Arztbewertungsportale sind Websites, auf denen Patient:innen Ärzt:innen suchen und bewerten können. Ihre Bedeutung für die Sichtbarkeit einer Praxis hat sich verschoben: Bei den zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen stammen 39,8 Prozent der Google-Treffer von Portalen und Magazinen, während Praxis-Websites volumengewichtet nur 1,3 Prozent erreichen.
Wer sich niederlässt, steht früh vor der Frage: Welche Portale brauche ich tatsächlich, und welche verursachen vor allem zusätzlichen Aufwand? Die Antwort hängt davon ab, wo Ihre Patient:innen suchen. Im Jahr 2026 führt dieser Weg seltener über ein klassisches Arztbewertungsportal als noch vor zehn Jahren.
In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Portale und Verzeichnisse in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter einem zentralen Gesichtspunkt verglichen: Trägt ein Eintrag dazu bei, dass Ihre Praxis bei einer entsprechenden Suche gefunden und in die Auswahl einbezogen wird? Anschließend haben wir die Bewertungen, Terminbuchung und die rechtlichen Rahmenbedingungen eingeordnet.
Das Wichtigste in Kürze
Das Google-Unternehmensprofil ist formal kein Arztbewertungsportal, für die lokale Suche nach Ärzt:innen jedoch besonders relevant. Dort finden sich zudem zahlreiche öffentlich sichtbare Bewertungen. Klassische Bewertungsportale haben gegenüber Terminplattformen und Fachportalen mit redaktionellen Inhalten an Bedeutung verloren. Welcher Anbieter für eine Praxis relevant ist, hängt vor allem vom Suchweg der Patient:innen ab.
Bewertungen lassen sich grundsätzlich nicht verhindern. Rechtswidrige Inhalte können jedoch beanstandet werden und müssen von den Plattformen im Rahmen ihrer Prüfpflichten geprüft werden. Bei den zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen entfallen 39,8 Prozent der untersuchten Treffer auf Portale und Magazine. Praxis-Websites erreichen volumengewichtet einen Anteil von 1,3 Prozent.
Welche Arztbewertungsportale und Verzeichnisse gibt es im DACH-Raum?
In Deutschland zählen jameda, sanego und Doctolib zu den bekannten Anbietern, in Österreich DocFinder und die Arztsuchen der Ärztekammern, in der Schweiz das FMH-Ärzteverzeichnis und Terminplattformen wie OneDoc oder Medicosearch. Hinzu kommt in allen drei Ländern das Google-Unternehmensprofil. Es ist formal kein Arztbewertungsportal, bündelt jedoch eine große Zahl öffentlich sichtbarer Bewertungen.
Grundsätzlich lassen sich vier Arten von Portalen und Verzeichnissen unterscheiden:
- Klassische Bewertungsportale, dazu gehören Anbieter wie jameda oder sanego. Sie basieren auf Bewertungen ihrer Nutzer:innen mit Sternen oder Schulnoten und finanzieren sich unter anderem über kostenpflichtige Profile von Ärzt:innen.
- Terminplattformen wie Doctolib oder OneDoc stellen die Online-Terminbuchung in den Mittelpunkt. Bewertungen haben dort eine untergeordnete Bedeutung oder werden nicht angeboten.
- Kammer- und Kassenverzeichnisse, dazu gehören etwa die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Praxisplan der Ärztekammer Wien oder das FMH-Verzeichnis. Sie bieten einen umfassenden Überblick über Ärzt:innen, enthalten jedoch keine Bewertungen und nur wenige redaktionelle Inhalte.
- Fachportale wie MOOCI verbinden ein Arztverzeichnis mit redaktionellen Inhalten zu Behandlungen, Indikationen und Prävention. Patient:innen gelangen hier häufig über ein medizinisches Thema und nicht über eine Namenssuche auf ein Arztprofil.
Für Ihre Praxis erfüllen diese Angebote unterschiedliche Funktionen. Ein Kammerverzeichnis bestätigt Ihre Praxis und Fachzugehörigkeit. Auf einem Bewertungsportal erfahren Interessierte, welche Erfahrungen andere Patient:innen schildern. Ein Fachportal kann zusätzlich fachliche Schwerpunkte und angebotene Leistungen vermitteln. In Kombination entsteht so ein umfassenderes Bild Ihrer Praxis im Internet.
