Brucellose

Verzehrst Du regelmäßig rohes Fleisch oder kaufst Rohmilch? Dann sei Dir bewusst, dass Du Dich durch den Verzehr dieser und anderer roher Lebensmittel mit der Krankheit Brucellose infizieren kannst. Was das genau ist und durch welche Symptome sie sich auszeichnet, kannst Du in diesem Artikel lesen.


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Zuletzt aktualisiert: 14. September, 2020



ICD-10-GM-2020 A23
 

Was versteht die Medizin unter einer Brucellose?

Bei der Brucellose handelt es sich um eine bakteriell verursachte Infektionskrankheit, die durch Stäbchenbakterien der Gattung Brucella – auch Bang-Bakterien genannt – verursacht wird. Sie gehört zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen, die Tiere auf den Menschen übertragen.
 
Über Deine Schleimhäute oder kleine Verletzungen gelangt der Erreger in Deine Haut und somit in Deinen Körper. Die Zellen Deines Immunsystems transportieren die Bakterien zu den nächstgelegenen Lymphknoten. Von der Lymphe können die Bakterien in Deine Blutbahn und weiter in verschiedene Organe wie Milz oder Leber oder in Dein Knochenmark gelangen und dort Entzündungsherde verursachen.

Eine Brucellose diagnostiziert der Arzt mithilfe einer Blutuntersuchung.

Wie häufig ist die Brucellose?

Die Krankheit ist bei Haus- und Nutztieren weltweit sehr unterschiedlich verbreitet. In Deutschland liegt die Zahl der Neuerkrankungen jährlich bei 40 Fällen. Die meisten davon wurden durch Auslandsreisen aus Endemiegebieten eingeschleppt. Dazu zählen vor allem die Mittelmeerländer (Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien, Griechenland, Türkei), die arabische Halbinsel, Afrika, Asien sowie Mittel- und Südamerika. Ärzte gehen von 500.000 Betroffenen weltweit aus.
 
In Deutschland besteht eine Meldepflicht für Brucellose. Solltest Du den Verdacht haben, an Brucellose erkrankt zu sein, so musst Du dies schleunigst bei Deinem Arzt melden. Auch einen Todesfall durch Brucellose muss Dein Arzt dem Gesundheitsamt mitteilen. Ein erkranktes Tier ist ebenfalls meldepflichtig. In Österreich gilt die Brucellose als sehr selten. Jährlich sind es um die ein bis zehn Fälle, die gemeldet werden. Vereinzelte Fälle traten bei Reiserückkehrern aus dem Ausland auf.
 

Was sind die Symptome bei einer Brucellose?

Bei etwa 90 Prozent aller Betroffenen verläuft die Brucellose ohne oder nur mit leichten Symptomen. Das Vorliegen einer Brucellose kann nur der Arzt an einem Nachweis von Abwehrstoffen gegen die Erreger (Antikörper) im Blut erkennen. In den restlichen zehn Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung entweder akut oder chronisch.
 
Betroffen können Deine Herzinnenhaut, Deine Hirnhäute, Deine Hoden und Nebenhoden, Deine Gallenblase, Deine Bauchspeicheldrüse, Dein Bauchfell, Deine Lunge, Dein Wirbelkörper sowie Deine Augen sein. Seltener kommt es zu einer Vergrößerung von Leber und Milz. Typische Symptome sind Schüttelfrost, Nachtschweiß, starke Kopf– sowie Rückenschmerzen, Knochen- und Gelenkschmerzen sowie Durchfall.
 
Der Beginn der akuten Brucellose ist oft schleichend oder ganz plötzlich. Erste Anzeichen sind unspezifische Krankheitszeichen wie Fieber, Übelkeit, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Nachtschweiß. Das Fieber kann bei der akuten Brucellose ein bis drei Wochen anhalten. Temperaturanstiege auf bis zu 40 °C sind möglich. Weitere Symptome einer akuten Brucellose sind ein verlangsamter Herzschlag und sichtbar angeschwollene Lymphknoten. Ein chronischer Verlauf ist gekennzeichnet durch verminderte Leistungsfähigkeit, Schweißausbrüche sowie depressive Phasen.
 

