Das Wichtigste in Kürze
Photobiomodulation arbeitet mit niedrig dosiertem sichtbarem und nahinfrarotem Licht. Im Gegensatz zu chirurgischen Lasern soll dabei kein Gewebe geschnitten, verödet oder gezielt erhitzt werden. Die stärkste klinische Evidenz gibt es für bestimmte Anwendungen zur Vorbeugung oraler Mukositis während einer Krebstherapie. Für viele andere Einsatzgebiete sind die Studienergebnisse zwar interessant, aber weniger eindeutig.
In der Zahnmedizin gibt es Hinweise auf weniger Beschwerden nach bestimmten oralchirurgischen Eingriffen und auf eine Linderung bei Aphthen. Die Qualität der Evidenz ist jedoch je nach Anwendung unterschiedlich. Bei trockener altersbedingter Makuladegeneration ist die Bewertung deutlich zurückhaltender. Deutsche ophthalmologische Fachgesellschaften empfehlen PBM derzeit nicht als Routinebehandlung, sondern nur im Rahmen klinischer Studien.
Auf einen Blick
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- Anästhesie: keine
Was ist Photobiomodulation?
Licht kann biologische Prozesse beeinflussen. Genau dieses Prinzip nutzt die Photobiomodulation, kurz PBM. Dabei wird Gewebe mit niedrig dosiertem sichtbarem oder nahinfrarotem Licht bestrahlt. Früher wurde das Verfahren häufig als Low-Level-Lasertherapie, LLLT, bezeichnet. Auch Begriffe wie Softlaser oder Low-Level-Light-Therapie sind verbreitet. Photobiomodulation ist heute der umfassendere Begriff, weil nicht nur Laser, sondern auch LEDs als Lichtquelle verwendet werden können.
Mit einer klassischen Rotlichtlampe solltest Du das Verfahren nicht gleichsetzen. Eine herkömmliche Infrarot- oder Rotlichtlampe entfaltet einen großen Teil ihrer Wirkung über Wärme. Bei der Photobiomodulation stehen dagegen nichtthermische Wechselwirkungen zwischen Licht und Gewebe im Vordergrund.
Zum Einsatz kommen häufig Wellenlängen im roten und nahinfraroten Bereich. Die genaue Wellenlänge, Leistung, Energiedosis und Behandlungsdauer hängen von der jeweiligen Anwendung ab. Deshalb ist „Rotlicht“ allein noch keine medizinisch definierte Photobiomodulation.
Wie entstand die Photobiomodulation?
Die Geschichte der Low-Level-Lasertherapie reicht bis in die 1960er-Jahre zurück. Der ungarische Arzt Endre Mester untersuchte damals, ob niedrig dosiertes Laserlicht biologische Wirkungen haben könnte. Bei Versuchen mit Mäusen beobachteten Mester und seine Mitarbeiter ein verstärktes Haarwachstum in bestrahlten Hautarealen. Die entsprechenden Ergebnisse wurden 1968 veröffentlicht. Später untersuchte seine Arbeitsgruppe auch mögliche Auswirkungen auf die Wundheilung. Aus diesen frühen Experimenten entwickelte sich ein Forschungsgebiet, das heute von der Dermatologie und Zahnmedizin bis zur Schmerztherapie und Augenheilkunde reicht.
Wie wirkt Photobiomodulation auf Zellen?
Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Einer der am häufigsten untersuchten Erklärungsansätze betrifft die Mitochondrien, also Strukturen innerhalb der Zellen, die eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung spielen. Dabei steht insbesondere die Cytochrom-c-Oxidase im Fokus. Dieses Enzym ist Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette und kann Licht bestimmter Wellenlängen absorbieren. In experimentellen Untersuchungen wurden nach der Bestrahlung Veränderungen unter anderem bei:
- der Bildung von ATP als zellulärem Energieträger,
- reaktiven Sauerstoffspezies,
- intrazellulärem Calcium und
- verschiedenen Signalwegen der Zelle
beobachtet.
