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Melatonin

Melatonin

Was Melatonin im Körper steuert, wie belastbar die Studienlage ist und wie es in DACH…

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Melatonin gehört zu den bekanntesten Stoffen, die im Zusammenhang mit Schlafproblemen angeboten werden. In Drogerien, Apotheken und im Internet finden sich Kapseln, Sprays und andere Zubereitungen, die das Einschlafen erleichtern sollen. Gleichzeitig warnen Gesundheitsbehörden vor einer unkritischen Anwendung, insbesondere bei längerer Einnahme.

Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die besondere Wirkungsweise von Melatonin. Es ist ein Hormon, das Dein Körper selbst bildet und mit dem er unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Zusätzlich zugeführtes Melatonin wirkt deshalb nicht wie ein klassisches Beruhigungsmittel, sondern beeinflusst vor allem die zeitliche Abstimmung verschiedener Körperfunktionen.

Melatonin kann durchaus Schläfrigkeit fördern und das Einschlafen erleichtern. Seine Wirkung hängt jedoch davon ab, wann es angewendet wird, welcher Schlafrhythmus vorliegt und welche Ursache hinter den Beschwerden steckt. Dieser Artikel erklärt, wie Melatonin funktioniert, welche Anwendungen wissenschaftlich untersucht sind und welche rechtlichen Besonderheiten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten.

Melatonin: Wirkung, Studienlage und rechtliche Einordnung in DACH

Das Wichtigste in Kürze

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Es signalisiert die biologische Nacht und kann das Einschlafen erleichtern, wirkt aber anders als klassische Schlafmittel.

Besonders gut untersucht ist Melatonin bei Jetlag und bestimmten Störungen des inneren Schlafrhythmus. Bei gewöhnlicher Schlaflosigkeit ist der Nutzen meist gering, während für ausgewählte Patientengruppen zugelassene Arzneimittel existieren.

Die Wirkung hängt stark vom biologischen Zeitpunkt der Anwendung ab. Größere Mengen führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen und können unerwünschte Wirkungen wie morgendliche Benommenheit begünstigen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten unterschiedliche Regeln für melatoninhaltige Produkte. Die Abgrenzung zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln muss dabei von der medizinischen Wirksamkeit unterschieden werden.

Was ist Melatonin und wie wirkt es im Körper?

Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das überwiegend in der Zirbeldrüse gebildet wird. Diese kleine Struktur liegt im Zwischenhirn und reagiert indirekt auf die Lichtverhältnisse, die über die Augen wahrgenommen werden. Ausgangsstoff für die Bildung ist die Aminosäure Tryptophan, aus der über mehrere Stoffwechselschritte zunächst Serotonin und anschließend Melatonin entsteht.

Die Melatoninkonzentration im Blut folgt normalerweise einem ausgeprägten Tagesrhythmus. Unter geeigneten Lichtbedingungen beginnt sie am Abend anzusteigen, erreicht während der biologischen Nacht ihren höchsten Bereich und fällt zum Morgen wieder ab. Der genaue Zeitpunkt unterscheidet sich zwischen Menschen und hängt unter anderem von ihrem natürlichen Schlafrhythmus und den Lichtverhältnissen ab.

Wie beeinflusst Melatonin die innere Uhr?

Melatonin bindet an bestimmte Rezeptoren, unter anderem in einer Region des Hypothalamus, in der sich die zentrale innere Uhr befindet. Diese Region wird als suprachiasmatischer Nukleus bezeichnet und stimmt zahlreiche Körpervorgänge auf den Tagesverlauf ab. Dazu gehören der Schlaf-Wach-Rhythmus, Veränderungen der Körpertemperatur und die zeitliche Steuerung weiterer Hormone.

Melatonin unterstützt diese Abstimmung und kann die Einschlafbereitschaft erhöhen. Es kann außerdem zu einer leichten Absenkung der Körperkerntemperatur beitragen, die normalerweise mit der biologischen Nacht verbunden ist. Anders als klassische Schlafmittel führt es jedoch nicht in erster Linie durch eine ausgeprägte Dämpfung des Nervensystems zum Schlaf.

Neben dieser Wirkung werden Melatonin auch antioxidative und weitere zelluläre Eigenschaften zugeschrieben. Solche Effekte sind insbesondere aus Labor- und Tieruntersuchungen bekannt. Daraus lässt sich allerdings nicht unmittelbar ableiten, dass zusätzlich eingenommenes Melatonin beim Menschen Krankheiten verhindert oder den Alterungsprozess verlangsamt.

Was unterscheidet Melatonin vom natürlichen Schlafdruck?

Für das Einschlafen wirken mehrere biologische Systeme zusammen. Einerseits steuert die innere Uhr, zu welchen Tageszeiten Dein Körper auf Schlaf oder Wachheit eingestellt ist. Andererseits steigt im Laufe des Wachseins der sogenannte Schlafdruck an.

An diesem Schlafdruck ist unter anderem der Botenstoff Adenosin beteiligt, dessen Wirkung sich während längerer Wachphasen verstärkt. Melatonin ersetzt diesen Mechanismus nicht, sondern unterstützt die zeitliche Abstimmung mit der biologischen Nacht. Wenn Du beispielsweise am Nachmittag lange geschlafen hast, kann der Schlafdruck am Abend geringer sein, obwohl Dein Körper bereits Melatonin ausschüttet.

Das erklärt, warum eine zusätzliche Einnahme nicht bei jeder Schlafstörung gleichermaßen hilft. Besonders bei einer Verschiebung des inneren Rhythmus kann Melatonin sinnvoll sein. Bei Beschwerden durch Schmerzen, Stress oder andere Erkrankungen muss dagegen vor allem die zugrunde liegende Ursache berücksichtigt werden.

