Hüftluxation

Die Hüftluxation ist eine ernsthafte Verletzung des Hüftgelenks, die in der Regel in Folge eines schweren Unfalls (Autounfälle, Sportverletzungen, ...) entstehen. Die Hüftgelenksluxation ist eine schmerzhafte, aber recht seltene Verletzung. Abgesehen davon gibt es auch angeborene Formen der Erkrankung. Zur Behandlung der Hüftluxation gibt sowohl konservative als auch chirurgische Behandlungsmöglichkeiten, die abhängig von Art und Grad der Erkrankung sind.


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Zuletzt aktualisiert: 29. Januar, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Hüftluxation. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Hüftluxation?

Unter einer Hüftluxation verstehen Mediziner eine angeborene oder traumatisch bedingte Fehlstellung des Hüftgelenks, bei welcher sich der Gelenkkopf außerhalb der Gelenkpfanne befindet. Die angeborene Hüftluxation ist die Folge einer Hüftdysplasie, einer erblich bedingten Fehlbildung der Hüftgelenkspfanne. Wird die Luxation schnell erkannt und behandelt, treten Spätfolgen wie Hüftkopfnekrose oder Hüftgelenksarthrose nur selten auf. Die traumatische Hüftluxation tritt meist im mittleren Erwachsenenalter auf und wird durch extreme Gewalteinwirkungen auf das Hüftgelenk verursacht.

Hüftluxation

Wie sehen die Symptome bei einer Hüftluxation aus?

Eine angeborene Hüftluxation bei Neugeborenen fällt durch ein instabiles Hüftgelenk, eine Ungleichheit der Gesäßfalten, eine Schonung des Beines mit gehemmter Abspreizung oder durch eine Beinlängendifferenz auf. Im weiteren Krankheitsverlauf treten weitere Symptome wie verspätetes Gehen, Schmerzen im Leistenbereich und leichtes Einsinken der betroffenen Hüftseite auf. Sollte es traumatisch bedingt zu einer Luxation kommen, leiden die Betroffenen an starken Schmerzen im Gesäß- oder Leistenbereich. Weiters halten sie das betroffene Bein gebeugt und können es nicht mehr bewegen.

Welche Ursachen hat die Hüftluxation?

Die Ursachen der Hüftluxation sind vielfältig. So werden traumatische Hüftluxationen durch einen schweren Unfall ausgelöst, meist ist zusätzlich auch die Gelenkpfanne und/ oder der Hüftkopf beschädigt. Je nach Richtung der Luxation unterscheiden Mediziner verschiedene Formen der Hüftluxation: Die hintere Luxation (Luxatio iliaca und ischiadica) macht etwa 70% der Fälle aus, die vordere Luxation (Luxatio pubica und obturatoria), welche in circa 25% der Fälle vorliegt und die zentrale Hüftluxation bei einer Acetabulumfraktur und einem Durchtreten des Hüftkopfes ins Becken.

Kongenitale Hüftgelenksluxationen beruhen auf einer angeborenen Ausrenkung des Hüftgelenks, die meist auch von einer Fehlbildung der Hüftpfanne begleitet wird. Teratologische Hüftgelenksluxationen treten nur gemeinsam mit anderen Missbildungen auf, bestehen von Geburt an und sind nur durch eine operative Korrektur behandelbar. Als Ursachen der Lähmungsluxation gelten Muskel- und Nervenerkrankungen wie zum Beispiel Poliomyelitis, Meningomyolozele und Zerebralparesen vom spastischen Typ.

Wie diagnostiziert ein Arzt eine Hüftluxation?

Die alte Diagnostik der angeborenen Hüftluxation gleicht derjenigen der Hüftdysplasie. Der Arzt überprüft beim Neugeborenen zunächst die Stabilität des Hüftgelenks. Unter Verwendung der Untersuchungsmethode nach Ortolani, kugelt er das Hüftgelenk durch Druck aus dem Hüftkopf aus und lässt den Hüftkopf wieder in die Pfanne zurückspringen. Bei vorliegender Hüftluxation ist dabei ein schnappendes oder klickendes Geräusch zu hören. Allerdings ist diese Untersuchungsmethode sehr umstritten, da die Gefahr besteht, dass die Hüftpfanne oder die Blutversorgung geschädigt werden kann. Daher verwenden Ärzte meistens lieber andere Diagnosemethoden. Mittels einer Sonografie kann der Arzt die knorpeligen Anteile des Pfannendachs und die knöcherne Hüftpfanne darstellen. Dieses Verfahren ist allerdings nur im ersten Lebensjahr aussagekräftig, da die Ultraschallwellen knöcherne Strukturen nicht durchdringen können und das Hüftgelenk bis zur Erreichung des ersten Lebensjahres vorwiegend aus Knorpel besteht.

