Nystagmus (Augenzittern)

Nystagmus ist umgangssprachlich auch unter dem Begriff „Augenzittern“ bekannt. Es gibt dabei Formen, die nicht bedenklich sind, aber auch welche, die krankhafte Ursachen haben können. Wichtig ist es, den Nystagmus von Mikrosakkaden zu unterscheiden. Dabei handelt es sich um minimale Augenbewegungen, die bei gesunden Menschen auftreten und das scharfe Sehen erleichtern. Ein bis drei Mal pro Sekunde passt das gesunde Auge die Blickrichtung auch in Ruhe minimal an. Das Sehen ist durch diese Anpassungsprozesse nicht beeinträchtigt.


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Zuletzt aktualisiert: 29. April, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Nystagmus?

Die Medizin versteht unter dem Begriff „Nystagmus“ unkontrollierbare, rhythmische Bewegungen eines Organs, in diesem Fall die des Auges. Das ist noch nicht zwangsläufig pathologisch, da der Nystagmus eigentlich primär der natürlichen Anpassung der Augen an die Umwelt dient. Allerdings gibt es auch Formen des Nystagmus, die sehr wohl krankhaft sind.

Ein Nystagmus äußert sich durch unkontrollierbare, rhythmische Bewegungen des Auges.

Welche Formen von Nystagmus gibt es?

Zunächst unterscheidet man die pathologische von der physiologischen Form des Nystagmus. Die physiologische Form geht ohne negative Auswirkungen auf den Organismus einher und ist das Ergebnis eines natürlichen Anpassungsprozesses der Augen an die Umwelt. Außerdem dient der sogenannte optokinetische Nystagmus dazu, die Bewegung des Körpers auszugleichen.
 
Weitere Formen des physiologischen Nystagmus sind der Provokationsnystagmus, welcher durch Temperaturreize oder durch Drehung ausgelöst wird und der kalorische Nystagmus, welcher entsteht, wenn der Vestibularapparat im Ohr durch Hitze oder Kälte gereizt wird. Im Hirn entsteht dadurch der Eindruck einer Drehung, weswegen Betroffene in der Regel mit einer Sakkade nach links oder rechts reagieren. Der vestibuläre Nystagmus kann durch eine schnelle Drehbewegung des Kopfes ausgelöst werden.
 
Die letzte Form des physiologischen Nystagmus ist der rotatorische beziehungsweise postrotatorische Nystagmus. Diese Form kennen wir wohl alle von früher, wenn wir als Kinder so lange Karussell gefahren sind, bis uns ganz schwindelig wurde. Wenn also der Körper für längere Zeit gedreht wurde, treten Schwindelgefühle und ein rotatorischer Nystagmus auf. Beim postrotatorischen Nystagmus versuchen die Augen, den Schwindel durch Gegenbewegungen zu reduzieren.
 
Zu den pathologischen, also krankhaften Formen des Nystagmus zählen sechs Typen. Der Spontannystagmus beschreibt den Zustand, wenn Schlag- und Pendelbewegungen auch im Ruhezustand auftreten. Beim Blickrichtungsnystagmus tritt das Augenzittern nur bei einer bestimmten Ausrichtung der Augen auf, also beispielsweise, wenn der Betroffene nach links blickt.
 
Ein Downbeat oder Upbeat Nystagmus liegt vor, wenn das Auge in seiner Neutralposition regelmäßig nach oben oder unten ausschlägt. Beim Fixationsnystagmus schlägt das Auge schneller und stärker aus, wenn der Betroffene versucht, ein Objekt zu fixieren. Einen Nystagmus, der vorwiegend nur in einem Auge oder auf einer Seite deutlich stärker auftritt, nennt man dissoziierter Nystagmus.
 
Die letzte Form des pathologischen Nystagmus, der Latenstyp-Nystagmus ist dadurch gekennzeichnet, dass bei Fixation mit dem linken Auge Schlagbewegungen nach links auftreten, während Fixationen mit dem rechten Auge zu Schlagbewegungen nach rechts führen. Verdeckst Du ein Auge, verstärkt sich der Effekt.

Was sind die Symptome von Nystagmus?

