Facelift mit Stammzellen – Was kann der neue Beauty-Trend?

Am liebsten für immer jung und schön: Das ist ein Wunsch vieler Menschen, doch leider macht einem dabei die Zeit einen Strich durch die Rechnung, denn die Hautalterung lässt sich nicht vollkommen aufhalten. Allerdings ist es dank der modernen Medizin heutzutage sehr wohl möglich, die Alterung etwas hinauszuzögern. Dazu wurden bereits Dutzende unterschiedliche Verfahren entwickelt. Während die einen Behandlungsmethoden auf Skalpell und chirurgische Techniken setzen, wie beispielsweise das klassische Facelift, gibt es wiederum andere Therapien, wie die Radiofrequenztherapie, die ähnliche Wirkungen versprechen, oft jedoch stark in der Kritik stehen. Ein neuer Trend ist das Facelift mithilfe von Stammzellen aus dem eigenen Körper. Was dieser neue Trend tatsächlich kann und weshalb er durchaus kritisch zu betrachten ist, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.


Zuletzt aktualisiert: 14. August, 2020

Was ist das Besondere an Stammzellen?

Stammzellen nehmen im menschlichen Körper eine besondere Rolle ein, denn sie sind unter anderem für die Neubildung von Zellen und Gewebe zuständig. Damit helfen sie bei den im Körper notwendigen Reparaturen. Insgesamt lassen sich den Stammzellen drei besondere Eigenschaften zuordnen:
 
Universell
Stammzellen sind universell. Bei ihrer Entstehung sind ihr nicht sofort bestimmte Eigenschaften und Funktionen zugeordnet, diese entwickeln sich je nach Bedarf der Zellen.
 
Stammzellen nehmen in unserem Körper eine sehr wichtige Funktion ein
 
Spezialisierung
Die neu gebildete Zelle kann sich spezialisieren, das bedeutet, dass sie sich beispielsweise in eine Blut-, Nerven- oder Knochenzelle verwandeln kann, je nachdem, wo sie gerade benötigt wird. Dort ersetzt sie eine verletzte oder kranke Zelle und sorgt so für eine schnelle Reparatur im Körper.
 
Reproduktion
Stammzellen können reproduziert und erneuert werden. Das ist auch notwendig, denn im Laufe unseres Lebens sind wir recht häufig darauf angewiesen, dass neue Zellen den Platz einer erkrankten oder verletzten Zelle einnehmen.
 
Genau diese Eigenschaften machen Stammzellen für die Medizin so interessant, weswegen eine Stammzellentherapie unter anderem auch bei der Behandlung von Krebs, bei einer Hauttransplantation, zur Hornhautregeneration oder auch bei Stoffwechselerkrankungen zum Einsatz kommen kann.

Stammzellentherapie als natürliches Facelifting – was ist dran?

Längst hat auch die Ästhetische Medizin den Nutzen der Stammzellen erkannt und setzt diese seit Jahren in den verschiedensten Techniken ein. Der neueste Trend soll ein Facelift sein, welches vollkommen mit Stammzellen durchgeführt wird, kein Skalpell benötigt und trotzdem mit den Ergebnissen des klassischen Facelifts mithalten soll. Beworben wird das Stammzellen-Facelifting damit, dass es viel sanfter ist als das operative Facelift, zudem ist keine Vollnarkose notwendig und die Patienten können nach der Therapie die Klinik sofort wieder verlassen, ohne große Ausfallzeiten befürchten zu müssen. Kein Skalpell bedeutet zudem, keine Narben? Eine starke Marketingstrategie, wie es scheint?
 
Bei dieser Prozedur wird der Patient zunächst in einen Dämmerschlaf versetzt, denn vor dem eigentlichen Facelift erfolgt die Gewinnung der Stammzellen mittels Fettabsaugung. Das Praktische: Hier lassen sich unerwünschte Fettdepots absaugen, welche vom Patienten als Problemzone angesehen werden und auch durch Sport und eine ausgewogene Ernährung manchmal einfach nicht verschwinden wollen.
 
Nach der Absaugung ist es wichtig, einen Teil des entnommenen Fetts speziell aufzubereiten. Aus diesem werden die Stammzellen entnommen und anschließend zum unbehandelten Teil des Fettgewebes zurückzugegeben. Somit steigt die Konzentration der Stammzellen um ein Vielfaches an. Mithilfe einer feinen Kanüle erfolgt nun im letzten Schritt die Unterspritzung der gewünschten Stellen im Gesicht.
 
Das injizierte Fett reichert sich nun im Gewebe an, allerdings braucht der Patient etwas Geduld, denn zunächst muss eine Stabilisierung der Zellen in ihrer neuen Umgebung stattfinden und auch die Versorgung mit Blut muss sich einstellen. Erst dann können die Stammzellen ihre Arbeit aufnehmen und ihre Wirkung entfalten, indem sie nach und nach Volumen aufbauen und sich dadurch feine Falten glätten und Unebenheiten ausgeglichen werden, so beschreiben es verschiedenste aktuelle Social Media Kampagnen.
 
