Der Schritt in die eigene Privatpraxis eröffnet Ärzt:innen mehr Gestaltungsspielraum bei Leistungsspektrum, Praxisorganisation und Patient:innenansprache. Anders als bei einer vertragsärztlichen Niederlassung benötigen Sie in Deutschland dafür keine Zulassung der Kassenärztlichen Vereinigung. Zentrale Voraussetzungen sind insbesondere die Approbation, die Anzeige der Niederlassung bei der zuständigen Ärztekammer und ein ausreichender Berufshaftpflichtschutz. Eine Facharztanerkennung ist rechtlich nicht generell vorgeschrieben, für eine fachärztlich positionierte Privatpraxis jedoch häufig praktisch relevant.
Privatärztliche Leistungen werden grundsätzlich nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. Gleichzeitig verändert sich mit dem Praxismodell auch der Zugang zu Patient:innen. Eine reine Privatpraxis muss Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und Selbstzahler:innen eigenständig erreichen und ihr Leistungsangebot nachvollziehbar positionieren. Sichtbarkeit ist deshalb nicht erst nach der Eröffnung ein Thema, sondern bereits Teil der Praxisplanung. Wie groß diese Herausforderung sein kann, zeigt eine MOOCI-Auswertung der nachfragestärksten Longevity-Themen: Volumengewichtet entfielen lediglich 1,3 Prozent der untersuchten Suchtreffer auf Praxis-Websites.
Dieser Beitrag richtet sich an Ärzt:innen, die am Ende ihrer Weiterbildung, nach mehreren Jahren in der Klinik oder aus einer bestehenden Tätigkeit heraus über die Gründung einer reinen Privatpraxis nachdenken. Sie erfahren, welche Voraussetzungen zu beachten sind, welche Rechtsformen infrage kommen, wie sich Kosten und Finanzierung einordnen lassen und welche Regeln für die Abrechnung nach GOÄ gelten. Österreich und die Schweiz werden in einem eigenen Abschnitt eingeordnet. Praxisübernahme, KV-Zulassung und Wahlarztordination behandeln separate Beiträge.
Das Wichtigste in Kürze
Eine reine Privatpraxis können Sie in Deutschland ohne Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung und unabhängig von der Bedarfsplanung gründen. Voraussetzung sind insbesondere die Approbation, die Anzeige der Niederlassung bei der zuständigen Ärztekammer und ein ausreichender Berufshaftpflichtschutz. Eine Facharztanerkennung ist rechtlich nicht generell erforderlich, für viele Praxiskonzepte aber praktisch wichtig. Privatärztliche Leistungen werden grundsätzlich nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet. Auch gesetzlich Versicherte können Sie privat behandeln, wenn die Kosten und die private Abrechnung vor der Behandlung transparent geklärt werden.
Die Investitionskosten hängen stark von Fachgebiet, Standort, Praxisgröße und technischer Ausstattung ab. Eigenkapital, Praxisdarlehen und Mischfinanzierungen kommen infrage. Für eine reine Privatpraxis ist der eigenständige Zugang zu Patient:innen besonders wichtig. In der MOOCI-Auswertung entfielen bei den untersuchten Themen-Suchen 12,2 Prozent der Treffer auf Praxis-Websites, volumengewichtet 1,3 Prozent.
Welche Voraussetzungen müssen Sie für eine Privatpraxis erfüllen?
Für die privatärztliche Niederlassung benötigen Sie in Deutschland grundsätzlich eine Approbation und müssen die Aufnahme Ihrer Tätigkeit bei der zuständigen Ärztekammer anzeigen. Eine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung ist nicht erforderlich. Damit entfallen auch Bedarfsplanung und der Erwerb eines Vertragsarztsitzes. Eine reine Privatpraxis kann grundsätzlich auch in einem Planungsbereich gegründet werden, der für die vertragsärztliche Versorgung gesperrt ist.
Ist eine Facharztanerkennung erforderlich?
