Anaphylaktischer Schock

Allergien kennen wir alle. Aber nicht immer verläuft eine allergische Reaktion glimpflich. Der anaphylaktische Schock, die stärkste allergische Reaktion, kann durchaus lebensgefährlich sein. Doch wie solltest Du Dich dabei am besten verhalten? Und ist es möglich, einen anaphylaktischen Schock vorzubeugen? Alles Wichtige erfährst Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einem anaphylaktischen Schock?

Die Medizin versteht darunter die stärkste allergische Reaktion des menschlichen Körpers. Hierbei kommt es zu einer Aktivierung des Immunsystems aufgrund eines körperfremden Stoffes in mehreren Organsystemen. Die molekularen Folgen der Anaphylaxie wirken sich auf den ganzen Körper aus und können lebensbedrohlich sein.

Anaphylaktischer Schock

Was passiert bei einem anaphylaktischen Schock?

Bei einem anaphylaktischen Schock kommt es zu einer überschießenden Reaktion eines bestimmten Teils des Immunsystems. Dieser Reaktion geht zunächst die Sensibilisierung voraus, die erste Begegnung mit dem zukünftigen Allergen. Als Allergen bezeichnen Ärzte den allergieauslösenden Stoff. Nach einem ersten Kontakt produziert der Körper im Rahmen der Allergie einen speziellen Antikörper, das sogenannte Immunglobulin E. Antikörper sind Bestandteile des Immunsystems, die sich durch den Kontakt mit sogenannten Antigenen im Blutserum bilden.  Die kleinen Eiweiße erkennen körperfremde Stoffe, also Antigene, und markieren diese für andere Bestandteile des Immunsystems. So bringen sie eine Immunkaskade, eine bestimmte Folge körperlicher Prozesse, in Gang.

 

Das im Rahmen der Allergie gebildete Immunglobulin E erkennt nun bei neuerlichem Kontakt das körperfremde Allergen sofort und produziert eine überschießende Abwehrreaktion. Durch sogenannte Mediatoren wie Histamin, die als Botenstoffe im Körper Reaktionen vermitteln, kommt es zu den klassischen Symptomen der Anaphylaxie. Zum einen sorgen diese Stoffe für ein Anspannen der glatten Muskulatur in bestimmten Organen. Dies hat neben Erbrechen und Durchfall durch eine Aktivierung der Darm-Bewegung auch ein Zusammenziehen der Bronchien zur Folge. Diese stellen einen Teil der Lunge dar und transportieren die sauerstoffreiche Luft zu den Lungenbläschen.

 

Ziehen sich die Bronchien nun durch eine Muskelaktivierung im Rahmen der Allergie zusammen, so kann nicht ausreichend Sauerstoff in den Körper gelangen. Der Betroffene leidet dann unter Luftnot. Gleichzeitig führen die Botenstoffe des Immunsystems auch zu einer Erschlaffung der Gefäßmuskulatur im ganzen Körper, zur sogenannten Vasodilatation. Der Blutdruck fällt mitunter auf gefährlich niedrige Werte ab und die diesbezüglich empfindlichsten Organe des Menschen – Niere und Gehirn – können schnell Schaden nehmen. Das Blut versackt regelrecht in Armen und Beinen. Der Blutdruckabfall kann daher im Rahmen des anaphylaktischen Schocks auch zu Bewusstlosigkeit führen. Zudem kommt es durch das Erschlaffen der Gefäßmuskulatur zum Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen in das Körpergewebe. Schwellungen, vor allem um den Mund, im Rachen und um die Augen, sowie an Einstichstellen sind die Folge.

Anaphylaktischer Schock

Was kann einen anaphylaktischen Schock auslösen?

Prinzipiell kann jeder körperfremde Stoff eine Allergie und im Rahmen dessen auch einen anaphylaktischen Schock auslösen. Mit deutlichem Vorsprung aber lösen Insektengifte bei Erwachsenen Anaphylaxie aus. Nahrungsmittelallergene wie Milcheiweiß, Erdnuss und Hühnerei führen dagegen laut Studien bei Kindern am häufigsten zum anaphylaktischen Schock. Aber auch andere Stoffe wie spezielle Eiweiße in Bluttransfusionen oder Giften, wie das Tetanusgift, können eine überschießende allergische Reaktion auslösen.

 

Außerdem führen Tierhaare vergleichsweise häufig zu Allergien. Schließlich können auch Medikamente Verursacher eines anaphylaktischen Schocks sein: Vor allem die sogenannten Beta-Lactam-Antibiotika, allen voran Penicillin, lösen häufig Allergien aus und können auch zum anaphylaktischen Schock führen. Ebenso haben bestimmte Schmerzmittel, Narkosemittel und mitunter auch Röntgen-Kontrastmittel ein erhöhtes allergisches Potenzial.

Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einem anaphylaktischen Schock?

Wie jede Allergie ist der anaphylaktische Schock eine Reaktion des Immunsystems auf einen körperfremden Stoff, das Allergen. Eine harmlose allergische Reaktion wirkt sich jedoch nur auf einen geringen Anteil des Körpers aus. So kommt es beispielsweise im Rahmen der Zöliakie zu einer Allergie auf das Weizeneiweiß Gluten. Nehmen Betroffene nun weizenhaltige Produkte zu sich, so leiden sie zumeist unter Verdauungsbeschwerden und Übelkeit. Andere Organsysteme wie Gefäße und Herz sind im Regelfall nicht betroffen. Auch eine Insektengiftallergie zeigt sich im Normalfall nur durch eine verstärkte Hautreaktion, starkes Jucken und Rötung. Verursacher dessen sind die Botenstoffe des Immunsystems, die der Körper bei Erkennen des Allergens aktiviert.

