Thrombose

Bei einer Thrombose verstopft oder verengt ein Blutpfropf Deine Vene und dadurch auch den Blutfluss. Die Thrombose ist meist schmerzhaft und mitunter lebensgefährlich, weshalb Du bei Verdacht auf Thrombose sofort einen Arzt aufsuchen solltest. Mit fortschreitendem Alter steigt Dein Risiko für die Erkrankung. Auch langes Liegen oder Sitzen ist alles andere als förderlich. In Folge der Thrombose kann es unter anderem zum Herzinfarkt, Schlaganfall oder gefährlichen Gerinnseln in der Lunge oder im Bein durch eine Embolie kommen.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin darunter?

Eine Thrombose ist ein Blutpfropf (Thrombus) in einem Blutgefäß, bei dem es zu einer Einengung oder einem Verschluss eines Blutgefäßes kommt. Meistens entsteht die Thrombose im Bereich kleinerer Venen der Wadenmuskulatur und beeinträchtigt im Krankheitsverlauf auch größere Venen. Am häufigsten sind die tiefen Bein- und Beckenvenen betroffen.

Thrombose

Wie sehen die Symptome aus?

Je nach Art und Lokation der Thrombose hast Du entweder sofort Schmerzen, die auch im Ruhezustand nicht nachlassen oder bist sogar fast schmerzfrei. Generell gilt, je größer der Blutpfropf, desto höher auch das Risiko für schwerwiegende Folgen und desto eher wirst Du auch Schmerzen haben. Typische Symptome sind ziehende oder krampfartige Schmerzen, so ähnlich wie bei einem Muskelkater, die sich bei Druck auf die betroffene Stelle verstärken. Auch Hautveränderungen wie glänzende Haut, bläulich-rotes Aussehen und hervortretende Adern sind typisch. Bei einer Beinvenenthrombose kommt es häufig zu Schwellungen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Thrombose?

Dein Arzt kann eine Thrombose sehr schnell und sicher diagnostizieren. Per Ultraschall verschafft er sich einen ersten Eindruck, welchen er dann durch eine Angiographie festigt. Bei der Angiographie schiebt der Arzt einen Katheter in die Blutbahnen und kann dadurch die Thrombose sicher diagnostizieren. Dein Arzt kann auch zusätzlich eine Blutuntersuchung anordnen, da der Blutpfropf charakteristische Spuren (D-Dimere) im Blut hinterlässt, welche die Untersuchung zweifelsfrei nachweisen kann.

Welche Ursache hat eine Thrombose?

Wenn die Strömungsgeschwindigkeit Deines Blutes verringert ist, die Blutgefäßwände verändert sind oder Dein Blut sehr schnell gerinnt, kann sich ein Blutgerinnsel bilden. Da in den Venen das Blut langsamer fließt als in den Arterien, bilden sich Thrombosen vor allem in den Venen. Dies kann auch das Venensystem nachhaltig schädigen. Zu den Ursachen gehören unter anderem Übergewicht, Nikotin, die Anti-Baby-Pille oder Hormontherapien. Aber auch während einer Schwangerschaft steigt das Risiko für eine Thomboseerkrankung.

Wer ist davon am häufigsten betroffen?

Mit zunehmendem Alter erhöht sich auch das Thromboserisiko. Das liegt daran, dass sich im Laufe des Lebens Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden, an denen sich Pfropfe bilden können. Ein weiterer Risikofaktor ist fehlende Bewegung. Tendenziell bewegen sich ältere Menschen weniger als jüngere, weswegen auch hier das Thromboserisiko steigt. Für einen optimalen Bluttransport ist eine funktionierende Muskulatur essenziell. Wenn Du viel und lange liegst oder sitzt, kann es zu Abschnürungen der Gefäße kommen, was den Blutstrom behindert. Ältere Personen haben zudem meist ein eher schwaches Bindegewebe. Dieses bildet aber eine wichtige Stützfunktion für die Blutgefäße. Lässt das Bindegewebe nach, verringert sich auch der äußere Druck auf die Venen, wodurch sich Krampfadern bilden können und auch Dein Blut langsamer fließt.

