Herzinfarkt

Herzinfarkte zählen zu den kardiovaskulären Erkrankungen, welche als die häufigste Todesursache weltweit gelten. Zwar nimmt die Anzahl an Personen, bei denen kardiovaskuläre Erkrankungen diagnostiziert werden und die einen Herzinfarkt erleiden insgesamt zu, die Mortalität, also die relative Anzahl der Verstorbenen, konnte dank sowohl präventiver Maßnahmen als auch verbesserter akutmedizinischer Therapiemöglichkeiten gesenkt werden.


AUTOR

Medizinische Expertin

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 22. April, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Myokardinfarkt?

Der Herzinfarkt oder auch Myokardinfarkt (Myokard = Herzmuskel) ist ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis, bei dem es zum Untergang von Herzmuskelzellen infolge einer unterbrochenen Durchblutung kommt.

Ein Herzinfarkt entsteht durch eine unterbrochene Durchblutung.

Wie häufig ist ein Myokardinfarkt und wer ist davon betroffen?

Die Häufigkeit eines Herzinfarktes liegt in Europa zwischen 200 bis 500 Ereignissen pro 100.000 Einwohner. Das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden und daran zu sterben steigt mit dem Alter, durch Zunahme der Risikofaktoren in den letzten Jahren konnten allerdings auch vermehrt Ereignisse bei Personen unter 60 Jahren beobachtet werden.
 
Die Geschlechterverteilung zeigt einige Veränderungen in den letzten Jahrzehnten: War es im 20. Jahrhundert vor allem eine Erkrankung der Männer, so sind aktuell auch immer mehr Frauen von einem Herzinfarkt betroffen (Spezialisten führen dies in erster Linie auf die steigende Anzahl an Raucherinnen zurück).

Welche Ursachen hat ein Herzinfarkt?

Das Herz ist nichts anderes als ein großer Muskel, der durch rhythmische Aktivität Blut in den Körper pumpt. Diese Pumpfunktion des Herzens versorgt allerdings nicht nur innere Organe, Gehirn und Muskulatur, sondern auch sich selbst.
 
Ein kleiner Teil des Blutes fließt in die sogenannten Herzkranzgefäße, über die der Herzmuskel selbst mit Sauerstoff versorgt wird. Eine Verlegung eines dieser Gefäße bedeutet, dass ein Teil des Herzmuskels nicht genügend Sauerstoff erhält, dadurch die Funktion einstellt und Gewebe untergeht.
 
Je nachdem wie groß dieses Muskelareal ist, kann es zu schwerwiegenden Einbußen der Leistung des gesamten Herzens kommen, sodass insgesamt nicht mehr genug Blut gepumpt werden kann.
 
Ein Herzinfarkt entsteht meist auf Basis der koronaren Herzkrankheit (KHK), die Bezeichnung für eine zunehmende Veränderung der Herzkranzgefäße. Infolge von Fettablagerungen, Entzündungsprozessen und Verhärtungen an der Gefäßwand nimmt die Elastizität des Gefäßes ab und kommt es insgesamt zu einer Verengung (Atherosklerose).
 
Im Inneren der Gefäßwand entstehen sogenannte atherosklerotische Plaques, die an Größe zunehmen und den Innenraum komplett verlegen können. Dann kommt es zum akuten Ereignis, dem Myokardinfarkt.
 
Selten ist der Herzinfarkt Folge einer anderen Erkrankung wie lang anhaltende Verkrampfungen (Spasmen) der Herzkranzgefäße oder Embolien bei einer Endokarditis, einem Tumor oder auch einem Einriss der Gefäßinnenwand (Aortendissektion).

Ein Herzinfarkt wird unter anderem mithilfe eines EKG diagnostiziert.

Was sind die Symptome bei einem Herzinfarkt?

Typisches Symptom ist der brennende, stechende Schmerz in der Brust, der durch den akuten Untergang von Muskelgewebe entsteht. Doch Vorsicht: In der Schmerzsymptomatik bestehen sowohl individuell als auch zwischen den Geschlechtern häufig erhebliche Unterschiede.
 