Wo suchen Patient:innen 2026 tatsächlich nach einer Praxis?
Viele Praxissuchen beginnen bei Google. Von dort gelangen Patient:innen entweder zum Kartenbereich mit dem Unternehmensprofil oder zu einer Portalseite, die für das gesuchte Thema in den Suchergebnissen erscheint. Klassische Arztbewertungsportale sind seltener der unmittelbare Ausgangspunkt einer Suche.
Eine MOOCI-Auswertung von 1.860 Praxis-Websites und 30 Städten aus September 2026 unterscheidet zwei Suchsituationen:
Namens- oder Ortssuche
Bei Suchanfragen wie „Longevity Arzt“ in Verbindung mit einer Stadt entfielen von 286 untersuchten Treffern in 30 Städten 79,7 Prozent auf Praxis-Websites. In den Top drei lag deren Anteil sogar bei 89 Prozent. Verzeichnisse kamen auf acht Prozent, klassische Arztsuchen auf 2,4 Prozent. In 16 der 30 Städte befand sich kein Verzeichnis unter den untersuchten Treffern. In Österreich lag der Anteil der Praxis-Websites bei 87,5 Prozent, DocFinder erschien ein einziges Mal.
Themensuche
Die zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen kommen zusammen auf 543.600 Suchen pro Monat bei Google Deutschland. Von 98 untersuchten Treffern stammten 12,2 Prozent von Praxis-Websites, volumengewichtet waren es lediglich 1,3 Prozent. Portale und Magazine stellten 39,8 Prozent der Treffer, Shops 22,4 Prozent, Wissenschaft, Behörden und Kassen 20,4 Prozent. Bei acht von zwölf Themen war keine einzige Praxis in den Top zehn vertreten.
Die Ergebnisse zeigen zwei unterschiedliche Suchmuster: Bei themenbezogenen Suchanfragen erscheinen häufig Portale und Magazine. Bei Kombinationen aus Fachgebiet beziehungsweise Leistung und Stadt sind dagegen deutlich häufiger Praxis-Websites vertreten. Ein Bewertungsportal erreicht Patient:innen daher nur, wenn es für die jeweilige Suchanfrage selbst in den Ergebnissen erscheint.
Welche Bewertungsportale für Ärzt:innen sind seriös?
Seriöse Portale verfügen über ein Impressum und eine erreichbare Redaktion, prüfen Bewertungen auf Plausibilität, bieten ein nachvollziehbares Beschwerdeverfahren an und trennen Werbung klar von organischen Ergebnissen. Diese Kriterien hat auch die Stiftung Warentest in ihren Portalvergleichen berücksichtigt.
Auch die Rechtsprechung hat konkrete Anforderungen an Bewertungsportale formuliert. Der Bundesgerichtshof entschied 2016, dass ein Arztbewertungsportal bei einer Beschwerde die betreffende Bewertung ernsthaft prüfen und von der bewertenden Person Belege für den Behandlungskontakt einholen muss (BGH, Urteil vom 1. März 2016, VI ZR 34/15).
Im Jahr 2018 stellte derselbe Senat fest, dass ein Portal seine Stellung als neutraler Informationsmittler verliert, wenn es zahlenden Ärzt:innen Vorteile in der Darstellung verschafft. Im konkreten Fall erschien auf Basisprofilen Werbung für Konkurrent:innen, auf Premiumprofilen hingegen nicht (BGH, Urteil vom 20. Februar 2018, VI ZR 30/17). Die betroffene Ärztin durfte die Löschung ihres Profils verlangen.
Im Jahr 2021 konkretisierte der BGH die Voraussetzungen erneut: Ein Basisprofil ohne Einwilligung ist zulässig, solange die Darstellung neutral bleibt (BGH, Urteile vom 12. Oktober 2021, VI ZR 488/19 und VI ZR 489/19).
Für die Bewertung eines Portals helfen folgende drei Prüffragen:
- Werden zahlende und nicht zahlende Profile unterschiedlich behandelt, und ist dies transparent erkennbar?
- Gibt es ein dokumentiertes Prüfverfahren für Bewertungen?
- Werden Suchergebnisse verkauft oder zusätzliche bezahlte Platzierungen eindeutig gekennzeichnet?
