Aneurysma

Der Begriff „Aneurysma“ ist gemeinhin gängig und auch, wenn man keine medizinischen Details kennt, so weiß man doch, dass es sich um einen ernsten Zustand handelt, der binnen Sekunden zum Tod führen kann. Was es damit auf sich hat und was genau hinter dem Begriff steckt, wollen wir hier klären.


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Zuletzt aktualisiert: 3. Dezember, 2019



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über das Aneurysma. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einem Aneurysma?

Der Begriff „Aneurysma“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie „Erweiterung“. Der Mediziner versteht darunter eine krankhafte Erweiterung und Ausbuchtung eines Gefäßes, also eine Zunahme des Gefäßdurchmessers.

Aneurysma

Welche Ursachen hat ein Aneurysma?

Aneurysmen resultieren aus einer Gefäßwandschwäche mit nachfolgender Veränderung. Häufigster Ursache für solch eine Schwachstelle in der Gefäßwand ist oftmals arteriosklerotischer Natur, tritt also meist bei „verkalkten“ Gefäßen auf. Die Gefäßwand besteht aus drei Schichten, wobei bei einem Aneurysma durch die Gefäßwandschwäche alle Schichten nachgeben und sich erweitern. Die Gefäßwand wird dadurch zunehmend instabil und kann – vor allem bei hohen Blutdrücken – reißen. Weitere Entstehungsmechanismen der Gefäßwandschwäche sind Infektionen, Gefäßentzündungen aber auch angeborene Bindegewebserkrankungen.

Wie sehen die Symptome eines Aneurysmas aus?

Aneurysmen verursachen keine Schmerzen und bleiben daher lange unbemerkt. Meist sind sie Zufallsdiagnosen im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung. Symptomatisch werden Aneurysmen erst, wenn sie entweder an Größe gewinnen und umliegende Strukturen (Organe, Nerven) verdrängen und abdrücken oder reißen und dadurch je nach Lokalisation und betroffenen Gefäß der Blutverlust mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Die Verdrängung und Kompression kann beispielsweise zu Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen führen, die Ruptur großer Gefäße hingegen führt zu plötzlichem, enormen Blutverlust und kann ohne sofortige Versorgung binnen Minuten zum Tod führen.

Wo treten Aneurysmen am häufigsten auf?

Am häufigsten sind Gefäße des Gehirns, die Aorta (sowohl herznahe als auch im Bauchraum) und die großen Oberschenkelarterien betroffen.

Wie lassen sich Aneurysmen unterscheiden?

Man unterscheidet Aneurysmen einerseits nach Lokalisation des Auftretens andererseits nach Art der Wandausformung.

 

Aneurysma verum

Das „richtige“ Aneurysma – es entspricht der oben beschriebenen Form (alle Gefäßwandschichten sind betroffen).

Aneurysma

Aneurysma falsum

Das sogenannte Pseudoaneurysma entsteht infolge eines Eingriffs am Gefäß oder einer Gefäßpunktion, wobei das Gefäß so verletzt wird, dass Blut austritt und ein Hämatom bildet, dass das Gefäß umgibt. In der Bildgebung kann dies auf den ersten Blick einem Aneurysma ähneln.

 

Aneurysma dissecans

Bei dieser Form kommt es zu einer Aufspaltung der Gefäßwand zwischen zwei der Schichten, wodurch ein zweiter Hohlraum, der sich mit Blut füllt und dadurch einen hohen Druck ausgesetzt ist, entsteht.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Aneurysma?

Die Diagnosestellung erfolgt bildgebend mittels Sonografie (Ultraschall), CT oder Angiografie. Bei Erstdiagnostik werden vor allem CT und Angiografie zur Anwendung kommen, um ein möglichst klares und ganzheitliches Bild des Aneurysmas zu bekommen, da es hierbei auch um die Entscheidung eines weiteren therapeutischen Vorgehens geht. Die Sonografie stellt die Methode der Wahl bei Verlaufskontrollen dar.

Wer ist am häufigsten von einem Aneurysma betroffen?

