Rhizarthrose

Eine Rhizarthrose gehört zu den rheumatischen Erkrankungen und ist die am häufigsten vorkommende Verschleißerkrankung der Gelenke im Bereich der Hand. Dabei handelt es sich um einen Verschleiß des Daumensattelgelenks, bei dem es bei Belastung und Bewegung zu Entzündungen, Schwellungen und Schmerzen kommen kann. Anfangs müssen keine Beschwerden auftreten, allerdings nehmen sie im Laufe von Monaten oder Jahren stetig zu. Vor allem Frauen zwischen 50 und 60 Jahren sind von einer Rhizarthrose betroffen.


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Zuletzt aktualisiert: 14. April, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Rhizarthrose?

Der Begriff Rhizarthrose bezeichnet einen Verschleiß des Daumensattelgelenks. Diese entsteht zwischen dem großen Vieleckbein und dem Mittelhandknochen des Daumens. Als Synonyme verwenden Mediziner die Begriffe Sattelgelenksarthrose, Arthrose des Carpometacarpalgelenks und Daumensattelgelenksarthrose.
 
Häufig sind beide Daumensattelgelenke von der Krankheit betroffen. Entstehen kann diese durch eine mechanische Fehl- oder Überbeanspruchung des Gelenks wie in etwa bei Sport oder im Beruf, da das Gelenk für die volle Beweglichkeit des Daumens verantwortlich ist und entsprechend oft gebraucht wird.
 
Aber auch entzündliche Erkrankungen wie chronische Gicht sowie Verletzungen des Daumensattelgelenks können zu den Beschwerden führen. Der Knorpel im Daumensattelgelenk wird aufgrund der Belastung beschädigt oder aufgebraucht, wodurch die Gelenkflächen aneinander reiben. Dabei kann es zu Verknöcherungen und Verhärtungen kommen.

Die Rhizarthrose bezeichnet einen Verschleiß des Daumensattelgelenks und ist für Betroffene sehr schmerzhaft.

Was sind die Symptome einer Rhizarthrose?

Die Rhizarthrose beginnt schleichend. So haben nicht alle Patienten von Anfang an Beschwerden. Es gibt auch Fälle, bei denen der Arzt eine Daumensattelgelenksarthrose durch Zufall im Zuge eines Röntgens bemerkt. Bei circa 15 Prozent aller Personen ab dem 30. Lebensjahr kann man eine Abnutzung und Anzeichen der Arthrose an der Daumenbasis feststellen. Viele dieser Patienten sind jedoch symptomlos.
 
Anfangs haben Betroffene Schmerzen bei drehenden oder haltenden Bewegungen, wie in etwa beim Auswringen eines Tuches, Öffnen eines Schraubverschlusses oder beim Umdrehen des Schlüssels im Türschloss.
 
Später jedoch weiten sich diese Schmerzen auf jegliche Bewegung und Belastung aus. Es tritt eine vermehrte Greifschwäche ein, was bedeutet, dass Patienten den Daumen-Finger-Griff kaum mehr anwenden können.
 
Oft versuchen Patienten, die Schmerzen damit zu kompensieren, dass sie ihre Bewegungsabläufe verändern. Dadurch kann es aber zu Muskelveränderungen und -schmerzen sowie Veränderungen der Gelenkkapsel und Fehlstellungen des Nachbargelenkes kommen, wie in etwa eine Überstreckung des Daumengrundgelenkes, die wiederum zu Bewegungseinschränkungen führen. Durch das Aneinanderreiben der Gelenkflächen kommt es zu vermehrten Entzündungen und Schwellungen im Bereich des Daumens.

Welche Ursachen hat eine Rhizarthrose?

Das Daumensattelgelenk ist sehr klein, muss aber viel leisten, da es die Greif- und Haltefunktion der Hand übernimmt.
 