Eine abgeschlossene Facharztweiterbildung ist für die Gründung einer reinen Privatpraxis rechtlich nicht in jedem Fall zwingend. Die Approbation berechtigt grundsätzlich zur Ausübung des ärztlichen Berufs. Welche Facharzt- und Gebietsbezeichnungen Sie führen dürfen, richtet sich jedoch nach der jeweiligen Weiterbildungs- und Berufsordnung. Sie dürfen nur Qualifikationen angeben, die Sie tatsächlich erworben haben. Für viele Praxiskonzepte ist eine Facharztanerkennung deshalb praktisch von großer Bedeutung. Privatpatient:innen und Selbstzahler:innen können gezielt nach bestimmten Fachgebieten, Qualifikationen und Behandlungsschwerpunkten suchen. Eine Facharztanerkennung sollte daher nicht mit einer gesetzlichen Gründungsvoraussetzung gleichgesetzt werden, kann für Positionierung und Leistungsspektrum aber wesentlich sein.
Welche formalen Schritte gehören zur Gründung?
Die konkreten Anforderungen unterscheiden sich teilweise nach Bundesland, Standort und Leistungsspektrum. Zu den Schritten gehören beispielsweise:
Niederlassung bei der Ärztekammer anzeigen
Die Aufnahme der privatärztlichen Tätigkeit und die Praxisanschrift müssen der zuständigen Landesärztekammer mitgeteilt werden. Maßgeblich ist die jeweilige Landesberufsordnung; § 17 MBO-Ä dient als Musterregelung.
Berufshaftpflicht abschließen
Ärzt:innen müssen sich ausreichend gegen Haftpflichtansprüche aus ihrer beruflichen Tätigkeit versichern. Art und Höhe des Versicherungsschutzes sollten zum tatsächlichen Leistungsspektrum passen.
Finanzamt informieren
Die ärztliche Tätigkeit ist grundsätzlich eine freiberufliche Tätigkeit. Für die originäre ärztliche Tätigkeit ist daher normalerweise keine Gewerbeanmeldung erforderlich.
Weitere behördliche Anforderungen prüfen
Je nach Bundesland, Praxisräumen und angebotenen Leistungen können Gesundheitsamt, Bauamt oder andere Behörden relevant sein. Eine bundesweit einheitliche Pflicht zur Anmeldung jeder Privatpraxis beim Gesundheitsamt besteht nicht.
Berufsgenossenschaft und Arbeitsschutz berücksichtigen
Die selbstständige Tätigkeit ist bei der zuständigen Berufsgenossenschaft zu berücksichtigen. Sobald Sie Mitarbeiter:innen beschäftigen, kommen weitere arbeitsschutzrechtliche Pflichten hinzu, etwa zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung.
Datenschutz organisieren
Dazu gehören insbesondere ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten und erforderliche Auftragsverarbeitungsverträge mit externen Dienstleister:innen. Ein:e Datenschutzbeauftragte:r ist nach § 38 BDSG unter anderem grundsätzlich erforderlich, wenn in der Regel mindestens 20 Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind. Unabhängig von dieser Zahl können weitere gesetzliche Voraussetzungen eine Benennung erforderlich machen.
Berufsrechtliche Kommunikation beachten
Praxisschild, Website und andere öffentliche Angaben müssen den Vorgaben der jeweiligen Berufsordnung entsprechen. § 27 MBO-Ä bildet hierfür die Musterregelung.
Auch reine Privatärzt:innen unterliegen berufsrechtlichen Fortbildungspflichten sowie den für ihre Tätigkeit einschlägigen Hygiene-, Medizinprodukte-, Datenschutz- und Qualitätsanforderungen. Spezifische sozialrechtliche Pflichten der vertragsärztlichen Versorgung gelten dagegen nicht automatisch in gleicher Weise für Privatpraxen.
Welche Rechtsform eignet sich für eine Privatpraxis?
Für eine allein gegründete Privatpraxis ist die Einzelpraxis eine naheliegende Rechtsform. Sie kommt ohne Gesellschaftsvertrag oder Mindestkapital aus und lässt sich vergleichsweise unkompliziert gründen. Als Einzelunternehmer:in haften Sie grundsätzlich persönlich. Die freiberuflichen Einkünfte können bei Vorliegen der steuerlichen Voraussetzungen über eine Einnahmenüberschussrechnung ermittelt werden. Auf die originäre freiberufliche ärztliche Tätigkeit fällt grundsätzlich keine Gewerbesteuer an.