Ein Portal, dessen Rankings durch Zahlungen beeinflusst werden, sollte hinsichtlich Transparenz und Aussagekraft kritisch geprüft werden.
Wie unterscheiden sich jameda, Doctolib, DocFinder, Google und Fachportale in der Sichtbarkeit?
Portale und Verzeichnisse unterscheiden sich vor allem darin, wie Patient:innen auf ein Arztprofil gelangen: über eine Namens- oder Ortssuche, die Kartenansicht, eine Terminbuchung oder ein medizinisches Thema. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede.
| Portal / Verzeichnis | Länder | Typ | Hauptzugang der Patient:innen | Bewertungen | Kosten für die Praxis | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Google-Unternehmensprofil | DE, AT, CH | Karten- und Bewertungsdienst | „Arzt + Stadt“, Kartenansicht | Sterne, öffentlich | kostenlos | größte Reichweite, Öffnungszeiten, Routen | keine fachliche Einordnung, wenig Kontrolle über Bewertungen |
| jameda | DE | Bewertungs- und Terminportal | Namens- und Fachsuche | Schulnoten, Freitext | Basisprofil kostenlos, Premium kostenpflichtig | bekannteste Marke, hohe Bewertungszahl | Vorwürfe zur Ungleichbehandlung zahlender Profile (BGH 2018), Rechtsstreit-Historie |
| Doctolib | DE (und weitere EU-Länder) | Terminplattform | Terminbuchung, Fachsuche | kaum bis keine | Abonnement für die Praxis | Buchungsvolumen, Kalenderintegration | Sichtbarkeit nur innerhalb der Plattform, Abhängigkeit vom Anbieter |
| sanego | DE | Bewertungsportal | Namenssuche | Sterne, Freitext | kostenlos, Premium kostenpflichtig | einfache Nutzung | rückläufige Nutzung, wenig redaktionelles Umfeld |
| DocFinder | AT | Bewertungs- und Terminportal | Fach- und Ortssuche | Sterne, Freitext | Basisprofil kostenlos, Premium kostenpflichtig | Marktführer in Österreich | in der MOOCI-Messung bei „Longevity Arzt + Stadt“ nur ein Treffer |
| Kammer-Arztsuchen (KV, ÖÄK-Praxisplan, FMH-Verzeichnis) | DE, AT, CH | amtliches Verzeichnis | Namens-, Fach- und Ortssuche | keine | kostenlos, teils Pflicht | vollständig, vertrauenswürdig | kein Umfeld, keine Themenrankings |
| OneDoc, Medicosearch | CH | Terminplattform | Terminbuchung | keine bis wenige | Abonnement | Buchung in der Schweiz etabliert | wie Doctolib: Reichweite nur intern |
| Fachportale mit Inhalten (z. B. MOOCI) | DE, AT, CH | Verzeichnis plus Redaktion | Themensuche, dann Arztprofil | teils, ohne Ranking-Verkauf | Basisprofil kostenlos, Premium und Autorschaft kostenpflichtig | Sichtbarkeit über Themen, Zitierfähigkeit in KI-Übersichten | weniger Bewertungen als Google, Aufbau braucht Inhalte |
Die Übersicht macht vor allem zwei Unterschiede deutlich.
Erstens: Kein Anbieter deckt alle Zugangswege gleichermaßen ab. Das Google-Unternehmensprofil ist insbesondere bei lokalen Suchanfragen präsent. Terminplattformen setzen den Schwerpunkt auf die Buchung, während Fachportale Patient:innen über medizinische Themen zu passenden Profilen führen können.
Zweitens: Ein kostenloser Eintrag bedeutet nicht, dass kein Pflegeaufwand entsteht. Beim Google-Unternehmensprofil sollten beispielsweise Kategorie, Leistungen, Öffnungszeiten und Fotos aktuell gehalten sowie Bewertungen regelmäßig bearbeitet werden.
Auch zwischen den drei Ländern bestehen Unterschiede. In Deutschland verteilt sich der Markt auf verschiedene Anbieter wie jameda, Doctolib und Google. In Österreich gehört DocFinder nach unserer Beobachtung zu den etablierten Bewertungsportalen, war in der MOOCI-Auswertung bei Spezialthemen jedoch nur selten in der organischen Suche vertreten. In der Schweiz sind klassische Bewertungsportale weniger verbreitet; dort werden unter anderem das FMH-Verzeichnis, Terminplattformen und das Google-Unternehmensprofil genutzt.
