Ostitis

Der menschliche Körper besteht aus etwa 206 Knochen. Sie dienen dem Schutz innerer Organe wie Gehirn, Herz und Lunge, sind für die Bildung verschiedenster Zellen verantwortlich und geben uns die Möglichkeit zu laufen und zu greifen. Kommt es zur Entzündung von Knochen, kann dies bei Betroffenen zu verschiedenen unangenehmen Beschwerden führen, die in vielen Fällen sogar einen operativen Eingriff nach sich ziehen können.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über Ostitis. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter Ostitis?

Im Inneren von Röhrenknochen befinden sich die sogenannten Havers- und Volkmannkanäle, die der Versorgung des Knochens mit Nährstoffen und Nerven dienen. Beide Röhrensysteme können sich infolge einer Infektion entzünden, sodass Mediziner dann von einer bakteriellen Ostitis sprechen. Mitunter ist eine Knochenentzündung auch unter dem Terminus Osteitis bekannt. Liegt zusätzlich eine Entzündung des Knochenmarks vor, wird der Begriff Osteomyelitis verwendet.

Neben der bakteriellen Ostitis gibt es auch die nicht-bakterielle Ostitis (NBO), die eine immer wiederkehrende Entzündung des Knochens darstellt. Die Ursache von NBO ist bisher weitgehend unerforscht und wird als sogenannte autoinflammatorische, also selbstentzündliche Erkrankung eingestuft. Es gibt Hinweise, dass die Krankheit genetische Ursachen hat und damit vererbbar sein kann. Allerdings handelt sich aber wahrscheinlich um sogenannte multifaktorielle Auslöser, das bedeutet es spielen mehrere Faktoren eine Rolle, um NBO auszulösen. Anders als bei der bakteriellen Ostitis haben die Betroffenen der nicht-bakteriellen Ostitis meist weniger Schmerzen und kein bis wenig Fieber.

Nachts kann es sein, dass die Knochenschmerzen stärker zu spüren sind, auch leichte Schwellungen und Rötungen können typische Symptome sein. Prinzipiell können alle Knochen betroffen sein, besonders häufig betrifft es aber das Schlüsselbein sowie die Wirbelkörper und das Becken. Oft haben Patienten mit nicht-bakterieller Ostitis auch kleine Bläschen und Schuppungen an den Händen und Fußsohlen.

Ostitis

Um die nicht-bakterielle Ostitis zu diagnostizieren, führt der Arzt in einem ersten Schritt ein ausführliches Gespräch mit Dir beziehungsweise mit den Eltern des betroffenen Kindes. Aktuell gibt es keine spezifischen Tests, die diese Erkrankung feststellen können. Daher muss Dein Arzt eine sogenannte Ausschlussdiagnose erstellen, bei der er besonders Knochenkrebs und bakterielle Knochenentzündungen ausschließen muss. Dafür führt er verschiedene Laboruntersuchungen durch, wendet bildgebende Verfahren (zum Beispiel MRT oder CT) an und führt eventuell eine Biopsie (Probeentnahme) durch.

Stellt der Arzt NBO fest, versucht er in erster Linie die Symptome des Kindes mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten zu lindern. Dies führt in den meisten Fällen zu sehr guten Ergebnissen. Wie lange die Therapie andauert, hängt ganz davon ab, wie stark die Symptome ausgeprägt sind. Sollte diese Therapie nicht ausreichen, können weitere Medikamente wie zum Beispiel Cortison zum Einsatz kommen. Darüber berät Dich aber Dein Arzt individuell.

Wie sehen die Symptome bei Ostitis aus?

Bei der bakteriellen Knochenentzündung zählen zu den typischen Symptomen Bewegungseinschränkungen und Schmerzen in den betroffenen Körperregionen. Weiterhin können an den entsprechenden Stellen Schwellungen, Rötungen und Erwärmungen der Haut auftreten. Außerdem kann eine Ostitis mit Fistelbildung oder eitrig (bedingt durch Bakterien) verlaufen. Mitunter leiden Betroffene unter Fieber und einem grippeähnlichen Krankheitsgefühl.

Welche Ursache hat die Erkrankung?

Einer Ostitis liegt eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen zugrunde. In den meisten Fällen dringen Bakterien, insbesondere Streptokokken, über eine offene Verletzung oder eine OP-Wunde in den Körper ein und befallen den Knochen, wodurch sich eine Entzündungsreaktion bildet. Daher spielen auch resistente Keime, die oft in Pflegeheimen und Krankenhäusern kursieren, bei der Ansteckung eine entscheidende Rolle. In seltenen Fällen lösen auch Infektionsherde, die bereits im Körper ausgebrochen sind, eine Ostitis aus.

Wie diagnostiziert ein Arzt Ostitis?