Ist der Patient älter, kann der Arzt stattdessen eine Röntgenuntersuchung durchführen. Sie erlaubt sehr genaue Aussagen über die Verknöcherung des Hüftgelenks und die Lage der Bestandteile des Hüftgelenks zueinander. Allerdings entsteht dabei eine hohe Strahlenbelastung, daher wenden Ärzte das Verfahren nicht bei Kleinkindern oder Schwangeren an. Mittels der Röntgenmethode kann Dein Arzt sowohl traumatisch bedingte als auch angeborene Hüftluxationen diagnostizieren. Bei erwachsenen Patienten findet im Vorfeld ein Anamnesegespräch statt, in welchem der Arzt Dich unter anderem nach Deinen Symptomen, ihrer Dauer und eventuellen bereits erfolgten Therapien befragt.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Von einer Hüftdysplasie, die die Vorstufe einer Hüftluxation bilden kann, sind Mädchen etwa vier bis sechsmal so häufig betroffen wie Jungen. Personen, in deren Familie bereits angeborene Hüftluxationen aufgetreten sind, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung.

Hüftluxation

Welche Folgen hat die Hüftluxation für die Patienten?

Leider geht die Hüftluxation oftmals mit wesentlichen Begleitverletzungen einher. Die hintere Luxation kann zu einer Schädigung des Nervus ischiadicus führen, wodurch die Patienten motorische und sensible Ausfälle erleiden. Außerdem treten häufig auch knöcherne Begleitverletzungen im Bereich des Acetabulums und des Hüftkopfes auf, da die Hüftluxation oftmals aus einer starken Krafteinwirkung heraus resultiert. Das bedeutet eine langwierige Behandlung und starke Schmerzen. Oftmals sind die Betroffenen auch auf Hilfe angewiesen. Du solltest so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen, da ansonsten das Risiko für eine Hüftkopfnekrose steigt und die Behandlung verkompliziert wird.

Welche Formen der Hüftluxation gibt es?

Eine Luxation kann entweder nach hinten oder nach vorne auftreten. Häufiger tritt die Luxation nach hinten auf, sie lässt sich wiederum in Luxatio iliaca (hinten oben) und Luxatio ischiadica (hinten unten) unterteilen. Dieselbe Art der Unterteilung gilt für Luxationen nach vorne. Hierbei grenzen Ärzte die Luxatio suprapubica (vorne oben) von der Luxatio obturatoria (vorne unten) ab.

Welche konservative (nicht-operativen) Behandlungsmethoden gibt es?

Die konservativen Behandlungsmethoden werden in der Regel angewendet, wenn es sich um eine angeborene Hüftluxation handelt und sind meistens auch sehr erfolgreich. Es gibt drei Möglichkeiten der konservativen Behandlung einer Hüftluxation. Die Ausreifungsbehandlung beruht auf der Anwendung verschiedener Hilfsmittel, um Fehlstellungen zu korrigieren. Bei Einsatz einer Spreizhose wird das Hüftgelenk abgespreizt und stark gebeugt, damit sich der Hüftkopf tief in die Hüftpfanne einstellt und in dieser Position ruhiggestellt wird. Gleichzeitig können sowohl der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne nachreifen und der Berührungsreiz zwischen den Hüftgelenksanteilen, welcher ursächlich für die Verknöcherung ist, wird durch Bewegung positiv beeinflusst.

Eine weitere konservative Behandlungsmethode ist die Reposition. Diese eignet sich auch für stärker ausgeprägte Luxationen. Ziel der Behandlung ist es, den Hüftkopf zurück in die Hüftpfanne zu bringen. Möglich ist das einerseits manuell oder andererseits mithilfe von Bandagen oder Apparaturen (z.B. Pavlik-Bandage, Extensions-Repositionsgerät) erfolgen. Älteren Kindern renkt der Arzt das Hüftgelenk unter Vollnarkose ein. Die letzte Möglichkeit der konservativen Behandlung ist eigentlich eine Ergänzung der Reposition. Um diese zu stabilisieren, ist in einigen Fällen eine unterstützende Fixierung mit Gips oder Schienen notwendig.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Nur selten kommt es zu einer Operation der Hüftluxation, meistens entscheidet sich der Arzt aber für eine Operation, wenn die Hüftluxation traumatisch bedingt ist. Eine Operation kann auch dann sinnvoll sein, wenn die Hüftluxation zu spät für die Anwendung von konservativen Methoden erkannt wurde oder recht stark ausgeprägt ist.

Welche Operationsmethoden gibt es?

Abhängig vom Alter des Patienten wenden Chirurgen entweder die Salter-Osteotomie (bei Kindern) oder die 3-fach Beckenosteotomie nach Tönnis (Erwachsene) an.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

In Absprache mit Deinem Arzt solltest Du blutverdünnende Medikamente wie zum Beispiel Plavix, ASS, Thrombo ASS, Marcoumar oder Aspirin absetzen. Auch auf Alkohol und Nikotin solltest Du etwa zwei Wochen vor dem Eingriff verzichten.

Hüftluxation

Wie verläuft die Operation bei einer Hüftluxation?

Bevor Du operiert wirst, findet eine ambulante Voruntersuchung statt. Dabei führst Du ein Gespräch mit dem betreuenden Arzt und dem Anästhesisten, wobei letzte Fragen geklärt werden und Du über den genauen Ablauf der Operation aufgeklärt wirst. Bei Kindern wenden Chirurgen die sogenannte Salter-Osteotomie an. Dabei handelt es sich um eine orthopädische Operationstechnik zur mechanischen Verbesserung der Überdachung des Hüftkopfes.

