Kalkschulter

Die Kalkschulter bezeichnet eine Erkrankung im Bereich der Schultersehnen, die in einigen Fällen mit Schmerzen einhergeht und meist im mittleren Erwachsenenalter auftritt. Manchmal heilt sie von selbst ab, in anderen Fällen müssen konservative oder operative Maßnahmen ergriffen werden. Als Ursache der Erkrankung vermuten Spezialisten meist eine lokale Gerinnungsstörung.


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Zuletzt aktualisiert: 28. Februar, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Kalkschulter. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Kalkschulter?

Mediziner verstehen unter einer Kalkschulter (Tendinitis calcarea) eine umschriebene Ansammlung von Kalk (Hydroxylapatit) im Inneren einer Sehne. Kalk kann sich grundsätzlich in jeder Sehne des Körpers anlagern, meistens ist allerdings der Schulterbereich beziehungsweise die dort befindliche Supraspinatussehne betroffen.

Kalkschulter

Wie sehen die Symptome bei einer Kalkschulter aus?

Bei einer Kalkschulter ist die Bandbreite an möglichen Beschwerden hoch. In einigen Fällen haben Patienten Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite, leiden unter Belastungsschmerzen, Schmerzen nach Überkopfarbeit oder einer Bewegungsunfähigkeit des Armes (Pseudoparalyse). Es können aber auch plötzliche Schulterschmerzen ohne Auslöser auftreten, andere Patienten wiederum haben allerdings überhaupt keine Beschwerden.

Welche Ursachen hat eine Kalkschulter?

Die Ursachen der Kalkschulter sind bislang unbekannt, Experten vermuten eine lokale Durchblutungsstörung. Dafür spricht, dass sich die Kalkdepots fast immer an einer Stelle der Sehne befinden, die bereits grundsätzlich am schlechtesten durchblutet ist. Andere Theorien sprechen für äußere Ursachen wie Stürze, Unfälle, Sehnenrisse, Sport, Schwerarbeit und aus Überbeanspruchung resultierende Verletzungen. Innere Ursachen können neben der Durchblutungsstörung auch Alterungsprozesse sein.

Welche Folgen hat die Kalkschulter für die Patienten?

Für einige Betroffene hat die Kaltschulter überhaupt keine Konsequenzen, da das Kalkdepot nicht zwangsläufig Schmerzen verursachen muss. Falls bei Dir allerdings Schmerzen auftreten, kann das daran liegen, dass die Sehne im entsprechenden Bereich durch die Kalkansammlung aufgerieben wird und nicht mehr problemlos unter dem Schulterdach durchgleiten kann, wenn Du den Arm seitlich anhebst. Durch die ständige Reibung kommt es zunächst zu einer Reizung des Schleimbeutels, der sich zwischen Sehne und Schulterdach befindet und in weiterer Folge zu chronischen Schmerzen. Die Beschwerden können sich im Laufe der Erkrankung auch verändern, zeitweise zurückgehen oder sich massiv verschlimmern, sodass Du den Arm kaum mehr bewegen kannst.

Wie diagnostiziert ein Arzt eine Kalkschulter?

Falls Dir die Symptome bekannt vorkommen, solltest Du einen Facharzt, einen Orthopäden aufsuchen. Im Rahmen des Anamnesegesprächs stellt Dir Dein Arzt Fragen zu Deinen Beschwerden, etwa seit wann Du die Beschwerden hast, wie stark Deine Schmerzen sind, in welchen Situationen die Schmerzen auftreten, bei welchen Bewegungen Du Schulterprobleme hast, ob Du in letzter Zeit einen Unfall hattest, bei dem Du Dir die Schulter verletzt hast oder ob Du eine Sportart ausübst, bei der die Schulter stark belastet wird. Danach folgt die körperliche Untersuchung, bei der Dein Arzt das Gelenk abtastet und Funktionstests durchführt. Dadurch kann er feststellen, wie weit Du in Deiner Bewegung eingeschränkt bist, wie stabil das Gelenk ist und wo genau die Schmerzen auftreten.

Im Anschluss daran muss der Mediziner andere Erkrankungen zum Beispiel im Bereich des Nackens und der Halswirbelsäule oder auch Herzprobleme ausschließen, da diese ähnliche Beschwerden verursachen können. Um die Diagnose der Kalkschulter zu sichern, führen Ärzte oftmals bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgenuntersuchungen durch. Diese Verfahren dienen auch dazu, mögliche andere Defekte im Schultergelenk wie Schulterarthrosen oder Sehnenentzündungen auszuschließen.

Kalkschulter

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten sind jüngere Menschen und Personen mittleren Alters betroffen (Erkrankungsgipfel bei circa 30 bis 50 Jahren). Frauen sind häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer.

Welche Stadien der Kalkschulter gibt es?