Auch Stickstoffmonoxid und andere Mechanismen werden als mögliche Vermittler der Lichtwirkung untersucht. Wichtig ist die Einordnung: Das häufig verwendete Bild, das Licht „lade die Mitochondrien auf“, ist zu einfach. Zwar gibt es zahlreiche experimentelle Daten zu Veränderungen des Zellstoffwechsels, aber nicht alle Mechanismen sind beim Menschen abschließend geklärt.
Warum sind Wellenlänge und Dosis so wichtig?
Die Wirkung hängt nicht nur davon ab, ob rotes oder nahinfrarotes Licht verwendet wird. Entscheidend sind unter anderem Wellenlänge, Leistung, Energiedichte, Bestrahlungszeit, Abstand zum Gewebe und das behandelte Körperareal. Auch die Eindringtiefe unterscheidet sich. Rotes Licht wird stärker oberflächlich absorbiert, während nahinfrarotes Licht bestimmte Gewebe tiefer erreichen kann. Wie viel Licht tatsächlich am Zielgewebe ankommt, lässt sich aber nicht mit einer einfachen Angabe wie „mehrere Zentimeter“ für alle Anwendungen beschreiben. Genau diese unterschiedlichen Behandlungsparameter sind ein Grund dafür, warum Studien zur Photobiomodulation teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Bei welchen Erkrankungen wird Photobiomodulation eingesetzt?
Photobiomodulation wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen untersucht. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Wirksamkeit für alle diese Anwendungen gleichermaßen belegt ist.
Orale Mukositis während einer Krebstherapie
Eine der am besten untersuchten medizinischen Anwendungen ist die orale Mukositis. Dabei handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung und Schädigung der Mundschleimhaut, die unter bestimmten Chemo- und Strahlentherapien auftreten kann. Die internationalen Fachgesellschaften MASCC und ISOO empfehlen bestimmte PBM-Protokolle zur Vorbeugung oraler Mukositis bei ausgewählten Patientengruppen. Dazu gehören insbesondere Erwachsene, die eine Hochdosistherapie vor einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation erhalten, sowie Patienten mit Bestrahlung oder Radiochemotherapie im Kopf-Hals-Bereich.
Diese Empfehlung bezieht sich auf genau definierte Wellenlängen und Dosierungsprotokolle. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass irgendeine Rotlichtlampe oder beliebige PBM-Dosis eine Mukositis verhindern kann.
Schmerzen und Wundheilung
Auch bei verschiedenen Schmerz- und Wundheilungsproblemen wird PBM untersucht. Studien beschäftigen sich beispielsweise mit muskulären Beschwerden, Arthrose, Sehnenproblemen und Schmerzen nach Operationen. Für einzelne Anwendungen zeigen Metaanalysen positive Effekte, die Studien unterscheiden sich jedoch teilweise erheblich bei Geräten und Dosierung. Eine allgemeine Aussage, dass Photobiomodulation jede Wunde schneller heilen lässt oder Schmerzen zuverlässig reduziert, wäre deshalb zu weitgehend.
Haut und Haarausfall
In der Dermatologie wird rotes und nahinfrarotes Licht unter anderem bei Hautalterung und Haarausfall untersucht. Für die androgenetische Alopezie, also den erblich bedingten Haarausfall, liegen mittlerweile mehrere kontrollierte Studien und Metaanalysen vor, die auf eine Zunahme der Haardichte unter bestimmten Low-Level-Light-Therapie-Protokollen hindeuten.
Auch mögliche Effekte auf Hautstruktur und feine Falten werden untersucht. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf jedes frei verkäufliche Rotlichtgerät übertragen.
Was bringt Photobiomodulation bei altersbedingter Makuladegeneration?
