Inhaltsverzeichnis
- Was ist Augenherpes und welche Formen gibt es?
- Welche Symptome zeigt Augenherpes?
- Wie entsteht Augenherpes und wer ist betroffen?
- Ist Augenherpes ansteckend?
- Wie wird Augenherpes diagnostiziert?
- Wie läuft die Untersuchung beim Augenarzt ab?
- Wie wird Augenherpes behandelt?
- Welche Komplikationen können entstehen?
- Wie unterscheidet sich Herpes simplex von Gürtelrose am Auge?
- Wie kann man Rückfällen vorbeugen?
- Wann muss ich sofort zum Augenarzt?
Was ist Augenherpes und welche Formen gibt es?
Wenn Ärzte von Augenherpes sprechen, meinen sie in der Regel zwei unterschiedliche Erkrankungen, die beide durch Herpesviren verursacht werden, sich aber in Ursache und Verlauf unterscheiden.
Die häufigste Form ist die Herpes-simplex-Keratitis (Herpes-simplex-Entzündung der Hornhaut). Auslöser ist das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), dasselbe Virus, das auch Lippenherpes verursacht. Fast alle Erwachsenen tragen dieses Virus in sich, da die Erstinfektion meist unbemerkt in der Kindheit stattfindet. Das Virus schläft dann dauerhaft in Nervenknoten und kann unter bestimmten Umständen reaktiviert werden. Betrifft diese Reaktivierung den Augensbereich, entsteht Augenherpes am oder im Auge.
Die zweite, etwas seltenere Form ist der Herpes zoster ophthalmicus, also die Gürtelrose am Auge. Hier ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verantwortlich, das nach einer durchgemachten Windpocken-Infektion lebenslang im Körper verbleibt. Wenn das Immunsystem schwächelt, kann das Virus Jahrzehnte später wieder aktiv werden und sich entlang des Sehnervs oder anderer Gesichtsnerven ausbreiten.
Beide Formen sind ernst zu nehmen, denn Augenherpes gehört weltweit zu den häufigen Ursachen von Hornhautvernarbungen und Sehverlust, der sich durch rechtzeitige Behandlung häufig vermeiden lässt. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass Augenherpes nicht immer nur die Hornhaut betrifft. Je nachdem, welcher Abschnitt des Auges befallen ist, sprechen Fachleute von einer Lidbeteiligung (Bläschen am Lid), einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis), einer Hornhautentzündung (Keratitis) oder, in schwereren Fällen, von einer Entzündung tieferer Augenstrukturen. Für Dich als Betroffene oder Betroffener ist diese Einteilung weniger entscheidend als die einfache Regel, dass jedes Augenherpes-Verdachtszeichen rasch ärztlich abgeklärt gehört, weil sich die Form und damit die nötige Behandlung nur am Auge selbst sicher feststellen lässt.
Welche Symptome zeigt Augenherpes?
Die Beschwerden bei Herpes am Auge können je nach Form und betroffenem Augenabschnitt unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Meistens ist nur ein Auge betroffen.
Bei der Herpes-simplex-Keratitis treten diese Zeichen typischerweise auf:
- Rötung des betroffenen Auges
- Starkes Tränen
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
- Fremdkörpergefühl, als ob ein Sandkorn im Auge wäre
- Schmerzen oder Brennen
- Verschwommenes oder verschlechtertes Sehen
- Kleine Bläschen oder Krusten am Augenlid (Herpes augenlid)
Beim Herpes zoster ophthalmicus kommen häufig folgende Zeichen dazu:
- Hautausschlag mit Bläschen auf der Stirn, um das Auge herum oder auf der Nase, der einer Seite des Gesichts folgt
- Starke, brennende Schmerzen, die dem Ausschlag oft vorausgehen
- Schwellung des Augenlids
- Rötung und Entzündung des Augapfels
Ein besonders wichtiges Warnzeichen ist das sogenannte Hutchinson-Zeichen: Zeigen sich Bläschen auf der Nasenspitze oder am Nasenrücken, ist das ein starkes Signal dafür, dass das Auge mitbetroffen ist oder bald betroffen werden könnte. Dieses Zeichen geht auf den nasoziliären Nerv zurück, der sowohl die Nase als auch den Augapfel versorgt. Wenn Du einen solchen Ausschlag im Gesicht bemerkst, solltest Du ohne Verzögerung eine augenärztliche Praxis aufsuchen.
