Grauer Star (Katarakt)

Der Graue Star bezeichnet eine Trübung der Augenlinse, wodurch Betroffene die Fähigkeit verlieren, scharf zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Alterserscheinung der Augenlinse, die vorzugsweise bei älteren Personen ab 50 Jahren auftritt. Die Diagnose stellt ein Augenarzt, der die Linse der Patienten mit einer Spaltlampe untersucht. Unbehandelt führt der Graue Star zur Erblindung, jedoch lässt sich die Krankheit schnell und einfach durch eine Augenoperation therapieren. Dabei entfernt der Arzt die Augenlinse und implantiert eine Kunstlinse. Die Graue-Star-Operation gehört zu den am häufigsten durchgeführten medizinischen Eingriffen und birgt kaum Komplikationen.


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Zuletzt aktualisiert: 25. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Grauen Star?

Unter einem Grauen Star versteht die Medizin eine Trübung der Augenlinse, wodurch Betroffene zunehmend verschwommen sehen. Der Name beruht auf der grauen Färbung hinter der Pupille, die bei fortschreitendem Verlauf immer deutlicher zu sehen ist. Sie unterbricht den Weg des Lichtes zur klaren Augenlinse und führt damit zu Sehstörungen.
 
Unter Experten wird die Krankheit auch Katarakt genannt. Die Trübung entsteht aufgrund der Alterung der Augenlinse und tritt vor allem bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr auf. Die einzige Behandlungsmethode ist eine Operation, bei der der Arzt die Augenlinse durch eine künstliche Linse ersetzt. Unbehandelt führt der Graue Star zur Erblindung.

Unter einem Grauen Star versteht die Medizin eine Trübung der Augenlinse, wodurch Betroffene zunehmend verschwommen sehen

Wie sehen die Symptome bei einem Grauen Star aus?

Typische Symptome des grauen Stars sind verschwommenes Sehen und eine vermehrte Blendung vor allem beim Autofahren in der Nacht, eine Reduktion der Kontraste beim Sehen sowie eine allgemeine Abnahme der Sehkraft. Die Farben erscheinen zudem zunehmend blasser und die Augen gewöhnen sich immer langsamer an wechselnde Lichtverhältnisse. Bei vielen Betroffenen verschlechtert sich die Fernsicht und die räumliche Wahrnehmung. Um Lichtquellen herum entstehen Lichthöfe, die aufgrund der diffusen Lichtbrechung durch die Linsentrübung auftreten.

Wie ist der Krankheitsverlauf beim Grauen Star?

Ein erstes Anzeichen für einen Grauen Star kann eine stärkere Blendempfindlichkeit sein, wenn das Auge Lichtquellen ausgesetzt wird. Auch kann es sein, dass Du mehr Licht beim Lesen brauchst. Du siehst weniger Kontraste und nimmst Dein Umfeld wie durch einen Nebel wahr. Das kommt daher, dass durch die Linsentrübung eine diffuse Lichtbrechung entsteht.
 
Später lässt auch das Farbsehen nach. In manchen Fällen sehen Betroffene sogar Doppelbilder. Aufgrund der schlechteren Hell-Dunkel-Anpassung kann Autofahren für Dich schwieriger werden, da Du Objekte mit wenig Kontrasten sehr schlecht bis gar nicht mehr erkennen kannst. Kurzfristig kann sich eine bereits vorhandene Kurzsichtigkeit verschlechtern, sodass eine stärkere Brille notwendig wird.
 
Nach und nach verdichtet sich der Nebelschleier immer weiter und Du erkennst kaum mehr etwas. In diesem Stadium kann nur noch eine Operation helfen, da Du ansonsten erblindest oder sich der Augendruck erhöht und das Risiko eines Grünen Stars steigt, welcher zu Gesichtsfeldausfällen und im schlimmsten Fall ebenfalls zum Erblinden führt. Je länger Du mit der Behandlung wartest, desto eher entsteht die Gefahr, dass die Linse verhärtet und sich schwerer entfernen lässt. Durch eine Operation lässt sich der Graue Star gänzlich beseitigt und das Sehvermögen weitgehend wiederherstellen, wobei Du eventuell trotzdem eine Lese- oder Fernbrille benötigst. Bei Vorerkrankungen des Auges, wie durch Hornhauttrübungen oder diabetischen Netzhauterkrankungen, kann die Sehkraft nach der Operation trotz Brille nicht wieder vollständig hergestellt werden.