Im Krankheitsverlauf der Kalkschulter werden im Allgemeinen vier Phasen unterschieden, allerdings durchläuft nicht jeder Patient exakt diese Krankheitsphasen. Die Zellumwandlungsphase beschreibt den Zustand, dass sich die Sehnenzellen aufgrund von Schwellungen, Entzündungen, Überlastungen und verminderter Sauerstoffversorgung in knorpelartige Zellen umwandeln. In dieser Phase hast Du noch keine oder kaum Schmerzen, es zeigen sich auch noch keine Anzeichen von Kalkablagerungen.

In der zweiten Phase, der Phase der Kalkentstehung, sterben die Knorpelzellen aufgrund von verringerter Sauerstoffversorgung ab. Der dadurch frei werdende Raum füllt sich nun automatisch mit Kalk. Die Schmerzen werden stärker und nun lassen sich die Kalkablagerungen auch diagnostisch eindeutig nachweisen. Während der Resorptionsphase löst sich das Kalkdepot spontan unter Einwirkung einer Entzündungsreaktion auf. Gleichzeitig entzündet sich der Schleimbeutel des Schultergelenks. Er quillt auf, hat aber keinen Platz, um sich auszudehnen, da er oben durch das Schulterdach und unten durch den Oberarmkopf begrenzt wird. In weiterer Folge hast Du durch den erhöhten Umgebungsdruck starke Schmerzen bei Bewegung. In der letzten Phase lösen sich die Kalkdepots langsam auf, das Gelenk verheilt und es bilden sich Narben. Daher wird die Phase auch Phase der Narbenbildung genannt.

Welche Therapiemöglichkeiten der Kalkschulter gibt es?

Neben einer Operation gibt es auch nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten. In einigen Fällen heilt die Kalkschulter sogar von selbst aus, da der Körper die Kalkansammlungen selber beseitigen kann. Um diesen Prozess zu unterstützen, können konservative Behandlungsmöglichkeiten für mindestens sechs Monate durchgeführt werden. Zu diesem Zweck eigenen sich Bandagen zur Ruhigstellung, sogenannte Schulterorthesen.

Gegen die Schmerzen kann Dir Dein Arzt Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente verschreiben. Dazu zählen unter anderem nicht-steroidale Antirheumatika (auch nicht-steroidale Antiphlogistika) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure (ASS). Der Orthopäde kann das Medikament aber auch direkt in die Rotatorenmanschette der betroffenen Schulter injizieren. Um die Entzündung einzudämmen, eignen sich kortisonhaltige Präparate. Eine Kryotherapie ist ebenfalls sinnvoll, um Schmerzen und Entzündungen mittels Kälte zu lindern.

Das Verfahren wird oftmals im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung eingesetzt, wobei der Therapeut kalte Umschläge oder Wickel auf die schmerzende Stelle aufträgt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Umschläge nicht zu kalt sind, Eispacks aus der Gefriertruhe sind daher ungeeignet. Generell eignet sich Physiotherapie gut, um Beschwerden der Kalkschulter zu lindern. Durch bestimmte Techniken des aktiven und passiven Bewegens und zusätzliche Übungen soll die Schulter wieder mobilisiert werden. Die Schulterkapsel kann schrumpfen und das Schultergelenk versteifen.

Der Physiotherapeut kann Dir spezielle Übungen zeigen, die Du auch zuhause durchführen kannst. Wenn Du trotzdem weiterhin Schmerzen hast, kann Dein Arzt versuchen, Deine Beschwerden mit der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) behandeln. Bei dieser Methode erzeugt ein Gerät außerhalb des Körpers energiereichen, mechanische Druckwellen. Die Kalkansammlungen werden gezielt mit den Stoßwellen beschossen, ohne Operation zerkleinert und im Anschluss vom Körper abgebaut.

Kalkschulter

Wann muss die Kalkschulter operiert werden?

Die Kalkschulter muss bei relativ großen Kalkdepots und ausgeprägten Beschwerden operiert werden.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wenn konservative Behandlungsmöglichkeiten nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben, solltest Du ebenfalls eine Operation in Betracht ziehen.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

In Absprache mit Deinem Arzt solltest Du blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin absetzen. Auch auf Alkohol und Nikotin solltest Du etwa zwei Wochen vor dem Eingriff verzichten. Da der Eingriff unter Vollnarkose stattfindet, ist es wichtig, dass Du am Tag der Behandlung mit leerem Magen in die Klinik gehst.

Wie verläuft die Operation bei einer Kalkschulter?

Heutzutage wird die operative Behandlung der Kalkschulter arthroskopisch unter Vollnarkose durchgeführt. Das bedeutet, dass es sich um einen minimalinvasiven Eingriff mittels Schlüssellochtechnik handelt. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Vor der Operation erklärt Dir Dein Arzt den Eingriff sehr genau. Er verschafft sich über kleine Einschnitte einen Zugang, durch welche er Operationsgeräte und eine endoskopische Kamera einführt. Er entfernt den Schleimbeutel und zieht den Kalk über präzise Absaugsysteme heraus.