Welche Ursachen hat eine Brucellose?

Ursachen für eine Brucellose sind kleine Stäbchenbakterien der Gattung Brucella. Diese tragen den Namen Brucellen. Es gibt folgende Formen von Brucellose, die Du – je nach auslösender Brucella-Art – unterscheiden musst:
 

  • Mittelmeer- oder Maltafieber: der Erreger ist Brucella melitensis (hauptsächlich bei Ziegen, Schafen und Kamelen)
  • Morbus-Bang, Bang-Krankheit: verursacht durch Brucella abortus (hauptsächlich bei Rindern)
  • Schweine-Brucellose: durch Brucella suis
  • Hunde-Brucellose: durch Brucella canis

Du kannst Dich durch den Kontakt mit infizierten Tieren – besonders über deren Kot und Urin – aber auch, indem Du rohes Fleisch oder ungekochte, nicht pasteurisierte tierische Produkte wie Milch und Käse verzehrst. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist normalerweise nicht möglich.
 

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Brucellose-Erkrankung?

Mit dem Verzehr von rohem Fleisch riskierst Du eine Ansteckung mit Brucellose. Dasselbe gilt für Rohmilch oder Produkte aus Rohmilch. Achte darauf, dass Du Käse und andere Produkte aus pasteurisierter Milch kaufst. Denn durch die Pasteurisierung werden Bakterien abgetötet. Beim Stillen solltest Du darauf achten, dass Du die Milch für Dein Baby pasteurisierst, wenn Du erkrankt bist. Denn Du kannst Brucellose über die Muttermilch auf Dein Baby übertragen. Achte besonders auf Deine Hygiene, wenn Du mit Tieren zusammenarbeitest. Wasche außerdem nach jedem Kontakt mit Tieren Deine Hände gründlich mit Wasser und Seife.
 

Ist eine Brucellose ansteckend?

Hast Du Kontakt zu infizierten Tieren, so kann das Tier die Brucellose, besonders über seinen Kot und Urin, auf Dich übertragen. Aber auch, wenn Du infiziertes rohes Fleisch oder andere rohe oder nicht pasteurisierte Lebensmittel verzehrst, kannst Du Dich infizieren. Der Erreger kann aber auch über die Bindehaut, die Atemwege oder über verletzte Haut in Deinen Körper gelangen.
 
In Deutschland sind amtlich alle Tiere brucellosefrei. Du kannst Dich aber im Ausland anstecken, wo die Brucellose noch weit verbreitet ist. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist eher selten. Infizierte Mütter können Brucellose-Erreger über die Muttermilch auf ihre Kinder übertragen. Äußerst selten, aber dennoch nicht ganz auszuschließen, ist die Ansteckung mit Brucellose durch Knochenmarktransplantationen, Bluttransfusionen und Geschlechtsverkehr. Die Inkubationszeit einer nicht behandelten Brucellose liegt im Normalfall bei zwei bis drei Wochen, kann aber genauso bis zwei Monate andauern.
 

Wie diagnostiziert der Arzt eine Brucellose?

Die Diagnose einer Brucellose ist sehr schwierig, weil sie sehr unterschiedlich in ihrem Verlauf und ihren Symptomen sein kann. Der Arzt muss andere Erkrankungen mit den gleichen unspezifischen Entzündungszeichen ausschließen können. Zunächst befragt Dich Dein Arzt zu Deiner Krankengeschichte (Anamnese). Dabei können sich Deinem Arzt bereits erste Anzeichen auf eine Brucellose ergeben.
 
Hat er den Verdacht, Du könntest an einer Brucellose erkrankt sein, so nimmt er eine Blutuntersuchung im Labor vor. Dabei vergleicht Dein Arzt die Inhaltsstoffe sowie die Anzahl und Beschaffenheit der einzelnen festen Bestandteile Deines Blutes mit Normalwerten. Bei einer Infektion kann Dein Arzt in Deinem Blut spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) gegen den Erreger nachweisen. Dein Arzt kann weitere Untersuchungen veranlassen, um Erreger der Brucellose in Deiner Rückenmarksflüssigkeit, Deinem Urin, Deiner Leber, Deiner Milz oder Deinem Knochenmark nachweisen zu können. Die Auswertung der Tests dauert einige Tage.