Photobiomodulation wird auch bei der trockenen altersbedingten Makuladegeneration, kurz AMD, untersucht. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Netzhaut, die insbesondere die Makula, also den Bereich des schärfsten Sehens, betrifft. Bei speziellen ophthalmologischen PBM-Systemen werden mehrere definierte Lichtwellenlängen auf das Auge angewendet. Studien untersuchen, ob sich dadurch Netzhautfunktion oder Sehschärfe beeinflussen und strukturelle Veränderungen verlangsamen lassen. Einzelne kontrollierte Studien haben positive Signale gezeigt. Daraus ist allerdings bislang keine allgemein anerkannte Standardtherapie entstanden.
Was sagen deutsche Fachgesellschaften?
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, die Retinologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands haben die aktuelle Studienlage 2025 gemeinsam bewertet. Ihre Einschätzung ist deutlich zurückhaltend: Nach Ansicht der Fachgesellschaften ist die Wirksamkeit der Photobiomodulation bei AMD derzeit nicht ausreichend bewiesen. Sie weisen unter anderem auf methodische Schwächen der vorhandenen Studien, begrenzte Effektgrößen und offene Fragen zur Sicherheit hin. Die Fachgesellschaften geben deshalb aktuell keine Empfehlung für eine routinemäßige Behandlung der AMD mit Photobiomodulation. Sie empfehlen die Anwendung derzeit nur im Rahmen klinischer Studien. Auch Angaben wie „neun Behandlungen über einige Wochen und mehrmals pro Jahr“ sind nicht als allgemeiner medizinischer Standard zu verstehen. Dabei handelt es sich um Protokolle bestimmter Geräte und Studien.
Wenn Dir Photobiomodulation wegen einer trockenen AMD angeboten wird, solltest Du Nutzen, Unsicherheiten und mögliche Alternativen deshalb mit Deinem Augenarzt besprechen.
Wie wird Photobiomodulation in der Zahnmedizin eingesetzt?
Auch in der Zahnmedizin wird Photobiomodulation als ergänzende Behandlung untersucht. Sie ersetzt dabei weder eine notwendige zahnärztliche Therapie noch eine sorgfältige Operationstechnik.
Nach Zahnentfernungen und Operationen
Nach einer Zahnentfernung oder Weisheitszahnoperation kann das Operationsgebiet mit niedrig dosiertem Licht behandelt werden. Eine Metaanalyse mit 33 randomisierten Studien fand Hinweise darauf, dass Photobiomodulation Schmerzen, Schwellung und eine eingeschränkte Mundöffnung nach der Entfernung unterer Weisheitszähne reduzieren kann.
Die Sicherheit dieser Aussage ist allerdings begrenzt. Die Autoren bewerteten die Evidenz je nach Endpunkt nur als niedrig bis sehr niedrig, weil sich die eingesetzten Laserparameter und Studienmethoden stark unterschieden.
Bei Aphthen
Auch bei Aphthen gibt es positive Daten. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2024 fand Hinweise darauf, dass Low-Level-Lasertherapie Schmerzen reduzieren und die Heilungsdauer verkürzen kann. Die Studien arbeiteten jedoch mit unterschiedlichen Geräten und Bestrahlungsprotokollen. PBM kann deshalb als mögliche symptomatische Behandlung angesehen werden, ist aber kein einheitlich standardisiertes Verfahren für Aphthen.
Bei oraler Mukositis
In der zahnmedizinischen Betreuung onkologischer Patienten spielt die Photobiomodulation ebenfalls eine Rolle. Besonders die bereits erwähnte Vorbeugung der oralen Mukositis bei bestimmten Krebstherapien gehört zu den am besten abgesicherten Einsatzbereichen.
Hier gelten allerdings klar definierte Therapieprotokolle. Eine Behandlung sollte deshalb in das onkologische Gesamtkonzept eingebunden sein.