Wie entsteht Dein Tag-Nacht-Rhythmus?

Wie entsteht der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus?

Die innere Uhr des Menschen folgt einem ungefähr 24-stündigen Rhythmus. Ihre natürliche Eigenperiode entspricht jedoch nicht bei allen Menschen exakt einem Kalendertag. Damit Schlaf und Wachheit trotzdem mit Tag und Nacht übereinstimmen, wird dieser Rhythmus regelmäßig durch äußere Signale angepasst.

Das wichtigste Signal dafür ist Licht. Spezielle lichtempfindliche Zellen in der Netzhaut übermitteln Informationen über die Helligkeit an die innere Uhr. Besonders empfindlich reagieren diese Zellen auf bestimmte kurzwellige Lichtanteile, die häufig als blaues Licht bezeichnet werden.

Warum ist Tageslicht am Morgen wichtig?

Licht am Morgen kann die innere Uhr unter geeigneten Bedingungen zeitlich nach vorne verschieben. Dadurch kann sich auch die natürliche Einschlafbereitschaft am folgenden Abend früher einstellen. Tageslicht im Freien ist dafür besonders geeignet, weil es normalerweise deutlich heller ist als die Beleuchtung in Innenräumen.

Wenn Du morgens regelmäßig nach draußen gehst, unterstützt Du damit die zeitliche Abstimmung Deines Schlaf-Wach-Rhythmus. Wie lange die Lichtexposition sein sollte, hängt unter anderem von der Helligkeit, der Jahreszeit und dem individuellen Rhythmus ab. Eine bestimmte Minutenzahl garantiert deshalb nicht bei jedem Menschen denselben Effekt.

Warum kann helles Licht am Abend stören?

Helles Licht am Abend kann die körpereigene Melatoninausschüttung unterdrücken oder zeitlich verzögern. Das betrifft nicht nur Smartphones und Computerbildschirme, sondern auch eine starke Raumbeleuchtung. Wie ausgeprägt dieser Effekt ausfällt, hängt von Lichtintensität, Dauer, Spektrum und individueller Empfindlichkeit ab.

Wer abends lange hellem Licht ausgesetzt ist, kann dadurch später schläfrig werden. Besonders bei ohnehin spätem Schlafrhythmus kann dies bestehende Probleme verstärken. Eine gedämpfte Beleuchtung am Abend und ein regelmäßiger Aufstehzeitpunkt können helfen, den Tagesrhythmus besser zu stabilisieren.

Woran erkennt man einen verschobenen Schlafrhythmus?

Nicht jedes Einschlafproblem hat dieselbe Ursache. Manche Menschen können grundsätzlich gut schlafen, werden aber erst sehr spät müde und wachen entsprechend spät auf. Andere liegen auch dann lange wach, wenn sie ausreichend Gelegenheit zum Schlafen haben.

Ein Hinweis auf einen verzögerten Schlafrhythmus kann sein, dass Du an freien Tagen deutlich später einschläfst und aufwachst, dabei aber ausreichend und erholsam schläfst. Wenn Du dagegen auch ohne feste Termine schlecht ein- oder durchschläfst, kann eher eine Insomnie vorliegen. Eine Insomnie bezeichnet anhaltende Schlafprobleme, die mit Beschwerden oder Einschränkungen am Tag verbunden sind.

Was bedeutet sozialer Jetlag?

Sozialer Jetlag beschreibt eine zeitliche Abweichung zwischen dem natürlichen Schlafrhythmus und den Schlafzeiten, die durch Arbeit, Schule oder andere Verpflichtungen vorgegeben werden. Gemessen wird er unter anderem anhand der unterschiedlichen Schlafmitte an Arbeits- und freien Tagen. Die Schlafmitte ist der Zeitpunkt, der genau zwischen Einschlafen und Aufwachen liegt.

Wenn sich Deine Schlafzeiten am Wochenende deutlich nach hinten verschieben, kann das auf eine unzureichende Abstimmung zwischen Deiner inneren Uhr und Deinen täglichen Verpflichtungen hinweisen. Allerdings können auch Schlafmangel unter der Woche und längeres Ausschlafen am Wochenende zu solchen Unterschieden beitragen. Aus einer einzelnen Zeitverschiebung lässt sich deshalb noch keine Schlafrhythmusstörung diagnostizieren.

Was bringt ein Schlaftagebuch?

Ein Schlaftagebuch kann helfen, wiederkehrende Muster besser zu erkennen. Über zwei bis drei Wochen werden dafür beispielsweise Zubettgehzeiten, geschätzte Einschlafdauer, nächtliche Wachphasen, Aufwachzeiten und das Befinden am Morgen dokumentiert. So lassen sich Unterschiede zwischen Arbeits- und freien Tagen sowie mögliche Auslöser von Schlafproblemen nachvollziehen.

Diese Informationen können auch bei einer ärztlichen Abklärung hilfreich sein. Bei Verdacht auf eine Schlaf-Wach-Rhythmusstörung werden teilweise zusätzliche Untersuchungen eingesetzt, etwa eine längerfristige Aufzeichnung von Ruhe und Aktivität. Wenn gleichzeitig starkes Schnarchen, Atemaussetzer oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit auftreten, sollte zudem eine Schlafapnoe abgeklärt werden.

Was kann die körpereigene Melatoninbildung beeinflussen?

Die Ausschüttung von Melatonin wird vor allem durch den Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit gesteuert. Bereits mäßige Helligkeit kann am Abend bei empfindlichen Menschen zu einer messbaren Unterdrückung der Ausschüttung führen. Die Wirkung unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen einzelnen Personen.

