Hämorrhoiden

Hämorrhoiden entstammen einer natürlichen anatomischen Struktur am unteren Ende des Mastdarms, die bestimmte Funktionen erfüllen. Somit sind sie keine Krankheit, wie oft umgangssprachlich bezeichnet wird, sondern ein gut durchbluteter Schwellkörper, der zur Abdichtung des Afters dient. Beim Stuhlgang entspannen sich die Schließmuskeln und der Hämorrhoidalpolster verkleinert sich. Bei knotenförmigen Vergrößerungen des Polsters bezeichnet man dies als „Hämorrhoidalleiden“. Chronische Verstopfung in Folge von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung stellen die Hauptursache dar.


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Online-Redaktion


Zuletzt aktualisiert: 3. Dezember, 2019



Was versteht die Medizin unter Hämorrhoiden

Unter Hämorrhoiden verstehen Ärzte die knotenförmige Schwellung bzw. die Erweiterung eines Gefäßpolsters. Dieses liegt zwischen dem Enddarm und den Schließmuskel des Afters. In der Medizin wird dies auch Plexus hämorrhoidalis bezeichnet und besteht aus Arterien und Venen, die gemeinsam mit dem Schließmuskel den Feinverschluss ermöglichen. Hämorrhoiden werden hauptsächlich durch chronische Verstopfung verursacht. Bei Frauen können Hämorrhoiden zusätzlich nach einer Schwangerschaft auftreten.

Hämorrhoiden

Wie sehen die Symptome von Hämorrhoiden aus?

Typische Symptome von Hämorrhoiden sind vor allem Jucken und Bluten, aber auch starke Schmerzen im Analbereich. Hämorrhoidalleiden kommen häufig vor und lassen sich meist auch ohne Operation behandeln. Du solltest keine Scheu haben zum Arzt zu gehen und Dich frühzeitig untersuchen lassen.

Was sind die Ursachen von Hämorrhoiden?

Eine der Hauptursachen von Hämorrhoiden ist das lange und starke Pressen beim Stuhlgang. Denn dadurch erhöht sich der Druck auf die Hämorrhoiden und es kann zu einem Blutrückstau kommen. Dies wiederum führt dazu, dass sich die Gefäße knotenförmig verwölben. Besonders bei Menschen, die aufgrund von ballaststoffarmer Ernährung geringere Stuhlmengen produzieren und häufig unter Verstopfung leiden, kann es sehr schnell zu Hämorrhoidalleiden kommen. Mangelnde Bewegung, Übergewicht, altersbedingte Bindegewebsschwäche und schlechte Stuhlgewohnheiten gelten ebenso als Risikofaktoren für das Hämorrhoidalleiden. Auch schwangere Frauen leiden sehr oft darunter. Dies führen Spezialisten auf den erhöhten Druck im Bauchraum zurück, der den Blutabfluss behindert.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Prinzipiell kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten, wobei die Wahrscheinlichkeit mit zunehmenden Alter ansteigt. Männer sind meist häufiger davon betroffen als Frauen.

Wie diagnostiziert der Arzt Hämorrhoiden?

Das Schildern der Beschwerden gibt dem Arzt Hinweise auf das Vorliegen eines Hämorrhoidalleidens. Nach dem Gespräch zwischen Dir und dem Arzt folgt meist eine Tastuntersuchung von Anus und Enddarm. Dabei musst Du wie bei der Stuhlentleerung leicht pressen, damit die möglicherweise vorhandenen Knoten hervortreten. Zusätzlich führt der Arzt eine Spiegelung des Enddarms oder des Analkanals durch, denn so kann er auch das Stadium der Hämorrhoiden bestimmen. Außerdem kann der Arzt mit dieser Untersuchung ausschließen, dass das Hämorrhoidalleiden durch Darmkrebs hervorgerufen wurde.

Welche Stadien der Erkrankung gibt es?

Im Normalfall sind die Hämorrhoidalpolster im Bereich des Enddarms lokalisiert und ein Teil des Verschlussmechanismus. Im Enddarm sind sie durch Bindegewebs- und Muskelfasern befestigt. Bei einem Hämorrhoidalleiden ist diese Aufhängung geschädigt, die Schleimhaut gleitet mit den Polstern nach unten und es kommt zu einer krankhaften Vergrößerung der Hämorrhoidalpolster. Hierbei unterscheidet man jedoch zwischen vier verschiedenen Stadien der Erkrankung.