Was sind die Ursachen für einen Grauen Star?

Die Entstehung des Grauen Stars lässt sich nicht immer genau bestimmen. Die häufigsten Ursachen sind das zunehmende Alter, Linsenstoffwechseldefekte, Mangelernährung und ultraviolettes Licht. Bei über 90 Prozent der Betroffenen handelt es sich um eine altersbedingte Erscheinung, die auch erblich bedingt sein kann. Nur in zirka einem Prozent der Fälle ist der Graue Star angeboren.

Der Name Grauer Star beruht auf der Trübung der Augenlinse

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die eine Entstehung begünstigen. So können Rauchen, Erkrankungen wie Diabetes, Drogen oder Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Schädigungen des Auges von außen Auslöser der Krankheit sein. Auch eine jahrelange intensive Sonnenbestrahlung oder ein Mangel an essenziellen Fettsäuren können zu einem Grauen Star führen. Dabei verliert die Augenlinse an Flüssigkeit und trocknet nach und nach aus. Die entstehende Trübung lässt kein Licht mehr zur Netzhaut durch, es entsteht eine Streuung der einfallenden Lichtstrahlen. Die Folge sind unscharfe Bilder.

Welche Formen von Grauen Star gibt es?

Die verschiedenen Formen des Grauen Stars unterscheiden sich in ihrer Entstehung:
 

  • Katarakta senilis: Altersbedingter Grauer Star
  • Katarakta traumatica: Verletzungsbedingter Grauer Star
  • Katarakta congenita: Grauer Star, der von Geburt an da ist, in etwa durch eine Ansteckung der Mutter mit Röteln während der Schwangerschaft
  • Katarakt bei systemischen Erkrankungen: Grauer Star, der in Folge einer Krankheit, wie zum Beispiel Diabetes, entstanden ist
  • Strahlenkatarakt: Wird auch Wärmestar genannt und entsteht durch Infrarot- oder Röntgenstrahlung
  • Durch Medikamente ausgelöster Katarakt: wie in etwa durch Cortison, Steroide oder Drogen

Wie lässt sich Grauer Star diagnostizieren?

Wenn Du typische Symptome eines Grauen Stars hast, solltest Du einen Augenarzt oder Optometristen aufsuchen. Dieser untersucht Dein Auge mit einer Spaltlampe, mit der er das äußere Auge mikroskopisch genau ansieht und durch eine spezielle Lichtführung erkennen kann, welche Regionen der Augenlinse von der Trübung betroffen sind. Dazu vergrößert er Deine Pupille medikamentös. Einen Grauen Star im fortgeschrittenem Stadium erkennt der Spezialist an der grauweiß erscheinenden Pupille. Die Untersuchung ist schmerzfrei.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Über 90 Prozent der Betroffenen sind über 65 Jahre alt und leiden an einem Alterskatarakt. Die Graue-Star-Operation ist die weltweit am häufigsten durchgeführte Operation. In Österreich werden pro Jahr rund 80.000 Eingriffe durchgeführt, in Deutschland zum Vergleich etwa 600.000. Dennoch stellt die Krankheit die häufigste Erblindungsursache auf der Welt dar, da vor allem in Entwicklungsländern operative Eingriffe kaum möglich sind und dort immer noch eine Mangelernährung herrscht.

Über 90 Prozent der Betroffenen sind über 65 Jahre alt und leiden an einem Alterskatarakt

Welche Folgen hat der Grauer Star für den Betroffenen?