Auch das Lebensalter kann die nächtliche Melatoninproduktion beeinflussen. Studien zeigen bei älteren Menschen im Durchschnitt teilweise niedrigere Melatoninkonzentrationen, allerdings mit großen individuellen Unterschieden. Schlafprobleme im Alter lassen sich deshalb nicht automatisch durch einen Melatoninmangel erklären.

Welche Auswirkungen haben Schichtarbeit und wechselnde Schlafzeiten?

Schichtarbeit kann die innere Uhr wiederholt mit widersprüchlichen Zeitinformationen konfrontieren. Besonders wechselnde Arbeitszeiten erschweren es dem Körper, einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus aufrechtzuerhalten. Dadurch können Ein- und Durchschlafprobleme, Tagesmüdigkeit und eine verminderte Wachheit während der Arbeit entstehen.

Auch unregelmäßige Schlafenszeiten können die Anpassung an feste Tagesabläufe erschweren. Eine gezielte Lichtsteuerung und möglichst verlässliche Schlafgelegenheiten können helfen, die Belastung zu verringern. Bei ausgeprägten Beschwerden ist eine schlafmedizinische oder arbeitsmedizinische Beratung sinnvoll.

Können Medikamente, Alkohol und Koffein den Schlaf beeinflussen?

Bestimmte Medikamente können die körpereigene Melatoninproduktion verändern. Dazu gehören beispielsweise einzelne Betablocker, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden. Auch für manche entzündungshemmenden Schmerzmittel wurden Auswirkungen untersucht, wobei sich die Ergebnisse nicht auf sämtliche Wirkstoffe übertragen lassen.

Alkohol kann zunächst schläfrig machen, beeinträchtigt aber häufig die Schlafqualität und führt insbesondere in der zweiten Nachthälfte zu vermehrten Wachphasen. Er ist deshalb keine geeignete Einschlafhilfe. Koffein wiederum blockiert die Wirkung von Adenosin und kann dadurch den Schlafdruck vorübergehend überdecken, ohne das eigentliche Schlafbedürfnis zu beseitigen.

Wie lange Koffein wirkt, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Eine Einnahme am Nachmittag kann bei empfindlichen Personen deshalb noch am Abend den Schlaf stören. Auch individuelle Unterschiede beim Stoffwechsel und die insgesamt konsumierte Menge sind dabei relevant.

Wie gut hilft Melatonin bei Einschlafproblemen?

Wie gut hilft Melatonin bei Einschlafproblemen?

Die Wirksamkeit von Melatonin wurde in zahlreichen kontrollierten Studien untersucht. Zusammenfassende Auswertungen zeigen, dass sich die Einschlafdauer gegenüber Placebo im Durchschnitt etwas verkürzen kann. Der Unterschied liegt in vielen Untersuchungen ungefähr in einer Größenordnung von zehn Minuten, wobei die Ergebnisse je nach untersuchter Gruppe und Präparat variieren.

Auf die gesamte Schlafdauer und die subjektive Schlafqualität sind die Effekte weniger einheitlich. Deshalb sollte eine statistisch nachweisbare Verkürzung der Einschlafzeit nicht mit einer umfassenden Behandlung aller Schlafprobleme gleichgesetzt werden. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen gewöhnlicher Schlaflosigkeit und einer Störung der inneren Uhr.

Wann kann Melatonin bei einem verzögerten Schlafrhythmus helfen?

Manche Menschen werden regelmäßig erst sehr spät müde und können morgens nur schwer zur gewünschten Zeit aufstehen. Wenn dieses Muster dauerhaft besteht und den Alltag beeinträchtigt, kann eine verzögerte Schlaf-Wach-Phasenstörung vorliegen. Dabei ist die biologische Nacht gegenüber den gesellschaftlich üblichen Schlafzeiten nach hinten verschoben.

Bei einer solchen Störung kann Melatonin helfen, den inneren Rhythmus zeitlich zu verändern. Die Wirkung hängt besonders davon ab, zu welchem biologischen Zeitpunkt es angewendet wird. Häufig wird die Behandlung deshalb mit einer gezielten Lichtsteuerung und einem abgestimmten Schlafplan kombiniert.

Nicht jeder Mensch mit spätem Einschlafen hat jedoch eine behandlungsbedürftige Rhythmusstörung. Auch persönliche Gewohnheiten, unregelmäßige Tagesabläufe oder eine chronische Insomnie können ähnliche Beschwerden verursachen. Vor einer Behandlung ist deshalb eine sorgfältige Unterscheidung sinnvoll.

Hilft Melatonin bei älteren Menschen?

Für ausgewählte ältere Menschen mit Schlafstörungen gibt es in Europa zugelassene verschreibungspflichtige Melatonin-Arzneimittel. Ein entsprechendes Arzneimittel mit verzögerter Freisetzung ist zur kurzfristigen Behandlung der primären Insomnie mit unzureichender Schlafqualität bei Personen ab 55 Jahren zugelassen. Die verzögerte Freisetzung soll den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum verfügbar machen.

Diese Zulassung bedeutet nicht, dass Melatonin für alle älteren Menschen mit Schlafproblemen geeignet ist. Ebenso wenig beweist sie, dass die Beschwerden grundsätzlich durch eine zu geringe körpereigene Melatoninproduktion verursacht werden. Nutzen und mögliche Risiken müssen im jeweiligen Einzelfall beurteilt werden.

Wie wirksam ist Melatonin bei chronischer Insomnie?