Das Stammzellen-Facelift soll die gleichen Ergbnisse liefern, wei ein klassisches Facelift
 
Weiterhin sollen die Stammzellen eine straffende Wirkung haben, eben wie ein Facelift, nur ohne einen chirurgischen Eingriff. So zumindest die Theorie. Recherchiert man jedoch etwas mehr über die neue und sanftere Form des Facelifts, findet man auch einige kritische Stimmen dazu.

Die Kritik.

Unter den Kritiken zum Thema „Stammzellen-Facelift“ lässt sich immer wieder der Vorwurf herauslesen, dass es sich bei dieser Behandlung um absolut kein neues Verfahren handelt, sondern um ein einfaches „Lipofilling“, welches bereits seit vielen Jahren erfolgreich in der ästhetischen Medizin Anwendung findet, um Patienten verloren gegangenes Volumen im Gesicht zurückzugeben. Kurz gesagt: Das Volumen kommt nicht durch die Stammzellen, sondern durch das injizierte Fett zustande.
 
Da bei einem Facelift die Gesichtshaut nach hinten und/oder oben angezogen wird, ist es praktisch unmöglich, mit der Stammzellentherapie die gleichen Ergebnisse zu erreichen. Die Umverteilung des Fetts führt zu einer Aufpolsterung der Haut, wodurch diese praller und im ersten Moment auch straffer erscheint, trotzdem handelt es sich hierbei um einen vollkommen anderen Ansatz, als beim klassischen Facelift.
 
Einen weiteren Kritikpunkt nennt Dr. Peter Rubin, Leiter des “Adipose Stem Cell Centers” an der Universität Pittsburgh. Er sagt, dass zu diesem Thema zwar bereits ein paar Studien durchgeführt wurden, allerdings nicht unter kontrollierbaren Bedingungen, wodurch die Ergebnisse nicht als wissenschaftlich fundiert angesehen werden können.
 
Immer wieder werden auch Stimmen von Ärzten oder Forschern laut, welche sich ärgern, dass den Patienten ein schnelles und sanftes Facelift mithilfe von Stammzellen versprochen wird. Die Stammzellentherapie ist gerade in der Krebsbehandlung oftmals eine vielversprechende Behandlungsmethode und auch bei vielen weiteren Erkrankungen kommt sie häufig zum Einsatz.
 
Einige Forscher und Ärzte sorgen sich um den Ruf der Behandlungsmethode, da nicht nur in der ästhetischen Medizin, sondern auch in der Kosmetikindustrie vermehrt mit dem Begriff „Stammzellen“ geworben wird. Viele dieser Versprechen sind allerdings simple Marketingstrategien welche sich nicht, oder nur zum Teil erfüllen lassen. Das Problem: Behandlungen, welche auf keinen soliden wissenschaftlichen Grundlagen basieren, erwecken bei den Patienten unerreichbare Hoffnungen und können das ganze Fachgebiet der Stammzellenforschung in Verruf bringen.

Risiken.

Risiken lassen sich bei keinem Eingriff zu 100% ausschließen, ganz gleich, ob dabei ein Skalpell oder nur eine Nadel zum Einsatz kommt. In diesem Fall sind es blaue Flecken, Rötungen und Schwellungen, welche nach der Behandlung auftreten können. Da bei der Stammzellentherapie nur körpereigene Stoffe zum Einsatz kommen, ist eine allergische Reaktion ausgeschlossen. Natürlich birgt auch die Fettabsaugung ihre eigenen Risiken, wie Infektionen, Schwellungen, Narbenbildung oder eine erschlaffte Haut. Trotzdem lässt sich sagen, dass sowohl die Unterspritzung, als auch die Liposuktion zu den eher sicheren Eingriffen im Bereich der Schönheitsbehandlungen gehören.
 
Das Stammzellen-Facelift birgt nicht nur Risiken, sondern steht auch in der Kritik

Fazit.

Ein Facelift, bei welchem kein Skalpell benötigt wird und man nebenher noch störende Fettpölsterchen loswird, klingt einfach zu gut um wahr zu sein und leider scheint dem auch so. Studien, welche einen richtigen Lifting-Effekt nachweisen können, welcher mit dem Ergebnis eines klassischen Facelifts mithalten kann, stehen noch aus. Zur Glättung von Falten, bei Hautunebenheiten und zum Volumenaufbau ist die Behandlung sicherlich geeignet und die Patienten könne sich auf ein frisches und jugendliches Aussehen freuen, allerdings sollten sie nicht auf eine Straffung des Gesichtes hoffen. Sinnvoll ist diese Behandlungsmethode also eher für Patienten, mit einer dünnen und etwas fahleren Haut, die sich etwas mehr Fülle wünschen. Ob dann nicht ein einfaches Lipofilling ratsamer ist, statt dem extra mit Stammzellen angereicherten Fettgewebe, ist eine weitere Frage, welche es sich zu stellen gilt.