Was dürfen Patient:innen bewerten und was muss ein Portal löschen?
Patient:innen dürfen ihre persönlichen Erfahrungen mit einer Behandlung als Meinung äußern, auch in deutlicher Form. Unzulässig sind unter anderem unwahre Tatsachenbehauptungen, Schmähkritik, Bewertungen ohne tatsächlichen Behandlungskontakt sowie die Preisgabe fremder Gesundheitsdaten. Werden solche Inhalte beanstandet, müssen die Portale sie im Rahmen ihrer Prüfpflichten prüfen und gegebenenfalls entfernen.
In der Praxis ist vor allem die Abgrenzung zwischen Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung relevant. Zwei Beispiele verdeutlichen den Unterschied:
- „Die Ärztin hat mir nicht zugehört.“ Dabei handelt es sich grundsätzlich um eine subjektive Bewertung.
- „Der Arzt hat mich ohne Aufklärung operiert.“ Dies ist eine überprüfbare Tatsachenbehauptung, die das Portal nach einer entsprechenden Beanstandung prüfen muss.
Die rechtlichen Grundlagen unterscheiden sich je nach Land.
Deutschland
Ein möglicher Löschanspruch stützt sich unter anderem auf das allgemeine Persönlichkeitsrecht nach Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG, auf §§ 823, 1004 BGB analog sowie auf Art. 17 und 21 DSGVO. Der Bundesgerichtshof hat das Prüfverfahren für Bewertungsportale im Jahr 2016 konkretisiert.
Österreich
Maßgeblich sind unter anderem § 16 ABGB und § 1330 ABGB zum Schutz der Persönlichkeit sowie der Ehre und des wirtschaftlichen Rufs. Ergänzend gilt die DSGVO. Die Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer und § 53 ÄrzteG regeln zudem, welche Inhalte Ärzt:innen selbst veröffentlichen dürfen.
Schweiz
Art. 28 ZGB schützt die Persönlichkeit; ergänzend gelten die datenschutzrechtlichen Vorgaben. Für die eigene ärztliche Kommunikation enthält außerdem Art. 20 der FMH-Standesordnung Vorgaben zu Information und Werbung.
Bei einer problematischen Bewertung empfiehlt sich grundsätzlich folgendes Vorgehen:
- Melden Sie die Bewertung über das Beschwerdeverfahren des jeweiligen Portals.
- Benennen Sie konkret, welche Aussage Sie für unwahr, rechtswidrig oder ehrverletzend halten.
- Fordern Sie bei Zweifeln am Behandlungskontakt eine entsprechende Prüfung durch das Portal.
- Beachten Sie bei jeder öffentlichen Reaktion Ihre Schweigepflicht.
Auch wenn eine Bewertung aus Ihrer Sicht offensichtlich falsch ist, dürfen Sie in Ihrer Antwort keine vertraulichen Details zur Behandlung offenlegen. Eine sachliche Reaktion wie „Wir nehmen Kritik ernst und bitten um direkten Kontakt“ kann nach außen zeigen, dass die Praxis professionell mit Beschwerden umgeht.
Muss man als Ärzt:in auf jedem Portal gelistet sein?
Nein. Auf großen Bewertungsportalen kann auch ohne Ihre Einwilligung ein Basisprofil bestehen. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, jedes Profil aktiv zu pflegen oder ein kostenpflichtiges Angebot zu buchen. Für die Praxis ist meist eine gezielte Auswahl von drei bis vier Einträgen sinnvoll.
Der BGH hat im Jahr 2021 klargestellt, dass Bewertungsportale Basisprofile ohne Zustimmung führen dürfen, solange die Darstellung neutral bleibt. Sie können daher nicht grundsätzlich verhindern, dass ein Profil auf Plattformen wie jameda oder sanego angelegt wird. Entscheiden können Sie jedoch, welche Profile Sie aktiv pflegen, aktuell halten und für die Kommunikation mit Patient:innen nutzen.
Ein Profil mit veralteten Angaben oder wenigen alten Bewertungen kann einen ungünstigen ersten Eindruck vermitteln. Deshalb empfiehlt es sich, zunächst die Einträge zu priorisieren, die für Ihre Praxis tatsächlich sichtbar sind.