Um eine große Beweglichkeit des Daumens zu ermöglichen, hat das Sattelgelenk nur eine schwache knöcherne Führung, auf der der erste Mittelhandknochen wie ein „Sattel“ auf dem großen Vieleckbein des Handgelenks sitzt. Muskeln und Bänder stabilisieren das Ganze. Sind sie jedoch zu schwach, lassen sie dem Daumensattelgelenk zu viel Spielraum zu. So kommt es zu Fehl- und Überbelastungen, die in weiterer Folge zu einem Knorpelschaden führen.
 
Diese Überbeanspruchung kann entweder beim Sport oder bei schwererer Arbeit passieren, wobei die Erkrankung oft innerhalb von Familien und bei Frauen nach der Menopause vorkommen. Deshalb ist davon auszugehen, dass auch genetische sowie hormonelle Ursachen eine Rolle spielen. Als weitere mögliche Gründe gelten Brüche oder Verletzungen des Gelenks.

Die Rhizarthrose betrifft vor allem Frauen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Rhizarthrose?

Die Krankheit verläuft in vier klinischen Stadien:
 

  • Erstes Stadium: Zunächst zeigt sich eine leichte Fehlstellung und eventuell Flüssigkeitseinlagerungen aufgrund einer Entzündung der Gelenkinnenhaut. Die Gelenkkontur ist noch normal.
  • Zweites Stadium: Der Gelenkspalt ist hier schon verschmälert und es kommt zu Knochenneubildungen, sogenannten Osteophyten.
  • Drittes Stadium: In diesem Stadium wachsen die Osteophyten. Hinzu kommen Zysten und eine Verhärtung oder Sklerose unterhalb des Gelenks. Der Gelenkspalt verschwindet und eine Fehlstellung des Gelenks wird eindeutig sichtbar.
  • Viertes Stadium: Das Daumensattelgelenk ist hier komplett zerstört und sklerotische Umbauvorgänge werden immer sichtbarer.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Rhizarthrose?

Offensichtliche Fehlstellungen des Daumensattelgelenks beziehungsweise des Daumens selbst und Schwellungen auf der Streckseite des Gelenks sind mit bloßem Auge und durch Abtasten sicht- und fühlbar und geben dem Arzt Hinweise auf eine mögliche Erkrankung. Mithilfe einer Blutuntersuchung kann der Arzt Deinen Harnsäurestoffwechsel untersuchen, um Stoffwechselerkrankungen wie die Gicht oder Rheuma ausschließen zu können.
 
Durch eine Drehung des Daumens im Grundgelenk, dem sogenannten Grind-Test, kann der Mediziner kontrollieren, ob Du Schmerzen beim Rotieren Deines Daumens hast. Ebenso kann er in einem fortgeschrittenen Stadium durch den sogenannten Drucktest nach Glickel Schmerzen bei Dir verursachen. Dabei hält der Arzt den Kopf Deines Mittelhandknochens in Streckstellung fest und drückt mit seinem Daumen auf dessen Basis.
 
Im Verdachtsfall wird der Arzt zusätzlich Röntgenaufnahmen machen und nachsehen, ob Verschleißerscheinungen wie eine Verschmälerung des Gelenkspalts oder Knochenanbauten, Zysten oder Fehlstellungen zu sehen sind.

Die Rhizarthrose ist ein schleichender Prozess, der mit dem Alter immer ausgeprägter wird.

Wie wird eine Rhizarthrose behandelt?

Ärzte behandeln eine Rhizarthrose im Wesentlichen mittels einer konservativen oder einer operativen Therapie.
 
Konservative Therapie:
Dabei kommen schmerzlindernde Maßnahmen wie physiotherapeutische Übungen, entzündungshemmende Injektionen wie in etwa mit Kortison oder Hyaluronsäure sowie mit Eigenfettgewebe, Stoßwellentherapie, eine Bandagenbehandlung oder bewegungsfördernde Handlungen, wie in etwa in einer Krankengymnastik, zum Einsatz. Auch ein Ruhigstellen des Gelenks kann zu einer Besserung der Beschwerden beitragen, doch sollte das Ziel der Erhalt und die Verbesserung der Beweglichkeit des Gelenks sein. Gleichzeitig dehnt der Therapeut die verkürzten Muskeln, Bänder und Sehnen in einer manuellen Therapie auf, fördert damit die Durchblutung und verhindert einen fortschreitenden Knorpelabbau.
 
