondere Urolithin B und Isourolithin A.
- Typ 0: Es werden keine oder kaum Urolithine nachgewiesen.
Diese Einteilung hängt mit der individuellen Zusammensetzung des Darmmikrobioms zusammen. Ernährung, Alter und die Einnahme von Antibiotika können die Darmflora verändern, wobei noch nicht ausreichend geklärt ist, wie dauerhaft sich dadurch der Stoffwechseltyp beeinflussen lässt. Für Ernährungsstudien ist diese Unterscheidung wichtig, weil dieselbe Menge Granatapfel oder Walnüsse bei verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.
Deshalb wird in klinischen Studien auch untersucht, wie der Körper auf direkt zugeführtes Urolithin A reagiert. Auf diese Weise lässt sich die unterschiedliche Umwandlungsfähigkeit der Darmbakterien umgehen. Ob Menschen mit geringer körpereigener Bildung davon stärker profitieren, ist bisher nicht ausreichend untersucht.
Was bedeutet Mitophagie und wie wirkt Urolithin A darauf?
Mitochondrien sind kleine Bestandteile unserer Zellen, die einen großen Teil der benötigten Energie bereitstellen. Sie werden deshalb häufig als Kraftwerke der Zellen bezeichnet und kommen besonders zahlreich in energieintensiven Geweben wie Muskeln, Herz, Gehirn und Leber vor. Während der Energiegewinnung können unter anderem reaktive Sauerstoffverbindungen entstehen, die bei einem Überschuss Zellbestandteile schädigen.
Wie funktioniert die Mitophagie?
Der Körper verfügt über Mechanismen, um beschädigte Zellbestandteile abzubauen und wiederzuverwerten. Dieser Vorgang wird als Autophagie bezeichnet. Werden gezielt beschädigte Mitochondrien abgebaut, spricht man von Mitophagie. Sie gehört zur natürlichen Qualitätskontrolle der Zellen und unterstützt die Erhaltung funktionsfähiger Mitochondrien.
Mit zunehmendem Alter können Veränderungen der mitochondrialen Qualitätskontrolle auftreten. In experimentellen Untersuchungen wurden unter anderem eine verminderte Funktion der Mitochondrien und eine erhöhte Belastung durch reaktive Sauerstoffverbindungen beobachtet. Diese Belastung wird als oxidativer Stress bezeichnet und kann Zellbestandteile schädigen. Wie stark die Mitophagie beim Menschen im Alter nachlässt, lässt sich jedoch nicht für alle Gewebe gleichermaßen beurteilen.
Was zeigen Zell- und Tierstudien?
In Zellkulturen und Tiermodellen konnte Urolithin A verschiedene Vorgänge der Mitophagie beeinflussen. Untersuchungen an Fadenwürmern und Nagetieren zeigten außerdem Veränderungen der mitochondrialen Funktion und teilweise Verbesserungen der Muskelleistung. Bei Fadenwürmern wurde in bestimmten Versuchen sogar eine verlängerte Lebensspanne beobachtet.
Diese Ergebnisse machen Urolithin A für die Altersforschung interessant. Allerdings unterscheiden sich der Stoffwechsel und die Alterungsprozesse von Modellorganismen erheblich von denen des Menschen. Deshalb lässt sich aus diesen Untersuchungen weder eine Lebensverlängerung noch eine Verbesserung der Gesundheit beim Menschen ableiten.
Was zeigen Studien zur Wirkung von Urolithin A auf die Muskeln?
Die bisherigen klinischen Studien untersuchten vor allem die Sicherheit, die Aufnahme und mögliche Auswirkungen auf die Muskelfunktion. Eine frühe Untersuchung an älteren, wenig aktiven Erwachsenen zeigte, dass Urolithin A kurzfristig überwiegend gut vertragen wurde. Gleichzeitig veränderten sich bestimmte biologische Marker, die mit dem Mitochondrienstoffwechsel zusammenhängen. Eindeutige Verbesserungen der körperlichen Leistungsfähigkeit ließen sich in diesem kurzen Zeitraum jedoch nicht nachweisen.
Welche Ergebnisse gibt es zur Muskelausdauer?