In einem Gespräch mit Deinem Arzt hast Du die Möglichkeit, diesem Deine Symptome und Beschwerden zu schildern. In einer anschließenden körperlichen Untersuchung inspiziert der Mediziner die betroffenen Knochen und Gelenke und tastet diese ab. Ein dabei vorhandener Druckschmerz und die von Dir geäußerten Beschwerden liefern bereits erste Hinweise auf das Vorliegen einer Ostitis. Weiterhin wird Dir Blut entnommen und ein Blutbild angefertigt. Sollten die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) über dem Normwert liegen und ein erhöhter Wert des C-reaktiven-Proteins bestehen, deutet dies ebenfalls auf eine Entzündung hin.

Bei stark geschwollenem Gelenk kann Dein Arzt darüber hinaus mithilfe einer Nadel eine Gelenkpunktion vornehmen. Das bedeutet, dass Dir Flüssigkeit aus dem Gelenk entnommen wird, die auf das Vorhandensein bestimmter Bakterien überprüft wird. 
Um die Knochenentzündung sichtbar zu machen, kann der Mediziner bildgebende Verfahren wie die Kernspintomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) nutzen. Eine Entzündung mit möglicherweise zusätzlich betroffenen Muskeln sowie ein Gelenkerguss lassen sich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung darstellen.

Ostitis

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

In 80 Prozent aller betroffenen Fälle ist einer Knochenentzündung eine Operation vorausgegangen. Aus bislang nicht bekannten Gründen sind Männer davon häufiger betroffen als Frauen. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen dabei die Gefahr, nach einer Operation oder auch einer Verletzung eine Ostitis zu entwickeln. Darunter fallen unter anderem ein hohes Alter, geschwächtes Immunsystem, Mangelernährung, Atemfunktionsstörungen, Nieren- und Lebererkrankungen, Nikotin-, Alkohol- oder Drogenkonsum, bösartige Tumore und Systemerkrankungen wie Arteriosklerose oder Diabetes mellitus. Bei der nicht-bakterielle Ostitis sind vor allem Kinder weiblichen Geschlechts betroffen.

Welche Folgen hat die Ostitis für die Patienten?

Auch wenn die Lebenserwartung durch die Ostitis meist nicht beeinflusst wird, führt eine Knochenentzündung im Allgemeinen zu einer eingeschränkten Lebensqualität der Patienten. Durch starke Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind Betroffene mitunter auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen. Leiden Kinder unter einer Entzündung von Knochen, kann gegebenenfalls deren Entwicklung beeinträchtigt sein. Die Knochen selbst sind durch die Entzündung deutlich geschwächt, sodass das Risiko für Knochenbrüche und andere Verletzungen des Knochens erhöht ist. Im Verlauf der Erkrankung kann es bei ausbleibender Behandlung zu einer Ausbreitung der Entzündung in andere Areale des Körpers kommen, wodurch im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung entstehen kann, die für den Patienten tödlich sein kann.

Welche Formen der Ostitis gibt es?

Anhand des zeitlichen Verlaufs unterscheiden Mediziner eine akute von einer chronischen Knochenentzündung. Zu einer akuten Entzündung kommt es infolge eines direkten Bakterienbefalls mit den typischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz und Funktionseinschränkung. Bei ausbleibender oder mangelhafter Therapie kann diese in eine chronische Knochenentzündung übergehen. Dabei bildet der Körper um die Bakterien eine Art Kapsel, die die Erreger zwar einschließt, aber nicht deren Vermehrung verhindert. Ab und an dringen diese in einer eitrigen Flüssigkeit nach außen aus. Dementsprechend treten die Symptome bei der chronischen Form schubweise auf.

Welche nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Da in den meisten Fällen Bakterien als Erreger für eine Knochenentzündung verantwortlich sind, setzen Mediziner eine Antibiotikagabe als medikamentöse Behandlungsmethode ein, die die auslösenden Bakterien beseitigen soll. Da manche Bakterien gegenüber bestimmten Antibiotika Resistenzen aufweisen, wird vor Beginn der Behandlung mithilfe eines Wundabstrichs oder einer Gewebeprobe bestimmt, welches Bakterium für die Ostitis verantwortlich ist. Nach erfolgreicher Keimbestimmung kann die Antibiotikabehandlung selektiv und zielgerichtet erfolgen, wobei eine orale oder intravenöse Gabe des Antibiotikums angezeigt sein kann. Häufig verwendete oral einzunehmende Antibiotika bei einer Knochenentzündung sind Ciprofloxacin, Rifampicin und Ofloxacin. Des Weiteren sollte die von einer Ostitis betroffene Körperpartie ruhig gehalten werden.

Ostitis

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Vor der Operation einer Knochenentzündung darfst Du einige Stunden vorher nichts mehr essen und trinken. Da die Inhaltsstoffe von Zigaretten die Wundheilung beeinträchtigen können, empfehlen wir Dir im Vorfeld des medizinischen Eingriffs auf das Rauchen zu verzichten, ebenso auf den Konsum von Alkohol. Weiterhin solltest Du vorab Deinen Operateur darüber in Kenntnis setzen, ob Du regelmäßig Medikamente einnimmst, sodass dieser Dir mitteilen kann, ob Du diese vor der Operation weiterhin zu Dir nehmen darfst oder absetzen beziehungsweise durch alternative Arzneimittel ersetzen musst. Medikamente, welche sich auf Dein Blut auswirken, wie beispielsweise Aspirin, Marcoumar, Plavix, ASS oder Thrombo ASS, solltest Du etwa 14 Tage vor der Operation absetzen.