Der Arzt behandelt die Brucellose mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika.

Wie wird eine Brucellose behandelt?

Hat Dein Arzt die Brucellose nachgewiesen oder hat er den begründeten Verdacht auf eine Erkrankung, so beginnt er sofort mit der Therapie. In den meisten Fällen behandelt der Arzt Brucellose mit einer Kombination aus verschiedenen Antibiotika. Bei einem akuten Verlauf verabreicht Dir Dein Arzt eine Kombination aus Doxycyclin und Streptomycin oder Rifampicin für bis zu sechs Wochen. Der Wirkstoff Doxycyclin ist ein Antibiotikum gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterien. Rifampicin wirkt gegen verschiedene Bakterien und wirkt besonders effektiv gegen jede Form der Tuberkulose. Bei einem chronischen Verlauf verlängert Dein Arzt Deine Antibiotikatherapie auf bis zu sechs Monate.
 
Regelmäßige Blutuntersuchungen dienen der Überwachung. Wenn die Brucellose-Erreger bereits innere Organe befallen haben, verlängert sich die Therapie ebenfalls. Sollten Dein Nervensystem oder Deine Herzinnenhaut befallen sein, so verschreibt Dir Dein Arzt noch weitere Medikamente über einen deutlich längeren Zeitraum. Meistens handelt es sich dabei um die Antibiotika Amoxicillin und Chloramphenicol (Antibiotika, die Ärzte zur Bekämpfung bakterieller Infektionen heranziehen, welche durch verschiedene Erreger verursacht wurden).
 
Selten befallen die Erreger der Brucellose Deine Knochen oder Deine Herzklappen. Dadurch kann gegebenenfalls eine Operation notwendig sein. Kinder unter neun Jahren und Schwangere erhalten zur Behandlung von Brucellose Cotrimoxazol, ein Kombinationspräparat aus zwei Antibiotika aus der Gruppe der Folsäureantagonisten. Dieses hilft, in Kombination mit Rifampicin über einen Zeitraum von sechs Wochen, besonders gut bei Infektionen der Harnwege, des Magen-Darm-Trakts oder der oberen und unteren Atemwege.
 
Bist Du an Brucellose erkrankt, solltest Du Dich außerdem schonen und das Bett hüten, solange Fieberepisoden auftreten. Oft erfordert die Brucellose zusätzlich zur Medikation eine Operation. Selbst wenn Du eine Antibiotikatherapie bekommst, sind etwa 5 bis 15 Prozent der Patienten rückfällig. Deswegen sollten alle klinischen und wiederholt serologischen Titer für den Zeitraum von einem Jahr beobachtet werden.
 

Welche Rolle spielt die sogenannte Herxheimer-Reaktion bei der Behandlung und wie äußert sie sich?

Eine Antibiotikatherapie führt zum Zerfall des Erregers. In ziemlich kurzer Zeit werden viele Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet. Dein Körper reagiert darauf mit Fieber, Schüttelfrost oder Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen und Depressionen können auftreten. Diese Reaktion Deines Körpers nennen Mediziner auch „Herxheimer-Reaktion“, „Jarisch-Herxheimer-Reaktion“ oder einfach nur Herx. Sie kann bei jedem Patienten unterschiedlich stark auftreten, ist aber ein normaler Bestandteil der Therapie.
 

Wie ist die Prognose bei einer Brucellose?

Sowohl die Prognose als auch der gesamte Krankheitsverlauf unterscheiden sich von Patient zu Patient. Ausschlaggebend sind Art des Erregers, Ausprägung der Erkrankung und das Stadium, in dem Dein Arzt eine Brucellose bei Dir diagnostiziert. Beginnt eine Therapie zu spät, so kann undulierendes Fieber chronisch werden und über 20 Jahre bestehen bleiben.
 