Bei Erwachsenen hingegen hat sich die 3-fach Beckenosteomie nach Tönnis bewährt. Der Chirurg löst die Hüftpfanne vollständig von dem Hüftbein und bringt sie in eine normale Überdachungsstellung. Wenn arthrotische Veränderungen schon weit fortgeschritten sind, kann sich der Arzt dazu entscheiden eine Hüftgelenk-Endoprothese einzusetzen. Dabei gibt es verschiedene Modelle, welche abhängig von Ausprägung und Krankheitsgrad empfohlen sind. Allen gemein ist das Ziel, so wenig Knochenmaterial wie möglich bei der Hüftoperation zu zerstören.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Etwa zwei Wochen nach der Operation kannst Du oder Dein Arzt den Verband entfernen. Wurden selbst auflösende Fäden verwendet, müssen keine Fäden gezogen werden, ansonsten vereinbart Dein Arzt dazu einen gesonderten Termin mit Dir. Du kannst Dich inzwischen sicher mit Deinen Krücken fortbewegen und Deine Hüfte etwa für 15 Minuten pro Tag auf dem Hometrainer bewegen. Das operierte Bein kannst Du mit etwa 15 Kilogramm belasten. In diesem Zustand darfst Du auch wieder arbeiten gehen, sofern Du Dich dazu in der Lage fühlst. In den ersten sechs Wochen nach dem Eingriff steigerst Du Deine Belastungsfähigkeit immer mehr, bis Du nach circa vier Wochen ohne Krücken gehen kannst. Ab dieser Phase hilft Dir ein Physiotherapeut, Deine Hüftmuskulatur zu kräftigen und die Belastung zu steigern. Nach einem Jahr erfolgt eine klinische und radiologische Abschlussuntersuchung.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Neben den allgemeinen Operationsrisiken bestehen bei der operativen Behandlung einer Hüftluxation spezifische Risiken wie Nachblutungen, Thrombose oder Embolie, Infektionen, Lagerungsschäden, Gefäßverletzungen, Nervenverletzungen und Verknöcherungen. Im Allgemeinen treten diese Komplikationen aber sehr selten auf und das Risiko kann durch gezielte Maßnahmen verringert werden.

Wie sehen die Erfolgsaussichten bei einer Operation aus?

Nach einer erfolgreichen Operation bist Du im Alltag beschwerdefrei. Es kann aber passieren, dass Du bei intensiven sportlichen Aktivitäten noch Beschwerden hast. Das ist abhängig davon, wie weit fortgeschritten die Knorpelschäden vor der Operation bereits waren und wie ausgeprägt Deine Vernarbungen sind. Hast Du nachts in Seitenlage noch Schmerzen über dem Rollhügel, solltest Du Dich an Deinen Arzt wenden, da eventuell Schrauben entfernt werden müssen.

Kann ich nach der OP wieder allen Sportarten nachgehen?

Nach der Operation kannst Du wieder allen Sportarten nachgehen. Eventuell verspürst Du leichte Schmerzen, wenn Du starke Vernarbungen hast oder Dein Knorpel schon sehr geschädigt ist.

Wie kann ich eine Hüftluxation vorbeugen?

Der Hüftdysplasie kannst Du nicht vorbeugen, da es sich um eine angeborene Fehlstellung handelt. Da sich eine Hüftluxation allerdings meist erst nach der Geburt entwickelt, gibt es hierfür vorbeugende Maßnahmen. Bei Babys sollte das unreife Hüftgelenk nicht frühzeitig gestreckt werden. Lege das Baby also nicht zu früh und zu oft in Bauchlage. Verwende für Dein Baby ein Tragetuch, sodass es die Beine in der Beugung lassen kann. Auch beim Wickeln solltest Du darauf achten, dass das Hüftgelenk Deines Babys gebeugt ist.

Hüftluxation

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für die Behandlung einer behandlungsbedürftigen Erkrankung oder Verletzung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Bist Du Dir nicht sicher, kannst Du bei Deinem Versicherungsträger nachfragen, welche Leistungen übernommen werden.

 

Quellen

Orthopädische Universitätsklink Fredrichsheim Kinderorthopädie

Velasko, R.: Hüftdysplasie und Hüftluxation (letzter Zugriff: 26.06.2019)

Nötzli, H. P.: Offene Hüftchirurgie – Chirurgische Hüftluxation (letzter Zugriff: 26.06.2019)


Dauer Dauer

2,5-3 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 6 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 10 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Hüftluxation handelt es sich um eine ernsthafte Verletzung des Hüftgelenks


Symptome beim Baby sind ein instabiles Hüftgelenk, Ungleichheit der Gesäßfalten, Schonung des Beines mit gehemmter Abspreizung oder Längendifferenz der Beine, in Folge auch verspätetes Gehen, Schmerzen im Leistenbereich und leichtes Einsinken der betroffenen Hüftseite<


Bei Hüftluxation durch Verletzung treten starke Schmerzen im Gesäß- oder Leistenbereich auf


Es gibt konservative und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten

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