Prostatavergrößerung

Die gutartige Prostatavergrößerung oder auch benigne Prostatahyperplasie tritt bei etwa 50 Prozent der über 60-jährigen Männer auf und macht sich meist zunächst durch Probleme beim Wasserlassen bemerkbar. Die genauen Ursachen für diese Veränderung sind bislang noch nicht geklärt, allerdings tritt sie verstärkt im höheren Alter auf, weswegen dies als Hauptrisikofaktor gilt. Eine vergrößerte Prostata kann medikamentös oder operativ behandelt werden.


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Zuletzt aktualisiert: 24. Januar, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Prostatavergrößerung. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Prostatavergrößerung?

Ab dem 40. Lebensjahr setzt bei den meisten Männern ein erneutes Wachstum der Vorsteherdrüse ein. Diese Geschwulsterkrankung ist gutartig und wird daher in der Medizin als benigne (= gutartige) Prostatahyperplasie bezeichnet.

Ab dem 40. Lebensjahr setzt bei den meisten Männern ein erneutes Wachstum der Vorsteherdrüse ein

Welche weiteren Begriffe gibt es rund um die BPH?

Die BPH steht nur für die reine Vergrößerung der Prostata. Je nach Symptom gibt es in der Medizin einen unterschiedlichen Begriff. Wirkt sich Prostatavergrößerung negativ auf das Wasserlassen aus, dann benigne Prostataobstruktion (BPO) bezeichnet. Von LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms, zu deutsch: Symptome des unteren Harntrakts) spricht die Medizin, wenn sich die unangenehmen Folgen einer Prostatavergrößerung auf den unteren Harntrakt auswirken. Das kann bedeuten, dass Dein Harnstrahl sehr abgeschwächt ausfällt oder Du einen sehr häufigen Harndrang verspürst.

Fallen die Symptome von BHP, BPO und LUTS zusammen, dann ist von einem benignen Prostatasyndrom die Rede. Ist eine Behandlung Deiner Prostatahyperplasie notwendig, dann handelt es sich somit auch gleichzeitig um eine BPS.

Der Begriff Prostataadenom wird fälschlicherweise sehr oft synonym zur Prostatahyperplasie verwendet. Ein Adenom ist jedoch ein gutartiges Geschwulst, welches aus einer hohen Anzahl von Gewebezellen der Schleimhaut und Drüsen besteht. Bei der Prostatahyperplasie vermehren sich allerdings auch Zellen von Muskeln und Bindegewebe.

Wie sehen die Symptome einer Prostatavergrößerung aus?

Eins der ersten Symptome, das auf eine vergrößerte Prostata hinweisen kann, ist ein schwächerer Harnstrahl. Da die Prostata auf die Blase drückt und auch die Harnröhre einengt, kann es zu weiteren Problemen kommen. Dazu zählt eine verzögerte Blasenentleerung, Nachtröpfeln, häufiger Harndrang, ein Restharngefühl nach dem Wasserlassen, nächtlicher Harndrang sowie Harnwegsinfekte.

Was sind die Ursachen für die benigne Prostatahyperplasie?

Das langsame Wachstum der Vorsteherdrüse ist ein normaler Teil des Alterns. Wieso sich allerdings die Prostata im Alter oft übermäßig vergrößert, ist bislang nicht geklärt. Es ist aber bekannt, dass es nicht nur eine Ursache gibt, sondern mehrere Faktoren an der benignen Prostatahyperplasie beteiligt sind.

Das langsame Wachstum der Vorsteherdrüse ist ein normaler Teil des Alterns

In welche Stadien lässt sich die Prostatavergrößerung einteilen?

Die benigne Prostatahyperplasie lässt sich in drei Stadien einteilen. Das erste Stadium oder auch Reizstadium äußert sich durch Symptome wie einen schwächeren Harnstrahl, Nachtröpfeln sowie häufiges und nächtliches Wasserlassen. Zur Restharnbildung kommt es im ersten Stadium noch nicht. Im zweiten Stadium verstärken sich die Symptome. Die Restharnmenge beträgt nun zwischen 50 und 100 ml. Gleichzeitig nimmt die funktionelle Blasenkapazität ab. Im dritten und letzten Stadium der Prostatavergrößerung kommt es typischerweise zum Harnverhalt und zu einer Überlaufblase. Dabei kann es zu einem unfreiwilligen Abgang von Harn kommen, auch die Nierenfunktion kann beeinträchtigt sein. Generell sollten die Nieren in diesem Stadium beobachtet werden, da es im schlimmsten Fall sogar zum Nierenversagen kommen kann.

Welche Folgen hat die Prostatavergrößerung für die Betroffenen?

