Social Media & der Einfluss auf die Plastische Chirurgie

Dass Instagram nach zahlreicher Kritik den Schönheits-OP Filter für Stories verboten hat, haben wir uns zum Anlass genommen und genauer recherchiert. Immer häufiger lesen wir Artikel über den Einfluss von sozialen Medien auf ästhetische Behandlungen. Doch wirken soziale Medien wirklich beeinflussend auf die ästhetische Medizin? Wir haben für Sie recherchiert und einige Studien zusammengefasst.


Zuletzt aktualisiert: 13. Februar, 2020

Die Zahl der plastisch chirurgischen Eingriffe steigt weltweit, das ist ganz klar. Allein in Deutschland stieg in nur einem Jahr (von 2017 auf 2018) die Zahl der verzeichneten Eingriffe um rund 9% an, heißt es in der Presseaussendung der VDÄPC (Verein Deutscher Plastischer Chirurgen). Die beliebtesten Eingriffe sind dabei nach wie vor die Brustvergrößerung, Fettabsaugung und Oberlidstraffung, sowie nicht-chirurgische Eingriffe wie Faltenunterspritzung und Botoxbehandlungen. Aber woher kommt der Anstieg? Wieso legen sich immer mehr Menschen freiwillig unter das Messer?

Eine groß angelegte Studie hat dies unter anderem untersucht und konnte die wichtigsten Motivationen, sich einer plastisch chirurgischen Behandlung zu unterziehen, feststellen:

  • Verlangen nicht alt auszusehen
  • Selbstbewusstsein verbessern
  • Sich besser im eigenen Körper fühlen
  • Erfolg in verschiedenen Formen erzielen

Spannend sind auch die Ergebnisse darüber, wer und was auf die Patienten beeinflussend wirken kann:

  • Familie und Freunde
  • Personen im Freundeskreis, die bereits eine Behandlung hatten
  • Prominente
  • Medien, Soziale Medien
  • Schwangerschaft
  • Finanzielle Tragbarkeit

Besonders die immer bessere finanzielle Leistbarkeit (auch durch Finanzierungsmöglichkeiten) und der persönliche Freundeskreis scheinen großen Einfluss darauf zu haben, ob sich Patienten für eine ästhetische Behandlung entscheiden. Aber auch der Einfluss der Medien ist nicht zu unterschätzen. So konnten zahlreiche Studien bereits zeigen, dass Frauenmagazine, in denen “perfekte Figuren” gezeigt werden, Einfluss auf das Selbstbewusstsein der Leserinnen haben. Auch Fernsehshows, in denen gezeigt wird, was durch ästhetische Behandlungen alles möglich ist, stehen im Verdacht eine beeinflussende Wirkung zu zeigen.

Mehr Eingriffe durch Instagram?

Da liegt es nahe, dass dieser Einfluss auch von neuen Medien – nämlich den sozialen Medien wie Instagram, Facebook und Co. – kommen kann. Hier werden immer mehr Fotos gepostet, die nicht nur ein viel größeres, sondern auch jüngeres Publikum erreichen können. Selfies und perfekte Bikinifotos halten den Usern immer wieder vor Augen, was möglich ist und suggerieren ein “perfektes Leben”. Folge ist, dass die User immer mehr bewusst und auch unterbewusst darüber nachdenken, wie sie aussehen und das Aussehen nachahmen wollen.

Der Schönheits-OP Trend führte sogar so weit, dass zum Ende 2019 auf Instagram einige Schönheits-OP Filter kursierten, die die Gesichtsform so änderten, als hätte man eine Botox- oder Fillerbehandlung gehabt. Auch die Gesichtsformen konnten durch bearbeitete Nasen, Kinnlinien und Wangenknochen angepasst oder das Hautbild verändert werden. Dies führte zu starker Kritik in sämtlichen Medien, da die Filter vor allem auch von einer sehr jungen Zielgruppe verwendet werden konnten. Instagram reagierte schnell darauf und verbot schließlich sämtliche Schönheits-OP Filter.

Tatsächlich hören wir vermehrt von Ärzten, dass Patienten mit einem Foto zur Behandlung kommen und sich wünschen genauso wie auf dem – meist bearbeiteten – Bild auszusehen. In einem Interview erklärt uns Holger Fuchs: “Selbstverständlich liegt es da auch in unserer Verantwortung, solchen Patienten zu erklären, dass ein Skalpell kein Photoshop-Werkzeug ist und wir behalten es uns vor, übertriebene Veränderungswünsche abzulehnen.”

Studienergebnisse

Studien, die den direkten Zusammenhang zwischen der Nutzung von sozialen Medien und deren Einfluss auf die Entscheidung, sich einer plastisch chirurgischen Behandlung zu unterziehen, untersucht haben, gibt es bisher kaum. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass es schwer ist aus der großen Anzahl an möglichen Einflüssen zu filtern und direkte Rückschlüsse auf Soziale Medien zu definieren. Der Verdacht des Einflusses liegt aber dennoch nahe, da Studien sehr wohl den Zusammenhang zwischen der Nutzung von Sozialen Medien und den Einfluss auf das Selbstbewusstsein und Körperempfinden zeigen konnten.

So konnte eine Studie zeigen, dass die starke Nutzung von Sozialen Medien zu höheren Investitionen in das eigene Aussehen führt. Dies kann somit auch die Absicht, zum plastischen Chirurgen zu gehen, beeinflussen. Eine weitere Studie im JAMA Facial Plastic Surgery Journal fand heraus, dass die Nutzung von speziellen sozialen Medien und Fotobearbeitungs-Apps zu einer höheren Akzeptanz von plastischer Chirurgie führt. Zudem führe ein stärkerer Konsum von sozialen Medien zu mehr Unzufriedenheiten mit sich selbst, was Depressionen, geringeres Selbstbewusstsein und körperliches Unwohlsein bewirken kann.

Eine etwas kleinere Studie untersuchte 2019 knapp 120 Social Media Userinnen. Ziel war es herauszufinden, ob sich Fotos von ästhetischen Eingriffen auf die Absicht der User, sich ebenfalls einer ästhetischen Behandlung zu unterziehen, auswirken. Die Ergebnisse zeigten, dass Fotos von Frauen, die bereits eine Behandlung hatten, eine beeinflussende Wirkung auf den Wunsch der User hatten, sich ebenfalls zu behandeln.

Fazit

Dass Soziale Medien eine gewisse beeinflussende Wirkung auf das Körperempfinden der User haben, ist mittlerweile unbestreitbar. Es wird also immer stärker denn je die Aufgabe der Ärzte sein, Aufklärung zu leisten und die Patienten auf realistische Ergebnisse vorzubereiten. Eine Überdramatisierung der Wirkung von Sozialen Medien auf die Zunahme der chirurgischen Eingriffe ist aus unserer Sicht aber vorerst nicht notwendig, zumal nicht nur Soziale Medien, sondern eine Vielzahl an Faktoren beeinflussend auf Patienten wirken können. Strengere Richtlinien auf Sozialen Medien, die vor allem Minderjährige User schützen sollen, sind hier bestimmt ein wichtiger Ansatz.


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