Fibromyalgie

Unter dem Begriff Fibromyalgie versteht man in der Medizin ein Syndrom, das durch Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, chronische Erschöpfung und gleichzeitige Schlafstörungen charakterisiert ist. Vergleichsweise viele Menschen, bis zu 5,8% der Bevölkerung, leiden darunter. Aber was genau ist die Fibromyalgie und was sind ihre Ursachen? Hier erfährst Du Näheres zu Entstehung, Diagnostik und Therapie der Fibromyalgie.


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Zuletzt aktualisiert: 29. Januar, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Fibromyalgie. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Fibromyalgie?

In der Medizin bezeichnet man mit dem Begriff „Fibromyalgie“, der sich aus den griechischen Worten für „Faser“, „Muskel“ und „Schmerz“ zusammensetzt, ein Schmerzsyndrom der Weichteile. Umgangssprachlich wird Fibromyalgie deshalb auch „Weichteilrheuma“ genannt. Betroffene leiden vor allem unter starken Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, chronischer Erschöpfung und als nicht erholsam empfundenen Schlaf. Die Diagnose gestaltet sich häufig schwierig, da weder bildgebende Verfahren noch Labordiagnostik Hinweise auf die Erkrankung liefern.

Fibromyalgie

Wie sehen die Symptome bei einer Fibromyalgie aus?

In der Regel leiden Fibromyalgie-Betroffene unter ausgebreiteten, andauernden Gelenks- und Muskelschmerzen in verschiedenen Körperregionen sowie Schlafstörungen. Damit einher geht eine Vielzahl diffuser Symptome: Häufig kommt es bei Erkrankten zu einem verstärkten Erschöpfungsgefühl, schneller Ermüdbarkeit, geringerer Leistungsfähigkeit, Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Auch Depressionen, Angsterkrankungen und verstärkte Infektanfälligkeit sind häufig mit einer Fibromyalgie assoziiert. Die Erkrankung beginnt in der Regel mit Verspannungen und Rückenschmerzen, die sich dann auf den ganzen Körper ausbreiten. Zusätzlich berichten Erkrankte vermehrt von primären Kopfschmerzen wie Cluster-Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen oder Migräne.

Außerdem leiden Patienten oft auch unter vegetativen Symptomen, also Symptomen, die mit einer Fehlfunktionen grundlegender, automatisch ablaufender körperlicher Vorgänge zu tun haben. Zu den vegetativen Symptomen bei Fibromyalgie zählen unter anderem Zittern der Hände, extremes Schwitzen und Zittern, Herzklopfen sowie Atembeschwerden. Zusätzlich kann es bei Betroffenen zu Missempfindungen im Magen-Darm-Bereich bis hin zum Reizdarmsyndrom mit einem Wechsel aus Durchfällen und Verstopfungen kommen. Auch von einer sogenannten Reizblase, also verstärktem Harndrang und häufigen Harnwegsinfekten berichten Fibromyalgie-Patienten.

Zu den Symptomen zählen zudem auch Libido-, Erektions- und Orgasmus-Störungen und Zyklusstörungen bei Frauen. Im Bereich der Augenheilkunde kommt es zusätzlich zu der sogenannten Sicca-Erkrankung, also trockenen Augen, Juckreiz und Brennen. Zu den orthopädischen Symptomen der Fibromyalgie zählen ferner Meniskus– und Bandscheibenschäden. Gerade diese Vielzahl an unterschiedlichen Leiden empfinden Patienten im Alltag häufig als stark einschränkend.

Welche Körperteile können betroffen sein?

Da die Fibromyalgie eine Erkrankung des ganzen Körpers ist und ihrer Leitsymptome eine diffuse Schmerzsymptomatik an unterschiedlichen Körperregionen beinhaltet, kann praktisch jedes Körperteil betroffen sein. Weit verbreitet ist jedoch eine Beteiligung des Rumpfes, der Hände und des Hinterkopfes. Das sogenannte „punctum maximum“ der Schmerzen, also der Punkt des größten Schmerzempfindens, liegt zudem in der Regel über Muskelansätzen.

Häufig sind gelenksnahe Areale von den Schmerzen betroffen, zum Beispiel im Bereich der Schultern, Ellbogen, Knie und Sprunggelenke. Die Gelenke selbst sind dabei aber nie beeinträchtigt. Außerdem finden sich sogar schmerzhafte Muskelverspannungen in Gesichts- und Kiefermuskulatur.

Welche Ursachen hat die Fibromyalgie?

