Tennisarm

Der Tennisarm ist eine schmerzliche Entzündung der Sehnen am Ellenbogen, die nicht nur bei Tennisspielern auftritt, sondern vor allem bei Personen, die immer wieder eine monotone Handbewegung ausführen und dadurch die Armmuskulatur überlasten. Die gute Nachricht ist, dass bei rascher und richtiger Behandlung ein Tennisarm vollständig geheilt werden kann. Sollte der Ellenbogen weiterhin überlastet werden, kann die Entzündung allerdings zurückkehren und in besonders hartnäckigen Fällen auch chronisch werden.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 13. November, 2019



Was versteht die Medizin unter einem Tennisellenbogen?

Der Tennisarm oder Tennisellenbogen wird medizinisch als Epicondylitis humeri radialis bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen schmerzhaften Reizzustand der Sehnen im Ellenbogen. Die Sehnenansätze spannen sicher über den Knochenvorsprung, um eine Bewegung der Hand- und Fingergelenke zu ermöglichen. Wenn diese Sehnen durch eine Überbelastung kleine Risse bekommen, kommt es zu einer Entzündung des Gewebes, welches selbst bei kleinen Bewegungen, wie dem Heben einer Tasse, zu Schmerzen führt. Meist vergehen diese Schmerzen nach Abheilen der Entzündung, allerdings kann die Überbelastung auch zu einer chronischen Erkrankung/ Entzündung führen.

Tennisarm

Wie sehen die Symptome der Epicondylitis aus?

Die Symptome eines Tennisarms ändern sich im Laufe der Erkrankung. Anfangs ist es ein stechender Schmerz entlang des äußeren Ellenbogens, der bei Belastungen wie dem Anheben von schwerem Werkzeug, dem Strecken des Armes oder der längeren Arbeit am Computer auftritt. Erkennen kannst Du den Tennisarm teilweise auch an kraftlosen Händen oder einem Schwächegefühl im Handgelenk, welches das Zugreifen erschwert. Im fortgeschrittenen Stadium können diese Schmerzen auch im Ruhezustand auftreten und ziehen in den Ober- oder Unterarm. In den meisten Fällen kannst Du die verspannten Muskeln entlang des Arms ertasten und die entzündete Stelle anhand von Schwellungen oder Rötungen erkennen.

Welche Ursache hat die Erkrankung?

Trotz des Namens ist die Sportart selbst nicht die hauptsächliche Verursachung der Erkrankung. Stattdessen entsteht die Entzündung durch Überlastungen oder falsche Ausübung von alltäglichen Dingen wie dem Schneeschaufeln oder der Benutzung von Computer-Maus und Tastatur. Vor allem löst also die häufige Wiederholung von gleichförmigen Bewerbungen eine Reizung aus, die zu einer erhöhten Anspannung der Streckmuskulatur des Unterarms führt. Durch das dauernde Anspannen des Muskels ist der Sehnenansatz unter ständigem Zug, wodurch kleine Risse oder Mikrotraumen entstehen. Wenn sich diese entzünden, spricht man von einem Tennisarm.

Wie diagnostiziert ein Arzt die Epicondylitis?

Geübte Ärzte können eine Diagnose meist durch eine Erhebung der Krankengeschichte des Patienten und der klinischen Untersuchung erstellen. Manchmal wird im Zuge der klinischen Untersuchung auch eine Röntgenaufnahme erstellt. Damit kann der Tennisarm erkannt und andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Andere Krankheiten, die dem Tennisarm ähneln und welche ein Arzt ausschließen sollte, sind beispielsweise die Sehnenscheidenentzündung und das Karpaltunnelsyndrom. Das kann ein Arzt durch eine Reihe von Tests machen. Beispielsweise streckt man den Mittelfinger oder das Handgelenk gegen Widerstand und achtet auf das Auftreten von Druckschmerzen an den Sehnenansätzen. Sollte dies Schmerzen auslösen, spricht dies meistens für das Vorliegen eines Tennisarms.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Tennisspieler sind, trotz des Namens, nicht notwendigerweise die Einzigen, die von einem Tennisarm betroffen sein können. Meistens sind es Männer und Frauen (fast gleichermaßen), die bestimmte Muskelgruppen stark beanspruchen. So gibt es etwa Berufsgruppen wie zum Beispiel Musiker, Handwerker oder PC-Arbeiter, die täglich dieselbe Bewegung kontinuierlich den ganzen Tag ausführen. Sportler, die außer Tennisspielern auch davon betroffen sind, sind vor allem Diskuswerfer und Squash-Spieler aber auch weniger aktive Menschen, wie Geiger und Gärtner können einen Tennisarm bekommen. Die Beschwerden treten häufiger bei Menschen zwischen dem vierzigsten und sechzigsten Lebensjahr auf, da die Muskulatur ab diesem Alter anfälliger für Überbelastung ist.