Thrombose

Konkret sind Menschen ab 40 Jahren mit bestehender Venenschwäche oder Krampfadern besonders gefährdet, ebenso wie Personen, in deren Familie bereits Thrombosen aufgetreten sind. Bei früherer Beinvenenthrombose oder einer Lungenembolie besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko, genau wie bei bestehendem Übergewicht oder Tabakkonsum. Wenn Du einen Gipsverband trägst oder an einer Tumorerkrankung leidest, erhöht auch das Dein persönliches Risiko für eine Thrombose, genau wie die Einnahme der Anti-Baby-Pille oder die Durchführung einer Hormonersatztherapie. Schwangere Frauen sind ebenfalls häufiger von Thrombosen betroffen als der Durchschnitt. Wenn mehrere dieser Faktoren auf Dich zutreffen, hast Du ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Venenthrombose zu erkranken.

Wo kann eine Thrombose auftreten?

Meistens tritt eine Thrombose im Bein oder im Beckenbereich auf, dabei sind die häufigsten Stellen die Leiste, der Oberschenkel, die Kniekehle, die Wade oder aber auch die Fußsohle. Allerdings kann die Thrombose auch in den Armen oder anderen Körperteilen auftreten.

Welche Folgen kann eine Thrombose für die Betroffenen haben?

Im schlimmsten Fall kann sich aus einer Thrombose eine gefährliche Lungenembolie entwickeln, die sogar lebensgefährlich werden kann. Der Thrombus vergrößert sich dabei in der Vene und löst sich schlussendlich von der Gefäßwand. So gelangt es mit dem Blut in die Lunge und verstopft wichtige Lungengefäße. Wenn sich der Thrombus jedoch auf seinem Weg verkleinert und auflöst, musst Du keine Komplikationen befürchten.

Weitere Folgen der Thrombose sind zum Beispiel Krampfadern, Beinödeme oder Ulcus cruris. Bei einem Beinödem handelt es sich um Schwellungen und Wassereinlagerungen. Ulcus cruris ist gleichbedeutend mit der Bezeichnung „offenes Bein“.

Welche Arten gibt es bei der Thrombose?

Generell unterscheiden Mediziner zwischen der arteriellen Thrombose oder der deutlich häufigeren venösen Thrombose. Bildet sich die Thrombose tief im Gewebe des Beins, sprechen Ärzte von einer tiefen Venenthrombose. Die Venenthrombosen können je nach Entstehungsort weiter unterteilt werden.

Welche nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Neben einer Operation gibt es auch nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten einer Thrombose, welche alle dem Zweck dienen, das Blutgerinnsel aufzulösen, damit es nicht weiterwandern kann und keine lebenswichtigen Organe wie zum Beispiel das Herz schädigen kann.

Dein Arzt kann sich dafür entscheiden medikamentös vorzugehen. Er verordnet Dir in diesem Fall gerinnungshemmende Medikamente, die den Thrombus verkleinern sollen. Bestenfalls löst sich die Thrombose dadurch ganz auf. Die Medikamente können entweder als Infusion oder als Injektion verabreicht werden. Eine weitere nicht-operative Methode ist die Drucktherapie. Dein Arzt verordnet Dir dabei Kompressionsstrümpfe, die Druck auf die Venen ausüben, sodass das Blut schneller fließen kann bzw. es zu keinem Blutstau in der unteren Extremität kommt.

Thrombose

Wie genau verläuft eine Thrombose-Operation?

Offene Techniken

Eine Thrombosen-Operation oder auch Thrombektomie kann auf vier verschiedene Arten durchgeführt werden. Bei der offenen Thrombektomie öffnet der Chirurg den Bereich, in dem das Gerinnsel liegt, entfernt den Thrombus aus dem Gefäß und näht das Gefäß wieder zu. Allerdings kann Dein Arzt diese Methode nur anwenden, wenn ein kurzer Gefäßabschnitt wie zum Beispiel in der Leistenvene betroffen ist. Eine andere Operationstechnik ist die Kompressionsthrombektomie, die der Chirurg bei mit Venenklappen ausgestatteten Beinvenen anwendet. Er versucht dann, den Thrombus nach Eröffnung der Vene entweder mit einem Katheter zu entfernen oder mittels Druck aus der Vene herauszupressen.