Bei einer chronischen Insomnie bestehen Ein- oder Durchschlafprobleme über einen längeren Zeitraum und beeinträchtigen das Befinden am Tag. Häufig kommen mehrere Ursachen zusammen, beispielsweise Stress, ungünstige Schlafgewohnheiten, körperliche Beschwerden oder psychische Erkrankungen. Melatonin kann diese Ursachen nicht automatisch beheben.

Die deutsche S3-Leitlinie zur Insomnie empfiehlt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als Behandlung erster Wahl. Sie setzt gezielt an Verhaltensweisen und Denkmustern an, die anhaltende Schlafprobleme aufrechterhalten können. Für eine langfristige, unkontrollierte Einnahme von Melatonin bestehen dagegen weiterhin erhebliche Wissenslücken zur Wirksamkeit und Sicherheit.

Hilft Melatonin gegen Jetlag und bei Schichtarbeit?

Jetlag entsteht, wenn die innere Uhr nach einer Fernreise noch nicht zur neuen Ortszeit passt. Besonders bei Flügen über mehrere Zeitzonen können dadurch Schlafprobleme, Müdigkeit und eine verminderte Leistungsfähigkeit auftreten. Die Beschwerden lassen meist nach, sobald sich der Körper ausreichend an den neuen Tagesrhythmus angepasst hat.

Wie gut ist Melatonin bei Jetlag untersucht?

Für Jetlag gibt es vergleichsweise gute Hinweise auf einen möglichen Nutzen von Melatonin. Mehrere Übersichtsarbeiten zeigen, dass es die Beschwerden nach langen Flugreisen lindern kann. Besonders bei Reisen nach Osten und bei der Überquerung zahlreicher Zeitzonen wurden günstige Ergebnisse beschrieben.

Dabei ist der Zeitpunkt der Anwendung besonders wichtig. Melatonin beeinflusst den inneren Rhythmus abhängig davon, wann das Signal im Verhältnis zur biologischen Nacht aufgenommen wird. Eine ungünstige Anwendung kann deshalb die Anpassung erschweren, statt sie zu unterstützen.

Melatonin ist dennoch kein Ersatz für eine geeignete Schlafplanung und den richtigen Umgang mit Licht am Reiseziel. Ob eine Anwendung sinnvoll ist, hängt auch von Begleiterkrankungen und gleichzeitig eingenommenen Medikamenten ab. Vor einer geplanten Verwendung ist deshalb eine ärztliche oder pharmazeutische Beratung sinnvoll.

Was zeigen Studien bei Schichtarbeit?

Bei Schichtarbeit ist die Studienlage weniger überzeugend. Einzelne Untersuchungen zeigen, dass Melatonin den Schlaf nach einer Nachtschicht verlängern kann. Eine zuverlässige Verbesserung der Wachheit und Leistungsfähigkeit während der Schicht wurde jedoch nicht nachgewiesen.

Besonders wechselnde Schichtsysteme erschweren die Anpassung der inneren Uhr. Deshalb werden zunächst arbeitsorganisatorische Maßnahmen empfohlen, etwa eine möglichst verträgliche Schichtplanung, geeignete Pausen und ausreichend lange Ruhezeiten. Auch gezielte Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz und eine abgedunkelte Schlafumgebung am Tag können hilfreich sein.

Ein häufig empfohlenes Prinzip ist die Vorwärtsrotation der Schichten, bei der auf eine Frühschicht eine Spät- und anschließend eine Nachtschicht folgt. Ob ein solches Modell geeignet ist, hängt jedoch von den konkreten Arbeitsbedingungen ab. Bei anhaltenden Schlafproblemen durch Schichtarbeit sollte eine individuelle fachliche Abklärung erfolgen.

Warum sind Zeitpunkt und Menge bei Melatonin wichtig?

Melatonin wirkt als biologisches Zeitsignal. Deshalb hängt seine Wirkung auf die innere Uhr wesentlich davon ab, wann es im Verhältnis zum persönlichen Schlaf-Wach-Rhythmus verfügbar ist. Die gleiche Substanz kann unter unterschiedlichen zeitlichen Bedingungen verschiedene Auswirkungen haben.

Kann Melatonin den Schlafrhythmus in beide Richtungen verschieben?

Unter bestimmten Bedingungen kann Melatonin die innere Uhr zeitlich nach vorne oder nach hinten verschieben. Eine Vorverlagerung wird insbesondere bei einer Anwendung vor Beginn der biologischen Nacht beobachtet. Eine Verschiebung nach hinten kann dagegen bei einer Anwendung in den späteren Nacht- oder frühen Morgenstunden auftreten.

Dazwischen liegen Zeitbereiche, in denen die rhythmusverschiebende Wirkung geringer sein kann. Deshalb lässt sich aus einer gewöhnlichen Uhrzeit allein nicht zuverlässig vorhersagen, wie Melatonin bei Dir wirkt. Maßgeblich sind unter anderem Dein individueller Rhythmus, die Lichtverhältnisse und die verwendete Zubereitung.

Eine falsch abgestimmte Anwendung kann somit den gewünschten Effekt verfehlen oder eine bestehende Rhythmusverschiebung verstärken. Das ist besonders bei Jetlag und verzögerten Schlafphasen relevant. Konkrete Anwendungszeiten sollten deshalb nicht ohne Berücksichtigung der individuellen Situation festgelegt werden.

Warum ist eine größere Menge nicht automatisch besser?

Bei Melatonin besteht kein einfacher Zusammenhang zwischen einer größeren Menge und einer stärkeren Wirkung. Studien zeigen, dass unterschiedliche untersuchte Mengen teilweise ähnliche Auswirkungen auf die innere Uhr haben. Die Ergebnisse hängen außerdem von der Darreichungsform, dem Zeitpunkt und individuellen Unterschieden beim Abbau ab.