In einer weiteren Studie mit älteren Erwachsenen wurde Urolithin A über vier Monate untersucht. Dabei zeigten sich bei bestimmten standardisierten Belastungstests Verbesserungen der Muskelausdauer, also der Fähigkeit, eine Muskelbelastung wiederholt oder über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Auch einzelne Entzündungsmarker im Blut veränderten sich.
Bei anderen Messgrößen waren die Ergebnisse weniger eindeutig. Die maximale Muskelkraft und die in sechs Minuten zurückgelegte Gehstrecke verbesserten sich nicht durchgehend stärker als in der Vergleichsgruppe. Eine Untersuchung an Erwachsenen mittleren Alters berichtete ebenfalls über positive Veränderungen einzelner Ausdauer- und Kraftwerte sowie bestimmter Blutmarker, allerdings nicht bei allen untersuchten Endpunkten.
Wie zuverlässig sind die Studienergebnisse?
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2026 untersuchte fünf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 236 Teilnehmenden. Bei solchen Studien werden die Teilnehmenden zufällig einer Behandlungs- oder Vergleichsgruppe zugeteilt, um die Ergebnisse möglichst zuverlässig beurteilen zu können. Für die Gehstrecke innerhalb von sechs Minuten zeigte sich insgesamt kein statistisch gesicherter Vorteil durch Urolithin A.
Auch die Ergebnisse zu Muskelkraft, Muskelausdauer und biologischen Markern unterschieden sich zwischen den Untersuchungen. Einzelne Studien liefern positive Hinweise, ein verlässlicher klinischer Nutzen für die Muskelfunktion ist damit jedoch noch nicht belegt. Die bisherigen Untersuchungen dauerten überwiegend einige Wochen bis vier Monate und umfassten meist wenige Dutzend bis gut 100 Personen.
Hinzu kommt, dass ein erheblicher Teil der Studien vom Entwickler des untersuchten Stoffes finanziert oder mitverfasst wurde. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Ergebnisse falsch sind. Für eine zuverlässige Bewertung sind jedoch größere, längerfristige und unabhängig durchgeführte Studien notwendig.
Welche Wirkung könnte Urolithin A auf das Immunsystem haben?
Auch die Auswirkungen von Urolithin A auf das Immunsystem werden untersucht. Immunzellen benötigen funktionierende Mitochondrien, um ausreichend Energie für ihre Aufgaben bereitzustellen. Besonders T-Zellen, die zur gezielten Abwehr von Krankheitserregern beitragen, stehen dabei im Mittelpunkt der Forschung.
Frühere Untersuchungen an Zellkulturen und Tieren deuteten darauf hin, dass Urolithin A bestimmte altersbedingte Veränderungen von Immunzellen beeinflussen könnte. In einer 2025 veröffentlichten randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 50 gesunden Erwachsenen wurden nach vier Wochen Veränderungen bestimmter T-Zell-Gruppen und ihres Energiestoffwechsels beobachtet. Placebokontrolliert bedeutet, dass eine Vergleichsgruppe ein Präparat ohne den untersuchten Wirkstoff erhielt.
Die Ergebnisse liefern Hinweise auf biologische Veränderungen im Immunsystem. Sie beweisen jedoch nicht, dass Urolithin A die Immunabwehr im Alltag verbessert. Ob dadurch beispielsweise Infektionen seltener auftreten oder Impfungen besser wirken, wurde bisher nicht ausreichend untersucht.
Ähnliches gilt für mögliche entzündungshemmende Eigenschaften. Veränderungen von Entzündungsmarkern im Blut können interessante Hinweise liefern, sind aber kein Nachweis für eine Verbesserung bestehender Erkrankungen. Ein gesundheitlicher Nutzen muss in weiteren klinischen Studien mit entsprechenden Untersuchungszielen bestätigt werden.
Was ist über Urolithin A für Gehirn, Herz und Gelenke bekannt?
Neben der Muskelfunktion untersuchen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mögliche Auswirkungen von Urolithin A auf weitere Organe. Die bisherige Forschung umfasst vor allem Zellversuche und Tierstudien. Aussagekräftige klinische Ergebnisse, aus denen sich konkrete gesundheitliche Empfehlungen ableiten lassen, fehlen in diesen Bereichen weitgehend.
