Trichomoniasis

Die Trichomoniasis gehört zu den STDs (= engl. sexually transmitted diseases, Geschlechtskrankheiten) und wird allerdings im Gegensatz zu bekannten Vertretern wie Syphilis, AIDS oder Gonorrhoe nicht durch einen Virus oder ein Bakterium, sondern durch Protozoen (Einzeller) übertragen. Zwar ist die Trichomoniasis mit 170 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr weltweit eine der häufigsten STDs, doch verläuft sie nicht nur in vielen Fällen symptomlos, sondern auch mit bedeutend weniger Komplikationen, weshalb sie möglicherweise weniger bekannt als andere Geschlechtskrankheiten ist.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Trichomoniasis?

Bei der Trichomoniasis handelt es sich um eine hauptsächlich sexuell übertragbare Erkrankung durch das Geißeltierchen Trichomonas urogenitalis. Diese lösen eine Schleimhautinfektion des Urogenitaltrakts aus. Die Erkrankung kann sowohl beim Mann als auch bei der Frau auftreten. Frauen sind mit 70 Prozent jedoch wesentlich häufiger von der Trichomoniasis betroffen als Männer.

Die Trichomoniasis betrifft sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsteile.

Was sind die Symptome einer Trichomoniasis?

Vom Zeitpunkt der Ansteckung mit dem Erreger bis zum Auftreten erster Symptome vergehen in der Regel ein bis drei Wochen. Bei einem Großteil der Infektionen bei Männern verläuft die Trichomoniasis ohne bemerkbare Symptome. Bei Frauen hingegen sind es rund 80 Prozent, bei denen die Erkrankung mit typischen Krankheitsbeschwerden einhergeht.
 
Ein Viertel bis die Hälfte aller Infektionen verläuft asymptomatisch. Machen sich Symptome bemerkbar, so handelt es sich hier meist um ein Brennen beim Harnlassen (Dysurie), Jucken an der Scheide oder dem Penis und gelb- grünlichen, milchig-schaumigen, übel riechenden Ausfluss, der bei beiden Geschlechtern auftreten kann.
 
Gelegentlich kann auch eine sichtbare Rötung an der Haut der Schamlippen oder der Peniseichel auffallen. Nur in seltenen Fällen wandert die Infektion hinauf Richtung Harnblase, Uterus oder Prostata und führen zu manifesten Harnwegsinfekten oder Entzündungen innerer Organe.

Welche Ursachen hat eine Trichomoniasis?

Erreger der Erkrankung ist ein parasitärer Einzeller, Trichomonas urogenitalis oder auch vaginalis genannt, der lediglich beim Menschen vorkommt und durch direkten Kontakt, sehr selten auch indirekt in feuchten Arealen (beispielsweise Hallenbäder, Saunen, Badetücher…) übertragen wird, da sie außerhalb ihres Lebensraums nicht lange überlebensfähig sind.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Trichomoniasis?

Da die Symptome recht unspezifisch sind, muss in der Regel ein direkter Nachweis durch Abstrich der Schleimhaut erfolgen. Aus dem eingestrichenen Material kann rasch ein direkter Nachweis unter dem Mikroskop erbracht werden – zu erkennen sind die typischen Bewegungen der Geißeltierchen.
 
Erbringt der Abstrich keinen sicheren Beweis, muss eine Kultur aus abgegebenen Harn angelegt werden, bei der Diagnostik einer männlichen Trichomoniasis verläuft die Diagnostik immer mittels Kultur.

Die Trichomoniasis kann nur durch die Verwendung von Kondomen vorgebeugt werden und auch dann ist eine Ansteckung nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen.

Welche Behandlungs- und Therapieformen gibt es?

Die Behandlung erfolgt in so gut wie allen Fällen, egal ob bei Mann oder Frau, mit einem Antibiotikum, genauer gesagt mit Metronidazol. Betroffene müssen das Antibiotikum zweimal am Tag für über zehn Tage einnehmen.
 
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen von Metronidazol gehören Verdauungsstörungen, Entzündungen der Mundschleimhaut, Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen sowie allergische Reaktionen wie Hautausschlag oder Juckreiz.
Um das Risiko weiterer Übertragung oder einer Reinfektion zu verhindern, müssen auch die jeweiligen Sexualpartner behandelt werden.
 