 

Im Rahmen des anaphylaktischen Schocks kommt es nun aber zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Der Körper fährt im übertragenen Sinn alle Geschütze auf, um dem Allergen zu begegnen. Die Botenstoffe, allen voran Histamin, sorgen unter anderem für einen Kreislaufabfall und legen den Körper, bei fehlender Therapie, lahm. Warum genau es zu einem anaphylaktischen Schock kommt, ist bislang nicht geklärt.

Anaphylaktischer Schock

Wer ist am häufigsten von einem anaphylaktischen Schock betroffen?

Prinzipiell kann jeder Mensch einen anaphylaktischen Schock im Rahmen einer bisher unbekannten Allergie erleiden. Allerdings sind Patienten mit bereits bekannten Allergien deutlich häufiger von der Anaphylaxie betroffen. Ein zweiter Kontakt mit dem Allergen kann dann bei fehlender Therapie schwerwiegende Folgen haben. Die Ursachen der Allergieentstehung sind bisher nicht vollständig geklärt. Allerdings spielen genetische Faktoren, die zu einer Überregulation des Immunsystems führen, wohl eine entscheidende Rolle. Zudem können auch Umweltfaktoren eine Veränderung der Gene herbeiführen und so zu einer höheren Sensibilisierung beitragen.

Welche Anzeichen gibt es für einen anaphylaktischen Schock?

Die Anzeichen des anaphylaktischen Schocks finden sich am ganzen Körper. Häufig setzt noch vor Beginn anderer Beschwerden Todesangst ein. Nur kurz nach Kontakt mit dem Allergen kommt es zu Schwindel und gegebenenfalls Bewusstlosigkeit durch den Blutdruckabfall. Diesen erkennt man auch an der kaltschweißigen Haut Betroffener. Übelkeit und Erbrechen können im Rahmen der ersten Reaktion ebenfalls auftreten. Im Laufe des anaphylaktischen Schocks können Betroffene auch inkontinent werden und sich einnässen.
Durch das Anschwellen der Atemwege klagen Patienten zudem schnell auch über Luftnot. Sprech- und Schluckbeschwerden, genau wie pfeifende Atemgeräusche können Anzeichen hierfür sein. Bei anhaltender Atemnot beginnen schließlich Lippen und Finger damit, sich blau zu verfärben. Dann ist schnelles Handeln geboten.

 

Auch generalisierte Hautreaktionen wie Ausschläge am ganzen Körper können im Rahmen der Anaphylaxie auftreten. Besonders klassisch für eine schwere allergische Reaktion ist hierbei das Lidödem, ein starkes Anschwellen von Ober- und Unterlid. Als Faustregel gilt, dass die Anaphylaxie sich umso schlimmer entwickelt, je schneller nach Kontakt mit dem Allergen erste Symptome eintreten.

Epi-Pen

Welche Maßnahmen sind bei einem anaphylaktischen Schock durchzuführen?

Vor allem schnelles Handeln ist bei einem anaphylaktischen Schock geboten. Weil sie sonst tödliche Folgen haben kann, müssen Begleitpersonen bei einer Anaphylaxie umgehend den Notarzt verständigen. Ist die Allergie schon bekannt, so tragen Betroffene meist ein Notfallset mit drei Medikamenten mit sich. Diese sollte der Patient sofort erhalten. Da das Notfallset für nicht-medizinisch erfahrene Menschen gedacht ist, kann jeder die Medikamente verabreichen. Am wichtigsten hierbei ist der sogenannte Epi-Pen. Dieser ist mit einem körpereigenen Stoff, dem Adrenalin gefüllt. Dieses wirkt der allergischen Reaktion im Körper entgegen.

 

Der Epi-Pen ist entsprechend einem Stift aufgebaut. Zur Anwendung müssen Betroffene oder Ersthelfer die Kappe herunterziehen und den Stift auf den äußeren Oberschenkel auf der Mitte zwischen Knie und Hüfte drücken. Durch den Druck fährt eine Nadel aus dem Stift und injiziert das Adrenalin in den Muskel. Vor allem eine schnelle Verabreichung ist hierbei wichtig. In dem Allergieset sind zudem auch ein sogenanntes Antihistaminikum sowie ein Kortison-Präparat. Beide helfen, die überschießende Reaktion des Immunsystems zu hemmen. Betroffene sollten beides wenn möglich sofort einnehmen.

Kann ein anaphylaktischer Schock vorgebeugt werden?

Vorbeugen kannst Du einen anaphylaktischen Schock nur durch das Vermeiden des Allergens. Nicht immer ist dies allerdings möglich. Schwere Allergiker können schon auf kleinste Partikel des Allergens reagieren, wenn beispielsweise ihr Essen mit einem Allergen in Berührung gekommen ist. Auch Insektenstiche lassen sich bei angemessenen Temperaturen nur schwer vermeiden. Ein Mitführen des entsprechenden Notfallsets ist daher auch bei strengem Meiden der allergieauslösenden Situation von großer Bedeutung.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen erstatten alle Kosten, die im Rahmen des anaphylaktischen Schocks entstehen und zahlen auch für das Allergie-Notfallset.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Anaphylaxie stellt die schwerste allergische Reaktion dar und kann lebensbedrohlich sein


Die Symptome beginnen zumeist mit Schwindel, Übelkeit, Erröten und Schwellungen um Augen und Mund


Der anaphylaktische Schock setzt innerhalb von Sekunden nach dem Kontakt mit dem Allergen ein und führt bei fehlender Therapie rasch zur Bewusstlosigkeit


Maßnahmen zur Ersten-Hilfe bei Anaphylaxie bestehen, abgesehen vom sofortigen Alarmieren des Notarztes, im Verabreichen der antiallergenen Notfallmedikation des Betroffenen

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