Größere Mengen können zu Blutkonzentrationen führen, die deutlich über den körpereigenen Nachtwerten liegen. Dadurch können unerwünschte Wirkungen wie Benommenheit, Schwindel oder Konzentrationsprobleme am folgenden Tag begünstigt werden. Eine größere Menge bietet deshalb keine Garantie für besseren oder erholsameren Schlaf.

Ein weiteres Problem ist die Zusammensetzung bestimmter frei verkäuflicher Produkte. Untersuchungen aus verschiedenen Ländern fanden teilweise erhebliche Unterschiede zwischen dem angegebenen und dem tatsächlich enthaltenen Melatoningehalt. Deshalb sollten Anwendung, Menge und Dauer nicht allein anhand von Werbeversprechen festgelegt werden.

Wie ist Melatonin in Deutschland, Österreich und der Schweiz geregelt?

Die rechtliche Einordnung von Melatonin unterscheidet sich zwischen den drei Ländern. Außerdem muss zwischen zugelassenen Arzneimitteln und Produkten unterschieden werden, die als Nahrungsergänzungsmittel oder in anderen Kategorien angeboten werden. Die freie Verfügbarkeit eines Produkts bedeutet nicht automatisch, dass es für jede Anwendung geeignet oder rechtlich korrekt eingestuft ist.

Welche Regeln gelten in Deutschland?

In Deutschland gibt es verschreibungspflichtige Arzneimittel mit dem Wirkstoff Melatonin. Dazu gehören bestimmte Präparate zur kurzzeitigen Behandlung einer primären Insomnie bei Menschen ab 55 Jahren. Weitere zugelassene Arzneimittel sind unter bestimmten Voraussetzungen für Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit ausgewählten neurologischen Entwicklungsstörungen beziehungsweise ADHS vorgesehen.

Daneben werden melatoninhaltige Produkte als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Teilweise finden sich auch Produkte, die als Medizinprodukte vermarktet werden. Ob eine solche Einstufung rechtlich zulässig ist, hängt von den konkreten Eigenschaften und der Zweckbestimmung des jeweiligen Produkts ab.

Für Melatonin existiert in Deutschland keine allgemeingültige Mengengrenze, unterhalb derer jedes Produkt automatisch als Lebensmittel einzustufen wäre. Die Abgrenzung zwischen Arzneimittel und Lebensmittel war deshalb bereits Gegenstand behördlicher und gerichtlicher Entscheidungen. Eine Vermarktung als Nahrungsergänzungsmittel ersetzt nicht die Prüfung der lebensmittelrechtlichen Zulässigkeit.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt insbesondere vor einer unkontrollierten längerfristigen Einnahme melatoninhaltiger Nahrungsergänzungsmittel. Nach seiner Bewertung reichen die vorhandenen Daten nicht aus, um mögliche Langzeitrisiken zuverlässig auszuschließen. Besondere Vorsicht ist unter anderem bei bestimmten Vorerkrankungen und bei Kindern geboten.

Welche Regeln gelten in Österreich?

Auch in Österreich gibt es zugelassene melatoninhaltige Arzneimittel für bestimmte medizinische Anwendungsgebiete. Ihr Zulassungsstatus und ihre Abgabebedingungen können über die österreichische Arzneimitteldatenbank überprüft werden. Für verschreibungspflichtige Arzneimittel gelten andere Anforderungen als für gewöhnliche Nahrungsergänzungsmittel.

Daneben werden auch in Österreich melatoninhaltige Produkte im Bereich der Nahrungsergänzung angeboten. Ihre rechtliche Einstufung hängt jedoch nicht allein von der enthaltenen Menge ab. Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen kann im Rahmen eines Abgrenzungsverfahrens beurteilen, ob ein bestimmtes Produkt als Arzneimittel einzustufen ist.

Deshalb lässt sich nicht allgemein behaupten, dass niedrig dosiertes Melatonin in Österreich immer als Nahrungsergänzungsmittel zulässig sei. Maßgeblich sind die konkrete Zusammensetzung, die Zweckbestimmung und die rechtlichen Anforderungen. Auch die Art der Bewerbung kann für die Einstufung relevant sein.

Welche Regeln gelten in der Schweiz?

In der Schweiz wird Melatonin grundsätzlich dem Arzneimittelbereich zugeordnet und ist nicht regulär als gewöhnliche Nahrungsergänzung zugelassen. Für zugelassene melatoninhaltige Arzneimittel gelten die jeweiligen Abgabebestimmungen von Swissmedic. Diese unterscheiden sich von den Regeln für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland und Österreich.

Besondere Vorsicht ist deshalb bei Produkten geboten, die im Ausland frei angeboten werden. Ihre Verfügbarkeit in einem Nachbarland bedeutet nicht, dass sie in der Schweiz ebenfalls regulär vertrieben werden dürfen. Auch bei einer privaten Einfuhr sind die schweizerischen Arzneimittelvorschriften zu beachten.

Welche Regelungen für ein konkretes Produkt gelten, sollte anhand des aktuellen Zulassungsstatus und der einschlägigen Einfuhrbestimmungen geprüft werden. Gerade beim Wechsel zwischen den Ländern können sich dadurch praktische Unterschiede ergeben. Eine pauschale Aussage über die Zulässigkeit sämtlicher melatoninhaltiger Produkte ist deshalb nicht sinnvoll.

Welche gesundheitsbezogenen Werbeaussagen sind in der EU erlaubt?

Für Melatonin gibt es in der Europäischen Union zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu einer Verkürzung der Einschlafzeit und zur Linderung subjektiver Jetlag-Beschwerden. Diese Aussagen dürfen jedoch nur verwendet werden, wenn die jeweils festgelegten gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind. Sie erlauben keine beliebigen Versprechen zur Behandlung von Schlafstörungen.

