Ptosis

Die Ptosis ist die medizinische Bezeichnung für ein sichtbar herabhängendes oberes Augenlid. In manchen Fällen sind auch beide Augen betroffen. Die Ptosis ist keine eigenständige Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom. Dementsprechend kann sie sich in manchen Fällen von selbst zurückbilden, wenn die zugrunde liegende Ursache behandelt wird. In anderen Fällen, wo dies nicht der Fall ist, kann ein Arzt die Ptosis auf chirurgischem Wege korrigieren. Eine Ptosis kann langfristig zu einer Sehschwäche führen und bedarf daher auf jeden Fall einer ärztlichen Behandlung.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Mai, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Ptosis?

Der Begriff „Ptosis“ findet in der Medizin besonders häufig Verwendung für die Beschreibung eines herabhängenden oberen Augenlids, kann aber auch allgemein für das Absinken von Organen nach unten stehen.

Welche Formen der Ptosis gibt es?

Es gibt sowohl angeborene als auch erworbene Formen der Ptosis. Die angeborene Form ist auch als kongenitale Ptosis bekannt. Bei den erworbenen Formen unterscheidet die Medizin verschiedene Arten wie zum Beispiel die Ptosis paralytica, die Ptosis sympathica, die myogene Ptosis und die Ptosis traumatica.
 
Die Ptosis beschreibt ein Herabhängen des oberen Augenlids.

Wie sehen die Symptome der Ptosis aus?

Betroffene können bei einer Ptosis das Lid nur mit Mühe partiell oder überhaupt nicht anheben. Abhängig von der zugrunde liegenden Ursache können noch weitere Symptome auftreten. Patienten berichten oft über ein störendes Gefühl durch das auf den Augapfel lastende Lid. Das Sehen kann teilweise oder ganz auf dem betroffenen Auge behindert sein.

Welche Ursachen hat die Ptosis?

Wichtig ist für den Arzt zunächst die Unterscheidung zwischen einer angeborenen (kongenitalen) und einer erworbenen Ptosis. Bei der angeborenen Form liegt die Ursache meist darin, dass das Kerngebiet des Nervus oculomotorius, eines Hirnnervs, nicht ausgebildet ist. Die Übertragung von Nervenimpulsen auf den Lidhebermuskel funktioniert in solch einem Fall nicht und das Augenlid hängt. Oft sind beide Augen betroffen. Eine angeborene Ptosis kann allerdings auch auf einer angeborenen Unterentwicklung des Lidhebermuskels beruhen, in diesem Fall ist der Hirnnerv aber intakt.
 
Die erworbene Ptosis kann in vier Gruppen mit unterschiedlichen Ursachen eingeteilt werden:
 

  • Die Ptosis paralytica entsteht aufgrund von einer Nervenlähmung, die zum Beispiel nach einem Schlaganfall, einer Gehirnentzündung oder einer Hirnhautentzündung auftreten kann.
  • Die Ptosis sympathica basiert auf einer Schädigung des Sympathicus, der Teil des vegetativen Nervensystems und zuständig für die Aktivitätssteigerung ist. Bei dieser Form hängt das Oberlid nur leicht herunter. Das betroffene Auge weist eine kleinere Pupille auf und ist tiefer eingesunken. Nimmt man diese drei Symptome zusammen, ergibt sich das sogenannte Horner-Syndrom.
  • Die myogene Ptosis entsteht durch eine Muskelerkrankung wie zum Beispiel die Myasthenia gravis, eine Art Muskelschwäche oder eine myotone Dystrophie, eine Form von Muskelschwund.
  • Auch eine Verletzung kann die Ursache einer Ptosis sein, diese nennt sich dann Ptosis traumatica. Eine andere mögliche Ursache könnte das Alter sein, da mit zunehmendem Lebensalter der Lidhebermuskel schwächer wird.

Was haben Kontaktlinsen mit einer Ptosis zu tun?

Manche Forscher vermuten, dass Kontaktlinsen, beziehungsweise das Anheben des Oberlides beim Einsetzen der Kontaktlinsen, die Entstehung einer Ptosis fördern könnten.

Wie sieht die Klassifikation der Ptosis aus?

Mediziner klassifizieren die Ptosis aufgrund zweier Parameter. Der erste Faktor, der zur Klassifikation beiträgt, ist das Herabhängen des Lides in Millimetern. Bei einer leichten Ptosis hängt es etwa ein bis zwei Zentimeter herab, bei einer mittelschweren circa drei bis vier Millimeter und bei einer schweren Form mehr als vier Millimeter.
 