Bei Parodontitis und Periimplantitis
Bei Parodontitis und Periimplantitis werden verschiedene lichtbasierte Verfahren untersucht. Dabei ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Photobiomodulation ist nicht dasselbe wie die antimikrobielle photodynamische Therapie. Bei der photodynamischen Therapie wird zusätzlich ein lichtempfindlicher Farbstoff verwendet, der nach Aktivierung antimikrobiell wirken soll.
Für eine reine Photobiomodulation als Zusatztherapie bei Periimplantitis ist der klinische Nutzen derzeit nicht ausreichend gesichert, um sie als Standardbehandlung zu bezeichnen. Die mechanische beziehungsweise ursachenbezogene Behandlung der Entzündung bleibt entscheidend.
Auch bei Parodontitis kann Licht höchstens eine Ergänzung darstellen. Es ersetzt weder die Entfernung bakterieller Beläge noch die etablierte parodontale Therapie.
Photobiomodulation ist damit auch in der Zahnmedizin kein Wundermittel. Je nach Anwendungsgebiet gibt es interessante klinische Daten, die Qualität der Evidenz reicht aber von leitliniengestützten Anwendungen bis zu noch experimentellen Ergänzungen.
Was steckt hinter dem Longevity-Trend mit Rotlicht-Panels?
Rotlicht-Panels, Gesichtsmasken und andere Lichtgeräte für zu Hause werden zunehmend mit Aussagen zu Hautalterung, Regeneration, Leistungsfähigkeit und „Zellenergie“ beworben. Dahinter steht teilweise dasselbe Prinzip, das auch bei der medizinischen Photobiomodulation untersucht wird: Licht bestimmter Wellenlängen soll biologische Signalwege beeinflussen. Daraus lässt sich jedoch kein allgemeiner Anti-Aging-Effekt ableiten.
Für einzelne Anwendungen gibt es durchaus klinische Daten. Bei erblich bedingtem Haarausfall, der sogenannten androgenetischen Alopezie, zeigen Metaanalysen beispielsweise eine Zunahme der Haardichte unter bestimmten Low-Level-Light-Therapie-Protokollen. Auch mögliche Veränderungen von Hautstruktur und feinen Falten werden untersucht.
Diese Ergebnisse gelten aber nicht automatisch für jedes Rotlicht-Panel aus dem Handel. Geräte unterscheiden sich unter anderem bei:
- Wellenlängen
- Bestrahlungsstärke
- Energiedosis
- Abstand zur Haut
- Größe der bestrahlten Fläche
- empfohlener Anwendungsdauer
Deshalb lässt sich aus der Bezeichnung „Rotlicht“ allein nicht erkennen, ob ein Gerät eine Dosis liefert, die mit einer klinischen Studie vergleichbar ist.
Für Behauptungen, nach denen regelmäßige Rotlichtanwendungen den menschlichen Alterungsprozess insgesamt verlangsamen, die Lebensdauer verlängern oder den Körper allgemein „verjüngen“, gibt es derzeit keine belastbaren klinischen Belege.
Wenn Du ein Gerät zu Hause verwendest, solltest Du deshalb realistische Erwartungen haben und die Sicherheitshinweise des Herstellers beachten. Beschwerden oder Erkrankungen solltest Du weiterhin medizinisch abklären lassen, statt sie ausschließlich mit Licht selbst zu behandeln.
Wie gut ist die Photobiomodulation wissenschaftlich belegt?
Photobiomodulation wird seit Jahrzehnten untersucht. Trotzdem lässt sich nicht von einer einheitlichen Wirksamkeit der Methode sprechen. Ein wesentliches Problem ist, dass sich Studien bei Wellenlänge, Leistung, Energiedosis, Behandlungsdauer und Anzahl der Sitzungen teilweise stark unterscheiden. Zwei Untersuchungen zu derselben Erkrankung können deshalb unterschiedliche Behandlungsschemata verwenden und entsprechend auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Warum ist die Dosis so wichtig?