Halboffene Techniken

Eine ähnliche Technik ist der Ballonkatheter. An der Körperoberfläche öffnet der Arzt die verstopfte Vene, führt einen Katheter mit einem aufblasbaren Ballon in das Gefäß ein und schiebt diesen dann am Thrombus vorbei. Danach pumpt er den Ballon auf und zieht ihn wieder zurück. Dabei schiebt er den Thrombus bis zur Öffnungsstelle vor sich her, bis er das Gerinnsel schließlich entnehmen kann.

Die letzte Operationsmöglichkeit ist die Arteriovenöse Fistel, die bei Beckenvenen angewandt wird. Da nach der Entfernung eines Blutgerinnsels die Gefahr eines Rezidivs (Rückfall) besteht, stellt der Chirurg operativ eine Verbindung (Fistel) zwischen der betroffenen Vene und einem Arterien-Seitenast her. Dadurch erhöht sich der Blutfluss in der Vene und verhindert eine erneute Verschlussbildung. Normalerweise verschließt sich die Fistel nach einigen Wochen von alleine, sie kann aber auch operativ verschlossen werden.

Was muss ich vor der Operation beachten?

Vor der Operation führt der Chirurg ein persönliches Gespräch mit Dir, in dem er unter anderem mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen bespricht. Um diese so gering wie möglich zu halten, solltest Du in Absprache mit Deinem Arzt blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin an die geplante Operation anpassen. Zudem solltest Du auf Alkohol und Nikotin etwa zwei Wochen lang vor dem Eingriff verzichten.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation musst Du für längere Zeit blutverdünnende Medikamente zu Dir nehmen, bei Bedarf kann Dein Arzt Dir auch für einige Tage entzündungshemmende Medikamente verschreiben. Ziel ist es, die erneute Bildung eines Gerinnsels zu verhindern.

Thrombose

Welche Risiken und Komplikationen können während und nach der Behandlung auftreten?

Bei einer Thrombektomie handelt es sich um keine Standardbehandlung, der Eingriff ist im Gegenteil mit deutlichen Risiken verbunden. Es kann passieren, dass die Gefäßwände verletzt werden oder sich das Blutgerinnsel ablöst und dadurch zu einer Embolie führt. Manchmal kommt es in Folge des operativen Eingriffs zu Nervenverletzungen. Trotz der erfolgreichen Entfernung des Blutpfropfs kann es sein, dass sich in Zukunft ein neuer Thrombus bildet.

Gibt es auch Hausmittel, die gegen eine Thrombose helfen?

Das wichtigste Hausmittel gegen Thrombose ist regelmäßige Bewegung. Auch, wenn Du eher unsportlich bist, solltest Du des Öfteren spazieren oder wandern gehen. Besonders förderlich sind Bewegungsarten im Wasser, welches aber nicht mehr als 28 Grad Celsius haben sollte. Weitere geeignete Sportarten sind unter anderem Radfahren, Laufen, Walken, Golfen, Tanzen und Skilanglauf. Sportarten, die schnelle und heftige Bewegungen verlangen, solltest Du lieber meiden. Wechselduschen zwischen kaltem und warmem Wasser regen den Blutkreislauf und die Durchblutung an und können ebenfalls ein gutes Hausmittel sein. Achte darauf, dass der Temperaturunterschied circa 20 Grad beträgt. Beenden solltest Du die Anwendung stets mit kaltem Wasser. Eine andere Möglichkeit ist das kneippsche Wassertreten. Weiters kannst Du gezielt nach Venenübungen suchen, die Du auch um Büro oder auf Reisen ganz einfach anwenden kannst.

