Restless Legs Syndrom

Der Vielen bekannte Impuls, beim ruhigen Sitzen die Beine zu bewegen, ist völlig normal. Er wird erst dann zum sogenannten Restless Legs Syndrom (RLS), wenn Du dabei auch einen schmerzlichen Drang unter der Haut verspürst, der nur durch die Bewegung gelindert werden kann. Was sich hinter diesem neurologischen Syndrom verbirgt, was es für Ursachen hat und wie damit umgegangen wird, haben wir hier für Dich zusammengefasst.


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Zuletzt aktualisiert: 27. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Restless Legs Syndrom?

Unter dem Restless Legs Syndrom versteht man in der Medizin eine neurologisch verursachte Bewegungsstörung der Beine, seltener auch der Arme, wobei sich das Krankheitsbild von unbewusster, trivialer Bewegung der Beine bis hin zu ständigen Schmerzen und einem unkontrollierbaren Bewegungsdrang erstreckt.
 
Diese Erkrankung gehört zum Formenkreis der schlafbezogenen Bewegungsstörungen. Die Medizin unterscheidet zwischen dem primären (idiopathischen) RLS, welches autosomal-dominant vererbt wird, und dem sekundären (symptomatischen) RLS, welches externe Auslöser hat.
 
Unter dem Restless Legs Syndrom versteht man in der Medizin eine neurologisch verursachte Bewegungsstörung der Beine
 

Wie sehen die Symptome des Restless Legs Syndrom aus?

In den meisten Fällen sind vor allem die Unterschenkel betroffen, in denen ein quälendes und als drückend beschriebenes Gefühl auftritt, das den Drang auslöst, sich zu bewegen. Vielen Menschen, die nur leichte Symptome verspüren, ist die Ursache nicht bekannt, und sie folgen diesen Verhaltensimpulsen unbewusst, um die negativen Reize zu unterdrücken.
 
Bei anderen wiederum sind die Impulse so dominant, dass sie davon aus dem Schlaf erwachen und durch Herumgehen, sich massieren oder andere Übungen versuchen, das unangenehme Gefühl zu lindern. Gegebenenfalls treten sogar unwillkürliche anhaltende Bewegungen oder Zuckungen, Anspannen der Muskeln oder periodisches Wippen auf (Periodic Limburg Movements).
 
Die Symptome treten vor allem dann ein, wenn man sich im Ruhezustand befindet, beispielsweise nach längerem Sitzen oder im Liegen, also überwiegend abends kurz vor dem Einschlafen. Aber auch Langeweile und eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten können die Symptome verstärken.
 
Können die Ursachen nicht beseitigt werden, so sind die Symptome persistent und werden unbehandelt mit der Zeit oft schlimmer, was insbesondere im hohen Alter zu ständiger Müdigkeit und Schlaflosigkeit führt.

Welche Ursachen hat das Restless Legs Syndrom?

Das primäre Restless Legs Syndrom ist erblich bedingt und wird häufig erst im dritten Lebensjahrzehnt deutlich. Es wird eine Störung des Stoffwechsels von Eisen und Dopamin im Gehirn vermutet, ähnlich wie beim Parkinson, die genaue Ursache ist jedoch bis heute nicht geklärt. Über die Hälfte der Erkrankten verzeichnet einen weiteren Krankheitsfall in der Familie.
 
Aber auch andere Faktoren können das Syndrom als Konsequenz haben, welches in diesem Fall als sekundäres Restless Legs Syndrom bezeichnet wird. Beispiele hierfür sind Schwangerschaft, verschiedene Vitaminmangelzustände, Nierenschäden, Nervenerkrankungen, Diabetes, Adipositas, Schilddrüsenfehlfunktionen, Drogenabhängigkeit oder schwere operative Eingriffe.
 
Mögliche medikamentöse Auslöser sind zudem Betablocker, Kalziumkanalblocker oder Antihistaminika, die gegen Allergien eingesetzt werden, sowie Dopaminantagonisten. Sogar ein übermäßiger Konsum von Schokolade oder Kaffee kann theoretisch die Beschwerden hervorrufen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Frauen werden etwa doppelt so häufig mit dem RLS diagnostiziert wie Männer. Es wird davon ausgegangen, dass circa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung diese Symptome zeigen, womit RLS die häufigste neurologische Erkrankung überhaupt darstellt.
 