Die Entstehungsmechanismen ebenso wie die Ursache der Fibromyalgie sind noch weitgehend ungeklärt. Als Hauptfaktor für die Entstehung gilt aber die übersteigerte Sensibilisierung von Nerven. Dieser Theorie zufolge ist die zentrale Schmerzverarbeitung im Gehirn gestört und sorgt für Schmerzempfindungen ohne schädigende Reize. Außerdem geht man davon aus, dass die Reizschwelle, über der Schmerzen als solche im Gehirn wahrgenommen werden, bei Betroffenen verringert ist, was dazu führt, dass diese schon bei leichten Empfindungen Schmerzen verspüren. Diese Annahme basiert auf Untersuchungen, die bei Fibromyalgie-Patienten verringerte Spiegel von Serotonin und Substanz P, Botenstoffen im Gehirn, feststellten. Beide spielen auch in der Schmerzverarbeitung eine Rolle und könnten mitverantwortlich für die Symptome der Fibromyalgie sein. Aber auch die peripheren Nerven erfahren bei Betroffenen wohl krankhafte Veränderungen, mit denen sich die veränderte Temperatur- und Sensibilitätswahrnehmung erklären lässt.

Fibromyalgie

Die Ursachen des Fibromyalgie-Syndroms sind vielfältig. Mediziner bezeichnen solche Erklärungsmodelle häufig als „multifaktoriell“, womit ein Zusammenspiel von biologischen, genetischen und Umwelt-Einflüssen als Ursache für die Entstehung einer Erkrankung gemeint ist. Für eine genetische Komponente in der Entstehung der Fibromyalgie spricht ihr familiär gehäuftes Auftreten. Möglicherweise sind hierbei also Gene für Botenstoffe im Gehirn, sogenannte Neurotransmitter, krankhaft verändert. Ferner treten entzündliche Erkrankungen wie Rheuma und Lupus bei Fibromyalgie-Betroffenen gehäuft auf. Diese könnten eine weitere Ursache in der Krankheitsentstehung darstellen. Schließlich spielen wohl auch Faktoren des individuellen Lebensstils wie Rauchen und mangelnde körperliche Bewegung, Vitamin-D-Mangel und traumatische Lebenserfahrungen eine Rolle in der Entstehung der Krankheit.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Fibromyalgie?

Die Diagnose einer Fibromyalgie ist häufig sehr schwierig, weil weder Röntgenbilder noch Laborwerte verändert sein müssen und sogar meistens unauffällig sind. Der Arzt diagnostiziert die Erkrankung in der Regel durch Ausschluss anderer Ursachen, also unter anderem Arthritis, infektiöser Erkrankungen und hormoneller Störungen. Die Untersuchung von sogenannten „tender points“, Druckpunkten, die bei Fibromyalgie-Patienten häufig sehr schmerzempfindlich sind, kann weiteren Aufschluss geben. Letztendlich gibt vor allem die subjektive Einschätzung der Patienten und eine gezielte Anamnese den Ausschlag bei der Diagnostik. Mithilfe eines Fibromyalgie-Index kann während der Befragung durch den Arzt die Symptomschwere objektiv ermittelt werden. Definiert ist die Fibromyalgie als ein Syndrom mit länger als drei Monate andauernde Schmerzen in verschiedenen Körperregionen und mindestens 11 von 18 schmerzhaften „tender points“.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Das Fibromyalgie-Syndrom betrifft durchschnittlich 2% der Gesamtbevölkerung. Studien zufolge sind vor allem Frauen zwischen 40 und 60 Jahren betroffen.

Welche Folgen hat die Fibromyalgie für die Patienten?

Da es sich bei dem Fibromyalgie-Syndrom meist um ein chronisches Krankheitsbild handelt, haben Patienten mitunter mit lebenslangen Beschwerden zu tun. Gerade der Weg zur Diagnosestellung kann sich aufgrund der vielen auszuschließenden Erkrankungen als steinig gestalten, was den Leidensdruck bei Betroffenen häufig verstärkt. Die umfassenden Symptome der Fibromyalgie können zwar nicht geheilt, aber doch durch verschiedene medizinische und nicht-medizinische Handlungsmethoden gelindert, also symptomatisch behandelt werden.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

So vielfältig wie die Symptome der Fibromyalgie ist auch ihre Behandlung, die von medikamentöser Therapie über Physiotherapie und Bewegung bis hin zu psychotherapeutischen Methoden reicht. Da ihre genaue Ursache noch ungeklärt ist, richtet sich die Therapie hauptsächlich gegen die Symptome der Erkrankung.

Am effektivsten zeigte sich in Studien vor allem regelmäßige, den ganzen Körper beanspruchende Bewegung. Sowohl in Hinblick auf Schmerzen als auch bei der funktionellen Rehabilitation kann körperliches Training wie zum Beispiel Aerobic oder Schwimmen, die Symptome der Fibromyalgie deutlich verbessern.