Wenn sich zwei oder mehr Ärzt:innen zusammenschließen möchten, kommen je nach Ausgestaltung beispielsweise eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder eine Partnerschaftsgesellschaft infrage. Auch eine Kapitalgesellschaft kann je nach Landesrecht und Berufsordnung möglich sein. Eine Praxis-GmbH begrenzt bestimmte gesellschaftsrechtliche Haftungsrisiken und kann Beteiligungen erleichtern, führt aber unter anderem zu Bilanzierungs-, Notar- und grundsätzlich auch Gewerbesteuerpflichten. Ob und unter welchen Voraussetzungen eine Kapitalgesellschaft für Ihre ärztliche Tätigkeit zulässig und sinnvoll ist, sollten Sie deshalb vor der Gründung mit Ärztekammer, Steuerberatung und gegebenenfalls einer spezialisierten Kanzlei prüfen.
Auch eine Einzelpraxis mit angestellten Ärzt:innen kann für größere Privatpraxiskonzepte infrage kommen. Reine Privatpraxen unterliegen dabei nicht denselben vertragsärztlichen Beschäftigungsregelungen wie Kassenpraxen. Berufsrechtliche Anforderungen, insbesondere die persönliche ärztliche Leitung, bleiben jedoch zu beachten.
Was kostet die Gründung einer Privatpraxis und wie lässt sie sich finanzieren?
Die Investitionskosten einer Privatpraxis hängen stark von Fachgebiet, Standort, Praxisgröße, Übernahme oder Neugründung und technischer Ausstattung ab. Eine allgemeingültige Summe lässt sich deshalb nicht seriös nennen. Je nach Konzept können die Investitionen vom fünfstelligen Bereich bis deutlich in den sechsstelligen Bereich reichen. Eine beratungsorientierte Praxis mit überschaubarer technischer Ausstattung hat einen anderen Kapitalbedarf als eine Praxis mit Laser, Ultraschall, aufwendiger Diagnostik oder eigenem Labor.
Existenzgründungsanalysen von apoBank und Zentralinstitut zeigen auch für ärztliche Praxen insgesamt große Unterschiede zwischen Fachgebieten und Gründungsformen. Diese Zahlen beziehen sich jedoch nicht ausschließlich auf reine Privatpraxis-Neugründungen und sollten deshalb nur als Orientierung verwendet werden.
Typische Kostenblöcke sind:
- Praxisräume: Kaution, Umbau, gegebenenfalls Barrierefreiheit, Hygieneanforderungen, Empfang und Wartebereich
- Medizintechnik und Einrichtung: von grundlegender Untersuchungsausstattung bis zu Laser, Ultraschall oder spezialisierter Diagnostik
- IT und Praxissoftware: Terminverwaltung, Dokumentation, Abrechnung, Datenschutz und IT-Sicherheit
- Personal und Versicherungen: Gehälter, Berufshaftpflicht sowie gegebenenfalls weitere Praxisversicherungen
- Beratung: Steuerberatung, Recht, Finanzierung und gegebenenfalls Hygiene- oder Datenschutzberatung
- Sichtbarkeit: Praxiswebsite, Google-Unternehmensprofil, professionelle Fotos, Portaleinträge und Praxisschild
Wie finanzieren Sie die Anlaufphase?
Zur Finanzierung kommen Eigenkapital, Praxisdarlehen oder Mischformen infrage. Welche Struktur sinnvoll ist, hängt von Kapitalbedarf, persönlicher finanzieller Situation und Businessplan ab. Für eine reine Privatpraxis ist insbesondere die Anlaufphase wichtig. Sie nimmt nicht an der regulären GKV-Sachleistungsversorgung teil und muss ihren Patient:innenstamm eigenständig aufbauen.
Ein Businessplan sollte deshalb nicht nur Räume, Ausstattung und laufende Kosten abbilden, sondern auch den geplanten Patient:innenzugang: Welche Zielgruppen leben im Einzugsgebiet? Welche Leistungen sollen den Umsatz tragen? Wie erreichen Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und Selbstzahler:innen Ihre Praxis?