Besonders oft betroffen von RLS sind auch Blutspender und schwangere Frauen. Während potenziell alle Altersgruppen infrage kommen, entwickelt sich das RLS normalerweise ab circa 30 Jahren, und führt in den genetisch bedingten schweren Fällen bis zum Erreichen des 60. Lebensjahres zu derartigen Problemen, dass der betroffene einen Arzt aufsucht .
 
Besonders oft betroffen von RLS sind auch Blutspender und schwangere Frauen
 

Wie diagnostiziert der Arzt das Restless Legs Syndrom?

Das Krankheitsbild kann nur anhand der Symptome oder durch den erfolgreichen Einsatz von bestimmten Arzneimitteln erkannt werden, und bleibt deshalb häufig lange unentdeckt.
 
In der Diagnose müssen in erster Linie andere Krankheiten ausgeschlossen werden, und eine Anamnese über die subjektiv erfahrene Symptomatik und Vorerkrankungen durchgeführt werden. Dein behandelnder Hausarzt wird Dich im Verdachtsfall normalerweise an einen Neurologen oder Schlafexperten weiterleiten, welcher weitere körperliche Diagnosen durchführen kann.
 
Das häufig zur Behandlung eingesetzte Medikament L-Dopa lindert das RLS meist sehr direkt und kann daher auch bei der Diagnostik eingesetzt werden. Der Arzt stellt fest, ob es nach Verabreichen von L-Dopa zu einem Rückgang der Symptomatik kommt.
 
Auch Tests wie das Fixieren der Beine und Beobachten, ob es zu Zuckungen kommt, kann auf das RLS schließen lassen. Besonders klar zeigt sich der Krankheitsfall im Schlaflabor, in welchem das unbewusste Bewegen im Schlaf aufgezeichnet und analysiert werden kann.

Welche Folgen hat das Restless Legs Syndrom für die Patienten?

Das Restless Legs Syndrom stellt normalerweise keine große Gefahr für Dich dar, schränkt aber die Lebensqualität mehr oder weniger stark ein. Insbesondere, wenn die Symptome im zeitlichen Verlauf zunehmen, können die unwillkommenen negativen Effekte starke Auswirkungen auf das alltägliche Leben haben. Diese sind vor allem:
 

  • Unmäßiger Drang, sich plötzlich bewegen zu müssen
  • Unerträgliches Kribbeln
  • Unwillkürliche Bewegungen
  • Beeinträchtigung der Konzentration
  • Zuckungen, die Dich sogar aus dem Schlaf reißen können
  • Schlafstörung
  • Müdigkeit

 
Auf Dauer können die Symptome sogar zu Angststörungen oder Depressionen führen.

Wann sollte ich das Restless Legs Syndrom behandeln lassen?

In vier von fünf Fällen findet keine medizinische Behandlung des RLS statt. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt vor allem von der persönlichen Beeinträchtigung ab. In Abstimmung mit einem Arzt wird dann geklärt, ob entweder die Ursache beseitigt werden kann, zum Beispiel durch einen Wechsel der Medikamente, oder ob ein linderndes Mittel eingesetzt werden kann.
 
Im Falle des genetisch bedingten primären RLS kommt nur eine medikamentöse Behandlung infrage, wenn sich die Symptome verschlimmern. Da es sich bei den eingesetzten Medikamenten um starke Arzneimittel handelt, sollte deren Anwendung das letzte Mittel sein und nur in jenen Fällen zum Einsatz kommen, in denen der Patient von Schlaflosigkeit, Schmerzen oder Depressionen berichtet, und eine sekundäre RLS ausgeschlossen ist.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

L-Dopa, auch bekannt als Levodopa, oder andere Dopaminagonisten sind in der Regel das Mittel der Wahl bei der Linderung von RLS-Beschwerden. Auch Opioide und die weniger bekannte Therapie mittels Anticonvulsiva, ein Medikament, das eigentlich gegen Epilepsie und Migräne angewandt wird, können lindernd wirken.
 
L-Dopa, auch bekannt als Levodopa, oder andere Dopaminagonisten sind in der Regel das Mittel der Wahl bei der Linderung von RLS-Beschwerden
 
Vor allem, wenn die Krankheit durch erbliche Faktoren hervorgerufen wird, und sich daher von alleine nicht maßgeblich verbessern wird, kann eine Behandlung notwendig werden. In leichteren Fällen kann ein vom Arzt verschriebenes Nahrungsergänzungsmittel oder Schmerzmittel, welche kurz vor dem zu Bett gehen eingenommen werden, helfen, die Symptome zu lindern. Auch wenn Schmerzmittel in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind, solltest Du wegen möglicher Nebenwirkungen wie Nierenschäden zunächst mit einem Arzt Rücksprache halten.