Gehirn und Nervensystem
In bestimmten Tiermodellen wurden nach der Gabe von Urolithin A Veränderungen von Eiweißablagerungen im Gehirn beobachtet. Teilweise verbesserten sich auch die Leistungen der Tiere in Gedächtnistests. Diskutiert werden mögliche Auswirkungen auf Nervenzellen, Mitochondrien und entzündliche Vorgänge im Gehirn.
Für Menschen mit Gedächtnisstörungen oder anderen neurologischen Erkrankungen fehlen jedoch ausreichende klinische Untersuchungen. Eine schützende Wirkung auf das menschliche Gehirn ist deshalb nicht nachgewiesen. Auch eine Empfehlung zur Vorbeugung von Demenzerkrankungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Herz-Kreislauf-System und Gelenke
Zum Herz-Kreislauf-System gibt es kleinere Untersuchungen, die unter anderem Veränderungen der Gefäßfunktion und des Blutdrucks betrachten. Daneben werden mögliche Zusammenhänge mit Veränderungen des Darmmikrobioms untersucht. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und reichen nicht aus, um einen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu belegen.
Für Gelenke und Knorpel liegen ebenfalls hauptsächlich experimentelle Untersuchungen vor. Einzelne Ergebnisse deuten auf mögliche Veränderungen entzündlicher Prozesse hin, ohne einen klinischen Nutzen nachzuweisen. Insgesamt befindet sich die Forschung außerhalb der Muskelfunktion noch in einem frühen Stadium.
Wie sicher ist Urolithin A?
In den bisherigen klinischen Untersuchungen wurde Urolithin A überwiegend gut vertragen. Berichtete Nebenwirkungen waren meist leicht und betrafen unter anderem den Verdauungstrakt. Auch toxikologische Untersuchungen lieferten unter den geprüften Bedingungen keine Hinweise auf schwerwiegende Sicherheitsprobleme bei den untersuchten Mengen.
Diese Ergebnisse gelten allerdings nur für die bisher untersuchten Gruppen und Zeiträume. Die meisten Studien dauerten wenige Wochen bis vier Monate und umfassten vergleichsweise wenige Teilnehmende. Über die Sicherheit einer regelmäßigen Einnahme über mehrere Jahre liegen keine ausreichenden Daten vor.
Auch für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende fehlen ausreichende Sicherheitsdaten. Unklar ist außerdem, ob bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten Wechselwirkungen auftreten können. Wenn Du dauerhaft Medikamente einnimmst, chronisch erkrankt bist oder eine Operation bevorsteht, solltest Du die Verwendung entsprechender Präparate vorher mit Ärzten und Ärztinnen besprechen.
Eine kurzfristig gute Verträglichkeit bedeutet nicht automatisch, dass ein Stoff langfristig unbedenklich ist. Ebenso wenig lässt sich aus einem biologisch plausiblen Wirkmechanismus ein gesundheitlicher Nutzen ableiten. Für beide Fragen sind weitere unabhängige klinische Untersuchungen notwendig.
Ist Urolithin A in der EU und der Schweiz zugelassen?
Urolithin A wird in der Europäischen Union als neuartiges Lebensmittel, auch Novel Food genannt, eingeordnet. Darunter fallen Lebensmittel und bestimmte Stoffe, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden. Für solche Stoffe gelten besondere Anforderungen an die Sicherheitsbewertung und die Zulassung.
Welche Regeln gelten in der Europäischen Union?
Neuartige Lebensmittel dürfen in der EU grundsätzlich erst nach einer entsprechenden Zulassung in Verkehr gebracht werden. Dafür wird geprüft, ob der Stoff unter den vorgesehenen Verwendungsbedingungen gesundheitlich unbedenklich ist. Zugelassene Stoffe werden anschließend in die offizielle Unionsliste aufgenommen.
