Hüftimpingement

Impingement ist die Bezeichnung für eine schmerzhafte Einklemmung der Weichteile innerhalb eines Gelenkspalts, die zu einer Beeinträchtigung der Gelenkbeweglichkeit führt. Bei einem gesunden Hüftgelenk erreicht die Hüfte einen weiten Bewegungsradius. Wenn die Hüftbewegung jedoch, durch eine knöcherne Fehlbildung, eingeschränkt ist und der Bewegungsspielraum der Hüfte dadurch nicht so groß ist, spricht man von einem Hüftimpingement. Ein Hüftimpingement im genaueren Sinne ist also, das schmerzhafte Anschlagen der am Gelenk beteiligten Hüftknochen.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über das Hüftimpingement. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einem Hüftimpingement?

Bei einem Hüftimpingement, auch als Femoroacetabuläres Impingement (FAI) bekannt, wird der knorpelige Pfannenrand, Labrum, zwischen Schenkelhals und knöchernem Pfannenrand, Acetabulum, gequetscht. Folglich kommt zu einem gestörten Bewegungsablauf und somit auch zu Schmerzen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können von einem Hüftimpingement betroffen sein.

Hüftimpingement

Wie sehen die Symptome bei einem Hüftimpingement aus?

Im Anfangsstadium ist ein Hüftimpingement nicht schmerzhaft. Erst mit der Zeit verspüren die Betroffenen Schmerzen in der Leistengegend und dies ist ein sehr typisches Symptom dafür. Bei Bewegungen des Hüftgelenks spüren sie den knöchernen Anschlag, wobei meist nur endgradige Bewegungen der Hüfte schmerzhaft sind. Außerdem werden Schmerzen oft auch am seitlichen Oberschenkel verspürt, speziell bei starker Beugung.

Welche Ursache hat das Hüftimpingement und wie verläuft es?

Es gibt keine genauen Ursachen für die Entstehung eines Hüftimpingements, jedoch spielt die genetische Veranlagung meist eine große Rolle. Ärzte weisen oft darauf hin, dass der Wachstumsschub in der Pubertät mitverantwortlich ist. Denn es werden vor allem Fehlstellungen bei Patienten nachgewiesen, die in ihrer Jugend sehr sportlich waren. Zusätzlich neigen Extremsportler eher zur Entwicklung eines Hüftimpingement als andere, da sie ihre Gelenke stärker beanspruchen.

Wie diagnostiziert ein Arzt ein Hüftimpingement?

Die knöchernen Fehlbildungen der Hüfte lassen sich durch ein Röntgenbild gut darstellen. Das Röntgenbild unter Belastung, kann auch zeigen, ob sich bereits eine Hüftarthrose entwickelt hat. Eine weitere Methode, die auf Röntgenstrahlen beruht, ist die sogenannte Computertomografie (CT). Hiermit kann sogar ein dreidimensionales Bild der Hüftknochen samt Details erstellt werden. Die Magnetresonanztomografie (MRT) hingegen kann die Weichteile des Hüftgelenks sehr gut darstellen und somit kann die Situation des Knorpels besser beurteilt werden.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen unter einem Hüftimpingement leiden beziehungsweise wer am häufigsten davon betroffen ist. Denn viele Betroffene haben meist bis in das hohe Alter keine Beschwerden, da sie diesen großen Bewegungsradius sowieso kaum ausnutzen. Schätzungen zufolge leiden etwa 35 Prozent der über 60-Jährigen unter Hüftimpingements. Aber auch sportlich aktive Patienten, speziell Extremsportler, leiden oft unter Formveränderungen des Hüftgelenkes.

Welche Folgen hat das Hüftimpingement für die Patienten?

In erster Linie können sich Knochensporne an der Hüftpfanne ausbilden und dadurch kann es zu einem Knorpelabrieb und somit zu einem Knorpelschaden kommen. Im Verlauf kann es zu Entzündung der Schleimhaut kommen. Die Aufgabe der Schleimhaut ist es, die Gelenkschmiere zu bilden, um die Knorpel zu erhalten- ist dieser Zyklus gestört, kommt es zu einer weiteren Einschränkung der Beweglichkeit.

Hüftimpingement

Welche Formen von Hüftimpingements gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte hauptsächlich zwischen zwei verschiedenen Arten.