Andere Methoden sind Wärmeanwendungen in Form von Schwefel-, Kies-, Paraffin- oder Rapssamenbädern im Rahmen von ergotherapeutischen Maßnahmen, eine Lasertherapie oder eine lasergestützte Hochdruckeistherapie zur Aktivierung des lokalen Stoffwechsels. Auch Strahlenbehandlungen wie eine Röntgenbestrahlung oder eine Injektion einer radioaktiven Substanz wirken entzündungshemmend und führen zu einer Schmerzlinderung, werden aber aufgrund der geringen Erfolgsrate und der hohen Strahlenbelastung eher nicht angewendet.
 
Operative Therapie:
Falls es durch die konservative Therapie zu keiner Besserung der Symptome kommt, können unterschiedliche chirurgische Verfahren zum Tragen kommen. Je nach Schweregrad und Verfassung des Patienten, ratet der Spezialist zur einen oder anderen Methode.
 
Durchschnittlich dauert eine Operation zwischen 45 und 60 Minuten. Der Chirurg führt diese entweder unter Vollnarkose oder unter örtlicher Betäubung durch. Im Durchschnitt verbringen Patienten etwa ein bis drei Tage in der Klinik und fallen bis zu zehn Wochen nach der Operation krankheitsbedingt aus. Im Frühstadium kann der Arzt eine minimalinvasive (arthroskopische) Operation des betroffenen Gelenks durchführen. Dabei entfernt er die entzündete Gelenkschleimhaut.
 
In einem frühen Stadium durchtrennt der Chirurg die Nerven zur Ausschaltung des Schmerzempfindens. Bei dieser sogenannten Gelenkdenervation spült der Chirurg das Gelenk und rafft die Gelenkkapsel. Zudem ist es möglich, eine Aufhängeplastik an einem Beugesehnenanteil anzubringen.
 
In seltenen Fällen entscheidet sich der Arzt für eine Versteifung des Gelenks, einer sogenannten Arthrodese. Diese Methode kommt deshalb weniger zum Einsatz, da damit die komplette Bewegungsfreiheit des Gelenks verloren geht und die umliegenden Gelenke mehr belastet werden. Dadurch kann es später zu Arthrosen in anderen Gelenken kommen.
 
Eine gängige Alternative ist die Entfernung des großen Vieleckbeins. Dabei setzt der Chirurg einen Platzhalter in Form eines Sehnenstreifens einer benachbarten Sehne oder aus Kunststoff ein, um ein Wandern des Mittelhandknochens zu verhindern. Dieses Verfahren nennen Ärzte auch Resektionsarthroplastik. Es verspricht eine gute und schmerzfreie Beweglichkeit und zählt zu den anerkanntesten unter Medizinern.
 
Neue minimalinvasive Verfahren ermöglichen es den Chirurgen heutzutage, durch kleine Schnitte Zwischenpolster einzufügen, die die Funktion des zerstörten Knorpels ersetzen. Damit bleibt die anatomische Struktur des Gelenks erhalten und eine eventuell benötigte weiterführende Behandlung möglich.
 
Sollte das Gelenk schon sehr zerstört sein, kann eine Gelenkprothese Abhilfe schaffen. Der Chirurg ersetzt dabei die Mechanik des Daumensattelgelenks durch ein Kugelgelenk, welches er in einer etwa einstündigen Operation unter lokaler Betäubung einsetzt.

Die Rhizarthrose kann nicht geheilt werden, jedoch können die Schmerzen gelindert oder gestoppt werden.

Was muss bei der Nachbehandlung beachtet werden?

Die Nachbehandlung hängt von der Art der Operation ab. Bei einer Resektionsarthroplastik in etwa musst Du für zwei bis drei Wochen einen Daumengips angelegen, wobei Du schon ab dem ersten Tag nach dem Eingriff selbstständig einfache Fingerübungen durchführen solltest. Dabei halte Deine Hand vorerst in Herzhöhe.
 