Lässt Du Dich nicht von einem Arzt behandeln, ist die Rückfallhäufigkeit (Rezidivrate) sehr hoch. Das bedeutet, dass Du nach Jahren plötzlich erneut Fieberschübe bekommst. Höchstens zwei Prozent aller Betroffenen sterben an Brucellose. Zu Todesfällen kommt es vor allem bei Patienten mit Mittelmeerfieber, bei denen die Erkrankung lange Zeit unbemerkt und somit auch unbehandelt bleibt. Bei diesen Patienten kann sich eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) entwickeln. Kann Dein Arzt die Brucellose frühzeitig erkennen und konsequent behandeln, fällt die Prognose für Dich gut aus und ein vollständiger Heilungsprozess tritt ein.
 

Wie kann ich einer Brucellose vorbeugen?

Österreich bemüht sich um die Einhaltung der Maßnahmen für Erkennung, Isolierung und Ausmerzung der infizierten Tiere sowie um eine regelmäßige Kontrolle des Tierverkehrs, um die Erregerverbreitung zu verhindern. Eine Impfung gegen Brucellose beim Menschen gibt es noch nicht. Daher steht die Bekämpfung des Erregers bei den Tieren an oberster Stelle. In Deutschland sind alle Tiere nach der Brucellose-Verordnung brucellosefrei. Für viele andere Länder gilt dies allerdings nicht. Daher meide am besten jene Länder, in denen der Erreger noch weit verbreitet ist.
 
Verzichte gänzlich auf den Verzehr von rohem Fleisch. Trink nur abgekochte Milch und iss nur Milchprodukte aus pasteurisierter Milch. Die Pasteurisierung ist ein Vorgang, bei dem die Rohmilch stark erhitzt wird und schädliche Bakterien abgetötet werden. Meide zudem den Kontakt zu Tieren in Gebieten, in denen die Brucellose nach wie vor häufig verbreitet ist.
 
Solltest Du mit Tieren oder Tiergewebe arbeiten, kannst Du Dich auch mit Brucellose infizieren. Trage deshalb eine Schutzbrille sowie Gummihandschuhe. Außerdem solltest Du Deine Hände regelmäßig desinfizieren und Deine Kleidung wechseln. Tierärzte sollten nach jedem Eingriff beim Tier Handschuhe tragen und eine Creme verwenden, die die Haut schützt. Desinfiziere außerdem die Tierställe mit geprüften Desinfektionsmitteln.
 
Solltest Du schwanger sein und an Brucellose erkrankt sein, darfst Du Dein Kind vorerst nicht stillen. Nimm die Milch zuvor mit einer Milchpumpe ab und gib sie Deinem Kind in abgekochter Form. Achte auch auf Reisen darauf, nur pasteurisierte oder abgekochte Milch zu trinken und verzichte auf Rohmilchprodukte.

Um einer Brucellose vorzubeugen solltest Du auf nicht pasteurisierte Milchprodukte verzichten.

Ist eine Brucellose meldepflichtig?

Solltest Du den Verdacht haben, an Brucellose erkrankt zu sein, musst Du dies schleunigst bei Deinem Arzt melden. Einen Todesfall durch Brucellose muss der Arzt ebenfalls beim Gesundheitsamt melden. Auch ein erkranktes Tier ist meldepflichtig.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Brucellose?

Ja, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Diagnose und Behandlung einer Brucellose.

 


Dauer Dauer

6-12 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Brucellose gehört zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen, die Tiere auf Menschen übertragen können.


Über die Schleimhäute oder kleine Verletzungen gelangt der Erreger in Deine Haut und somit in Deinen Körper.


Das Vorliegen einer Brucellose kann nur Dein Arzt an einem Nachweis von Abwehrstoffen gegen die Erreger (Antikörper) in deinem Blut erkennen.


Um einer Brucellose vorzubeugen, verzichte vollständig auf rohes Fleisch, trink nur abgekochte Milch und iss nur Milchprodukte aus pasteurisierter Milch.

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