Je nachdem, wie groß das absterbende Areal ist, sind die Schmerzen häufig unterschiedlich stark ausgeprägt. Bestimmte Vorerkrankungen wie beispielsweise der Diabetes mellitus führen dazu, dass der Schmerz weniger stark wahrgenommen wird. Vor allem Frauen neigen dazu, den Schmerz des Myokardinfarktes eher als Sodbrennen und Magenschmerzen zu interpretieren.
 
Wichtig ist, zu wissen, dass die Schmerzen eines Herzinfarktes häufig in den linken Arm ausstrahlen, hier vielleicht sogar stärker als in der Brust spürbar sind. Weitere typische Symptome sind ein Engegefühl in der Brust, starke Beklemmungen und Kurzatmigkeit. Blässe und Kaltschweißigkeit gehören ebenfalls zu den Symptomen.

Welche Risikofaktoren begünstigen einen Herzinfarkt?

Ein Großteil der Risikofaktoren für einen Herzinfarkt entspricht den Risikofaktoren der KHK. Dazu zählen alle jene Prozesse, die das Fortschreiten der Atherosklerose begünstigen.
 
Zu den Risikofaktoren gehören Bluthochdruck, Rauchen, hohe Blutfettwerte, Übergewicht und Bewegungsmangel. Auch eine Erkrankung mit dem metabolischen Syndrom oder Diabetes mellitus kann das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen.
 
Hinzu kommen einige Faktoren, die nicht mit dem Lebensstil assoziiert sind wie hohes Alter, genetische Disposition (mindestens ein nahes Familienmitglied, das vor dem 60. Lebensjahr einen Herzinfarkt erlitten hat).

Wie diagnostiziert der Arzt einen Herzinfarkt?

Die Diagnostik setzt sich aus dem Erkennen der Symptome, dem Schreiben eines EKGs (Elektrokardiogramm) und einer Blutabnahme, durch die eine Erhöhung bestimmter Parameter, die beim Untergang von Herzmuskelgewebe freigesetzt werden, nachweisbar ist.
 
Wirklich entscheidend für die Diagnose und weiterführende Therapie ist allerdings nur der Nachweis sogenannter spezifischer Biomarker, da es wie bereits erwähnt auch “stumme”, also schmerzlose Infarkte gibt und auch solche ohne typische EKG-Veränderungen.

Bei Verdacht auf einem Herzinfarkt muss sofort die Rettung alarmiert werden.

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Bei einem Herzinfarkt geht es um jede Sekunde – denn je länger der Herzmuskel nicht durchblutet wird, desto mehr Gewebe stirbt ab. Rasches Handeln ist daher oberstes Gebot.
 
Erster wichtiger Schritt in der Therapie ist also das Erkennen der Situation und sofortige Alarmieren der Rettung. Der Notarzt kann noch im Rettungswagen die Diagnose mittels EKG verifizieren und mit der medikamentösen Akuttherapie beginnen.
 
Zu diesen Erstmaßnahmen zählen:

  • Optimierung der Sauerstoffversorgung des Herzens durch Gabe von Nitroglycerin, das die Gefäße erweitert, und eventuell Sauerstoff
  • Schmerzreduktion
  • Gerinnungshemmung und Vermeidung weiterer Verlegung der Gefäße
  • Engmaschige Überwachung und Bereitschaft, umgehend zu reanimieren

Wichtigstes Ziel ist es, möglichst schnell die Durchblutung des Herzens wiederherzustellen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten:
 
Perkutane Koronarintervention
 
Die perkutane Koronarintervention (PTCA) ist ein Verfahren, bei dem der Arzt einen Katheter über ein Blutgefäß in der Leiste bis in die Herzkranzgefäße vorschiebt und die verschlossene Stelle ausdehnt. Zusätzlich kann er über diesen Katheter einen Stent platzieren, der das Gefäß langfristig offen hält.
 
Ist ein Vorschieben des Katheters bis ins Herz nicht möglich, kann stattdessen eine offene Bypass-Operation erfolgen. Hierbei schafft der Chirurg mit einem Gefäß, das aus einer anderen Stelle entnommen wird, eine Gefäßbrücke, die die verschlossene Stelle umgeht.
 
Lysetherapie
 
Darunter versteht man die intravenöse Gabe von gerinnungsauflösenden Medikamenten, wodurch der das Herzkranzgefäß verschließende Thrombus abgebaut und das Gefäß wieder eröffnet wird.
 