Auch eine ausreichende Liquiditätsreserve sollte Teil der Planung sein. Ein pauschaler Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten kann als Planungsrahmen dienen, ist jedoch keine allgemeingültige Vorgabe. Wann eine Praxis wirtschaftlich tragfähig wird, hängt unter anderem von Fachgebiet, Standort, Kostenstruktur, Preisen und Nachfrage ab.
Wie funktioniert die Abrechnung in der Privatpraxis nach GOÄ?
Für berufliche ärztliche Leistungen richtet sich die Vergütung grundsätzlich nach der Gebührenordnung für Ärzte, soweit nicht durch Bundesrecht etwas anderes bestimmt ist. Das gilt sowohl gegenüber Privatversicherten als auch gegenüber gesetzlich Versicherten, die privatärztliche Leistungen als Selbstzahler:innen in Anspruch nehmen. Die GOÄ ordnet ärztlichen Leistungen Gebührennummern und Bewertungsmaßstäbe zu. Die konkrete Vergütung ergibt sich unter anderem aus Gebührennummer, Punktwert und Steigerungsfaktor.
Welche Steigerungsfaktoren gelten?
Bei persönlich-ärztlichen Leistungen reicht der Gebührenrahmen grundsätzlich bis zum 3,5-Fachen des Gebührensatzes. Der sogenannte Schwellenwert liegt regelmäßig beim 2,3-Fachen. Eine Überschreitung des Schwellenwerts muss anhand der Besonderheiten des konkreten Behandlungsfalls nachvollziehbar begründet werden.
Für medizinisch-technische und Laborleistungen gelten teilweise andere Schwellen- und Höchstsätze. Deshalb lässt sich die Regel „bis 2,3 ohne Begründung, bis 3,5 mit Begründung“ nicht auf sämtliche GOÄ-Leistungen übertragen.
Unter bestimmten Voraussetzungen können Ärzt:innen und Patient:innen außerdem vor der Behandlung eine abweichende Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ treffen. Dafür gelten formale Anforderungen und gesetzliche Einschränkungen; eine solche Vereinbarung ist nicht für jede Leistung möglich.
Wie werden neue oder nicht aufgeführte Leistungen abgerechnet?
Für selbstständige ärztliche Leistungen, die nicht im Gebührenverzeichnis enthalten sind, erlaubt § 6 Abs. 2 GOÄ eine Analogabrechnung. Dabei wird eine nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistung aus dem Gebührenverzeichnis herangezogen. Das kann insbesondere bei neueren medizinischen Verfahren relevant sein, die in der bestehenden GOÄ nicht eigenständig abgebildet werden.
Die geltende GOÄ stammt in ihrer Grundstruktur aus einer deutlich früheren medizinischen Versorgungsrealität. Eine umfassende Novellierung ist bislang nicht in Kraft. Stand September 2026 wird ein Inkrafttreten einer neuen GOÄ zum 1. Januar 2028 als möglich beziehungsweise realistisch diskutiert, beschlossen ist dieser Termin jedoch noch nicht.
Welche Informations- und Rechnungspflichten gelten?
Für Privatpraxen sind insbesondere zwei Punkte wichtig. Nach § 630c Abs. 3 BGB müssen Sie Patient:innen vor Beginn der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren, wenn eine vollständige Kostenübernahme durch einen Dritten nicht gesichert ist oder hierfür hinreichende Anhaltspunkte bestehen.
Bei gesetzlich Versicherten, die eine reine Privatpraxis als Selbstzahler:innen aufsuchen, sollte daher vor der Behandlung eindeutig geklärt werden, dass die Leistung privat abgerechnet wird und welche voraussichtlichen Kosten entstehen.
Die spätere Rechnung muss die Anforderungen des § 12 GOÄ erfüllen. Dazu gehören insbesondere Datum der Leistung, Gebührennummer und Leistungsbezeichnung, Steigerungssatz sowie der berechnete Betrag.
Privatpraxen können die Rechnungsstellung auch an privatärztliche Verrechnungsstellen auslagern. Dabei müssen insbesondere Datenschutz, gegebenenfalls erforderliche Einwilligungen, Vertragsbedingungen und Kosten berücksichtigt werden.
Worin unterscheidet sich die Privatpraxis von der Kassenpraxis aus Sicht von Gründer:innen?