Für Betroffene ist eine vergrößerte Prostata häufig unangenehm, da öfter eine Toilette aufgesucht werden muss. Nicht nur der Alltag wird so zu einer Herausforderung, auch die Nachtruhe wird durch den häufigen Harndrang unterbrochen. Es kommt also im Verlauf der Erkrankung zu immer stärkeren Einbußen der Lebensqualität.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Prostatavergrößerung?

Um eine Prostatavergrößerung zu diagnostizieren, führt der Arzt zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir. Dabei kann er schon die Vermutung einer vergrößerten Prostata ableiten. Im Anschluss daran folgt die körperliche Untersuchung. Zunächst führt er eine digitale rektale Untersuchung durch, bei der er Deine Prostata im Mastdarm mit dem Finger abtastet. Er testet damit, ob das Organ vergrößert, verhärtet oder schmerzhaft ist. Ein weiterer Teil der Basisdiagnostik ist eine Laboruntersuchung Deines Urins und meist auch des Bluts. Um abzuklären, ob es sich eventuell um eine bösartige Veränderung handelt, bestimmt der Arzt das sogenannte prostataspezifische Antigen (PSA), welches bei Prostatakarzinomen auftritt.

Danach misst der Arzt Stärke und Geschwindigkeit des Harnstrahls mithilfe einer Uroflowmetrie, um zu beurteilen, ob bei Dir eine Blasenentleerungsstörung vorliegt. Weiters kann er auch eine Ultraschalluntersuchung durchführen, um möglichen Restharn nachzuweisen und den oberen Harntrakt zu untersuchen. Konnte der Arzt nach der Durchführung all dieser Verfahren eine bösartige Veränderung der Prostata nicht sicher ausschließen, ordnet er eine Biopsie an. Dabei entnimmt er mit einer dünnen Nadel Gewebeproben aus Deiner Prostata und untersucht sie im Labor. Durch die Biopsie kann er eine benigne Prostatahyperplasie sicher von Prostatakrebs unterscheiden.

Da die Prostata nur bei Männern vorhanden ist, betrifft die Erkrankung nur sie

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Da die Prostata nur bei Männern vorhanden ist, betrifft die Erkrankung nur sie. Die BPH betrifft vorwiegend ältere Männer ab 40 Jahren, mit einem sprunghaften Anstieg ab etwa 50 Jahren, wenn etwa jeder zweite Mann betroffen ist.

Gibt es auch nicht-operative Behandlungen?

Ja, es gibt auch nicht-operative Behandlungen, in den ersten zwei Stadien der Erkrankung kann Dir Dein Arzt mit konservativen Methoden helfen. Im ersten Stadium kommen meistens pflanzliche Präparate (Phytotherapeutika) des Kürbisses oder Sägepalmextrakte zum Einsatz. Im zweiten Stadium greifen Mediziner nun bereits auf stärkere Medikamente zurück. Dies sind entweder selektive Alphablocker (z.B. Tamsulosin) oder 5-Alpha-Reduktasehemmer (z.B. Finasterid). Das Prostatavolumen kann darüber hinaus auch durch Antiandrogene reduziert werden, allerdings resultiert daraus eine Impotenz.

Wann muss operiert werden?

Im dritten Stadium der benignen Prostatahyperplasie wird nun meist operativ behandelt. Indikatoren für eine Operation sind eine Überlaufinkontinenz, wiederholte akute Harnverhaltung, Blasensteine, rezidivierende Harnwegsinfekte und Restharn von mehr als 100 ml. Leidest Du stark unter den Symptomen wie häufigem Harndrang, besonders nachts, kannst Du mit Deinem Arzt besprechen, ob er Dir einen operativen Eingriff empfehlen würde.

Wie verläuft der Eingriff bei einer benignen Prostatahyperplasie?

Welches Verfahren Dein Arzt letztendlich wählt, hängt von mehreren Faktoren ab. So muss er Risikofaktoren des Patienten abschätzen können, da eine Blutungsneigung beispielsweise die Auswahl der Methoden erheblich einschränkt. Außerdem wird Dein Körper je nach Eingriff unterschiedlich stark belastet. Er muss daher beachten, ob Du ambulant oder stationär behandelt werden musst, wie lange Du einen Katheter tragen musst und mit welchen Beschwerden Du nach dem Eingriff zu rechnen hast. Die Verfahren unterscheiden sich auch in der Zeit, bis eine spürbare Linderung der Beschwerden eintritt und wie lange die Abheilung dauert. Es gibt inzwischen viele verschiedene Verfahren, mithilfe derer eine vergrößerte Prostata operiert werden kann. Manche werden allerdings nur in Spezialzentren verfügbar und werden auch nicht unbedingt von den Krankenkassen übernommen.