Ein weiterer Punkt, der viele Betroffene verunsichert, ist die Frage nach dem Aussehen. Wer im Internet nach „augenherpes bilder“ sucht, findet sehr unterschiedliche Darstellungen, von leicht geröteten Augen bis zu deutlichen Bläschengruppen am Lid. Das liegt daran, dass Augenherpes je nach Form und Stadium ganz verschieden aussehen kann. Genau deshalb lässt sich anhand eines Fotos keine verlässliche Diagnose stellen. Ein gerötetes, tränendes Auge kann ebenso eine harmlose Reizung wie eine ernste Herpes-Infektion sein. Verlasse Dich daher nie auf den Vergleich mit Bildern aus dem Netz, sondern lasse die Beschwerden ärztlich abklären.
Wie entsteht Augenherpes und wer ist betroffen?
Das Herpes-simplex-Virus ist in der Bevölkerung extrem weit verbreitet. Schätzungen zufolge tragen in Mitteleuropa zwischen 60 und 90 Prozent der Erwachsenen das Virus in sich. Die Erstinfektion in der Kindheit verläuft meist symptomlos oder mit nur milden Beschwerden. Das Virus wandert danach in die Trigeminusganglien (Nervenknoten im Schädelinneren) und bleibt dort inaktiv.
Bestimmte Auslöser können das Virus reaktivieren:
- Stress, körperliche oder seelische Erschöpfung
- Fieber oder andere Infekte
- Intensive UV-Strahlung (Sonne, Sonnenstudio)
- Verletzungen der Hornhaut, zum Beispiel durch Kontaktlinsen oder Augenoperationen
- Immunschwäche durch Erkrankungen oder bestimmte Medikamente
- Hormonelle Schwankungen
Je häufiger Reaktivierungen auftreten, desto größer ist die Gefahr von Narbenbildung an der Hornhaut. Wer schon einmal Augenherpes hatte, hat laut Studien in mehr als der Hälfte der Fälle irgendwann einen Rückfall.
Der Herpes zoster ophthalmicus betrifft vor allem Menschen ab 50 Jahren sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem, da das Varizella-Zoster-Virus dann leichter aus seinem Schlaf erwacht. In Österreich, Deutschland und der Schweiz gibt es zur Vorbeugung eine Impfung gegen Gürtelrose, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland für Menschen ab 60 Jahren sowie für Risikopersonen empfohlen wird.

Ist Augenherpes ansteckend?
Diese Frage stellen viele Betroffene zu Recht. Die Antwort ist differenziert.
Beim Herpes-simplex-Augenherpes handelt es sich bei Erwachsenen in der Regel um eine Reaktivierung des eigenen Virus, nicht um eine Neuansteckung von außen. Da fast alle Erwachsenen das Virus ohnehin in sich tragen, ist das Ansteckungsrisiko für das Umfeld gering. Dennoch ist während der akuten Phase mit offenen Bläschen Vorsicht geboten: Berührst Du die Bläschen und fasst danach Dir oder jemandem anderen ins Gesicht, kann das Virus übertragen werden. Vor allem Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten während einer aktiven Episode Abstand halten.
Der Herpes zoster ophthalmicus (Gürtelrose am Auge) ist nicht direkt von Person zu Person übertragbar. Der Ausschlag kann allerdings Windpocken bei Menschen auslösen, die noch keinen Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus hatten, zum Beispiel bei ungeimpften Kindern. Kontakt mit dem Bläscheninhalt sollte also vermieden werden.
Wie wird Augenherpes diagnostiziert?
Die Diagnose stellt ausschließlich ein Augenarzt. Mit einer Spaltlampe (einem speziellen Mikroskop für Augenuntersuchungen) kann der Arzt die Hornhaut, die Bindehaut und das Augenlid genau beurteilen. Typische Muster wie ein dendritisches Ulkus (baumförmige Hornhautverletzung) sind ein klares Zeichen für eine Herpes-simplex-Infektion.
In manchen Fällen wird ein Abstrich gemacht und im Labor untersucht, um das Virus nachzuweisen und die genaue Virusart zu bestimmen. Das ist besonders wichtig, wenn der Verlauf untypisch ist oder die Behandlung nicht anschlägt.