Im Stadium I sind die Hämorrhoiden im Analkanal nur leicht erweitert. Die Knoten sind aber auch beim Pressen von außen kaum sichtbar. Im Stadium II treten die Hämorrhoidenpolster beim Pressen heraus und sind auch von außen sichtbar. Jedoch ziehen sie sich bei Entspannung wieder von selbst zurück. Patienten mit stark erweiterten Hämorrhoiden, die sich nicht mehr selbstständig zurückziehen, fallen somit in Stadium III. Die Hämorrhoiden lassen sich nur mehr manuell wieder in den Analkanal zurückschieben. Im Stadium IV hingegen, befinden sich die Knoten permanent vor der Afteröffnung. Zusätzlich treten starke Schmerzen und eine Beeinträchtigung der Stuhlkontinenz auf.

Hämorrhoiden

Welche nicht operativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Medizin verschiedene Behandlungsmöglichkeiten um die vergrößerten Hämorrhoiden zu behandeln. Jedoch spielt der Schweregrad der Erkrankung eine bedeutende Rolle. In erster Linie werden Medikamente eingesetzt, um die Beschwerden zu lindern. Je nach Schweregrad stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die entweder entzündungshemmend wirken oder örtlich betäuben, sodass Du keine Schmerzen mehr verspürst. Mit Wundsalben oder Zinkpasten lassen sich schmerzhafte Hämorrhoiden ebenso gut behandeln. Außerdem können Zäpfchen gut gegen Beschwerden wie Hautreizung und Juckreiz helfen. Zusätzlich unterscheiden Spezialisten je nach Schweregrad zwischen verschiedenen konservativen Verfahren.

Im Stadium I bzw. II bietet sich beispielsweise die Möglichkeit der Sklerosierung, auch Verödung genannt. Bei der Sklerosierungstherapie injiziert der Arzt verschiedene Substanzen um den betroffenen Bereich herum, um die Hämorrhoiden zu veröden. Das Ziel hierbei ist, das entsprechende Gewebe absterben zu lassen, sodass sich die Hämorrhoiden verkleinern. Bei Schweregrad II kommt eine Gummibandligatur als Behandlungsmethode zum Einsatz. Dabei bindet der Arzt die angesaugten Hämorrhoidalpolster mit einem kleinen Gummi ab. In weiterer Folge wird gewartet, bis der Körper den abgeschnürten Knoten abstößt. Im Normalfall scheiden Patienten sowohl das Gummiband als auch das Gewebe mit dem Stuhl aus.

Bei dem dritten Schweregrad wird die Stapler-Methode zur Therapie angewendet. Jedoch kommt dieses Verfahren nur zum Einsatz, wenn die Vorfälle, auch Prolapse genannt, leicht in den After zurückgeschoben werden können. Bei dieser Methode verwendet der Arzt ein spezielles Klammernahtgerät, den sogenannten Stapler. Der Arzt stanzt mit dem Klammernahtgerät einen Streifen der Analschleimhaut oberhalb der Hämorrhoiden heraus. Danach zieht er die vorgefallenen Hämorrhoiden in den Analkanal zurück und heftet die Wundränder mit Klammern zusammen. Der Eingriff ist relativ schmerzfrei, meistens nur wenige bis gar keine Schmerzmittel nötig und die Patienten können nach wenigen Tagen die Klinik wieder verlassen.

Was sollte ich während der Behandlung beachten?

Die Grundlage jeder Hämorrhoidenbehandlung sind eine gesunde Ernährung und ein geregelter Stuhlgang. Wichtig ist somit immer eine dauerhafte Umstellung der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten.

Hämorrhoiden

Wann muss operiert werden?

Bei hartnäckigen Beschwerden oder schwerem Hämorrhoidalleiden, also bei Hämorrhoiden des Stadiums III und IV ist eine operative Entfernung notwendig. Das Ziel hierbei ist die vollständige Entfernung der Hämorrhoiden, sowie die dazugehörigen Gefäße. Daher macht dies einen stationären Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Es sind keine speziellen Vorbereitungen auf die Operation bei Hämorrhoiden erforderlich. Jedoch informiert Dich der Arzt vor dem Operationstermin in einem ausführlichen Gespräch über mögliche Risiken und Komplikationen.