In der PBM-Forschung wird häufig eine biphasische Dosis-Wirkungs-Beziehung beschrieben. Vereinfacht bedeutet das, dass eine bestimmte Dosis günstige biologische Effekte hervorrufen kann, während eine zu geringe Dosis möglicherweise keine messbare Wirkung zeigt. Bei einer deutlich höheren Dosis können gewünschte Effekte wiederum geringer ausfallen. Dieses Prinzip stammt vor allem aus experimentellen und präklinischen Untersuchungen und erklärt nicht automatisch jedes widersprüchliche Studienergebnis beim Menschen.
Deshalb gibt es auch nicht die eine „richtige Photobiomodulations-Dosis“ für sämtliche Erkrankungen.
Wo ist der Nutzen am besten belegt?
Die wissenschaftliche Evidenz lässt sich je nach Anwendung unterschiedlich bewerten. Relativ gut belegt ist PBM zur Vorbeugung oraler Mukositis bei bestimmten onkologischen Behandlungen und genau definierten Therapieprotokollen. Dafür bestehen internationale Leitlinienempfehlungen.
Positive, aber unterschiedlich belastbare Daten gibt es unter anderem bei:
- Beschwerden nach bestimmten oralchirurgischen Eingriffen
- Aphthen
- bestimmten muskuloskelettalen Schmerzen
- androgenetischem Haarausfall
- einzelnen dermatologischen Anwendungen
Bei vielen anderen Einsatzgebieten ist die Evidenz dagegen noch unzureichend oder widersprüchlich. Besonders zurückhaltend muss die Photobiomodulation bei der trockenen altersbedingten Makuladegeneration bewertet werden. Deutsche ophthalmologische Fachgesellschaften empfehlen die Behandlung derzeit nicht routinemäßig, sondern nur im Rahmen klinischer Studien. Für allgemeine Longevity-Effekte gibt es keine belastbare klinische Evidenz.
Welche Risiken hat die Photobiomodulation?
Bei fachgerechter Anwendung und geeigneten Behandlungsparametern wird Photobiomodulation in klinischen Studien meist gut vertragen. Da das Ziel keine relevante Erhitzung oder Zerstörung des Gewebes ist, unterscheidet sich das Verfahren deutlich von chirurgischen oder ablativ arbeitenden Lasern. Je nach Gerät und Behandlungsregion können vorübergehend beispielsweise leichte Rötungen, Wärmeempfindungen oder andere lokale Beschwerden auftreten.
Warum ist Augenschutz wichtig?
Bei Lasergeräten kann direktes oder reflektiertes Laserlicht das Auge schädigen. Deshalb müssen je nach Laserklasse und Anwendung geeignete Schutzbrillen getragen werden. Eine therapeutische Bestrahlung des Auges selbst ist etwas anderes und gehört ausschließlich in die Hände eines Augenarztes beziehungsweise in kontrollierte klinische Anwendungen mit dafür entwickelten Geräten. Du solltest deshalb niemals davon ausgehen, dass ein frei erhältliches Rotlicht- oder Nahinfrarotgerät automatisch für die direkte Bestrahlung der Augen geeignet ist.
Ist Photobiomodulation bei Krebs verboten?
Nein. Eine aktive oder frühere Tumorerkrankung ist keine pauschale Gegenanzeige für jede Photobiomodulation. Das zeigt bereits die orale Mukositis: PBM wird bei bestimmten Krebspatienten ausdrücklich zur Vorbeugung dieser Nebenwirkung empfohlen.
Systematische Übersichtsarbeiten fanden unter empfohlenen klinischen Parametern bislang kein eindeutiges Signal dafür, dass PBM bei diesen Anwendungen Tumorwachstum oder Rückfälle fördert. Experimentelle Untersuchungen an Tumorzellen liefern allerdings unterschiedliche Ergebnisse.