Für eine synthetisch hergestellte, hochreine Form von Urolithin A wurde ein Zulassungsverfahren eingeleitet. Eine entsprechende Zulassung konnte Stand Oktober 2026 anhand der offiziellen Unionsliste nicht bestätigt werden. Deshalb lässt sich derzeit keine allgemeine Verkehrsfähigkeit von Urolithin-A-Präparaten in der EU voraussetzen.
Eine mögliche Zulassung könnte bestimmte Lebensmittelkategorien, Verwendungsmengen, Zielgruppen und Kennzeichnungsvorgaben festlegen. Diese Bedingungen wären erst mit dem entsprechenden Rechtsakt verbindlich. Unter bestimmten Voraussetzungen können außerdem eingereichte wissenschaftliche Daten für einen begrenzten Zeitraum geschützt werden, sodass andere Antragsteller sie nicht ohne Weiteres nutzen dürfen.
Welche Rechtslage gilt in der Schweiz?
Die Schweiz verfügt über eigene Vorschriften für neuartige Lebensmittel. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat Urolithin A als neuartiges Lebensmittel eingeordnet. Eine entsprechende Verwendung kann deshalb einer Bewilligung unterliegen, wobei unter bestimmten Voraussetzungen auch EU-Zulassungen berücksichtigt werden.
Eine eigenständige Schweizer Bewilligung konnte Stand Oktober 2026 nicht bestätigt werden. Deshalb sollte bei entsprechenden Produkten nicht allein aufgrund ihrer Verfügbarkeit von einer rechtmäßigen Vermarktung ausgegangen werden. Maßgeblich sind die jeweils geltenden behördlichen Vorgaben und Bewilligungen.
Welche Werbeaussagen sind erlaubt?
Eine lebensmittelrechtliche Zulassung wäre kein Nachweis dafür, dass Urolithin A Krankheiten vorbeugt oder behandelt. Für gesundheitsbezogene Aussagen gelten in der EU zusätzliche Vorschriften, insbesondere die Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. Für Urolithin A ist bislang keine entsprechende gesundheitsbezogene Angabe nach europäischem Recht zugelassen.
Werbeaussagen, die eine Behandlung oder Heilung von Krankheiten durch gewöhnliche Lebensmittel versprechen, sind grundsätzlich unzulässig. Dazu gehören beispielsweise unbelegte Versprechen gegen altersbedingten Muskelschwund oder bestimmte Alterserkrankungen. Auch in der Schweiz gelten vergleichbare Beschränkungen für krankheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel.
Wie verarbeitet der Körper Urolithin A?
Nach der Aufnahme über die Darmschleimhaut wird Urolithin A vor allem in der Darmwand und Leber weiterverarbeitet. Dabei wird es mit Glucuronsäure oder Sulfatgruppen verbunden, wodurch sogenannte Stoffwechselverbindungen entstehen. Im Blut liegt Urolithin A deshalb überwiegend in diesen umgewandelten Formen vor, während die ursprüngliche freie Form meist nur in geringen Mengen nachweisbar ist.
Diese Unterscheidung ist für die wissenschaftliche Bewertung wichtig. In Zellversuchen wird häufig freies Urolithin A verwendet, während im menschlichen Blut überwiegend umgewandelte Verbindungen zirkulieren. Deshalb lassen sich die verwendeten Konzentrationen und beobachteten Wirkungen nicht unmittelbar vergleichen.
Forschende untersuchen außerdem, ob die umgewandelten Verbindungen in bestimmten Geweben wieder in freies Urolithin A gespalten werden können. Besonders an Stellen mit erhöhter Entzündungsaktivität wird ein solcher Vorgang diskutiert. Wie häufig dies beim Menschen geschieht und welche Auswirkungen daraus entstehen, ist bislang nicht ausreichend geklärt.
Wie wird Urolithin A ausgeschieden?
Die Stoffwechselprodukte werden zu einem großen Teil über den Urin ausgeschieden, während andere über die Galle erneut in den Darm gelangen können. Wie viel Urolithin A im Blut nachweisbar ist, unterscheidet sich zwischen einzelnen Menschen deutlich. Neben der Darmflora können auch Unterschiede bei Aufnahme und Stoffwechsel dazu beitragen.