Wie verläuft die Operation?

Die letzte Behandlungsoption ist die klassische Hämorrhoiden-Operation, die sogenannte Hämorrhoidektomie. Hierbei werden die Hämorrhoiden vollständig, mithilfe einer Schere, eines Skalpells oder Lasers, entfernt. Speziell bei größeren Prolapsen entscheiden sich Ärzte dazu, die überstehenden Hämorrhoiden komplett herauszuschneiden. Je nach Verfahren entscheidet der Arzt, ob er die Wunde im Enddarm ganz oder teilweise vernäht, oder auch offen lässt. In der Regel verursachen offene Wunden weniger Komplikationen, dafür heilen sie etwas langsamer.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Direkt nach der Operation wird ein Salbenstreifen eingelegt, der jedoch am darauffolgenden Tag wieder gezogen wird. Zudem solltest Du vor allem nach dem Stuhlgang Kamillesitzbäder durchführen, um die Wundregion rein zu halten.

Um in der postoperativen Phase unnötiges Pressen zu vermeiden, solltest Du außerdem ausreichend Ballaststoffe zu Dir nehmen, um einer Verstopfung vorzubeugen. Im Normallfall bist Du ungefähr zwei Wochen arbeitsunfähig, wobei Du bei schwerer körperlicher Belastung oder bei sitzender Tätigkeit meist für drei Wochen krankgeschrieben wirst.

Hämorrhoiden

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Nach der Operation können beispielsweise starke Blutungen oder Schmerzen beim Stuhlgang auftreten. Außerdem kann es durch eine Entzündung der Analregion zu Infektionen und Abszessen kommen. Patienten werden nach einer Hämorrhoiden-Operation in der Regel bis zu drei Wochen krankgeschrieben.

Gibt es auch Hausmittel, welche bei Hämorrhoiden helfen?

Bei leichten Beschwerden können auch Hausmittel zu einer Linderung beitragen. Beispielsweise können Sitzbäder im warmen Wasser mit Eichenrindenextrakt für sofortige Linderung sorgen. Ist das Hämorrhoidalleiden ausgeprägter, so sind Dampfbäder die bessere Wahl, denn sie können die betroffene Stelle schonender erreichen.

Im Anfangsstadium ist eine gründliche Analhygiene ebenso hilfreich. Zusätzlich kann bei Juckreiz in der Analregion kaltes Wasser mit Apfelessig zur Waschung gemischt werden. Ergänzend dazu können Umschläge eingesetzt werden. Dabei können Topfen, Kräuter oder auch Öle, wie Teebaumöl, auf ein feines Stofftuch aufgetragen werden.

Kann ich Hämorrhoiden vorbeugen?

Die beste Möglichkeit zur Prävention des Auftretens von Hämorrhoiden besteht in einer gesunden ballaststoffreichen Ernährung mit einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme. Besonders Vollkornprodukte, Obst und Gemüse regen die Verdauung an und beugen so einer chronischen Verstopfung vor.

Hämorrhoiden

Zahlen die Krankenkassen die Behandlung?

Die Behandlungskosten bei vergrößerten Hämorrhoiden übernehmen die Krankenkassen. Aber auch die OP-Kosten bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen komplett.

 

Quellen

Riede, Schäfer, Werner: Allgemeine und spezielle Pathologie. Georg Thieme Verlag 2004.Humanomed

Freya Reinhard, Jens J. Kirsch: Hämorrhoiden und der kranke Enddarm. Ein Ratgeber. Kohlhammer. Stuttgart 2003

MSD Manual


Dauer Dauer

15-30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 3 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Hämorrhoiden versteht man die knotenförmige Schwellung bzw. die Erweiterung eines Gefäßpolsters, zwischen Enddarm und Schließmuskel des Afters


Typische Symptome sind vor allem starkes Jucken und Bluten am After


Mangelnde Bewegung, Übergewicht, altersbedingte Bindegewebsschwäche und schlechte Stuhlgewohnheiten gelten als Hauptursachen


Bei hartnäckigen Beschwerden ist eine operative Behandlung notwendig. Bei leichten Beschwerden tragen auch Hausmittel zu einer Linderung bei

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