Aneurysmen können grundsätzlich jede Person treffen, allerdings haben Männer ein etwas höheres Risiko als Frauen. Auch mit dem Alter (und damit mit zunehmend degenerativen Veränderungen der Gefäße) steigt die Zahl der Betroffenen. Unterschiedliche Faktoren wie Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, Nikotinkonsum und Übergewicht erhöhen zusätzlich das Risiko arteriosklerotischer Gefäßveränderungen und damit auch das des Aneurysmas.

Gibt es nicht-operativen Behandlungen bei einem Aneurysma?

Nicht jedes Aneurysma muss automatisch chirurgisch behandelt werden. Bei kleineren Aneurysmen und Patienten ohne Beschwerden wird das sogenannte „watch and wait“-Konzept angewendet. Die Patienten müssen dabei regelmäßige Kontrollen wahrnehmen, bei denen festgestellt wird, ob und wie schnell das Aneurysma an Größe gewinnt. Handelt es sich um ein rasch wachsendes Aneurysma oder wird ein bestimmter Durchmesser erreicht, muss interveniert werden. Allerdings gibt es auch eine große Anzahl an Patienten, die durch diese regelmäßige Beobachtung jahrelang einem Eingriff entgehen. Wichtige nicht-operative Schritte neben der Beobachtungstherapie sind Blutdruckmanagement, Nikotinabstinenz und Senkung des Cholesterinspiegels, um die Gefäße nicht noch weiter zu schädigen.

Aneurysma

Wann muss operiert werden?

Ab einer gewissen Größe muss in jedem Fall interveniert werden. Beim Aortenaneurysma liegt diese Grenzgröße beispielsweise laut Literatur bei 5,5cm (Männer) und 5cm (Frauen), da hier das Risiko der Ruptur stark ansteigt. Dennoch ist das Rupturrisiko stets mit dem Operationsrisiko und dem von etwaigen Begleiterkrankungen abzuschätzen.

Was muss ich vor einer operativen Behandlung beachten?

Ist ein chirurgischer Eingriff unausweichlich, muss entschieden werden, welche Art von Operation gewählt wird. Während lange Zeit der offene Eingriff standardmäßig durchgeführt wurde, gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit endovaskulär, also mittels gefäßinternen Zugang zu operieren. Welche Methode gewählt wird, hängt vom Zustand der Patienten, vom Alter, von Begleiterkrankungen und von der Bereitschaft regelmäßige Kontrollen durchzuführen ab und wird individuell mit dem zuständigen Gefäßspezialisten besprochen.
Wie vor jeder Operation wird eine kurze Durchuntersuchung mit Blutabnahme und ein Gespräch mit dem zuständigen Anästhesisten stattfinden. Blutgerinnungshemmende Medikamente müssen vor der Operation abgesetzt werden.

Wie verläuft der chirurgische Eingriff?

Endovaskulärer Eingriff

Dabei wird in der Leistenarterie ein Zugang gelegt, über den ein Katheter bis zur Stelle des Aneurysmas vorgeschoben werden kann. Mithilfe dieses Katheters kann nun unter bildgebender Durchleuchtung ein Stent – eine Gefäßschiene – positioniert werden, die sich, sobald an der richtigen Stelle angebracht, entfaltet, das Gefäß damit stützt und die Aussackung vor hohen Blutdrücken schützt. Bei Aneurysmen im Gehirn wird ein sogenannten Coiling angewendet, bei dem das Aneurysma so abgedichtet wird, dass es thrombosiert und sich verschließt.

 

 

Offener Eingriff

Hierbei wird über einen Hautschnitt (beim Aneurysma des Gehirns über die Eröffnung der Schädeldecke) das Aneurysma freigelegt, entfernt und durch eine Kunststoffprothese ersetzt. Der Kunststoffteil wird mit gesunder Gefäßwand vernäht, sodass der Blutfluss wieder optimal hergestellt wird. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt, bei Aneurysmen an herznahen Gefäßen muss eine Herz-Lungen-Maschine während des Eingriffs die Pumpfunktion übernehmen, oder aber es werden Bypässe gelegt.