Für die Niederlassungsphase bietet sich folgende Reihenfolge an:
- Beanspruchen und vervollständigen Sie Ihr Google-Unternehmensprofil. Besonders für lokale Suchanfragen sind korrekte Angaben zu Fachgebiet, Leistungen, Öffnungszeiten und Standort wichtig.
- Amtliches Ärzteverzeichnis: Prüfen Sie den Eintrag bei der zuständigen Ärztekammer beziehungsweise Kassenärztlichen Vereinigung. Kontrollieren Sie insbesondere Fachbezeichnung, Adresse und Kontaktdaten.
- Bewertungs- oder Terminportal: Wählen Sie den Anbieter, der für Ihr Land und Ihr Fachgebiet am ehesten genutzt wird, und halten Sie das Profil aktuell.
- Bei erklärungsbedürftigen Leistungen kann ein Fachportal mit redaktionellen Inhalten zusätzliche Sichtbarkeit schaffen, etwa in der ästhetischen Medizin, Dermatologie oder Präventionsmedizin.
Weitere Einträge sollten abhängig von Fachgebiet, Zielgruppe und regionaler Relevanz ausgewählt werden.
Wie sollten Sie mit Kritik und negativen Bewertungen umgehen?
Reagieren Sie auf kritische Bewertungen möglichst zeitnah, sachlich und ohne Behandlungsdetails. Eine professionelle Antwort ist auch deshalb relevant, weil nicht nur die bewertende Person, sondern ebenso potenzielle Patient:innen Ihre Reaktion lesen können.
Das Deutsche Ärzteblatt hat verschiedene Kritikpunkte von Ärzt:innen an Bewertungsportalen dokumentiert. Dazu gehören Bewertungen aus Frustration, mögliche Manipulationen durch Wettbewerber sowie das Gefühl, negativen Bewertungen nur eingeschränkt begegnen zu können. Unabhängig von diesen Kritikpunkten gehören Bewertungen inzwischen zur öffentlich sichtbaren Online-Reputation vieler Praxen.
Für den Umgang damit sind drei Grundsätze hilfreich:
- Keine Gegenvorwürfe. Antworten Sie sachlich und vermeiden Sie persönliche Auseinandersetzungen.
- Keine gekauften oder belohnten Bewertungen. Positive Bewertungen sollten weder gekauft noch mit Vergünstigungen oder anderen Gegenleistungen honoriert werden. In Deutschland sind dabei unter anderem § 27 MBO-Ä und die Vorgaben des HWG zu beachten, in Österreich die Werberichtlinie der ÖÄK. Plattformen können manipulierte Bewertungen entfernen und weitere Maßnahmen gegen die betreffenden Profile ergreifen.
- Bewertungen neutral erbitten. Sie dürfen Patient:innen um eine Bewertung bitten, sofern keine Gegenleistung angeboten und keine Vorauswahl nach der erwarteten Bewertung vorgenommen wird. Ein neutraler Hinweis am Empfang, auf der Website oder in einer E-Mail nach dem Termin ist eine mögliche Form.
Kritische Bewertungen können darüber hinaus Hinweise auf wiederkehrende Probleme im Praxisalltag liefern. Häufen sich beispielsweise Beschwerden über Wartezeiten, telefonische Erreichbarkeit oder die Abrechnung von Selbstzahlerleistungen, lohnt sich eine interne Prüfung dieser Abläufe. Damit kann Bewertungsmanagement auch zur Verbesserung von Prozessen und Kommunikation beitragen.
Was bringt ein Fachportal zusätzlich zu Bewertungsportal und eigener Website?
Ein Fachportal mit redaktionellen Inhalten kann eine Praxis auch bei themenbezogenen Suchanfragen sichtbar machen. Während Bewertungsportale in erster Linie Erfahrungen und Bewertungen bündeln, verbinden Fachportale Arztprofile mit Informationen zu Behandlungen, Indikationen oder medizinischen Schwerpunkten.
Bei Themensuchen sind Portale deutlich stärker vertreten
Die MOOCI-Auswertung umfasst 1.860 Praxis-Websites mit insgesamt 11.757 Seiten. Bei den zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen mit zusammen 543.600 Suchen pro Monat entfielen 39,8 Prozent der untersuchten Treffer auf Portale und Magazine. Praxis-Websites erreichten volumengewichtet 1,3 Prozent. Unter den 36 untersuchten Top-drei-Treffern befanden sich drei Praxen.