Wenn es sich bei Dir um einen physiologischen Nystagmus handelt, leidest Du eigentlich unter keinen Symptomen, da der Nystagmus komplett unbemerkt verläuft und in alltäglichen Situationen zur Fixierung bestimmter Punkte dient.
 
Wenn Du allerdings an einem krankhaften Nystagmus leidest, kann es zu mäßig starken bis starken Beschwerden kommen. Es kommt zu einem Vortäuschen der Drehbewegung, die das Gehirn so registriert und starken Schwindel auslöst. Dies ist oft das erste Anzeichen eines pathologischen Nystagmus.
 
Bei extrem starken Schwindelanfällen können Patienten auch an starken Gleichgewichtsstörungen leiden, die so stark sein können, dass sich die Betroffenen nicht mehr alleine auf den Beinen halten können.
 
Neben dem Schwindel kann auch starke Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten. Betroffene versuchen außerdem oft durch ein Schiefhalten des Kopfes die Augen zu beruhigen und somit das unruhige Bild auszugleichen.

Welche Ursachen hat Nystagmus?

Abhängig von der Art des Nystagmus kommen verschiedene Ursachen infrage. Für manche Formen sind die Ursachen bislang auch noch weitgehend unbekannt. Offenbar gibt es eine rezessive genetische Komponente, das Augenzittern auslösen kann.
 
Außerdem können verschiedene Erkrankungen des Auges einen Nystagmus auslösen. Dazu zählen der graue Star, die Optikusatrophie, die Aniridie und Narben auf der Netzhaut. Beim Albinismus liegt ein genetisch bedingter Pigmentmangel vor, welcher auch die Sehschärfe einschränkt und so zu einem Nystagmus führen kann.
 
Das Augenzittern kann auch ein Symptom anderer Erkrankungen sein. Dazu zählt die Ataxie, die Farbenblindheit, eine Gehirnerschütterung sowie Retinitis pigmentosa.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Du ein störendes Augenzittern bemerkst, das nicht nur vorübergehend auftritt, solltest Du einen Arzt aufsuchen, um die Ursache festzustellen und den Nystagmus zu behandeln.
 
Außerdem solltest Du baldmöglichst einen Arzt aufsuchen, wenn Deine Augen sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung zittern. Auch Schwindel und eine zitternde Wahrnehmung der Umgebung sind Hinweise auf einen krankhaften Nystagmus, welcher unbedingt abgeklärt werden sollte.

Ein Nystagmus wird vom Augenarzt unter anderem mithilfe einer Frenzel-Brille oder einer Elektrookulographie diagnostiziert.

Wie diagnostiziert der Arzt einen Nystagmus?

Im Anschluss an das Anamnesegespräch, in welchem Dich der Arzt zu Deinen Symptomen befragt, benutzt er eine sogenannte Frenzel-Brille, um Dich zu untersuchen. Sie hat sehr starke Gläser und beleuchtet die Augen.
 
Du kannst durch die Brille nichts sehen und somit auch nichts mehr fixieren. Dein Arzt allerdings kann wie durch eine Lupe mit Beleuchtung Deine Augenbewegungen beobachten. Wichtig sind dabei für ihn die Frequenz des Zitterns, die Amplitude und die Schlagrichtung des Auges.
 
Des Weiteren kann der Arzt den Nystagmus durch eine thermische Prüfung provozieren. Dazu spült er Dein Ohr mit kaltem und warmem Wasser. Eine weitere Methode, um das Augenzittern hervorzurufen, ist der Drehstuhltest.
 
Du setzt Dich auf einen Drehstuhl, welchen der Arzt in Bewegung versetzt. Wenn das Auge versucht, einen Punkt zu fixieren, wird der Nystagmus ausgelöst. Nachdem der Stuhl angehalten wurde, tritt das Augenzittern in entgegengesetzter Richtung auf.
 
Um eine abweichende Aktivität der Augenmuskeln einzuschätzen, kann Dein Arzt die sogenannte Elektrookulographie (EOG) nutzen. Manche Patienten, die an einem Nystagmus leiden, halten den Kopf oft schief. Außerdem kann auch die Sehschärfe beider Augen unter einem unbehandelten Nystagmus leiden.

Wie wird ein Nystagmus behandelt?

Das Ziel der Behandlung eines Nystagmus ist eine deutliche Besserung der Sehschärfe. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist es, Prismengläser in die normale Brille zu integrieren.
 