Gefahr dieser Therapieoption ist allerdings das hohe Blutungsrisiko, da sich frische Wunden, die durch die Blutgerinnung verschlossen wurden, wieder öffnen können. Personen, die kürzlich erst eine Operation hatten, dürfen diese Therapie demnach nicht erhalten.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die möglichen Komplikationen sind auf den Untergang von Teilen der Herzmuskulatur zurückzuführen. Dies führt dazu, dass das Herz als Ganzes nicht mehr gleichmäßig arbeiten kann und es zu Herzrhythmusstörungen kommt.
Die gefürchtetste Komplikation ist das Kammerflimmern, bei dem es zu kurzen, unkontrollierten Kontraktionen kommt, die allerdings keinen adäquaten Blutfluss gewährleisten. Diese Minderdurchblutung der Organe und des Herzens selbst führt zum Herzversagen und ohne sofortige Therapie zum Tod.

Wie ist die Prognose bei einem Herzinfarkt?

Je früher der Infarkt erkannt und therapiert wird, desto besser ist die Prognose! Die Sterblichkeit in Folge eines Herzinfarktes liegt bei ungefähr 50 Prozent, wobei hier der Anteil jener, die das Krankenhaus nicht erreichen, bedeutend höher liegt. Die Sterblichkeit ist innerhalb der ersten Stunde nach Infarktbeginn am höchsten und natürlich auch vom Alter abhängig.
 
Das Langzeitrisiko und das Risiko eines weiteren Herzinfarktes sind vor allem davon abhängig, ob Risikofaktoren reduziert werden können, ob medikamentöse Therapien gewissenhaft eingenommen werden und wie sehr das Herz insgesamt geschädigt wurde.

Welche Folgen hat ein Herzinfarkt für Betroffene?

Nach Erleiden eines Herzinfarktes ist es üblich, dass Betroffene meist lebenslänglich gerinnungshemmende Medikamente einnehmen müssen, vor allem wenn ein Gefäß-Stent implantiert wurde.
 
Um ein weiteres Infarktgeschehen zu vermeiden, müssen Risikofaktoren reduziert werden – dies häufig auch mithilfe von Medikamenten (Blutdrucksenker, Blutfettsenker, antidiabetische Substanzen).
 
Die weiteren Folgen sind sonst stark von der Herzleistung nach dem Infarkt abhängig. Eine reduzierte Herzleistung kann der Herzspezialist meist ebenfalls medikamentös behandeln, seltener muss ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

Einem Herzinfarkt kann mit einem gesunden Lebensstil und viel Bewegung vorgebeugt werden.

Kann ich einem Herzinfarkt vorbeugen?

Alle der genannten lebensstilassoziierten Risikofaktoren kannst Du durch eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Bewegung, Nikotinverzicht, ausgewogene Ernährung und Stressreduktion gut in den Griff bekommen, sodass auch in hohem Alter das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden gering bleibt.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Da es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt, der sofortige intensivmedizinische Betreuung benötigt, werden alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen von denen Gesundheitskassen übernommen.
 
Auch etwaige nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fortzusetzende Therapien oder Rehabilitationsmaßnahmen werden in den meisten Fällen abgedeckt.

 

Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Krankheitsverlauf

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Behandlungsmethode

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einem Herzinfarkt handelt sich um ein akutes und potenziell lebensbedrohliches Ereignis, ausgelöst durch die Verstopfung eines Herzkranzgefäßes. Er entsteht auf Basis einer langsam fortschreitenden Gefäßerkrankung (KHK), die zur zunehmenden Einengung schlussendlich kompletten Verlegung der Gefäßinnenräume führt


Rasches Erkennen und Handeln ist die wichtigste Maßnahme bei einem Herzinfarkt - “time is muscle”!


Je schneller die Rettung vor Ort ist, desto rascher kann ein EKG geschrieben und damit die richtige Diagnose gestellt werden. Zeigt das EKG keine eindeutigen Veränderungen, ist die Untersuchung des Blutes wegweisend


Wichtigste Erstmaßnahmen, die der Notfallmediziner noch im Krankenwagen einleiten kann, sind die Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Herzens, Schmerztherapie und Blutgerinnungshemmung

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Arzt finden