Aufgrund der sinkenden Sehkraft und der stärkeren Blendungsempfindlichkeit können viele Betroffene nicht mehr so gut bis gar nicht mehr Auto fahren. Auch das Lesen und Sehen im Dunkeln allgemein verschlechtert sich, was sich zunehmend auf den Alltag von Patienten auswirkt. Die räumliche Wahrnehmung schränkt sich ein, sodass sich Betroffene schlechter orientieren können. Je nach Grad des Grauen Stars sind viele deshalb auf Hilfe angewiesen.

Wie lässt sich der Grauer Star behandeln?

Derzeit besteht die einzige Therapiemöglichkeit des grauen Stars in einer Augenoperation. Unbehandelt führt die Krankheit zur vollständigen Erblindung. Die Operation wird meist erst durchgeführt, wenn die Sehbeeinträchtigung von Betroffenen als störend wahrgenommen wird. Bis dahin werden Brillen eingesetzt, um die verminderte Sehschärfe auszugleichen. Der Behandlungsablauf erfolgt dabei in 3 Schritten:
 
Ausführliches persönliches Beratungsgespräch und ärztliche Voruntersuchung
 
In einem ausführlichen Beratungsgespräch wirst Du über den Behandlungsablauf und die verschiedenen Arten von Linsen informiert. Der Arzt untersucht, welche Linse in Deine Augen eingesetzt werden kann und stellt deren Stärke nach einer Vermessung der Augen fest.
 
Operation
 
Bei der Operation betäubt der Arzt das betroffene Auge örtlich mittels Augentropfen oder einer Injektion. Danach macht er einen kleinen Schnitt am Hornhautrand, um die trübe Linse zu entfernen. Diese wird mit Ultraschallwellen zertrümmert und dann abgesaugt. Im Anschluss daran setzt der Spezialist eine künstliche Linse aus Silikon oder Acryl in die Augenkapsel ein. Dabei unterscheidet die Medizin zwischen Mono- und Multifokallinsen. Mit Monofokallinsen kannst Du in der Ferne sehen, da sie einen Brennpunkt haben. Mit Multifokallinsen ist beides möglich, wobei das Sehen von Kontrasten eingeschränkt und das Auge lichtempfindlicher ist, was besonders beim Autofahren stören kann. Deshalb raten Ärzte eher zu Monofokallinsen. Eine Operation mit Laser ist derzeit noch in der Forschungsphase, lässt sich aber nur im frühen Stadium des Grauen Stars anwenden.
 
Die Operation des Grauen Stars wird meist ambulant durchgeführt und dauert in etwa zehn Minuten pro Auge. Sie läuft aufgrund der örtlichen Betäubung schmerzfrei ab. Sollten beide Augen betroffen sein, werden sie in der Regel an zwei aufeinanderfolgenden Tagen operiert. Innerhalb weniger Tage kannst Du dann auch wieder scharf sehen. Während der Operation lässt sich zudem eine schon bestehende Fehlsichtigkeit korrigieren.
 
In der Regel können die künstlichen Linsen ein Leben lang im Auge verbleiben und sorgen für ein scharfes Sehen sowohl in der Nähe als auch in der Ferne und den Zwischenbereichen. Nach der Operation und der Entfernung der trüben Linse gilt der Graue Star als geheilt. Er kann sich nicht mehr „neubilden“.

Die Operation des Grauen Stars wird meist ambulant durchgeführt und dauert in etwa zehn Minuten pro Auge

Umfassende Nachbehandlung
 
Nach der Operation ist es wichtig, dass Du für zumindest drei Monate regelmäßig zur Nachkontrolle zu Deinem Arzt gehst. Du bekommst einen Tropfenplan mit antibiotischen Augentropfen, den Du einhalten solltest. In den ersten beiden Wochen nach der Operation empfiehlt es sich, keine allzu schweren Lasten zu tragen und weniger Sport zu betreiben. Keinesfalls solltest Du am operierten Auge reiben oder drücken und auch sämtliche Unternehmungen meiden, die eine Infektion begünstigen könnten (Schwimmbad, Sauna, Gartenarbeit, etc.).