Das Pincer-Impingement (Beißzangenimpingement)

Beim Pincer-Impingement des Hüftgelenks ist die Hüftgelenkspfanne deformiert. Die Pfanne des Hüftgelenks reicht zu weit um den Oberschenkelkopf herum und dies wiederum führt zu einer Funktionsbeeinträchtigung des Gelenkes. Der Oberschenkelhals schlägt dabei bereits bei gewöhnlichen Bewegungen an die Hüftgelenkspfanne an. Dadurch werden die Gelenklippe und der Knochen der Gelenkpfanne des Hüftgelenks geschädigt. Der knorpelige Pfannenrand reißt hierbei ab und es bilden sich Verknöcherungen, Osteophyten, welche die Beweglichkeit noch zusätzlich einschränken.

Das CAM-Impingement (Nockenwellenimpingement)

Ein CAM-Impingement ist eine knöcherne Erhöhung am Übergang vom Hüftkopf zum Oberschenkelhals. Somit wird der Hüftkopf bei Bewegungen aus der Pfanne herausgedrückt, es kommt zu einer Fehlstellung und in der Folge werden Knochenanteile auf Knochen und Knorpel gedrückt, sodass es hier zu weiteren Schädigungen des Hüftgelenks kommt. Folglich wird der Knorpel an den Pfannenrand gequetscht und es entstehen auch tiefer gehende Knorpelschäden in der Gelenkpfanne.

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Meist versuchen Ärzte das Hüftimpingement konservativ zu behandeln, denn nicht jedes Hüftimpingement muss operiert werden. Vor allem bei geringen Fehlbildungen kann eine gezielte konservative Behandlung erfolgreich sein. Im Mittelpunkt steht hier ein Muskeltrainingsprogramm, das konsequent und regelmäßig durchgeführt werden sollte. Dieses Programm besteht einerseits aus einer Physiotherapie und andererseits aus Übungen, die selbstständig durchgeführt werden sollten. Hierbei ist das Ziel, eine ausgewogene Muskelkraft zu entwickeln, um die muskulären Schmerzen zu lindern. Zusätzlich können entzündungshemmende Schmerzmittel, aber auch therapeutische Spritzen, die in das Hüftgelenk injiziert werden, verordnet werden. Die Formveränderung der Hüftkugel selbst, kann durch eine konservative Therapie jedoch nicht vollkommen beseitigt werden.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Wenn die konservative Behandlung nicht zum gewünschten Ziel führt oder die knöchernen Veränderungen sehr ausgeprägt sind, so muss das Hüftimpingement chirurgisch behandelt werden. Hierdurch können Schmerzen und Bewegungseinschränkungen behoben werden. Ein frühzeitiger Eingriff für den Erhalt eines gesunden Hüftgelenks ist ratsam.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

In einem ausführlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient werden die unterschiedlichen Operationsmethoden erklärt. Außerdem informiert Dich der Arzt über mögliche Risiken und Komplikationen, die während oder nach dem Eingriff auftreten können. Bitte nimm 14 Tage vor der Operation keine Medikamente mehr zu Dir, die sich negativ auf Deine Blutverdünnung auswirken. Dazu gehören beipsielsweise Aspirin, ASS, Thrombo ASS, Plavix oder Marcoumar. Nimmst Du Schlafmittel, dann setze auch diese bitte bereits zwei Wochen vor dem Eingriff schon ab. Du kannst das gern mit Deinem Arzt besprechen, eventuell kann dieser Dir ein Ersatzmedikament verschreiben.

Welche Operationsmethoden gibt es?

Es gibt zwei Operationsmethoden, die zur Behandlung des Impingement durchgeführt werden können. Bei der offen chirurgischen Methode öffnet der Arzt chirurgisch das Hüftgelenk, luxiert den Hüftkopf und hat somit freie Sicht in das Gelenk, um das störende Knochengewebe abzutragen. Als zweites gibt es noch die minimal invasive Methode, und zwar die Hüftarthroskopie, eine oft als risikoärmere Alternative beschriebene Technik. Dabei werden mögliche Knochenvorsprünge, welche die Bewegung des Hüftgelenks beeinträchtigen, abgeschliffen, und vorhandene Schäden am Knorpel werden ebenso entfernt. Bei diesem Eingriff wird mittels drei kleiner Schnitte das Operationswerkzeug eingeführt und das Gelenk wird für den Arzt auf einem Bildschirm angezeigt.

Hüftimpingement

Wie verläuft die Operation bei einem Hüftimpingement?