Wie verläuft die Operation bei Ostitis?

Die Operation einer Ostitis erfolgt in den meisten Fällen unter Vollnarkose. Der Chirurg schneidet die Haut und das Weichgewebe ein und öffnet den Knochen an der betroffenen Stelle mit einem Meißel, um im nächsten Schritt das geschädigte Gewebe auszuräumen. Entfernte Teile des Knochens können durch künstliche Implantate ersetzt werden. Bei beteiligtem Gelenk oder Sehnenscheide erfolgt eine gründliche Spülung. Je nach Befund des Patienten können noch weitere operative Maßnahmen erforderlich sein. Da Schrauben, Platten oder Nägel die Ausheilung der Entzündung unter Umständen behindern können, muss der Operateur diese gegebenenfalls entfernen. In manchen Fällen mit Gelenkbeteiligung kann es weiterhin nötig sein, die innere Gelenkhaut herauszuoperieren.

Des Weiteren kann der Mediziner bei betroffenem Gelenk antibiotikahaltige Schwämme einsetzen. Zusätzlich kann er eine Drainage nach außen legen, über die das Wundsekret aus dem Gelenk abfließen kann.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation solltest Du Dich schonen, ausruhen und Bettruhe einhalten. Befand sich der Entzündungsherd an den Extremitäten, kann eine stützende Schiene von außen angelegt werden, die der Schonung und Entlastung des entzündeten Knochens dient. Achte auf einen entsprechenden Schutz der Wunde und allgemein auf einen hohen Standard der Hygiene, sodass es nicht zu weiteren Infektionen kommt. Regelmäßige Kontrolltermine bei Deinem behandelnden Mediziner sind wichtig, um den Heilungsprozess beurteilen zu können.

Bei weit ausgedehnter Ostitis und einem damit verbundenen erhöhten Risiko für eine erneute Entzündung erfolgt fallweise eine offene Wundheilung, bei der die Operationswunde für eine bestimmte Zeit postoperativ offen gelassen und erst später wieder verschlossen wird. 
Weiterhin solltest Du beachten, dass mitunter eine einmalige Operation nicht ausreichend ist und ein erneuter Eingriff in das betroffene Gebiet erforderlich ist. Dies kann der Fall sein, wenn weiteres entzündetes Gewebe entfernt werden muss, oder um in der vorher stattgefundenen Operation entfernte Implantate oder Stützstrukturen wieder einzusetzen.

Ostitis

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Wie auch bei anderen operativen Eingriffen kann es bei einer Operation einer Ostitis zu gewissen Komplikationen kommen. Diese umfassen Blutungen, Blutergüsse, Wundinfektionen und Verletzungen von Blutgefäßen im eröffneten Gebiet. Bei Verletzungen von Nerven im Operationsareal können Sensibilitätsstörungen auftreten.

In seltenen Fällen kann es postoperativ zu Heilungsstörungen der Knochen, einer reduzierten Beweglichkeit oder einem inkorrekten Zusammenwachsen der Knochen kommen. Weiterhin ist als Komplikation das sogenannte Sudeck-Syndrom bekannt, bei dem es zu einem Abbau des Knochens rund um das entfernte Gebiet kommt, wodurch weitere schmerzhafte Entzündungen entstehen.

Kann ich Ostitis vorbeugen?

Sicher vorbeugen kannst Du Ostitis nicht. Bei ersten Anzeichen von Knochen- und Gelenkbeschwerden empfehlen wir Dir jedoch schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.

Vielmehr sollten Krankenhäuser durch entsprechende Hygienemaßnahmen zu einer Verhinderung der Krankheitsentstehung beitragen. Weiterhin sollte bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem immer prophylaktisch eine Therapie der Grunderkrankung erfolgen.

Ostitis

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen im Normalfall alle anfallenden Behandlungskosten. Solltest Du Dir trotzdem nicht ganz sicher sein, dann wende Dich am besten an Deinen Versicherungsträger oder an unsere Spezialisten.

 

Quellen

Nürnberger, H. R. et al.: Klinikleitfaden Chirurgie, 5. Auflage, Urban und Fischer Verlag, 2010

Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Schumpelick, V. et al.: Kurzlehrbuch Chirurgie, 8. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2010

 


Dauer Dauer

Bis zu 6 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu mehreren Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter einer Ostitis verstehen Mediziner eine Knochenentzündung, die infolge
 einer meist bakteriellen Infektion entstehen kann.


Eine Ostitis äußert sich meist in Schmerzen der betroffenen Knochen oder Gelenke sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl


Folgen der Erkrankung können unter anderem Bewegungseinschränkungen, ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und eine Blutvergiftung sein


Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, in schweren Fällen auch mit einer Operation