Der arthroskopische Eingriff hat neben der geringen Gewebeverletzung auch weitere Vorteile. Der Chirurg ist dadurch in der Lage, weitere möglicherweise bestehende Schäden wie eine Schulterarthrose oder Sehnenschäden zu entdecken und direkt mitzubehandeln. Hat sich im Laufe der Erkrankung das Schleimbeutelgewebe entzündet oder ist bereits vernarbt, kann der Arzt auch das während der Operation entfernen. Dadurch vermindert sich der Druck unter dem Schulterdach. Du kannst Deinen Arm nach der Operation sofort wieder frei bewegen. Der Eingriff darf allerdings nicht während der Auflösungsphase durchgeführt werden, da sich der Kalk schon von selbst auflöst und die Operation damit überflüssig ist.

Kalkschulter

Was muss ich nach der Operation beachten?

Direkt nach der Operation solltest Du die Schulter kühlen, damit keine Schwellungen entstehen. Du musst keine Schiene tragen, sondern kannst den Arm direkt wieder bewegen, solltest ihn aber bis zur Entfernung der Fäden nicht zu stark belasten. Für etwa zehn Tage trägst Du Wundverbände, die auch gewechselt werden müssen. Nach circa zwölf Tagen entfernt der Arzt die Fäden. Danach solltest Du mit Physiotherapie beginnen, um die Beweglichkeit der Schulter wieder vollständig wiederherzustellen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Bei jedem Eingriff in den Körper kann es zu Komplikationen kommen, da es sich hierbei allerdings um einen kleinen Eingriff handelt, sind auch die Risiken dementsprechend gering. Es kann zu postoperativen Blutergüssen und Schmerzen kommen. Selten entwickeln sich Blutgerinnsel, die unbehandelt eine Lungenembolie verursachen können. Während der Operation können Blutungen auftreten, falls Gefäße verletzt werden. Allerdings liegen in dieser Region keine größeren Gefäße, weswegen diese Komplikation sehr unwahrscheinlich ist. Falls der Chirurg unsauber arbeitet, können Keime in die Wunde gelangen und eine Infektion auslösen, welche wiederum zu Wundheilungsstörungen führen kann.

Kann ich die Kalkschulter vorbeugen?

Bislang können Experten nicht mit Sicherheit sagen, dass Sport oder gesunde Ernährung die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Kalkschulter verringern. Allerdings kannst Du durch regelmäßige Übungen für die Schulter die Beweglichkeit des Schultergelenks verbessern und den Druck auf die Sehnen verringern. Auch am Schreibtisch solltest Du Dich regelmäßig gerade hinsetzen und die Schulterblätter nach hinten ziehen, um Deine Schultern zu entlasten.

Welche Hausmittel gegen die Kalkschulter gibt es?

Die Wirksamkeit von Hausmitteln zur Behandlung der Kalkschulter ist nicht wissenschaftlich belegt, trotzdem gibt es Möglichkeiten Unterstützung des natürlichen Heilungsverlaufs. Dazu zählen Bewegungsübungen, zum Beispiel mit einer Faszienrolle, Kühlung der betroffenen Schulter zur Schmerzlinderung, natürliche Schmerzmittel wie Teufelskralle, entsäuernde Maßnahmen wie Apfelessiganwendungen, basische Ernährung und Entsäuerung mit Basenkonzentraten. Um etwaige Entzündungen einzudämmen, kannst Du Nahrungsergänzungsmittel wie Curcumin, Astaxanthin, Omega-3-Fettsäuren, MSM, Vitamin C oder Weihrauch ausprobieren. Auch zur Stärkung der Faszien, Bänder und Sehnen kannst Du Silicium und OPC zu Dir nehmen. Magnesium, Vitamine K2 und D3 sorgen für die richtige Calcium-Verteilung im Körper.

Kalkschulter

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die meisten Behandlungen der Kalkschulter wie zum Beispiel Schmerzmittel, Physiotherapie und Operationen. Die Stoßwellentherapie wird allerdings von den gesetzlichen Krankenkassen oft nicht übernommen. Welche Behandlungen genau übernommen werden kannst Du entweder bei Deinem Versicherungsträger direkt oder auch gerne bei unseren Spezialisten anfragen.

 

Quellen

SV Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (letzter Zugriff: 12.06.2019)

LMU Klinikum der Universität München (letzter Zugriff: 12.06.2019)

Diehl et al. Schmerzhafte Schulter – ist es Kalk? Orthopädie & Rheuma 2015; 18 (4)


Dauer Dauer

45 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 6 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 2 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Durch Kalkdepots bedingte Erkrankung im Bereich der Schultersehnen


Die Kalkschultererkrankung besteht meist aus vier Phasen: Zellumwandlungsphase, Phase der Kalkentstehung, Resorptionsphase, Phase der Narbenbildung


Zumeist wird die Kalkschulter konservativ behandelt, führt dies nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine arthroskopische Operation helfen


Nach der Operation kannst Du den Arm bereits wieder bewegen, begleitend solltest Du mit Physiotherapie beginnen

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