Aneurysma

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Endovaskulärer Eingriff

Vorteil dieser Methode ist, dass sie insgesamt besser verträglich, weniger belastend für den Kreislauf und mit einem niedrigeren Blutungsrisiko verbunden ist. Der Einsatz von Kontrastmittel birgt die Gefahr einer allergischen Reaktion und auch die Verletzung von Gefäßwänden bei Vorschieben des Katheters ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Insgesamt ist die Operationsbelastung allerdings viel geringer als bei offenen Verfahren.

 

 

Offener Eingriff

Grundsätzlich bringt jeder offene Eingriff die Gefahr eines starken Blutverlustes, postoperativer Schmerzen, Verletzung wichtiger Strukturen wie Nerven, Gefäßen oder Organen sowie eine Unverträglichkeit der Narkose mit sich. Da die erweiterte Gefäßwand sehr empfindlich ist, besteht natürlich auch hier wieder die Gefahr einer Ruptur. Die notwendige Abklemmung größerer Gefäße kann zu kurzfristigen Mangeldurchblutungen führen. Trotz sterilen Arbeitens und antibiotischer Prophylaxe, können Infektionen durch Eindringen von Keimen entstehen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

In der Nachsorge besteht auch der große Nachteil der sonst sehr eleganten und sicheren endovaskulären Versorgung, denn die Implantation eines Stents ist oftmals nicht dauerhaft, sodass regelmäßige Kontrollen durchzuführen sind, um eine Undichte der Schiene und Vergrößerung des Aneurysmas festzustellen. Auch ein neuerlicher operativer Eingriff kann notwendig werden. Der offene Eingriff verlangt einen längeren stationären Aufenthalt gegebenenfalls auch auf der Intensivstation. In den ersten Tagen nach der OP können Schmerzen auftreten. Die Hautnähte werden, wenn notwendig, nach 10-14 Tagen entfernt, körperliche Schonung und das Vermeiden des Tragens schwerer Lasten ist unbedingt erforderlich, um den Heilungsprozess nicht zu gefährden.

Kann ich ein Aneurysma vorbeugen?

Nur bedingt. Zwar können Risikofaktoren einer Arteriosklerose wie Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Alkohol- und Nikotinkonsum und hohe Blutzuckerwerte vermieden werden, eine Garantie, dass dadurch niemals ein Aneurysma auftreten wird, besteht allerdings nicht.

Aneurysma

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja! Alle Kosten für Beratung, präoperative Diagnostik, operativen Eingriff und Nachsorge werden durch die Krankenkasse übernommen.


Dauer Dauer

3-6 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 10 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 14 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Aneurysmen sind pathologische Gefäßveränderungen, bei denen es aufgrund einer Gefäßwandschwäche zu einer Erweiterung des betroffenen Gefäßes kommt, die die Gefahr birgt zu reißen


Gefäßveränderungen dieser Art bleiben lange unbemerkt, da sie in der Regel keine Schmerzen verursachen, und erst bei sehr großer Ausdehnung umliegende Strukturen abdrücken, was dann unter Umständen Symptome verursacht. In vielen Fällen sind Aneurysmen daher Zufallsdiagnosen


Das therapeutische Vorgehen hängt von der Größe der Gefäßerweiterung ab. Bei geringen Durchmesser ist die Gefahr der plötzlichen Ruptur eher gering, weshalb Abwarten und regelmäßige Kontrollen empfohlen werden. Ist ein operativer Eingriff nötig, kann zwischen sogenannten endovaskulären Techniken und offenen Operationen gewählt werden


Vorteile der endovaskulären Chirurgie sind vor allem Dauer und Belastung des Eingriffs. Nach der Operation sind die Patienten in der Regel schnell wieder auf den Beinen. Offene Eingriffe dauern meist recht lange, sind für den Körper sehr belastend und benötigen eine lange Erholungsphase. Im Gegensatz zu endovaskulären Techniken ist die Dauerhaftigkeit der Gefäßversorgung allerdings höher

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