Einige Untersuchungen zur Aufnahme und Verfügbarkeit von Urolithin A berücksichtigen außerdem den Einfluss der Nahrungsaufnahme. Die Ergebnisse gelten jedoch nicht automatisch für jede untersuchte Zubereitung und erlauben keine allgemeine Einnahmeempfehlung. Solche Unterschiede erschweren den Vergleich kleiner klinischer Studien zusätzlich.
Was unterscheidet Urolithin A von anderen Longevity-Wirkstoffen?
In der Longevity-Forschung werden verschiedene Stoffe untersucht, die unterschiedliche Vorgänge innerhalb der Zellen beeinflussen könnten. Urolithin A wird vor allem im Zusammenhang mit der Mitophagie erforscht, also dem gezielten Abbau beschädigter Mitochondrien. Andere Substanzen werden beispielsweise mit der allgemeinen Zellreinigung oder dem Energiestoffwechsel in Verbindung gebracht.
Welche anderen Stoffe werden untersucht?
- Spermidin: Dieser natürliche Stoff wird mit der Autophagie in Verbindung gebracht, bei der beschädigte Zellbestandteile abgebaut und wiederverwertet werden.
- NMN und Nicotinamid-Ribosid: Beide Stoffe sind Vorstufen von NAD+, einem Coenzym, das an zahlreichen Vorgängen des Energiestoffwechsels beteiligt ist.
- Resveratrol: Dieser pflanzliche Stoff wurde unter anderem wegen möglicher Auswirkungen auf bestimmte Enzyme untersucht. Die frühen Erwartungen aus experimentellen Untersuchungen konnten in Studien am Menschen bislang nicht überzeugend bestätigt werden.
Diese Stoffe haben gemeinsam, dass ihre biologischen Wirkmechanismen zunächst überwiegend in Zellkulturen oder Tiermodellen untersucht wurden. In klinischen Studien am Menschen fallen die Ergebnisse häufig weniger eindeutig aus und betreffen vor allem biologische Zwischenmarker. Daraus lässt sich bislang kein verlässlicher Nutzen für die Lebenserwartung oder die Vorbeugung altersbedingter Erkrankungen ableiten.
Für Urolithin A liegen bereits mehrere kontrollierte Untersuchungen vor, in denen neben Blutwerten auch einzelne Funktionen der Muskulatur gemessen wurden. Das liefert zusätzliche Erkenntnisse, reicht aber nicht für eine allgemeine Anwendungsempfehlung aus. Auch die rechtliche Einordnung unterscheidet sich zwischen den genannten Stoffen, da in der EU teilweise unterschiedliche Zulassungsanforderungen gelten.
Welche Fragen sind bei Urolithin A noch offen?
Die bisherigen Studien liefern interessante Hinweise, lassen aber wesentliche Fragen unbeantwortet. Besonders die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit und die tatsächliche Bedeutung veränderter Laborwerte sind noch nicht ausreichend untersucht. Für eine verlässliche Bewertung sind deshalb weitere klinische Untersuchungen notwendig.
Drei Einschränkungen sind besonders wichtig:
Untersuchte Ergebnisse
Bisher wurden überwiegend Blutmarker, Muskelausdauer und einzelne Leistungstests erfasst. Ob Urolithin A tatsächlich Stürze verhindert, die Selbstständigkeit im Alltag erhält oder Erkrankungen vorbeugt, wurde nicht ausreichend geprüft.
Studiendauer
Die meisten Untersuchungen dauerten wenige Wochen bis vier Monate. Dieser Zeitraum reicht nicht aus, um langfristige Auswirkungen auf Alterungsprozesse oder die Sicherheit über viele Jahre zu beurteilen.
Unabhängigkeit
Ein erheblicher Teil der bisherigen Forschung wurde vom Entwickler des Stoffes finanziert oder mitgestaltet. Deshalb sind unabhängige Untersuchungen zur Bestätigung der Ergebnisse besonders wichtig.