Die Daten zeigen damit einen Unterschied zwischen der thematischen Suche und der konkreten Arztsuche: Fachportale und andere redaktionelle Angebote können bereits während der Informationsphase sichtbar werden, während die eigene Praxis-Website insbesondere bei konkreteren Suchanfragen häufiger erscheint.
Was zeigt die MOOCI-Messung zu KI-Übersichten?
Auch bei KI-Übersichten zeigen sich Unterschiede. In der MOOCI-Messung von September 2026 blendete Google bei Suchanfragen nach Longevity-Ärzt:innen in elf von 30 untersuchten Städten eine KI-Übersicht ein. Das betraf drei von fünf untersuchten Städten in Österreich und eine von drei in der Schweiz.
Von 54 zuordenbaren Zitaten entfielen 77,8 Prozent auf Praxis-Websites und 13,0 Prozent auf Longevity-Fachportale mit redaktionellen Inhalten. Damit waren Fachportale in dieser Stichprobe im Verhältnis zu ihrem Anteil an den klassischen organischen Ergebnissen rund 2,5-mal so stark vertreten. Eine klassische Arztsuche wurde einmal als Quelle zugeordnet: DocFinder in Graz.
Reine Profileinträge ohne eigenständigen Fachtext gehörten in dieser Messung nicht zu den 54 zuordenbaren Quellen. Daraus folgt keine allgemeine Google-Regel. Profile, die mit redaktionellen Fachinhalten und einer Autorschaft verbunden sind, schaffen jedoch eine zusätzliche inhaltliche Quelle, die grundsätzlich auch in KI-Übersichten berücksichtigt werden kann.
Wie verbindet MOOCI Fachinhalte und Arztprofile?
Bei MOOCI sind derzeit 683 redaktionelle Fachinhalte veröffentlicht, davon 340 mit Longevity-Bezug. Hinzu kommen nach aktuellen Mediadaten mehr als 8.000 Arztprofile aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die Suchergebnisse sind nicht käuflich. Premium-Profile werden gekennzeichnet und erhalten zusätzliche thematisch passende Platzierungen in den Fachwidgets von Inhaltsseiten.
Über das Klick-Tracking lässt sich für jedes Profil nachvollziehen, wie viele Termin- und Website-Klicks über das Portal erfolgen. Ob diese Form der Präsenz für eine Praxis sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Fachgebiet und den angebotenen Leistungen ab.
In welchen Fachgebieten ist noch wenig Longevity sichtbar?
In der Dermatologie weisen 19,0 Prozent der untersuchten verbandsaffinen Praxen Longevity oder Prävention auf ihrer Website aus, in der Plastischen Chirurgie sind es 11,4 Prozent. Die digitale Durchdringung bleibt damit in beiden untersuchten Fachgebieten bislang begrenzt.
Für Praxen mit erklärungsbedürftigen Leistungen kann ein Fachportal deshalb einen zusätzlichen Kontaktpunkt neben eigener Website, Google-Unternehmensprofil und klassischen Arztverzeichnissen schaffen.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Die genannten Vorschriften und Urteile geben den Stand 2026 wieder. Im Einzelfall sollte eine rechtliche Prüfung durch die zuständige Ärztekammer beziehungsweise eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt erfolgen. Verbindlich entscheiden im Streitfall die zuständigen Gerichte.
Wenn Sie wissen möchten, auf welchen Portalen, in welchen Verzeichnissen und bei welchen Suchanfragen Ihre Praxis aktuell erscheint, erstellt MOOCI auf Anfrage einen Sichtbarkeits-Befund für Ihre Praxis und Ihren Standort. Die strukturierte Bestandsaufnahme kann als Grundlage dafür dienen, welche Einträge Sie künftig pflegen und priorisieren.
Quellen
BGH, Urteil vom 1. März 2016, VI ZR 34/15, Prüfpflichten von Bewertungsportalen
Heilmittelwerbegesetz (HWG), insbesondere §§ 3 und 11
Ärztegesetz 1998 (Österreich), insbesondere § 53
FMH: Standesordnung, insbesondere Art. 20 und Anhang 2 „Information und Werbung“
Deutsches Ärzteblatt: „Arztbewertungsportale: Die Kritik der Ärzte“, 2017
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Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