Deshalb sollte eine Photobiomodulation während einer Krebstherapie immer innerhalb des onkologischen Behandlungskonzepts und mit geeigneten Protokollen erfolgen. Eine eigenständige Bestrahlung eines bekannten Tumors mit einem Heimgerät ist davon klar zu unterscheiden.
Wann ist besondere Vorsicht sinnvoll?
Eine individuelle Abklärung kann unter anderem sinnvoll sein, wenn Du:
- Medikamente einnimmst, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen können,
- eine Augenerkrankung hast und Licht in Augennähe einsetzen möchtest,
- schwanger bist und eine nicht medizinisch notwendige Behandlung planst,
- eine aktive Tumorerkrankung hast oder Dich aktuell in onkologischer Behandlung befindest.
Diese Situationen sind nicht automatisch absolute Gegenanzeigen. Entscheidend sind Behandlungsgebiet, Lichtquelle, Dosierung und medizinische Indikation.
Was kostet eine Photobiomodulation?
Für Photobiomodulation gibt es keine einheitlichen Preise. Die Kosten hängen stark davon ab, ob das Licht beispielsweise beim Zahnarzt, in der Dermatologie, Schmerzmedizin oder Augenheilkunde eingesetzt wird und wie viele Sitzungen geplant sind. Auch eine generelle Aussage zur Kostenübernahme ist schwierig. Viele ambulante Anwendungen werden als Privatleistung angeboten. Bei medizinisch notwendigen Behandlungen im Rahmen einer onkologischen Versorgung können dagegen andere Abrechnungs- und Erstattungsregeln gelten.
Deutschland
Bei einer zusätzlichen Softlaser- oder PBM-Anwendung in der Zahnmedizin werden häufig ungefähr 15 bis 60 Euro pro Sitzung angeboten. Umfangreichere Behandlungsserien können entsprechend mehrere hundert Euro kosten. Eine routinemäßige ambulante PBM ist keine allgemeine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Ob eine Erstattung möglich ist, hängt von Indikation, Behandlungskontext und Versicherung ab.
Österreich
Auch in Österreich wird PBM in Zahnarztpraxen oder anderen ambulanten Bereichen häufig privat verrechnet. Als grobe Markt-Orientierung können bei einer kurzen zahnärztlichen Zusatzanwendung ebenfalls etwa 15 bis 60 Euro pro Sitzung anfallen. Private Honorare können deutlich variieren. Die Österreichische Zahnärztekammer veröffentlicht für Privatleistungen autonome Honorarrichtlinien, die tatsächliche Abrechnung einer PBM-Anwendung hängt jedoch von der konkreten Leistung und Praxis ab.
Schweiz
Bei zahnmedizinischen Zusatzanwendungen werden beispielsweise Preise von ungefähr 20 bis 80 Franken pro Sitzung angeboten. Das sind keine offiziellen Tarife, sondern lediglich Markt-Orientierungswerte. Da gewöhnliche zahnärztliche Leistungen in der Schweiz grundsätzlich nicht von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen werden, werden auch zusätzliche lichtbasierte Behandlungen häufig privat bezahlt. Bei medizinischen Anwendungen außerhalb der Zahnmedizin gelten je nach Erkrankung andere Voraussetzungen.
Photobiomodulation bei AMD
Augenärztliche PBM-Behandlungsserien können erheblich teurer sein und mehrere hundert bis über tausend Euro beziehungsweise Franken kosten. Dabei ist jedoch wichtig: Ein bestimmter Behandlungszyklus oder eine regelmäßige Wiederholung ist kein allgemein anerkannter medizinischer PBM-Standard. Da deutsche ophthalmologische Fachgesellschaften PBM bei AMD derzeit nur im Rahmen klinischer Studien empfehlen, solltest Du vor einer privat angebotenen Behandlung besonders genau nach Evidenz, Gerät, Behandlungsprotokoll und Gesamtkosten fragen.
Lass Dir bei jeder geplanten Behandlungsserie vorher einen schriftlichen Kostenplan geben.
Quellen
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