Tennisarm

Welche Folgen hat ein Tennisarm für die Patienten?

Wenn ein Tennisarm von Anfang an richtig behandelt wird, heilt er meistens schnell ab und kehrt auch nicht notwendigerweise zurück. Dabei ist es allerdings wichtig, die Bewegung zu vermeiden oder zu korrigieren, die zu einer Überlastung des Ellenbogens führt. Werden die Symptome ignoriert, führt die ständige Überreizung zu einer chronischen Erkrankung, die im schlimmsten Ausmaß auch zu einem Muskelabriss führen kann und nur mit einer Operation behandelbar ist.

Welche Verletzungsgrade gibt es bei einem Tennisarm?

Der Tennisarm hat zwei Verletzungsgrade. Anfangs handelt es sich um kleine Risse, die nur bei der aktiven Bewegung des Arms zu Schmerzen führen. Diese Schmerzen können leicht behandelt werden und der Tennisarm klingt nach einigen Tag, je nach Ausprägung auch Wochen, wieder ab. Wird der Arm jedoch weiter belastet, kann es zu einer chronischen Entzündung führen, die über Monate anhält und eventuell auch operiert werden muss.

Welche nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Konservative, nicht-operative Behandlung zielen auf zwei Ansätze ab. Zum einen soll der Muskel entspannt, zum anderen die Entzündung gehemmt werden. Es eignen sich einige verschiedene Maßnahmen. Beim anfänglichen Auftreten von Schmerzen, solltest Du den Arm schonen und die repetitive Bewegung vermeiden. Eine komplette Ruhestellung durch einen Gips oder eine Schiene ist dabei nur in sehr seltenen Fällen notwendig. Zusätzlich kann die Stelle mit einem Eisbeutel abgekühlt werden, um die Schmerzen zu lindern. Um den angespannten Muskel zu lösen, kannst Du den Arm auch dehnen.

Am besten eignet sich das vorsichtige Durchstrecken des Arms, der Unterarm zeigt zur Körpermitte, während die Handfläche nach außen zeigt. Meist empfiehlt es sich zusätzlich einen Physiotherapeuten für die Behandlung aufzusuchen, um die richtige Ausführung der Dehnung zu lernen. Um die Entzündung zu hemmen, können von Ärzten Medikamente und Cremen verschrieben werden. Bei länger bestehenden, stark ausgeprägten oder gar chronischen Beschwerden wenden Ärzte zum Teil Injektionen von Botulinumtoxin (auch als Botox bekannt) an. Die Injektion führt zu einer vorübergehenden Schwächung der betroffenen Muskeln und verringert dadurch den Muskelzug am Sehnenansatz und unterstützt hiermit den Heilungsvorgang.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Eine Operation ist bei eingerissenen Sehnen am Ellenbogen nur sehr selten erforderlich. Sollte die konservative Therapie nach zwölf Monaten noch keine Wirkung zeigen oder häufige Rückfälle auftreten, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Eine operative Therapie kann in etwa 90% der Fälle vermieden werden.

Tennisarm

Wie verläuft die Operation eines Tennisarms?