Die Operation bei einem CAM-Impingement erfolgt meist durch eine Hüftarthroskopie. Es wird eine Kamera am Ende der eingeführten Sonde befestigt, die Schäden, wie etwa einen Riss an der Pfannenlippe, auf einem Bildschirm sichtbar macht. In diesem minimal-invasiven Verfahren kann der Arzt die Pfannenlippe des Hüftgelenks wieder stabilisieren. Außerdem können kleine Verformungen des Knochens im Becken abgetragen werden, um eine schmerzfreie Gelenkfunktion wiederherzustellen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Eine gute Physiotherapie nach der Hüftimpingement-OP trägt sehr viel zum Heilungsprozess der Hüfte bei. Das Ziel hierbei ist in erster Linie eine Verbesserung der Schmerzsituation zu bewirken und die Muskulatur zu stärken. Somit sollten leichte sportliche Aktivitäten frühestens nach drei Monaten ausgeübt werden. Bei intensiveren Aktivitäten musst Du auf einen längeren Nachbehandlungszeitraum vorbereitet sein.

Kann ich nach der OP wieder allen Sportarten nachgehen?

Wann Du nach der Hüftimpingement-OP wieder aktiv Sport treiben kannst, lässt sich so pauschal nicht voraussagen. Es hängt sehr davon ab, wie ausgeprägt die Fehlbildung der Hüfte vor der Operation war. Denn wenn beispielsweise die Sehnen durch diese Fehlstellung angegriffen wurden, so kann sich die Heilungsdauer verzögern. Oft ist es auch so, dass die Patienten durch die starken Bewegungseinschränkungen die Koordination verloren haben. Diese kann erst mit der Zeit wieder aufgebaut werden.

Solltest Du Dich zu früh überanstrengen, so besteht die Gefahr einer weiteren schwereren Verletzung und Entzündung. 
Leichte sportliche Aktivitäten kannst Du etwa sechs bis 12 Wochen nach einem minimalinvasiven Eingriff wieder aufnehmen. Bei einer offenen Operation hingegen kannst Du nach drei Monaten wieder leichten Sport ausüben. Die Rückkehr zum Leistungssport ist jedoch erst nach einem Jahr wieder möglich.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Bei der Hüftimpingement-Operation besteht ein gewisses Risiko einer Thrombose, wie bei den meisten Eingriffen an den unteren Extremitäten. Dazu zählen unter anderem Infektionen, Blutungen und Wundheilungsstörungen. Zusätzlich können auch Restbeschwerden zurückbleiben, die vom Ausmaß des Schadens zu Beginn des Eingriffs abhängen.

Wie sehen die Erfolgsaussichten bei einer Operation aus?

Der Genesungsverlauf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei einem optimalen Verlauf kannst Du die Hüfte jedoch wieder voll belasten und auch wieder alle Sportarten ausüben. Ungefähr 80 Prozent der Patienten erreichen mit der minimalinvasiven Methode, aber auch bei der offenen Operation, ein gutes Ergebnis mit einer eindeutigen Schmerzlinderung.

Wie kann ich ein Hüftimpingement vorbeugen?

Eine Prophylaxe gibt es in diesem Sinne leider nicht. Jedoch sollte Dir bewusst sein, dass ein Hüftimpingement auch schon sehr früh im Leben auftreten kann. Außerdem solltest du häufig auftretende Hüftschmerzen und ein Ziehen in der Leistengegend besonders beachten und einen Arzt aufsuchen. So kann der Arzt eine gründliche Untersuchung des Hüftgelenks vornehmen und frühzeitig eine Diagnose stellen.

Hüftimpingement

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten der Behandlung werden nur in bestimmten Fällen von der Krankenkasse übernommen. Es hängt sehr davon ab, wie notwendig der Eingriff aus medizinischer Sicht ist, aber auch welche Therapiemethode in Betracht gezogen wird. Folglich solltest Du Dich vor dem Eingriff am besten bei Deiner Krankenkasse über die Übernahme der Kosten informieren. Du kannst Dich bei Unklarheiten auch jederzeit an unsere Spezialisten wenden.

 

Quellen

Uniklinikum Dresden

Niethard, F. et al.: Duale Reihe – Orthopädie und Unfallchirurgie, Georg Thieme Verlag, 6. Auflage, 2009

Rüther, W. & Lohmann, C.: Orthopädie und Unfallchirurgie, Elsevier Verlag, 20. Auflage, 2014


Dauer Dauer

75 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 6 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

5 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Wenn die Hüftbewegung durch eine knöcherne Fehlbildung eingeschränkt ist, spricht man von einem Hüftimpingement


Es kommt zu einem gestörten Bewegungsablauf und somit auch zu Schmerzen


Meist versuchen Ärzte das Hüftimpingement konservativ zu behandeln, denn nicht jedes Hüftimpingement muss operativ behandelt werden


Du solltest häufig auftretende Hüftschmerzen und ein Ziehen in der Leistengegend besonders beachten und Dich von einem Arzt untersuchen lassen

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