Welches Verfahren Dein Arzt zur Behandlung der Prostatavergrößerung letztendlich wählt, hängt von mehreren Faktoren ab

Bei einem Standardeingriff muss Dir der Arzt zunächst einen Katheter einführen, um die Harnblase zu entleeren und so die Nieren zu entlasten. Danach erfolgt die eigentliche Operation. Das aktuelle Standardverfahren ist die transurethrale Elektroresektion der Prostata (TUR-P). Der Chirurg schält dabei das vergrößerte Drüsengewebe mithilfe eines durch die Harnröhre eingebrachten Endoskops von innen nach außen ab. Das Ziel des Eingriffs ist es, die Prostata so weit zu verkleinern, dass sie nicht mehr auf die Blase drückt und die Harnröhre nicht mehr verengt. Es gibt allerdings auch weitere Verfahren wie die offene Prostataoperation oder spezielle Laserverfahren (zum Beispiel mittels der HoLEP-Methode).

Was muss ich nach dem Eingriff beachten?

Nach dem Eingriff sind engmaschige Kontrollen unerlässlich, damit Dein Arzt den Heilungsverlauf überprüfen und unterstützen kann. Außerdem können Blasenentleerungsstörungen durch Beckenbodengymnastik unter fachkundiger Anleitung gebessert werden. Sind im Harn noch pathogene Keime vorhanden, lassen sich diese normalerweise durch eine antimikrobielle Therapie und bei gutem Harnabfluss behandeln. Bedenke, dass Du nach einer Prostataoperation nicht mehr in der Lage bist, Kinder zu zeugen, da die Entleerung des Samenergusses nun in die Harnblase erfolgt. Um vorzusorgen, kannst Du vorher Spermien einfrieren lassen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Etwa bei jedem zehnten Patienten kommt es nach einer Prostataoperation zu Entleerungsstörungen der Harnblase, teilweise besteht das Problem nur vorübergehend. Während der Abheilung können noch Beschwerden beim Wasserlassen auftreten, bestehen diese länger oder bist Du Dir unsicher, suche lieber einen Arzt auf. In sehr seltenen Fällen kann auch eine dauerhafte Harninkontinenz zurückbleiben. Ebenfalls sehr selten kann die Erektion beeinträchtigt sein. Wie bei jeder Operation kann es auch hier zu Blutungen oder Vernarbungen der Operationswunde kommen. Ist das der Fall, muss der Arzt eventuell noch einmal operativ nachbessern.

Wie kann ich eine Prostatavergrößerung vorbeugen?

Da die genauen Ursachen für eine vergrößerte Prostata nicht bekannt sind, ist es schwierig, der benignen Prostatahyperplasie vorzubeugen. Du solltest aber darauf achten, Normalgewicht zu halten oder gegebenenfalls Dein Gewicht zu reduzieren. Zu einem gesunden Lebensstil zählt auch eine gesunde, ausgewogene Kost und viel Bewegung. Besonders der mediterranen oder asiatischen Kost wird eine außergewöhnlich gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt.

Da die genauen Ursachen für eine vergrößerte Prostata nicht bekannt sind, ist es schwierig, der benignen Prostatahyperplasie vorzubeugen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Alle notwendigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen bei der benignen Prostatahyperplasie werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Bei einigen privaten Krankenkassen fällt ein Selbstbehalt an, den Du selber zahlen musst. Frage am besten bei Deiner Krankenkasse nach, welche Leistungen übernommen werden.


Dauer Dauer

2-4 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 3 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 12 Tagen

Das Wichtigste zusammengefasst

Die benigne Prostatahyperplasie betrifft ausschließlich Männer ab etwa 40 Jahren, je höher das Alter, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Prostata vergrößert ist


Das langsame Wachstum der Vorsteherdrüse ist ein normaler Teil des Alterns, wieso sich allerdings die Prostata im Alter oft übermäßig vergrößert, ist bislang nicht geklärt


Zu den Symptomen zählt ein schwächerer Harnstrahl, eine verzögerte Blasenentleerung, Nachtröpfeln, häufiger Harndrang, ein Restharngefühl nach dem Wasserlassen, nächtlicher Harndrang sowie häufige Harnwegsinfekte. Außerdem beeinträchtigt eine vergrößerte Prostata häufig die Lebensqualität der Betroffenen


Je nach Stadium kann medikamentös mit Phytotherapeutika (Stadium I) oder mit selektiven Alphablockern sowie mit 5-Alpha-Reduktasehemmern (Stadium II) oder operativ (Stadium III) behandelt werden. Das operative Standardverfahren ist die transurethrale Elektroresektion der Prostata (TUR-P)

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