Sollte eine Operation notwendig sein, was bei etwa 10% der Betroffenen der Fall sein kann, gibt es eine Reihe von sehr sicheren, standardisierten Operationsverfahren. Zum einen kann die betroffene Sehne der Breite nach, also quer, eingeschnitten werden. Es handelt sich dabei um eine Tendotomie nach Hohmann. Alternativ kann die Sehne auch der Länge nach eingeschnitten werden, was eine Tendotomie nach Goldie ist. Eine andere Methode wiederum verspricht die Genesung nach einer Verödung der Nerven im Betroffenen Ellenbogenbereich. Wenn die Sehne teilweise durchtrennt wird, vermindert dies den Muskelzug durch den angespannten Muskel und entlastet dadurch das Gewebe. Eine Verödung der Nerven verhindert stattdessen, dass es zu einer Schmerzweiterleitung durch diese Nerven kommt. Diese Verfahren können auch kombiniert werden.

Die Operation ist minimalinvasiv, was bedeutet, dass das Verfahren durch einen kleinen Schnitt in die Haut durchgeführt wird und somit weniger Narben entstehen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Weil die Operation selbst kaum invasiv ist, heilen die Einschnitte schnell ab. Nach der Operation wird ein Bewegungsverband um Deinen Ellenbogen gelegt, der den Arm nicht komplett in der Bewegung einschränkt, da dies zur Heilung nicht notwendig ist. Die Rehabilitation des Ellenbogens nach der Operation kann allerdings einige Monate in Anspruch nehmen. Während der Rehabilitation solltest Du spezielle Dehnungs- und Kräftigungsübungen ausführen, um die Sehnen und Muskeln zu stärken und damit die Heilung Deines Armes zu fördern. Mit Leistungssport solltest Du erst ungefähr drei Monate nach der Operation wieder beginnen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Generell gilt die Operation als risikoarm, Dein Arzt bespricht mit Dir vor der Operation dennoch die möglichen Komplikationen. Dazu gehören Blutungen im Ellenbogen, welche durch Druckverbände behandelbar sind, oberflächliche Infektionen, welche durch Antibiotika abheilen und Nervenverletzungen, welche besonders selten auftreten.

Kann ich einen Tennisarm vorbeugen?

Um einen Tennisarm vorzubeugen, gibt es einige Maßnahmen Du setzen kannst. So ist es hilfreich händestärkende Übungen auszuführen und vor allem bei repetitiven Aufgaben zwischendurch die Hände locker zu lassen und auszuschütteln. Zusätzlich kann die gesamte Armmuskulatur durch gezieltes Training gestärkt werden. Dabei, aber auch bei der Ausführung alltäglicher Aufgaben, sollte auf eine ordentliche Ausführung geachtet werden, um eine Über- oder Fehlbelastung zu vermeiden.

Tennisarm

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Dein Krankenversicherungsträger übernimmt alle Kosten für notwendige und zweckmäßige Behandlungen und Diagnosemaßnahmen. Normalerweise rechnen Ärzte diese Kosten direkt mit den Krankenversicherungsträgern ab. Wir raten Dir dies allerdings im Zweifelsfall mit deiner Versicherung zu klären, manche Versicherungsträger erheben einen Selbstbehalt. Wahlärzte und Privatambulatorien können in Anspruch genommen werden, wie viel der Krankenversicherungsträger davon übernimmt, ist auch im Vorfeld zu klären.

Quellen

ÄrzteZeitung (letzter Zugriff: 17.06.2019)

Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


Dauer Dauer

5-45 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Mehrere Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Der Tennisarm ist eine schmerzhafte Entzündung der Streckmuskulatur und Sehnen rund um den Ellenbogen, die Ursache dafür ist meist eine Überbeanspruchung durch repetitive Bewegungsabläufe


Die Entzündung von kleinen Rissen in den Sehnen ist vor allem während der Beanspruchung an der Außenseite des Ellenbogens schmerzhaft, kann bei einer chronischen Überbelastung aber auch im Ruhezustand Schmerzen bereiten


Wenn der Tennisarm früh behandelt wird, lässt er sich meist vollständig durch Cremen oder Medikamente heilen. Selten muss eine Operation zur Heilung angewendet werden


Eine Operation ist nur in etwa 10% aller Fälle notwendig und kann mit verschiedensten sicheren Operationsverfahren durchgeführt werden