Zwei Wochen später entfernt der Arzt dann die Nähte und Du bekommst für etwa drei Wochen eine Mittelhanddaumenschiene. Danach kannst Du mit einer moderaten Krankengymnastik beziehungsweise Physio- oder Ergotherapie beginnen, um die Beweglichkeit Deines Daumens zu optimieren. Auch regelmäßige Lymphdrainagen können die Wundheilung fördern.
 
Für vier bis sechs Monate darfst Du Deine Hand nicht belasten, das heißt kein Abstützen, Tragen von schweren Gegenständen oder längeres Arbeiten am Computer. Erst danach kannst Du Deine Hand wieder schrittweise an normale alltägliche Belastungen gewöhnen. Diese Vorgehensweise erzielt bei über 90 Prozent der Patienten eine weitgehend schmerzfreie Situation.
 
Nach dem Einsetzen einer Prothese kannst Du im Regelfall normale Alltagsbelastungen ohne schweres Heben nach nur vier Wochen aufnehmen. Auch bei einer Versteifung des Gelenks ist die Regenerationszeit wesentlich kürzer, da der Arzt schon nach zehn bis 14 Tagen die Fäden zieht und Du gleich mit alltäglichen Bewegungen beginnen kannst. Über die nächsten zwei bis drei Wochen ist es aber ratsam, noch eine Daumenschiene zu tragen.
 
Nach einer Gelenkdenervation kannst Du oftmals bereits wenige Tage nach der Operation mit Fingerübungen beginnen. Die Fäden zieht der Arzt nach etwa zwölf Tagen. Danach kannst Du auch den Schutzverband entfernen. Die Methode zieht zwei Wochen Arbeitsunfähigkeit nach sich.

Welche Folgen und Komplikationen können während der Behandlung auftreten?

Während der Operation kommt es eher selten zu Komplikationen. Bei Personen mit einem erhöhten OP-Risiko kann der Eingriff auch unter örtlicher Betäubung gemacht werden. Eine Verletzung benachbarter Strukturen ist möglich aber selten. Ebenfalls selten kommt es nach der Operation zu Nachblutungen, Infektionen, Blutergüssen oder Wundheilungsstörungen.
 
Nach der Entfernung des Vieleckbeins kann es zu einem Durchsacken des ersten Mittelhandknochens kommen, wodurch erneute Schmerzen auftreten und eine erneute Operation nötig wird. Bei Daumensattelgelenkprothesen besteht das Risiko einer Lockerung oder einer Auskugeln des Gelenks, welches ebenso einen nochmaligen chirurgischen Eingriff nach sich zieht.

Wie ist die Prognose bei einer Rhizarthrose?

Eine Heilung der beschädigten Knorpelstrukturen ist nicht möglich, jedoch kann die Beweglichkeit des Daumens mithilfe unterschiedlicher Therapieformen verbessert sowie eine weitere Schädigung des Gelenkknorpels verhindert werden.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenversicherungsträger übernehmen die Kosten für alle notwendigen Untersuchungen. Bei den unterschiedlichen Therapieformen kann es zu Kosten kommen, die Du selbst tragen musst. Erkundige Dich dazu bei Deinem Spezialisten. Unterschiedliche Behelfe wie Orthesen oder Schienen sowie Bandagen werden in der Regel ebenfalls nach Vorlage eines Rezepts von den Krankenkassen bezahlt.

 
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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Rhizarthrose ist ein Verschleiß des Daumensattelgelenks und gehört zu den häufigsten Verschleißerkrankungen der Gelenke im Bereich der Hand.


Als typische Symptome gelten Schwellungen, Entzündungen, Fehlbildungen und Bewegungseinschränkungen, die sich schleichend entwickeln.


Als Ursache gelten Fehl- und Überbelastungen im Sport oder bei der Arbeit sowie genetische und hormonelle Faktoren.


Die Schädigung des Knorpels kann nicht geheilt werden, jedoch können die Schmerzen durch unterschiedliche konservative und operative Behandlungsverfahren gelindert oder möglicherweise gänzlich gestillt werden.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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