Was kann ich selbst tun, um die Beschwerden zu lindern?

Vor allem bei einer parallel ablaufenden Therapie sollte jede Maßnahme mit einem Arzt abgesprochen werden. Es ist also nie eine gute Idee, eigenständig Medikamente abzusetzen oder Ergänzungsmittel, wie zum Beispiel Eisentabletten, einzunehmen. Du kannst aber durchaus versuchen, Ursachen zu beseitigen, indem Du auf eine ausgewogene Ernährung achtest, vermehrt auf Alkohol und Kaffee verzichtest und Dich mehr bewegst. Die Symptome lassen sich durch gestärkte Muskeln lindern. Wirksame Übungen dafür sind:
 

  • Lockere körperliche Bewegung
  • Kniebeugen oder ein Spaziergang vor dem Schlafengehen
  • Vermeiden von übermäßiger Anstrengung
  • Kaltes Waschen der betroffenen Körperteile
  • Massage der Beine und Füße
  • Hitze vermeiden, zum Beispiel in der Sauna

 

Welche Risiken und Komplikationen können während der Behandlung auftreten?

Die langfristige Einnahme von L-Dopa kann zur sogenannten „Therapie induzierten Augmentation“ oder Aggravation führen, das heißt, dass sich die Symptome verschlimmern oder früher oder häufiger auftreten.
 
Bei zu hohen Dosierungen oder plötzlichem Absetzen kann es auch zu Entzugserscheinungen kommen, da sich der Körper nicht schnell genug an das Wegbleiben der Hormone anpassen kann. Als Nebenwirkung könnten möglicherweise Übelkeit, Schwindelgefühl oder sogar Kreislaufprobleme auftreten. Da eine Mangelernährung die Risiken verschärft, solltest Du diese zuvor behandeln lassen.

Kann ich dem Restless Legs Syndrom vorbeugen?

Die Ursachen des RLS liegen fast immer außerhalb der eigenen Kontrolle. Als primäres RLS ist es erblich bedingt, beim sekundären RLS gilt es, die zugrunde liegende Ursache ausfindig zu machen und, wo möglich, zu beseitigen. Eine pauschale Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten, wie Eisentabletten, ist, wegen der damit einhergehenden möglichen körperlichen Schäden, nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt zu empfehlen.
 
Gerade bei weniger schweren Fällen kann es Dir helfen, wenn Du auf einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung und vor allem eine ausgewogene Ernährung achtest, die in ausreichendem Maße vor allem Eisen, Vitamin B12 und Folsäure enthält.
 
Da zu viel Schokolade, Alkohol und Koffein potenzielle Faktoren für das Ausbrechen der Symptome sein können, sollte man auch hier darauf achten, diese nicht übermäßig zu genießen, wenn Fälle von RLS in der Familie bekannt sind.
 
Da zu viel Schokolade, Alkohol und Koffein potenzielle Faktoren für das Ausbrechen der Symptome sein können, sollte man auch hier darauf achten, diese nicht übermäßig zu genießen, wenn Fälle von RLS in der Familie bekannt sind
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Arztbesuch zur Diagnose sowie die Therapie. Für einige Leistungen der Schlaf- oder Psychotherapie kann man einen Antrag auf Kostenzuschuss stellen. Für die einzelnen Leistungen und Bestimmungen solltest Du Dich vorab bei Deiner Versicherung informieren.


Dauer Dauer

Lebenslang

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Das RLS ist eine chronische neurologische Erkrankung, die erblich bedingt sein kann, aber auch durch Medikamente oder andere Krankheiten ausgelöst wird


Es kommt zu einem Missempfinden meist in den Beinen, das durch diverse Bewegungen, manchmal auch Zuckungen gelindert werden kann


Die Symptome können sich im Laufe der Zeit verschlimmern und sich negativ auf den Alltag und insbesondere den Schlaf auswirken


Wird die Lebensqualität zu sehr eingeschränkt, können entweder Ursachen gefunden und behoben werden (sekundäres RLS), oder aber helfende Medikamente vom Arzt verschrieben werden (primäres RLS)

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