Ein zugelassener Health Claim ist außerdem keine arzneimittelrechtliche Zulassung. Er bedeutet nicht automatisch, dass jedes melatoninhaltige Produkt als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden darf. Ob ein Produkt rechtmäßig in Verkehr gebracht werden kann, muss unabhängig von der Werbeaussage geprüft werden.

Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen hat Melatonin?

Melatonin wird bei kurzfristiger und medizinisch begründeter Anwendung von vielen Menschen gut vertragen. Trotzdem kann es unerwünschte Wirkungen verursachen, deren Häufigkeit und Ausprägung unter anderem von der verwendeten Zubereitung und der individuellen Empfindlichkeit abhängen. Besonders bei einer längeren, unkontrollierten Einnahme bestehen weiterhin Unsicherheiten zur Sicherheit.

Zu den beschriebenen Nebenwirkungen gehören:

  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Übelkeit und gelegentliche Magen-Darm-Beschwerden
  • Morgendliche Benommenheit und Tagesmüdigkeit
  • Verminderte Aufmerksamkeit und verlängerte Reaktionszeit
  • Lebhafte Träume oder Albträume
  • Gelegentlich Kraftlosigkeit oder Gangunsicherheit

Besonders wichtig sind mögliche Nachwirkungen am folgenden Morgen. Bei manchen Menschen wird Melatonin langsamer abgebaut, sodass die schlaffördernde Wirkung länger anhalten kann als erwartet. Dadurch können Konzentration, Reaktionsvermögen und Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist deshalb darauf hin, dass selbst vergleichsweise geringe Mengen unerwünschte Wirkungen verursachen können. Eine gute kurzfristige Verträglichkeit bedeutet außerdem nicht, dass eine regelmäßige Einnahme über Monate oder Jahre unbedenklich ist. Für diese langfristige Anwendung fehlen insbesondere bei gesunden Menschen ausreichend belastbare Sicherheitsdaten.

Welche Medikamente können mit Melatonin wechselwirken?

Melatonin wird in der Leber vor allem über das Enzym CYP1A2 abgebaut. Bestimmte Medikamente können dieses Enzym hemmen und dadurch die Melatoninkonzentration im Blut deutlich erhöhen. Ein gut beschriebenes Beispiel ist das Antidepressivum Fluvoxamin, während sich die Wechselwirkungen anderer Antidepressiva unterscheiden.

Auch bestimmte Antibiotika, beispielsweise Ciprofloxacin, können den Abbau beeinflussen. Rauchen kann umgekehrt die Aktivität von CYP1A2 erhöhen und damit den Melatoninabbau beschleunigen. Solche Zusammenhänge lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf jedes Medikament oder jede Person übertragen.

Besondere Vorsicht ist außerdem bei der Kombination mit Beruhigungs- und Schlafmitteln geboten, da sich dämpfende Wirkungen verstärken können. Auch bei blutgerinnungshemmenden Medikamenten, bestimmten Blutdrucksenkern und Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes sind mögliche Wechselwirkungen zu berücksichtigen. Welche Kombination tatsächlich problematisch ist, hängt vom jeweiligen Wirkstoff und der individuellen gesundheitlichen Situation ab.

Wenn Du regelmäßig Medikamente einnimmst, solltest Du eine mögliche Anwendung von Melatonin vorher mit Ärzten und Ärztinnen oder in der Apotheke besprechen. Das gilt auch für Produkte, die als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden. Die freie Verfügbarkeit bedeutet nicht, dass Wechselwirkungen ausgeschlossen sind.

Für wen ist Melatonin nicht geeignet?

Nicht alle Menschen sollten Melatonin ohne ärztliche Begleitung anwenden. Insbesondere bei bestimmten Vorerkrankungen und in sensiblen Lebensphasen fehlen ausreichende Sicherheitsdaten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät daher verschiedenen Personengruppen ausdrücklich von einer unkontrollierten Einnahme melatoninhaltiger Nahrungsergänzungsmittel ab.

Dazu gehören insbesondere:

  • Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch
  • Kinder und Jugendliche ohne entsprechende medizinische Indikation
  • Menschen mit Autoimmunerkrankungen oder Epilepsie
  • Personen mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion
  • Menschen mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes
  • Personen, die Medikamente mit möglichen Wechselwirkungen einnehmen

Bei Autoimmunerkrankungen bestehen beispielsweise Unsicherheiten über mögliche Auswirkungen auf das Immunsystem. Bei eingeschränkter Leberfunktion kann sich der Abbau verändern, wodurch die Wirkung länger anhalten könnte. Auch bei Epilepsie ist eine individuelle ärztliche Einschätzung erforderlich.

Bei Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen sollte eine Schlafstörung ebenfalls fachlich eingeordnet werden. Die Schlafprobleme können Teil der Grunderkrankung sein und eine gezielte Behandlung erfordern. Melatonin ersetzt weder diese Abklärung noch eine gegebenenfalls notwendige Therapie.

Warum ist bei Kindern und Jugendlichen besondere Vorsicht nötig?

Für bestimmte Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter sind melatoninhaltige Arzneimittel unter klar festgelegten Voraussetzungen zugelassen. Dazu gehören ausgewählte Patientengruppen mit neurologischen Entwicklungsstörungen beziehungsweise ADHS. Eine solche Behandlung erfolgt unter fachärztlicher Verantwortung und ist nicht mit der freien Verwendung eines Schlafpräparats gleichzusetzen.