Wie läuft die Untersuchung beim Augenarzt ab?
Wenn Du mit Verdacht auf Augenherpes in eine augenärztliche Praxis kommst, musst Du keine Angst vor der Untersuchung haben. Sie ist schmerzfrei und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Zuerst stellt Dir der Arzt einige Fragen: seit wann die Beschwerden bestehen, ob Du in der Vergangenheit schon einmal Herpes hattest, ob Du Kontaktlinsen trägst und ob Du gerade gestresst oder erkältet warst. Diese Angaben helfen, das Bild einzuordnen.
Anschließend folgt die Untersuchung an der Spaltlampe. Du legst dabei Kinn und Stirn auf eine Stütze, während ein feiner Lichtstrahl Dein Auge ausleuchtet. So kann der Arzt die Hornhaut, die Bindehaut und das Lid stark vergrößert betrachten. Oft wird ein gut verträglicher Farbstoff (Fluoreszein) ins Auge getropft, der sich an verletzten Stellen der Hornhaut anlagert und sie unter blauem Licht sichtbar macht. Auf diese Weise lässt sich das für Herpes typische, baumförmige Muster auf der Hornhaut gut erkennen.
In vielen Fällen wird auch der Augeninnendruck gemessen und die Sehschärfe geprüft, um das Ausmaß der Erkrankung einzuschätzen. Falls nötig, ergänzt der Arzt die Untersuchung um einen Abstrich oder weitere Tests. Auf Grundlage dieser Befunde entscheidet er dann, welche Form von Augenherpes vorliegt und welche Behandlung für Dich richtig ist. Wichtig ist, dass Du die verordnete Therapie konsequent durchführst und die vereinbarten Kontrolltermine wahrnimmst, auch wenn die Beschwerden schon nachgelassen haben.

Wie wird Augenherpes behandelt?
Augenherpes muss immer von einem Augenarzt behandelt werden. Selbstbehandlung ist nicht möglich und kann gefährlich sein.
Die Behandlung richtet sich nach der genauen Form und dem betroffenen Augenabschnitt:
Herpes simplex am Auge
Hier kommen antivirale Wirkstoffe zum Einsatz. Je nach Schwere werden antivirale Augentropfen oder -gels direkt ins Auge gegeben oder antivirale Tabletten eingenommen. Der Arzt entscheidet, welche Form für Dich geeignet ist. Die Behandlung dauert in der Regel einige Tage bis Wochen.
Herpes zoster ophthalmicus
Hier ist eine rasche Behandlung mit antiviralen Mitteln zum Schlucken entscheidend. Experten empfehlen, diese Therapie idealerweise innerhalb von 72 Stunden nach Beginn des Ausschlags zu starten, um Komplikationen zu reduzieren. Begleitend können schmerzlindernde Mittel und bei bestimmten Augenabschnitten auch entzündungshemmende Tropfen gegeben werden.
Ein wichtiger Hinweis: Kortison (corticosteroidhaltige Augentropfen oder -salben) darfst Du bei Augenherpes NIEMALS auf eigene Faust anwenden. Kortison ohne gleichzeitige antivirale Behandlung kann eine Herpes-Infektion massiv verschlimmern und zu schwersten Schäden führen. Auch rezeptfreie Augentropfen aus der Apotheke ersetzen nicht die augenärztliche Behandlung.
Welche Komplikationen können entstehen?
Unbehandelter oder wiederholt auftretender Augenherpes kann schwere Folgen haben:
- Hornhautnarben, die das Sehvermögen dauerhaft einschränken
- Tiefe Entzündungen der Hornhaut (Stromakeratitis), die zu Hornhauttrübungen führen
- Grüner Star (Glaukom) als Folge einer anhaltenden Entzündung
- Im schlimmsten Fall: Sehverlust oder Blindheit
In seltenen Fällen, vor allem beim Herpes zoster ophthalmicus, können auch der Sehnerv, die Netzhaut oder andere Strukturen im Inneren des Auges betroffen sein. Das macht eine schnelle Diagnose und Behandlung so wichtig.
Wie unterscheidet sich Herpes simplex von Gürtelrose am Auge?