Der zweite Faktor zur Bestimmung des Schweregrades einer Ptosis ist die sogenannte Margin-Reflex-Distanz (MRD 1). Sie beschreibt den Abstand zwischen dem zentralen Hornhautreflex (Mitte Papille) und dem Oberlid. Eine normale Margin-Reflex-Distanz sind etwa vier bis fünf Millimeter. Bei einer leichten Ptosis liegt der Wert bei mehr als zwei bis drei Millimetern. Eine mittelschwere Ptosis ist durch eine MRD 1 von ein bis zwei Millimetern gekennzeichnet, die schwere Form durch eine Margin-Reflex-Distanz von weniger als einem Millimeter.
 
Eine Ptosis wird unter anderem durch das Tragen von Kontaktlinsen verstärkt.

Welche Folgen hat die Ptosis für die Betroffenen?

Da ein oder beide herabhängende Augenlider von vielen Menschen als entstellend wahrgenommen werden, stellt – besonders eine erworbene – Ptosis für Betroffene nicht selten eine psychische Belastung dar. Manche ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück und entwickeln depressive Verstimmungen oder Depressionen.
 
Außerdem kann die Ptosis zu Komplikationen wie einer Amblyopie (medizinischer Ausdruck für Schwachsichtigkeit) führen. Jedoch ist es wichtig anzumerken, dass von einer Ptosis an sich keine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Wenn Du Dich allerdings nicht in Behandlung begibst, können sich bestimmte Grunderkrankungen entwickeln, die unter Umständen lebensbedrohlich sein können.

Was ist der Unterschied zwischen einer Ptosis und einem Ektropium?

Bei einer Ptosis hängt das Augenlid herab und verdeckt dadurch die Pupille teilweise oder ganz, wodurch das Sehen stark beeinträchtigt ist. Beim Ektropium hingegen ist das Unterlid erschlafft. Die Lidkante ist nach außen gedreht, wodurch die innere Schicht des Lids, also die Bindehaut, freiliegt. So kommt es leicht zu Entzündungen der Augenlider und der Bindehaut. Außerdem kann es zu Juckreiz, Trockenheit, Lichtempfindlichkeit und roten Augen kommen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Ptosis?

Zunächst führt der Arzt ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir, in welchem er Deine Krankengeschichte erhebt und Du Deine Symptome schilderst. Der Arzt fragt Dich zum Beispiel, seit wann das Augenlid oder beide Augenlider hängen und ob sich die Beschwerden im Laufe des Tages verändern. Nach dem Gespräch untersucht er Deine Augen, um herauszufinden, wieso das Oberlid herunterhängt.
 
Eine einseitige Ptosis ist oft auf eine Schädigung oder Lähmung von Nerven zurückzuführen, wohingegen eine beidseitige Ptosis eher muskulär bedingt ist. Dein Arzt achtet auch darauf, ob das betroffene Auge zusätzlich tiefer eingesunken ist, da dies ein Hinweis auf das Horner-Syndrom sein könnte.
 
Im Anschluss an die Untersuchung der Augen folgen verschiedene Tests. Beim sogenannten Simpson-Test musst Du mindestens eine Minute lang nach oben blicken. Sinkt das Oberlid eines Auges oder beider Augen dabei langsam ab, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine krankhafte schwere Muskelschwäche vor. Außerdem prüft der Arzt das Ausmaß der Lidfehlstellung, zum Beispiel durch eine Messung der vertikalen Lidspalte.
 
Wichtig ist die Abklärung, ob neben der Ptosis noch weitere Bewegungsstörungen der Augen vorliegen. Wenn Dein Arzt vermutet, dass ein Tumor die Ursache Deiner Beschwerden sein könnte, kann er bildgebende Verfahren wie die Kernspin- oder Computertomografie zur Klärung einsetzen.
 
Bei einer Ptosis ist eine eingehende Untersuchung durch den Augenarzt essenziell.

Wie lässt sich eine Ptosis behandeln?

Die Behandlung einer Ptosis richtet sich primär nach der zugrunde liegenden Ursache. Eine angeborene Ptosis kann der Arzt nur durch einen operativen Eingriff beheben, bei welchem er das Lid korrigiert und den Muskel zum Beispiel verkürzt. Auch wenn der Muskel durch andere Umstände unwiederbringlich beschädigt wurde, ist eine Operation der einzige Weg, die Ptosis zu behandeln.
 
Wenn der Grund für Deine Beschwerden eine Tumorerkrankung ist, behandelt der Arzt diese mit einer auf Dich angepassten Kombinationstherapie. Zusätzlich kann er auch hier operieren, um den Tumor zu entfernen.
 
Eine Myasthenia gravis kann der Arzt hingegen medikamentös behandeln, sodass die Beschwerden nachlassen und sich auch die Ptosis zurückbildet. Dies ist möglich, solange die Muskeln oder die Nerven noch nicht dauerhaft geschädigt sind.
 
Wenn eine Operation zwar eigentlich nötig wäre, aber für den Patienten keine Option darstellt, kann ihm der Arzt eine sogenannte Ptosis-Brille verschreiben. Sie hat am Rahmen oberhalb der Brillengläser einen oder zwei waagerechte Bügel, die Du unter die Augenlider klemmst.