Bei angeborenen Formen des Augenzitterns kann der Arzt zusätzlich eine Operation durchführen, bei welcher er beispielsweise die Augenmuskulatur verschiebt. Dabei kann er auch eine zwanghafte Kopfhaltung korrigieren. Auch eine medikamentöse Behandlung mit Gabapentin oder Memantin ist möglich und kann positive Resultate erzeugen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation eines Nystagmus macht eigentlich in den Fällen Sinn, wenn die Beschwerden stark ausgeprägt sind. In etwa 50 Prozent der Fälle konnte eine langfristige Besserung erreicht werden.

Wie verläuft die Operation eines Nystagmus?

Zunächst prüft der Arzt, welches Verfahren sich für Deinen Fall eignet. Beispielsweise kann er Dir Botulinumtoxin injizieren oder Deinen Augenmuskel operieren. Dabei bevorzugen Ärzte eher Letzteres, da die Behandlung durch Botulinumtoxin Injektionen nicht langfristig wirkt und gefährliche Risiken bergen kann.
 
Abhängig von der Form des Augenzitterns kann Dein Arzt beim Eingriff die Augen mittels der Parallelverschiebung nach Kestenbaum verschieben, sodass Deine Augen im Geradeausblick nicht mehr zittern.
 
Tritt der Nystagmus seltener auf, wenn Du Gegenstände in unmittelbarer Nähe betrachtest, wählt der Arzt die sogenannte Artifizielle Divergenz nach Cüppers, wobei er spezifische äußere Augenmuskeln zurückverlagert.
 
Die Eingriffe finden normalerweise unter Vollnarkose statt, wenn Du allerdings lieber eine lokale Betäubung haben möchtest, kannst Du das mit dem Anästhesisten besprechen.

Welche Komplikationen und Risiken bringt eine Operation mit sich?

Auch bei diesem Eingriff können postoperative Blutungen und Infektionen auftreten. Außerdem kann es passieren, dass das Auge vor allem in den vorderen Abschnitten weniger gut durchblutet wird, wenn der Arzt mehrere Augenmuskeln innerhalb eines Auges durchtrennt. Dauerhafte Schädigungen sind extrem selten.

Wie erfolgt die Nachbehandlung bei einer Operation?

Normalerweise verbringst Du nach der Operation einige Tage im Krankenhaus, damit die Wunden fachgerecht versorgt werden und der Therapieerfolg oder mögliche Komplikationen überwacht werden können. Bei einer ambulanten Operation musst Du Kontrolltermine zur Nachuntersuchung wahrnehmen.

Die Prognose eines Nystagmus ist relativ gut, es kommt jedoch auf den Einzelfall an.

Wie ist die Prognose bei Nystagmus?

Bei einem schwachen Nystagmus kann bereits das gesunde Auge kompensatorisch wirken. In anderen Fällen ist auf jeden Fall ärztliche Versorgung nötig, da sich der Gesundheitszustand nicht von selbst wieder bessert.
 
Nach einer Operation oder bei einer medikamentösen Behandlung ist die Prognose für eine lang anhaltende Verbesserung des Zustandes normalerweise recht gut. Sobald Du allerdings die Medikamente absetzt, treten die Symptome wieder auf.

Welche Folgen hat Nystagmus für Betroffene?

Durch den Nystagmus halten viele Betroffene den Kopf in einer schiefen Schonhaltung. Dies kann zu orthopädischen Folgeschäden führen. Außerdem kann ein Nystagmus von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden, was ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen hat. Bei starken Gleichgewichtsproblemen infolge des Schwindels sind Betroffene auf fremde Hilfe angewiesen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für die Diagnose und eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Falls Du Fragen zur Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls bei allen Fragen zur Seite.

 

Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Der Nystagmus kann unter Umständen eine normale Anpassung an die Umwelt sein, es gibt allerdings auch krankhafte Formen


Symptome können Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Erbrechen sowie zwanghaftes Schiefhalten des Kopfes sein


Die Ursachen sind entweder genetischer Natur oder häufiger bestimmte (Augen-)erkrankungen


Die Behandlung kann durch Prismengläser, Medikamente, eine Operation oder eine Kombination der Verfahren erfolgen

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

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