Was sollte ich während einer Thrombose beachten?

Wenn Du typische Beschwerden bei Dir bemerkst, solltest Du zunächst ruhig bleiben. Setze Dich hin und lege die Beine hoch, sodass die Symptome erträglicher werden. Du solltest Dich nun nicht übermäßig anstrengen und das Bein so wenig wie möglich bewegen.

Kontaktiere so bald wie möglich Deinen Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Wie lange dauert eine Thrombose?

Die Entstehungsdauer einer Thrombose ist sehr variabel und beträgt meist zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen. Ob und wie lange Nachwirkungen bestehen, hängt von der Art der Thrombose sowie von Deinem Allgemeinzustand ab.

Wie kann ich eine Thrombose vorbeugen?

Die gute Nachricht: das Risiko für eine Thrombose lässt sich gezielt verringern. Der wichtigste Faktor hierbei ist Bewegung. Du solltest Dich regelmäßig bewegen, damit die Blutzirkulation angeregt wird. Vor allem die Beinvenen sind gefährdet. Deswegen solltest Du auf besonders bei langen Flugreisen oder einem sitzenden Beruf Kompressionsstrümpfe tragen. Schalte sämtliche Risikofaktoren aus! Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht sind allesamt Risikofaktoren, die die Entstehung einer Thrombose begünstigen. Du solltest außerdem darauf achten, mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag zu Dir zu nehmen. Dabei sind vor allem Tees, Wasser und verdünnte Fruchtsäfte empfehlenswert. Auf zuckerhaltige Limonade oder alkoholische Getränke solltest Du allerdings besser verzichten.

Thrombose

Was versteht die Medizin unter dem Faktor-V-Leiden?

Das sogenannte Faktor-V-Leiden ist unter Medizinern auch unter dem Begriff APC-Resistenz bekannt. Diese verursacht eine Erbkrankheit, die die Blutgerinnung stört. Betroffene haben also ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Thrombose, weil die Genveränderung dazu führt, dass ihr Blut leichter verklumpt. Der Name Faktor-V-Leiden leitet sich ab von der genetischen Mutation am Blutgerinnungsfaktor fünf (V). Die APC-Resistenz fällt unter die Thrombophilien, also Erkrankungen, die das Thromboserisiko erhöhen. Dabei ist die APC-Resistenz die häufigste genetische Thrombophilie in Europa. Der Schweregrad der Erkrankung hängt davon ab, ob beide Elternteile das veränderte Gen weitergegeben haben, oder nur einer der Partner. Die APC-Resistenz tritt ausschließlich bei Menschen europäischer Abstammung auf.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für etwaige Behandlungen. Auch die Kosten für Kompressionsstrümpfe werden von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für konkrete Fragen kontaktiere Deine Krankenkasse direkt, da es immer wieder Abweichungen zwischen Bundesländern und verschiedenen Kassen gibt.

Quellen

Luther, B. (Hrsg.): Kompaktwissen Gefäßchirurgie. Springer, Berlin 2011

Internisten im Netz

Medizinische Universität Wien


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Dr. med. Thomas Filipitsch, Prof. Hon. Med. Uni. Pleven

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Dr. med. Michaela Magometschnigg

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Fachärztin für Gefäßchirurgie und Chirurgie

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Dr. med. Rainer Jokisch

Dr. med. Rainer Jokisch

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Phlebologie

Frankenallee 1 , Kelkheim am Taunus

Das Wichtigste zusammengefasst

Wenn ein Blutgerinnsel Venen oder Arterien verengt oder ganz verstopft, kann eine Thrombose entstehen. Diese kann überall im Körper auftreten, am häufigsten aber in den Beinen


Die Ursachen sind meistens Störungen der Blutgerinnung, eine veränderte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes oder Veränderungen der Gefäße


Zur Behandlung der Thrombose stehen operative und nicht-operative Möglichkeiten zur Auswahl


Eine Operation ist nicht immer zwingend notwendig. Es handelt sich dabei um keine Standardoperation und ist mit deutlichen Risiken verbunden