Aus Sicht von Gründer:innen unterscheidet sich die reine Privatpraxis vor allem in vier Punkten von einer vertragsärztlichen Praxis: Sie benötigen keine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung, rechnen privatärztliche Leistungen grundsätzlich nach GOÄ ab, unterliegen nicht den vertragsärztlichen Budgets und Wirtschaftlichkeitsprüfungen der GKV und müssen ihren Patient:innenstamm eigenständig aufbauen.
Die Privatpraxis bietet dadurch mehr Spielraum bei Terminplanung, Behandlungsdauer und Leistungsspektrum. Diagnostik und Beratung können außerhalb der Vorgaben der vertragsärztlichen Versorgung angeboten werden, sofern sie medizinisch vertretbar sind und die rechtlichen Voraussetzungen eingehalten werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Privatpraxis frei von Wirtschaftlichkeits-, Berufs- oder Haftungsfragen wäre. Medizinische Indikation, Aufklärung, Dokumentation und GOÄ bleiben maßgeblich.
Nur ungefähr jede zehnte Person in Deutschland verfügt über eine private Krankenvollversicherung. Eine reine Privatpraxis richtet sich deshalb typischerweise an drei Gruppen: Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und gesetzlich Versicherte, die bestimmte Leistungen selbst bezahlen. Anders als eine vertragsärztliche Praxis nimmt sie nicht an der regulären GKV-Sachleistungsversorgung teil. Deshalb spielt der eigenständige Zugang zu Patient:innen von Beginn an eine besonders wichtige Rolle.
Auch die Standortwahl folgt einer anderen Logik. Entscheidend ist nicht, ob ein Planungsbereich für die vertragsärztliche Versorgung geöffnet ist. Wichtiger sind Fragen wie: Welche Zielgruppen leben im Einzugsgebiet? Welche Privatpraxen des eigenen Fachgebiets sind dort bereits vertreten? Und für welche medizinischen Schwerpunkte besteht erkennbare Nachfrage?
Eine MOOCI-Auswertung von 1.860 Praxis-Websites aus dem Jahr 2026 zeigt für Prävention und Longevity deutliche Unterschiede zwischen Fachrichtungen. In der untersuchten verbandsaffinen Population wiesen 11,4 Prozent der Praxen aus der Plastischen Chirurgie und 19,0 Prozent aus der Dermatologie entsprechende Angebote auf ihren Websites nach.
Diese Werte beschreiben die digitale Sichtbarkeit in der untersuchten Population. Sie sagen nicht aus, wie viele Praxen entsprechende Leistungen tatsächlich anbieten.
Wie gewinnt eine Privatpraxis Patient:innen?
Für eine neue Privatpraxis sind digitale Sichtbarkeit, persönliche Empfehlungen und eine nachvollziehbare medizinische Positionierung wichtige Wege zum Aufbau eines Patient:innenstamms. Website, Google-Unternehmensprofil und relevante Profile sollten deshalb möglichst bereits zur Eröffnung vollständig sein. Gerade eine reine Privatpraxis kann sich nicht darauf verlassen, über die reguläre GKV-Versorgung einen bestehenden Patient:innenstrom aufzubauen.
Themen-Suche und lokale Suche getrennt betrachten
Die MOOCI-Auswertungen zeigen, dass sich thematische und lokale Suchanfragen deutlich unterscheiden. Bei den zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen mit zusammen 543.600 Suchanfragen pro Monat entfielen 12,2 Prozent der untersuchten Treffer auf Praxis-Websites. Gewichtet nach Suchvolumen lag ihr Anteil bei 1,3 Prozent. Bei acht von zwölf Themen befand sich keine Praxis-Website unter den Top zehn. Portale und Magazine stellten 39,8 Prozent der Ergebnisse. Bei der untersuchten Suche nach „Arzt + Stadt“ war das Verhältnis deutlich anders: 79,7 Prozent der Treffer entfielen auf Praxis-Websites, unter den Top drei waren es 89 Prozent.
Für Ihre Gründung bedeutet das: Die eigene Praxiswebsite ist besonders wichtig, wenn Patient:innen bereits konkret nach einer Ärztin, einem Arzt oder einer Leistung in ihrer Stadt suchen. Bei allgemeinen Themen-Suchen waren in der MOOCI-Auswertung dagegen redaktionelle Informationsangebote wesentlich stärker vertreten.