Bei einer längerfristigen Anwendung bestehen weiterhin offene Fragen zu möglichen Auswirkungen auf hormonelle Entwicklungsprozesse. Besonders die langfristige Sicherheit bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen ist nicht ausreichend geklärt. Deshalb sollten Schlafprobleme in dieser Altersgruppe nicht eigenständig mit Melatonin behandelt werden.

Zusätzlich wurden aus mehreren Ländern zahlreiche versehentliche Melatoninaufnahmen durch Kinder gemeldet. Ein erhöhtes Risiko besteht bei süß schmeckenden oder wie Süßigkeiten aussehenden Zubereitungen. Solche Produkte müssen deshalb grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

Wenn Deine Schlafprobleme über mindestens drei Monate bestehen und den Alltag beeinträchtigen, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Dasselbe gilt bei ausgeprägter Tagesmüdigkeit, nächtlichen Atemaussetzern oder anderen auffälligen Beschwerden. Die Ursache der Schlafstörung sollte dann untersucht werden, statt ausschließlich nach einem geeigneten Präparat zu suchen.

Was hilft beim Einschlafen ohne Melatonin?

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus gehört zu den wichtigsten Grundlagen eines gesunden Schlafs. Besonders ein möglichst stabiler Aufstehzeitpunkt kann helfen, die innere Uhr an den Tagesablauf anzupassen. Auch geeignete Lichtverhältnisse unterstützen diese zeitliche Abstimmung.

Tageslicht am Morgen fördert unter passenden Bedingungen die Anpassung an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Eine gedämpfte Beleuchtung am Abend kann dagegen verhindern, dass die körpereigene Melatoninausschüttung unnötig unterdrückt wird. Wie stark diese Maßnahmen wirken, hängt von den individuellen Schlafgewohnheiten und der Ursache möglicher Beschwerden ab.

Welche Gewohnheiten unterstützen gesunden Schlaf?

Für einen möglichst erholsamen Schlaf können verschiedene Maßnahmen hilfreich sein:

  • Möglichst regelmäßige Aufsteh- und Schlafenszeiten
  • Ausreichend Tageslicht und körperliche Aktivität während des Tages
  • Gedämpfte Beleuchtung am Abend
  • Eine ruhige, dunkle und angenehm temperierte Schlafumgebung
  • Weniger Koffein in den Stunden vor dem Schlafengehen
  • Kein Alkohol als Einschlafhilfe
  • Ein entspannender Übergang zwischen Tagesaktivitäten und Nachtruhe

Diese Empfehlungen können einen gesunden Schlaf unterstützen, sind aber nicht automatisch eine ausreichende Behandlung einer chronischen Insomnie. Bei anhaltenden Beschwerden können zusätzlich bestimmte Verhaltensweisen, Sorgen oder körperliche Erkrankungen berücksichtigt werden müssen. Deshalb sollte zwischen allgemeiner Schlafhygiene und einer gezielten Therapie unterschieden werden.

Welche Behandlung hilft bei chronischer Insomnie?

Bei einer chronischen Insomnie empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als Behandlung erster Wahl. Sie wird häufig mit der englischen Abkürzung KVT-I bezeichnet und ist speziell auf anhaltende Ein- und Durchschlafstörungen ausgerichtet. Ihre Wirksamkeit ist in zahlreichen kontrollierten Untersuchungen belegt.

Die Behandlung umfasst verschiedene therapeutische Verfahren. Dazu gehören beispielsweise eine gezielte Anpassung der Bettzeit, der Umgang mit längerem Wachliegen und die Bearbeitung belastender Gedanken über den eigenen Schlaf. Ziel ist es, ungünstige Verhaltensmuster zu verändern und den Schlaf langfristig zu stabilisieren.

Die kognitive Verhaltenstherapie kann persönlich oder in geeigneten digitalen Behandlungsprogrammen angeboten werden. Sie ist von einfachen Entspannungsübungen und allgemeinen Schlafratschlägen zu unterscheiden. Welche Form der Behandlung geeignet ist, hängt von den individuellen Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Ein Präparat kann solche Maßnahmen nicht in jedem Fall ersetzen. Besonders bei länger bestehenden Schlafstörungen ist es sinnvoll, zunächst die zugrunde liegenden Ursachen zu untersuchen. Dazu können auch Depressionen, Schmerzen, Schlafapnoe oder andere Erkrankungen gehören.

Kann Melatonin das Altern verlangsamen?

Melatonin wird auch im Zusammenhang mit Longevity, also der Erforschung gesunden Alterns, untersucht. Dabei interessieren sich Forschende unter anderem für seine antioxidativen Eigenschaften und mögliche Auswirkungen auf die Mitochondrien. Diese Zellbestandteile sind an der Energieversorgung beteiligt und stehen selbst im Mittelpunkt verschiedener Untersuchungen zu Alterungsprozessen.

In Laborversuchen kann Melatonin bestimmte reaktive Sauerstoffverbindungen beeinflussen. Außerdem wurden Auswirkungen auf zelluläre Signalwege, Entzündungsprozesse und die Funktion von Mitochondrien beschrieben. Solche Ergebnisse zeigen biologische Eigenschaften des Hormons, beweisen aber keine gesundheitsfördernde Wirkung einer zusätzlichen Einnahme beim Menschen.

Was zeigen Studien zu Zellschutz und chronischen Erkrankungen?

Ein Teil der Untersuchungen zu Melatonin stammt aus Zellkulturen und Tiermodellen. Dort wurden unter anderem mögliche antioxidative und entzündungsmodulierende Effekte beobachtet. Diese Ergebnisse lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf die Vorbeugung oder Behandlung menschlicher Erkrankungen übertragen.