Alternativ kann die Behandlung auch lokal durchgeführt werden, dies ist vor allem bei Frauen in der Schwangerschaft notwendig, da die normalerweise empfohlenen Medikamente nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen. Für Schwangere mit Trichomoniasis empfiehlt sich deshalb eine lokale Therapie in Form von speziellen Salben oder Vaginaltabletten.

Welche Folgen hat die Erkrankung für Betroffene?

Zu beachten ist natürlich, dass auch ohne Symptomatik eine Infektion besteht und diese bei Geschlechtskontakt übertragen werden kann! Werden asymptomatische Träger der Infektion durch (ehemalige) Sexualpartner also nicht darauf hingewiesen, können sie die Krankheit unwissentlich weiter verbreiten.
 
Zudem besteht für betroffene Frauen ein erhöhtes Infektionsrisiko mit HIV, da die Trichomonaden die Vaginalschleimhaut mit ihren Geiseln angreifen und durch Absonderung schädlicher Proteine zu kleinen Gewebedefekten (Nekrosen) führen, durch die die HI-Viren leichter eindringen können. Da die Narben auch nach Abheilung verbleiben, besteht ein Leben lang ein höheres Infektionsrisiko.
 
Besonders bei Männern verläuft die Trichomoniasis häufig asymptomatisch. Das hat die Folge, dass die Krankheit beim Geschlechtsverkehr unbewusst übertragen werden kann, da Betroffene sich der Infektion nicht bewusst sind. Deshalb ist es bei einer bestätigten Diagnose wichtig, auch die Sexualpartner über die Geschlechtskrankheit aufzuklären und mit zu therapieren.

Die Trichomoniasis wird durch Geschlechtsverkehr übertragen, weshalb bei einer Diagnose auch die Sexualpartner informiert werden müssen.

Kann ich einer Trichomoniasis vorbeugen?

Die Verwendung von Kondomen stellt die einzige Möglichkeit des Schutzes vor Übertragung dar, bietet jedoch auch keinen 100-Prozentigen Schutz.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die wohl gefürchtetste Folge (nicht nur der Trichomoniasis, sondern der meisten Geschlechtskrankheiten) ist das Aufsteigen der Infektion mit Folge einer Nierenbeckenentzündung, einer Entzündung der Prostata, der Gebärmutter und der Eierstöcke, was bis zur Unfruchtbarkeit führen kann. Eine solche Komplikation tritt allerdings höchst selten auf.

Was sollten Schwangere beachten?

Besteht eine Schwangerschaft, ist es umso wichtiger, die Infektion rasch zu erkennen und zu behandeln. Zwar sind Schwangerschaftskomplikationen durch Trichomonaden äußerst selten, doch besteht theoretisch die Möglichkeit, dass die Infektion auf die Gebärmutter übergeht und damit eine Frühgeburt begünstigt.
Dass eine bestehende Schwangerschaft insbesondere in der Wahl der Behandlung einen wichtigen Faktor darstellt, wurde bereits erläutert.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, bei allen Personen mit aufrechter Krankenversicherung werden die Kosten für Diagnostik und Behandlung durch den zuständigen Versicherungsträger übernommen.

 

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Dauer Dauer

Ca. zehn Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Trichomoniasis handelt es sich um eine Infektionskrankheit mit dem Erreger Trichomonas urogenitalis, einem parasitär lebenden Einzeller, der durch Geschlechtsverkehr übertragen wird. Die Trichomoniasis zählt daher zu den STDs.


Die ein Viertel bis die Hälfte aller Infektionen verläuft asymptomatisch. Treten doch Symptome auf, so kommt es in erster Linie zu einem Brennen beim Harnlassen (Dysurie), Juckreiz an den Genitalien und einem übelriechenden, grün-gelblichen, milchigen Ausfluss aus Penis oder Vagina.


Die Behandlung ist unkompliziert und risikoarm: Therapiert wird mit einem Antibiotikum (Metronidazol), welches über zehn Tage zweimal pro Tag eingenommen wird. Alternativ kann die Behandlung auch lokal durch Auftragen einer Salben oder Vaginaltabletten erfolgen (bei Schwangerschaft).


Da die Erkrankung häufig (vor allem bei Männern) asymptomatisch verläuft, werden viele zu Überträgern des Erregers ohne es zu bemerken. Wichtig ist es daher stets auch die Sexualpartner über die Erkrankung aufzuklären und mit zu therapieren!

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