Daraus folgt nicht, dass eine neue Praxiswebsite grundsätzlich nicht für ein medizinisches Thema ranken kann. Die Messung zeigt lediglich, dass dies in der untersuchten Population deutlich seltener vorkam.
Auch KI-Übersichten als zusätzliche Ebene beobachten
In elf von 30 untersuchten Städten erschien bei der MOOCI-Messung vom September 2026 für die jeweilige Longevity-Suche eine KI-Übersicht. Von 54 zuordenbaren Quellenangaben entfielen 77,8 Prozent auf Praxis-Websites und 13,0 Prozent auf Fachportale mit eigenen Inhalten. Eine klassische Arztsuche wurde einmal als Quelle erfasst. Für eine neue Privatpraxis spricht das dafür, neben Stammdaten auch aussagekräftige fachliche Inhalte bereitzustellen. Aus der Messung lässt sich jedoch keine allgemeine Regel ableiten, dass Profile ohne längeren Text grundsätzlich nicht als Quelle erscheinen können oder dass eine Website mit Fachtext automatisch in einer KI-Übersicht berücksichtigt wird.
Ob Google eine konkrete Seite als Quelle verwendet, kann jedoch nicht garantiert werden.
Empfehlungen und Positionierung ergänzen die digitale Sichtbarkeit
Ein weiterer Zugang zu Patient:innen entsteht über bestehende berufliche Netzwerke, beispielsweise Kolleg:innen aus der Klinik, Ärzt:innen anderer Fachrichtungen oder andere Gesundheitsberufe. Dabei müssen wirtschaftliche Interessen klar von medizinischen Empfehlungen getrennt bleiben. In Deutschland setzt insbesondere § 31 MBO-Ä beziehungsweise die jeweils verbindliche Landesberufsordnung Grenzen für Vorteile im Zusammenhang mit Zuweisungen. Ebenso wichtig ist eine nachvollziehbare Positionierung. Eine Privatpraxis mit einem klar beschriebenen Schwerpunkt – beispielsweise ästhetische Dermatologie, Sportorthopädie oder Präventionsmedizin – kann Patient:innen verständlicher vermitteln, wofür sie fachlich steht.
Was zusätzliche Patient:innen wirtschaftlich bedeuten können, lässt sich mit einer MOOCI-Modellrechnung einordnen. Für die untersuchten Präventions- und Longevity-Leistungen ergibt sich daraus ein Wert von rund 2.014 € pro Patient:in und Jahr bei etwa zwei Stunden ärztlicher Arbeitszeit. Dabei handelt es sich um einen Modellwert und nicht um eine Prognose für eine einzelne Praxis. In den betrachteten Beispielen können ein bis zwei zusätzliche Patient:innen die Jahreskosten einzelner Sichtbarkeitsmaßnahmen rechnerisch ausgleichen.
Welche Werberegeln gelten?
Ärzt:innen dürfen sachlich über ihre berufliche Tätigkeit und ihre Leistungen informieren. In Deutschland bildet § 27 MBO-Ä beziehungsweise die jeweilige Landesberufsordnung den berufsrechtlichen Rahmen. Anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung kann unzulässig sein.
Je nach beworbener Leistung kann zusätzlich das Heilmittelwerbegesetz relevant werden. § 3 HWG untersagt irreführende Werbung im Anwendungsbereich des Gesetzes. § 11 HWG enthält darüber hinaus besondere Beschränkungen, unter anderem für Vorher-Nachher-Darstellungen bei operativen plastisch-chirurgischen Eingriffen. Eine sachlich formulierte Praxiswebsite oder ein fachlich ausgestaltetes Portalprofil ist deshalb anders zu beurteilen als garantierte Erfolgsversprechen, irreführende Aussagen oder gekaufte Bewertungen.
Was gilt für eine Privatpraxis in Österreich und in der Schweiz?
Deutschland, Österreich und die Schweiz unterscheiden sich in ihren Versorgungssystemen deutlich. Entsprechend lassen sich die deutschen Regeln für eine reine Privatpraxis nicht eins zu eins übertragen.