Auch in der Krebsmedizin wird Melatonin in einzelnen klinischen Studien als mögliche ergänzende Behandlung untersucht. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und reichen nicht aus, um eine allgemeine Anwendung zu empfehlen. Melatonin ist deshalb kein nachgewiesenes Mittel zur Krebsprävention und darf etablierte Behandlungen nicht ersetzen.

Ähnliches gilt für mögliche Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, den Energiestoffwechsel und die allgemeine Zellgesundheit. Einzelne Studien haben biologische Veränderungen oder Zusammenhänge beschrieben, doch belastbare Nachweise für eine langfristige Verringerung von Erkrankungen fehlen. Auch eine Verlängerung der menschlichen Lebensdauer durch die Einnahme von Melatonin wurde bisher nicht überzeugend belegt.

Ist die körpereigene Melatoninbildung wichtiger?

Für die normale Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus ist die körpereigene Melatoninbildung von großer Bedeutung. Ein stabiler Tagesrhythmus und geeignete Lichtverhältnisse können dazu beitragen, dass diese zeitliche Regulation möglichst wenig gestört wird. Dazu gehören Tageslicht während des Tages und eine möglichst dunkle Schlafumgebung in der Nacht.

Solche Maßnahmen sind keine nachgewiesene Anti-Aging-Therapie. Sie unterstützen jedoch den natürlichen Schlafrhythmus, ohne dass zusätzlich ein Hormon zugeführt werden muss. Für die allgemeine Gesundheit sind ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung und die Behandlung bestehender Erkrankungen derzeit wesentlich besser begründet als eine vorsorgliche Melatonineinnahme.

Quellen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht unkritisch eingenommen werden, 2024.https://www.bfr.bund.de/veroeffentlichung/melatoninhaltige-nahrungsergaenzungsmittel-sollten-nicht-unkritisch-eingenommen-werden/

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel: BfR weist auf mögliche Gesundheitsrisiken hin. Stellungnahme Nr. 038/2024.https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/melatoninhaltige-nahrungsergaenzungsmittel-bfr-weist-auf-moegliche-gesundheitsrisiken-hin/

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Registernummer 063-003, Version 2.0, veröffentlicht 2025.https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/063-003

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Circadin, Übersicht über das zugelassene Melatonin-Arzneimittel und seine Anwendung.https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/circadin

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Circadin, Fachinformation mit Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Warnhinweisen.https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/circadin-epar-product-information_en.pdf

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Slenyto, melatoninhaltiges Arzneimittel für ausgewählte Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter.https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/slenyto

Herxheimer A., Petrie K. J.: Melatonin for the prevention and treatment of jet lag. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2002.https://www.cochrane.org/evidence/CD001520_melatonin-prevention-and-treatment-jet-lag

Europäische Kommission: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 mit zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben zu Melatonin unter festgelegten Bedingungen.https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2012/432/oj

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Informationen zur Abgrenzung von Melatonin als Lebensmittel oder Arzneimittel.https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/13_FAQ/FAQ_Melatonin/FAQ_Melatonin_node.html

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG): Österreichische Arzneimitteldatenbank und Informationen zur Arzneimittelzulassung.https://medikamente.basg.gv.at/

Swissmedic: Schweizerisches Heilmittelinstitut, Arzneimittelzulassung und Arzneimittelinformationen.https://www.swissmedic.ch/

Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Fachinformationen zu Schlafstörungen, Schlafmedizin und Insomnie.https://www.dgsm.de/

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Häufige Fragen

Kann Melatonin abhängig machen?
Eine körperliche Abhängigkeit wie bei Benzodiazepinen ist für Melatonin nicht typisch. Manche Menschen gewöhnen sich jedoch psychisch an die regelmäßige Einnahme. Werden die Ursachen der Schlafprobleme nicht behandelt, können die ursprünglichen Beschwerden nach dem Absetzen weiterhin bestehen.
Lässt sich ein Melatoninmangel im Labor messen?
Die Melatoninausschüttung lässt sich unter speziellen Bedingungen beispielsweise über Speichelproben oder Abbauprodukte im Urin untersuchen. Dafür sind häufig mehrere zeitlich abgestimmte Messungen notwendig. Ein einzelner Wert reicht normalerweise nicht aus, um eine behandlungsbedürftige Störung festzustellen.
Welche Lebensmittel enthalten Melatonin?
Melatonin wurde unter anderem in Pistazien, Sauerkirschen, Walnüssen und verschiedenen Getreidearten nachgewiesen. Die enthaltenen Mengen können je nach Lebensmittel und Untersuchungsmethode stark schwanken. Ein zuverlässiger schlaffördernder Effekt durch den gewöhnlichen Verzehr dieser Lebensmittel ist nicht belegt.
Beeinflusst Melatonin das Körpergewicht?
In Tiermodellen wurden mögliche Auswirkungen von Melatonin auf den Energiestoffwechsel untersucht. Beim Menschen ist jedoch nicht ausreichend belegt, dass die Einnahme das Körpergewicht gezielt verändert. Eine Gewichtszunahme gehört nicht zu den typischen häufigen Nebenwirkungen zugelassener Melatonin-Arzneimittel.
Was sollte man bei Melatonin vor einer Fernreise beachten?
Vor einer Fernreise solltest Du prüfen, ob Melatonin für Dich geeignet ist und mögliche Wechselwirkungen mit Deinen Medikamenten bestehen. Bei Jetlag hängt die Wirkung besonders von der zeitlichen Abstimmung auf den individuellen Schlafrhythmus ab. Zusätzlich können sich die rechtlichen Vorschriften für Verkauf und Einfuhr zwischen Reise- und Heimatland unterscheiden.
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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Dr. Benjamin Gehl
Letzte Aktualisierung: 15.10.2026

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