Größere Studien sollten künftig auch Menschen mit bereits eingeschränkter Muskelfunktion untersuchen und alltagsrelevante Veränderungen erfassen. Dabei wäre beispielsweise interessant, ob sich körperliche Leistungsfähigkeit, Sturzhäufigkeit oder Selbstständigkeit langfristig verbessern. Offen ist außerdem, ob Menschen, die selbst wenig Urolithin A bilden, stärker von einer direkten Zufuhr profitieren als Menschen mit entsprechender Darmflora.
Welche Lebensmittel enthalten Vorstufen von Urolithin A?
Urolithin A entsteht im Körper aus pflanzlichen Vorstufen, insbesondere Ellagtanninen und Ellagsäure. Diese Stoffe gehören zur Gruppe der Polyphenole und kommen in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Besonders Granatäpfel, bestimmte Nüsse und Beeren sind dafür bekannt.
Geeignete Lebensmittel sind beispielsweise:
- Granatäpfel und Granatapfelsaft
- Walnüsse und Pekannüsse
- Himbeeren und Brombeeren
- Erdbeeren
Bei Granatäpfeln befinden sich viele Ellagtannine in der Schale und in weiteren Fruchtbestandteilen. Wie viel davon tatsächlich in einem Saft enthalten ist, hängt unter anderem von der Verarbeitung ab. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass ganze Früchte oder Direktsäfte immer höhere Mengen liefern als Säfte aus Konzentrat.
Ob die aufgenommenen Vorstufen anschließend in Urolithin A umgewandelt werden, hängt von der individuellen Darmflora ab. Die dabei entstehenden Mengen lassen sich nicht unmittelbar mit den Mengen vergleichen, die in Studien mit direkt zugeführtem Urolithin A untersucht wurden. Auch ist bislang nicht ausreichend geklärt, ob eine ballaststoffreiche Ernährung die Fähigkeit zur Urolithinbildung gezielt verbessern kann.
Unabhängig von dieser Umwandlung können Beeren und Nüsse zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. Sie liefern unter anderem Ballaststoffe, weitere Polyphenole und teilweise ungesättigte Fettsäuren. Die gesundheitlichen Vorteile entsprechender Ernährungsmuster sind deutlich besser untersucht als eine mögliche Einzelwirkung von Urolithin A.
Wie lässt sich die Mitophagie ohne Nahrungsergänzungsmittel unterstützen?
Mitophagie ist ein natürlicher Vorgang, mit dem Zellen beschädigte Mitochondrien abbauen. Dieser Prozess gehört zur normalen Qualitätskontrolle innerhalb der Zellen und wird durch verschiedene biologische Signale reguliert. Besonders körperliche Aktivität kann Anpassungen des mitochondrialen Stoffwechsels auslösen.
Regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining gehört zu den am besten untersuchten Maßnahmen, um die Muskelfunktion und die mitochondriale Leistungsfähigkeit zu verbessern. Training kann die Neubildung und den Umbau von Mitochondrien anregen und damit die Energieversorgung der Muskulatur unterstützen. Wie stark dabei die Mitophagie selbst beim Menschen aktiviert wird, lässt sich allerdings nicht immer direkt nachweisen.
Welche weiteren Maßnahmen werden untersucht?
Neben Bewegung werden längere Essenspausen und zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme untersucht. Einige Tierstudien und kleinere Untersuchungen am Menschen liefern Hinweise auf mögliche Veränderungen des zellulären Stoffwechsels. Ob diese Maßnahmen die Mitophagie beim Menschen langfristig verbessern, ist jedoch noch nicht ausreichend belegt.
Auch Hitze- und Kältereize werden in diesem Zusammenhang erforscht. Die bisherigen Ergebnisse sind allerdings uneinheitlich, und ein zusätzlicher gesundheitlicher Nutzen über bekannte Lebensstilmaßnahmen hinaus ist nicht gesichert. Wer seine mitochondriale Funktion unterstützen möchte, kann sich daher vor allem an regelmäßigem Ausdauertraining und Krafttraining orientieren.
Woran lassen sich übertriebene Werbeversprechen zu Urolithin A erkennen?