Österreich: Wahlarztordination ohne Kassenvertrag
Das österreichische Modell, das einer deutschen Privatpraxis am ehesten entspricht, ist die Wahlarztordination. Zum 31. Dezember 2024 waren rund 20.000 Ärzt:innen niedergelassen, darunter 11.802 Wahlärzt:innen und 8.236 Ärzt:innen mit Kassenvertrag. Insgesamt umfasste die österreichische Ärzteschaft zum 31. Dezember 2025 laut Österreichischer Ärztekammer 53.353 Ärzt:innen. Wahlärzt:innen haben keinen Vertrag mit einem gesetzlichen Krankenversicherungsträger und vereinbaren ihr Honorar grundsätzlich direkt mit den Patient:innen. Patient:innen bezahlen die Rechnung zunächst selbst und können anschließend eine Kostenerstattung bei ihrem Krankenversicherungsträger beantragen. Die Erstattung entspricht dabei nicht einfach einem bestimmten Anteil der Wahlarztrechnung, sondern orientiert sich am jeweiligen Kassentarif beziehungsweise den gesetzlichen Erstattungsregeln.
Für die Berufsausübung sind insbesondere die Eintragung in die Ärzteliste sowie die berufsrechtlichen Vorgaben für die Ordination relevant. Für Werbung gelten § 53 ÄrzteG und die Werberichtlinie der Österreichischen Ärztekammer. Sachliche Information ist zulässig; unsachliche oder unwahre Information sowie bestimmte wirtschaftliche Anreize und Provisionen sind begrenzt beziehungsweise verboten.
Die konkreten Voraussetzungen einer Wahlarztordination behandeln wir in einem eigenen Beitrag.
Schweiz: kantonale Berufsausübungsbewilligung und separate OKP-Zulassung
In der Schweiz waren 2025 nach der aktuellen FMH-Ärztestatistik 44.612 Ärzt:innen berufstätig. Für die selbstständige beziehungsweise privatwirtschaftliche Berufsausübung ist insbesondere die Berufsausübungsbewilligung des jeweiligen Kantons relevant.
Davon zu unterscheiden ist die Zulassung zur Tätigkeit zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Für diese gelten zusätzliche bundesrechtliche Voraussetzungen. Kantone können zudem für bestimmte Fachgebiete oder Regionen Höchstzahlen nach Art. 55a KVG festlegen.
Deshalb ist die Aussage, die Zulassung sei in der gesamten Schweiz automatisch an kantonale Höchstzahlen gebunden, zu pauschal.
Eine Praxis kann grundsätzlich auch außerhalb der Abrechnung zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung tätig sein. Welche Kosten durch Patient:innen selbst oder gegebenenfalls über Zusatzversicherungen getragen werden, hängt von Leistung, Versicherungsvertrag und konkreter Situation ab.
Für die allgemeine ärztliche Werbung sind insbesondere das Medizinalberuferecht, kantonale Vorgaben und die FMH-Standesordnung relevant. Das Heilmittelgesetz kommt zusätzlich ins Spiel, wenn konkrete Heilmittel beworben werden.
Digitale Sichtbarkeit in Österreich und der Schweiz
Die MOOCI-Messung zeigt auch hier Unterschiede zwischen den Ländern. Bei „Longevity Arzt + Stadt“ entfielen in Österreich 87,5 Prozent der untersuchten Treffer auf Praxis-Websites. DocFinder erschien in dieser Messung einmal. Eine KI-Übersicht erschien bei drei von fünf untersuchten österreichischen Städten und bei einer von drei Schweizer Städten.
Diese Zahlen beschreiben die untersuchten Suchergebnisse im September 2026. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede Fachrichtung oder jede lokale Suchanfrage übertragen.
Was bringt ein Fachportal einer neuen Privatpraxis zusätzlich zur eigenen Website?
Ein Fachportal kann die eigene Praxiswebsite dort ergänzen, wo Patient:innen zunächst nach einem medizinischen Thema und noch nicht nach einer bestimmten Praxis suchen. In der MOOCI-Auswertung waren Portale und Magazine bei den zwölf nachfragestärksten Longevity-Themen mit 39,8 Prozent der untersuchten Treffer deutlich häufiger vertreten als Praxis-Websites.