Auf den ersten Blick ähneln sich beide Formen, weil beide Bläschen verursachen und das Auge bedrohen können. Für Dich ist es hilfreich, die wichtigsten Unterschiede zu kennen, auch wenn die endgültige Einordnung dem Arzt vorbehalten bleibt.
Der Herpes simplex am Auge wird durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 ausgelöst, also dasselbe Virus, das auch Lippenherpes verursacht. Er tritt in jedem Lebensalter auf, oft schon bei jungen Erwachsenen, und betrifft meist die Hornhaut eines einzelnen Auges. Die Bläschen, falls überhaupt welche sichtbar sind, beschränken sich auf das Lid oder den unmittelbaren Augenbereich. Charakteristisch sind die wiederkehrenden Schübe, die sich über Jahre immer wieder zeigen können.
Die Gürtelrose am Auge, fachlich Herpes zoster ophthalmicus, geht dagegen auf das Varizella-Zoster-Virus zurück, also das Windpocken-Virus. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen oder bei geschwächtem Immunsystem auf. Typisch ist ein deutlich sichtbarer, einseitiger Hautausschlag, der einer scharfen Mittellinie im Gesicht folgt und sich oft über Stirn, Augenlid und Nase erstreckt. Die Schmerzen sind häufig stärker und brennender als beim Herpes simplex und können dem Ausschlag schon Tage vorausgehen.
Das wichtigste gemeinsame Warnsignal ist das bereits erwähnte Hutchinson-Zeichen. Bläschen auf der Nasenspitze deuten darauf hin, dass der Nerv betroffen ist, der auch das Auge versorgt. Egal um welche Form es sich handelt: Beide gehören umgehend in augenärztliche Behandlung, und in keinem Fall solltest Du selbst zu Kortison-Präparaten greifen.

Wie kann man Rückfällen vorbeugen?
Eine vollständige Vorbeugung ist leider nicht möglich, da das Virus lebenslang im Körper bleibt. Es gibt aber einiges, das Du tun kannst, um das Risiko einer Reaktivierung zu senken.
Achte auf ausreichend Schlaf und vermeide dauerhaften Stress, soweit das möglich ist. Sonnenschutz für die Augen, zum Beispiel durch eine gute Sonnenbrille, kann helfen, UV-bedingte Reaktivierungen zu vermeiden. Wenn Du Kontaktlinsen trägst, halte die Hygienemaßnahmen strikt ein und tausche Linsen rechtzeitig aus. Kontaktlinsen solltest Du während einer aktiven Episode des Augenherpes niemals tragen.
Bei häufigen Rückfällen (mehr als zweimal im Jahr) kann Dein Arzt eine Langzeit-Vorbeugungstherapie mit antiviralen Mitteln in niedriger Dosierung erwägen. Studien zeigen, dass diese Maßnahme die Rückfallrate deutlich senken kann.
Gegen Gürtelrose am Auge gibt es in Österreich, Deutschland und der Schweiz eine gut verträgliche Impfung, die insbesondere Menschen über 60 und Risikopersonen schützt. Sprich Deinen Hausarzt darauf an.
Wann muss ich sofort zum Augenarzt?
Bei Augenherpes gilt: Möglichst schnell zum Augenarzt, ohne zu warten. Augenärztliche Notaufnahmen und Bereitschaftsdienste stehen in Österreich, Deutschland und der Schweiz in Städten auch außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten zur Verfügung.
Geh sofort zum Arzt, wenn:
- Du Rötung, Schmerzen oder Tränen in einem Auge bemerkst, die sich nicht rasch bessern
- Du Bläschen oder Krusten am Augenlid oder um das Auge herum siehst
- Dein Sehen plötzlich verschwommen oder schlechter wird
- Du Bläschen auf der Nasenspitze oder im Gesicht hast (mögliches Hutchinson-Zeichen)
- Du bereits bekannten Augenherpes hast und neue Symptome auftreten
Warte in keinem Fall ab, greife nicht zu rezeptfreien Augentropfen als alleinige Behandlung und wende keine Kortison-Präparate ohne ärztliche Anweisung an. Augenherpes ist eine ernste Erkrankung, die schnell behandelt werden muss, um bleibendem Schaden vorzubeugen.
Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