Bei der Bewertung von Urolithin A ist wichtig, zwischen experimentellen Ergebnissen und nachgewiesenen Wirkungen beim Menschen zu unterscheiden. Positive Befunde aus Zellversuchen oder Tierstudien zeigen zunächst nur, dass ein bestimmter biologischer Mechanismus unter den untersuchten Bedingungen beeinflusst werden kann. Sie beweisen nicht, dass sich dadurch die Gesundheit oder Lebenserwartung des Menschen verbessert.
Auch veränderte Blutwerte sind nicht automatisch mit einem gesundheitlichen Vorteil gleichzusetzen. Wenn ein Präparat bestimmte Entzündungsmarker oder Stoffwechselwerte beeinflusst, muss erst untersucht werden, ob daraus tatsächlich weniger Erkrankungen oder eine bessere körperliche Leistungsfähigkeit entstehen. Solche klinischen Nachweise fehlen für Urolithin A bislang weitgehend.
Welche Aussagen sind wissenschaftlich nicht belegt?
Besondere Vorsicht ist bei Werbeaussagen geboten, die eine nachgewiesene Zellverjüngung oder eine Umkehr der Muskelalterung versprechen. Auch Behauptungen zur Verlängerung der menschlichen Lebensdauer sind durch die bisherige Forschung nicht gedeckt. Zudem dürfen gewöhnliche Lebensmittel nicht mit unbelegten gesundheitsbezogenen Angaben oder krankheitsbezogenen Heilungsversprechen beworben werden.
Seriöse Informationen sollten die Anzahl der Studienteilnehmenden, die Untersuchungsdauer und die tatsächlich gemessenen Ergebnisse nennen. Auch die Finanzierung einer Studie ist für die Einordnung relevant. Fehlen diese Angaben, lässt sich die Aussagekraft der beworbenen Wirkung kaum beurteilen.
Wann ist eine ärztliche Beratung zu Urolithin A sinnvoll?
Urolithin A ist kein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung altersbedingter Muskelveränderungen und kein etabliertes diagnostisches Verfahren. Eine reguläre Kostenübernahme für Urolithin-A-Präparate durch die gesetzlichen beziehungsweise obligatorischen Krankenversicherungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht nicht. Nahrungsergänzungsmittel werden grundsätzlich privat bezahlt, soweit keine besondere gesetzliche Regelung greift.
Auch kommerziell angebotene Darmfloraanalysen zur Bestimmung eines Urolithin-Stoffwechseltyps sind normalerweise Selbstzahlerleistungen. Die Verfahren sind für diese Fragestellung nicht ausreichend standardisiert, und aus den Ergebnissen ergibt sich derzeit keine etablierte medizinische Behandlung. Deshalb sind solche Untersuchungen für die routinemäßige Gesundheitsvorsorge nicht zu empfehlen.
Ärztlich abgeklärt werden sollte dagegen ein auffälliger Verlust an Muskelkraft oder Ausdauer. Dahinter können beispielsweise eine Schilddrüsenerkrankung, eine unzureichende Nährstoffversorgung, ein Vitamin-D-Mangel oder Nebenwirkungen von Medikamenten stehen. Auch wenn Du bereits entsprechende Präparate einnimmst und mögliche Wechselwirkungen oder Risiken bei bestehenden Erkrankungen klären möchtest, ist ein Gespräch mit Ärzten und Ärztinnen sinnvoll.
Quellen
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Europäische Kommission: Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470.https://food.ec.europa.eu/food-safety/novel-food/authorisations/union-list-novel-foods_en
Europäische Kommission: Übersicht der Anträge und Meldungen zu neuartigen Lebensmitteln.https://food.ec.europa.eu/food-safety/novel-food/authorisations/summary-applications-and-notifications_en
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Novel Food, Sicherheitsbewertung neuartiger Lebensmittel.https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/novel-food
Europäische Union: Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel.https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2015/2283/oj
Europäische Union: Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel.https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2006/1924/oj
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Schweiz: Bewilligung von neuartigen Lebensmitteln, einschließlich der Einstufung von Urolithin A.https://www.blv.admin.ch/de/bewilligung-neuartige-lebensmittel
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Informationen über neuartige Lebensmittel und deren Verkehrsfähigkeit in Deutschland.https://www.bvl.bund.de/
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln.https://www.bfr.bund.de/
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