Microdosing mit Botulinumtoxin

Ein aufkommender Trend in der ästhetischen Medizin und Dermatologie, den wir aktuell besonders in Amerika und Südkorea beobachten können, ist das sogenannte Microdosing. Oft werden dafür auch Begriffe wie Micro-Botox oder Baby-Botox verwendet. Dabei handelt es sich primär um Gesichtsbehandlungen, wobei kleine Mengen an hoch verdünntem Botulinumtoxin unter die Hautoberfläche injiziert werden und strahlende Haut, kleinere Poren sowie eine geringere Ölproduktion der Haut versprechen. Was tatsächlich hinter der neuen Behandlungstechnik steckt, haben wir für Sie unter die Lupe genommen.


Zuletzt aktualisiert: 17. März, 2020

Microdosing, Micro-Botox, Baby-Botox… Was ist das?

Ein einheitlicher Name für die Behandlung konnte sich noch nicht durchsetzen. Meistens ist von Microdosing, Micro-Botox, Skin-Botox oder auch Baby-Botox zu lesen. Genau wie der uneinheitliche Name, sind auch die einzelnen Durchführungstechniken je nach Behandelndem unterschiedlich. Ihnen gemeinsam ist jedenfalls, dass zahlreiche geringe Dosen an stark verdünntem Botulinumtoxin zur Anwendung kommen und in der Regel nicht etwa in den Muskel injiziert werden, sondern unter der Hautoberfläche. Das Botulinumtoxin soll die Ölproduktion der Haut kontrollieren, die Poren verkleinern und somit für ein feineres Hautbild sorgen, ohne dabei den Gesichtsausdruck zu beeinflussen. Je nach Wunsch des Patienten oder individueller Behandlungstechnik kann die Microdosing Behandlung auch mit kleinen Mengen Hyaluronsäure oder Vitaminkomplexen kombiniert werden. Das zusätzliche Kollegen kann so für prallere Haut und den extra frischen Look sorgen.
 
Micro-Botox kann aber auch bedeuten, dass der Muskel – so wie bei der klassischen Botox® Behandlung auch – erreicht wird. Allerdings werden auch hier wieder nur sehr geringe Dosen angewendet, sodass der Muskel nur sanft gedämpft wird. Der Gesichtsausdruck soll so natürlich wie möglich erhalten bleiben und den oft gefürchteten “eingefrorenen” Gesichtsausdruck verhindern.

Wirkung von Micro-Botox

Im Unterschied zur klassischen Behandlung mit Botulinumtoxin, bei der die Substanz direkt in den Muskel injiziert wird und Falten glätten soll, wird bei der Micro-Botox Behandlung das Botulinumtoxin direkt an der Hautoberfläche eingesetzt. Die Micro-Botox Behandlung erfordert weitaus mehr Einstiche, meistens sind es mindestens 20 Einstiche, es können aber je nach Hautbild und Wunsch des Patienten auch weitaus mehr sein. In der Regel werden dabei sehr feine Nadeln verwendet. Prinzipiell wird bei der Micro-Botox Behandlung davon ausgegangen, dass die Muskeln rund um die Poren geschwächt werden und die Haut weicher und geschmeidiger aussehen lässt. Die Poren verkleinern sich und auch die Ölproduktion, sowie Produktion von Sebum, wird reguliert. In Folge ist eine Verbesserung des Hautbildes zu erwarten, ohne dabei die Muskelbewegungen stark zu beeinflussen. Auch Akne soll damit vorgebeugt werden können. Inwiefern die erwünschten Wirkungen tatsächlich eintreten, lassen erste Studienergebnisse abschätzen.
 
So stellte eine Studie der Clinical and Aesthetic Medicine (2017) fest, dass die intradermale Injektionen von Botulinumtoxin A zu einer statistisch signifikanter Verbesserung der Hautbeschaffenheit führte. Gleichzeitig wurde ein sanftes Midface-Lift erzeugt. Allerdings konnte keine signifikante Reduktion der Porengröße oder der Sebumproduktion nachgewiesen werden. Im Zuge dieser Studie wurden allerdings nur eine geringe Stichprobengröße, nämlich 10 Frauen im Alter zwischen 44 und 60 Jahren, über einen Zeitraum von 16 Wochen untersucht.
 
Etwas später veröffentlichte das Journal of Cosmetic Dermatology (2019) eine Studie, die sich mit der Effektivität und den möglichen Mechanismen von Behandlungen mit Botulinumtoxin A auf ölige Haut beschäftigte. Dazu fand eine retrospektive Überprüfung statt. Die Ergebnisse zeigten, dass die intradermale Injektion von Botulinumtoxin A die Sebumproduktion und Porengröße sehr wohl reduzieren kann. Außerdem führte die Behandlung zu einer hohen Patientenzufriedenheit, auch signifikante Nebeneffekte konnten nicht festgestellt werden. Die Behandlung mit Botulinumtoxin A führte demnach tatsächlich zu einer geringeren Sebumproduktion und Exkretion, was wahrscheinlich mit der Blockade von cholinergischen Signalen und ihren neuromodulatorischen Effekten zusammenhängt.

Risiken

Wie bei jeder Behandlung, ist es beim Microdosing besonders wichtig die Patienten ausreichend aufzuklären und auf die individuellen Wünsche einzugehen. Die Behandlung kann jedenfalls für den Wunsch nach einem natürlichen, aber dennoch frischeren Look gut geeignet sein. Ungeeignet ist sie hingegen für Patienten, die bereits ein trockenes Hautbild aufweisen, da durch das Botulinumtoxin die Öl- und Schweißproduktion zusätzlich reduziert werden kann.
 
Ähnlich wie bei der klassischen Botox® Behandlung sind nach dem Microdosing leichte Schwellungen, Rötungen und kleine blaue Flecken möglich. Zudem kann Microdosing für den Patienten etwas schmerzvoller als gewohnt sein, da eine größere Anzahl an Einstichen nötig ist. Die Anwendung einer Betäubungscreme ist also zu empfehlen. Nachteil für die Patienten kann sein, dass der Effekt weniger lange anhält als bei einer klassischen Botox® Behandlung und Patienten daher öfters zu einer Auffrischung kommen müssen.

Fazit

Microdosing ist bei uns in Europa noch nicht wirklich angekommen. Die erwarteten Ergebnisse – ein feineres Hautbild, Glättung von feinen Fältchen, kleinere Poren, geringere Ölproduktion der Haut und ein frischerer Look – scheinen jedenfalls tatsächlich einzutreten. Somit ist zu erwarten, dass der Trend langsam auch nach Europa überschwappen wird, zumal auch hier in der ästhetischen Medizin bereits ein deutlicher Trend zu mehr Natürlichkeit zu spüren ist. Sanfte Behandlungen mit unauffälligen und kleinen Verbesserungen werden immer häufiger nachgefragt. Welche Behandlungstechnik oder welcher anerkannte Name sich etablieren werden, bleibt bis dahin noch offen. Fest steht, dass bei der Microdosing Behandlung sehr viel Präzision und Feingefühl gefragt sind. Eine langjähriger Erfahrungen im Umgang mit Botulinumtoxin sowie exzellentes anatomisches Wissen sind daher zwingend notwendig, um schöne und sichere Ergebnisse ganz nach den Wünschen der Patienten erzielen zu können.


×