Wann ist eine Operation der Ptosis notwendig?

Eine Operation ist notwendig, wenn das betroffene Lid das Auge so sehr verdeckt, dass das binokulare Sehen, also das Sehen mit beiden Augen gleichzeitig, nicht oder kaum mehr möglich ist. Dies kommt bei der angeborenen Form recht häufig vor oder bei erworbenen Formen, wenn der Lidhebermuskel zum Beispiel durch einen Unfall irreparabel geschädigt ist.

Was muss ich vor der Ptosis-Operation beachten?

Vor der Operation bespricht Dein Arzt mit Dir den Eingriff und gibt Dir wichtige Verhaltensregeln an die Hand. Diese unterscheiden sich, je nachdem ob der Arzt Deinen Eingriff unter Lokalanästhesie oder Vollnarkose durchführt. Auch mit dem Anästhesisten kannst Du besprechen, wie Du Dich vor der Operation verhalten solltest.

Wie verläuft die Operation einer Ptosis?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mithilfe derer der Arzt eine Ptosis operativ behandeln kann. Er kann zum Beispiel den Lidhebermuskel verkürzen (Levatorresektion oder Levatorfaltung). Eine andere Herangehensweise ist die Aufhängung des Augenlids am Stirnhebermuskel (Frontalissuspension).
 
Nach dieser Behandlung kannst Du das Lid zusammen mit den Augenbrauen anheben. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass sie inzwischen minimal-invasiv durchgeführt werden kann und praktisch keine Narben zurückbleiben. Eine letzte Möglichkeit ist eine operative Verkürzung des Müller-Muskels.

Was muss ich nach der Ptosis-Operation beachten?

Nach dem Eingriff solltest Du einige Zeit lang auf körperliche Belastung verzichten und allgemein das Operationsgebiet schonen. Beim Waschen solltest Du das betroffene Augenlid aussparen. Falls Du bemerken solltest, dass Komplikationen auftreten oder eine Unter- oder Überkorrektur vorliegt, solltest Du so bald wie möglich Deinen Arzt darüber informieren, damit Hornhautschädigungen vermieden werden können.

Welche Komplikationen und Risiken kann der operative Eingriff haben?

Häufig kommt es zu Blutergüssen oder Schwellungen nach dem Eingriff, meistens bilden diese sich aber recht bald wieder zurück. Außerdem können Blutungen, Nervenverletzungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Narben entstehen. In seltenen Fällen kommt es durch eine Operation zu irreversiblen Schäden am Auge.
 
Es ist möglich, dass die Ptosis nach der Operation nicht komplett beseitigt wurde (Unterkorrektur), dies kann Dein Arzt aber in einem weiteren Eingriff nachbessern. Wenn das Lid nach der Operation zu sehr nach oben gezogen ist, kann es passieren, dass Du das Auge nicht mehr komplett schließen kannst. Dadurch kann das Auge austrocknen und ein Hornhautgeschwür entwickeln. Auch hier ist eine zweite Operation möglich.
 
Die Ptosis-Behandlung kann zu Blutungen, Schwellungen und anderen Wundheilungsstörungen führen.

Kann ich eine Ptosis vorbeugen?

Die Ptosis ist eigentlich nur ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung. Daher ist eine Vorbeugung im eigentlichen Sinn nicht möglich. Wenn allerdings erste Anzeichen auftreten, die auf eine Ptosis hinweisen könnten, solltest Du bald einen Arzt aufsuchen, damit er die genaue Ursache für die Lidabsenkung feststellen kann. Das ist wichtig, da nur so schwere Grunderkrankungen ausgeschlossen oder im Fall der Fälle früh behandelt werden können.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Ptosis?

Für die Diagnose und eine medizinisch indizierte Behandlung der Ptosis kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Eine Ausnahme ist die Akupunkturbehandlung, da es hierfür keine Erfolgsgarantie gibt. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls gerne bei allen Fragen zur Seite.


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht nowendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Ptosis ist keine eigenständige Erkrankung, sondern nur ein Symptom eines zugrunde liegenden Problems, daher richtet sich die Behandlung nach Möglichkeit nach der Grunderkrankung


In der Medizin unterscheidet man verschiedene Formen der Ptosis: die angeborene Form sowie weitere Formen der erworbenen Ptosis: Ptosis paralytica, Ptosis sympathica, myogene Ptosis und Ptosis traumatica. Je nachdem gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten und Prognosen


Die Ptosis kann unbehandelt zu Schwachsichtigkeit, psychischen Problemen oder weiteren Begleiterkrankungen führen und bedarf daher unbedingt ärztlicher Behandlung


Vorbeugen kannst Du einer Ptosis leider nicht, wenn allerdings erste Anzeichen auftreten, solltest Du so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen. Ob Kontaktlinsen die Entstehung einer Ptosis begünstigen, ist umstritten

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