Für eine neu gegründete Praxis kann deshalb sowohl die eigene Website als auch eine zusätzliche Präsenz auf fachlich passenden Plattformen sinnvoll sein. Die eigene Website bleibt dabei die zentrale digitale Präsenz Ihrer Praxis. Ein Fachportal kann zusätzliche Berührungspunkte in einer früheren Phase der Informationssuche schaffen.
MOOCI als inhaltsführendes Fachportal
MOOCI verzeichnet rund 890.000 Besuche und 620.000 eindeutige Nutzer:innen pro Monat bei einer durchschnittlichen Verweildauer von 4,35 Minuten. Auf der Plattform sind 683 redaktionelle Fachinhalte veröffentlicht, davon 340 mit Longevity-Bezug. Das Verzeichnis umfasst mehr als 7.500 Arztprofile.
Rund 60 Prozent der Nutzer:innen kommen aus Deutschland, 30 Prozent aus Österreich und 10 Prozent aus der Schweiz.
Suchergebnisse auf MOOCI sind nicht käuflich. Premium-Profile sind gekennzeichnet und erhalten zusätzliche Platzierungen, beispielsweise in thematisch passenden Fachwidgets. MOOCI vergibt keine Ärzt:innenbewertungen und verkauft keine Rangpositionen.
Profil und Autorschaft als zwei unterschiedliche Möglichkeiten
Ein MOOCI-Profil kann kostenlos beansprucht und unter anderem mit Leistungsspektrum, Facharztanerkennung sowie Termin- und Website-Link ergänzt werden. Über das Klick-Tracking lässt sich nachvollziehen, wie viele Klicks von einem Profil zu den hinterlegten Kontaktwegen führen.
Eine weitere Möglichkeit ist die fachliche Autorschaft. Ärzt:innen können bei redaktionellen Fachinhalten als Autor:innen ausgewiesen und mit ihrem Profil verknüpft werden. Dadurch entsteht eine zusätzliche Präsenz innerhalb thematisch passender Inhalte. Ob diese Seiten wiederum bei Google oder in KI-Übersichten erscheinen, kann nicht garantiert werden.
Die MOOCI-Messung zeigt jedoch, dass inhaltsführende Fachportale in der untersuchten Stichprobe überproportional häufig unter den Quellen der ausgewerteten KI-Übersichten vertreten waren.
Die Angaben zu Berufsrecht, Gebührenordnung und steuerlichen Fragen in diesem Beitrag geben den Stand 2026 nach bestem Wissen wieder und ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung. Vor einer Gründung sollten Sie insbesondere die zuständige Ärztekammer, Ihre Steuerberatung und bei Bedarf eine auf Medizinrecht spezialisierte Kanzlei einbeziehen.
Jetzt MOOCI-Profil für Ihre Privatpraxis beanspruchen
Wenn Sie Ihre Privatpraxis planen oder bereits eröffnet haben, können Sie Ihr Arztprofil auf MOOCI kostenlos beanspruchen und Angaben zu Leistungsspektrum, Qualifikation und Terminmöglichkeiten vervollständigen. So schaffen Sie neben Ihrer eigenen Praxiswebsite eine zusätzliche digitale Präsenz für Patient:innen, die nach Ihren fachlichen Schwerpunkten suchen.
Quellen
Ärztekammer Nordrhein: Niederlassung in Privatpraxis
Ärztekammer Berlin: Hinweise zur Gründung einer Privatpraxis
Bundesärztekammer: (Muster-)Berufsordnung für Ärztinnen und Ärzte (MBO-Ä), §§ 17, 21, 27, 31
Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), §§ 1, 2, 6, 12
Heilmittelwerbegesetz (HWG), §§ 3, 11
§ 630c BGB Informationspflichten des Behandelnden
Stell sie anonym. Die MOOCI-Redaktion prüft jede Frage und holt die Antwort einer Fachärztin oder eines Facharztes ein. Beantwortete Fragen erscheinen hier auf der Seite, ohne Namen. Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte direkt an Deine Praxis oder den ärztlichen Notdienst.
Häufige Fragen
Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.