Fibromyalgie

Auch Hydrotherapie und Hypnotherapie können bei Betroffenen eine Verbesserung erzielen. Ebenso kann regelmäßige Meditation und psychotherapeutische Begleitung die Beschwerden der Fibromyalgie deutlich lindern. Gleichzeitige medikamentöse Therapie kann den positiven Effekt gerade bei schlecht anderweitiger Fibromyalgie verstärken. Aufgrund der Studienlage ist diese jedoch nur begleitend zu regelmäßiger sportlicher Aktivität zu empfehlen. Nichtsteroidale Antirheumatika, wie die in der Regel ohne Rezept verfügbaren Schmerzmittel Ibuprofen und Diclofenac, können in allen Phasen der Erkrankung eine Rolle spielen. Sie wirken sowohl auf die lokale, periphere Schmerzentstehung als auch entzündungshemmend. Zyklisch angewandte Infusionen mit diesen Wirkstoffen in Kombination mit hochdosiertem Vitamin-B-Komplex scheinen auch bei akuten Fibromyalgieschüben wirksam zu sein.

Bei starken, vor allem verspannungsassoziierten Schmerzen haben sich auch Muskelrelaxantien wie Tetrazepam und Clonazepam bewährt. Auch mit antidepressiver Medikation, die man schon lange in der Behandlung chronischer Schmerzen einsetzt, sind in der Behandlung der Fibromyalgie positive Effekte zu erzielen. Ebenso haben lokale, regelmäßige Injektionen mit Schmerzmitteln an den besonders schmerzhaften „tender points“ therapeutische Wirkung. Ein neues Medikament in der Behandlung der Fibromyalgie ist Tropisetron, das den Serotoninspiegel im Gehirn beeinflusst. Der behandelnde Arzt verabreicht es zunächst intravenös, bei Bedarf und guter Wirksamkeit kann man es aber auch oral einnehmen.

Schon länger bekannt ist der Wirkstoff Pregabalin, der auch bei anderen neuropathischen, also durch Nervenschädigung verursachten Schmerzen, Verwendung findet. Pregabalin wirkt über die Hemmung aktivierender Botenstoffe im Gehirn ebenso wie über eine Schwächung der Schmerzweiterleitung. Es hat eine positive Wirkung auf Schlaf, Schmerzempfinden und Lebensqualität der Betroffenen. Einen ähnlichen Effekt hat auch Gabapentin, das man wegen seines sedierenden, also schläfrig machenden Effekts aber nur abends einnehmen sollte.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Das Fibromyalgie-Syndrom birgt keine schweren Komplikationen. Allerdings leiden viele Betroffene stark unter der Chronizität der Symptome.

Kann Fibromyalgie operiert werden?

Da Fibromyalgie keine klar lokalisierbare Ursache hat, kann sie auch nicht operativ behandelt werden.

Wie sieht die Prognose bei Fibromyalgie aus?

Obwohl ein Großteil der Patienten nicht geheilt werden kann, tritt doch in den meisten Fällen unter der Betreuung von Ärzten, Physio- und Psychotherapeuten eine deutliche Linderung der Symptome ein. In wenigen Einzelfällen verschwinden diese sogar ganz.

Kann ich der Fibromyalgie vorbeugen?

Da die definitiven Ursachen der Fibromyalgie unbekannt sind, kann man ihr nicht im eigentlichen Sinn vorbeugen. Regelmäßige, körperliche Bewegung tut aber allen gut. Außerdem ist gerade bei familiär gehäuft auftretender Fibromyalgie eine ausreichende Schmerztherapie bei starken Schmerzen oder nach Operationen von Bedeutung. Diese können sich sonst im „Schmerzgedächtnis“ einschreiben und dafür sorgen, dass das Gehirn im Verlauf leichte Reize als Schmerzen umdeutet.

Fibromyalgie

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Fibromyalgie ist als Erkrankung durch die Weltgesundheitsorganisation anerkannt und die meisten anfallenden Kosten werden daher von den Krankenkassen übernommen. Da die Erkrankungen aber in weiten Bereichen noch verstärkter Aufmerksamkeit bedarf, kann es zu Komplikationen bei der Kostenübernahme von Therapien kommen.

 

Quellen

Aerzteblatt.de (letzter Zugriff: 19.06.2019)

AWMF (letzter Zugriff: 19.06.2019)

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (letzter Zugriff: 19.06.2019)

BMJ Journals (letzter Zugriff: 19.06.2019)


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Unter Fibromyalgie versteht man ein aus chronischen Schmerzen, Schlafstörungen und Erschöpfung bestehendes Syndrom


Ihre Ursachen sind bislang unbekannt, zu ihrer Entstehung tragen aber genetische, biologische und soziale Faktoren bei


Die Behandlungsmethoden sind vielfältig und reichen von regelmäßiger körperlicher Bewegung bis zu medikamentöser Therapie


Besonders regelmäßiger Sport und psychotherapeutische Verfahren zeigen gute Erfolge bei der Behandlung

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