Welche Komplikationen können während der Behandlung auftreten?

In 98 Prozent der Fälle verläuft eine Kataraktoperation ohne Komplikationen. Dennoch birgt jeder chirurgische Eingriff Risiken, die sich jedoch gut beheben lassen. Mögliche Komplikationen sind eine Netzhautablösung oder Netzhautlöcher, die eine weitere Operation nötig machen. Das Auge kann sich während oder nach dem Eingriff entzünden, weshalb Du postoperativ entzündungshemmende Augentropfen verabreicht bekommst. Auch kann es aufgrund des Einschnitts in die Hornhaut zu deren Verkrümmung kommen, die sich aber meist innerhalb weniger Wochen von selbst wieder zurückbildet.
 
Bei weniger als einem Prozent aller Augenoperationen kommt es während des Eingriffs zu einem Druckanstieg im Auge und damit zu einem Platzen der Blutgefäße. Die aufwendigste Komplikation ist das Auftreten eines sogenannten „Nachstars“, der Monate bis Jahre nach der Operation entstehen kann, wenn die verbliebene Linsenkapsel eintrübt. Diese Eintrübung lässt sich durch die Anwendung einer speziellen Laserbehandlung gut beheben.

Was ist ein Nachstar und wie wird er behandelt?

Unter einem „Nachstar“ versteht die Medizin eine natürliche Vernarbung oder leichte Eintrübung des Kapselsacks, in dem die künstliche Linse eingesetzt wurde. Diese Komplikation kann Monate bis Jahre nach der Augenoperation auftreten und zu einer erneuten Sehverschlechterung führen. Die Behandlung erfolgt mittels eines speziellen Lasers, dem YAG Laser, mit welchem ein kleines Loch in die hintere Kapsel gebrannt wird, durch welches das Licht ungehindert ins Auge gelangen kann.

Wie kann ich den Grauen Star vorbeugen?

Es gibt keine Möglichkeit, die Entstehung eines grauen Stars im Alter vorzubeugen. Wichtig ist, dass Du immer einen Schutz für Deine Augen trägst, vor allem um die Augen vor einer Strahleneinwirkung zu schützen. Auch solltest Du nicht rauchen, Dich gesund ernähren und Dich beim Alkohol zurückhalten. Mit diesen Maßnahmen kannst Du das Risiko reduzieren.

Wichtig ist, dass Du immer einen Schutz für Deine Augen trägst, vor allem um die Augen vor einer Strahleneinwirkung zu schützen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die gesetzlichen Krankenversicherungsanstalten übernehmen grundsätzlich die Kosten für eine ambulante Operation, solange eine Standardlinse in das Auge eingesetzt wird. Solltest Du eine Deinen Bedürfnissen angepasste Premium-Linse haben wollen, musst Du derzeit einen Selbstbehalt bezahlen. Diese Speziallinsen können eine Fehlsichtigkeit beziehungsweise stärkere Hornhautverkrümmungen korrigieren, mit einer Standardlinse brauchst Du vermutlich auch nach der Operation einen Sehbehelf.
 
Für die Vermessung Deiner Augen kommen, unabhängig von Deiner Linsenwahl, ebenfalls Kosten Dich zu. Solltest Du stationär aufgenommen werden müssen, fallen Anteile der Krankenhauskosten an, die Du bei Deinem behandelnden Augenarzt oder im Krankenhaus selbst erfragen kannst.


Dauer Dauer

10-30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Unter dem Grauen Star wird eine Trübung der Augenlinse verstanden


Die häufigste Form ist der altersbedingte graue Star


Typische Symptome sind verschwommenes Sehen und eine vermehrte Blendempfindlichkeit sowie eine Reduktion des Sehens von Kontrasten


Die einzige Behandlungsmethode ist das operative Einsetzen einer künstlichen Linse

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